Halte Fest
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1. Kön. 18,41-46: Ein wirksames Gebet

Halte fest Jahrgang 1981 - Seite: 259 - Verfasser: H. S.

 Es gibt wohl keinen Gläubigen, der nicht mit dem festen Wunsch, seine Anliegen möchten erhört werden, zu Gott betet. Damit unser Gebet aber wirksam wird, müssen wir gewissen Voraussetzungen entsprechen. Gottes Wort zeigt sie uns im Leben des Propheten Elia, der ein Mann des Gebets war.

Die erste Bedingung für ein wirkungsvolles Gebet ist die Zurückgezogenheit aus der Hast und dem Getriebe dieser Welt. Wie Elia müssen wir auf den Gipfel hinaufsteigen. Der Herr selbst unterweist uns: «Wenn du betest, so geh in deine Kammer und, nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater» (Matth. 6,6). Wie oft sind unsere Gebete vergeblich, weil wir die Tür nicht «geschlossen» haben. Wenn wir in der Gegenwart Gottes weilen, sollten wir unsern Geist konzentrieren, die umherschweifenden Gedanken ausschalten und die Tür zur Welt hin schliessen. Heilige Absonderung und Zurückgezogenheit sind das erste grosse Erfordernis für ein wirksames Gebet.

Als zweites dürfen wir nie vergessen, unsern Platz im Staub vor Gott einzunehmen. Dies sehen wir treffend in dem Propheten dargestellt. Auf dem Gipfel angekommen, demütigt er sich sogleich tief vor Ihm. «Er beugte sich zur Erde und tat sein Angesicht zwischen seine Knie.» Einige Stunden vorher hatte er für Gott vor dem König, den falschen Propheten und dem ganzen Volk gestanden, und das Volk war auf sein Angesicht gefallen (V. 39). Jetzt ist Elia mit Gott allein. Sofort beugt er sich nieder und verbirgt sein Angesicht. In der Öffentlichkeit unterstützt Gott seinen Knecht; allein mit Ihm muss der Diener seine eigene Nichtigkeit angesichts der Grösse Gottes erkennen. Als Bittender muss er eingedenk sein, dass er nur Staub ist, gänzlich abhängig von der Gnade Gottes. «Siehe doch», sagte Abraham, «ich habe mich unterwunden zu dem Herrn zu reden, und ich bin Staub und Asche» (1.Mose 18,27).

Diese Verse aus 1.Könige 18 enthüllen uns noch ein weiteres Geheimnis eines wirksamen, inbrünstigen Gebets. Wir müssen nicht nur beten, sondern «wachen und beten». «Beharret im Gebet und wachet in demselben mit Danksagung» (Kol. 4,2). - «Zu aller Zeit betend mit allem Gebet und Flehen in dem Geiste und eben hierzu wachend in allem Anhalten» (Eph. 6,18). Bei Elia sehen wir dieses Wachen in den Worten zu seinem Knecht: «Gehe doch hinauf, schaue nach dem Meere hin.» Und er ging hinauf und schaute, und er sprach: «Es ist nichts da.» Der Prophet hatte das Rauschen gehört, das ihn zum Gebet aufforderte, und er betete und wachte, aber zuerst sah er nichts. Ist es heute nicht oft ebenso? Wir beten und wachen dann, in der Erwartung, die Hand Gottes wirken zu sehen. Aber es tut sich scheinbar nichts. Warum? Vielleicht nimmt etwas, das aus unserem Eigenen stammt, unsern Blick gefangen, und deshalb sehen wir nichts von Gott. Wir müssen unsere eigene Nichtswürdigkeit erkennen, bevor wir Gott wirken sehen. Wir glauben, Gott werde uns wegen der Dringlichkeit des Falles, der Inbrunst unserer Gebete, der Richtigkeit unserer Angelegenheiten erhören. Aber Gott lässt uns warten, bis wir uns bewusst sind, dass, obgleich wir vor Menschen tatsächlich eine gerechte Sache haben, wir vor Gott unwürdige Bittsteller sind, die nicht zu fordern haben, und nur Gottes Handeln in Gnade erflehen können. Ferner will Gott uns belehren, dass das Gebet kein Geheimmittel ist, das wir in irgendeinem Augenblick anwenden, um sogleich die Erfüllung unserer Bitten erlangen zu können, sondern dass die Kraft des Ä:' Gebetes bei Dem liegt, zu dem wir beten.

Unabhängig von unserer Beurteilung der Grösse und Dringlichkeit unserer Angelegenheiten, hat Gott seine eigene Zeit und seinen Weg, auf unsere Gebete zu antworten. Wenn wir nun beten und wachen und doch mit dem Knecht Elias zugeben müssen, dass «nichts da» ist, was können wir dann noch tun? Die Antwort liegt in der Aufforderung: «Gehe wieder hin, siebenmal.» Mit andern Worten, wir müssen ausharren. Der Apostel Paulus ermahnt uns, nicht nur zu beten, sondern «mit allem Anhalten» zu wachen. Wir können Gott nicht drängen. Wir denken an das, was uns angenehm ist, Gott denkt an das, was zu seiner Verherrlichung und zu unserem Nutzen dient.

Möchten wir unsere Herzen im Licht dieser Begebenheit prüfen. Suchen wir die heilige Absonderung zum Gebet? Wie steht es mit unserer Erniedrigung vor Gott? Sind wir bereit, mit Ausdauer zu wachen? Wenn wir diesen Voraussetzungen entsprechen, dürfen wir auch mit einer Antwort auf unser Gebet rechnen. Und wenn wir nur «eine kleine Wolke», nicht grösser als «eines Mannes Hand», entdecken, so darf der Glaube dahinter die Hand Gottes sehen, die im Begriff steht, Grosses zu tun.

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Letzte Änderung am 27.03.2010.