Psalm 34: Wer ist der Mann, der Lust zum Leben hat?
Halte fest Jahrgang 1967 - Seite: 145 - Verfasser: F. W. G.
David schrieb diesen Psalm, nachdem ihn der Philisterkönig in Gath, bei dem er Zuflucht gesucht und dadurch in Bedrängnis gekommen war, weggetrieben hatte (vgl. 1.Sam. 21,10-15). Es war jedes Mal ein Fehler und ein eigener Weg, wenn er auf der flucht vor Saul das Philisterland betrat. Weil Jehova in diesen Fällen nicht durch Vertrauen geehrt wurde, konnte auch Er in diesen Umständen Seinen jungen Knecht nicht ehren. Schon dies an und für sich ist ein allgemeiner Grundsatz der göttlichen Regierung, von welcher dieser Psalm redet. Aber Gott befreite ihn in Seinem Erbarmen, und David hatte für eine Zeitlang etwas daraus gelernt, wenn er auch die Wurzel des Bösen noch nicht gerichtet hatte. Seine Umstände scheinen also dem Inhalt des Psalms zu entsprechen, wenn wir darin auch nur wenige deutliche Hinweise erkennen können, die darauf Bezug nehmen.
Gott und Sein Tun betrachten, füllt Herz und Mund mit Seinem Lob
«Jehova will ich preisen allezeit, beständig soll sein Lob in meinem Munde sein. in Jehova soll sich rühmen meine Seele; hören werden es die Sanftmütigen und sich freuen. Erhebet Jehova mit mir, und lasset uns miteinander erhöhen seinen Namen! Ich suchte Jehova, und er antwortete mir; und aus allen meinen Beängstigungen errettete er mich» (Verse 1-4).
Was Jehova ist, bringt hier das Herz des Psalmisten zum Überfliessen. Wenn Er allezeit der Gegenstand der Seele ist, wird sie Ihn unaufhörlich loben. Darin sind sich «alle Zeiten» gleich. Alle Zeitabschnitte, durch die der Gläubige geht, können diese Frucht bringen. Was David sich hier vornimmt, stimmt mit der Ermahnung des Apostels im Neuen Testament überein: «Freuet euch in dem Herrn allezeit; wiederum will ich sagen: Freuet euch». Ist das Auge ganz auf Ihn gerichtet, wird dies die natürliche Folge sein.
Ein solches Zeugnis des Lobes wie dieses wird bei vielen Widerstand hervorrufen. Die Sanftmütigen aber werden hören und sich freuen. Das Fleisch hat in Gottes Gegenwart nichts zu rühmen; der Mensch muss gebeugt werden, damit er zu diesen Sanftmütigen gezählt werden kann.
Das Herz, das mit Lob erfüllt ist, sucht Genossen, die mit ihm anbeten. Der Name Gottes, den sie erhöhen, wird ihnen zur gemeinsamen Freude, denn Sein Name ist die Offenbarung Seiner Selbst.
Nach seinem Aufruf, den Namen Jehovas zu erheben, berichtet der Psalmist von seiner eigenen Erfahrung, die ihn zu den nachfolgenden Ermahnungen veranlasst. Der lebendige Gott hat ihm geantwortet und ihn aus allen seinen Beängstigungen errettet.
Gottes Licht, Macht und Güte umgibt den Gottesfürchtigen
«Sie blickten auf ihn und wurden erheitert, und ihre Angesichter wurden nicht beschämt. Dieser Blende rief, und Jehova hörte, und aus allen seinen Bedrängnissen rettete er ihn. Der Engel Jehovas lagert sich um die her, welche ihn fürchten, und er befreit sie. Schmecket und sehet, dass Jehova gütig ist! Glückselig der Mann, der auf ihn traut! Fürchtet Jehova, ihr seine Heiligen! Denn keinen Mangel haben, die ihn fürchten. Junge Löwen darben und hungern, aber die Jehova suchen, ermangeln keines Guten» (V. 5-10).
Gott macht der Seele durch Seine Rettung Sein Wesen kund. Wenn sie auf Ihn blickt, wird sie «erheitert» oder erleuchtet; denn Gott ist Licht. in diesem Lichte erscheinen ihr die Dinge so, wie sie sind, und sie lernt sie erkennen. So erlangt sie «Wahrheit im Inneren» und Gewissheit bezüglich des Weges. Das ist nicht aussergewöhnlich, sondern die allgemeine Erfahrung derer, die zu Ihm aufschauen. Sie werden erleuchtet, und ihre Angesichter werden nicht «beschämt». Verwirrung in den eigenen Gedanken und Wegen führt zur Verwirrung des Angesichts. Wenn aber die Seele wirklich Gott sucht, ist dies unmöglich. Selbst für den Einfältigsten und Elendesten besteht inmitten der verwirrenden Stimmen der Welt dieser untrügliche Wegweiser. Wer Gott sucht, hat Licht.
Wieder nimmt David Bezug auf seine eigene Befreiung. In seinem Elend war er erhört und befreit worden, nicht nur von seinen Beängstigungen, sondern auch aus allen seinen Bedrängnissen. Das gibt ihm Mut für das Kommende, und er versichert auch anderen, dass sich der Engel Jehovas um alle die her lagere, die Jehova fürchten. - Wer in der heiligen Gegenwart Gottes lebt, weis sich auch geborgen in Seiner Macht, die ihn von allen Seiten umgibt. In diesem Vertrauen weis er, dass er auch von allen Bedrängnissen, die noch kommen mögen, befreit werden wird.
Nachdem er Gott in dieser Weise erfahren hat, ruft er auch andere auf, zu schmecken und zu sehen, dass Er gütig ist. Glückselig der Mann, der im Vertrauen auf Gottes Güte Kraft und Zuflucht findet!
Die Heiligen Gottes - wir alle - werden ermahnt, Ihn zu fürchten. Der Gottesfürchtige empfängt hier die bestimmte Zusage, dass er keinen Mangel haben wird. Er steht über den Umständen. Das ist es, was wohl auch das hinzugefügte Bild sagen will: Junge, starke Löwen beherrschen die schwächeren Tiere, wenn solche da sind. Aber selbst wenn Löwen darben und hungern, so wird der Mann, der Jehova sucht, keines Guten ermangeln.
Die Heiligkeit Gottes in Seinen Wegen
«Kommet, ihr Söhne, höret mir zu: Die Furcht Jehovas will ich euch lehren. Wer ist der Mann, der Lust zum Leben hat, der Tage liebt, um Gutes zu sehen? Bewahre deine Zunge vor Bösem, und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden; weiche vom Bösen und tue Gutes, suche Frieden und jage ihm nach! Die Augen Jehovas sind gerichtet auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Schreien; das Angesicht Jehovas ist wider die, welche Böses tun, um ihr Gedächtnis von der Erde auszurotten» (Verse 11-16).
Dieser dritte Abschnitt hebt die Heiligkeit Gottes in Seinen Wegen hervor, und wer mit Ihm wandelt, muss darin mit Ihm übereinstimmen. Eine Regierung muss, um respektiert zu werden, vor allem stark sein. Gott demütigte Hiob dadurch, dass Er ihm Seine Macht vorstellte. Gott muss Seinen Platz behaupten, sonst ist alles verloren. Wir sind in Seinen Händen, und Er will Seinen Weg mit uns gehen; aber dann macht Seine Güte es uns zur Lust, darauf zu wandeln.
«Die Furcht Jehovas ist rein, bestehend in Ewigkeit». Der Psalmist möchte nun auch andere in dieser Furcht unterweisen. Will ein Mensch wahre Lebensfreude haben und gute Tage sehen, so muss er sein Leben zunächst nach diesem göttlichen Rezept schützen: Seine Zunge vor Bösem bewahren und seine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Die Beherrschung der Zunge ist das Merkmal des vollkommenen Menschen (Jak. 3,2). Auch ist es wichtig, dass er sich in seinem Wandel völlig vom Bösen absondert. Das ist die negative Seite. Doch darf er auch die positive Seite des göttlichen Rezeptes nicht vergessen und soll darnach eifern, Gutes zu tun. Auf diese Weise soll er den Frieden des Herzens suchen, der ein «Ertrag der Gerechtigkeit» ist (Jes. 32,17), und ihm ernstlich nachjagen.
Schliesslich stellt der Psalmist den Segen der Gerechten dem Ende der Bösen gegenüber: Die Gerechten stehen ununterbrochen in der Gunst Jehovas, während die Bösen von Jehova abgeschnitten sind; selbst ihr Gedächtnis wird ausgerottet.
Die Gerechten haben zwar viele Trübsale
«Sie schreien, und Jehova hört, und aus allen ihren Bedrängnissen errettet er sie. Nahe ist Jehova denen, die zerbrochenen Herzens sind, und die zerschlagenen Geistes sind, rettet er.»
Der heilige Weg des Herrn ist für die Gerechten also voller Segen - aber auch voller Trübsale. Was mag denn Gott damit bezwecken? Sie helfen, dass wir unser Nichts erkennen und die Untauglichkeit aller eigenen Weisheit und Kraft. Wir lernen dadurch zu Gott rufen und so Seine befreiende Gnade erfahren. Denn den zerbrochenen Herzen und dem zerschlagenen Geiste will Er nahe sein. Ist das für uns nicht genügend Ursache, uns der Trübsale zu rühmen? (Röm. 5,3).
Aber Gott errettet sie aus allen ihren Widerwärtigkeiten
«Viele sind der Widerwärtigkeiten des Gerechten, aber aus allen denselben errettet ihn Jehova; er bewahrt alle seine Gebeine, nicht eines von ihnen wird zerbrochen. Den Gesetzlosen wird das Böse töten; und die den Gerechten hassen, werden büssen. Jehova erlöst die Seele seiner Knechte; und alle, die auf ihn trauen, werden nicht büssen.»
Die Trübsale sind nicht Strafe, sondern eine wirkliche Gnade, wenn wir an den eben erwähnten Grundsatz denken. Er kennt unser Gebilde; ist das Ziel der Prüfung erreicht, wird Er uns daraus erretten. Für alle Gerechten aber steht die endgültige Befreiung bevor. Selbst wenn sie sterben, so bewahrt Jehova ihre Gebeine und duldet nicht, dass sie zerbrochen werden - ein Bild dafür, dass sich die vollkommene Fürsorge Gottes für die Gerechten über den Tod hinaus erstreckt.
Im Blick auf Jesum Christum, welcher sich in Seinem Leben als Mensch als der absolut vollkommene Gerechte erwies, hat sich dieses Wort buchstäblich erfüllt. Niemand konnte im selben Sinne wie Er eine solche Fürsorge beanspruchen, und so wurde dieses Wort: «Er bewahrt alle seine Gebeine, nicht eines von ihnen wird zerbrochen» für Ihn zu einer Prophezeiung, die erfüllt werden musste (Joh. 19,36). Auf andere findet dieses Wort sozusagen in geistlichem Sinne Anwendung.
Diese eine Prophezeiung auf den Herrn macht dieses Lied noch nicht zu einem messianischen Psalm. Im Gegenteil, seine Anwendung ist so allgemein wie möglich, wenn auch die einzigartige Vollkommenheit Christi den Gedanken nahelegen mag, dass der Psalm sich nur auf Ihn beziehe.
Die volle Verwirklichung der Regierungswege Gottes findet sich in den beiden letzten Versen, die als ein Paar von Gegensätzen offensichtlich zusammengehören. Sie erinnern an einen Ausspruch des Apostels in Römer 6,23: «Der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christo Jesu, unserem Herrn.» So ist auch hier das Gericht über die Sünde der angemessene Entgelt: «Den Gesetzlosen wird das Böse töten; und die den Gerechten hassen, werden büssen.» Aber die Befreiung der Seele Seiner Knechte durch Gott gründet sich auf das nun vollbrachte Erlösungswerk, das Seiner Heiligkeit vollkommen entspricht und unverdiente Gnade ist (vgl. Röm. 4,6-8): «Jehova erlöst die Seele seiner Knechte; und alle, die auf ihn trauen, werden nicht büssen.»