Halte Fest
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Psalm 45: Du bist schöner als die Menschensöhne!

Halte fest Jahrgang 1962 - Seite: 129 - Verfasser: J. St.

So ruft der vom Geist Gottes geleitete Verfasser des 45. Psalms aus bei der prophetischen Betrachtung der Schönheit des Messias, des Königs, von welchem David nur ein schwaches, unvollkommenes Vorbild war.

Wir, die Erlösten des Herrn in der Gegenwart, werden zwar nicht zu den glücklichen Untertanen Seines irdischen Reiches gehören. Als Seine himmlische Braut und als Glieder Seines Leibes stehen wir in höherer und innigerer Weise in Verbindung mit Ihm. Aber jeder Strahl Seiner mannigfaltigen, also auch der in unserem Psalm beschriebenen Herrlichkeiten, darf und wird auch unser Herz hinnehmen, beschäftigen und erfreuen, wenn wir es in Seinem Lichte gerichtet haben.

Die ersten sieben Verse des Psalms beschreiben die Person des Königs, die Eigenschaften, die Ihn vor allen anderen «Menschensöhnen» auszeichnen und die die Herzen der Schreiber des Psalms zu dem oben stehenden, bewundernden Ausruf veranlasst haben. Die weiteren Verse (8-17) beschreiben mehr die äussere Herrlichkeit, die Sein Königtum kennzeichnen wird und enthalten die Folgerungen, die der Geist Gottes aus allen diesen Tatsachen ableitet.

Die Schönheit Seiner Worte in den Tagen Seiner Niedrigkeit

«Holdseligkeit ist ausgegossen über deine Lippen», lesen wir im zweiten Vers. «Darum», aus diesem Grunde, wird Ihm von Seiten Gottes ewiger Segen zuteil. Als unser hochgelobter Herr in Knechtsgestalt über diese Erde schritt, gaben Ihm alle Zeugnis und verwunderten sich über die Worte der Gnade, die aus Seinem Munde hervorgingen (Luk. 4,22). Aus dem Alten Testament seien zwei Aussprüche angeführt, die sich unumschränkt auf die Worte unseres Herrn, auch auf die, welche Er hienieden geäussert hat, anwenden lassen: «Die Worte Jehovas sind reine Worte - Silber, das geläutert in dem Schmelztiegel zur Erde fliesst, siebenmal gereinigt» (Ps. 12,6), und: «Goldene Äpfel in silbernen Prunkgeräten; so ist ein Wort, geredet zu seiner Zeit» (Spr. 25,11). Unser Herr Jesus war, wie in allen Belangen Seines Lebens, auch in Seinen Worten vollkommen. Nie musste Er irgendein Wort zurücknehmen. Himmel und Erde werden vergehen; Seine Worte aber werden nicht vergehen, sondern unverändert so bestehen bleiben, wie Er sie ausgesprochen hat. Die Vollkommenheit Seiner Worte entsprach der Vollkommenheit Seines Herzens. Aus der Fülle des Herzens redet der Mund. Wenn wir uns vergegenwärtigen, wie die Worte der Unbekehrten einer trüben, unreinen und oft giftigen Flut gleichen, wie selbst bei uns, die wir durch die Gnade Gottes wiedergeboren sind, die Gefahr der Verfehlungen durch die Zunge jederzeit so gross ist, so vermögen wir in etwa die Kostbarkeit des Weges unseres Herrn vor Seinem Gott in dieser Beziehung zu ermessen und ebenso den Ausspruch: «Darum hat Gott dich gesegnet ewiglich.»

Die Schönheit unseres Herrn am Tage Seiner Regierung

Einzigartige Schönheit hat also die Worte und Wege unseres Herrn in der Zeit Seiner Erniedrigung hier auf der Erde gekennzeichnet. Dieselbe Schönheit wird Ihn aber auch am Tage Seiner Regierung in Herrlichkeit, am Tage Seiner königlichen Majestät auszeichnen. Im dritten Vers wird Er als ein Held angesprochen, der Sein Schwert um die Hüfte gürtet, um die göttlichen Gerichte gegen die durch Satan verblendeten Widersacher auszuführen. Auch hierin ist Er schöner als die Menschensöhne: Seine Beweggründe sind makellos; Er zieht glücklich hin «um der Wahrheit willen, und der Sanftmut und der Gerechtigkeit.» Die Zeit der gegenwärtigen Langmut Gottes ist dann verstrichen. Unser Herr Jesus, Dem Gott alles Gericht übergeben hat, wird durch furchtbare Machttaten zeigen, dass Er nicht gewillt ist, die Erde dem Lügner und Menschenmörder und Gewalttätigen zu überlassen. Das Zepter unseres Herrn ist ein Zepter der Aufrichtigkeit. Unter Seiner Herrschaft werden auf allen Gebieten Wahrheit und Gerechtigkeit massgebend sein und der Sanftmütige wird nicht mehr seines Rechtes beraubt werden.

Der 72. Psalm, der ebenfalls die herrliche Regierungszeit unseres Herrn beschreibt, hebt in mehreren Versen diese Tatsache ganz besonders hervor: «Er wird dein Volk richten in Gerechtigkeit, und deine Elenden nach Recht» ... «Er wird Recht schaffen den Elenden des Volkes; er wird retten die Kinder des Armen, und den Bedrücker wird er zertreten» … «Denn erretten wird er den Armen, der um Hilfe ruft, und den Elenden, der keinen Helfer hat; er wird sich erbarmen des Geringen und des Armen, und die Seelen der Armen wird er retten. Von Bedrückung und Gewalttat wird er ihre Seelen erlösen, und ihr Blut wird teuer sein in seinen Augen» (Verse 2,4,12-14).

Ähnlich schreibt auch Jesaja über das Ziel der Gerichte Gottes: «Vertrauet auf Jehova ewiglich; denn in Jah, Jehova, ist ein Fels der Ewigkeiten. Denn er hat Hochwohnende niedergebeugt, die hochragende Stadt; er hat sie niedergestürzt, zu Boden gestürzt, hat sie niedergestreckt bis in den Staub. Es zertritt sie der Fuss, die Füsse der Elenden, die Tritte der Armen. - Der Pfad des Gerechten ist gerade; du bahnest gerade den Weg des Gerechten» (Jes. 26,4-7).

«Furchtbares wird dich lehren deine Rechte»

Vor Seinem Weggang von dieser Erde hat der Herr den Jüngern befohlen, dem Volke zu predigen und ernstlich zu bezeugen, dass Er der von Gott verordnete Richter der Lebendigen und der Toten sei (Apg. 10,42). Die Ausführung der kriegerischen Gerichte, kurz vor der Aufrichtung des Reiches, gehört zu dieser Herrlichkeit unseres Herrn, wie auch die Gerichtssitzung über die Lebendigen aus den Nationen (Matth. 25,31-46). Bei der Betrachtung der Offenbarung übersieht man leicht, angesichts der darin beschriebenen vorgängigen Gerichte: das kriegerische Gericht, das der Herr nach Offenbarung 19,19-21 ausführen wird; die Gerichte, die unserem Herrn gemäss Sacharja, Kapitel 12-14, persönlich zugeschrieben werden; das Gericht über Edom und über die Völker in Jesaja 63,1-6; das Gericht über Gog und Magog, in Hesekiel Kapitel 38 und 39. «Furchtbares wird dich lehren deine Rechte», sagt der vierte Vers unseres Psalms. Auch in Psalm 110,6 ist die Rede davon: «Er wird richten unter den Nationen, er füllt alles mit Leichen; das Haupt über ein grosses Land zerschmettert er.» Alle diese Gerichtsszenen, die in den soeben angeführten Schriftabschnitten beschrieben werden - zu welchen sich noch andere hinzufügen liessen - ergeben ein erschütterndes Bild der Ereignisse, die der Aufrichtung des Reiches unseres Herrn vorangehen sollen. Diese Zusammenfassung ist wohl dazu angetan, alle Menschenherzen zur Furcht Gottes zu bewegen, die heute, wie je, der Weisheit Anfang ist.

Die Herrlichkeit unseres Herrn in der Erweisung Seiner Gnade, wie sie sich in der gegenwärtigen Zeit zeigt, überragt Seine Herrlichkeit in der Ausübung der göttlichen Gerichte. Doch tun wir wohl, auch die letztere zu beachten, besonders jetzt, da die Zeit der Gnade rasch ihrem Ende zueilt und das Hereinbrechen der Gerichte über die ganze Erde sehr nahe bevorsteht. Die Menschen dieser Welt, die Jesus heute noch bewusst verkennen und verachten, werden sich bald «in die Höhlen und in die Felsen der Berge» zu verbergen suchen, vor dem Angesicht Dessen, der auf dem Throne sitzt und vor dem Zorne des Lammes, denn, sagt der inspirierte Schreiber: «Gekommen ist der grosse Tag seines Zornes, und wer vermag zu bestehen?» (Offb. 6,15-17). Darüber schreibt auch Jesaja: «Und sie werden sich in Felsenhöhlen und in Löcher der Erde verkriechen vor dem Schrecken Jehovas und vor der Pracht seiner Majestät, wenn er sich aufmacht, die Erde zu schrecken. An jenem Tage wird der Mensch seine Götzen von Silber und seine Götzen von Gold, die man ihm zum Anbeten gemacht hat, den Maulwürfen und den Fledermäusen hinwerfen, um sich in die Spalten der Felsen und in die Felsenklüfte zu verkriechen vor dem Schrecken Jehovas und vor der Pracht seiner Majestät, wenn er sich aufmacht, die Erde zu schrecken. Lasset ab von dem Menschen, in dessen Nase nur ein Odem ist! Denn wofür ist er zu achten?» (Kap. 2,19-22). Auch sprechen die Psalmen 46,47 und 48, die unserem Psalm folgen, alle drei von den Folgen des Eingreifens des Königs in Gericht über die Völker:

Psalm 46,8-10: «Kommet, schauet die Grosstaten Jehovas, der Verheerungen angerichtet hat auf der Erde! Der die Kriege beschwichtigt bis an das Ende der Erde, den Bogen zerbricht und den Speer zerschlägt, die Wagen mit Feuer verbrennt! Lasset ab und erkennet, dass ich Gott bin!»

Psalm 47,2-3: «Denn Jehova, der Höchste, ist furchtbar, ein grosser König über die ganze Erde. Er unterwarf uns die Völker und die Völkerschaften unter unsere Füsse.»

Psalm 48,4-7: «Denn siehe, die Könige hatten sich versammelt, waren herangezogen allesamt. Sie sahen, da erstaunten sie; sie wurden bestürzt, flohen ängstlich hinweg. Beben ergriff sie daselbst, Angst, der Gebärenden gleich. Durch den Ostwind zertrümmertest du die Schiffe von Tarsis.»

Gott hat uns Kinder Gottes zu Mitwissern Seiner Geheimnisse gemacht. Die Vorauskenntnis der Gerichte, die über diese Welt kommen werden, sollte auch uns veranlassen, in Gottesfurcht unseren Weg zu gehen, bis der Herr kommt und uns vor der Stunde der Versuchung zu sich, in den Himmel, entrückt. Auch sollten wir unsere Mitmenschen warnen, wie der Apostel es z.B. in Apostelgeschichte 17,30-31 tat: «Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle allenthalben Busse tun sollen, weil er einen Tag gesetzt hat, an welchem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat allen den Beweis davon gegeben, indem er ihn auferweckt hat aus den Toten.»

«Gerechtigkeit hast du geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst.»

Wie viel schöner als die Menschensöhne ist doch unser Herr auch in dieser Herrlichkeit, in der Er im 7. Vers unseres Psalms beschrieben wird! Die «Gerechtigkeit» hier umfasst das, was in allen Belangen des Lebens dem Willen Gottes entspricht; Gesetzlosigkeit hingegen ist alles das, was in irgendeiner Weise mit diesem Willen in Widerspruch steht. Von unserem Herrn allein kann in vollem Umfang gesagt werden, dass Er Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst habe. Aus diesem Grund hatte Er «so grossen Widerspruch von den Sündern gegen sich zu erdulden» (Hebr. 12,3). Doch blieb Er in Seiner Treue zu Seinem Gott fest und unbeweglich, bis in den schmachvollen Tod des Kreuzes hinein.

«Darum», so sagt unser Psalm, «hat Gott, dein Gott, dich gesalbt mit Freudenöl, mehr als deine Genossen» (Vers 7). Das Mass Seiner Freude wird alles übertreffen, was wir, Seine Erlösten und Genossen, bei allem Reichtum Seiner Gnade empfangen werden, wiewohl unsere Freude «völlig» sein wird. Jesus hat als Mensch auf dieser Erde, auch in den schwersten Umständen, Seinen Gott völlig verherrlicht! Diese besondere, auszeichnende Salbung mit Freudenöl wird ein ewiges Zeugnis der Wertschätzung Gottes, Seines Gottes sein für die wunderbare Art und Weise, in welcher Er Ihn so vollkommen verherrlicht hat.

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Letzte Änderung am 09.07.2010.