Halte Fest
Geben Sie ein Stichwort ein:
erweiterte Suche

Neh. 3,1-32: Das Bauen der Mauer

Halte fest Jahrgang 1966 - Seite: 353 - Verfasser: M.E.

Hundertfünfzig Jahre waren vergangen, seit Nebukadnezar, der König von Babel, Jerusalem erobert, dessen Mauern niedergerissen, den Tempel verbrannt und den grössten Teil des Volkes gefangen weggeführt hatte (2.Kön. 25). Nach dieser Gefangenschaft des jüdischen Volkes in Babylon, die siebzig Jahre dauerte, hatte Kores, der Perserkönig, durch sein ganzes Königreich den Ruf ergehen lassen, dass es den Juden freigestellt sei, in ihr Land zurückzukehren und den Tempel Jehovas wieder aufzubauen. Ein gewisser Teil des Volkes machte sich das Wohlwollen des Monarchen, das Gott in sein Herz gelegt hatte, zunutze. Sie brachen auf, um in das Land ihrer Väter zurückzukehren, und begannen inmitten vieler Schwierigkeiten, die ihnen die Feinde in den Weg legten, mit dem Bau des Tempels.

Aber dann bemächtigte sich ihrer eine tiefe Entmutigung. Sie gaben das begonnene Werk auf. Erst als Gott durch die Propheten Haggai und Sacharja sie ernstlich ermahnte, setzten sie die Arbeit fort, und fünfundzwanzig Jahre nach dem Erlass des Kores konnte das Haus Gottes eingeweiht werden.

Auswirkungen der Verwüstung Jerusalems

Jerusalem war nun wohl bewohnt, aber das Volk darin war spärlich. Und welche Verwüstung herrschte darin vor! In den Strassen lagen «die immerwährenden Trümmer» herum und zeugten von der Wut des Feindes und dem Gericht Gottes. «Keine Häuser waren gebaut» (Neh. 7,4) und die Mauern niedergerissen. Ihre Ruinen hielten die Erinnerung an die Schande und die Niederlage der Juden wach. Sie gereichten ihnen zum Hohn (Kap. 2,17).

Ohne Mauern war die heilige Stadt allen Nachbarvölkern offen. Diese konnten sich ungehindert mit den Juden vermischen und verbinden, ihren schädlichen Einfluss auf sie ausüben und ihre Sitten verderben. Es gab Heiraten mit Unbeschnittenen; «der heilige Same vermischte sich» mit den Völkern des Landes; das Gesetz Moses kam in Vergessenheit und der Sabbat, das Zeichen des Bundes Gottes mit dem Volke, wurde nicht mehr beobachtet.

Nehemia sah nicht tatenlos zu

Die Nachricht von diesem traurigen Zustand der Juden und ihrer Stadt war Nehemia, dem Mundschenk des Perserkönigs, zu Ohren gekommen. Sein Herz, das an seinem Volke hing und treu war gegenüber seinem Gott, krampfte sich zusammen. Er weinte und trug Leid tagelang. Aber dann legte es ihm Gott aufs Herz, sich für seine Brüder zu verwenden. Er erlangte vom König die Erlaubnis, nach Jerusalem hinaufzuziehen, um die Wiederaufrichtung der Mauern Jerusalems und den Wiederaufbau der Stadt an die Hand zu nehmen.

Möchten auch wir in dieser Zeit des Verfalls in der Christenheit für die Heiligen vor Gott einstehen und uns, wie einst Paulus, «mit dem Herzen Jesu Christi» zu ihrem Wohl für sie verwenden, nach dem Masse der Möglichkeiten, die uns Gott gegeben hat!

In Jerusalem angekommen, nahm Nehemia zuerst den Zustand der Stadt in Augenschein, und wie schmerzlich berührt war er von ihrem Verfall!

Auch wir, könnten wir heute einen Blick auf die Kirche in der Welt werfen - und was aus ihr geworden ist - ohne dass uns ihr Zustand tief zu Herzen ginge?

Wir wollen uns aufmachen und bauen

Nehemia versammelte die Führer der Juden und teilte ihnen seine Absicht mit, die Mauern wieder aufzubauen; der König habe seine Einwilligung dazu gegeben. Gewiss war es traurig, dass sie von den Königen der Nationen abhängig waren. Anderseits aber war diese Zustimmung ein Zeichen dafür, dass Gott sie in ihrem Zustand der Erniedrigung nicht aufgab. Er hatte das Herz des Königs geneigt, und Er wirkte auch in den Herzen der Führer. Als Nehemia sie aufforderte: «Kommt und lasst uns die Mauer Jerusalems wieder aufbauen, dass wir nicht länger zum Hohne seien!», da antworteten sie: «Wir wollen uns aufmachen und bauen!»

So war durch die Gnade Gottes und durch Seinen Geist eine neue Erweckung entstanden. Schon das Buch Esra berichtete von einer Erweckung; jene hatte den Wiederaufbau des Altars und des Tempels zur Anbetung zum Ergebnis. Aus dieser zweiten Erweckung nun sollte die Wiederaufrichtung der Mauer zur Absonderung und zur Verteidigung hervorgehen; Tore sollten eingesetzt werden, die dem Volke Gottes den Eingang und den Ausgang ermöglichten und vor den Ungläubigen geschlossen werden konnten.

Wie damals so besteht auch in den heutigen Tagen des Verfalls inmitten der Christenheit ein Altar der Anbetung) wo in der Mitte der Zwei oder Drei, die zum Namen Jesu hin versammelt sind, Gott Anbetung dargebracht wird «in Geist und Wahrheit». Auch heute soll der Christ eine Mauer der Absonderung aufrichten gegenüber dem Bösen in allen seinen Formen: Trennung vom persönlichen und kollektiven, sittlichen und religiösen Bösen; Trennung von allem, was von der Welt, vom Fleische und vom Menschen und nicht von Gott ist.

Ferner sollen wir auch in unseren Tagen dafür sorgen, dass die Tore ihren Dienst tun. Man kann nach aussen hin die Mauer der Absonderung aufrichten, sich von den Systemen und Organisationen der Menschen trennen, und doch Dinge eindringen lassen, die nicht von Gott sind, sei es die Welt oder fremde Lehren und ihre Verkündiger. Einerseits ermahnten die Apostel: «Nehmet uns auf; wir haben niemand Unrecht getan» (2.Kor. 7,2), und: «Für den Namen sind sie ausgegangen ... Wir sind schuldig, solche aufzunehmen» (3.Joh. 7,8). Anderseits aber sagten sie zu einer auserwählten Frau: «Jeder, der weiter geht und nicht bleibt in der Lehre des Christus, hat Gott nicht; ...Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmet ihn nicht ins Haus auf und grüsset ihn nicht» (2.Joh. 9,10).

Wir leben noch in ernsten Tagen, die Wachsamkeit erfordern. Bald aber kommt die glückliche Zeit, wo wir zum himmlischen Jerusalem gehören werden, das in unvergleichlichem Glanze erstrahlen wird. Jene Stadt hat zwar auch Mauern, zum Zeichen der Absonderung für ihren Gott, aber ihre Tore bleiben offen. Dennoch «wird nicht in sie eingehen irgend etwas Gemeines und was Gräuel und Lüge tut» (Offb. 21,27). Dort braucht man sich nicht mehr vor den Listen dessen zu schützen, der hienieden so oft die Gestalt eines Engels des Lichts annimmt, um die Heiligen zu verführen.

Aber hier in der Welt muss die Mauer der Absonderung aufrecht gehalten, und die Tore müssen sorgfältig behütet und geschlossen werden, damit nichts sittlich Böses eindringen kann und nichts von all dem, was nicht nach der Lehre des Christus ist, die wir «von Anfang» gehört haben. «Wachet, haltet fest im Glauben.»

Das also war das Wesen und das Ziel jenes Werkes: Jener Überrest sollte die Mauer aufrichten und die Tore einsetzen, um die heilige Stadt von den Unbeschnittenen und ihren Verunreinigungen zu trennen und ihnen den Eintritt zu verunmöglichen. Das sind die Unterweisungen, die wir daraus entnehmen können.

Gehen wir nun in die Einzelheiten unseres Kapitels näher ein!

Alle helfen mit

Beachten wir zunächst, dass alle ohne Unterschied in diesem grossen Werke Verwendung fanden. Es betraf alle. Allen sollte es wichtig sein, sowohl den Priestern und den Obersten als auch den Krämern und den Handwerkern. Die Priester konnten nicht sagen: «Diese Arbeit ist unter unserer Würde; wir sind zu heilig, um uns daran zu beteiligen; das ist ein Werk für das gemeine Volk.» Die anderen wiederum betrachteten es nicht als eine Angelegenheit der Priester, der Leviten und der Obersten. Sie sagten nicht: «Wir haben doch unsere Arbeit; wir müssen unser Brot verdienen und dürfen keine Zeit verlieren!» Nein, die Absonderung war für alle wichtig; alle mussten sich von den Nationen absondern und sich gegen sie schützen, alle hatten darüber zu wachen, dass die Tore richtig eingesetzt und geschlossen wurden. Wohl hatten nicht alle dieselbe Verrichtung; aber alle arbeiteten an der gemeinsamen Aufgabe mit, selbst Frauen, wie die Töchter Schallums (Vers 12).

So ist es auch für uns Christen. Die Ermahnung zur Absonderung richtet sich an alle. «Sondert euch ab, spricht der Herr, ... und ihr werdet mir zu Söhnen und zu Töchtern sein» (2.Kor. 6, 17.18).

Warum das Schaftor ohne Riegel blieb

Aber wenn auch alle mithalfen, so gab es doch Unterschiede im Eifer und in der Ausführung der Arbeit.

An der Spitze der Liste erscheinen Eljaschib , der Hohepriester, und seine Brüder. Es gehörte sich, dass er als Erster genannt wurde. Gott anerkennt die Würde, die Er verliehen hat, und wir sind gehalten, sie zu respektieren. Aber Gott richtet auch ohne Ansehen der Person nach eines jeden Werk (1.Petr. 1,17). Eljaschib  und seine Brüder bauten das Schaftor und die Mauer bis an den Turm Mea, bis an den Turm Hananel. Auch heiligten sie ihr Werk. Das alles war gut; die Ansprüche waren hoch. Doch macht der Heilige Geist auf eine kleine Einzelheit aufmerksam, die auf den Wert dieser Arbeit Licht wirft: Die Tore wurden gebaut und die Flügel eingesetzt. Aber da war kein Schloss! Eljaschib  und die Priester setzten weder Klammern noch Riegel ein, wie die Söhne Senaas (V. 3) oder Jojada und Meschullam am Tor der alten Mauer (V. 6) und andere an den übrigen Toren es taten (V. 13-15). Weshalb diese Unterlassung im Werk Eljaschibs? Wozu war ein solches «geheiligtes» Tor nütze? Es erweckte ja nur einen schönen Schein! Jeder konnte es mühelos aufstossen, um einzutreten!

Die Fortsetzung des Berichtes Nehemias erklärt uns, weshalb an diesem Tor die Klammern und Riegel fehlten: Eljaschib hatte Verbindung mit Tobija, dem Ammoniter und mit Sanballat, dem Horoniter, den beiden Feinden des Volkes Gottes, «die es gar sehr verdross, dass ein Mensch gekommen war, um das Wohl der Kinder Israels zu suchen» (Kap. 13,4.28; 2,10). Eljaschib wollte das Tor vor seinen beiden Verbündeten nicht verschliessen! Der schöne Schein trog; das Werk war unvollkommen und verriet, was im Herzen des Bauenden war.

Hüten auch wir uns! Wenn ein Mensch in der Kirche Gottes einen hervorragenden Platz einnimmt, hohe religiöse Ansprüche stellt und sich zu erhabenen Lehren bekennt, so beweist dies noch nicht, dass sein ganzes Werk gottgemäss sei oder dass wir ihm in allen Dingen folgen können. Hat er ein Schloss an seinem Tor? Oder hat er den falschen Lehrern und ihrem verderblichen Einfluss etwa die Türe offen gelassen? Er mag an der Mauer der Absonderung mitgearbeitet und mit Kraft und Beredsamkeit über die Notwendigkeit geredet haben, sich von der Welt und den religiösen Systemen zu trennen. Aber das genügt nicht. Steht er mit irgend etwas in Verbindung, was Christum verunehrt, ohne es vielleicht selber zu praktizieren? Ach, Gott kann in dieser Beziehung die Neutralität nicht anerkennen! Lasst uns nicht Eljaschib und seine Brüder nachahmen, sondern vielmehr das Beispiel derer, die darauf achten, dass ihre Tore mit soliden Verschlüssen, mit Klammern und Riegeln versehen sind. Lasst uns in Christo Jesu gut gewurzelt und befestigt sein; lasst uns feststehen und die Überlieferungen halten, die wir gelehrt worden sind! (Kol. 2,6. 7; 2.Thess. 2,15). Dann werden wir das Tor vor all dem schliessen, was nicht von Gott ist.

Eifriges Dienen und vornehmes Nichtstun

Der Geist, in welchem am Werke gearbeitet wurde, wird auch erwähnt. Baruk z. B. besserte mit einem besonderen Eifer aus, und der Geist Gottes erwähnt es gerne (V. 20). Sein Herz war ganz bei seiner Arbeit. Nichts war ihm zuviel, wenn es darum ging, an der Aufrichtung der Mauer der Absonderung mitzuhelfen. Jede Mühe diente ja zur Verherrlichung Gottes und zum Wohl des Volkes.

Oh, wie gut ist es, nicht gezwungenermassen mitzuwirken, weil die andern es tun, sondern mit einem eifrigen Herzen, das auf Gott und den Herrn Jesus gerichtet ist und weis, dass Ihm dieses Werk wohlgefällig ist!

So wie Baruk damals war später auch Epaphras, der allezeit für die Heiligen in den Gebeten rang und viel Mühe hatte um sie, auf dass sie stehen möchten «vollkommen und völlig überzeugt in allem Willen Gottes». Auf diese Weise half auch er mit, die Mauer der Absonderung aufzurichten (Kol. 4,12.13). Und werden wir nicht alle ermahnt, denselben Eifer zu zeigen, «im Fleiss nicht säumig, inbrünstig im Geist; dem Herrn dienend»? (Röm. 12,11).

Neben diesem erfreulichen Beispiel eines Baruk, der mit Eifer, Herzenshingabe und Freude im Werke seines Herrn arbeitete, haben wir auch die traurige Erwähnung der «Vornehmen» unter den Tekoltern, die ihren Nacken nicht unter den Dienst ihres Herrn «beugten» (V. 5). Sie hielten sich für zu vornehm, als dass sie sich mit Maurerarbeit befassen sollten. Sie meinten, das stehe dem geringen Volke zu.

Aber ist es wirklich eine Erniedrigung, für «seinen Herrn» zu arbeiten, was auch immer die Aufgabe sein mag, die Er uns zuweist? Ist es nicht vielmehr eine Ehre? Hat uns der Herr Jesus, der Sohn Gottes, der Gegenstand der Verehrung der Engel, nicht ein wunderbares Beispiel demütigen Dienstes gegeben? Was auch immer unsere Stellung in der Welt sei) lasst uns nicht zögern, uns zu denen zu gesellen, die mit der Aufrichtung der Mauer der Absonderung zwischen der Welt und ihnen beschäftigt sind. Mose am Hofe des Pharao wählte, «lieber mit dem Volke Gottes Ungemach zu leiden... indem er die Schmach des Christus für grösseren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens» (Hebr. 11,25.26).

Wie schön ist es, dass die übrigen Tekoiter nicht auf das Beispiel ihrer «Vornehmen» achteten, sondern mit grossem Eifer arbeiteten. Sie besserten nicht nur zur Seite Zadoks aus (V. 4 und 5), sondern auch noch eine andere Strecke «dem grossen vorspringenden Turm gegenüber und bis zur Mauer des Ophel» (V. 27). Sie verwirklichten eine Ermahnung, die auch uns gilt: «Lasst uns aber im Gutestun nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten» (Gal. 6,9).

Auch die meisten der Obersten verhielten sich nicht so wie die Vornehmen der Tekoiter. Sie beteiligten sich aktiv am Werke (Verse 9,12,14,15,16 usw.). Wenn man auch wie zu den Zeiten des Apostels sagen muss: «Nicht viele Weise nach dem Fleische, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle», so hat es - Gott sei Dank! - doch auch heute wie damals noch manchen «vortrefflichsten Theophilus», «vornehme Frauen» und Männer, die sich glücklich schätzen, im Werke des Herrn arbeiten zu dürfen.

Einzelne arbeiteten besonders eifrig

Der Geist Gottes hebt ausdrücklich die Menge und die Natur der Arbeit hervor, die geleistet wurde. Während viele ein Stück der Mauer ausbesserten, richteten andere die Tore wieder auf und sorgten dafür, dass sie fest verschlossen werden konnten.

Malkija und Haschub (V. 11) besserten nicht nur eine Strecke der Mauer, sondern auch den «Ofenturm» aus, eine der Befestigungen der Stadt.

Hanun und die Bewohner von Sanoach (V. 13) reparierten das «Taltor»; ausserdem aber noch «tausend Ellen an der Mauer».

Schallun (V. 15) besserte das «Quelltor» aus und überdachte es auch; zudem baute er die Mauer am Teiche Sibah. Seine Arbeit trug dazu bei, dass sich die Bewohner von Jerusalem unbehindert erfrischen und ihren Durst löschen konnten. Er gehörte nicht zu denen, die die Wasser von Sibah verachteten, die still fliessen (Jes. 8,6). Diese Wasser sind ein Symbol der Gnade; sie gelangten in den Teich, zu welchem später auch der Blindgeborene hinging, um sich zu waschen und das Augenlicht wieder zu erlangen (Joh. 9). Diese Wasser tränkten auch den «Garten des Königs».

Es gefällt Gott, von dem zu reden und das anzuerkennen, was für Ihn getan wird. Der göttliche Baumeister, der jenen Bau überwachte, richtete Seine Blicke auf einen jeden Seiner Arbeiter. - Welche Ermunterung! Er lässt auch uns zurufen: «Seid fest, unbeweglich, allezeit überströmend in dem Werke des Herrn, da ihr wisset, dass eure Mühe nicht vergeblich ist im Herrn» (1.Kor. 15,58).

Wenn auch nicht alle dasselbe Mass an Arbeit leisteten, so nahm Gott doch Anteil an allem, was ein jeder tat. Gott sieht auf das Herz, und jeder ist Ihm «annehmlich, nachdem er hat und nicht, nachdem er nicht hat» (2.Kor. 8,12). Die Kräfte und die Fähigkeiten sind verschieden; die Zeit und die Gelegenheiten sind dem einen nicht in dem Masse gegeben, wie dem anderen. Der eine hat fünf Talente und der andere zwei. Was der Herr aber verlangt ist, dass wir damit für Ihn handeln.

So machte zum Beispiel Dorkas, die über eine gewisse Zeit verfügte, Kleider für die armen Witwen. Lydia, die Purpurkrämerin, nahm den Apostel und seine Begleiter bei sich auf. Phöbe (Röm. 16,1.2) war als «Dienerin der Versammlung» für Paulus und viele andere eine Hilfe. Rhode, die Magd Marias, tat, was ihrer bescheidenen Stellung angemessen war. Unter denen, die Paulus am Ende des Römerbriefes grüsst, waren Mitarbeiter des Apostels, die ihr Leben für ihn hingegeben hätten. Andere arbeiteten im Herrn, und wieder andere haben «viel» gearbeitet im Herrn. Jeder hat, entsprechend seinen Fähigkeiten und Gaben, demselben Meister gedient. Auch wenn der Dienst nur darin bestand, einem Seiner Knechte in Seinem Namen ein Glas kalten Wassers darzureichen, so wird der Meister dies anerkennen und belohnen. Diesen allen wird Er sagen: «Wohl, du guter und treuer Knecht, gehe ein in die Freude deines Herrn.»

O dass wir doch allezeit, in Erwartung des Kommens unseres Herrn, von Herzen bei unserem Dienst wären oder besser gesagt, bei dem Dienst, den Er selbst uns zu tun gibt, in was dieser auch immer bestehen mag! (Mark. 13,34.35).

Die Mauer gegenüber dem eigenen Hause

Noch eine andere Einzelheit wird erwähnt, und wir sollten sie sorgfältig beachten, denn sie ist nicht ohne Bedeutung: Von mehreren wird gesagt, dass sie die Mauer ihrem Hause gegenüber ausbesserten (V. 10,23,29,30). Sollen wir dies dem Zufall zuschreiben, einer selbstsüchtigen Regung, oder einem höheren Beweggrund?

Wie dem auch sei, ich für mich bin überzeugt, dass wir es hier mit einer ernsten Lektion zu tun haben.

Die Juden, die im Zusammenhang mit dem gemeinsamen Werke «ihren Häusern gegenüber» bauten, waren zweifellos in besonderer Weise mit dem Herzen bei der Arbeit. Die Wohnung ihrer Familie vor Augen, wollten sie, dass diese besonders gut geschützt sei und liessen es an keiner Sorgfalt fehlen, die Mauer möglichst stark zu machen. Die Steine, die sie verwendeten, waren gewiss widerstandsfähig und passend, und der Mörtel von guter Qualität: Das Material war für die Mauern ihren Häusern gegenüber.

Und wir, liebe Geschwister, haben nicht auch wir unsere Häuser? Wir haben wohl erfasst, dass eine Mauer der Absonderung zwischen uns und der Welt aufgerichtet sein muss. Aber haben wir sie auch vor unseren Häusern aufgebaut? Ist es nicht so, dass mehrere von uns sich selber «von der Welt, und was in der Welt ist», zwar fern halten, gegenüber dem eigenen Hause jedoch nicht dieselbe Sorgfalt ausüben und die Kinder sich mit dem in Verbindung treten lassen, wovon sie selbst sich getrennt halten?

Mose wollte nicht, dass die Kinder der Israeliten in Ägypten blieben. Mit unseren Söhnen und mit unseren Töchtern ... wollen wir ziehen, sagte er zum Pharao (2.Mose 10,9). Und Josua, der das Volk Israel vor die Wahl zwischen den falschen Göttern und Jehova stellte, sagte: «Ich aber und mein Haus, wir wollen Jehova dienen!» (Jos. 24,15), indem er so vor seinem eigenen Hause entschieden und fest die Mauer der Absonderung errichtete.

Jakob hatte dies versäumt. Die falschen Götter waren mit Rahel in der Familie geblieben, und Dina verkehrte mit den Töchtern der Kanaaniter. Wir wissen, welch traurige Folgen daraus entstanden sind. Auch seine Söhne gaben sich schändlichen Dingen hin.

Lasst uns denn auch vor unseren Häusern eine starke Mauer aufrichten, zum Schutz vor den gefährlichen Einflüssen der Welt, die sich überall breit machen wollen, und vor der Flut des Unglaubens, die immer höher steigt! Schliessen wir die Tore mit den Klammern und Riegeln vor allem, was verführt und zum Verderben gereicht!

Ein gemeinsames Werk

Schliesslich ging die Mauer der Vollendung entgegen. Vom «Schaftor» an, das der Hohepriester mit seinen Brüdern gebaut hatte, - dort lag der Teich von Bethesda (Joh. 5) - setzte sich das Werk rings um die Stadt fort und schloss mit der Arbeit der Goldschmiede und der Krämer ab, die zwischen dem Obergemach der Ecke und dem Schaftore ausgebessert hatten.

Wie schön musste es sein, dieses ganze Volk freudig und von Herzen für den Herrn arbeiten zu sehen! Priester und Leviten, Oberste und Leute vom Volk, Männer und Frauen, Angesehene und Geringe, Männer von Jericho, von Tekoa, von Gibeon, von der Ebene, wie auch solche von Jerusalem - alle gaben sich mit einer Seele dem gemeinsamen Werke hin. Prächtiges Schauspiel, auf welchem Gott Seine Blicke mit Wohlgefallen ruhen liess; und Er segnete dieses Werk.

Möchte doch auch in den Versammlungen des Herrn ein solcher Fleiss vorherrschen! Möchten doch alle Brüder und Schwestern, in inniger Verbundenheit und von Herzen am gemeinsamen Werke arbeiten, das in einer heiligen Absonderung für Gott besteht, bei welcher die Tore für alles das geschlossen sind, was nicht von Ihm ist.

Wozu alle diese Namen?

So mag man sich fragen. Die betreffenden Personen sind uns doch alle unbekannt!

Sollten wir gegenüber dem, was für Gott von Interesse ist, gleichgültig bleiben? Ja, Gott nahm am Werke dieser armen Juden ein grosses Interesse, denn Ihn hatten sie dabei vor Augen. Um uns zu zeigen, dass Ihm ihre Namen wertvoll sind, hat Er sie in sein Buch eingeschrieben. Die Welt kannte sie nicht. Sie hat ihre eigenen grossen Männer und füllt ihre Bücher mit deren grossen Taten und Werken. Gott, vor welchem sich dieses Werk vollendete, das die Feinde Tobija, Sanballat und Geschem verachteten (3,19; 4,1-3) kannte jeden einzelnen derer, die sich Ihm hingaben, und Er setzte ihnen dieses Denkmal der Anerkennung. Er wollte, dass uns diese Namen mitgeteilt würden. Es sind Ehrentitel für diese Arbeiter. Damals, wie später zur Zeit Maleachis, wurde ein Gedenkbuch vor Ihm geschrieben für die, welche Jehova fürchten, und welche Seinen Namen achten.

Dasselbe sehen wir in den Zeiten der Apostel. In ihren Briefen findet sich die Liste von bescheidenen Christen, die überall, auch in Rom, diesem Herd des Verderbnisses, die Mauer der Absonderung aufgerichtet hatten, bis in den Palast Neros hinein. Die Weltgeschichte kennt sie nicht. Aber mit welchem Glanz erstrahlen sie aus dem Gedenkbuch Gottes, aus Seinen Annalen hervor, und zwar für die Ewigkeit! Ihre Namen sind im Buche des Lebens eingetragen, und der Herr Jesus sagt von dem, der wie sie überwunden hat: «Ich werde seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buche des Lebens.» Die einen hatten mehr, die anderen weniger getan, aber alle hatten ihren Anteil an den Grüssen des Heiligen Geistes, so wie auch alle der Liebe Jesu und Seiner Belohnung teilhaftig sind. «Gott ist nicht ungerecht, eures Werkes zu vergessen und der Liebe, die ihr gegen Seinen Namen bewiesen, da ihr den Heiligen gedient habt und dienet» (Hebr. 6,10). Welche Ermunterung!

Rückblick und Aufruf

Die Zeit, die uns noch bleibt, ist kurz. Vor mehr als hundert Jahren ist der Ruf erschollen: «Der Bräutigam kommt!» Das war das Signal zur Erwartung und der Beweggrund zur Absonderung. Aber bald schlichen sich Irrtümer ein, selbst unter die, die sich abgesondert hatten. Da galt es, an die Tore zu eilen und sie vor den Verführern zu verriegeln. Das Wort, das allen Bedürfnissen entspricht, gab jenen Heiligen das Unterscheidungsvermögen und die Kraft, um zu widerstehen. In ihrer Absonderung von der Welt und den menschlichen Systemen hörten sie auf die Warnungen der Apostel: «Aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her ... Und nun befehle ich euch Gott und dem Worte seiner Gnade» (Apg. 20,30.32). - «Ich ermahne euch aber, Brüder, dass ihr acht habet auf die, welche Zwiespalt und Ärgernis anrichten, entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, und wendet euch von ihnen ab» (Röm. 16,17). - «Lasst euch nicht fortreissen durch mancherlei und fremde Lehren» (Hebr. 13,9). - «Bewahre das anvertraute Gut, indem du dich von den ungöttlichen, eitlen Reden und Widersprüchen der fälschlich sogenannten Kenntnis wegwendest» (1.Tim. 6,20).

Die Jahre sind vorübergezogen und der Eifer hat in den Herzen leider nachgelassen. Aber die Grundsätze der Wahrheit bleiben dieselben, denn Der, mit welchem wir es zu tun haben, ändert sich nicht. Mehr denn je sind Absonderung und die Sorge um das Schliessen der Tore vor dem Bösen dringendes Erfordernis. Wenn wir nun der Errettung näher sind, als da wir geglaubt haben, ist es da nicht Zeit, aus dem Schlafe aufzuwachen und unser Nasiräertum zu erneuern? Satan sieht, dass ihm nur noch wenig Zeit bleibt. Er verdoppelt daher seine Anstrengungen und Angriffe gegen den schönen Namen Christi, gegen Seine anbetungswürdige Person. O so lasst uns in Treue festhalten an dem, was wir haben, das Wort des Herrn bewahren und Seinen Namen nicht verleugnen.

Dieser Artikel wurde bisher noch nicht bewertet.
  

Buchtipp

halte fest CD

 

 

Alle 45 Jahrgänge von 1958-2002 auf einer CD mit Suchprogramm für die komfortable Volltextsuche auf dem Computer

 

halte fest Abo

 

Abonnieren Sie «halte fest». So erhalten Sie alle zwei Monate das aktuelle Heft per Post zugestellt.

 


Letzte Änderung am 27.03.2010.