Halte Fest
Geben Sie ein Stichwort ein:
erweiterte Suche

Die Weissagungen Haggais

Halte fest Jahrgang 1964 - Seite: 233

und ihre Anwendung auf die gegenwärtigen Tage

Übersicht

1. Der geschichtliche Hintergrund
2. Der Bau des jetzigen Hauses Gottes
3. Richtet euer Herz auf eure Wege! (Haggai 1)
4. Ermunterungen (Haggai 2,1-9)
5. Aufruf zu praktischer Heiligkeit (Haggai 2,10-19)
6. Am Ende triumphiert die Gnade (Haggai 2,20-23)

1. Der geschichtliche Hintergrund

Die Umstände, welche die Weissagungen Haggais nötig machten, beziehen sich auf die letzten, im Alten Testament berichteten Ereignisse. Als der sittliche Verfall Israels sein Höchstmass erreichte, erklärte Gott dieses Volk als «Lo-Ammi» (Nicht-mein-Volk). Einige Jahre darauf wurden die zehn Stämme in die Gefangenschaft weggeführt und später auch noch Juda und Benjamin. Der Feind zerstörte Jerusalem und den Tempel, den die Herrlichkeit Gottes schon vorher verlassen hatte. Fortan war in den Augen der Menschen kein Haus Gottes mehr auf der Erde.

Als die durch die Propheten angekündigten siebenzig Jahre der Gefangenschaft (Jer. 29,10; Dan. 9,2) zu ihrem Ende gekommen waren, wurde zur Wiederherstellung des Volkes Kores erweckt. Auf den Aufruf dieses Königs, im Jahre 536 v.Chr., kehrte ein Überrest aus Juda und Benjamin, im ganzen 49'897 Männer und Frauen, unter der Führung Serubbabels und Jeschuas nach Jerusalem zurück, um «das Haus Jehovas» zu bauen (Esra 1,2-3).

Im siebenten Monat richteten sie den Altar an seiner Stätte auf (Esra 3,2-3) und brachten dort ihre Opfer dar. Dadurch stellten sie das grosse öffentliche Zeugnis ihrer Beziehungen zu Gott wieder her.

«Und im zweiten Jahre ihres Kommens zum Hause Gottes in Jerusalem» legten sie den Grund zum Tempel Jehovas (3,8) mit freudigem Jauchzen, das mit der Stimme des Weinens vermischt war. Die Feinde Judas anerboten sich, am Werke des Volkes Gottes mitzuhelfen. Aber die Obersten verweigerten es. Das übrige Volk befiel Furcht, und das Werk wurde aufgegeben.

Der Unterbruch währte sechzehn Jahre; sechs Jahre davon wegen dieser Furcht und zehn weitere Jahre wegen eines Verbotes Ahasveros', welches das Weiterbauen ausdrücklich untersagte. Dieses Verbot kann als Züchtigung Gottes wegen des Mangels an Glauben beim Überrest betrachtet werden.

Im zweiten Jahre des Darius wurden die Propheten Haggai und Sacharja erweckt; ihre Ermahnungen verfehlten ihre Wirkung nicht. Von da an änderte sich alles; das Volk kümmerte sich nicht mehr um die Könige, nicht mehr um die Menschen und ihren Widerstand; die Arbeit wurde wieder aufgenommen, und der grosse Bau wurde am Ende von vier Jahren vollendet.

Während dieser ganzen Zeit gelang es ihnen, nicht wegen des Befehls des Darius, sondern «durch die Weissagung Haggais des Propheten und Sacharjas», und sie vollendeten ihr Werk «nach dem Befehle des Gottes Israels», welcher die Entscheidungen der Herrscher, denen sie unterstellt waren, bewirkt hatte (Esra 6,14).

Im Jahre 515 v.Chr. (Esra 6,15) wurde das Haus beendet und das Volk feierte mit Freuden das Passah und das Fest der ungesäuerten Brote (Esra 6,19-22).

Hier endet der erste Teil des Buches Esra, der sich auf unsere Weissagung bezieht. Er umfasst drei grosse Tatsachen: 1. den Bau des Altars, 2. die Errichtung der Grundlage, und dann - nach einer Zwischenzeit von sechzehn Jahren, auf welche eine Erweckung des Volkes folgte - 3. die Aufrichtung und die Vollendung des Hauses.

2. Der Bau des jetzigen Hauses Gottes

Der Trümmerhaufen

Diese Geschichte Israels betrifft auch uns. «Alle diese Dinge aber widerfuhren jenen als Vorbilder und sind geschrieben worden zu unserer Ermahnung, auf welche das Ende der Zeitalter gekommen ist» (1.Kor. 10,11). Zwischen ihrer und unserer Geschichte besteht eine enge Beziehung. Die Umstände des irdischen Volkes können mit denen des himmlischen Volkes verglichen werden, mit dem Unterschied, dass die materiellen Ereignisse für uns Christen ein geistliches Gegenstück haben.

Die Versammlung (Kirche) ist, wie Israel, ein göttliches Gebilde. Wie jenes Volk steht sie hienieden auf dem Boden der Verantwortlichkeit, und sie hat, wie Israel, gefehlt, was zu einem vollständigen Ruin ihres Zeugnisses führte. Der Mensch hat verderbenbringende Elemente aufgenommen. Wo findet man heute die Kirche Gottes? Ohne Zweifel hat ihre Einheit in den Augen Gottes nicht zu bestehen aufgehört, und auch der Glaube sieht sie so. Zweifellos wird Der, welcher ihr Baumeister wie auch ihr Bräutigam ist, sich die Versammlung am Ende verherrlicht darstellen. Aber, ihrer Verantwortlichkeit überlassen, ist sie, in den Augen der Welt, nichts anderes mehr, als ein ungeheurer Trümmerhaufen. [In diesem Artikel reden wir nur von der Kirche als dem Hause Gottes, dessen Bau der Verantwortlichkeit des Menschen übergeben ist. Das Wort Gottes betrachtet die Kirche noch von anderen Gesichtspunkten aus. Wir können hier aber nicht darauf eingehen.]

Wiederaufbau nicht Neubau

Nachdem nun der Verfall vollendet ist, ruft Gott in unseren Tagen, wie einst in den Tagen Esras, die Gläubigen, den schwachen Überrest in der Christenheit, zum Wiederaufbau Seines Hauses auf Für einen Juden war das Haus Gottes der materielle Tempel, wo es Gott wohlgefallen hatte, Seinen Namen daselbst wohnen zu lassen; für den Christen dagegen ist es ein geistliches Haus, zusammengesetzt aus lebendigen Steinen, dazu bestimmt, «eine Behausung Gottes im Geiste» zu sein (Eph. 2,22).

Beachte, dass es sich für den Überrest Israels keineswegs darum handelte, ein zweites Haus aufzurichten, und auch für den christlichen Überrest geht es nicht darum, eine neue Kirche zu bauen. Einige haben sich darin getäuscht und versuchen, aus Mangel an Kenntnis der Gedanken Gottes, ein neues Haus aufzurichten. Man hört sie von «ihrer Kirche» reden, als ob sie damit einen Gott gemässen Bau aufgerichtet hätten. Aber ihr Werk ist nur ein zu den alten Ruinen hinzugefügtes neues Trümmerstück. In den Augen Gottes gibt es nur eine Kirche, wie Er in Israel auch nur einen Tempel hatte. Sie bleibt diese eine Kirche, diese eine Versammlung, und es wird nie eine zweite geben.

Daher finden wir bezüglich des Tempels folgende Ausdrücke: Sie «fingen an, das Haus Gottes in Jerusalem (oder: ,das in Jerusalem ist’) zu bauen» (Esra 5,2). Obwohl zerstört, war es immer noch dort. «Wir bauen das Haus wieder auf, das viele Jahre zuvor gebaut wurde» (Vers 11). Das neue Haus ist dasselbe wie das alte. «Der König von Babel... hat dieses Haus zerstört..., der König Kores hat Befehl gegeben, dieses Haus Gottes wieder aufzubauen» (Verse 12-13). Das zerstörte ist dasselbe Haus wie das wieder aufgebaute. Und schliesslich finden wir in Haggai, im Blick auf eine kommende Zeit, das Wort: «Ich werde dieses Haus mit Herrlichkeit füllen», und: «die letzte Herrlichkeit dieses Hauses wird grösser sein als die erste» (Kap. 2,7.9). Der Prophet sagt nicht: Die Herrlichkeit dieses letzten Hauses. Denn wenn auch die Herrlichkeit verschieden ist, so wird das Haus - von Gott aus gesehen - doch immer dasselbe bleiben. Es gab in der Vergangenheit mehrere Tempel: den Tempel Salomos, den des Serubbabel und den des Herodes (ein erweiterter Bau des Tempels von Serubbabel); und es wird auch in der Zukunft solche geben: den des Antichrists und schliesslich den Tempel Hesekiels im Tausendjährigen Reiche. Aber Gott sieht nicht fünf, sondern nur einen Tempel.

Auch für die heutigen Gläubigen bedeutet das Bauen am Hause Gottes nicht die Aufrichtung eines neuen Hauses. Sie sollen lediglich das Haus Gottes, so wie Er selbst es gebaut hat, ins Licht stellen, auch in dieser Zeit des Verfalls. Heute wie damals ist dies die Aufgabe aller derer, die Gott erweckt hat, um inmitten des gegenwärtigen Verfalls die Wahrheit der einen Versammlung Gottes auf den Leuchter zu stellen. Sie haben ein praktisches Zeugnis von dem abzulegen, was sie sein soll.

Bauen unter Trauer und Demütigung

Eine solche Wiederherstellung kann nicht ohne ein tiefes Gefühl der Traurigkeit und der Demütigung stattfinden. So gab es auch für jenen Überrest Israels, der das Haus wieder aufbaute, trotz der Freude, die alte Grundlage wieder gelegt zu sehen, manch bittere Tränen, wenn sie die Armut dieses gegenwärtigen Werkes mit dem Werke des Reichtums und der Fülle der ersten Aufrichtung verglichen (Esra 3,11-13).

Wer nicht weiss, was Kirche eigentlich ist, meint vielleicht, dieses Werk der Wiederherstellung habe bei der Reformation stattgefunden, und das, was man die Protestantische Kirche nennt, sei deren Darstellung. Aber das trifft nicht zu. Was die Reformation kennzeichnet, war das Wort Gottes, das die Ketten sprengte, mit welchen Satan es zu binden versucht hatte. Dieses Wort brachte die grossen Wahrheiten des persönlichen Heils ans Licht, während die Wahrheit der Versammlung des lebendigen Gottes der Reformation verborgen blieb und sie diese, durch die Aufrichtung verschiedener Kirchen sogar leugnete.

Die Aufrichtung des Tisches des Herrn

Das erste Zeugnis des Überrestes Israels war, wie wir im Buche Esra gesehen haben, die Versammlung am wieder aufgerichteten Altar. Auch in unseren Tagen ist es so. Der Tisch des Herrn [Im Gegensatz zum Altar, auf dem immer wieder Opfer dargebracht worden sind, erinnert das Abendmahl am Tische des Herrn an Sein vollbrachtes Werk, an das «ein für allemal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi».] ist es, der die Gläubigen, die alle berufen sind, Sein Haus «wiederaufzubauen», versammeln soll. Die Christen um das Abendmahl sammeln, bedeutet scheinbar nichts, in Wirklichkeit aber alles. Am Tische des Herrn bezeugen Seine Erlösten, eine lebendige Verbindung mit Gott zu haben, gegründet auf die Erlösung. Dieser Tisch vereinigt alle, die am Heile in Christo teilhaben; dieses Heil gibt ihnen eine Stellung und einen Charakter, die die Welt in absoluter Weise ausschliessen und die Erlösten von ihr absondern: Sie bilden eine Einheit, wovon der Tisch des Herrn der gottgemässe Ausdruck ist (1.Kor. 10,16.17).

Nur auf diesem göttlichen und biblischen Grundsatz kann der Tisch des Herrn aufgerichtet sein. Die Gläubigen, die daran teilnehmen, verkünden damit, dass die Erlösten alle ein Leib, der Leib Christi sind. Mag ihre Zahl noch so gering sein, wenn nur der Altar aufgerichtet ist.

Anderseits kann sich der Tisch des Herrn nicht inmitten einer Gruppe von Christen befinden, die sich auf Grund eines Sonderbekenntnisses oder einer besonderen Lehre von solchen trennen, die der Herr als zu Seiner Versammlung, zu Seinem Leibe gehörend anerkennt. Diese feiern wohl das Gedächtnismahl des Todes Christi, aber sie sind sich nicht bewusst, dass der Charakter dieses Mahles gerade darin besteht, der Tatsache Ausdruck zu geben, dass die Kinder Gottes von der Welt abgesondert und ein Leib in Christo sind.

Dem Feinde gegenüber bestand die Sicherheit des zurückgekehrten schwachen Überrestes darin, dass sie «den Altar an seiner Stätte» aufrichteten, «denn ein Schrecken war auf ihnen vor den Völkern der Länder» (Esra 3,3). Das Versammeln der Kinder Gottes um das sichtbare Zeichen der Einheit der Versammlung gefällt Satan nicht. Er vermag sie weniger gut anzugreifen, wenn sie diese Einheit aufrecht halten. Daher ist der Feind darauf aus - und es gelingt ihm nur zu leicht - sie zu zerstören, indem er die Schafe zerstreut.

Die Segnungen aus der Sammlung der Gläubigen am Tisch des Herrn lassen nicht auf sich warten. Gehorsam gegenüber dem Worte Gottes bringt notwendigerweise neues Licht hervor, und die Seelen kehren zur Lehre des Herrn und der Apostel zurück, zur einzigen Grundlage, auf der die Versammlung gebaut werden kann.

Wer darf mitbauen?

Nachdem Christus als der alleinige Mittelpunkt des Zusammenkommens erkannt worden ist, gilt es, lebendige Steine zum geistlichen Haus hinzuzufügen. Das bringt Schwierigkeiten. Was nun dem jüdischen Überrest begegnete, ist ein Beweis dafür.

«Wir wollen mit euch bauen», sagen die Feinde Judas und Benjamins. Hätten die Juden dazu eingewilligt, wäre dies einer Verleugnung der Einheit des Volkes Gottes gleichgekommen, die durch die Aufrichtung des Altars und durch die Fundamente des Tempels soeben ans Licht getreten war.

Gott erlaubte nicht, dass der feindliche Plan gelang. Die Segnung, die die Treuen in ihrer Einheit als Volk Gottes gefunden hatten, liess sie jeden Gedanken an eine gemeinsame Aktion mit der Welt entschieden zurückstossen: «Es geziemt euch nicht, mit uns unserem Gott ein Haus zu bauen; sondern wir allein wollen Jehova, dem Gott Israels, bauen» (Esra 4,3). Die List des Feindes war durchschaut, aber er suchte sie nun abzuschrecken. Er erhob Einspruch und erweckte Verfolgungen gegen die Treuen. Mancherlei Gründe halfen mit, dass die Hände erschlafften. Israel verlor schliesslich das Interesse am Bauen und gab das begonnene Werk auf.

Auch in unseren Tagen ist Fahnenflucht so häufig!

In diesem Augenblick trat Haggai auf, um dem Überrest die Gründe aufzuzeigen, die nach Anfängen der Kraft und der Freude, das Werk, das Gott ihnen anvertraut hatte, zum Stillstand brachte. Möchten auch wir in unserem Propheten die Ermahnungen und die Wiederherstellung finden, deren wir heute bedürfen!

3. Richtet euer Herz auf eure Wege! (Haggai 1)

Gründe für die Einstellung des Bauens

Als Haggai zum Volke gesandt wurde, war dieses in der Überlegung befangen: «Die Zeit ist nicht gekommen, die Zeit, dass das Haus Jehovas gebaut werde» (1,2). Was nützt ein solches Werk, wenn es doch nicht vollendet werden kann? Ach! Wie häufig hört man dieses Wort auch unter Christen, und selbst unter solchen, die Hand ans Werk gelegt hatten!

Dafür, dass sie ihre Bemühungen nun als überflüssig betrachteten, gibt es nur eine Erklärung: Entmutigung. Die Gründe dafür sind Furcht und das Bewusstsein der Unfähigkeit, den Hindernissen zu widerstehen, welche die Macht des Feindes ihnen entgegensetzt. Stellte aber diese Entmutigung nicht eine Herausforderung gegenüber der Macht und Treue ihres Gottes dar?

Doch wird uns der Prophet nun zeigen, dass die Entmutigung selbst im Grunde nur ein Vorwand war. Hinter ihr verbarg sich ein Grundsatz, den der Überrest kaum vermutete, oder dessen Gefährlichkeit er nicht erkannte: Selbstsucht und Weltlichkeit. «Ist es für euch selbst Zeit, in euren getäfelten Häusern zu wohnen, während dieses Haus wüst liegt?» (Vers 4). Das Volk Gottes legte seinen eigenen Angelegenheiten mehr Wert bei, als denen des Hauses Jehovas. Es sorgte für seine eigene Behaglichkeit, liess sich vom Luxus umgeben, indem es seine Häuser täfelte - und die Interessen des Tempels waren in den Hintergrund verdrängt.

Wie redet dies auch zu uns! Kaum sind die Grundlagen des Baues aus der Erde hervorgetreten, folgen wir schon unserer natürlichen Neigung und kehren zu unseren eigenen Häusern zurück und denken nur daran, für uns und die Unsrigen einen Ruheort zu finden. Wir hatten damit begonnen, Dem nachzufolgen, der keinen Ort hatte, um Sein Haupt hinzulegen; und jetzt sind wir es, die Ihn als Fremdling behandeln und Ihm kaum ein Heim gewähren in der Mitte derer, die Er errettet und aus welchen Er Sein Haus gebildet hat. Ach! Der Eifer um das Haus Gottes hat uns bestimmt nicht so verzehrt wie Ihn selbst! Wir lieben den Komfort unserer getäfelten Häuser und lassen uns, wir die Himmelsbürger, zu denen herab, «die auf der Erde wohnen!»

Züchtigungen des Herrn

Beachten wir nun dieses Wort: «Richtet euer Herz auf eure Wege!» (1,5). Es wird so oder ähnlich in dieser kurzen Weissagung fünfmal wiederholt.

Lasst auch uns stillstehen, um über unsere Wege nachzusinnen; betrachten wir ihre Folgen! Sie hatten Züchtigungen des Herrn über unsere Weltförmigkeit und unsere Selbstsucht zur Folge: «Ihr habt viel gesät und wenig eingebracht; ihr esset, aber nicht zur Sättigung; ihr trinket, aber nicht zur Genüge; ihr kleidet euch, aber es wird keinem warm; und der Lohnarbeiter erwirbt Lohn für einen durchlöcherten Beutel» (1,6).

Brüder, erinnern wir uns an die Wahrheiten, die reichlich zutage traten, als Gott den Gläubigen die Gnade schenkte, sich um den Tisch des Herrn zu versammeln! Wie vermehrte sich da die Saat in ihren Händen! Aber wenn nun die Zeit der Ernte gekommen ist, wo sind da die Scheunen, die sich unter der Last der Ernte beugen? «Ihr habt... wenig eingebracht!» War zu wenig Saatgut da? Nein, es fehlte an uns.

Aber die Züchtigung Gottes trifft nicht nur unser Tun, sie schlägt auch uns persönlich: «Ihr trinket, aber nicht zur Genüge.» Vielleicht beschäftigen wir uns oft mit dem Worte Gottes, aber mehr mit dem Verstande als mit dem Herzen; wir stossen auf viele interessante Fragen, suchen ihre Antwort in der Schrift und machen uns mit ihrer Lehre vertraut. Aber finden wir dabei die nötige Erfrischung für unsere Seelen, wenn gleichzeitig Selbstsucht und Weltlichkeit sie erfüllen? Nein, das Herz bleibt ausgetrocknet, und wir fahren fort zu trinken, ohne den Durst zu löschen. Mehr noch, obwohl wir Kleider haben, «wird keinem warm», wir bleiben kalt. Schliesslich zerrinnt auch die für uns selbst gesammelte Frucht der Arbeit durch die Löcher des Geldbeutels, so dass nichts mehr bleibt!

Wiederbelebung

«So spricht Jehova der Heerscharen: Richtet euer Herz auf eure Wege! Steiget auf das Gebirge und bringet Holz herbei und bauet das Haus, so werde ich Wohlgefallen daran haben und verherrlicht werden, spricht Jehova. Ihr habt nach vielem ausgeschaut, und siehe, es wurde wenig; und brachtet ihr es heim, so blies ich darein. Weshalb das? spricht Jehova der Heerscharen. Wegen meines Hauses, das wüst liegt, während ihr laufet, ein jeder für sein eigenes Haus» (Verse 7-9).

Ja, betrachten wir ein zweites Mal unsere Wege. Die Arbeit für Gott besteht darin, lebendiges Material zu Seinem Hause zu bringen. Der Überrest hatte nicht allein dieses Werk getan, sondern hatte versucht, zwei unvereinbare Dinge zusammenzubringen: Die Arbeit des Hauses Gottes und die Befriedigung der eigenen Interessen: «Ihr laufet ein jeder für sein eigenes Haus.» Diese Dinge harmonieren nicht miteinander. In einer solchen Verbindung ist es immer die Seite Gottes, die darunter leidet. Er will keine geteilten Herzen...

Ist es nicht bemerkenswert, dass die Welt, der es so daran gelegen war, die Arbeit des Überrestes für Gott zu hindern, nicht den geringsten Widerstand leistete, als sie ein jeder für sein eigenes Haus liefen? Satan ist ein Feind, dessen Hass klarsichtig ist. Er weiss wohl, dass das Werk nicht gedeihen kann, wenn es mit geteilten Herzen getan wird.

Aber welche Gnade Gottes! (Verse 12-15). Die Führer hörten auf die Stimme Jehovas, das Volk fürchtete sich vor Ihm und nahm die Botschaft Seines Gesandten an. Der Ruf: «Richtet euer Herz auf eure Wege» fand ein Echo in den Herzen Israels. Möge es auch bei uns so sein!

Das Ergebnis dieser Erweckung liess nicht auf sich warten. Gott selbst ermunterte sie bei ihren ersten Schriften auf dem Wege des Gehorsams. «Ich bin mit euch», sagte Jehova. Es gibt nichts Rührenderes und Ermutigenderes als dieses: «Ich bin mit euch.»

Die Befürchtungen von mehreren lösten sich auf, und ihre Seele hatte das Bewusstsein, dass ihr Gehorsam vom Herrn anerkannt und geschätzt wurde. Sie empfängt das Zeugnis, Gott zu gefallen. Eine allgemeine Erweckung entstand, als Folge des Eifers von einigen. «Sie kamen und arbeiteten am Hause Jehovas der Heerscharen.»

4. Ermunterungen (Haggai 2,1-9)

«Seid stark!»

Das Buch Haggai enthält vier Offenbarungen. Die in den obgenannten Versen enthaltene ist die Folge der Erweckung, die durch die erste Offenbarung hervorgerufen worden ist. Gott ermuntert Seine Zeugen in einer Zeit des Verfalls durch die Mitteilung der Hilfsquellen, die ihnen bleiben, und durch die herrliche Hoffnung, mit denen Er ihre Herzen erfüllen will.

Diese Verse haben eine auffallende Ähnlichkeit mit der zweiten Epistel an Timotheus. Wie der Überrest Israels war auch Timotheus in Gefahr, den Mut zu verlieren und sich durch das um ihn her wachsende Böse einschüchtern zu lassen. Der Apostel ermahnte ihn, «die Gnadengabe Gottes anzufachen», die in ihm war. Es durfte nicht sein, dass seine Hände in der Aufrichtung des Hauses Gottes ermatteten, in welchem Zustand sich dieses dem Auge auch immer darbieten mochte. «Gott», fügt der Apostel hinzu, «hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit» (2.Tim. 1,7), und auch: «Du nun, mein Kind, sei stark in der Gnade, die in Christo Jesu ist» (2,1)

So ist es auch hier: «Und nun sei stark, Josua, Sohn Jozadaks, du Hoherpriester, und seid stark, alles Volk des Landes, spricht Jehova, und arbeitet!... Fürchtet euch nicht!» (Hag. 2,4-5).

Der Herr bekennt sich auch in Zeiten des Verfalls zu denen, die bauen

Um Sein Volk zu ermuntern, schwächt Gott in keiner Weise die Tatsache des Verfalls ab, hier so wenig wie im zweiten Timotheusbrief. Im Gegenteil, Er stellt ihn in seiner ganzen Wirklichkeit fest: «Wer ist unter euch übrig geblieben, der dieses Haus in seiner früheren Herrlichkeit gesehen hat? Und wie sehet ihr es jetzt? Ist es nicht wie nichts in euren Augen?» (2,3).

In der Tat, was mochten sie vom damaligen Zustand des Hauses Gottes denken, wenn sie es mit seinem ersten Zustand verglichen? Was blieb diesem armen Überrest noch übrig? Wo war die Lade mit den Gesetzestafeln und dem Sühnungsdeckel und dem Throne Gottes zwischen den Cherubim? Wo waren die Urim und die Thummim, um Jehova zu befragen? Was war aus dem Königtum geworden, welches das Volk mit Gott verband? Serubbabel, der Sohn Davids, durfte nicht einmal den Königstitel tragen. Und was war aus dem Priestertum geworden? Josua hatte statt seiner Kleider der Herrlichkeit und des Schmuckes schmutzige Kleider (Sach. 3,3). Wo war die Gegenwart Gottes in der Mitte Seines Volkes zu suchen? Wo konnte man die Herrlichkeit finden? War sie nicht aufs neue von Israel gewichen? (vgl. 1.Sam. 4,21 mit Hesekiel).

Welch demütigender Gegensatz zwischen dem damaligen Zustand des Hauses und seiner ersten Herrlichkeit! Aber auch welcher Gegensatz zwischen dem jetzigen Zustand der Kirche und ihrem Aussehen im Augenblick ihrer Aufrichtung! Sollen wir darob den Mut verlieren? Im Gegenteil, leget Hand an dieses Werk, sagt uns der Herr. Denen, die unter Seiner Züchtigung ihr Herz wirklich auf ihre Wege gerichtet haben, die durch Seinen Aufruf erweckt worden sind, denen wird Er immer wieder dieses Trostwort zurufen «Ich bin mit euch» (2,4).

Nahm der Herr bei der Taufe Johannes' denn nicht Seinen Platz unter dem durch das Wort des Propheten erweckten Überrest ein? Hatte Er es nicht auch zu den Zeiten Haggais getan? Wird Er es nun nicht ebenso in unseren Tagen tun? Gewiss, Er gesellt sich zu den zweien oder dreien, die Sein Wort erweckt hat. Wenn uns die Kraft fehlt, so hat Er sie sich selbst doch unversehrt bewahrt. Sind die sieben Geister Gottes nicht bei Ihm und hat Er die sieben Sterne nicht in Seiner Hand? «Gehe hin in dieser deiner Kraft», sagt Er zu Gideon in einer Zeit des Verfalls, so gut wie Er auch in einer Zeit des Gedeihens Josua zurief: «Sei stark!»

Nicht nur Evangelisation, sondern auch Bauen am Hause Gottes tut not

Ja, wir haben diese Kraft in Ihm für die Arbeit in Seinem Hause, um jene hereinzuführen, die nach Gottes Willen dazu gehören sollen. Wie vielen Christen ist dies völlig unbekannt! Haben sie am Herzen, die Versammlung auf Christum aufzubauen, auf die alleinige göttliche Grundlage, oder geht es ihnen mehr darum, Proselyten zu machen für die verschiedenen Parteiungen? Ach, wenn man eine Bemerkung darüber macht, so weichen sie ihrer Verantwortung mit der Begründung aus, die einzige Aufgabe der Christen sei die Evangelisation. Sie wollen von nichts anderem hören.

Gewiss, die Evangelisation ist eine überaus wichtige Pflicht, aber sie ist für den Diener Gottes nicht die einzige. Erkundige dich beim Apostel Paulus, bei diesem grossen Diener des Evangeliums, ob er diesen Dienst dem der Versammlung überordnete, oder ob nicht alle beide den gleichen Wert für ihn hatten (Kol. 1,23-25). Nein, die Evangelisation ist gewiss nicht alles, weder für den Herrn, noch für Seine Zeugen. Er hat die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben. Wie sollte sie Ihm je gleichgültig werden? Gott wird durch das Werk, das zur Auferbauung Seines Hauses, Seiner Versammlung hienieden geschieht, geehrt, und wer sich nicht darum kümmert, verachtet, was Gott verherrlicht und verzichtet auf Segnungen, auf die wir jetzt zu sprechen kommen.

Neue Gnaden

Da Gott das Tun des gehorsamen Überrestes billigte, empfing dieser neue Gnaden, dieselben, die auch im zweiten Timotheusbrief erwähnt sind. «Das Wort, welches ich mit euch eingegangen bin, als ihr aus Ägypten zoget, und mein Geist bestehen in eurer Mitte: Fürchtet euch nicht!» (Vers 5). Das Verständnis des Wortes, die Verwirklichung der Gegenwart des Heiligen Geistes sind da zu finden, wo Sein Haus geehrt wird, und nicht da, wo man aufhört, daran zubauen.

Die anspornende Hoffnung

Gott begnügte sich nicht damit, dem armen, durch das Wort erweckten Überrest Segnungen zu geben. Er gab ihm auch eine nahe und herrliche Hoffnung. So ist es auch heute. Die gegenwärtige Hoffnung des Kommens des Herrn findet sich in der Mitte derer, die die Versammlung Christi anerkennen.

«Noch einmal, eine kleine Weile ist es, da werde ich den Himmel erschüttern und die Erde und das Meer und das Trockene. Und ich werde alle Nationen erschüttern; und das Ersehnte aller Nationen wird kommen, und ich werde dieses Haus mit Herrlichkeit füllen, spricht Jehova der Heerscharen. Mein ist das Silber und mein das Gold, spricht Jehova der Heerscharen. Die letzte Herrlichkeit dieses Hauses wird grösser sein als die erste, spricht Jehova der Heerscharen; und an diesem Orte will ich Frieden geben, spricht Jehova der Heerscharen» (Verse 6-9).

Anstelle der irdischen, jüdischen Hoffnung haben wir Christen eine himmlische Hoffnung. Wenn Christus kommen wird, wird Er dieses Haus, zu dessen Bau wir aufgerufen waren, mit Herrlichkeit füllen, dieses Haus, das heute durch unsere Schuld verachtet ist, und worin jetzt Seine Gegenwart nur im Glauben wahrgenommen werden kann. Dann, wenn Er in Herrlichkeit in der Versammlung wohnt, wird der Wert, den Sein Haus in Ewigkeit für Ihn besitzt, vor aller Augen sichtbar sein. «Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen!» Die letzte Herrlichkeit dieses Hauses wird grösser sein als die erste! Dann wird die Arbeit und der Kampf für immer vorbei sein, denn «an diesem Orte will ich Frieden geben», sagt der Herr (Vers 9).

Wie geben doch alle diese Verheissungen unserem Glauben eine so grosse Sicherheit! Welch reichen Lohn stellt doch Gott für die Treue in Aussicht!

Richten wir daher unsere Herzen auf unsere Wege und fragen wir uns, woher der Stillstand in unserer Arbeit herrühren mag! Hören wir auf, unsere Interessen denen des Hauses Gottes voranzustellen und lasst uns vom Schlafe, der uns lähmt, aufwachen!

Dann werden wir erfahren, dass Gott und Sein Geist und Sein Wort mit uns ist, und werden ermuntert sein durch die Aussicht auf das Kommen des Herrn, welcher uns eine wolkenlose Herrlichkeit mit Ihm verheisst.

5. Aufruf zu praktischer Heiligkeit (Haggai 2,10-19)

Die Offenbarung des ersten Kapitels, wodurch das Gewissen des Überrestes erreicht werden sollte, ist nicht die einzige Ermahnung des Propheten. Diese Stelle enthält eine weitere.[Wie wir schon früher erwähnt haben, enthält das Buch Haggai vier Offenbarungen. Die erste und die dritte sind Zurechtweisungen, die zweite und die vierte aber prophetische Ermunterungen.] Möchten wir alle, wie der Überrest, die erste vernommen haben. Ach! Es sollte eine Zeit kommen, wo dieser Überrest entarten und das Ersehnte aller Nationen, seinen eigenen Messias kreuzigen würde, er, der zu dem besonderen Zweck nach Jerusalem zurückgeführt wurde, um Ihn zu empfangen. Darum wurde der Leuchter von Israel weggenommen und das Volk unter die Nationen zerstreut.

So ergeht es jedem Zeugnis, das untreu wird. Gott hat uns nicht nötig, um für den Herrn und Seine Versammlung ein Zeugnis zu sein. Wenn wir es gering achten, gibt Er es in andere Hände. Hatte Er in Bezug auf Israel nicht gesagt: «Er wird... den Weinberg anderen geben» (Luk. 20,16)?

Die Heiligkeit soll im Leben verwirklicht werden

Die erste Offenbarung hatte es mit der Selbstsucht zu tun, die dritte redet von der Heiligkeit.

Wir besitzen in Christo vor Gott eine unveränderliche Heiligkeit, wie wir auch eine unantastbare Gerechtigkeit haben, indem wir in Ihm zur Gerechtigkeit Gottes gemacht worden sind. Aber wir sind nun berufen, diese Gerechtigkeit und diese Heiligkeit, in die wir der Stellung nach versetzt sind, hienieden im praktischen Leben zu verwirklichen. Sie besteht in wahrer Trennung von allem Bösen und in lebendiger Gemeinschaft mit dem Guten, mit Gott, dem Vater und dem Sohne.

Diese praktische Heiligkeit fehlte dem Überrest; und einige Jahre darauf war dies in einem noch viel grösseren Masse der Fall. Sie verunreinigten sich dadurch, dass sie die Töchter der Kanaaniter zu Frauen nahmen (Esra 9), den Sabbath brachen und das Priestertum entweihten (Nehemia 13).

Zwei Fragen des Propheten

1. Im Zusammenhang damit stellte der Prophet den Priestern die Frage: «Siehe, trägt jemand heiliges Fleisch im Zipfel seines Kleides, und er berührt mit seinem Zipfel Brot oder Gekochtes oder Wein oder Öl oder irgendeine Speise, wird es heilig werden? Und die Priester antworteten und sprachen: Nein» (Kap. 2,12). Der Fall, den er ihnen vorlegte, ist der eines Menschen, dem das heilige Fleisch, das er in seinem Mantel trägt, den Charakter äusserlicher Heiligkeit verleiht. Wird die Frucht seiner Arbeit (das Brot, das Öl, der Wein, hervorgegangen aus der Tätigkeit des Menschen) dadurch geheiligt? Keineswegs.

Um wohlgefällig zu sein, muss die Arbeit die Frucht der Heiligkeit sein. Gott anerkennt nur das als für Ihn getan, was aus dieser Quelle hervorkommt. Keine Stellung äusserer Heiligkeit, keinerlei Bekenntnis macht unsere Arbeit Gott wohlgefällig. Eine ernste Tatsache, die wir gerade auch in unseren Tagen zu Herzen nehmen sollten.

2. Der Prophet fügt hinzu: «Wenn ein wegen einer Leiche Verunreinigter alles dieses anrührt, wird es unrein werden? Und die Priester antworteten und sprachen: Es wird unrein werden» (Vers 13).

Eine Leiche war in Israel das ausgeprägteste Bild der schrecklichen Folgen und der schliesslichen Auswirkung der Sünde. Wenn die Trennung vom Bösen, von der Sünde unter uns keine Wirklichkeit ist, wie könnte dann das Werk unserer Hände rein und Gott wohlgefällig sein? Es ist beschmutzt, unrein. Das ist es, was dem Gewissen des Überrestes eingeprägt werden musste und was auch in unser Gewissen eingegraben sein muss. Es mag viel Tätigkeit vorhanden sein, um das Korn zu mahlen, um aus den Trauben den Wein und aus den Oliven das Öl zu pressen, damit sie für unseren Gebrauch nutzbar werden. Aber was ist dies für Gott? Nur das, was Ihm aus einem reinen Herzen dargebracht wird, was für Ihn allein getan wird, das bleibt; das ist für Ihn wie die Narde Marias. Den eigenen Speisekeller zu füllen ist nicht die Aufgabe eines Zeugen, sondern vielmehr das Wirken für die Speicher und die Speisekammern Gottes. «Da antwortete Haggai und sprach: Also ist dieses Volk und also diese Nation vor mir, spricht Jehova, und also ist alles Werk ihrer Hände; und was sie daselbst darbringen, ist unrein» (Vers 14).

Die Folgen mangelnder Absonderung

Das ist es, was unser Werk heute teilweise unfruchtbar macht. Wir lesen hier: «Kam man zu einem Garbenhaufen von zwanzig Mass, so wurden es zehn; kam man zu der Kufe, um fünfzig Eimer zu schöpfen, so wurden es zwanzig» (Vers 16). Wir sagen «teilweise», denn, wenn Gott gezwungen ist, uns zu züchtigen, so tut Er es mit Mass. Er ist langmütig, barmherzig und voll unendlicher Güte.

Was trägt die Arbeit unserer Hände heute ein? Was sie einbringen sollte, haben wir schon vom Propheten vernommen: Material für das Haus Gottes, Seelen, die nicht nur gerettet, sondern auch zum Zeugnis hinzugefügt werden. Ist dem so? Ach, wie wenig! Das Licht ist so schwach, dass es wenig Kraft hat, die anzuziehen, die noch in der Finsternis wohnen. Es genügt kaum, um durch die geschlossenen Augenlider der Seelen zu dringen, um sie aufzuwecken.

Aber die Züchtigung ging noch weiter. «Ich schlug euch mit Kornbrand und mit Vergilben, und mit Hagel alle Arbeit eurer Hände» (Vers 17). Gott hatte sogar die Quellen ihrer Arbeit geschlagen. Die Türe der Segnung war geschlossen.

Aber hat der Überrest wenigstens Busse getan? «Ihr kehrtet nicht zu mir um, spricht Jehova!»

Jetzt aber, achtet wohl darauf, was nun kommen wird: «Richtet doch euer Herz auf die Zeit von diesem Tage an und aufwärts», sagt uns das Wort Gottes eindringlich, «von dem vierundzwanzigsten Tage des neunten Monats an, von dem Tage an, da der Tempel Jehovas gegründet wurde, richtet euer Herz darauf! ... Von diesem Tage an will ich segnen» (Verse 18-19). Wenn ihr an diesem Tage eure Wege richtet, und ihr euch ans Werk macht, um dieses Haus zu bauen, das ihr aus Selbstsucht und wegen eurer Weltlichkeit verlassen, nachdem ihr die Grundlage gelegt habt - von diesem Tage an werde ich euch segnen!

Brüder, machen wir es ebenso! Hören wir auf diesen Ruf! Wir können die Segnung wiederfinden. Lasst uns denn mit Glaubensenergie dem Rufe folgen, in wirklicher Trennung von der Welt und mit Herzen, die von Christo und von Eifer zur Aufrichtung des Hauses Gottes erfüllt sind, indem wir nicht unsere eigene Bequemlichkeit und unsere Interessen suchen - und von diesem Tage an werden wir die verlorene Segnung wieder finden!

6. Am Ende triumphiert die Gnade (Haggai 2,20-23)

Und nun folgt in einer vierten Offenbarung eine Ermunterung für den armen Überrest, dessen Gewissen erweckt worden war, und der die Aufrichtung des Hauses Gottes vier Jahre später tatsächlich vollendete. Diese Ermunterung ist eine Verheissung: «Ich werde den Himmel und die Erde erschüttern. Und ich werde den Thron der Königreiche umstürzen und die Macht der Königreiche der Nationen vernichten; und ich werde die Streitwagen umstürzen und die darauf fahren; und die Rosse und ihre Reiter sollen hinfallen, ein jeder durch das Schwert des andern» (Verse 21-22; vergleiche Kapitel 2,6; Hebräer 12,26).

Alles wird erschüttert werden. Weshalb denn? «Auf dass die Dinge, welche nicht erschüttert werden, bleiben» (Hebr. 12,27). Bei diesen unerschütterlichen Dingen handelt es sich, nach Haggai 2, um die Einführung des Messias in Seinen herrlichen Tempel. Mit welcher Verwunderung vernehmen wir hier aber, dass der schwache Serubbabel auf immer eingesetzt und versiegelt werden soll! «An jenem Tage, spricht Jehova der Heerscharen, werde ich dich nehmen, Serubbabel, Sohn Schealtleis, meinen Knecht, spricht Jehova, und werde dich wie einen Siegelring machen; denn ich habe dich erwählt, spricht Jehova der Heerscharen» (Vers 23).

Ohne Zweifel war Serubbabel, der Fürst, in schwachem Masse ein Bild von Christo, aber vor allem war er der Vertreter des Überrestes vor Gott, wie auch Josua, der Hohepriester, nach Sacharia 3 ein solcher ist. Alle Dinge sollen also erschüttert werden, damit dieser Überrest auf immerdar eingesetzt werden kann.

So ist es auch mit uns. «Deshalb, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen», wird in Anführung der Prophezeiung Haggais von den Christen gesagt (Hebr. 12,28). Gott hat den Herrn schon zu Seiner Rechten gesetzt und zugleich uns in Ihm, aber bald wird Er uns auch auf den Thron setzen mit Ihm.

«Und ich werde dich wie einen Siegelring machen.» Der schwache Serubbabel oder Überrest, wie auch die Versammlung Gottes, die jetzt nach aussen hin so schwach erscheint, werden die Besiegelung aller Wege Jehovas vor alters sein. In ihm, wie auch in ihr, werden alle Augen schauen, welches die Absichten Jehovas waren und wie Er sie ausgeführt hat. «Um diese Zeit wird von Jakob und von Israel gesagt werden, was Gott gewirkt hat» (4.Mose 23,23). An jenem Tage wird der Herr «verherrlicht werden in seinen Heiligen und bewundert in allen denen, die geglaubt haben» (2.Thess. 1,10).

Da geht es nicht nur um die Belohnung der Treue und der Hingabe in Seinem Dienste, sondern noch um viel mehr: Öle Gnade Gottes wird am Ende triumphieren und sich über alle unsere Schwachheiten und über alle unsere Untreue erhaben zeigen: «Denn ich habe dich erwählt, spricht Jehova der Heerscharen» (Vers 23). Die Gnade der Auserwählung soll vor aller Augen erstrahlen. Sie ist der einzige Beweggrund am Anfang und am Schluss, die einzige Veranlassung zur ewigen Segnung der Erlösten!

Gestützt auf Christum, unsere Hoffnung, und auf die Gewissheit des Heiles Gottes, wollen wir uns daher in beständigem Selbstgericht daran machen, das Werk des Hauses Gottes zu vollenden, indem wir die Seelen um Christum versammeln, als dem einzigen Mittelpunkt ihrer Sammlung und ihrer Segnung.

  4.00 (3 Stimme(n))
  

Buchtipp

halte fest CD

 

 

Alle 45 Jahrgänge von 1958-2002 auf einer CD mit Suchprogramm für die komfortable Volltextsuche auf dem Computer

 

halte fest Abo

 

Abonnieren Sie «halte fest». So erhalten Sie alle zwei Monate das aktuelle Heft per Post zugestellt.

 


Letzte Änderung am 25.09.2010.