Zweierlei Samen
Halte fest Jahrgang 1977 - Seite: 164 - Verfasser: G. A. (Aux Jeunes)
«Du sollst deinen Weinberg nicht mit zweierlei Samen besäen» (5.Mose 22,9)
Der Wein ist im Wort ein Sinnbild der Freude (Richt. 9,13). Es ist klar, dass diese Stelle aus 5.Mose, wie auch die folgenden, für uns in ihrer geistlichen Bedeutung und nicht in ihrem wörtlichen Sinn zu nehmen sind. Somit kann der Weinberg als Quelle der Freude betrachtet werden. Für den Gläubigen gibt es zwei Quellen von Freuden: vor allem die Freude in dem Herrn, in der Gemeinschaft mit Ihm (Joh. 15,11), in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohne (1.Joh. 1,4). Dann auch die irdischen Freuden, die wir mit Dankbarkeit aus der Hand Gottes empfangen (1.Tim. 6,17b). - Nicht aber all die verderbten Genüsse der Welt, meist trügerische und vergängliche Freuden, gar zu oft verbunden mit der Lust der Augen und des Fleisches.
Wie wichtig ist es, dass das Kind Gottes nicht zwei «Weinberge» habe, auf die Gefahr hin, sowohl die Freude des einen wie des andern zu verlieren.
«Dein Feld sollst du nicht mit zweierlei Samen besäen» (3.Mose 19,19)
Das «Feld», in dieser Stelle, kann als Bild genommen werden für unser Herz. Welchen Samen breiten wir darin aus? Den Samen, der aus unseren Lektüren, aus Unterhaltungen kommt, aus gesehenen und gehörten Dingen... Während «die Menschen schliefen» hat der Feind Unkraut gesät (Matth. 13,25). Ganz am Anfang zeigte sich nichts, aber als der Getreidehalm emporwuchs, «da erschien auch das Unkraut». Der schlechte Same, den man in sein Herz in sein Inneres eindringen liess, weil man daran Gefallen fand, keimt gewöhnlich nicht sogleich; später aber ist man erstaunt zu sehen, wie ein Christ, der den Herrn zu lieben schien und Ihm dienen wollte, sich immer mehr vom Zusammenkommen und von seinem Meister entfernt. «Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? woher hat er denn Unkraut? Er aber sprach zu ihnen: Ein feindseliger Mensch hat dies getan.» Wie wichtig ist es, in der Jugend und in jedem Alter wachsam zu sein, um nicht diesen Samen, der schlechte Frucht bringen wird, in sich eindringen zu lassen, sondern im Gegenteil «den Samen, der das Wort Gottes ist», zu pflanzen, der Frucht zur Ehre des Herrn hervorbringen kann, «eines dreissig- und eines sechzig-, und eines hundertfältig» (Mark. 4,20).
In unserem Text kann «das Feld» auch die Sphäre des Dienstes für den Herrn bedeuten. Alle, die berufen sind, darin zu arbeiten, wünschen den göttlichen Sämann nachzuahmen. Er säte nur guten Samen auf das Feld, wenn auch etliches an den Weg, auf das Steinige oder unter die Dornen gefallen ist. Aber es besteht grosse Gefahr, «zweierlei Samen» zu säen. Das war bei den Galatern der Fall, unter denen solche waren, die das Gesetz mit der Gnade vermischen wollten. Bei den Kolossern suchten andere aus ihnen durch die Philosophie ihre «Beute» zu machen, durch menschliche Lehren, durch sogenannte «Offenbarungen», die über das hinausgingen, was Gott uns sagen wollte. Zudem stellten sie «Satzungen» auf - «berühre nicht, koste nicht, betaste nicht!» - die von der lebendigen Wirklichkeit des Anhangens an einen auferstandenen Christus ablenkten (Kol. 2). Eine Lehre ist umso gefährlicher, wenn sie zu den Unterweisungen des Wortes solche der Menschen hinzufügt.
«Du sollst nicht Zeug von verschiedenartigem Stoffe anziehen, Wolle und Leinen zusammen» (5.Mose 22,11)
Das Kleid redet vom äusseren Zeugnis. Dieser Vers führt uns nicht dazu, Stoffe zu meiden, die aus verschiedenartigen Fasern bestehen, sondern wachsam zu sein bezüglich unseres Wandels in dieser Welt, und - wenn man an die Kleider der Priester denkt - bezüglich des Gott geweihten Dienstes, besonders im Gottesdienst und im Gebet.
Aaron sollte in Linnen gekleidet sein, wenn er ins Heiligtum hineinging (3.Mose 16,4). So wird es auch mit den Söhnen Zadoks sein, wenn sie im zukünftigen Tempel Jehova nahen (Hes. 44,17-18). Als Mittel zu natürlicher Wärme hat die «Wolle» - Sentimentalität, menschliche Beredsamkeit keinen Platz im Hause Gottes. Zur Hochzeit des Lammes ist die Braut gekleidet «in feine Leinwand, glänzend und rein». In Offenbarung 19 stellt die feine Leinwand die «Gerechtigkeiten der Heiligen» dar, die gerechten Taten, die ihren Wandel und ihr Zeugnis während ihres Lebens hienieden gekennzeichnet haben.
«Du sollst nicht pflügen mit einem Rind und einem Esel zusammen» (5.Mose 22,10).
Das Bild des «Pflügers» oder «Ackermanns» wird im Wort oft verwendet, sei es, um den Herrn Jesus selbst darzustellen, oder auch die Seinigen, denen Er einen Dienst auf dem Felde anvertraut hat. «Der Ackerbauer muss, um die Früchte zu geniessen, zuerst arbeiten», sagt Paulus zu Timotheus (2.Tim. 2,6). Diese Arbeit wäre ohne den Segen von oben und die vertrauensvolle Erwartung, die Gott bewirkt, umsonst: «Siehe, der Ackersmann wartet auf die köstliche Frucht der Erde und wartet ihretwegen, bis sie den Früh- und Spätregen empfange» (Jak. 5,7). Vom Herrn selbst kann gesagt werden: «Von der Mühsal seiner Seele wird er Frucht sehen und sich sättigen». Diese Freude teilt Er mit den Seinigen, die «mit Tränen gesät» haben (Psalm 126,5-6).
Wie zusammen pflügen, wenn man nicht im selben Schritt geht, nach den gleichen Grundsätzen? Paulus und Apollos waren zweifellos nicht gleichartig. Paulus hatte «gepflanzt», indem er vor allem das Werk eines Evangelisten erfüllte; Apollos hatte «begossen», indem «er den Glaubenden durch die Gnade sehr behilflich war» (Apostelg. 18,27). Sie hatten verschiedenartige Charaktere und Gaben, aber diese beiden Diener hatten auf den gleichen Grundlagen gearbeitet. Der Apostel kann sagen: «Der aber pflanzt und der begiesst sind eins» (1.Kor. 3,8).
Zum Pflügen durfte man nicht ein Rind und einen Esel zusammenspannen. Das Rind war ein reines Tier, das als Opfer dargebracht werden konnte. Der Esel aber musste mit einem Lamm gelöst werden (2.Mose 13,13). Er hätte nicht auf dem Altar geopfert werden können. Ein Rind und ein Esel könnten nicht im selben Schritt gehen und eine gerade Furche pflügen. Und der Apostel ermahnte die Korinther ernstlich vor dem «ungleichen Joch» (2.Kor. 6,14-18) - ob es sich um die Heirat oder um den Dienst auf dem Felde des Meisters handelte (3.Mose 19,19; 5.Mose 22,10).
Einzig die Wirksamkeit des Geistes in unseren Herzen und die Liebe für den Herrn werden uns helfen, zu erkennen: die Freuden, die wir «mit Ihm» geniessen können - die Art des Samens, den wir in uns eindringen lassen oder den wir auf seinem Felde verbreiten - das praktische Zeugnis, das wir in unserem Wandel und im Heiligtum ablegen - und auch jedes «Joch», das zu meiden ist, weil es nicht zu seiner Verherrlichung wäre.