Halte Fest
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3. Mose 13: «Ich nicht - er auch!»

Halte fest Jahrgang 2001 - Seite: 126 - Verfasser: U. Furrer

So pflegten wir uns als Buben jeweils zu rechtfertigen und dem anderen die Schuld zuzuweisen, wenn uns die Mutter für irgendeine Dummheit bestrafen musste. Leider nützte diese Entschuldigung nichts, denn erst als wir älter wurden, merkten wir, dass uns das Wörtchen «auch» verraten hatte!

Auch wenn man nicht der Hauptschuldige war, so hiess das noch lange nicht, dass man unschuldig war. Es machte die Sache auch nicht besser, dass der andere schuldiger war als man selbst.

Diese Lektion finden wir in 3.Mose 13, wo für die Behandlung des Problems der Sünde ein ebenso anschauliches wie treffendes Bild gebraucht wird: die von Gott gegebene Anweisung für die Beurteilung des Aussatz-Übels. Wenn jemand unter dem Volk Gottes aussätzig wurde, so sahen das die andern und brachten den Kranken zum Priester. Die göttlichen Anweisungen zeigen klar, dass es einzig und allein auf die Beurteilung des Priesters ankam, ob einer als «unrein» erklärt werden musste, oder ob er als «rein» gelten durfte.

Die Auffassung des Betroffenen über seinen eigenen Zustand war nicht gefragt, und seine Beobachtungen, dass andere noch schlimmer vom Aussatzübel befallen waren als er, interessierten niemand:

  • Er mochte leugnen: «Halt, ich bin nicht aussätzig» - erkannte der Priester den Aussatz, so lautete die Diagnose: «Unrein»
  • Solange er dachte: «Ich bin zwar aussätzig, aber etwas Gesundes ist bei mir doch noch vorhanden», so blieb er weiterhin «unrein»
  • Behauptete er: «Zugegeben, ich bin aussätzig, aber andere sind es weit mehr», so musste der Priester ihn gleichwohl für «unrein» erklären

Es gab nur einen Fall, in dem der Priester einen Aussätzigen für «rein» erklären durfte, und zwar dann, wenn jemand vom Scheitel bis zur Sohle vom Aussatzübel bedeckt war!

Die alttestamentliche Bildersprache macht deutlich, auf wen das zutrifft:

  • wer keinen guten Faden mehr an sich findet
  • wer aufhört, seinen Zustand irgendwie zu beschönigen
  • wer sich nicht mehr für besser hält als andere
  • wer das Böse nur noch bei sich und nicht mehr bei den anderen sieht

Es genügt nicht zuzugeben, dass man theoretisch zu allem fähig ist, sondern dass man praktisch auch alles tut, zum Mindesten in Gedanken. Hat man irgendetwas Böses nicht getan, so vielleicht nur deshalb, weil man keine Gelegenheit dazu hatte, jedenfalls aber, weil die Gnade einen bewahrt hat, sicher aber nicht deshalb, weil man besser ist als andere.

Ein Aussätziger musste - und wurde auch - von der Gesellschaft ausgeschlossen, solange er vom Priester für «unrein» erklärt wurde, und zwar wegen der Ansteckungsgefahr! So ist das auch heute, wenn jemand aus der Versammlung ausgeschlossen und der Umgang mit ihm gemieden werden muss: Es ist tätige Liebe!

Ein Ziel jedes Ausschlusses ist die Wiederherstellung des Schuldigen. Diese wird ausschliesslich dadurch möglich - und beschleunigt -, dass jemand einsieht, wirklich von oben bis unten «aussätzig» zu sein.

Zu keiner Wiederherstellung kommt es dann, wenn der Betroffene sich nicht als vollständig «aussätzig» anerkennen will, und sich deshalb gegen die Zucht der Versammlung auflehnt. Er möchte vielleicht sogar wieder in die Gemeinschaft am Tisch des Herrn aufgenommen werden, was aber unmöglich ist, solange er nicht bereit ist, den untersten Weg zu gehen.

Wenn es schon schlimm genug ist, «aussätzig» zu sein, so ist es weit schlimmer, «aussätzig» zu bleiben. Aber am schlimmsten von allem ist es, sich um keinen Preis unter diesen Zustand beugen zu wollen, obwohl gerade dies der einzige Weg zu einer gottgemässen Wiederherstellung ist.

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Letzte Änderung am 27.03.2010.