Halte Fest
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3. Mose 1,14-17: Christus, dargestellt im Brandopfer vom Geflügel

Halte fest Jahrgang 1997 - Seite: 197 - Verfasser: H. L. Heijkoop

«Und wenn ein Brandopfer vom Geflügel seine Opfergabe ist dem Herrn, so soll er von den Turteltauben oder von den jungen Tauben seine Opfergabe darbringen» (3.Mose 1,14).

Von den verschiedenen Brandopfern in 3.Mose 1 ist dasjenige vom Geflügel das geringste. Es bestand aus Turteltauben oder jungen Tauben. Hier ist keine Rede davon, dass der Opfernde seine Hand auf den Kopf des Opfers legen musste, wie in Vers 4, wo das Opfertier ein männliches Rind ist. Dieses Handauflegen spricht vom Bewusstsein, das der Opfernde von seiner Einsmachung mit dem Herrn Jesus in der Herrlichkeit seines Werkes hat.

Beim Geflügel finden wir beim Opfernden auch kein Empfinden von der Bedeutung dessen, was durch ein männliches, bzw. weibliches Tier ausgedrückt wird. Bei den andern Arten von Brandopfern wird ausdrücklich ein männliches Tier verlangt. Die Kenntnis, die dieser Opfernde vom Werk des Herrn hat, ist dafür zu gering. Und doch sprechen die Turteltauben oder die jungen Tauben vom Herrn Jesus. Wir sehen in 3.Mose 5,7-9, dass sie als Sündopfer gebracht werden konnten. Und in Kapitel 1,14 sehen wir ebenfalls, dass das Opfer mehr den Charakter eines Sündopfers als den eines Brandopfers trägt.

Die Tauben, die Vögel des Himmels, reden vom Herrn Jesus als dem Menschen aus dem Himmel, wie Er in 1.Korinther 15,47 genannt wird. Und das ist tatsächlich das Höchste: den Herrn Jesus als Sohn Gottes, als den Schöpfer von Himmel und Erde, zu kennen. Aber hier sehen wir, dass jemand, der sehr wenig Erkenntnis hat und sich sehr wenig mit dem Erlösungswerk des Herrn Jesus und was dieses für Gott bedeutet, beschäftigt, doch diese Kenntnis besitzt. Denn es ist wahr, dass, wer den Herrn Jesus nicht kennt und Ihn nicht als Gott, den Sohn, erkennt, kein Christ und nicht errettet ist.

Gott wird keinem die Sünden vergeben, der den Herrn Jesus nicht als den ewigen Sohn Gottes, als den Schöpfer von Himmel und Erde, erkennt und anerkennt. Gott kann vielleicht jemanden annehmen, der in seinen Gedanken über die Menschheit des Herrn Jesus nicht völlig klar ist. Aber niemals wird Er einen annehmen, der Ihn nicht als Sohn Gottes erkennt. Kein Freidenker wird je in den Himmel kommen, denn er leugnet, dass Jesus Gott ist. Hier finden wir den Charakter dessen, was jeder, der sich bekehrt hat, als erstes in seinem Herzen besitzt: die Überzeugung, dass Er Gott, der Sohn, ist. Wie Thomas sagte: «Mein Herr und mein Gott». Das ist das erste.

Viele Gläubige, die den Herrn Jesus als den ewigen Sohn Gottes kennen, haben jedoch kein richtiges Gedankenbild und keine richtige Kenntnis von der Tatsache, dass Er auch wahrhaftiger Mensch war und ist. Vor mehr als 50 Jahren hatten einige Gläubige gerade über diese Tatsache ein Problem. Ein Bruder hatte Lukas 2,52 herangezogen: «Und Jesus nahm zu an Weisheit und an Grösse und an Gunst bei Gott und Menschen.» Andere Brüder meinten, dass dieses Zunehmen nur scheinbar war, denn der Herr Jesus sei doch von Anfang an die Weisheit. Die Brüder dachten nicht daran, dass Er wahrhaftig und nicht scheinbar Mensch war. Jener, der Lukas 2,52 vorgelesen hatte, antwortete darauf mit der Frage: «War es dann auch nur scheinbar, dass Er an Grösse zunahm?» Darauf konnte man nicht antworten, denn dies geschieht nicht scheinbar.

Der Herr Jesus war damals wirklich ein Kind und ein wahrhaftiger Mensch. Als Er in der Krippe lag, war Er ein Baby wie jedes andere Kleinkind, jedoch ohne die Erbsünde in sich zu haben, aber abhängig von der Pflege und Betreuung der Maria. Und doch war Er zur gleichen Zeit der ewige Gott, der Schöpfer von Himmel und Erde, der das Weltall durch das Wort seiner Macht trägt. Wir können das nicht begreifen, wie da ein Baby liegt, völlig abhängig von der Fürsorge seiner Mutter, das gleichzeitig der ewige Gott ist.

Wie viele sind über das Wort des Herrn Jesus gestrauchelt: «Von jenem Tag aber oder der Stunde weiss niemand, weder die Engel im Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater» (Mark. 13,32). Sie sagen, dass der Herr es wohl wusste, aber sich in diesen Zustand versetzte. Nein, der Herr Jesus war wahrhaftiger Mensch. Er verspürte Hunger, litt Durst, Ihn verlangte nach Mitgefühl, nach Liebe. Ermüdet sass Er am Jakobsbrunnen (Joh. 4). Er litt furchtbare körperliche und seelische Schmerzen am Kreuz - ein wirklicher Mensch, und doch zu derselben Zeit der ewige Gott.

Bei Gläubigen, die sich wenig mit der Herrlichkeit des Herrn Jesus und der Herrlichkeit seines Werkes beschäftigen, sieht man häufig, dass sie überzeugt sind, dass Er wahrhaftig Gott ist. Sie zweifeln keinen Augenblick daran und haben Ihn mit dem ganzen Glauben ihres Herzens angenommen. Aber sie haben eine sehr undeutliche Vorstellung davon, dass Er auch wahrhaftiger Mensch war und ist. Und diesen Sachverhalt sehen wir auch im Brandopfer vom Geflügel in 3.Mose 1,14-17 vorgestellt.

«Und er soll sie an den Flügeln einreissen, er soll sie nicht zertrennen; und der Priester soll sie auf dem Altar räuchern, auf dem Holz, das über dem Feuer ist: Es ist ein Brandopfer, ein Feueropfer lieblichen Geruchs dem Herrn» (V. 17).

Man hört wohl, dass vom Herrn Jesus gesagt wird, Er habe seine Herrlichkeit abgelegt. Aber es ist so, wie es Philipper 2,7 sagt, dass Er sich selbst zu nichts machte, oder wie die Fussnote sagt, sich selbst entäusserte oder entleerte. Die Flügel mussten nur eingerissen, die Taube sollte nicht zertrennt werden. Obwohl der Herr Jesus sich entäussert hat, konnte Er nicht aufhören, Gott, der Sohn, zu sein. Er blieb der ewige Gott. Er konnte nicht aufhören, der Träger und Erhalter aller Dinge zu sein. Er konnte nicht aufhören, allgegenwärtig zu sein. Zu derselben Zeit, da Er nachts in jenem Haus in Jerusalem mit Nikodemus sprach, war Er im Himmel. Denn Er sagte zu jenem Mann: «der Sohn des Menschen, der im Himmel ist» (Joh. 3,13). Er war allezeit im Schoss des Vaters, wie es Johannes 1,1 sagt, und doch war Er in jener Nacht persönlich bei Nikodemus anwesend. Er war dort in Jerusalem und zu derselben Zeit im Haus seines Vaters. Das ist es, was Er in Matthäus 11,2 sagt: «Niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn und wem irgend der Sohn ihn offenbaren will.» Der Herr fügt von sich nicht hinzu: «und wem der Vater ihn offenbaren will.» Dieses Geheimnis - wahrhaftiger Mensch und ewiger Gott in einer Person - ist nur für den Vater. Jesus Christus war wirklicher Mensch wie wir, jedoch ohne Sünde. Er war vollkommen getrennt vom Bösen, sagt die Schrift, und Er war gleichzeitig der ewige Gott, wie der Vater und der Heilige Geist.

Wenn jemand so arm ist, dass er selbst das nicht ganz in seinem Herzen besitzt, dann sagt Gott doch: Wenn da nur etwas da ist, das von der Herrlichkeit des Herrn Jesus redet, dann bringt es Mir! Bei diesem Brandopfer vom Geflügel sehen wir, dass der Opfernde nur sehr wenig zu tun brauchte. Er musste noch viel weniger tun als beim Schaf (3.Mose 1,10-13). Er gab die Vögel einfach dem Priester, Dieser sollte die Turteltauben oder die jungen Tauben zum Altar bringen. Er, der Opfernde, durfte sie nicht schlachten. Dazu war er nicht imstande. Der Priester sollte den Vögeln den Kopf einkneipen und sie auf dem Altar räuchern. Und ihr Blut? Nein, der Priester kann es nicht sprengen. Eine Taube hat so wenig Blut, dass es nicht gesprengt werden kann. Er musste das Blut an die Wand des Altars ausdrücken.

So wenig Erkenntnis von der wunderbaren Kraft des Blutes des Herrn Jesus ist bei diesem Anbeter vorhanden, dass es «ausgedrückt» werden muss. Er hat nichts erkannt von all den wunderbaren Folgen der Tatsache, dass der Herr Jesus sein Blut gegeben hat. Es kann sein, dass ich weiss:

Alle, alle meine Sünden
hat sein Blut hinweggetan

und dass sich damit meine Erkenntnis über das Blut erschöpft, weil ich mich nie damit beschäftigt habe, was der Vater mir in seinem Wort über die wunderbare Kraft des Blutes seines Sohnes mitteilt. Hier muss der Priester alles für den Opfernden tun. Aber er kann nicht mehr bringen, als was der Opfernde ihm gegeben hat. Er kann mit einer Turteltaube nicht das tun, was er mit einem Schaf oder einem Rind hätte tun können. Er kann nur das Blut ausdrücken.

«Und er trenne ihren Kropf mit seinem Unrat ab und werfe ihn neben den Altar gegen Osten, an den Ort der Fettasche» (V. 16).

Gott weist hier darauf hin, dass es sogar Teile gibt, die Er nicht als Opfer annehmen kann. Diese Teile mussten auf der Ostseite des Altars an den Ort der Fettasche geworfen werden. Das ist eigentlich der Platz, wo das Sündopfer hinkam, das ja nicht auf den Altar kommen durfte. Es geht hier um einen Teil von dem, was als Brandopfer dargebracht wurde, aber eigentlich den Charakter des Sündopfers trägt. Demnach kann es kein Brandopfer sein. Und wenn wir uns selbst und unsere eigene Praxis kennen, müssen wir dann nicht fürchten, dass Teile von dem, was wir als Brandopfer darbringen, den Charakter des Sündopfers trägt, so dass es ein Kropf ist, den Gott nicht annehmen kann? Gott, der Herr, sagt hier: Solches darfst du nicht auf meinen Altar bringen.

Aber wenn doch etwas vom Herrn Jesus redet, wenn etwas Weniges dabei ist, das Brandopfer-Charakter hat, dann ist dies wohlgefällig für Gott, denn wir finden am Ende des Abschnitts:

«Es ist ein Brandopfer, ein Feueropfer lieblichen Geruchs dem Herrn» (V. 17).

Wunderbare Gnade von Seiten Gottes, der bereit ist, auch das Geringste und Kleinste von uns anzunehmen, wenn es nur vom Herrn Jesus spricht! Eigentlich könnte Er von uns «ein Rind» erwarten, denn Er hat uns den ganzen Reichtum und alle Herrlichkeit des Werkes seines Sohnes in seinem Wort vorgestellt, Zudem hat Er uns befähigt, dies alles zu erkennen und in unser Herz aufzunehmen, so dass wir Ihm ein grosses Opfer darbringen könnten.

Gott will unser Opfer sogar dann annehmen, wenn es dem Charakter nach dem Sündopfer sehr ähnlich ist, weil wir so egoistisch sind, dass wir nur an uns denken, an das, was wir wegen unseren Sünden nötig hatten. Aber wie armselig ist es, nur das zu tun!

Jemand, der nur an das Sündopfer denkt, an das, was er nötig zu haben glaubt, wird niemals zur Erkenntnis dessen kommen, was die Liebe Gottes für ihn bereitet und was das Werk des Herrn Jesus für ihn zustande gebracht hat. Wir müssen uns zuerst von uns selbst lösen und uns mit dem beschäftigen, was Gottes Wort uns über das vorstellt, was der Herr Jesus durch sein Werk am Kreuz für Gott getan hat, wie Er Ihn verherrlicht hat. Erst dann werden wir lernen, die wunderbaren Folgen zu sehen, die für uns daraus hervorgekommen sind.

Es ist die wunderbare Gnade Gottes, die uns auch dann, wenn wir vor Ihn kommen, um Ihm etwas zu bringen, stets mit viel mehr in unserem Herzen weggehen lässt, als mit dem, womit wir gekommen sind, um es Ihm zu geben. Dann werden wir, je näher wir zu Gott kommen, um auf seine Gedanken einzugehen und Gemeinschaft mit Ihm zu haben, reich in Ihm. Denn dann sehen wir eben die volle Herrlichkeit des Herrn Jesus und dadurch von selbst auch die Herrlichkeit der Stellung, die wir aufgrund seines Werkes empfangen haben.

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Letzte Änderung am 27.03.2010.