Halte Fest
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Hohel. 1,9.12; 4,7.10; 7,1: Was sind wir für ihn?

Halte fest Jahrgang 1967 - Seite: 348 - Verfasser: W. G.

Im Lied der Lieder werden durch den Heiligen Geist die Beziehungen der Liebe zwischen dem königlichen Geliebten und Seiner Braut beschrieben. Wohl ist dieses Lied vor allem ein Bild vom Verhältnis des kommenden Messias zum Volke Israel, Seiner irdischen Braut, das sich entfalten wird, wenn das Volk in wahrer und gründlicher Busse zum Herrn umkehren und Ihm mit einem erneuerten Herzen, das durch den Geist belebt ist, in voller Zuneigung dienen wird. Im übertragenen Sinn aber hat dieses Buch auch uns, die wir zur himmlischen Braut gehören, viel zu sagen. Da unsere Beziehungen der Liebe zum Herrn Jesus, die sich auf Sein vollendetes Erlösungswerk gründen, in der Gegenwart schon innig und unauflöslich sind, sind wir berechtigt, viele Worte des Bräutigams und der Braut im Hohenliede auf uns anzuwenden, besonders wenn sie sich auf die gegenseitige Liebe und Wertschätzung beziehen.

Wir möchten jetzt aber nur einige Aussprüche des Bräutigams herausgreifen, die uns in bildlicher Weise und eindrücklich zeigen, was Ihm an Seiner Braut wohlgefällt und Ihn mit Wonne erfüllt. Sie werden uns zu grösserer Treue und Hingabe anspornen. Wir beschäftigen uns oft mit der Frage: Was ist der Herr für mich? Jetzt aber wollen wir uns einmal fragen: Was bin ich für Ihn, und was findet Er in mir und in meinem Leben?

«Ganz schön bist du, meine Freundin, und kein Makel ist an dir» (Kap. 4,7)

Mehr als ein Dutzend ähnlicher Ausrufe finden sich in diesem Liede. Handelte es sich hier nur um ein ganz natürliches Verhältnis unter Menschen, würde uns dies nicht wundern. In der weltlichen Literatur gibt es viele Gesänge, in denen die Dichter die vergängliche Schönheit eines Menschen preisen. Aber hier ist ja der Herr selbst der Redende, und Seine Schilderungen der äusseren Vorzüge Seiner Braut sind nur Sinnbilder ihrer sittlichen, geistlichen Schönheit. Dass Er diese bewundert und davon entzückt ist, geht uns zu Herzen.

Wir erinnern uns dabei der wunderbaren Tatsache, dass wir, die einst bekennen mussten: «Ich bin schwarz» (Kap. 1,5), sündig und verdorben, nun durch Glauben «in Christo» gerechtfertigt, ja, Gott angenehm gemacht worden sind in dem Geliebten (Eph. 1,6). Christus Jesus ist uns geworden: «Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung» (1.Kor. 1,30). In Ihm sind wir aus der Stellung von Sündern in die Stellung von Gerechten und Heiligen versetzt worden. Wenn Er Seine Braut betrachtet, sieht Er also Seine eigene, vollkommene Schönheit an ihr.

Aber der Herr freut sich nicht nur der Schönheit Seiner Braut, die ein Ergebnis Seines vollbrachten Werkes ist. Er freut sich auch an den Äusserungen des Lebens, das sie durch Glauben in Ihm besitzt. Er achtet mit liebendem Interesse auf jede Bewegung, auf jedes Verhalten und jedes Wort Seiner Braut und hat Seine Wonne daran, wenn sie aus dieser Quelle hervorkommen.

«Wie schön ist deine Liebe, meine Schwester, meine Braut» (Kap. 4,10)

Jesus ist gekommen, Sünder, die nicht nach ihm fragten, zu suchen und zu erretten. Hören sie auf Seinen Ruf und nehmen sie Ihn im Glauben auf, quillt aus diesen Herzen, die bis dahin tot für Gott waren, Liebe zu Ihm hervor. Wie «schön» ist sie für unseren Herrn! Mit welchem Wohlgefallen nimmt Er sie wahr! je tiefer das Verderben, in welchem ein Mensch sich befand, desto grösser ist das Wunder, wenn er eines Tages beginnt, seinem Erretter anzuhangen.

Als Jesus bei Simon, dem Pharisäer, zu Tische lag, achtete Er auf jede Einzelheit, womit Ihm die stadtbekannte Sünderin ihre Liebe bezeugte. Er sah, wie sie sich mühte, Seinen Aufenthaltsort zu erkunden, wie sie hereinkam, trotzdem sie hier verachtet wurde, wie sie die kostbare Salbe für Ihn opferte, wie sie Seine Füsse mit Tränen benetzte, sie immer wieder küsste, sie salbte und mit ihren Haaren trocknete.

Wie ermunternd ist der Gedanke, dass unser Herr auch in unserem Leben jede Äusserung unserer Lebe zu Ihm und jedes Opfer, das sie Ihm bringt, mit grosser Freude registriert! Diese Liebe kann niemals aus dem Fleische kommen. Ihr Nährboden ist Seine Liebe zu uns. Wenn wir uns durch den Geist in sie versenken, wird sie uns erfüllen. Die Frage ist nur: Ist nichts da, was sie daran hindert?

«Einem Rosse an des Pharao Prachtwagen vergleiche ich dich, meine Freundin» (Kap. 1,9)

Echte Liebe wird sich im Gehorsam zeigen. Dadurch entsteht eine Wechselwirkung. Der Herr sagt: «Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben» (Joh. 15,10). Liebe zum Herrn äussert sich durch Unterwürfigkeit unter Sein Wort; das ermöglicht ungetrübte Gemeinschaft mit Seiner Liebe, und diese ruft wieder Gegenliebe hervor.

Dass wir doch mehr mit den edlen Rossen an des «Pharao Prachtwagen» verglichen werden könnten! Das waren keine trägen, eigenwilligen Tiere. Ein leiser Zug des Lenkseils genügte, um sie in Trab zu bringen und sie hin und her zu leiten, so wie der hohe Herrscher es wollte. Hat unser Geliebter, der uns erkauft hat (2.Petr. 2,1), nicht ein unbegrenztes Recht auf völligen Gehorsam? Auch darin sind Seine Anerkennung, Sein Lob und Seine Blicke des Wohlgefallens ein mächtigeres Ansporn als die Peitsche.

«Während der König an seiner Tafel war, gab meine Narde ihren Duft» (Kap. 1,12)

Er sitzt an der Tafel. Seine Seele möchte sich sättigen. Womit? Mit dem Duft, der von der Narde Seiner Braut zu Ihm emporsteigt!

Im täglichen Leben vergessen wir so leicht, dass auch bei uns Gläubigen sich immer wieder das Fleisch mit seiner Selbstsucht, seinem Hochmut und seiner Unreinheit zeigen will. Alle «Werke des Fleisches» verbreiten aber einen üblen Geruch des Verderbnisses, der den Namen des Herrn verunehrt und das christliche Zeugnis schädigt.

Daher wird uns zugerufen: «Wandelt im Geiste, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen» (Gal. 5,16-26). Der Heilige Geist wird dann in unserem Herzen und Leben die «Frucht des Geistes» hervorbringen, die «Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit» umfasst. Alle diese Regungen der neuen Natur in der Kraft des Heiligen Geistes sind für den Herrn Jesus köstliche Wohlgerüche. Vieles davon kann von den Menschen nicht wahrgenommen werden. Ihm aber entgeht nicht das Geringste. Wie ermuntert uns dies, auch im Verborgenen und Kleinsten in der Kraft des Geistes voranzugehen!

In einem besonderen Sinne ist die Narde ein Symbol der Anbetung, und wir erinnern uns dabei an Maria, die in Bethanien die Füsse des Herrn mit Salbe von sehr kostbarer Narde gesalbt hat (Joh. 12). Sie hatte die Gelegenheiten benützt, um sich zu Seinen Füssen niederzusetzen und Seinem Worte zuzuhören, durch das ihr viele Herrlichkeiten Seiner Person offenbart wurden. Davon überfloss ihr Herz nun in Anbetung. - Wie liebt Er es und wie freut Er sich, wenn auch wir an Seinem Tische so vor Ihn treten und anbetend den Duft Seiner Vollkommenheiten und Herrlichkeiten vor Ihm und vor dem Vater ausbreiten - ein Beweis davon, dass unsere Seele sich viel mit Ihm beschäftigt.

«Wie schön sind deine Schritte in den Schuhen, Fürstentochter!» (Kap. 7,1)

Der Geliebte achtet auf alles. Er sieht seine Sulamith dahinschreiten und bewundert ihre Schritte, die davon Zeugnis geben, dass sie eine Fürstentochter ist.

Wie freut sich der Herr auch über unsere Schritte, wenn unser Wandel der hohen Stellung entspricht, zu der wir in Ihm gelangt sind! Dass Er unser Wandeln sichtet und vertraut, ist mit allen unseren Wegen (Psalm 139,3), sollte uns antreiben, Ihm darin wohlzugefallen. Das Wort ruft uns zu: «Wandelt nur würdig des Evangeliums des Christus», also in Übereinstimmung mit dem, was uns dadurch geschenkt ist (Phil. 1,27). - «Ihr solltet würdig wandeln des Gottes, der euch zu seinem eigenen Reiche und seiner eigenen Herrlichkeit beruft» (1.Thess. 2,12). - «Wandelt würdig der Berufung, mit welcher ihr berufen worden seid» - entsprechend der himmlischen Stellung in Christo, die im Epheserbrief beschrieben wird (Kap. 4,1). Dies alles ist in Ihm unser sicheres Teil geworden; es befähigt uns, «würdig des Herrn zu wandeln zu allem Wohlgefallen» (Kol. 1,10).

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Letzte Änderung am 27.03.2010.