Halte Fest
Geben Sie ein Stichwort ein:
erweiterte Suche

Einige Seiten aus Hesekiel

Halte fest Jahrgang 1971 - Seite: 210 - Verfasser: G. A.

Inhalt

1. Einleitung
    Tragweite der Prophetie
    Der Prophet Hesekiel
    Übersicht
2. Gesicht und Berufung
    «Ihn sehen» (Kapitel 1)
    «Ihn hören» (Kapitel 2)
    Von ihm genährt werden (Kapitel 3)
3. Die Herrlichkeit Jehovas entfernt sich (Kapitel 8-11)
    Warum geht die Herrlichkeit weg? (Kapitel 8)
    Ein Überrest (Kapitel 9)
    Die Herrlichkeit geht weg
    Die Zerstörung Jerusalems
4. Der König von Tyrus (Kapitel 28)
5. Die geistliche Wiederherstellung Israels (Kapitel 34-36)
    Der neue Hirte
    Das neue Herz
6. Die nationale Auferstehung Israels (Kapitel 37)
7. Gog (Kapitel 38-39)
8. Die Rückkehr der Herrlichkeit (Kapitel 43,1-11)
9. Die Wasser des Heiligtums (Kapitel 47,1-12)

1. Einleitung

Das Buch des Propheten Hesekiel ist eines der am wenigsten bekannten Bücher der Bibel. Doch, ganz abgesehen von seiner prophetischen Tragweite, enthält es - wie das ganze Wort Gottes - wertvolle geistliche Belehrungen. Wir haben einige Kapitel ausgewählt, um in erster Linie sittliche Unterweisung daraus zu ziehen, möchten dabei aber auch einen allgemeinen Überblick über den Inhalt dieses Buches geben.

Bevor wir auf das Buch Hesekiel selbst eingehen, wollen wir feststellen, welchen Platz es inmitten der Propheten einnimmt.

Das Alte Testament ist praktisch in vier Teile geteilt:

  • die fünf Bücher Mose, «Pentateuch» genannt
  • die historischen Bücher, von Josua bis Esther, sie schildern uns die Geschichte Israels in seinem Lande
  • die sogenannten poetischen Bücher, von Hiob bis zum Lied der Lieder, zu denen auch die Klagelieder Jeremias gehören
  • die Propheten, von Jesaja bis Maleachi

 

Die sechzehn Propheten des Alten Testamentes lassen sich auf verschiedene Weise unterteilen:

  • nach der Länge ihrer Prophezeiungen, man unterscheidet oft - ganz willkürlich - zwischen den vier grossen Propheten: Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Daniel, und den zwölf kleinen Propheten: von Hosea bis Maleachi
  • Interessanter ist es, zwischen den Propheten von Juda und den Propheten von Israel zu unterscheiden. (Siehe die vergleichende Zeittafel am Schluss des Alten Testamentes.) In der Tat, nach der Zweiteilung des Reiches beim Tode Salomos haben sich die meisten der Propheten an die beiden Stämme Juda und Benjamin gerichtet, doch wurden auch eine Anzahl in Israel erweckt. Mehrere haben keine Schriften hinterlassen, wie Elia, Elisa und andere, aber der Geist Gottes wollte uns die Botschaft von sechzehn Propheten aufbehalten. Jona, Hosea und Amos waren vornehmlich Propheten von Israel, die dreizehn anderen Propheten von Juda
  • Mehrere Propheten haben zum Volke Gottes geredet, andere zu den Nationen. Jona und Nahum richteten sich besonders an Ninive, Objada an Edom, in den Büchern Jesaja, Jeremia, Hesekiel findet man ganze Teile, die für verschiedene Nationen bestimmt sind. Alle anderen haben vor allem Israel im Blickfeld
  • Ein letzter Unterschied zwischen den Propheten ergibt sich aus dem Zeitabschnitt, in welchem sie ihren Dienst ausgeübt haben: in Kanaan, vor der Gefangenschaft, - während der Gefangenschaft, nach der Rückkehr aus dieser

 

Von den grossen Propheten weissagten Jesaja und Jeremia noch im Lande. Die Endsilbe ihres Namens «…ja» entspricht «Jah», einer Abkürzung von Jehova. Unter diesem Namen hat sich Gott Seinem Volk besonders offenbart (2.Mose 6,2-3), und Er steht in Beziehung zu ihm. Die Namen dieser beiden Männer deuten also darauf hin. Im Gegensatz dazu haben Hesekiel und Daniel die Endsilbe «…el»: ein im Alten Testament oft gebrauchter Name Gottes, bei dem es nicht um die besondere Beziehung zu Seinem Volke geht. (Siehe die Bemerkungen im Vorwort zur Elberfelder-Bibel). Die Namen dieser beiden Knechte stimmen also mit deren Lage als «Gefangene» überein, die fern von Jerusalem sind.

Alle anderen Propheten, mit Ausnahme der drei letzten, haben in Kanaan vor der Gefangenschaft geweissagt, nur Haggai, Sacharja und Maleachi haben ihren Dienst nach ihrer Rückkehr aus dem Exil ausgeübt, als eine gewisse Anzahl Juden mit Serubbabel, dann mit Esra und schliesslich mit Nehemia hinaufzogen, um den Altar, den Tempel und zuletzt die Mauer von Jerusalem wieder aufzubauen. Maleachi beschreibt den Zustand des Volkes nach einem Jahrhundert ihrer Rückkehr ins Land, um den Niedergang hervorzuheben.

Tragweite der Prophetie

Grundsätzlich handelt die Prophetie von der Erde und der Regierung Gottes. Schon seit den ersten Jahrhunderten des Christentums begeht man den Fehler, der Kirche die Gerichte und Segnungen zuzuschreiben, die Israel angekündigt sind. Die Kirche ist nicht der Gegenstand der Prophetie, ihr Teil ist nicht auf der Erde. Während des Zeitalters der Gnade, seit dem Kommen des Heiligen Geistes an Pfingsten bis zum Wiederkommen des Herrn, zieht Gott einzelne Seelen aus den Juden und aus den Nationen zu sich, um aus ihnen lebendige Steine Seines Hauses zu machen, eines geistlichen Hauses, dessen Teil himmlisch ist.

In grossen Linien können wir drei Hauptperioden unterscheiden, welche die Propheten vor Augen haben.

Während der ersten ist Israel noch in seinem Lande, der Herr steht in Beziehung zu ihm, es ist der Mittelpunkt Seiner Regierung.

Aber während der darauf folgenden Gefangenschaften wird diese Beziehung Gottes zu Israel abgebrochen. Die Machtbefugnis wird den Nationen übergeben, wie es uns die Gesichte Daniels mitteilen: an Babylon, an die Perser, an das Griechenland Alexanders und endlich an Rom. Diese zweite Periode, die sich ungefähr vom Jahr 600 v. Christo bis zum Kommen des Herrn Jesus in Herrlichkeit erstreckt, wird «die Zeit der Nationen» genannt (Luk. 21,24), während welcher Jerusalem zertreten wird. Wohl hat es in diesem Zeitraum eine teilweise Rückkehr der Juden aus dem Exil gegeben, durch den Erlass des Perserkönigs Kores. Dieser Überrest hat den Tempel wieder aufgebaut, und der Herr Jesus wurde im Lande der Väter geboren. Doch wurde Israel aufs Neue zerstreut, als Titus im Jahre 70 Jerusalem einnahm. Seither, während all dieser Jahrhunderte, haben die Juden ihre Freiheit nie mehr erlangt, sie blieben bis vor kurzem den Nationen unterworfen.

Eine dritte prophetische Periode wird anbrechen, wenn der Herr Jesus in Herrlichkeit vom Himmel erscheint, um Sein Reich aufzurichten. Alle Gewalt wird Ihm übergeben sein, Israel wird aufs neue Sitz und Mittelpunkt der Regierung Gottes auf der Erde sein. Aber ehe das Reich der Gerechtigkeit und des Friedens aufgerichtet werden kann, wird der Zorn Gottes über diejenigen kommen, «die auf der Erde wohnen», denn sie haben den Messias verworfen und dem Evangelium nicht gehorcht.

Keine Segnung wäre mehr möglich gewesen ohne das Kreuz, das der Mittelpunkt der prophetischen Geschichte und der Geschichte der Welt ist: «Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen?» (Luk. 24,26). Das Blut des Neuen Bundes ist für viele zur Vergebung der Sünden vergossen worden: für uns Christen, aber auch für die Gläubigen aller Zeiten, besonders für die, welche sich beim Anbruch des Reiches von Herzen dem Herrn Jesus unterwerfen werden.

Diese grosse Wahrheit, dass der Messias leiden müsse, dass Er weggetan und nichts haben werde» (Dan. 9,26), war für die Propheten, welche von den Leiden, die auf Christum kommen sollten und von den Herrlichkeiten darnach zuvor zeugten, ein Geheimnis (1.Petr. 1,11-12). Die eindrückliche Unterredung auf dem Gang nach Emmaus hat den jetzigen Erlösten die Augen geöffnet für die doppelte Perspektive - Leiden und Herrlichkeiten - welche sich durch die ganze Schrift zieht.

Der Prophet Hesekiel

Die ersten Verse seines Buches geben uns einige Auskunft über die Persönlichkeit des Propheten. Er war Priester wie Jeremia, aber als Gefangener in Chaldäa konnte er sein Amt nicht ausüben. Er wohnte in einem Hause (8,1), das ihm vermutlich nahe beim Flusse Kebar gegeben worden war. Er war verheiratet, aber im Laufe seines Dienstes starb seine Frau plötzlich (24,18).

Die Stämme Juda und Benjamin sind nicht in einem Mal in die Gefangenschaft geführt worden. Es gab um das Jahr 606 eine erste Wegführung unter dem König Jojakim, die Geräte des Tempels wurden nach Babylon gebracht (2.Chr. 36,7 und Dan. 1,1-2). Dieses Ereignis kennzeichnet den Anfang der siebzigjährigen Gefangenschaft, von der Jeremia spricht (25,11). Bei dieser Gelegenheit wurde Daniel nach Babylon weggeführt.

Eine zweite Wegführung fand ungefähr um das Jahr 600 unter Jojakim statt (2.Chr. 36,10). Damals wurde Hesekiel nach Chaldäa gefangen weggeführt.

Endlich wurde am Ende der Regierung Zedekias, nachdem die Stadt und der Tempel zerstört worden waren, alles Wertvolle fortgeführt, das in Israel verblieben war (2.Chr. 36,18-20). Wenige Monate nachher begleitete Jeremia einige Überlebende seines Volkes, die er nicht verlassen wollte, nach Ägypten, wo sich ihre Spur verloren hat (Jer. 43).

Unser Prophet beginnt seinen Dienst fünf Jahre nach der Wegführung Jojakins (Hes. 1,2). Alle seine Prophezeiungen sind von da an bis zum 27. Jahr dieser Wegführung (Kap. 29,17) datiert. Während ungefähr 23 Jahren hat er in fremdem Lande prophezeit, als Gefangener, wie es zu jenem Zeitpunkt auch Daniel war und wie es später Johannes in der Verbannung nach Patmos wurde.

Ist es nicht überraschend, dass der Herr diesen drei Männern in der Leidenszeit fern von ihrem Land und ihren Angehörigen die Zukunft offenbart? Hesekiel hebt ein Wort hervor, das durch die Jahrhunderte hindurch für viele einsame Gläubige zum Trost war. «Obgleich ich sie unter die Nationen entfernt und obgleich ich sie in die Länder zerstreut habe, so bin ich ihnen doch ein wenig zum Heiligtum geworden in den Ländern, wohin sie gekommen sind» (Hes. 11,16). Unser ganzes Begehren sollte dahin gerichtet sein, uns am ersten Tage der Woche dorthin zu begeben, wo sich die Kinder Gottes im Namen des Herrn Jesu versammeln. Aber der Herr kann auch verschiedene Umstände erlauben, die einsame Sonntage herbeiführen: Krankheit, Reisen, besondere Ereignisse, Militärdienst, selbst Verfolgungen (wie viele Gläubige sind heute in den Gefängnissen!), wo es unmöglich ist, sich mit den Geschwistern zusammenzufinden. Was ist dann zu tun? - Johannes, fern von den Zusammenkünften, «war am Tage des Herrn im Geiste», seine Gedanken konzentrierten sich auf göttliche Dinge und auf die Person des Herrn Jesu. Wie Daniel und Hesekiel fand er in der Verbannung «ein kleines Heiligtum», wo sich seine Seele in seinem Gott erfreuen konnte. Und weil er mit Ihm beschäftigt war, hat der Herr mit ihm gesprochen.

Übersicht

1. Teil: Kap. 1 - 24: Vor der Einnahme Jerusalems

a)*

1-3

Gesicht und Berufung

b)

4-7

Ankündigung der Zerstörung Jerusalems

c)*

8-11

Die Herrlichkeit geht weg

d)

12-23

Motive und Ankündigung des Gerichts

e)

24

Die Belagerung Jerusalems beginnt
*Tod der Frau Hesekiels

2. Teil: Kap. 25 - 32: Weissagungen gegen 7 Nationen

a)

25,1-7

Ammon

 

25,8-11

Moab

 

25,12-14

Edom

 

25,15-17

Philister

b)

26-28*

Tyrus und sein *König

 

28,20-24

Sidon

c)

29-32

Ägypten

 

32,17-32

Die Toten der Nationen

3. Teil: Kap. 33 - 39: Nach der Zerstörung Jerusalems - die geistliche und nationale Wiederherstellung Israels

a)

33

Die Stadt wird geschlagen (V. 22)

b)

*34+36

Geistliche Wiederherstellung (35: Seir)

c)

*37

Nationale Auferweckung

d)

*38+*39

Gog

4. Teil: Kap. 40 - 48: Israel in seinem Land während des Tausendjährigen Reiches

a)

40-46

Der neue Tempel und sein Dienst
*Die Rückkehr der Herrlichkeit
Der Fürst

b)

*47,1-12

Die Wasser des Heiligtums

c)

47,13-48

Die Verteilung des Landes
Die Tore der Stadt

*Die so bezeichneten Kapitel werden in diesem Aufsatz näher betrachtet.

2. Gesicht und Berufung

Wir haben bis dahin den Rahmen und das Zeitalter betrachtet, in welchem Hesekiel lebte. Sehen wir nun, wie er zum Propheten berufen wurde.

Wie bei vielen anderen bedurfte es bei ihm eines persönlichen, direkten Kontaktes mit dem Herrn, um zum Werke berufen zu werden, für das ihn Gott bestimmte. Johannes auf Patmos sah den Herrn als Richter, bevor er an die sieben Versammlungen schrieb und uns mitteilte, «was nach diesem geschehen wird» (Offb. 1,19). Im Todesjahr des Königs Ussija betrat der junge Jesaja den Tempel und sah den Herrn auf hohem und erhabenem Throne sitzen (Jes. 6,1). Mose hatte das Gesicht des brennenden Dornbusches. Samuel hörte während der Nacht die Stimme des Herrn. Paulus wurde auf dem Weg nach Damaskus zu Boden geworfen, und Petrus fiel nach dem wunderbaren Fischzug dem Herrn zu Füssen mit den Worten: «Gehe von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr!»

Bei der Berufung Hesekiels unterscheiden wir drei sich folgende Zustände:

  • im ersten Kapitel sieht er die Herrlichkeit des Herrn:
  • im zweiten Kapitel hört er Seine Stimme,
  • im dritten Kapitel wird er von Seinem Wort genährt.

Erst dann konnte der Herr zu ihm sagen: «Gehe hin» und ihn zum Wächter bestellen für das Haus Israel.

«Ihn sehen» (Hesekiel 1)

Wie war nun das Gesicht Hesekiels? Es war «das Aussehen des Bildes der Herrlichkeit Jehovas» (Vers 28). Eine wunderbare Vision, seltsam und sehr schwer zu beschreiben. Ohne Zweifel ist dies gewollt, denn damals war die Herrlichkeit Gottes noch nicht so offenbart wie später in der Person Christi (2.Kor. 4,6).

Das Ganze gleicht einem phantastischen Wagen, dessen Räder auf der Erde sind. Über ihnen befinden sich die vier lebendigen Wesen, deren Flügel sich gegen die Ausdehnung erheben, die «wie der Anblick eines wundervollen Kristalls» das, was unten ist von dem, was oben ist, trennt. Oberhalb der Ausdehnung schaut der Prophet «die Gestalt eines Thrones» und oben darauf «eine Gestalt wie das Aussehen eines Menschen», der nicht anders beschrieben werden kann, als «wie das Aussehen von Feuer, und ein Glanz war ringsum denselben». Diese Erscheinung hat man den «Wagen der Regierung Gottes» genannt.

In grossen Zügen beschreiben uns die Verse 4-14 die Cherubim (lebendige Wesen), die Verse 15-21 die Räder, die Verse 22-25 die Ausdehnung und das, was darunter war, die Verse 26 und 27 das, was oberhalb der Ausdehnung war: der Thron und «die Gestalt wie das Aussehen eines Menschen oben darauf».

Der Geist belebte alles, die Räder konnten sich nur durch den Geist des lebendigen Wesens bewegen. Der auf dem Throne sass, leitete das Ganze. Anders ausgedrückt: Auf der Erde sieht man die Räder, diese Regierung Gottes, die oft so seltsam und unbegreiflich ist, aber alles wird von oben geleitet. Alles, was in Israel und in der Welt geschah, zur Zeit Hesekiels - wie auch in unserer jetzigen - war nicht die Auswirkung der Umstände oder der Pläne Nebukadnezars, sondern alles hing von dem Willen und dem Vorsatz Dessen ab, der auf dem Throne sass und in Gerechtigkeit richtete (J.N.D.).

Das war die grosse Lehre, die der junge Prophet lernen musste, ehe er sein Amt beginnen konnte.

Die Cherubim

Als Wächter und Verteidiger der Heiligkeit Gottes, die Sein Gericht ausführten, erscheinen die Cherubim (Kap. 10,20) zum ersten Mal am Eingang zum Garten Eden, als der Mensch daraus vertrieben wurde (1.Mose 3,24). Sie gebrauchten die Flamme des kreisenden Schwertes, um den Weg zum Baume des Lebens zu bewahren. - Auf der Bundeslade breiteten zwei Cherubim ihre Flügel aus, ihre Angesichter auf den Gnadenstuhl* (Versöhnungsdeckel - Hebr. 9,5) gerichtet. Was sahen sie auf diesem Deckel der Bundeslade? Das Blut, das der Hohepriester am Versöhnungstag dorthin gebracht hatte. Das Gericht Gottes, das also schon auf ein reines, makelloses Opfer gefallen war, wurde nicht noch einmal, mittels der Cherubim, an dem schuldigen Volke ausgeführt. - Auf dem Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten trennte, waren Cherubim eingewoben, dadurch wurde betont, dass der Zugang zum Heiligtum verschlossen blieb. Dagegen gab es auf dem Vorhang zum Eintritt in den Vorhof [Siehe «Die Stiftshütte und der Dienst der Leviten». Seite 55 bzw. Seite 29.] keine solchen. Die breite Türe war für jeden Israeliten geöffnet, der sich dem ehernen Altar mit einem Opfer nahte. - Im Tempel Salomos standen zwei Cherubim (1.Kön. 6,23-28,2.Chr. 3,13). Ihre Angesichter waren gegen den Eingang des Hauses gerichtet, wie um diejenigen zu empfangen, die in dem Reiche des Friedens und der Gerechtigkeit herzunahen wollten. - In Offenbarung 4 und 5 finden wir sie schliesslich wieder in der Gestalt der vier lebendigen Wesen, die den Thron umgeben.

Ihre verschiedenen Angesichter - Löwe, Stier, Mensch und Adler - reden von den verschiedenen Seiten des Gerichtes Gottes. Ein anderer charakteristischer Zug ist der, dass sie ringsum voll Augen waren (Hes. 10,12). Die Regierung Gottes ist nicht blind, sie nimmt von allem Kenntnis und unterscheidet alles. So ist auch das Wort Gottes (Hebräer 4,12), und so stellt sich auch der Herr selbst vor im ersten Kapitel der Offenbarung: Seine Augen sind wie eine Feuerflamme.

Die Räder (Verse 15-21)

Sie machen die untere Seite des Wagens aus, also diejenige, die sich auf der Erde bewegt. Auch sie sind voll Augen (V. 18), in der Regierung Gottes geschieht nichts durch Zufall. Alles wurde durch den Geist des lebendigen Wesens belebt, der in den Rädern war (V. 20), und dieser selbst durch den Geist Gottes (V. 12).

Die Ausdehnung und der Thron (Verse 22-28)

Über den Häuptern und den Flügeln der lebendigen Wesen war das Gebilde einer Ausdehnung, «wie der Anblick eines wundervollen Kristalls», die in gewisser Hinsicht den Wagen auf der Erde von dem Throne im Himmel trennte.

Die Gesichte Hesekiels und die des Johannes in der Offenbarung decken sich in gewissem Masse hinsichtlich der vier lebendigen Wesen. Aber wie sehr unterscheiden sie sich in Bezug auf den Thron und Den, der darauf sitzt! Hesekiel sieht nur die Gestalt eines Thrones und «eine Gestalt wie das Aussehen eines Menschen oben darauf..., wie das Aussehen von Feuer, und ein Glanz war rings um denselben». Die Herrlichkeit Gottes war noch nicht offenbart. Als - in 2.Mose 24,10 - die siebzig Ältesten mit Mose auf den Berg Sinai stiegen, «sahen sie den Gott Israels», das heisst, nur was unter Seinen Füssen war: «wie ein Werk von Saphirplatten und wie der Himmel selbst an Klarheit».

Unser Prophet sieht nicht viel mehr, obgleich er das Aussehen eines Menschen auf dem Thron unterscheidet. Wie viel wunderbarer ist das Gesicht des Johannes, in der Offenbarung 5,6: «Und ich sah inmitten des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten ein Lamm stehen wie geschlachtet…» Zwischen dem Gesicht Hesekiels und dem des Apostels ist Gott im Fleische offenbart worden. Das Lamm Gottes ist an den Ufern des Jordans gesehen worden, am Kreuz hat Er die Sünde der Welt hinweg genommen, der Vorhang ist zerrissen worden und der «Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi» hat in unsere Herzen geleuchtet (2.Kor. 4,6). Die Erlösten, im Bilde der Ältesten, sind in die Herrlichkeit eingetreten. Dort beten sie an, dort singen sie das neue Lied. Ohne Lamm keine Ältesten, ohne die Ältesten kein Lobgesang, denn nur die Erlösten singen.

Dennoch schliesst die Vision Hesekiels nicht nur mit dem Anblick von Feuer und dem Glanz der Herrlichkeit. Er sieht auch noch «den Bogen, der am Regentage in der Wolke ist» (V. 28, vergleiche mit Offb. 4,3). Dieser Regenbogen erschien am Ende der Sintflut, als Zeichen dafür, dass Gott die Erde nicht mehr durch Wasser zerstören würde - ein Zeichen der Gnade, die sich wunderbar entfalten sollte, sobald die Fülle der Zeiten gekommen sein würde.

Was konnte der Prophet angesichts einer solchen Eröffnung anderes tun, als auf sein Angesicht niederfallen, wie viele andere es getan haben: Moses und Petrus, Johannes in der Offenbarung, Saulus von Tarsus auf dem Wege nach Damaskus?

«Ihn hören» (Hesekiel 2)

Vor der Aussendung muss man hören: «Ich will mit dir reden» (V. 1). Es ist unmöglich, anderen die Worte des Herrn zu bringen, ohne sie selbst gehört zu haben. «Höre, was ich zu dir rede, sei nicht widerspenstig» (V. 8). Die Menschen, an die sich Hesekiel richten wird, werden oft nicht auf ihn hören, aber «mögen sie hören oder es lassen», er musste seine Botschaft gleichwohl ausrichten. Der Sämann geht aus, um zu säen. Er weiss, dass einige Körner auf den Felsen, unter die Dornen, an den Weg fallen und keine Frucht bringen werden, aber er sät trotzdem. Wir wollen uns nicht entmutigen lassen, wenn nur ein Teil der verteilten Traktate zerrissen oder weggeworfen wird, oder wenn von den Menschen, um die man sich bemüht, einige sich abwenden und den Herrn Jesus ablehnen. «Du sollst meine Worte zu ihnen reden» (V. 7), nicht deine eigenen Gedanken aussprechen oder was dich gut dünken wird, sondern das, was du zuerst von Mir gehört hast.

Von ihm genährt werden (Hesekiel 3)

Es genügt nicht, zu hören, man muss auch essen. So sagt Jeremia: «Deine Worte waren vorhanden, und ich habe sie gegessen» (Jer. 15,16). Berufen, das Volk zur Besitzergreifung Kanaans zu führen, sollte Josua Tag und Nacht über das Gesetz sinnen.

Was wir essen, baut unseren Körper auf. In geistlicher Hinsicht wird unsere innere Persönlichkeit dem entsprechen, was unseren Geist und unsere Seele genährt hat. Deshalb ist es von so grosser Wichtigkeit, dem Worte Gottes den ersten Platz zu geben. Nicht nur schnell einen Vers lesen, oder flüchtig auf das hören, was in der Versammlung gesagt wird, sondern sich selbst vom Worte Gottes nähren, und sich von diesem unsere Gedanken, Vorstellungen und unsere Betrachtungsweise bilden und in die richtige Bahn leiten lassen. Viele Diener des Herrn haben in ihrem Leben, für gewöhnlich in der Jugend, einen Zeitabschnitt gehabt, in welchem sie ihre ganze Lektüre auf das Wort Gottes konzentrierten, vielleicht sechs Monate, ein oder gar mehrere Jahre lang. Das ist die Grundlage eines gesunden Dienstes.

Wie wohltuend ist es, sich vom Worte zu nähren: «Sie (die Rolle) war in meinem Munde süss wie Honig» (V. 3). Auch Jeremia sagt: «Deine Worte waren mir zur Wonne und zur Freude meines Herzens.» Johannes machte dieselbe Erfahrung, als er das Büchlein ass (Offb. 10,10). Nachher aber kam die Bitterkeit, als er an die Gerichte dachte, die über jene kommen, die dieses Wort ablehnen.

«Alle meine Worte, die ich zu dir reden werde, nimm in dein Herz auf», wiederholt der Herr dem Hesekiel (V. 10), und betont damit, dass es kein anderes Mittel gibt, das uns berechtigt, zu anderen zu reden.

«Gehe hin» - Der Wächter (Kap. 3,16-21)

Es geziemte sich nicht, dass Hesekiel sofort von seiner Vision sprach. Sieben Tage lang sass er betäubt da (3,15) und sann über das nach, was er gesehen und gehört hatte. Auch Paulus war in Damaskus drei Tage nicht sehend und ass nicht und trank nicht. Man beeilt sich nicht, von den tiefen Erfahrungen, die man mit dem Herrn gemacht hat, zu reden. Auch musste sich der Prophet mit seinem Volk auf die gleiche Stufe stellen: «Und daselbst, wo sie sassen, dort sass ich ... in ihrer Mitte» - nicht über ihnen! (V. 15).

Am Ende von sieben Tagen geschah das Wort Jehovas zu ihm, um ihm jetzt zu sagen: «Ich habe dich dem Hause Israel zum Wächter gesetzt», mit dem Auftrag, den Gesetzlosen zu warnen, damit er sich von seinem Wege abwende, oder den Gerechten, der sich verirrt hat. Welche Freude, wenn sie auf die Warnung hören, tun sie es nicht, ist der Diener seiner Verantwortlichkeit enthoben. Hat er sie aber nicht gewarnt, so wird der Gesetzlose wegen seiner Ungerechtigkeit sterben und der abgeirrte Gerechte wegen seiner Sünde ... Doch welche Verantwortung liegt dann auf dem Diener!

Der Geist kam in mich»

In Kapitel 2,2 und in Kapitel 3,24 wird dieser gleiche Ausdruck gebraucht. Im Alten Testament wurde der Heilige Geist nur vorübergehend gegeben, Er wohnte nicht im Gläubigen, wie heute. Immerhin, ohne den Geist Gottes konnte man weder hören (Kap. 2) noch reden (Kap. 3). «Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist» erging das Wort Jehovas an Serubbabel (Sach. 4,6). Nur der Geist Gottes kann das Wort auf unsere Gewissen und Herzen anwenden. Und nur Er kann der Verkündigung des Wortes Kraft verleihen, sei es in einer privaten Unterredung, mit Kindern, oder in der Versammlung. An uns liegt es, darauf zu achten, dass der Kanal nicht verstopft werde, der denen, die Durst haben, das lebendige Wasser zuführen soll. Haben wir uns wirklich vor Gott gerichtet und dem Herrn unsere Vergehungen bekannt, wird der Geist frei sein, um zu wirken, um uns in die Wahrheit zu leiten und um Kraft zum Zeugnis zu geben. Vergessen wir niemals das feierliche Wort des Herrn Jesu: «Ausser mir könnt ihr nichts tun» (Joh. 15,5)

3. Die Herrlichkeit Jehovas entfernt sich (Kapitel 8-11)

Im sechsten Jahre der Wegführung, ungefähr ein Jahr nach dem ersten Gesicht, wird Hesekiel eine neue Offenbarung geben.

Die Herrlichkeit des Herrn war, obgleich sie dem Propheten im Gesicht in Chaldäa erschien, tatsächlich immer noch im Tempel zu Jerusalem. Jedoch wird sie ihn nun verlassen. Welches sind die Gründe dafür und wie wird dies geschehen?

Warum geht die Herrlichkeit weg? (Kap. 8)

Hesekiel, in «Gesichten Gottes» nach Jerusalem gebracht, entdeckt dort, was der Herr darin sah, obwohl die Menschen alles taten, um es zu verbergen.

Für das Gericht, das nun über die heilige Stadt hereinbrechen wird, werden uns nacheinander fünf Gründe angegeben:

  • Am Eingang des Tores des inneren Vorhofs, das gegen Norden sieht, befand sich das «Bild der Eifersucht». Und daselbst war auch die Herrlichkeit des Gottes Israels! Dieses Götzenbild, durch Manasse in den Tempel gestellt (2.Chr. 33,7), war durch den König wieder daraus entfernt worden, als er sein Tun bereut hatte (V. 15). Aber ohne Zweifel wurde es später wieder aufgerichtet, als öffentliche Kundgebung des Götzendienstes in Israel, dessen Herz sich von Jehova abgewandt hatte.
  • Aber es gab noch Schlimmeres: Durch ein Loch in der Mauer des Tempels, die er durchbrochen hat, sieht und öffnet der Prophet eine geheime Tür. Er dringt in eine Bilderkammer ein und sieht an den Wänden ringsumher «allerlei Gebilde von scheusslichem Gewürm und Vieh und allerlei Götzen» gezeichnet (V. 10). Wenn der Kult des Baal und der Astarte von Syrien gekommen war, so stammte dieser hier von Ägypten. Er wurde von siebzig Männern der Ältesten praktiziert, was an die Zahl derer erinnert, die mit Mose die Herrlichkeit des Gottes Israel betrachtet hatten (2.Mose 24,9). Unter ihnen befand sich «der Sohn Schaphans», jenes Schaphans, der zur Zeit des Königs Josua mit Hilkija das Buch des Gesetzes wieder gefunden hatte (2.Chr. 34,15). Mit welcher Freude hatte der Vater dem König daraus vorgelesen... und jetzt liess der Sohn im Finstern den Duft einer Weihrauchwolke vor scheusslichen heidnischen Götzenbildern emporsteigen! Diese Leute sagten sich: «Jehova sieht uns nicht», nicht wissend, dass da Cherubim waren und Räder voller Augen.
  • Am Eingang des Tores des Hauses Jehovas hatte ein anderer, der phönizische Kultus, Platz gefunden, derjenige des Tammuz, der dem griechischen Kultus des Adonis entsprach und ebenso verdorben war (V. 14).
  • Endlich standen am Eingang des Tempels Jehovas, zwischen der Halle und dem Altar fünfundzwanzig Männer, die ihre Rücken gegen den Tempel und ihre Angesichter gegen Osten gerichtet hatten. Sie bückten sich gegen Osten hin vor der Sonne (V. 16). Auch die Anbetung der Sonne war also aus der Gegend von Persien in Jerusalem eingedrungen. Wer anders als die vierundzwanzig Priester - einer für jede Abteilung - mit dem Hohenpriester an ihrer Spitze waren es, die dem Tempel den Rücken kehrten und das Geschaffene verehrten?
  • Ein fünfter Grund wird uns im siebzehnten Vers genannt: «Sie erfüllen das Land mit Gewalttat». Schon seit den Tagen Noahs war die Erde von Gewalttat und Verderbnis erfüllt.

Sollten wir uns da noch besonders über den Niedergang Israels wundern? - Und wie steht es um so manche der Jungen unter uns? Sie haben die christlichen Vorrechte genossen, sowohl zu Hause als auch bei den Zusammenkünften, aber ihr Herz wurde nicht geändert, die neue Geburt fand nicht statt, sie haben sich mit einer oberflächlichen Kenntnis der Wahrheit zufrieden gegeben. Und dann ist irgendetwas als Götze in das Leben eingedrungen, sei es eine den Gedanken Gottes entgegengesetzte Zuneigung, eine philosophische oder religiöse Anschauung, eine Freundschaft am unrechten Platz oder sonst etwas.

Wie dem auch sei, der Platz, der dem Herrn gehört, ist von etwas anderem eingenommen worden, und nach und nach entfernte sich das Herz von Ihm.

Aber es gibt noch Schlimmeres. Wie viel unreine Gedanken gibt es in einem Herzen, das dem Herrn Jesus nicht den ersten Platz gibt! Nicht nur jene, die gelegentlich im Geist auftauchen, die man sofort von sich weisen muss, indem man sich mit dem Guten beschäftigt (Phil. 4,8-9), sondern solche, die man pflegt, die man liebt, mit denen man sich immer wieder beschäftigt. Niemand weiss es, niemand sieht es, alles geht im Geheimen und im Dunkeln vor sich. Ohne Gewissensbisse wiederholt ein solcher Mensch: «Der Herr sieht mich nicht!» Und in dem geheimen Gemach seiner Seele, in der Finsternis, arbeitet die verdorbene Einbildungskraft, «und da sind allerlei scheussliche Gebilde ringsum an die Wand gezeichnet». Das Verderben bleibt nicht im Inneren verborgen, es zeigt sich auch in Taten und man kann sehr tief fallen, ohne sich selbst darüber Rechenschaft zu geben. Sage mir nicht, solche Dinge kämen nur selten oder gar nicht vor! Wer sein Herz nicht ganz dem Herrn gegeben hat und darüber wacht, kann leicht in einen solchen Weg hineingezogen werden.

Und wie stellen wir uns zu der «Gewalttat», die sich so oft kundgibt? In den Episteln haben wir ja so viele Warnungen: «Die Werke des Fleisches sind Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht» ... «Leget dies alles ab: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, schändliches Reden aus eurem Munde». Wenn wir nicht darauf acht haben, so können solche Verirrungen selbst unter Gläubigen vorkommen.

Muss man sich dann wundern, besonders wenn niemals wahres Leben aus Gott vorhanden war, dass das Interesse für die göttlichen Dinge nachlässt und verschwindet? Und geht in einem Herzen, das den Herrn niemals wahrhaft aufgenommen hat, nicht etwas Ähnliches vor, das dem Weggang der Herrlichkeit entspricht? Man wird gleichgültig oder widerspruchsvoll. In Seiner Gnade bemüht sich Gott, den Verirrten durch Busse wieder zurückzubringen. Aber hört man wohl immer darauf?

Ein Überrest (Kap. 9)

In Jerusalem beteiligten sich nicht alle an dem sie umgebenden Verderben. Einige demütigten sich über diesen Zustand und seufzten über alle die Gräuel, die in der Stadt geschehen (V. 4). Würden auch sie umkommen wie die anderen? Auf diese Frage antwortet das neunte Kapitel.

Hesekiel sieht in seiner Vision, wie sich sechs bewaffnete Männer von Norden her der Stadt nähern, von denen jeder ein Werkzeug zum Zerschlagen in seiner Hand hält. Alles wird zerstört werden. Aber, unendliche Gnade Gottes, es war «ein Mann in ihrer Mitte, in Linnen gekleidet, mit dem Tintenfass eines Schreibers an seiner Hüfte» (V. 2) ein sehr genaues Bild des Herrn Jesu. Dieser Mann wird an die Stirne der Leute, «welche seufzen und jammern über all die Gräuel, die in ihrer Mitte geschehen», ein Zeichen machen, und zwar den Buchstaben T, der eine einfache Form des Kreuzes ist (V. 4, siehe Fussnote).

Erst danach werden die sechs Bewaffneten ihr Gericht ausführen und niemand verschonen: Greise, Jünglinge, Jungfrauen, Kinder und Frauen, aber sie werden niemandem nahen, «an welchem das Zeichen ist» (V. 6).

In dem Gesicht wird das Gericht ausgeführt, es fängt bei dem Heiligtum an, bei den Ältesten, die vor dem Tempel waren (vgl. 1.Petr. 4,17). Aber der Überrest wird verschont.

Der Grundsatz des «Überrestes» findet sich oft im Worte Gottes. Schon beim goldenen Kalb ging «jeder, der Jehova suchte, hinaus zu dem Zelte der Zusammenkunft, das ausserhalb des Lagers war» (2.Mose 33,7). Aber von der Mehrzahl des Volkes blieb jeder an dem Eingang seines Zeltes stehen und blickte jenen nach, die sich zu dem Ort begaben, wo sich die Herrlichkeit Jehovas befand: Der treue Überrest ging hinaus, «ausserhalb des Lagers» (vgl. Hebr. 13,13). - Maleachi beschreibt uns den bösen Zustand, in den das aus der Gefangenschaft zurückgekehrte Volk gefallen war, aber in ihrer Mitte stellt er solche fest, die sich von ihnen unterscheiden: «Da unterredeten sich die Jehova fürchteten miteinander, und Jehova merkte auf und hörte ... Sie werden mir» - sagte Er - «zum Eigentum sein... Ich werde ihrer schonen, wie ein Mann seines Sohnes schont, der ihm dient» (Mal. 3,16.17). Einige waren es, die sich gegenseitig ermunterten, trotz des Bösen, das sie umgab, und sie redeten vom Herrn, wie es einige Jahrhunderte später ein Zacharias und eine Elisabeth, eine Anna und ein Simeon taten, als Jesus auf die Erde kam. - Im Verlauf der Geschichte der Kirche, wie sie uns in den vier letzten Sendschreiben der Offenbarung, Kapitel 2 und 3, geschildert wird, sehen wir, dass während der Grossteil der Bekenner sich abwendet, einige treu bleiben: «die übrigen, die in Thyatira sind», die «einigen wenigen Namen» in Sardes, der, welcher in Laodicäa dem Herrn die Türe öffnet und schliesslich der kollektive Überrest in Philadelphia. - Das ist auch die Belehrung von 2.Timotheus 2, die sich auf die jetzigen Tage bezieht, in denen das verantwortliche Haus Gottes auf der Erde zu einem grossen Hause geworden ist, das sowohl Gefässe zur Ehre als auch Gefässe zur Unehre enthält. Um ein geheiligtes Gefäss zur Ehre zu werden, das dem Hausherrn nützlich ist, muss man sich von denen reinigen, die sich abwenden, und mit denen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen, Ihm anhangen, der der Mittelpunkt des Zusammenkommens ist, auch wenn es nur zwei oder drei sind.

Die Herrlichkeit geht weg

In Hesekiel 8,4 lesen wir: «Siehe, daselbst war die Herrlichkeit des Gottes Israels.» In den schönsten Tagen Salomos (2.Chr. 5,14) hatte diese Wolke den Tempel bei seiner Einweihung erfüllt. Trotz des Niedergangs des grossen Königs, trotz der Götzendienereien Ahabs, Isebels und Athalias und trotz der schrecklichen Sünden Manasses war die Gegenwart Gottes dageblieben, nun aber war der Kelch voll und die Herrlichkeit begann sich langsam zurückzuziehen. In den Kapiteln 9,3 und 10,4 erhob sie sich von dem Cherub des Heiligtums zu der Schwelle des Hauses hin. Dann, in Kapitel 10,18, begab sie sich von der Schwelle des Hauses hinweg an den Eingang des östlichen Tores. Aber auch da noch war nur Unheil und Böses (11,2): Die Fürsten des Volkes erteilten bösen Rat und suchten ihre Hilfe fern von Gott Die Herrlichkeit konnte nicht bleiben, nicht einmal auf der Schwelle. In Kapitel 11,23 erhebt sie sich aus der Mitte der Stadt und stellt sich auf den Berg, der gegen Osten der Stadt ist, also auf den Ölberg.

In der Person des Herrn Jesus sollte die Herrlichkeit eines Tages nach Jerusalem zurückkehren. Die Menge wird Ihn begrüssen: «Hosanna dem Sohne Davids! Gepriesen sei der da kommt im Namen des Herrn!» Man wird von den Bäumen Zweige hauen und Kleider auf dem Wege ausbreiten. Aber was wird Jesus tun? «Und als er sich näherte und die Stadt sah, weinte er über sie und sprach: Wenn auch du erkannt hättest, und selbst an diesem deinem Tage, was zu deinem Frieden dient! Jetzt aber ist es vor deinen Augen verborgen» (Luk. 19,41.42).

Er war der Abglanz der Herrlichkeit Gottes und der Abdruck Seines Wesens, aber als Er in Sein Haus trat, in den Tempel selbst, «und über alles umhergeblickt hatte, ging er, da es schon spät an der Zeit war... hinaus» (Mark. 11,11). Kein Herz war geneigt, Ihn zu empfangen, kein Haus wollte Ihn aufnehmen. Er ging nach Bethanien, zu dem «kleinen Überrest» hinter dem Ölberg, wo einige Herzen Ihn liebten. Von diesem Ort aus ist Er, nachdem Er Seine Jünger gesegnet hat, in den Himmel aufgefahren. Auf diesen Berg wird Er am Tage Seines Triumphes herabkommen (Sach. 14,4), und die Herrlichkeit, die so lange abwesend war, wird in den neuen Tempel zurückkehren (Hes. 43,1-6).

Die Zerstörung Jerusalems

Im neunten Jahre der Wegführung, am Zehnten des Monats, kündigt Jehova dem Propheten an, dass der König von Babylon an diesem selbigen Tage gegen Jerusalem heranrücken würde (24,1.2). Der Prophet gibt die Nachricht an das Volk weiter, doch ohne grossen Erfolg. Um denen, die Hesekiel umgeben, mehr Eindruck zu machen, kündet ihm Jehova an, dass seine Frau sterben werde, aber er dürfe nicht klagen und sie beweinen. Das Volk ist darüber erstaunt und der Prophet muss ihnen erklären, dass so, wie er nach dem Gebot des Herrn nicht über seine Frau weine, auch sie nicht über das trauern könnten, was jetzt noch «der Stolz ihrer Stärke, die Lust ihrer Augen und das Verlangen ihrer Seele war», nämlich der Tempel in Jerusalem, dessen sie sich rühmten. Auch sie sollten ihre im Lande zurückgelassenen Söhne und Töchter nicht mehr sehen, die Kinder werden durchs Schwert fallen, aber ihre Eltern werden sie nicht beweinen können, denn sie werden hinschwinden in ihren Missetaten und einer gegen den anderen seufzen.

Drei Jahre später kam ein Entronnener aus Jerusalem zum Propheten (Kap. 33,21), im zwölften Jahre der Wegführung, und kündigte ihm an: «die Stadt ist geschlagen». Nun war es Schluss. Das sechs Jahre zuvor in so lebhafter Weise angekündigte Gericht war jetzt ausgeführt. Der Tempel war zerstört, die Stadt verbrannt und die Mauern niedergerissen.

Zurückkommend auf die soeben auf die Jungen unter uns gemachte Anwendung - ist es nicht schmerzlich, an das Los derer denken zu müssen, die, nachdem sie viel empfangen, sich abgewandt und den Weg des Herrn aufgegeben haben? Wenn sie nicht Busse tun, wird die Strafe über sie kommen. Die Herrlichkeit geht weg, Gott wartet noch, Er klopft, Er ruft. Verhärtet sich aber der Widerstand, will man nicht zu Christo kommen, um Leben zu haben, so bleibt nur noch der Tod übrig, «danach aber das Gericht». Wir kennen tragische Beispiele!

Der zweite Teil des Buches Hesekiel (Kap. 25-32) richtet sich an die Nationen. Der Prophet verkündigt nacheinander sieben verschiedenen Völkern das Gericht Gottes:

  • Ammon (25,1-7)
  • Moab (V. 8-11)
  • Edom (V. 12-14)
  • Philister (V. 15-17)

Dann wendet er sich in den Kapiteln 26 bis 28,19 an

  • Tyrus

und fügt einige Worte an

  • Zidon hinzu (28,20-24)

Vier Kapitel gegen

  • Ägypten (29-32)

beschliessen diesen Teil.

Die Prophezeiung schliesst mit dem sogenannten «Gesang der Toten» (32,17-32), einem Klagelied (V. 16) voller Grösse. Es ist der Mühe wert, dieses laut zu lesen. Es beschreibt die Vernichtung all derer, die sich im Laufe der Zeitalter gegen das Volk Gottes erhoben haben.

4. Der König von Tyrus

(Kap. 28,11-19)

Im Bilde des Königs von Tyrus spricht Hesekiel, wie Jesaja durch den König von Babel (Jes. 14,12-17), von Satan, von seinem Ursprung und von seinem Fall. Es ist nicht erstaunlich, dass ein heidnischer König das Bild des Teufels sein soll. Viele andere Könige dagegen sind ein Vorbild auf Christum, wie etwa David oder Salomo.

Wer war Satan?

Hesekiel stellt ihn uns in allen seinen Vorrechten vor Augen. Er war «das Bild der Vollendung», im Innern voll von Weisheit und nach aussen vollkommen an Schönheit (V. 12). Seit dem Tage, an dem er geschaffen wurde, waren alle Vorzüge, die durch die hier genannten Edelsteine vorgebildet sind, zu seinen Gunsten bereitet worden: er hat sie nicht selbst erworben. Er hatte eine erhabene Stellung, war «ein schirmender, gesalbter Cherub», stand ohne Zweifel über jenen so gewaltigen Engeln, die Hesekiel in seinem Gesicht am Anfang gesehen hatte. Er war ein Geschöpf höchster Stufe, aber gleichwohl ein Geschöpf (V. 13 und 15). Jesaja nennt ihn «Glanzstern, Sohn der Morgenröte» (Jes. 14,12).

Sein Fall

Wie konnte ein so vollkommenes und hochgestelltes Wesen fallen? Nicht durch die Begierde oder einen äusseren Anlass, aber zu einem bestimmten Zeitpunkt wurde an ihm «Unrecht gefunden». Aber wodurch? Durch Hochmut. Die empfangenen Vorrechte, Schönheit, Weisheit und Glanz (V. 17) haben ihn dahin geführt, sich in seinen Gedanken zu überheben und sich einen Platz anzumassen, den ihm Gott nicht gegeben hatte. Jesaja spricht es noch deutlicher aus: «Und du, du sprachst in deinem Herzen: ‚Zum Himmel will ich hinaufsteigen, hoch über die Sterne Gottes meinen Thron erheben und mich niedersetzen auf den Versammlungsberg im äussersten Norden. Ich will hinauffahren auf Wolkenhöhen, mich gleich machen dem Höchsten'» (Jes. 14,13-14). Wie es uns der Apostel in 1.Timotheus 3,6 mitteilt, bestand das Vergehen des Teufels darin, dass der Hochmut ihn aufblähte. Er erhob sich in seinem Herzen sogar so weit, dass er sich Gott gleich machen wollte.

Welch ein Gegensatz zum Weg des Herrn Jesu: «Welcher, da er in Gestalt Gottes war, es nicht für einen Raub achtete, Gott gleich zu sein, sondern sich selbst zu nichts machte und Knechtsgestalt annahm, indem er in Gleichheit der Menschen geworden ist und, in seiner Gestalt wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte, indem er gehorsam ward bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuze» (Phil. 2,6-8).

Sein Gericht

Einem solchen Vergehen gegenüber spricht Gott Sein Gericht aus: «Ich habe dich entweiht vom Berge Gottes hinweg und habe dich, du schirmender Cherub, vertilgt aus der Mitte der feurigen Steine... Ich habe dich zu Boden geworfen... ein Schrecken bist du geworden und bist dahin auf ewig!» (V. 16,17 und 19). Jesaja sagt es noch deutlicher: «Wie bist du vom Himmel gefallen ... zur Erde gefällt... in den Scheol wirst du hinabgestürzt, in die tiefste Grube» (Jes. 14,12-15). Aber dieses Gericht ist bis heute nur teilweise ausgeführt worden. Noch hat Satan Zugang zur Gegenwart Gottes, wie Hiob 1,6 und Offenbarung 12,10 bezeugen, und dort verklagt er die Brüder, sein Aufenthalt ist noch in den himmlischen Örtern (Eph. 6,12). Auch ist seine Macht auf der Erde und in der Welt, deren Fürst er ist, noch gross.

Der Sieg Christi

Seit dem Sturze Satans sind alle seine Anstrengungen darauf gerichtet, andere Geschöpfe mit sich ins Verderben hineinzuziehen: Zuerst einen Teil der Engel, über die das Wort nur wenig Auskunft gibt, sodann den Menschen im Paradies und das ganze Menschengeschlecht. Durch die Lust der Augen, die Lust des Fleisches und den Hochmut des Lebens erreicht er, dass der Mensch in die Sünde fällt und das Gericht Gottes auf sich zieht. Wie könnte die göttliche Gerechtigkeit jemals solche Sünder aufnehmen? Ihnen ihre Übertretungen einfach zu verzeihen, wäre keine Gerechtigkeit mehr. Es muss daher ein anderer, ein vollkommener und sündloser Stellvertreter den Platz der Schuldigen einnehmen, um an ihrer Stelle das Gericht zu erleiden, das sie verdienen. Das hat der Herr Jesus getan. In 1.Mose 3,15 war angekündigt worden, dass der Same der Frau der Schlange den Kopf zermalmen würde. Hebräer 2,1 sagt deutlich: «Weil nun die Kinder Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch er in gleicher Weise an denselben teilgenommen.» Um unser Retter zu sein, musste Er Mensch, der Same der Frau, werden. Satan wird sich bemühen, Ihn zu Fall zu bringen, Ihn ungeeignet zu machen, um Sein Werk auszuführen. Er wird die Kinder von Bethlehem ermorden lassen und Ihn da und dort umzubringen suchen. Er wird Ihn in der Wüste, auf der Zinne des Tempels, auf einem sehr hohen Berg versuchen. In Gethsemane wird er vor Ihm den ganzen Schrecken des Todes am Kreuze ausbreiten, doch am Ende Seiner Laufbahn konnte der Herr Jesus sagen: «Der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir» (Joh. 14,30). Als das wahre Passahlamm hat Er sich als vollkommen, ohne Fehl und Flecken erwiesen, so dass Er sich zum Opfer darbringen konnte, Er «der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führe» (1.Petr. 3,18). Nachdem Er unsere Sünden gesühnt, hat Er den Tod erlitten. Aber Gott hat Ihn auferweckt und Ihm Herrlichkeit und Ehre gegeben. «Durch den Tod hat er den zunichte gemacht, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel.» «Er hat die Gefangenschaft gefangen geführt» und alle die der Macht des Feindes entrissen, die ihr Vertrauen auf Ihn setzen: «Er hat alle die befreit, welche durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen waren» (Hebr. 2,15).

In der heutigen Zeit

Das Gericht ist über Satan ausgesprochen worden, jedoch wurde es bis jetzt nur teilweise ausgeführt. Er ist heute noch der Fürst dieser Welt (Joh. 14,30,16,11), der Fürst der Gewalt der Luft (Eph. 2,2) und der Gott dieser Welt (2.Kor. 4,4). Vor Gott verklagt er die Brüder, in der Welt versucht und verblendet er die Menschen.

Die Ergebnisse des Sieges Christi sind noch nicht alle offenbar. Die an Ihn glauben, sind gerettet, was ihre Seelen anbetrifft, und sie besitzen jetzt schon das ewige Leben, aber ihr Leib bleibt allen Folgen der Sünde unterworfen. Das Fleisch ist noch in uns und «wir alle straucheln oft» (Jak. 3,2). Christus ist in der Welt noch nicht anerkannt, Er bleibt weiterhin der Verachtete und der Verworfene. Er wird Seinen Sieg vollenden, wenn Er kommt, um die Seinigen zu sich zu nehmen und Sein Reich aufzurichten. Dann wird Er die neuen Himmel und die neue Erde einführen.

Welches ist nun, in der Zwischenzeit, der Weg des Gläubigen? Es gibt nur ein Mittel, um den Sieg über die Welt und ihren Fürsten praktisch zu geniessen: der Glaube. «Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt, und dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube. Wer ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, welcher glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?» (1.Joh. 5,4-5). Die Christum im Glauben aufnehmen, «denen gibt er das Recht, Kinder Gottes zu werden» (Joh. 1,12). Weil der Gläubige nun ein neues Leben besitzt, so hat er seine Interessen nicht mehr in der Welt. Der Glaube erhebt ihn über den ihn umgebenden Schauplatz und gibt seinen Zuneigungen und Hoffnungen einen besseren Gegenstand. Es handelt sich nicht darum, gegen die Welt zu kämpfen, sie zu verbessern oder sie zu ändern, sondern sein Teil anderswo zu haben, im Bewusstsein, jetzt schon durch Glauben mit Christo gestorben und auferweckt zu sein (Kol. 2,20-3,4).

Doch was tut der Feind jetzt? Weil er weiss, dass ihm die Seelen entwischen, wenn sie mit dem Worte Gottes in Berührung kommen und es im Glauben aufnehmen, setzt er alles daran, die Menschen für dieses Wort blind zu machen. Er hat versucht, die Bibel mit Gewalt zu zerstören, sie durch den Rationalismus, also durch Vernunftsgründe zu verstümmeln, sie durch die Psychologie und andere Mittel zu entkräften und zu versüssen. «Der Same ist das Wort Gottes.» Wenn er in ein Herz aufgenommen wird, bringt er Leben hervor. Aber bevor er darin Wurzel fassen kann, «kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen weg, auf dass sie nicht glauben und errettet werden» (Luk. 8,12). Oder wenn das Wort begonnen hat, eine gewisse Wirkung zu entfalten, sorgt er für steinigen Boden, so dass es sich in der Seele nicht befestigen kann, oder für Dornen, die es ersticken. «Unser Evangelium ist... in denen verdeckt, die verloren gehen, in welchen der Gott dieser Welt den Sinn der Ungläubigen verblendet hat, damit ihnen nicht ausstrahle der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus» (2.Kor. 4,3-4).

Satan lässt die Menschen ihr Leben nach ihrem Gutdünken einrichten, damit es ihnen in der Welt gefalle, wenn sie nur für das Evangelium blind bleiben. Er lässt sogar zu, dass Gläubige sich religiös organisieren, Zeremonien und Bräuche beachten, oder er treibt sie in die Vergnügungen der Welt, wenn sie nur dem Worte Gottes nicht den Platz geben, der ihm zukommt. Wie viele Hindernisse weiss er auf den Weg zu legen, um die Verkündigung des Evangeliums zu hemmen (Mark. 10,13-14)! Wie viele Kämpfe erforderte es durch die Zeitalter hindurch, um die Bibel in jedermanns Hand zu legen, um frei darüber sprechen zu können, an allen Orten, zu jeder Zeit, unter allen Umständen! (2.Tim. 4,2).

Das Gericht wird ausgeführt werden

In Römer 16,20 wird angekündigt, dass «der Gott des Friedens in kurzem den Satan unter eure Füsse zertreten wird». Offenbarung 12 zeigt uns, wie er vom Himmel herabgestürzt wird. Auf der Erde hat er dann eine grosse Wut, da er weiss, dass er wenig Zeit hat, und wird seine Macht dem «Tiere» geben (Offb. 13) für einen Zeitabschnitt, den Gott auf dreieinhalb Jahre beschränkt hat. Am Ende dieser schrecklichen Zeit wird er für tausend Jahre gebunden in den Abgrund eingeschlossen werden (Offb. 20,2). Am Ende des Tausendjährigen Reiches wird er, aus seinem Gefängnis losgelassen, ausgehen um die Nationen zu verführen und sie zum Krieg wider die Heiligen zu versammeln (V. 7-9). Nach der Vernichtung der Empörer wird «der Teufel, der sie verführte, in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo sowohl das Tier ist als auch der falsche Prophet, und sie werden Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit» (V. 10). So wird das Wort Hesekiels erfüllt werden: «Du bist dahin auf ewig» Kap. 28,19). Wohl wird die Existenz Satans nicht aufhören, aber seine ganze Macht, sein ganzer Einfluss sind zunichte geworden.

5. Die geistliche Wiederherstellung Israels

Wir haben in Kapitel 33 die Ankündigung gefunden, dass die Stadt geschlagen wurde. Der Tempel war jetzt zerstört, Jerusalem verwüstet, die Mauer niedergerissen. Welche Hoffnung blieb nun noch für Israel? Selbst die wenigen Überlebenden waren in einer schlechten geistlichen Verfassung, wie es Jeremia bezeugt. Und doch wollte der Herr Seinem Volke durch die Propheten «eine Zukunft und eine Hoffnung» geben.

In diesem dritten Teil seines Buches (Kap. 33-39) spricht Hesekiel vom neuen Hirten (34), vom neuen Herzen (36) und vom neuen Volk (37). Nach einer langen Zeit der Zerstreuung wird sich der Herr wieder Israel zuwenden, um sie in ihr Land zurückzuführen, jedoch nicht ohne sie durch tiefe geistliche Erfahrungen gehen zu lassen.

Der neue Hirte (Kap. 34,11-16.23.24)

Hesekiel stellt uns diese zukünftige Wiederherstellung als alleiniges Volk Gottes vor: «siehe ich bin da, ich...» Wie oft kommt dieses «Ich» in den Versen 11-16 vor! Er selbst wird Seine Schafe suchen, sie pflegen, sie sammeln, sie weiden und sie lagern. David hatte im 23. Psalm von der persönlichen Fürsorge des Hirten gesprochen. Dem Herrn Jesus stand es zu, sich selbst als den «guten Hirten» vorzustellen, unter manchen Charakterzügen, die unserem Propheten noch nicht offenbart waren. Einmal mehr wird deutlich, wie seine Schriften und die des Johannes parallel laufen. In den Versen 11-18,29 und 30 im 10. Kapitel seines Evangeliums nennt der Apostel unter anderem fünf Dinge, die wir in Hesekiel nicht finden.

Der erste Punkt ist der wichtigste:

  • Der gute Hirte lässt Sein Leben für die Schafe

Aus Liebe gab Er sich selbst hin, Er gehorchte Seinem Vater und verherrlichte Ihn, indem Er Seine Schafe erlöste. Hesekiel spricht nie von dem Kommen des Herrn Jesu auf diese Erde. Daher konnte Er uns den Hirten nicht als Den vorstellen, der sich für die Seinigen hingab.

Bei Johannes finden wir in den Versen 14 und 15 eine dem Propheten unbekannte Gemeinschaft: Vom Hirten gekannt sein, gleichwie der Vater Ihn kennt, mehr noch: den Herrn Jesus kennen, so wie Er als Mensch auf der Erde den Vater kannte. Das ist die Quelle einer «völligen Freude», die durch nichts anderes ersetzt werden kann!

Der Hirte, im Evangelium Johannes, wollte nicht nur die Schafe aus dem jüdischen Schafhof herausführen, sondern auch andere, die Seine Stimme hören würden, hinzufügen, damit es eine Herde und ein Hirte sei. Das Geheimnis von der Vereinigung der Juden mit den Nationen zu einem Leibe, so wie es später dem Apostel Paulus mitgeteilt werden würde (Eph. 3), war noch nicht offenbart. Aber schon jetzt liess der Herr Jesus durchblicken, dass die Schafe aus jedem Stamm und Sprache und Volk und Nation berufen würden. Sie werden zusammengehalten werden, nicht durch die Umzäunung eines Schafhofes - Verordnungen und Gebräuche des Gesetzes - sondern durch Den, der der Mittelpunkt der Herde ist, der Hirte, um Den sich die Schafe sammeln, und zwar um so enger beieinander, je näher sie bei Ihm sind.

Siebenmal spricht der Herr Jesus, in den Versen, die wir gelesen haben, vom Vater. «Niemand hat Gott jemals gesehen, der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoss ist, der hat ihn kund gemacht (Joh. 1,18).

In Beziehung mit dem Vater bezeugt Johannes das, was Hesekiel noch unbekannt war: die Gewissheit des ewigen Heiles. Der Herr hatte gesagt: «Niemand wird sie aus meiner Hand rauben.» Aber er fügt hinzu: «Niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben.» Das ist die unerschütterliche Gewissheit derer, die durch den Glauben an Seinen Namen das ewige Leben besitzen.

Doch kehren wir zum Text Hesekiels zurück! (Kap. 34,16). Welche Ermutigungen sind in diesen Ausdrücken enthalten!

  • «Das Verlorene will ich suchen.» Dieser Gedanke wird in Lukas 15 näher ausgeführt, wo der Hirte sucht, «bis er es findet»
  • «Das Versprengte will ich zurückführen.» Wir können wohl versuchen, denen zu Hilfe zu kommen, die von dem guten Weg, auf dem sie einmal wandelten, abgekommen sind, indem wir ihnen mit dem Worte dienen und zu ihrem Herzen reden, aber der Herr allein kann sie nicht nur suchen, sondern auch zurückbringen Er hört mit Seiner Tätigkeit der Wiederherstellung nicht auf halbem Wege auf, Er vollendet das Werk, wie es Elihu in Hiob 36,2 sagt: «Wer ist ein Lehrer, wie er?»
  • «Das Verwundete will ich verbinden»: Wie viele verwundete Schafe gibt es doch in der Herde des Herrn! Wunden, geschlagen durch Menschen, selbst durch Brüder, Wunden der Trauer und mancherlei Kümmernisse. Wie kostbar ist es doch zu wissen, dass Der, welcher den Schmerz bereitet, auch die Wunde verbindet (Hiob 5,18)
  • «Das Kranke will ich stärken»: Warum sagt Er nicht: Ich will es heilen? Wenn Er es für gut hält, kann Er es tun. Vor allem aber will Er Kraft darreichen, um durch Krankheit oder Prüfung hindurchzugehen. «An dem Tage, da ich rief, antwortetest du mir...», und nicht, Du hast mich befreit, sondern «Du hast mich ermutigt: In meiner Seele war Kraft» (Ps. 138,3)

Wenn der Herr voll Mitgefühl ist für die Versprengten, die Verwundeten und die Kranken, so ist Er doch streng gegenüber falscher Anmassung: «Das Fette aber und das Starke werde ich vertilgen.» Zu den Pharisäern wird er sagen: «Nun ihr aber saget: wir sehen, so bleibt eure Sünde» (Joh. 9,41).

Mit welcher Freude spricht Jehova in dem folgenden Abschnitt von den zukünftigen Segnungen: «Ich werde einen Hirten über sie erwecken..., meinen Knecht David», ... Sie sind «mein Volk... die Herde meiner Weide». Vernehmen wir da nicht schon von ferne die Stimme des guten Hirten? «Freuet euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.» Und die Stimme des Vaters? «Mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden... Es geziemte sich aber fröhlich zu sein und sich zu freuen.»

Das neue Herz (Kap. 36,24-32)

Das Werk des Hirten zugunsten Seines Volkes ist nicht das einzige, das Gott erfüllen will. Ein inneres Werk Seines Geistes ist unerlässlich, damit die Segnung über sie komme. Für Israel ist, um das Irdische zu geniessen, die Wiedergeburt ebenso nötig wie für den Christen, um in das Reich Gottes einzugehen.

Auch die Wiedergeburt ist ein göttliches Werk. «Ich werde euch sammeln... Ich werde euch reinigen... Ich werde euch ein neues Herz geben... Ich werde einen neuen Geist in euer Inneres geben.» Dieses Wirken umfasst zwei wesentliche Teile: die Reinigung durch reines Wasser, einem Bild des Wortes Gottes und durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes in den Herzen (V. 25-27). Es handelt sich nicht darum, sich zu bessern, seine Fehler gutzumachen, das Volk zu reformieren. Nur das Werk der Gnade Gottes kann ihnen ein neues Herz, einen neuen Geist geben.

Wieder finden wir hier eine auffallende Ähnlichkeit mit dem Evangelium Johannes. Dort sagt der Herr Jesus in Seinem Gespräch mit Nikodemus im dritten Kapitel wiederholt: «Ihr müsset von neuem geboren werden», das heisst völlig neu, von oben, wie aus einer neuen Quelle, einem neuen Ursprung des Lebens. Das Wasser des Wortes (Eph. 5,26) ist das göttliche Mittel der Erneuerung. «Ihr seid nicht wiedergeboren aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes» (1.Petr. 1,23). Und Jakobus sagt: «Er hat uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt» (Jak. 1,18). Aber man könnte zweimal nacheinander die ganze Bibel lesen ohne das Leben zu finden, während eine einzige Stelle genügen kann. Es braucht dazu die ganze Wirksamkeit des Geistes Gottes, der dieses Wort auf Gewissen und Herz anwendet. Paulus schreibt an Titus: «Unser Heiland-Gott errettete uns... nach seiner Barmherzigkeit durch die Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes» (Tit. 3,5). Nikodemus hätte diese Dinge wissen müssen. Sowohl Jeremia wie Hesekiel hatten angekündigt, dass die irdische Segnung des Volkes (Joh. 3,12) nur durch die neue Geburt kommen würde. Wie viel mehr die himmlischen Wirklichkeiten! Aber das Evangelium offenbart uns mehr als Hesekiel.

Diese neue Geburt ist nur möglich, weil Jesus vom Himmel herabgestiegen und Sohn des Menschen geworden ist. Warum vergleicht Ihn der Evangelist mit einer Schlange? (V. 14). Wir verstehen, dass Er Lamm genannt wird oder dass die Opfertiere des dritten Buches Mose vom Rind- und Kleinvieh ein Bild von Ihm sind. Aber muss man bei der Schlange nicht an den Teufel denken? Und an alles, was mit der Sünde zusammenhängt? Hier stehen wir vor dem Geheimnis der Stellvertretung: «Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht» (2.Kor. 5,21). «Christus hat uns losgekauft von dem Fluche des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist» (Gal. 3,13). An Ihn, den auf das Kreuz erhöhten Sohn des Menschen, der an unserer Stelle den Fluch Gottes trug, muss man glauben, um ewiges Leben zu haben (Joh. 3,15), aber auch an Ihn, den eingeborenen Sohn Gottes, den die Liebe des Vaters gegeben hat (V. 16). Johannes beharrte in seinen Episteln auf diesem Glauben an den Sohn Gottes, der als Mensch auf die Erde kam, an den Christus, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Das Ergebnis davon ist nicht bloss eine irdische Segnung, sondern das ewige Leben, das Heil in Herrlichkeit (V. 17 und 36), das glückselige Teil in Ewigkeit mit dem Herrn selbst.

Kommen wir auf die Aussprüche Hesekiels zurück und betrachten wir ihre Anwendung auf uns selbst! In Kapitel 36,24 erinnert er daran, wie Israel aus den Ländern gesammelt wird, in die es zerstreut war. Handelt Gott heute nicht in gleicher Weise? Aus der Welt, aus jedem Stamm und Sprache und Volk und Nation nimmt Er die heraus, die an Seinen Namen glauben. Er reinigt sie durch Sein Wort (V. 25), Er gibt ihnen Seinen Geist (V. 27 und Eph. 1,13, Röm. 8,9). Nachdem Er ihnen das Leben gegeben hat, lehrt Er sie wandeln (V. 27), nicht nach den Verordnungen und Satzungen, sondern in Neuheit des Lebens, wie Christus durch Glauben und in Liebe gewandelt hat. Er bereitet ihnen eine Wohnung (V. 28), nicht ein Land auf der Erde, sondern ein geistliches Haus, dessen Grundlage Christus ist. Er gibt ihnen Nahrung (V. 29) und lässt sie Frucht tragen (V. 30) wie die mit dem Weinstock verbundene Rebe.

Warum aber diese seltsame Folgerung im 31. Verse: «Ihr werdet Ekel an euch selbst empfinden?» Ist es denn nicht angebracht, seine Fehler und Sünden anzuerkennen, bevor man gereinigt wird? Gewiss, aber in welch schwachem Masse geschieht dies! Man muss manchmal lange mit dem Herrn gewandelt haben und in Seiner Gnade gewachsen sein, um sich besser zu erkennen und Abscheu vor sich selbst zu haben. Hiob konnte sagen: «Mit dem Gehör des Ohres hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum verabscheue ich mich» (Hiob 42,5-6). Sich selbst, aber auch Seine Liebe zu kennen ist nötig, denn «nicht um euretwillen tue ich es, spricht der Herr, Jehova, das sei euch kund» (V. 32). Johannes sagt später: «Hierin ist die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden» (1.Joh. 4,10). Der Herr selbst erklärt: «Ihr habt nicht mich auserwählt, sondern ich habe euch auserwählt» (Joh. 15,16). «Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat» (1.Joh. 4,19).

Als Israel vernichtet wurde, spotteten die Nationen über Jehova und Sein Volk. Bei seiner Wiederherstellung werden die Nationen, «welche rings um euch übrig bleiben werden, wissen, dass ich, Jehova, das Zerstörte aufbaue, das Verwüstete pflanze» (V. 36). Die Segnung des Volkes Gottes wird ein Zeugnis sein zu Seiner Ehre. Auch heute ist jedes durch den Glauben an den Herrn Jesus und durch die Wiedergeburt umgewandelte Leben ein Zeugnis der Gnade und Liebe Gottes. «Sie werden erkennen, dass ich dich geliebt habe» (Offb. 3,9).

6. Die nationale Auferstehung Israels (Kapitel 37)

Hesekiel gibt uns, im Gegensatz zu anderen Propheten, nur ein gedrängtes Bild der Tatsachen, die zur Wiederherstellung Israels als Volk in seinem Lande führen, ohne auf die Übungen und Prüfungen, die sie begleiten, einzugehen.

Hesekiel Kapitel 37,1-14 ist einer der am besten bekannten Teile des Buches: das Gesicht der verdorrten Gebeine. Der Prophet sieht eine grosse Talfläche voller Gebeine, die sehr verdorrt waren. Er wird aufgefordert, über sie zu weissagen, und sobald er es tut, rücken die Gebeine zusammen, es kommen Sehnen, Fleisch und Haut über sie, doch sind sie noch nicht lebendig. Eine zweite Prophezeiung war nötig, damit der Geist Gottes diese Getöteten durchdringe und sie lebendig mache - ein überaus grosses Heer.

Die Auslegung gibt uns der Herr selbst: «Diese Gebeine sind das ganze Haus Israel» (V. 11). Jehova wird sie aus ihren Gräbern (alle Nationen, unter die sie zerstreut waren) herauskommen lassen und sie in ihr Land bringen (V. 12).

Diese Wiederherstellung wird in drei Etappen stattfinden. Zuerst rücken die Gebeine zusammen, dann werden sie mit Sehnen, Fleisch und Haut bedeckt. Aber das Leben ist noch nicht da. Es ist nur eine politische Bewegung, eine nationale Sammlung, von welcher wir die ersten Umrisse vielleicht im Zionismus sich abzeichnen sahen, und dann in der Bildung des Staates Israel in den letzten Jahrzehnten.

Die Prophezeiung in Jesaja 18 scheint mit der von Hesekiel 37 parallel zu laufen. Unter der Führung einer grossen Seemacht, ausserhalb des prophetischen Landes (V. 1 u. 2), wird das zerstreute Israel, zum Erstaunen der Welt, berufen, um in sein Land zurückzukehren: Die Posaune zur Sammlung ertönt (V. 3). Aber dies geschieht ohne den Herrn (V. 4). Auf diese teilweise und unsichere Rückkehr wird ein Zeitabschnitt grosser Verwüstung folgen (V. 6): Man hatte gehofft, ohne Gott zum Wohlstand zu kommen (V. 5). Als Folge dieser Drangsale «an jenem Tage» wird das Volk endlich zu Jehova und zu Seinem Heiligtum umkehren (Sach. 12). Erst dann wird sich der zweite Teil des Gesichtes von Hesekiel erfüllen, der Odem des Herrn in das überaus grosse Heer kommen und sie lebendig machen können. Das ist das Werk des Hirten, im 34. Kapitel, und das des Geistes Gottes, der die Wiedergeburt durch das Wort hervorbringt, in Kapitel 36.

Aber Hesekiel beschäftigt sich nicht mit diesem Zeitabschnitt der Prüfungen, noch mit den Beziehungen Israels zum Westen, mit dem Tier und der grossen Drangsal. Er gibt nur die Zusammenfassung der nationalen Auferstehung vom Augenblick des Zusammenrückens der Gebeine an, bis zu jenem Tage, an dem Israel, in Verbindung mit seinem Gott, wieder in seinem Lande wohnen wird.

Diese vor mehr als zweitausendfünfhundert Jahren ausgesprochene Prophezeiung ist höchst bemerkenswert. Während langer Zeit, seit den Kirchenvätern und im Protestantismus im allgemeinen, hat man sie als die Wirksamkeit des Evangeliums ausgelegt, das den Toten das Leben geben und aus ihnen das geistliche Volk Gottes bilden würde. Als die durch den Geist Gottes belehrten Ausleger des letzten Jahrhunderts begriffen, dass es sich hier um Israel handeln müsse - selbst wenn man auch ein solches Kapitel aufs Evangelium anwenden könnte - so war doch damals kein äusseres Anzeichen vorhanden, dass sich die Prophezeiung erfüllen würde. Heute ist dies nicht mehr so, denn die Ereignisse, die sich seit einigen Jahren vor unseren Augen abspielen, bestätigen in auffallender Weise das, was Hesekiel angekündigt hat.

Es ist klar, dass wir nur ein Vorspiel erleben und dass noch viele umwälzende Ereignisse und Trübsale eintreten werden, bis sich die Gesamtheit der Prophezeiung erfüllt. Ebenso klar ist auch, dass der Herr Jesus zuerst kommen wird, um Seine Versammlung zu sich zu nehmen, «vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird» (Offb. 3,10), besonders vor der grossen Drangsal, die über Israel hereinbrechen wird. Die viel vollständigeren Enthüllungen, die Johannes in der Offenbarung gegeben wurden, zeigen uns dies.

Die Wiedervereinigung der zwölf Stämme

Ein wichtiger Punkt blieb noch abzuklären. Seit dem Tode Salomos war Israel in zwei Teile gespalten: Juda und Benjamin unter dem Hause Davids, die übrigen zehn Stämme unter der Führung von Ephraim mit verschiedenen, aufeinanderfolgenden Königen. Alle Anstrengungen, um die Stämme wieder zu vereinigen, waren gescheitert. Wird die angekündigte nationale Wiederherstellung nur die dem Hause Davids treu gebliebenen Stämme vereinigen, oder wird ganz Israel gesammelt werden? Hesekiel 37,15-28 gibt eine klare Antwort darauf: Nicht nur Juda und seine Genossen werden in ihr Land zurückgeführt, sondern auch Ephraim und die Stämme Israels. «Sie werden allesamt einen König haben... Sie sollen nicht mehr zu zwei Nationen werden... Sie werden sich nicht mehr verunreinigen durch ihre Götzen... Sie werden allesamt einen Hirten haben... Und sie werden wohnen in dem Lande... Und ich werde einen Bund des Friedens mit ihnen machen, ein ewiger Bund wird es mit ihnen sein... Und meine Wohnung wird über ihnen sein»: ein Heiligtum, das von Kapitel 40 an beschrieben wird.

Hesekiel sagt uns nichts über das Kommen des Herrn Jesu in Herrlichkeit. Er stellt nur fest, dass Er da ist: der König, mein Knecht David, der eine Hirte. Israel wird wissen, wer Jehova ist. Alle Nationen werden Ihn erkennen. Ist es nicht kostbar, auf diese Weise die Prophezeiung Jesajas sich erfüllen zu sehen: «So spricht Jehova... zu dem von jedermann Verachteten, zu dem Abscheu der Nation, zu dem Knechte der Herrscher: Könige werden es sehen und aufstehen, Fürsten, und sie werden sich niederwerfen, um Jehovas willen, der treu ist» (Jes. 49,7).

7. Gog (Kapitel 38-39)

In den Kapiteln 38 und 39 seines Buches hat Hesekiel eine neue Vision, welche nicht an die vorhergehende gebunden ist: die grosse Invasion des Königs des Nordens zur Zeit des Endes.

Unter der Führung Gogs - wahrscheinlich Russland - bildet sich ein grosser Bund von Völkern des Nordens und des Fernen Ostens «viele Völker mit dir» - und Gog wird sein Haupt sein. Dieser seit langem vorbereitete Bund (V. 7) wird nach vielen Tagen, am Ende der Jahre, Palästina einschliessen, wo die vom Schwerte befreiten Israeliten bereits in Sicherheit wohnen (V. 8). Ohne in dieser Hinsicht etwas mit absoluter Sicherheit sagen zu können, scheint es sich also um Ereignisse zu handeln, die eintreten, nachdem die vom «Tier» angeführten westlichen Heere bei der Erscheinung des Herrn in Herrlichkeit vernichtet worden sind.

Der springende Punkt ist der, dass dieses ungeheure Heer Gogs, das gemeint hatte, mit dem kleinen Land Palästina schnell fertig zu werden, auf den Bergen Israels durch das Wort des Herrn zerstört werden wird. «Und ich werde nach allen meinen Bergen hin das Schwert über ihn herbeirufen, spricht der Herr Jehova..., und ich werde Gericht an ihm üben durch die Pest und durch Blut und einen überschwemmenden Regen und Hagelsteine, Feuer und Schwefel werde ich regnen lassen auf ihn und auf seine Haufen und auf die vielen Völker, die mit ihm sind... Auf dem freien Felde sollst du fallen, denn ich habe geredet, spricht der Herr, Jehova» (Kap. 38,21-39,5). Sieben Jahre werden nötig sein, um die angehäuften Waffen zu zerstören, sieben Monate, um alle die Toten zu begraben (Kap. 39,9 u. 12).

Durch solche Ereignisse wird das Haus Israel «wissen, dass ich Jehova bin», und alle Nationen werden Ihn erkennen. Seine Herrlichkeit wird über die ganze Erde erstrahlen und Seine Grösse allen Augen offenbar sein.

8. Die Rückkehr der Herrlichkeit (Kapitel 43)

Die Vision von der Herrlichkeit Gottes war für Hesekiel die Grundlage für seine Berufung zum Propheten gewesen. Ein Jahr später hatte er in einem anderen Gesicht den Schmerz erlebt, zu sehen, wie diese Herrlichkeit den Tempel in Jerusalem verliess und - wie mit bedauerndem Zögern - zur Stadt hinausging, um sich auf den Ölberg zu begeben. Welche Stärkung musste er empfinden, als er im 25. Jahre der Gefangenschaft (Kap. 40,1), also zwanzig Jahre nach dem ersten Gesicht, in einer prophetischen Vorausschau die Rückkehr dieser Herrlichkeit in den neuen Tempel betrachten konnte!

Sie hatte dieses durch Salomo errichtete Heiligtum verlassen müssen wegen des darin öffentlich und im Geheimen herrschenden Verderbnisses (Kap. 8-11). In den durch Serubbabel wiederaufgebauten Tempel ist sie nicht zurückgekommen. Dieses Gebäude - zum Teil zerstört, wiederaufgebaut und ausgebessert - hat der Herr der Herrlichkeit selbst betreten, wie uns die Evangelien berichten. Aber Er wurde nicht darin aufgenommen; keine Türe, kein Herz öffnete sich für Ihn. Daher die feierliche Erklärung: «Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen; denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprechet: ,Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!'« (Matth. 23,38-39).

Wie viele Jahrhunderte der Prüfung wird es brauchen, bis Israel, seine Abgötterei und den Mord an seinem Messias bereuend, gereinigt und wiederhergestellt in seinem Lande wohnen wird, wie wir es in den vorhergehenden Kapiteln gesehen haben! Unter den Segnungen der Wiederherstellung war die eine Verheissung vorherrschend: «Und meine Wohnung wird über ihnen sein» (Hes. 37,27). In den Kapiteln 40-46 hat Hesekiel die Vision dieses neuen Tempels und seines Dienstes. Doch wozu wäre das Haus nütze, wenn die Herrlichkeit nicht dorthin zurückkehrte?

Fühlen wir nicht, wie der Prophet vor Freude bebt, wenn er sieht, wie diese Herrlichkeit von Osten kommend und die ganze Erde erleuchtend, das Haus betritt und es erfüllt? Im Osten des Heiligtums hatte er mit Schmerz gesehen, wie fünfundzwanzig Männer die Sonne anbeteten; am östlichen Tor gaben fünfundzwanzig andere Führer des Volkes böse Ratschläge. Jetzt war alles verändert: die Gnade hatte gewirkt, die Herrlichkeit war wieder da. Es ist die Vision einer zukünftigen Zeit, die heute noch nicht erfüllt ist, aber sicherlich kommen wird. Was konnte er anderes tun als - wie im ersten Kapitel - auf sein Angesicht fallen und anbeten (V. 3)? Die Beziehungen zu Israel, die beim Weggang der Herrlichkeit unterbrochen und während der ganzen «Zeit der Nationen» nie mehr aufgenommen wurden, werden wieder angeknüpft werden, wenn beim Anbruch des Reiches die Herrlichkeit des Gottes Israels aufs neue das Haus erfüllen wird.

Beim Betrachten der Kapitel 8-11 haben wir den Weggang der Herrlichkeit auf den Zustand eines Herzens angewandt, das unter dem Einfluss der göttlichen Dinge stand, aber dann zuliess, dass es nach und nach von «Götzen» erfüllt und so von Ihm abgezogen wurde. Wie die Geschichte Israels uns lehrt, ist es immer möglich darüber Busse zu tun, solange man lebt und der Herr noch nicht gekommen ist. Vielleicht sind viele Prüfungen und Kümmernisse nötig, bis das Herz sich wirklich zum Herrn wendet. Aber welche Freude ist es, wenn jemand, nachdem er durch das Blut Christi gewaschen ist und den Herrn Jesus im Glauben aufgenommen hat, eines Tages die ganze Wonne Seiner Gegenwart geniessen kann!

Wahre Kinder Gottes können eine ähnliche Erfahrung machen. Anstatt im Licht zu wandeln, gibt man in seinem Herzen einer oder zwei «geheimen Kammern» Raum, die sich der Wirkung des Heiligen Geistes entziehen. Darüber betrübt, kann Er uns den Herrn nicht in dem Masse geniessen lassen, wie Er es gerne tun möchte. Aber wenn das Hindernis verurteilt und weggetan ist, wenn die fremden Götter begraben sind (siehe 1.Mose 35,2-4 und 2.Kor. 7,1), kann dann der Genuss der Gegenwart des Herrn nicht aufs Neue die Seele erfüllen?

Hesekiel 43,9.10 gibt uns hinsichtlich des zukünftigen Tempels eine besondere Belehrung. Der Prophet sollte die damit verbundenen hauptsächlichen Anordnungen dem Hause Israel zeigen, sowohl den ihn in der Gefangenschaft umgebenden Juden, als auch, mittels seiner Schriften, dem zukünftigen Volke Israels. Was wird die Wirkung dieser Darstellung der grossen Linien des Hauses sein? Nicht Bewunderung, sondern Beschämung! Nur wenn sich die Israeliten über all ihr Tun demütigen werden, nur dann wird er ihnen die Form des Hauses und seine Einrichtung, seine Ausgänge und seine Eingänge und alle seine Formen und alle seine Satzungen zeigen können (V.11).

Finden wir hier nicht einen wichtigen Grundsatz in der Offenbarung der Gedanken Gottes hinsichtlich Seines Hauses? Heute handelt es sich nicht um einen von Menschenhand erbauten Tempel, sondern um ein geistliches Haus, bestehend aus lebendigen Steinen (1.Petr. 2,5). Die die Versammlung betreffenden Wahrheiten können nur durch demütige Herzen erfasst werden, die gebeugt sind über den gegenwärtigen Zustand der Dinge und alles dessen, was damit zusammenhängt. Nur wenn diese Demütigung echt ist, wird der Herr in der Erkenntnis Seiner Gedanken weiterführen und zeigen können, wie es noch heute möglich ist, sich in Einfachheit um Ihn zu versammeln. Der Prophet hatte dem Volke die Satzungen bezüglich des Hauses dargelegt, «um sie zu tun». Sucht man demütig und bescheiden sich nach den Belehrungen des Wortes zu richten und verlässt man sich auf die Verheissung des Herrn, wonach Er da, wo zwei oder drei in Seinem Namen versammelt sind, in ihrer Mitte ist, so führt dies zu einer Freude, die durch nichts auf dieser Erde ersetzt werden kann: «Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen» (Joh. 20,20).

9. Die Wasser des Heiligtums (Kapitel 47)

Wir können diese Stelle von drei Gesichtspunkten aus betrachten.

  • Ihre prophetische Auslegung kann sich auf das Materielle beziehen. Es ist sehr wohl möglich, dass der Fluss, von dem uns Hesekiel ein Bild gibt und den Joel (3,18) und Sacharia (14,8) erwähnen, in dem zukünftigen Palästina eine geographische Wirklichkeit wird.
  • Die geistliche prophetische Bedeutung führt uns jedoch weiter: Jerusalem, als Sitz der Gegenwart Gottes auf der Erde, während des Reiches, wird für die ganze Welt zur Quelle des Segens; die Wasser der Gnade fliessen sowohl gegen Osten als gegen Westen hinab, um das Leben dorthin zu bringen, wo der Tod herrschte.
  • Doch wir wollen uns besonders mit der praktischen Anwendung dieses Gegenstandes auf uns selbst beschäftigen.

Was stellen diese Wasser dar, «die aus dem Heiligtum hervor fliessen»? Sind sie nicht ein bemerkenswertes Bild der Gnade und der Liebe Gottes, die Seinem Herzen entspringen und sich zum Segen für die Seinigen und für die Welt immer weiter und tiefer ausbreiten?

Durch den Fluss gehen

Der Erlöste hat eine erste Erfahrung von der Gnade gemacht, wenn er zum Herrn gekommen ist und in Ihm seinen Heiland gefunden hat: «denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es» (Eph. 2,8). In seiner letzten Botschaft ermahnt uns dann der Apostel Petrus, «in der Gnade zu wachsen» (2.Petr. 3,18). Viele Christen begnügen sich damit, diesem Fluss entlang zu gehen, ohne ihn jemals zu durchschreiten. Doch nur die persönliche, praktische Erfahrung der Gnade kann uns zum Genuss ihrer Tiefe führen.

Nachdem der Prophet tausend Ellen abgeschritten hat, musste er durch die Wasser gehen - Wasser, die bis an die Knöchel der Füsse reichten. Das ist die Gnade in den verschiedenartigen Umständen des Lebens. Bei wie viel Gelegenheiten erfahren wir die Güte Gottes, Seine Fürsorge, Seine Befreiungen! So erlebte es Israel in der Wüste, wo trotz vierzigjähriger Wanderung sein Fuss nicht geschwollen wurde.

Doch soll man nicht dabei stehen bleiben. Hesekiel muss nochmals tausend Ellen gehen und aufs Neue durch die Wasser schreiten Wasser bis an die Knie. Das Wort spricht oft von wankenden Knien, von Knien, welche zittern oder gelähmt sind. Begegnen wir auf dem Glaubenswege nicht auch Tagen der Entmutigung, wo wir müde werden und Angst haben? Was ist dann zu tun? Aufs Neue durch den Fluss gehen und die Erfahrung der Gnade Gottes machen, die allem entspricht, was wir sind und was wir nicht sind. Im Gebet auf den Knien Den aufsuchen und finden, der immer bereit ist zu helfen, zu stärken und wiederherzustellen.

Der Prophet muss wieder tausend Ellen gehen und durch die Wasser schreiten, die jetzt bis zu den Hüften reichen. Auch im Neuen Testament wird von diesen Hüften oder Lenden gesprochen, die umgürtet sein müssen - ein Bild von unserem inneren Wesen, das durch das Wort der Wahrheit geformt und Tag für Tag erneuert werden soll. Es genügt nicht, die Gnade nur in Verbindung mit unseren täglichen Umständen oder nur als Hilfe in den Augenblicken der Entmutigung zu kennen. Sie muss unser inneres Leben durchdringen und unsere Persönlichkeit bilden. Welch eine Ausstrahlung geht von einer Person aus, die eine solche Erfahrung der Gnade Gottes gemacht hat und davon durchdrungen ist!

Da ist aber noch mehr. «Und er Mass tausend Ellen: ein Fluss, durch den ich nicht gehen konnte; denn die Wasser waren hoch, Wasser zum Schwimmen.» In seinem Gebet, in Epheser 3, bittet der Apostel darum, «dass ihr völlig zu erfassen vermöget, mit allen Heiligen, welches die Breite und Länge und Tiefe und Höhe sei, und zu erkennen die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus.» Wenn wir in der Gnade und Erkenntnis des Herrn wachsen, wird uns bewusst, dass diese Gnade und diese Liebe grenzenlos ist. Man konnte ihre Tiefe geniessen, ihre Breite und ihre Länge staunend betrachten, sich in sie versenken, wie in einen gewaltigen Strom, aber er ist zu tief, um hindurchzudringen: die Liebe des Christus übersteigt jede Erkenntnis!

Der Fluss fliesst hinaus

Die Verse 6-12 stellen uns einen anderen Gegenstand vor Augen. Der Prophet wird an das Ufer des Flusses zurückgeführt: er stellt fest, dass diese hohen Wasser in die Ebene hinab fliessen und ins Meer gelangen. Es ist kostbar, die Gnade des Herrn für sich selbst zu geniessen, aber die Gnade möchte sich ausbreiten, und der Segen, den man selbst erhalten hat, kann und soll anderen mitgeteilt werden. Der Herr Jesus sagt zu Seinen Jüngern: «Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebet.» Sie hatten nur fünf Brote, aber Er sagt zu ihnen: «Gebt ihr ihnen zu essen!» Die Wasser fliessen hinaus ..., hinab ..., gelangen ins Meer und machen seine Wasser gesund. Das ist es, was den Weg der Gnade und auch den des Herrn selbst kennzeichnet: Sein Pfad führte hinab, um die zu erreichen, «die da wohnen im Lande des Todesschattens» und ihnen das Leben zu bringen: «und alles wird leben, wohin der Fluss kommt» (V. 9). Jesus hatte zu Seinen Jüngern gesagt: «Ich werde euch zu Menschenfischern machen.» Reden «die Fische» in Vers 9 nicht von jenen Seelen, die aus dieser verdorbenen Welt herausgerettet und zum Herrn gebracht worden sind, um durch die Wiedergeburt die Erfahrung der ganzen Liebe Christi zu machen?

Die Bäume

An dem Ufer des Flusses standen sehr viele Bäume auf dieser und jener Seite (V. 6). Das Gesicht Hesekiels gilt für die Erde. Stellen diese Bäume nicht die Gläubigen dar, die im Worte so oft mit einem Baum verglichen werden (Ps. 1; Jer. 17 usw.), dessen Wurzeln sich zum Wasser ausstrecken, damit sein Blatt nicht verwelkt und immer grün bleibt? Niemand sieht die Wurzeln, das verborgene Leben, das sich von der Gnade nährt. Aber jedermann sieht die Blätter: das Zeugnis eines Lebens mit dem Herrn, zum Segen anderer: «ihre Blätter dienen zur Heilung.» Auch Frucht wird hervorgebracht und das Volk Gottes empfängt Speise.

Der Lebensbaum

Beachten wir wiederum die Übereinstimmung der Visionen des Apostels Johannes mit denen des Propheten Hesekiel. In Offenbarung 22,1-2 spricht Johannes von dem Strom von Wasser des Lebens, glänzend wie Kristall, der hervorgeht aus dem Throne Gottes und des Lammes. Das Gesicht des Johannes ist für den Himmel. In der Mitte der Strasse der Stadt, da wo ihre Bewegung vor sich geht, und des Stromes - im Mittelpunkt von allem Erfrischenden - diesseits und jenseits, war der Baum des Lebens. Im Himmel sind es nicht mehrere Bäume, sondern dort ist der Baum: der Herr Jesus selbst. Seine immer frische und unaufhörlich erneuerte Frucht wird auf ewig diejenigen nähren, die dort oben Seine Gegenwart geniessen. Und die Blätter des Baumes sind zur Heilung der Nationen, die unentbehrliche Hilfsquelle derer, die während des Tausendjährigen Reiches auf dieser Erde gesegnet sein werden.

Jehova daselbst

Der letzte Vers im Buche Hesekiel lautet: «Der Name der Stadt soll von nun an heissen: Jehova daselbst» (Kap. 48,35). Ist dies nicht die Zusammenfassung des ganzen Buches, das Endergebnis, das einzige, das wirklich Wert hat: die Gegenwart Gottes inmitten des endlich vereinigten Volkes? In der Stiftshütte und im Tempel Salomos war es die Wolke; im Tempel Hesekiels ist es die zurückgekehrte Herrlichkeit: Israel ist dann gesegnet auf Grund der Verheissungen. Für uns ist es die Erscheinung des Herrn Jesu im Obersaal, am Abend der Auferstehung; Seine Gegenwart, die genossen wird inmitten der Seinigen, die während Seiner Abwesenheit zu Seinem Namen hin versammelt sind. Eine Gegenwart, die auch persönlich im Herzen verwirklicht wird: «Christus lebt in mir... Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.» Und endlich Seine ewige unverhüllte Gegenwart an jenem glückseligen Tag, wo alle Seine Gedanken erfüllt sind und Gott alles in allem sein wird.

  4.00 (1 Stimme(n))
  

Buchtipp

halte fest CD

 

Alle 55 Jahrgänge von 1958-2012 auf einer CD mit Suchprogramm für die komfortable Volltextsuche auf dem Computer.

 

halte fest Abo

 

Abonnieren Sie «halte fest». So erhalten Sie alle zwei Monate das aktuelle Heft per Post zugestellt.

 


Letzte Änderung am 07.11.2012.