Der 1. Brief an die Korinther
Halte fest Jahrgang 1989 - Seite: 273 - Verfasser: M. E.
Die vollständige Betrachung über den 1. Korintherbrief ist als Taschenbuch unter dem Titel "zusammenkommen und dienen" im Beröa-Verlag Zürich erschienen.
Übersicht
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Diesen Brief könnte man die Verfassung der Versammlung nennen, im Gegensatz zu den Statuten und Bekenntnissen, die die verschiedenen Denominationen in der Christenheit ausgearbeitet haben und nach denen diese Gruppen geleitet werden. Er umfasst tatsächlich alle göttlichen Anweisungen für den Wandel und die Verwaltung der örtlichen Versammlungen Gottes in jedem Land und während der ganzen Zeit, die zwischen dem Pfingsttag in Apostelgeschichte 2 und dem Kommen des Herrn, um die Seinen zu sich zu nehmen, liegt.
Anrede
Vers 1. Paulus, der seine apostolische Autorität die die falschen Lehrer in Korinth in Abrede stellten, in Anspruch nehmen musste, stellt sich als berufener Apostel Gottes vor: «berufener Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen.» Er war auf dem Weg nach Damaskus von Jesus Christus gerufen und berufen worden. Ananias, der vom Herrn zu ihm gesandt worden war, hatte die Aufgabe, ihm diese Berufung zu erklären und zu bestätigen (Apg. 9,5.6, 15-17; vgl. 26,16-18; 22,14-16). Der Wille Gottes hat sich z.B. in Antiochien ausgedrückt, als der Heilige Geist sagte: «Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werke aus, zu welchem ich sie berufen habe» (Apg. 13,2). «Durch Gottes Willen» steht auch im Gegensatz zu dem Willen des Menschen. Paulus war nicht von einem Menschen berufen worden (vgl. Gal. 1,1).
Sosthenes, der Bruder, ist vielleicht der gleiche wie der, welcher in Apostelgeschichte 18,17 erwähnt ist. Paulus führt ihn hier als Zeugen für die Notwendigkeit und Zweckmässigkeit des Briefes an. Auch bei anderen Gelegenheiten geht Paulus ähnlich vor.
Vers 2. Trotz des betrüblichen geistlichen Zustandes, in dem sich die Korinther befanden, anerkennt der Apostel sie doch als «die Versammlung Gottes in Korinth». Die Versammlung wird so in ihrer Stellung in Christus, als Ihm angehörend, und deshalb als eine heilige Sache gesehen. Wird die Versammlung von dieser Seite aus betrachtet, ohne an den Zustand und die Eigenschaften derer zu denken, die sie bilden, dann stellt sie eine ungesäuerte Teigmasse dar (Kap. 5,7). Man wird nicht verstehen, was eine örtliche Versammlung ist, wenn man sie nicht zuerst vom Gesichtspunkt Gottes aus betrachtet hat. So gesehen, ist die Versammlung eine vorhandene und bleibende Tatsache. Wenn es solche gibt, die weggehen, wird sie trotzdem fortbestehen. Anderseits wird sie nicht erst durch die, welche dazukommen, gebildet. Die Versammlung ist immer vorhanden und nicht nur dann, wenn die, welche sie bilden, an gewissen Tagen in der Woche zusammenkommen.
Neben den Heiden und den ungläubigen Juden hatte Gott eine örtliche Versammlung in Korinth. Alle, die in dieser Stadt ein Eigentum des Herrn Jesus waren, gehörten zu der Versammlung. Zu jener Zeit war es auch praktisch ein und dieselbe Sache, des Christus zu sein und sich zu der örtlichen Versammlung zu bekennen; denn es gab noch keine menschlichen Gruppierungen. In den Gedanken des Herrn umfasst die Versammlung Gottes an einem Ort alle Kinder Gottes, die dort wohnen. Heute, da wir inmitten der Ruine des christlichen Zeugnisses leben, kann kein Zusammenkommen von Gläubigen in einer Ortschaft sich «die Versammlung Gottes» an diesem Ort nennen. Dazu müssten sich alle Gläubigen dieser Ortschaft dort zusammenfinden. Wenn es aber an jenem Ort einige Gläubige gibt, die sich im Namen des Herrn Jesus auf dem Boden der Einheit des Leibes Christi versammeln, dann stellen sie die Versammlung dar Sie erfreuen sich der Vorrechte, haben aber auch die Verantwortung der Versammlung Gottes an jenem Ort. Sie sind also eine Versammlung Gottes, oder wie man auch sagen könnte: ein örtliches Zeugnis der Versammlung Gottes. Eine solche Versammlung verliert ihren Charakter, wenn sie sich weigert, das Böse zu richten. Wenn sich die Korinther geweigert hätten, den Bösen aus ihrer Mitte hinauszutun (Kap. 5), hätte der Apostel sie nicht mehr als «die Versammlung Gottes, die in Korinth ist» anerkannt.
Der Apostel fügt hinzu: «den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen.» Zusammen gesehen, waren die Gläubigen in Korinth die Versammlung Gottes; als einzelne gesehen, waren sie «Geheiligte», d.h. Abgesonderte in Christus Jesus, und «Heilige», d.h. durch Gottes Berufung für Ihn abgesondert. Das waren die göttlichen Grundlagen ihrer Stellung.
Dann umschliesst der Apostel in seinen Gedanken «alle, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen, sowohl ihres als unseres Herrn». Die Anweisungen, die in diesem Brief gegeben werden, sind also von allgemeiner und umfassender Bedeutung. Alle Gläubigen auf der Erde sind gehalten, sich danach zu richten. Zudem macht der Brief einen Teil des lebendigen und bleibenden Wortes Gottes aus. Deshalb findet er seine Anwendung zu allen Zeiten, während denen die Versammlung auf Erden weilt. Heute, da sich das Bekenntnis, das sich auf den Namen des Herrn stützt, sehr ausgedehnt hat, sind alle, die sich auf den Namen des Herrn berufen, Ihm gegenüber als Herrn verantwortlich. Er ist sowohl ihr als unser Herr. «Da ist ein Herr, ein Glaube, eine Taufe» (Eph. 4,5). Daher ist heute die ganze Christenheit verantwortlich, die Anweisungen dieses Briefes über das praktische Verhalten der Versammlung zu befolgen.
Vers 3. Gnade und Friede, in einem praktischen Sinn, werden den Geheiligten in Christus Jesus gewünscht, und zwar von Gott, unserem Vater, und vom Herrn Jesus Christus. Vom Vater und vom Sohn, die eins sind in diesem Gedanken, fliessen diese Segnungen in das Herz und das Leben der Gläubigen.
Reich gemacht in Christus
Verse 4-9. Der Apostel anerkennt mit Dankbarkeit alles, was die Versammlung in Korinth von Gott in Christus empfangen hat. Sie waren durch die Gaben, die ihnen geschenkt worden waren, reich gemacht worden. Nichts fehlte ihnen. Dadurch war das Zeugnis des Christus in ihrer Mitte befestigt worden. Etwas später im Brief musste der Apostel sie im Blick auf die Ausübung dieser grossen Gaben, die sie besassen und wodurch sie sich sehen lassen wollten, tadeln. Aber hier wird noch alles von Gottes Sicht aus und auf göttlicher Grundlage stehend betrachtet. Während sie dem Augenblick entgegengingen, da Christus offenbart werden wird - im Gegensatz zu seiner Abwesenheit - fehlte ihnen keine einzige Gnadengabe.
Sowohl in lehrmässiger als auch in moralischer Hinsicht war der geistliche Zustand der Korinther beklagenswert. Trotzdem drückt Paulus in Vers 8 das Vertrauen aus, das er zum Herrn hat, dass Er sie bis ans Ende befestigen werde, und zwar so, dass sie am Tag unseres Herrn Jesus, wenn alles offenbar werden wird, tadellos seien. Der Gott, der sie berufen hatte, in Gemeinschaft mit seinem Sohn an allen zukünftigen Segnungen teilzuhaben, war treu. Der Apostel wusste, dass er auf Ihn zählen konnte.
Diese neun ersten Verse bilden die Einleitung zum Brief. Alles, was darin gesagt ist, ruht auf einer göttlichen Grundlage. Nach diesem und als Folge davon kann der Apostel nun auf alle nötigen Einzelheiten eingehen. Dabei musste er alles das tadeln und berichtigen, was unvereinbar war mit dem göttlichen Charakter, den sie als Versammlung Gottes, als Geheiligte in Christus Jesus und als berufene Heilige Gottes besassen.
Die Spaltungen in Korinth
Vers 10. Der Apostel beginnt hier mit seinen Ermahnungen, indem er sich auf den Namen unseres Herrn Jesus Christus beruft. Das ist der Name, der sie in eins um Ihn versammelte. Und es ist diese Einheit und ihre praktische Verwirklichung, die zuerst betont wird. «Ist der Christus zerteilt?» fragt er in Vers 13. Um in einer praktischen Einheit zu bleiben und innere Spaltungen zu vermeiden, müssen alle dieselbe Sprache reden - die der Wahrheit. Wenn alle in demselben Sinn und in derselben Meinung völlig eins sind, bilden sie ein einziges Ganzes, in dem jeder seine Aufgabe erfüllt, gemäss der Wahrheit, die das Teil aller ist.
Vers 11. Paulus teilt ihnen mit, dass er von Personen aus Korinth (deren Namen er nicht verschweigt, über die Streitigkeiten unter ihnen benachrichtigt worden ist.
Vers 12. Die Korinther brachten den Parteigeist, an den sie sich von den Meinungsverschiedenheiten der Philosophenschulen her gewöhnt hatten, in die Versammlung hinein. Unter den heidnischen Griechen beriefen sich die einen auf diesen Lehrer und seine Lehre, die andern auf einen anderen mit einer unterschiedlichen Lehrmeinung. So ist in Apostelgeschichte 17 die Rede von stoischen und epikuräischen Philosophen, die Paulus angriffen. Die Gläubigen in Korinth, die in mancher Hinsicht an ihren früheren Ideen festhielten, machten die Arbeiter des Herrn zu Parteiführern, ohne dass diese Hand dazu geboten hätten. Die einen beriefen sich auf Paulus, andere auf Apollos oder Kephas. Es gab sogar solche, die meinten, sich besondere Ehre zuzulegen, indem sie sich auf Christus beriefen. Auf diese Weise machten sie Christus zum Haupt einer Partei. Das alles stand sehr im Widerspruch zu der Einheit in Gedanken und Gesinnung, zu der der Name Christi sie verband (V. 10). Deshalb ruft der Apostel aus: «Ist der Christus zerteilt?»
Verse 13-16. Es ist Christus allein, der alleinige Heiland, mit dem wir verbunden sind. Darum sagt Paulus, obwohl es solche gab, die seinen Namen benützten, um sich um diesen Mittelpunkt zu versammeln und sich auf ihn beriefen: «Ist etwa Paulus für euch gekreuzigt, oder seid ihr auf Paulus' Namen getauft worden?» Und gerade deshalb dankte Paulus Gott, dass er nicht viele Korinther getauft hatte. Alle waren getauft worden, er selbst aber hatte nur einige wenige von ihnen getauft. Es gab also keinen Grund zu sagen, er hätte auf seinen Namen getauft, mit der Absicht, jemanden an sich zu binden.
Paulus als Evangelist
Vers 17. Der Apostel will hier sagen, dass er nicht den Auftrag der Zwölfte erhalten habe, wie wir ihn in Matthäus 28,19 finden. Sein Auftrag wird in Apostelgeschichte 26,16-18 beschrieben und begann auf Befehl des Heiligen Geistes in Apostelgeschichte 13,2. Das will nicht heissen, dass Paulus der Taute nicht die ganze Wichtigkeit beigemessen hätte, die ihr zukommt. Er selbst war in Damaskus getauft worden (Apg. 9). Lydia und ihr Haus, sowie der Kerkermeister und sein Haus, waren auf seine Veranlassung, vielleicht von ihm selbst, getauft worden. Aber in diesem Vers nimmt er Bezug auf seinen Auftrag als Evangelist. Seine Evangeliumsbotschaft war jedoch keine philosophische Darstellung der Lehre, die er verkündigte, noch ahmte er in der Form der Verkündigung die Philosophie nach, die damit beginnt, durch schöne Reden dem Menschen zu schmeicheln. Eine solche Handlungsweise hätte das Kreuz Christi, das den Menschen und seinen Hochmut erniedrigt, zunichte gemacht.
Vers 18. Aber die einfache Darlegung dessen, was das Kreuz Christi bedeutet - nämlich das Ende von allem, was der Mensch im Fleisch ist -, kann denen, die verloren gehen, nur Torheit sein; für uns aber, die wir das Glück kennen, durch dieses Mittel errettet zu sein, ist das Wort vom Kreuz die Kraft Gottes. In dem Gedanken, den Paulus durch diese Worte zum Ausdruck bringt, scheint eine Seite des Kreuzes enthalten zu sein, die die Korinther nicht erfasst hatten. Sie hatten zwar den Tod Christi zur Vergebung ihrer Sünden verstanden, nicht aber die Tatsache, dass sie mit Christus gestorben waren, noch dass das Kreuz Christi das Ende des natürlichen Menschen als solchen und, für den Gläubigen, das Ende von allem was die Welt ist, bedeutet. Die Dinge, an denen die Korinther noch festhielten, und die von dem Menschen kamen, bewiesen, dass sie noch nicht begriffen hatten, dass diese Dinge im Kreuz Christi ihr Ende gefunden hatten.
Die Weisheit dieser Welt
Verse 19,20. Die Weisen dieser Welt gehören zu denen, die verloren gehen; keines ihrer Systeme kann dem Menschen das Heil und das Glück bringen. Gott setzt ihrer Weisheit ein Ende: Er vernichtet sie durch das Kreuz Christi und zeigt, dass diese ganze Weisheit nur Torheit ist, weil sie dem Menschen nicht das geben kann, was seinen wirklichen Bedürfnissen entspricht. Sei es nun der Weise, der griechische Philosoph oder der Schriftgelehrte - der weise jüdische Rabbiner oder der rechthaberische Gelehrte unserer Zeit -, der Sophist, der aus Freude an Wortgefechten Widerspruch erhebt: alle diese Anhänger der Weisheit dieser Welt, die sich für verständig halten, sind zu Toren geworden. «Wo sind sie?» ruft der Apostel kühn aus. Gott hat gezeigt, dass ihre Weisheit nur Torheit ist.
Vers 21. Der Apostel ging auf die Wege Gottes, gemäss Seiner Weisheit, ein, während der Mensch durch seine eigene Weisheit nicht zur Erkenntnis Gottes gelangte. Nach der Flut hätte der Mensch die Tatsache, dass Gott existiert, festhalten sollen; er konnte und musste sie erkennen, wenn er die Werke der Schöpfung betrachtete (Röm. 1,20). Aber die Erkenntnis Gottes selbst, die Erkenntnis dessen, was Er in seinem Wesen, seinen Ratschlüssen, seinen Absichten und seinen Wegen ist, diese Erkenntnis findet sich nur im Glauben an die Offenbarung, die Er uns gegeben hat. Und nun haben wir die wahre und volle Erkenntnis Gottes allein durch Christus. Und so hat es Gott wohlgefallen, durch diese Predigt des Kreuzes, die von den Weisen dieser Welt nur als Torheit eingestuft wird, die Glaubenden zu erretten.
Das Kreuz - den Griechen eine Torheit, den Juden ein Ärgernis
Verse 22-25. In der Welt wurde also entweder das Judentum oder die heidnische Philosophie anerkannt. Die Juden wollten Wunder sehen, grosse und greifbare Zeichen (siehe Joh. 6,30). Die Griechen suchten das, was die menschliche Vernunft erklären kann; sie gefielen sich in den theoretischen Überlegungen der Philosophie. Dem stellt Paulus das Kreuz gegenüber. «Wir aber», sagt er, «predigen Christus als gekreuzigt.» Christus als gekreuzigt stellte jedoch den Menschen und seine Religion und seine Weisheit völlig und für immer auf die Seite. Für die hochmütigen Juden war Christus ein Ärgernis: Ein gekreuzigter Messias anstelle eines ruhmreichen Königs - wie hätten sie so etwas annehmen können? Für die Nationen: An einen Erretter zu glauben, der am Kreuz hing - welche Torheit! Aber inmitten ungläubiger Juden und Griechen gab es Berufene, und für sie, im Gegensatz zu den verärgerten Juden, war dieser gekreuzigte Christus die Kraft Gottes, und im Gegensatz zu den skeptischen und spottenden Griechen war der Gekreuzigte für sie die Weisheit Gottes. Denn das, was der Mensch bei Gott als Torheit bezeichnet, ist weiser als die Menschen; und das, was der Mensch bei Gott Schwachheit nennt, ist stärker als die Menschen.
Die Berufung der Korinther
Vers 26. Die Berufung der Korinther schien, wenigstens dem Anschein nach, zu rechtfertigen, was die Menschen von der Schwachheit Gottes sagten. Unter denen, die die Gnade bekehrt und versammelt hatte, gab es nicht viele Weise nach dem Fleische, nicht viele dieser Mächtigen und Edlen, die das Christentum in den Augen der Welt erhoben hätten. Es konnten solche darunter sein, aber es waren nur wenige. Gott wollte sich gern in dem verherrlichen, was gering war, obwohl seine Gnade allen zugänglich war.
Das Christentum in den Augen der Welt - und seine Auswirkungen
Vers 27. Im vorangehenden Vers handelt es sich um Personen, deren Zustand in dieser Welt den Vorwurf der Schwachheit, der dem Christentum von den Juden und von den Weisen dieser Welt gemacht wurde, rechtfertigen mochte. Hier geht es um gewisse Dinge, die bestimmte Personen verächtlich machen. Der Apostel übernimmt die Ausdrücke, die von den Menschen dieser Welt in Bezug auf das Evangelium gebraucht wurden und die er in den Versen 18-25 angeführt hat. Es geht um die Einschätzung der Welt für diese Dinge, und nicht um den Wert, den sie in sich selbst darstellen. Das Törichte der Welt ist das, was die Welt so einschätzte, und das war das Christentum. Aber dieses Evangelium bekehrte und versammelte Götzendiener und brachte sie dazu, ihre Götzen zu verwerfen und ihren Lebenswandel zu ändern, indem sie ihr unsittliches und ausschweifendes Leben aufgaben. Dieses Evangelium war etwas, das durch seine Resultate die weisen Menschen, die darüber spotteten, zuschanden machte.
Das, was von der Welt als schwach bezeichnet wurde, war gerade das Christentum, das Evangelium, von Gott auserwählt, um das Starke zuschanden zu machen, also das, was die Welt als solches anerkannte, das heisst das Judentum und die Philosophie.
Vers 28. Zu diesem Christentum, das einen gekreuzigten Christus verkündigte, gehörte auch das, was in den Augen der Welt als unedel galt und verachtet wurde, an sich aber weder unedel noch verächtlich war. Und für die Welt schien es wie etwas, das es nicht gab, während das Judentum und die Philosophie für sie bestehende Tatsachen waren. Doch dieses Unedle, Verachtete und Nichtexistierende: das Christentum, bekehrte und versammelte Juden und Heiden an allen Orten. Indem es in der Welt Einzug hielt, erwies es sich als etwas, das die Dinge, die von der Welt als alleinexistierend anerkannt wurden, zunichte machte und deren Platz einnahm.
Vers 29. Diese Kraft und diese Weisheit Gottes in Christus, die sich auf solche Weise offenbarten, zeigten, dass kein Fleisch, kein Mensch, wer er auch sei, ob Jude, der Zeichen forderte, oder Grieche, der Weisheit suchte, sich vor Gott rühmen konnte. Alles, was der Mensch vorgibt, zu haben, zu können oder zu sein, war zunichte gemacht.
Alles von Gott und in Christus
Verse 30,31. Die Gläubigen in Korinth - und wir mit ihnen - waren von Gott, obgleich sie im Allgemeinen keine Weisen, keine Mächtigen und keine Edlen waren. In Christus Jesus war ihr Ursprung, ihr Leben, ihre Stellung und ihr Charakter aus Gott. Das war ihr Stand, ihre Daseinsberechtigung: Sie waren von Gott, und Christus Jesus war ihnen von Gott zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligkeit und zur Erlösung gemacht worden. Es ist das, wozu Er für uns gemacht worden ist, und nicht eigentlich das, was wir in Ihm sind. Er wurde im Blick auf uns dazu gemacht. Zweifellos kommt unsere Praxis aus unserer Stellung hervor; aber beides, Stellung und Praxis, könnten wir ohne Christus nicht besitzen. In Ihm allein haben wir alles, nicht in uns selbst noch durch uns selbst, wie die Weisen dieser Welt es möchten. Er ist unsere Weisheit, unsere Gerechtigkeit, unsere Heiligkeit und unsere Erlösung. Die Erlösung wird zuletzt genannt, weil es sich um die Krönung dessen handelt, was Christus für uns ist, das heisst um die Erlösung unserer sterblichen Körper. Dann wird der Ruhm der Weisheit und der Kraft Gottes in Ihm vollkommen offenbart sein.
Und weil alles in Christus und durch Christus ist, hat der Mensch, das Fleisch, keinen Grund sich zu rühmen. Jeglicher Grund zum Ruhm ist im Herrn, wie es geschrieben steht (Jes. 45,25; Jer. 9,23.24).
Die Predigt des Apostels in Korinth
Verse 1,2. Der Apostel erinnert die Korinther daran, dass er, als er zu ihnen kam, um ihnen das Evangelium zu verkündigen, alles beiseite gelassen hatte, was den natürlichen Menschen befriedigt, nämlich die Redekunst und die menschliche Logik. Er hatte das Zeugnis Gottes verkündigt; das Zeugnis Gottes über seinen Sohn (1.Joh. 5,6-13). Als Paulus in Korinth ankam, hatte er seinen Zuhörern sofort Jesus Christus vorgestellt, und zwar in seiner niedrigsten Stellung, für die Juden ein Grund, sich zu ärgern, für die Philosophen ein Gegenstand des Spottes, nämlich Jesus Christus gekreuzigt Doch obwohl dieser gekreuzigte Jesus Christus für die Menschen ein Gegenstand der Schmähungen und des Spottes war, hatte die Verkündigung des Paulus in der Stadt Korinth viele Menschen zur Bekehrung geführt und sie als Versammlung zusammengebracht.
Es ist bemerkenswert, wie Paulus den Sündern, den Weisen dieser Welt, begegnet. Nach menschlichen Massstäben gab es in seiner Verkündigung nichts Grossartiges im Blick auf Rede und Weisheit. Genau genommen war ihr Inhalt nicht das Kreuz Christi, sondern Jesus Christus. Die Tatsache, die Paulus vorstellte, war Christus in seiner tiefsten Erniedrigung: Christus, und Ihn als gekreuzigt. Die Predigt des Kreuzes ist nicht genau das gleiche, aber der wichtige Punkt war, dass er nicht wie die Philosophen mit ihnen stritt, sondern dass er Christus verkündigte - einen gekreuzigten Menschen.
Weil wir uns gewöhnt sind, das Kreuz als das Mittel der Erlösung zu betrachten, fällt es uns schwer, die Wirkung zu empfinden, die die folgenden Worte auf Philosophen und ihre Anhänger haben mussten: «Es gibt einen Menschen, der an einem gewissen Ort an das Kreuz gehängt wurde - vertraut euch Ihm an.» Für den Menschen war das die grösstmögliche Torheit. Und dabei ist es das Gewaltigste, was man dem Menschen vorstellen kann, denn es ist das, was auf alle Weisheit und auf die ganze Grösse der Welt das Wort Torheit schreibt.
Da der Mensch aber ein Sünder ist, liegen die Dinge ganz anders. Wenn sich die unendliche Liebe Gottes einschaltet und in Christus als Mensch zum Menschen spricht, was wird dann aus jeder Grösse, jeder Weisheit und allem anderen? Alles, was der Mensch im Fleische ist, ist weggetan; es bleibt nichts davon übrig. Alles, worin sich das Fleisch rühmen konnte, hat ein Ende gefunden. Im Kreuz gibt es keinerlei Ruhm des Fleisches. Und es war die Weisheit Gottes, so zu handeln: Das Kreuz verlieh weder Ehre noch Heldentum, sondern nur Schande, Schmach, Beleidigung und Tod. Alles, was vom Menschen war, wurde dort zunichte gemacht. Es gibt hier keinen einzigen Stein, worauf man stehen könnte, um, bildlich gesprochen, trocken zu bleiben. Nur die Sklaven wurden gekreuzigt, und Gott nimmt einen gekreuzigten Menschen, um die Welt zunichte zu machen, zuerst im Gericht, aber auch dadurch, dass wir wissen, dass Christus in der Herrlichkeit ist.
Verse 3-5. Die Gewissheit des Apostels, dass das, was er verkündigte, das Zeugnis Gottes war, verbunden mit dem Empfinden des Widerstands der Menschen, hatte ihn seine Schwachheit fühlen lassen. Er war in Furcht und in vielem Zittern gewesen. Aber der Herr hatte ihn ermuntert, indem Er zu ihm sprach: «Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! denn ich bin mit dir, und niemand soll dich angreifen, dir Übles zu tun; denn ich habe ein grosses Volk in dieser Stadt» (Apg. 18,9.10). Aber in diesem Gefühl der Schwachheit und der Furcht hatte Paulus geredet und gepredigt, und da er es nicht mit Überredungskunst und menschlicher Weisheit getan hatte, so war es ein Beweis des Geistes und der Kraft gewesen, damit der Glaube der Korinther einzig und allein auf der Kraft Gottes ruhe. Der Heilige Geist hatte mächtig in ihnen gewirkt, um diesen Glauben hervorzubringen.
Gottes Weisheit und ihre Offenbarung
Verse 6-10. Nachdem Paulus von der Weisheit des Menschen gesprochen hat, scheint er hier zu sagen, dass jetzt die Reihe an der Weisheit Gottes sei, ebenfalls vorgestellt zu werden. Von dieser Weisheit kann er jedoch nur unter den Vollkommenen reden. Der Zustand des vollkommenen Menschen ist der einer geistlichen Reife, im Gegensatz zu dem Zustand der Unmündigen (Eph. 4,14), und vor allem abnormaler Kinder, wie es bei den Korinthern und den Hebräern der Fall war (Kap. 3,1.2; Hebr. 5,12-14). Den Zustand, in dem sich die Korinther befanden, könnte man mit geistlichen Zwergen vergleichen, im Gegensatz zu den Kindlein in 1.Johannes 2,13, wo wir den normalen Zustand der Kindheit haben.
Die Vollkommenen kennen den vollen Umfang des christlichen Teils und besitzen es. Sie erfreuen sich der ganzen Reichweite der Erlösung, nicht nur ihrer Rechtfertigung durch den Tod Christi, sondern der Erlösung ihres Zustands in Adam, durch ihr Gestorbensein mit Christus, welches das Ende von allem bedeutet, was mit dem Menschen im Fleische verbunden ist. Zu diesem Zustand des vollkommenen Menschen gehört schliesslich der bewusste Genuss unserer Vereinigung mit dem auferstandenen und verherrlichten Christus; das ist der neue Mensch, ein himmlisches Wesen. Er ist hier fremd, weil sein Bürgertum in den Himmeln ist. Von dort erwartet er den Herrn Jesus Christus.
Der Zustand des vollkommenen Menschen ist keine Theorie, sondern eine Sache des Glaubens, des Gewissens und des Wandels im Genuss der Gemeinschaft mit Christus in der Herrlichkeit. Der Heilige Geist zeugt mit den Worten des Herrn davon: «An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin, und ihr in mir und ich in euch» (Joh. 14,20). Der Vollkommene nährt sich von fester Speise, vom Wort der Gerechtigkeit, im Gegensatz zur Milch, der Kindernahrung. Daher wird auch gesagt, dass die Vollkommenen geübte Sinne haben, um das Gute und das Böse zu unterscheiden. Sie brauchen nicht für jede Einzelheit eine besondere Bibelstelle. Sie haben ein geübtes Empfinden - zweifellos durch das Wort und durch den Geist -, um zu wissen, was sich für einen Himmelsbürger, der mit Christus in der Herrlichkeit verbunden ist, geziemt oder nicht.
«Gottes Weisheit in einem Geheimnis» (V. 7) umfasst alles, was von den Ratschlüssen Gottes in Christus enthüllt ist; alles, was Er in Christus getan hat. Wenn die Menschen die ganze Herrlichkeit Gottes in Christus gesehen hätten, dann hätten sie Ihn nicht gekreuzigt.
Die Verse 9 und 10 stehen im Gegensatz zu dem, was den Juden bekannt war. «Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.» Der erste Teil bezieht sich auf die Juden. Sie sind die Menschen, von denen der Prophet sagt, dass es nicht in ihr Herz gekommen sei. Uns aber hat Gott es offenbart. Im Alten Testament waren diese Dinge nicht offenbart, jetzt sind sie es aber. Wenn der Apostel «uns» sagt, spricht er von der christlichen Stellung im Allgemeinen, und nicht vom Zustand des einzelnen. Deshalb sieht er den Gläubigen in seinem völlig normalen Charakter, und nicht in seiner mangelhaften Entwicklung.
Der Zustand der Korinther war nicht so, dass der Apostel mit ihnen auf den Gegenstand der Weisheit Gottes hätte eingehen können. Er deutet ihn nur an, aber doch genügend, um zu zeigen, dass das etwas ist, was sich auf die Ratschlüsse Gottes in Bezug auf unsere Stellung in Christus, den Herrn der Herrlichkeit, bezieht. Diese Weisheit steht im Gegensatz zur Weisheit dieses Zeitlaufs und den Fürsten dieses Zeitlaufs, die vergehen. Sie haben sie nicht erkannt, sonst hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt, denn in Ihm ist alles, was sich auf diese Weisheit Gottes bezieht, zusammengefasst, und Er selbst ist die Weisheit Gottes, diese ewige Weisheit, von der in Sprüche 8 die Rede ist.
Diese Weisheit ist ein Geheimnis, das bis zu seiner Offenbarung durch den Geist in Gott verborgen war. Aber Gott hatte es vor den Zeitaltern zu unserer Herrlichkeit angeordnet. Das Auge des Menschen drang nicht in dieses Geheimnis ein, sein Ohr hatte nichts davon wahrgenommen, sein Herz konnte nichts davon verstehen. (Lies Hiob 28). Gott hatte es denen, die Ihn lieben, aufbewahrt. Aber jetzt hat Er uns diese Weisheit offenbart, und zwar durch seinen Geist denn der Geist, der die Tiefen Gottes erforscht, macht sie uns kund. Wie wunderbar, dass Gott uns auf diese Weise Einblick in seine Gedanken gewährt und uns seine ewigen Absichten der Gnade und der Herrlichkeit mit uns enthüllt!
Die wörtliche Inspiration der Heiligen Schrift
Vers 11. Niemand kann die Gedanken eines Menschen kennen, es sei denn, dieser bringe sie zum Ausdruck. Vorher sind sie nur seinem Geist bekannt. Wie viel weniger kann man die Dinge Gottes wissen, wenn Er sie nicht offenbart. Der Geist Gottes allein kennt sie, bis Er sie uns enthüllt; und der Apostel sagt uns, dass Er es tut, und wie Er es tut. Wir haben den Geist Gottes, der die Dinge Gottes kennt, und darum kennen auch wir sie.
Verse 12-14. Dieser bemerkenswerte und höchst wichtige Abschnitt zeigt uns den Weg, auf welchem die Gedanken des Herzens Gottes direkt in unsere Herzen kommen, ohne dass sie uns durch eine andere wirksame Kraft, ausser dem Geist Gottes, übermittelt würden.
Im 12. Vers haben wir die Offenbarung der Dinge Gottes an Paulus (und andere Schreiber des Neuen Testamentes) durch den Geist Gottes. Der Geist der Welt, die menschliche Weisheit und ihre Vernunftschlüsse sind diesen Männern völlig fremd.
In Vers 13 ist es die Verkündigung dieser Offenbarung der Gedanken Gottes durch Paulus und andere - denn es wird gesagt: «wir verkündigen». Aber diese Verkündigung geschieht «in Worten, gelehrt durch den Geist», und nicht in Worten, die durch menschliche Weisheit gewählt und zurechtgelegt wurden. So wird uns das durch den Geist Offenbarte - die geistlichen Dinge - durch geistliche Mittel mitgeteilt, durch Worte, die der Heilige Geist den Werkzeugen, die Er benützt, eingegeben hat. Diese Werkzeuge sind jedoch nicht passiv. Durch ihre geistliche Einsicht wertschätzen sie die Dinge, die der Geist ihnen offenbart und die Er ihnen gibt, um sie zum Ausdruck zu bringen. Darum konnte die Schwachheit des Menschen die Wahrheit nicht im geringsten verändern. Die Inspiration bezieht sich sowohl auf die Wahrheiten, die mitgeteilt wurden, als auch auf die Worte, durch die sie ausgedrückt wurden.
Im 14. Vers haben wir die Annahme der Mitteilung. Sie kann nur durch die Tätigkeit des Geistes Gottes erfolgen. Tatsächlich kann der natürliche Mensch, der Mensch, so wie er mit seiner Seele erschaffen ist, und zwar ungeachtet des Umfangs seiner Fähigkeiten, die Dinge Gottes, die der Geist offenbart und mitteilt, weder erfassen noch verstehen, noch annehmen. Er betrachtet sie als Torheit, wie der Apostel es uns im ersten Kapitel gezeigt hat und wie die Erfahrung, sowohl unsere eigene als auch jene der uns umgebenden Welt, es bestätigt. Um die Unterweisung des Geistes fruchtbringend anzunehmen, und um von der Offenbarung der Gedanken Gottes Nutzen zu haben, braucht es die machtvolle Wirksamkeit des Heiligen Geistes. Er erleuchtet unser Inneres, wirkt auf unser Herz und Gewissen und macht aus uns geistliche Menschen. Die Quelle, das Mittel der Weitergabe und die Annahme: alles kommt durch den Geist. Die Offenbarung der Dinge durch den Geist, die inspirierte Übermittlung durch den Geist und die Annahme durch den Geist - alles zusammen bringt die Gedanken, die im Herzen Gottes waren, in unsere Herzen, ohne dass der Mensch mitwirken könnte, es sei denn als Werkzeug des Geistes.
Wenn man diesen Abschnitt gut verstanden hat, erkennt man den Wert der Bibel, als das Wort Gottes, die göttlich inspirierte Schrift.
Göttliches Urteilsvermögen
Verse 15-16. Der 15. Vers zeigt, dass die Tätigkeit des Geistes Gottes im Gläubigen diesem nicht nur die Fähigkeit gibt, die inspirierte Mitteilung anzunehmen, sondern in ihm gleichzeitig einen geistlichen Zustand schafft, der ihn befähigt, alle Dinge richtig zu beurteilen. Die Folge davon ist ein Wandel, dessen Beweggründe dem natürlichen Menschen unbekannt sind. Der Ungläubige erkennt sie so wenig, wie er die Dinge des Geistes Gottes annimmt.
Der geistliche Mensch unterscheidet und beurteilt alles richtig; er selbst aber - in seinem Wandel und den Beweggründen, die ihn leiten - wird von niemand beurteilt. Der natürliche Mensch täuscht sich immer in den Beweggründen, die er dem Wandel des geistlichen Menschen zuzuschreiben versucht. Doch welche Gnade! Wir, die gläubig sind, haben den Sinn Christi, und darum versteht uns der natürliche Mensch nicht. Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, dass er Ihn unterweise? Wir haben den Sinn Christi, d.h. das Verständnis und die Denkfähigkeit, um durch den Geist den Gedanken Christi zu folgen. «Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist mit ihm» (1.Kor. 6,17).
Wenn ich den Sinn Christi (das Verständnis Christi) habe, so habe ich die Gedanken, die diesem Sinn entspringen und alles, was sie einschliessen. Wir haben den göttlichen Sinn nicht in abstrakter Weise, sondern wir haben den Heiligen Geist in uns wohnend; und so haben wir jetzt die ganze Offenbarung des Geheimnisses. Johannes sagt: «Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und wisset alles» (1.Joh. 2,20).
Fleischlich, anstatt geistlich
Verse 1,2. Die Korinther waren keine «natürlichen Menschen» mehr, denn sie besassen den Heiligen Geist, was das Vorrecht jedes Gläubigen ist. In der Praxis aber waren sie keine Geistlichen; sie waren fleischlich und handelten nach dem Fleische. Sie hatten in der wahren Erkenntnis keine Fortschritte gemacht und waren in einem Zustand abnormaler Kindheit geblieben; sie glichen Zwergen, deren Wachstum stehen geblieben ist. Darum musste der Apostel, sei es dass er in ihrer Mitte war oder dass er ihnen jetzt schrieb, ihnen Milch zu trinken geben, d.h. über die Grundbegriffe des Christentums reden. Sie ertrugen die feste Speise, d.h. die Erkenntnis der tieferen Wahrheiten, nicht. Welch ein Schlag für den Stolz der Korinther, die sich ihrer Gaben und ihrer Erkenntnis rühmten und sich zweifellos für sehr geistlich hielten.
Gott macht seine Mitteilungen dem Herzen, das bereit ist, sie zu empfangen. Bei Maria Magdalene war dies der Fall. Ihr Herz hing ganz dem Herrn Jesus an. Petrus und Johannes kehrten nach Hause zurück, sie aber blieb bei der Gruft und wurde berufen, den Jüngern unsere höchsten Vorrechte mitzuteilen, und das, weil ihr Herz von Christus erfüllt war: «Geh aber hin zu meinen Brüdern und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, und zu meinem Gott und eurem Gott.» Das ist die Botschaft, die der Herr ihr auftrug, und es ist das erste Mal, dass wir eine derart umfassende Aussage haben. Es war die persönliche Zuneigung ihres Herzens zum Herrn Jesus, eine Zuneigung, die durch die Anziehungskraft der Gnade hervorgebracht wurde, die sie fähig machte, eine solche Botschaft zu empfangen und weiterzugeben.
Auch andere Begebenheiten zeigen, dass das Verständnis für die Gedanken Christi aus der Anhänglichkeit an seine Person hervorgeht. Aber die Korinther waren von sich eingenommen und rühmten sich der Gaben, die äusserlich beeindruckten. Darum konnten sie keine Fortschritte machen.
Verse 3,4. Der fleischliche Zustand der Korinther offenbarte sich darin, dass sie über die Dinge Gottes so dachten, wie die Menschen über die Dinge der Welt denken. Sie behandelten die einen gleich wie die anderen. Sie benahmen sich nach Menschenweise, indem sie eifersüchtig waren und sich untereinander über die Diener Gottes stritten, die unter ihnen gearbeitet hatten und aus denen sie Anführer verschiedener Richtungen machten, wie die Heiden es mit den Philosophen taten. Der eine sagte: «Ich bin des Paulus», ein anderer: «Ich des Apollos», wie die Heiden gesagt hätten: «Ich bin des Plato, oder des Aristoteles.» Darum fragt der Apostel sie: «Wenn ihr das tut, seid ihr nicht menschlich?» Sie hätten sich nicht wie «Menschen», sondern wie Christen zeigen sollen.
Verschiedene Diener des Herrn und ihre unterschiedlichen Aufgaben
Verse 5,6. Apollos und Paulus waren zweifellos hervorragende Diener Gottes, durch die die Korinther zum Glauben geführt worden waren. Jeder von ihnen hatte das Werk getan, das der Herr ihm anvertraut hatte. Der eine, Paulus, hatte gepflanzt. Weil er zuerst gekommen war, hatte er den Samen des Wortes ausgestreut. Dann war Apollos nach Korinth gekommen und hatte begossen. Aber weder der eine noch der andere war fähig, die Saat aufgehen und wachsen zu lassen. Es ist Gott allein, der das Wachstum gibt. Wie schön ist es, Paulus diesen Platz der Abhängigkeit einnehmen zu sehen! Das ist eines der Merkmale des wahren Arbeiters.
Verse 7,8. Der, welcher pflanzt, und der, welcher begiesst, sind somit beide nichts in sich selbst; Gott, der das Wachstum schenkt, ist alles. Dennoch sind sie eins, weil sie als Knechte des gleichen Meisters und im gleichen Werk tätig sind. Ihr Dienst ist verschieden, aber sie arbeiten auf das gleiche Ziel hin, und weil jeder seine eigene Aufgabe hat, wird auch jeder seinen eigenen Lohn empfangen. Welch ermunterndes Wort für die Arbeiter des Herrn! Der eine hat ein umfassenderes Tätigkeitsfeld, dem grössere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Dem andern wird eine unscheinbarere Arbeit, die weniger Aufsehen erregt, zugewiesen. Aber sowohl der eine wie der andere wird vom Herrn den Lohn für seine Arbeit bekommen.
Gottes Bau und die Verantwortlichkeit der Bauenden
Verse 9-11. Diese Verse stellen uns mehr die Arbeiter in ihrer Verantwortlichkeit vor, als den Bau selbst. Doch bevor wir uns damit befassen, wollen wir beachten, was im 9. Vers gesagt wird. Er hebt hervor, dass Gott alles und der Mensch nur ein Werkzeug ist. Die Betonung liegt auf dem Ausdruck «von Gott». «Wir sind Mitarbeiter von Gott, ihr seid Gottes Ackerfeld; Gottes Bau.»
Der Apostel verlässt hier das bisher gebrauchte Bild vom Pflanzen und vom Ackerfeld und geht zum Bild eines Gebäudes über. Der Bau, d.h. das, was auf der Erde errichtet wird, wird hier unter dem Aspekt der Verantwortlichkeit der Arbeiter vorgestellt. Als Folge ihrer Untreue ist das Haus Gottes zu einem grossen Haus geworden, wie dies in 2.Timotheus 2 beschrieben wird.
Für den Glauben existiert das Haus Gottes immer noch gemäss den Gedanken Gottes, die Er von Anfang an hatte: Es ist die Behausung Gottes im Geiste. Aber der Bau, den Christus selbst baut, darf nicht mit dem verwechselt werden, was das Ergebnis der Verantwortlichkeit des Menschen ist. In Matthäus 16,1 sagt der Herr: «Ich will meine Versammlung bauen.» Es ist sein Werk. In Epheser 2,19-21 wächst der Bau, um ein Endergebnis zu erreichen, ohne dass menschliche Werkzeuge erwähnt werden. In 1.Petrus 2,4.5 werden die lebendigen Steine hinzugefügt, indem sie zum Herrn kommen, um ein geistliches Haus zu bilden, ohne Mithilfe menschlicher Bauleute.
In der Stelle in 1.Korinther 3 aber, die wir betrachten, tritt der Mensch als Arbeiter auf, um sich am Bau zu betätigen. Er beteiligt sich als verantwortlicher Miterbauer, und von da an gibt es keine Garantie mehr, sondern es besteht jede Möglichkeit, dass Fehler gemacht werden. Deshalb wird gesagt: «Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut», das heisst auf den Grund, der Jesus Christus ist. Paulus hatte nach der Gnade, die ihm gegeben worden war, als ein weiser Baumeister diesen sicheren und unerschütterlichen Grund gelegt, und niemand kann einen anderen legen; er bleibt trotz allem unversehrt. Er ist gelegt, und nichts kann ihn erschüttern (Matthäus 16).
Die Feuerprobe
Verse 12-15. Vom Bau Christi wird gesagt: «Und des Hades Pforten werden sie (die Versammlung) nicht überwältigen»; von dem, was dem Menschen anvertraut ist, heisst es jedoch: Ein jeder aber sehe zu, wie und mit welchen Materialien er darauf baut. Das Werk eines jeden wird am Tag Christi offenbar werden. Dieser «Tag» bezieht sich immer auf das Gericht. «Er wird in Feuer offenbart werden») heisst es. Das Feuer des Gerichts wird das Werk erproben, und alles, was nicht von Gott ist, wird verzehrt werden. Alle, welche kostbares Material auf diesen Grund gebaut haben: Dinge, Lehren oder Personen, die Gott anerkennen kann, weil sie seinen Gedanken entsprechen, werden an jenem Tag eine Belohnung erhalten. Anderseits werden jene, die irrige Meinungen) falsche Lehren oder unbekehrte Personen eingeführt haben, Schaden erleiden; ihre Arbeit wird umsonst gewesen sein. Sie werden zusehen müssen, wie das Ergebnis ihres Werkes durch das Feuer verzehrt werden wird. Sie selbst jedoch, sofern sie Leben aus Gott haben, werden gerettet werden, doch so wie durch dieses Feuer.
Das Gold, das Silber und die köstlichen Steine können die kostbaren, jedoch vielfältigen Merkmale der christlichen Lehre darstellen. Ebenso lassen das Holz, das Heu und das Stroh an Lehren denken, die mehr oder weniger den Anschein der christlichen Wahrheiten haben und die, wie es scheint, dem Feuer mehr oder weniger grossen Widerstand leisten, von diesem aber schliesslich ganz verzehrt werden.
Wenn man den Vers 17 noch dazu nimmt, sieht man, dass es drei Klassen von Menschen gibt. Erstens die guten Arbeiter, die eine gute Arbeit leisten. Ihr Werk wird die Feuerprobe bestehen. Dann die schlechten Arbeiter, die mit schlechten Materialien bauen - ihr Werk wird verbrennen, sie persönlich aber werden gerettet werden. Schliesslich sehen wir in Vers 17 solche, die den Tempel Gottes verderben - diese wird Gott verderben.
Wir dürfen das Bauen mit Holz, Heu und Stroh nicht mit dem Verderben des Tempels Gottes verwechseln. Im ersten Fall baut der Arbeiter allerlei Materialien auf den gelegten Grund, und er wird gerettet, wenngleich seine Lehre Irrtümer enthalten mag. Der zweite jedoch sucht bewusst durch falsche Lehren den Tempel Gottes zu verderben. Ein Christ kann eine schlechte Lehre einführen, aber trotzdem anerkennen, dass es ausser Christus keinen Heiland gibt. Wenn er z.B. die Vollkommenheit im Fleisch lehrt, ist das etwas, das verbrannt werden wird. Aber der, welcher zu verderben sucht, bringt verderbliche Irrtümer hinein (z.B. die Leugnung der Gottheit Jesu). Er ist kein Christ.
Der Tempel des Geistes Gottes
Verse 16,17. In diesen Versen wird der Tempel kollektiv gesehen, als die Behausung Gottes im Geiste, und zwar vom Standpunkt der Verantwortlichkeit aus; während in Kapitel 6,19 die Person des Gläubigen selbst der Tempel des Heiligen Geistes ist. Die Heiligkeit Gottes kann nicht dulden, dass sein Tempel verdorben wird. Daher wird Er jene, die ihn zerstören, selbst verderben: ein ernstes Gericht und eine ernste Warnung für jeden. Lasst uns aber nochmals festhalten, dass, selbst wenn Holz, Heu und Stroh eingeführt werden, es trotzdem der Tempel Gottes bleibt!
Alles gehört euch, ihr aber gehört Christus
Verse 18-23. Der Apostel scheint hier das Thema der Weisheit wieder aufzunehmen. Da die wahre Weisheit die Weisheit Gottes ist, will er, dass die Korinther sich von ihren menschlichen Überlegungen lösen, selbst was die Diener Gottes betrifft. Indem sie aus Paulus, Apollos und Kephas Anführer verschiedener Lehrmeinungen machten, handelten sie tatsächlich wie die übrigen Menschen und nach deren Weisheit. Es war nötig, die eitle, menschliche Weisheit abzulegen und in den Augen der Welt töricht zu werden, um wirklich gottgemäss weise zu werden. Indem sie sich auf den einen oder andern beriefen, zogen sie die Diener Gottes auf die Ebene der Menschen herab und machten sie zu Parteiführern. Indem sie sich des einen oder andern rühmten, stellten sie sich unter deren Abhängigkeit und blieben so hinter ihren Vorrechten zurück, denn alles gehörte ihnen, selbst die Diener wie Paulus, Apollos und Kephas, als von Christus gegeben. Sie gehörten nicht den Dienern des Herrn und waren nicht von ihnen abhängig; sie gehörten Christus. Diese Diener waren ihnen gegeben worden und nicht sie den Dienern, und sie waren ihnen nicht gegeben worden, um sich ihrer zu rühmen, sondern um durch sie geistlichen Gewinn zu haben. Wir gehören Christus an. Nichts und niemand anders hat Anrechte an uns. In Unterwürfigkeit unter Christus und in Abhängigkeit von Ihm können wir von allem als uns gehörend Gebrauch machen. Damit wir in den Genuss dieser Tatsache kommen, dürfen wir uns durch nichts von dem, was Paulus aufzählt, unterjochen lassen. Weil wir Christus angehören, stehen wir über allem, und alles ist unser, weil es Ihm gehört.
Paulus, Apollos und Kephas gehören uns als Diener, die Christus uns gegeben hat, und wir sind ihnen nicht gegeben, damit sie über uns herrschen oder dass wir uns ihrer rühmen sollten.
Die ganze Welt ist unser und wir dürfen von ihr Gebrauch machen, aber für unsere Bedürfnisse als Fremdlinge auf dieser Erde. Wenn ich sie mir zu Eigen machen will, um sie zu geniessen, so hört sie auf, mir zu sein, dann gehöre ich ihr.
Das Leben gehört mir, aber nicht zu meinem Genuss, sondern um es Christus zur Verfügung zu stellen. Der Tod ist mein Teil, aber nicht um ihn zu fürchten, denn dann würde er über mich herrschen, sondern um ihn so zu sehen, dass er mich zu Christus bringt.
Ich besitze das Gegenwärtige, und darum haben die Leiden, die Schwierigkeiten und die Mühen, die mir die Gegenwart bringen, keine Macht, mich zu beunruhigen. Das Zukünftige gehört mir, denn ich bin Erbe Gottes und Miterbe Christi, und als solcher werde ich mit Ihm herrschen. Ich gehöre nur Christus, nichts anderem als Ihm allein, in der Zukunft wie in der Gegenwart. Welch herrliche Stellung! Möchten wir sie in Unterwürfigkeit unter Christus und in Abhängigkeit von Ihm verwirklichen und uns durch nichts unterjochen lassen. Der höchste Punkt dieser aufsteigenden Linie ist Gott. Wir gehören so gut Christus, wie Christus Gott gehört, und so gehören wir in Ihm auch Gott.
Der Apostel war sich bewusst, dass die Welt ihm gehörte, als er sagte: «... als nichts habend und alles besitzend» (2.Kor. 6,10).
Die Zusammenfassung dieser zwei letzten Verse ist somit, dass der Christ nichts und niemand über sich hat ausser Christus. Unter Ihm hat er alles.
In diesem Kapitel haben wir ein schönes und bemerkenswertes Beispiel von der innigen Zuneigung, die im Herzen des Apostels für die Korinther war, ohne dass er hier ein besonderes Thema behandelt.
Unsere Beurteilung am Tag des Herrn
Verse 1,2. Er beginnt mit dem, worauf er bei den Korinthern wie bei allen Menschen das Recht hatte, nämlich, dass er und seine Mitarbeiter für besondere, vom Herrn gegebene Diener Gottes gehalten würden. Sie waren Verwalter der Geheimnisse Gottes, denen Er seine Offenbarung geschenkt hatte, um sie zu verkündigen (Kap. 2,11-13). Die Korinther hätten sie als solche anerkennen müssen. Was man übrigens von einem Verwalter erwartete, war, dass er in dem, was er verwaltete, treu sei. War er, Paulus, es gewesen?
Verse 3-5. Er war sich seiner Treue in seiner Verwaltung bewusst und überliess die Beurteilung dem Herrn. Das Urteil der Korinther oder anderer war ihm nicht wichtig. Doch wenn er auch ein gutes Gewissen hatte, meinte er deshalb nicht, fehlerfrei zu sein. Er benützte sein Gewissen nicht als Massstab, um sich selbst zu beurteilen. Der Herr steht über dem Gewissen, darum übergab er sich Ihm zur Beurteilung. Daher fordert er im 5. Vers auf, kein Urteil vor der Zeit, da alles ans Licht gebracht werden würde, auszusprechen. Das würde einem menschlichen Gericht, einem menschlichen Tag, gleichkommen. (Ein menschlicher Tag will heissen, ein Tag, der für ein Gericht bestimmt war, und an dem dann auch Gericht gehalten wurde.) Wenn aber der Herr kommen wird, dann wird das sein Tag und sein Gericht sein.
Dieser Tag des Herrn wird also das Verborgene der Finsternis ans Licht bringen. Es ist das, was der Mensch genauso wenig unterscheiden kann wie jemand, der in tiefer Dunkelheit die Gegenstände seiner Umgebung nicht erkennen kann. Dann werden die Ratschläge, die Gedanken und die Absichten des Herzens offenbar werden. Dann wird auch jeder sein Lob von Gott empfangen; das Urteil und das Lob von Seiten der Menschen werden ein Ende gefunden haben.
In Demut mit dem Empfangenen dienen
Verse 6,7. Der Apostel sagt, dass er das Vorangegangene auf sich und Apollos bezogen habe (Kap. 3,4-6.21.22), aber er tat es auch, um einen allgemeinen Grundsatz zu zeigen, der auf jene zielte, die mit grosser Anmassung inmitten der Korinther auftraten. Die Korinther sollten sich nicht rühmen, für den einen zu sein, indem sie sich gegen den andern stellten, zum Beispiel für Apollos gegen Paulus. Wer war denn für den Unterschied zwischen dem einen und dem andern verantwortlich, d.h. wer legte fest, ob einer begabter oder anders begabt war als der andere? Wo kam das her? Alles kam von Gott.
Der eine sagte: Ich bin des Paulus, der andere: Ich bin des Apollos. Der Apostel aber sagte zu denen, die so sprachen: «Alles ist euer, und wenn einer grösser ist als ein anderer, wer hat diesen Unterschied gemacht?» So sagte auch Johannes: «Ein Mensch kann nichts empfangen, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben» (Joh. 3,27).
Statt herrschen, mit dem Evangelium Trübsal leiden
Verse 8,9. Wenn diese Worte in einer Hinsicht auch eine gewisse Ironie enthalten, so sind sie doch nicht weniger lehrreich. Unter dem Einfluss falscher Lehrer waren die Korinther hochmütig geworden. Sie glichen ein wenig denen von Laodicäa (Offb. 3,17). Sie waren gesättigt, sie waren reich, sie herrschten, aber alles nach ihrer eigenen Einschätzung. Der Apostel tadelt diese Anmassung und macht ihnen Vorhaltungen, dass sie es sich wohl sein liessen, während er und seine Mitarbeiter zu leiden hatten. «Ihr habt ohne uns geherrscht», sagt er. Dann tritt er ihren Gedanken entgegen, indem er erklärt: «Wollte Gott, dass ihr herrschtet, damit auch wir mit euch herrschen möchten»; d.h. wollte Gott, es wäre jetzt der Augenblick, zu herrschen, denn dann wären wir auch dabei. Aber es war im Gegenteil die Zeit des Leidens, denn die Apostel waren als die Letzten dargestellt worden, als ein Schauspiel der Welt, dem Tod geweiht, wie Gefangene, die der Sieger hinter seinem Triumphwagen fortschleppte. Die Menschen und die Engel waren, von ihrer entsprechenden Warte aus, die Zuschauer, die diese Szene betrachteten. Von den Engeln wurden die Apostel bewundert, von den Menschen hingegen angeprangert und verachtet.
Verse 10-13. Der Gegensatz zwischen der Stellung der Korinther und jener der Apostel hätte somit nicht grösser sein können. Letztere wurden von den Menschen als Auskehricht der Welt und ein Auswurf aller betrachtet, weil sie das angenommen hatten, was die Welt verachtete: die Torheit des Kreuzes; um der Liebe Christi willen Schwachheit in den Augen der Menschen und deren Verachtung. Mit einem Wort: Sie verwirklichten den christlichen Weg, das Gestorbensein mit Christus. Und sie erfuhren, was diese Stellung umfasst: Sie litten fortwährend auf mancherlei Weise; geschmäht, segneten sie, wie ihr göttlicher Meister sie gelehrt hatte; verfolgt, ertrugen sie es mit Geduld; gelästert, beteten sie für die, die Böses von ihnen sagten.
Es ist schön, diese Erfahrungen sowohl mit der Stellung des Herrn zu vergleichen, der keinen Ort hatte, um sein Haupt hinzulegen, als auch mit seinen Belehrungen in Matthäus 5 und 10. Die Korinther hielten sich im Gegensatz dazu für weise und stark und waren in dieser Welt geehrt. Sie gehörten zu den Christen, von denen die Welt sagt, sie seien nicht überspannt mit ihren Ideen, man könne gut mit ihnen auskommen. Solche Christen können durch ihr bequemes Christentum, das die Schmach Christi nicht annimmt, das Ansehen der Welt geniessen, bei ihr geehrt sein und von ihr als weise gehalten werden. Dieser Zustand war bei den Korinthern zweifellos eine Folge der Belehrung durch falsche Lehrer, auf die sie gehört hatten, denn der Irrtum gibt dem Fleisch, dem Menschen an sich, immer einen Platz. Und das steht im Gegensatz zur Wahrheit, die dem Gläubigen das Kreuz Christi als das Ende des natürlichen Menschen und der Welt vorstellt.
Paulus sucht Gegenliebe bei den Korinthern
Verse 14-16. Der Apostel lässt jetzt seinen Herzensempfindungen gegenüber den Korinthern freien Lauf. Es ist ergreifend, wie er den Gegensatz aufzeigt, zwischen sich, dem Vater der Korinther im Glauben, der seine Kinder zärtlich liebte, und all diesen Lehrern, die sie unterwiesen, die sich selbst suchten und sich in den Korinthern rühmen wollten. Konnten diese Zuchtmeister mit ihrer Arroganz die gleichen, väterlichen Gefühle wie Paulus haben, der sie durch das Evangelium gezeugt hatte und durch dessen Dienst sie Christen geworden waren? Die väterliche Zuneigung des Apostels verband sich mit seiner Autorität. Darum warnt er die Korinther und schickte sich an, mit dieser Autorität zu ihnen zu reden.
Vorderhand erwartete er aber von ihnen eine Gegenliebe, nämlich kindliche Gefühle für ihn. Deshalb sagt er zu ihnen: «Ich bitte euch nun, seid meine Nachahmer!» Welch ein ergreifender Ton liegt in dieser Bitte des Apostels. Konnten sie ihr widerstehen?
Die apostolische Autorität des Paulus
Vers 17. Dass Paulus den Timotheus zu ihnen sandte, war ein Beweis seiner väterlichen Gefühle für die Korinther und bestätigte gleichzeitig seine apostolische Vollmacht. Er konnte seinen Beauftragten schicken, um dem Einfluss derer entgegenzuwirken, die unter den Korinthern gegen ihn arbeiteten. Timotheus war sein geliebtes Kind, das durch ihn unterwiesen worden und das dem Herrn treu war. Das war seine Empfehlung an sie. Er sollte sie an die Wege des Paulus in Christus erinnern, d.h. wie er unter den Heiligen auftrat, und an das, was er überall in den Versammlungen lehrte. Paulus hatte sich nicht geändert; seine Lehre war immer und überall die gleiche.
Verse 18,19. Jene, die sich hochmütig aufblähten, waren ohne Zweifel die Parteiführer, die das Gerücht verbreiteten, Paulus komme nicht nach Korinth. Sie taten das alles, um ihre Stellung zu festigen. Paulus wollte aber bald kommen, wenn der Herr es erlaubte, und er würde erkennen, ob bei ihnen die Kraft des Wortes vorhanden war und nicht nur Worte der Aufgeblasenen.
Vers 20 Bei dieser Gelegenheit sagt er, dass das Reich Gottes nicht im Wort, sondern in Kraft bestehe. Die Kraft besteht nicht in Redegewandtheit, in schönen Vorträgen mit ausgewählten Sätzen, um Eindruck zu machen, auch nicht in fundiertem Wissen, selbst im religiösen Bereich. Die Kraft Gottes ist die Triebfeder, hervorgebracht durch die Wirkung des Heiligen Geistes, und zwar in einem Menschen, in welchem der Geist frei wirken kann und seiner Tätigkeit kein Hindernis im Weg steht. Ohne nach aussen gross in Erscheinung zu treten, erweist sich diese wirksame Kraft sogar in der Geduld, im Ausharren, in der Standhaftigkeit durch alle Schwierigkeiten hindurch, um der Wahrheit und um des Herrn willen.
Das Reich Gottes ist der grosse Bereich für die Ausübung der Kraft Gottes und Christi, vor allem als Folge der Erlösung. Diese Kraft wird bis zu dem Augenblick wirksam sein, da alles, was sich ihr widersetzt, unterjocht und beseitigt sein wird. Danach wird Christus die ewigen Ergebnisse und Folgen des Reiches dem Vater übergeben. Wenn alle Feinde, selbst der Tod, hinweg getan sein werden, hat das Reich keinen Daseinsgrund mehr.
Vorher wird es während des Tausendjährigen Reiches eine Verwaltung in Gnade und Herrlichkeit geben, die zu einem irdischen Segen auf der Erde führen wird.
Gegenwärtig trägt das Reich einen verborgenen Charakter, übt aber als ein moralisches Prinzip seine Anziehungskraft auf jeden aus, der anerkennt, dass Gott seine Rechte auf alles hat, was von Ihm abhängig ist. «Das Reich Gottes», sagt Paulus, «ist Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geiste» (Röm. 14,17). Das sind die Früchte, die durch die Anerkennung der Rechte Gottes in der Seele des Gläubigen hervorgebracht werden. Paulus predigte das Reich Gottes und bezeugte gleichzeitig das Evangelium der Gnade Gottes (siehe Apg. 20,24.25). Er war Verwalter oder Diener des Reiches Gottes, des neuen Bundes, des Evangeliums und der Versammlung.
Vers 21. Hier beruft sich der Apostel auf seine Autorität und lässt den Korinthern die Wahl. Wollten sie sich dieser Autorität unterwerfen, damit er weiterhin in Liebe und im Geist der Sanftmut gegen sie handeln konnte, oder wollten sie widerspenstig sein und ihn dadurch zwingen, die Rute zu gebrauchen?
Böses in der Mitte der Versammlung
Vers 1. Es ist sehr traurig, aber gleichzeitig bedeutsam, dass inmitten der Verderbtheit, die in der Stadt Korinth herrschte, in der Versammlung sogar ein schlimmerer Fall vorkam als alles, was es unter den Heiden gab. Das zeigt, welche Macht das Böse über einen Christen hat, der sich selbst überlassen ist. Ein Weltmensch kann aus Ehrgefühl eine gewisse Zurückhaltung gegenüber dem Bösen haben, währenddem ein Christ, der sich selbst überlassen ist, im Bösen versinkt wie Blei im Wasser.
Vers 2. Obwohl die Korinther noch keine Anweisungen des Apostels hatten, um als Versammlung gegen dieses Böse, das sich in ihrer Mitte befand, zu handeln, hätten sie sich darüber doch tief demütigen und in den Staub beugen sollen, damit Gott hätte handeln und sie von so schrecklich Bösem befreien können. Aber ach! stattdessen waren sie vom Hochmut aufgeblasen, rühmten sich ihrer Gaben und ihrer Erkenntnis. Und die falschen Lehrer, die von ihnen anerkannt wurden, trieben sie nicht dazu, das Böse zu bestrafen.
Die gottgemässe Haltung gegenüber dem Bösen in der Versammlung
Verse 3-5. Überzeugt von der Schrecklichkeit dieser schändlichen Sünde, kommt der Apostel den Korinthern zuvor, indem er sich mit apostolischer Vollmacht, die ihm vom Herrn gegeben worden war, mit der Sache beschäftigt. Dem Leibe nach abwesend, aber dem Geist nach in ihrer Mitte anwesend und mit ihnen verbunden, urteilt er für sich selbst, dass dies ein Fall sei, der dazu führen müsse, einen solchen zum Verderben des Fleisches dem Satan zu überliefern, damit der Geist am Tag des Herrn errettet werde. Jemand dem Satan zu überliefern, war eine Handlung apostolischer Autorität und nicht eine Handlung der Versammlung. Diese muss das Böse aus ihrer Mitte hinweg tun. Der Apostel hatte Hymenäus und Alexander dem Satan überliefert (1.Tim. 1,20). Hier urteilt er, dass auch dies ein Fall für ein solches Vorgehen sei. Hat er es auch ausgeführt, da ja die Versammlung ihrer Pflicht nachkam, indem sie den Schuldigen ausschloss? Wohl kaum.
Indem man mit dem Herrn wandelt, wird man in der Versammlung unter seiner Führung und der Leitung des Heiligen Geistes bewahrt. Man ist drinnen, wo man sich in Sicherheit befindet. Draussen ist der Bereich, wo Satan seine Rechte ausüben kann. Aber wenn er einen, der Gott angehört, angreifen darf, wie im Fall von Hiob, dann geschieht es, um das widerspenstige Fleisch zu demütigen. Es ist die Züchtigung, die Gott in seinen Regierungswegen über einen Gläubigen bringt, damit er dem Gericht über die Welt entgeht.
Wenn eine Versammlung den Bösen aus ihrer Mitte entfernt, überliefert sie ihn nicht dem Satan. Aber wenn der Schuldige einmal draussen steht, befindet er sich - und das ist sehr traurig - in dem Bereich, wo Satan seine Rechte ausübt.
Man muss sich zudem daran erinnern, dass der Ausschluss zwei Ziele verfolgt: die Reinigung der Versammlung und die Wiederherstellung des Schuldigen.
Die Reinigung der Versammlung
Vers 6. Die Korinther hatten sich nicht zu rühmen, denn die ganze Versammlung war durch das Böse, das in ihrer Mitte war und das sie duldete, verunreinigt. «Ein wenig Sauerteig durchsäuert die ganze Masse.» Das Böse steht also nicht bei der schuldigen Person still; die Versammlung wird dadurch verunreinigt.
Vers 7. Es war somit nötig, dass die Versammlung den alten Sauerteig, das Böse, das in ihrer Mitte war, hinausschaffte. Wenn sie sich einmal von der Sünde, durch die sie verunreinigt worden war, gereinigt hatte, würde sie ein neuer Teig sein, von dem das Böse ausgeschlossen worden war. Weil die Versammlung in sich selbst etwas Heiliges ist, war die Reinigung notwendig. In ihrer Stellung als Versammlung Gottes, die Christus gehörte und in Ihm war, war die Versammlung von Korinth ohne Sauerteig. Sie war es als Folge der Tatsache, dass unser Passah, Christus, geschlachtet worden ist.
Vers 8. Das sieben Tage dauernde Fest der ungesäuerten Brote folgte auf die Feier des Passahfestes. Während dieser Zeit, die ein Hinweis auf eine vollkommene Zeitperiode ist, war es den Israeliten verboten, Sauerteig in ihren Häusern zu haben. «Darum», sagt der Apostel, «lasst uns Festfeier halten», - das Fest der ungesäuerten Brote, das für uns die vollständige Zeit unseres Lebens auf dieser Erde vorbildet -, «nicht mit altem Sauerteig» - die Sünde ist tatsächlich alt, denn sie datiert vom Fall Adams -, «auch nicht mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit.»
«Der alte Sauerteig» ist der Sauerteig der alten Natur; der Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit weist mehr auf die Wirkung des Sauerteigs hin. Paulus macht hier vielleicht eine Anspielung auf den Geist, der die Korinther beseelte, sogar ihm gegenüber, und zwar als Folge des Einflusses, den die falschen Lehrer unter ihnen ausübten. Schliesslich fügt er hinzu: «sondern mit Ungesäuertem der Lauterkeit und Wahrheit.» Welch ein auffallender Gegensatz zu den Neigungen, die bei ihnen vorhanden waren.
Das Verhalten gegenüber Ausgeschlossenen
Verse 9-13. Der Apostel belehrt uns hier über das Verhalten gegenüber den Personen, die aus unserer Mitte, das heisst aus der Versammlung, hinaus getan werden mussten. Er sagt, dass man sich nicht völlig von den Sündern, selbst von den grössten dieser Welt, trennen kann; man hat in den Angelegenheiten dieses Lebens unweigerlich mit ihnen zu tun. Wenn aber einer, der den Namen Bruder trägt, aufgrund einer der im 11. Vers genannten Sünden, oder auch wegen anderen, ausgeschlossen werden musste, dann darf man mit einem solchen die gewöhnlichen Beziehungen des Lebens, die gegenüber Weltmenschen eine Pflicht sein können, nicht mehr unterhalten. Man darf mit diesen Ausgeschlossenen nicht einmal essen.
Es sind also die, welche drinnen sind, die unter das Gericht der Versammlung fallen. Jene, die draussen sind, haben es mit dem Gericht Gottes zu tun. Wenn aber einer von drinnen ein Böser genannt werden muss, weil er auf irgendeine Weise Schmach auf den heiligen Namen des Herrn Jesus gebracht hat, dann muss dieser aus unserer Mitte weggetan werden. Aber obwohl er von der Versammlung ausgeschlossen ist, gehört er - wenn er ein Kind Gottes ist - doch zur Familie Gottes, wie ein böses Kind, das aus dem Wohnzimmer geschickt wurde, trotzdem noch zur Familie gehört.
Es ist gut, wenn man auch festhält, dass die Sünden, die im 11. Vers erwähnt werden, nicht die vollständige Liste aller Fälle darstellen, die einen Ausschluss erfordern. Es gibt keine solche Liste. Der Dieb und sogar der Mörder werden z.B. nicht genannt. Zudem ist hier nur von moralisch, nicht aber von lehrhaft Bösem die Rede.
Drei wichtige Punkte werden aus den Belehrungen dieses Kapitels klar. 1. Das Gefühl tiefer Demütigung, das sich der Versammlung bemächtigen muss, wenn sie eine Sünde in ihrer Mitte entdeckt. 2. Die Handlung der Versammlung, um sich von dem Bösen zu reinigen, indem sie den Schuldigen zwar ausschliesst, aber im Blick auf seine Wiederherstellung. 3. Die strenge Haltung, die man gegenüber der Person, die von der Versammlung ausgeschlossen werden musste, einzunehmen hat.
Es gibt Fälle, die schwierig zu beurteilen sind, zum Beispiel wenn einer geizig oder habgierig ist. Aber wenn die Versammlung in einem guten geistlichen Zustand ist, wird der Herr in einem solchen Fall alles an den Tag bringen. Da, wo eine Versammlung geistlich ist, wird das Falsche oder Heuchlerische auf die Dauer nicht bestehen können. Man kann aber niemand ausschliessen, der nicht eine Tat begangen hat, die ein solches Handeln erforderlich macht.
In diesem Kapitel geht der Apostel auf Einzelheiten hinsichtlich der Zügellosigkeit der Korinther in ihrem täglichen Leben ein. Sie hatten Prozesse vor den Ungläubigen; sie übervorteilten ihre Brüder, anstatt das Unrecht, das ihnen geschah, zu erdulden. Dann kommt er auf das zurück, was in Korinth der grosse Fallstrick war: die Sittenverderbnis durch die Lüste des Fleisches.
Rechtshändel unter Gläubigen!
Verse 1-6. Die Korinther benahmen sich auch in ihren Streitfällen, wenn es um ihre Interessen ging, wie Weltmenschen. Sich als gestorben und mit Christus auferweckt zu verhalten, war ihnen völlig fremd. Sie hatten Rechtsstreitigkeiten untereinander, was an und für sich schon eine traurige Sache ist; zudem aber brachten sie diese noch vor die Weltmenschen, um darüber zu richten. Sie gingen vor die Ungerechten, vor die Ungläubigen, sagt der Apostel, und nicht vor die Heiligen.
In diesem Zusammenhang wiederholt Paulus die Worte, die in diesem Brief so oft wiederkehren: «Wisset ihr nicht?» Man findet sie sechsmal in diesem Kapitel. Die Korinther waren durch den Apostel unterwiesen worden; sie hätten die Gedanken Gottes über diese oder jene Sache wissen müssen. Und zu den Punkten, die sie hätten beachten sollen) gehörte auch, dass am Tag des Gerichts der Lebendigen die Heiligen den Herrn begleiten werden, und dass sie selbst, als mit Ihm verbunden, am Gericht der Engel beteiligt sein werden. Sind sie denn unwürdig oder unfähig, über die geringsten Angelegenheiten dieser Welt zu richten?
Wir werden die Welt und die Engel richten
Im Neuen Testament werden sehr oft die höchsten und wunderbarsten Dinge Christi in die Umstände des täglichen Lebens der Gläubigen hineingebracht und finden darin ihre Anwendung. Hier wird gesagt, dass die Heiligen die Engel richten werden. Der Geist Gottes führt die Herrlichkeiten einer anderen Welt ein und wirft das Licht davon direkt auf die gewöhnlichsten Dinge dieser Erde. Eine einmalige Art und Weise, um etwas zu beurteilen! Wenn der Apostel die Knechte ermahnt, nichts zu unterschlagen, stellt er als Grund dafür eine Zusammenfassung des ganzen Christentums vor (Tit. 2,9-14). Die Korinther hatten Rechtshändel und Prozesse untereinander: Was, sagt der Apostel, ihr werdet die Welt und sogar die Engel richten, und dabei vermögt ihr nicht einmal über die Dinge dieses Lebens zu richten! Was die Hurerei betrifft, sagt er: Euer Leib ist der Tempel des Heiligen Geistes, verunreinigt ihn nicht! Dass solche Beweggründe genannt und dann hineingebracht werden, um auf unser ganzes Leben im Alltag einzuwirken, ist sehr bemerkenswert. Das Fleisch ist da, und um es zu richten, müssen diese erhabenen Beweggründe angewandt werden.
Wenn Christus wiederkommt, werden die Heiligen die Welt und die Engel richten; in gewissem Sinn wird das während des ganzen Tausendjährigen Reiches der Fall sein, aber vor allem wenn Er wiederkommt. Im Gericht über die Welt werden die Heiligen des Alten Testaments ebenfalls mit Christus verbunden sein. In Offenbarung 20,4 lesen wir: «Und ich sah Throne, und sie sassen darauf, und es wurde ihnen gegeben, Gericht zu halten.» Sie sind auferweckt und verherrlicht und werden mit uns zur Vollkommenheit gelangen (Hebr. 11,40).
Dieser kurze Blick auf die zukünftige Herrlichkeit zeigt, wie unbedeutend im Gegensatz dazu die Angelegenheiten dieses Lebens sind. Wenn die Korinther Rechtsstreit untereinander hatten, dann taugten jene, die in der Versammlung am geringsten geachtet wurden - d.h. die, welche am wenigsten geistliche Kraft hatten -, besser dazu, die Rechtshändel zu beurteilen als die Richter dieser Welt. Zu ihrer Beschämung muss er ihnen sagen, dass sie handelten, als hätte es unter ihnen keinen einzigen Weisen, um zwischen seinen Brüdern zu entscheiden, so dass sie ihre Zuflucht zu den Ungläubigen nahmen.
Fehlende Gnade, um Unrecht zu ertragen
Vers 7. Es war an und für sich schon ein Übel, dass sie Rechtsstreitigkeiten miteinander hatten. Sie hätten vielmehr Verluste und Ungerechtigkeiten ertragen und Unrecht erdulden sollen. In welch traurigem Zustand befanden sie sich! Es mangelte ihnen an keiner Gabe, aber es fehlte ihnen an der Gnade. Der Herr Jesus sagt uns, dass wir dem Bösen nicht widerstehen sollen, und dass, wenn jemand mit uns vor Gericht gehen und uns den Leibrock nehmen will, wir ihm diesen geben und, wenn nötig, auch den Mantel überlassen sollen (Matth. 5,39.40). Das ist eine Frage der Gnade. Es ist besser, die Charakterzüge Christi zu bewahren, als den eigenen Mantel zu behalten.
Vers 8. Aber anstatt so zu handeln, fügten die Korinther ihren Brüdern Unrecht zu und übervorteilten sie. Wie gross war ihre Schuld!
Verse 9,10. Der Apostel richtet von neuem ihre Blicke auf die zukünftige Herrlichkeit, indem er ihnen sagt, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden. Jene, die an den Sünden, die hier aufgezählt sind, Gefallen finden, werden am Gericht darüber im Reich Gottes nicht teilnehmen können.
Die Stellung der Korinther - einst und jetzt
Vers 11. Es gab einige unter den Korinthern, die einst zu denen gehörten, die in den Versen 9 und 10 erwähnt werden. Aber jetzt, nachdem sie an den Herrn geglaubt hatten, befanden sie sich in einer ganz neuen Stellung. Sie waren in dem Namen des Herrn Jesus und durch den Geist unseres Gottes gewaschen, geheiligt und gerechtfertigt worden. Es gibt eine einmalige Waschung. Darüber spricht der Herr zu Petrus: «Wer gebadet ist, hat nicht nötig sich zu waschen, ausgenommen die Füsse, sondern ist ganz rein» (Joh. 13,10). Es gibt auch eine Heiligung, d.h. eine Absonderung für Gott, die der Rechtfertigung vorausgeht (wie z.B. bei den Jüngern). Auf die Heiligung folgt die Rechtfertigung, die uns den Frieden gibt, und zwar kraft des Werkes Christi, «welcher unserer Übertretungen wegen dahingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist». So gerechtfertigt, «haben wir Frieden mit Gott» (Röm. 4,25; 5,1).
Stellungsmässige und fortschreitende Heiligung
Jemand hat gesagt: In diesem 11. Vers kommt die Heiligung vor der Rechtfertigung. Gewöhnlich ist es so, wenn wir diese beiden Ausdrücke beieinander finden. So in 1.Petrus 1,2: «Auserwählt ... durch Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi.» Die Schrift redet zudem ganz klar von einer fortschreitenden Heiligung. Wenn aber die Heiligung und die Rechtfertigung miteinander gefunden werden, kommt die Heiligung zuerst. Aus welchem Grund? Wenn man sie hintenan stellen würde, hätte man einen Menschen, der zwar ein Recht auf den Himmel hätte, aber nicht passend wäre, um hineinzugehen. Anderseits findet man nie den Gedanken, dass jemand aufgrund der fortschreitenden Heiligung für den Himmel passend wäre.
Die Schrift spricht oft von dieser Heiligung, z.B.: «Lasst uns in allem heranwachsen zu ihm hin» (Eph. 4,15); und in 1.Johannes 3,3: «Jeder ... reinigt sich selbst, gleichwie er rein ist», usw. Diese Stellen zeigen, dass es Fortschritte zu machen gilt, wenn man Christ ist; aber sie sind in keiner Weise mit der Tatsache verknüpft, für den Himmel passend zu machen. Im Gegenteil, wir lesen: «Danksagend dem Vater, der uns fähig (oder passend) gemacht hat zu dem Anteil am Erbe der Heiligen in dem Lichte» (Kol. 1,12). Es geht hier um die Gesamtheit aller Christen. Der arme Räuber, der direkt ins Paradies ging, war zweifellos passend dafür, ohne Heiligungsprozess. Die Schrift ist über die fortschreitende Heiligung ganz klar. Sie bedeutet: auf dieser Erde dem Bild Christi gleichförmig zu werden.
Geheiligt und abgewaschen
Geheiligt heisst: für Gott abgesondert. Ein Mensch wird für Gott abgesondert. Er gleicht einem Stein in einem Steinbruch, und der Geist Gottes hat ihn dort herausgeholt. Er ist durch den Heiligen Geist lebendig gemacht und kommt dann unter die Wirksamkeit des Werkes Christi. Im Hebräerbrief lesen wir: «geheiligt durch das Blut des Bundes.» Das will einfach sagen, dass jetzt der neue Bund eingeführt ist, denn Christus ist für die Nation gestorben, und das Blut des Bundes ist vergossen worden, und Gott hat den Grund gelegt, auf den das Volk Israel gestellt werden kann, um in den Bund einzutreten. Aber in 1.Petrus 1,2 finden wir, dass die Heiligung zur Blutbesprengung durch den Geist Gottes geschieht. Der Geist sondert uns dazu ab. Die Heiligung des Geistes findet sich nicht im Brief an die Hebräer.
«Ihr seid abgewaschen.» Nachdem der Apostel von der Verunreinigung gesprochen hat, in der sie sich früher befunden hatten, erklärt er jetzt, was mit ihnen geschehen ist. Diese Waschung vollzieht sich durch die Anwendung des Wortes auf die Seele. «Ihr seid schon rein», sagt der Herr, «um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe» (Joh. 15,3).
Unser Körper - ein Werkzeug für den Herrn
Verse 12-14. Hier finden wir eine andere Belehrung. Der Christ hat volle Freiheit, wenn es sich um das Essen von Speisen handelt, aber es ist nicht alles nützlich, und man soll sich von nichts überwältigen lassen. Was die Speisen und den Bauch betrifft, wird Gott beide zunichte machen. Die Notwendigkeit, Speisen zur Verdauung aufzunehmen, wird ein Ende haben: der gegenwärtige Zustand wird zunichte gemacht werden. Wenn es aber um den Leib, das Gefäss, geht, ist die Bestimmung eine ganz andere. Er ist schon für den Herrn, als Werkzeug des neuen Menschen. In Römer 12,1 ermahnt der Herr die Gläubigen, ihn als ein lebendiges Schlachtopfer darzustellen (im Gegensatz zu den Opfern von Tieren, die man tötete). Der Leib ist ein lebendiges Werkzeug, das Gott für seinen Dienst zur Verfügung steht. Und darum darf er zu keinerlei unreinem Gebrauch dienen. Wenn alles erlaubt ist, dann in Beziehung zur Heiligkeit Gottes und für das Wohl der anderen. Aber der Herr ist für den Leib und wird es bis zur Auferweckung desselben bleiben. Gott hat den Herrn Jesus auferweckt, und Er wird auch uns durch seine Macht auferwecken.
Durch die Worte: «Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich», will der Apostel sagen, dass für ihn zwischen beidem kein Unterschied besteht; aber er will nicht erlauben, dass irgendetwas Macht über ihn habe. In dem Augenblick, wo mich etwas beherrscht, hat die Lust Gewalt über mich, selbst wenn es sich nur um etwas Gutes zum Essen handelt.
Wir finden in diesem Abschnitt zahlreiche Einzelheiten, die miteinander verbunden oder einander gegenübergestellt werden: Die Speisen sind für den Bauch; der Leib ist nicht für die Hurerei, sondern für den Herrn, und der Herr für den Leib. Der Herr hat sich sowohl mit der Seele als auch mit dem Leib befasst, obwohl Er ihn noch nicht aus seinem gegenwärtigen Zustand erlöst hat. Der Leib ist somit für den Herrn und nicht für die eigenen Begierden, und der Herr hat ihn zum Tempel des Heiligen Geistes gemacht.
Der Leib erwartet die Erlösung, in dem Sinn, dass er darauf wartet, verwandelt zu werden, um in der Herrlichkeit zu sein. Meine Seele geniesst die Freiheit der Gnade; mein Leib, ebenso wie die ganze Schöpfung, wartet auf die Freiheit der Herrlichkeit. Aber der Leib gehört jetzt dem Herrn, und der Heilige Geist wohnt darin wie in einem Tempel.
Unser Körper und die Sünde der Hurerei
Verse 15-20. In diesen Versen finden wir eine auffallende Steigerung bei den Gründen, die genannt werden, um zu zeigen, dass der sterbliche Körper des Erlösten ein dem Herrn geweihtes Gefäss sein muss. Der Apostel hatte gesagt: «Der Leib ist nicht für die Hurerei, sondern für den Herrn»; und nun fügt er hinzu: «Eure Leiber sind Glieder Christi.» Das zeigt die Entsetzlichkeit der begangenen Sünde, wenn ein Glied Christi genommen wird, um es zum Glied einer Hure zu machen. Die Grösse dieser Sünde ergibt sich dadurch, dass bei der Ausübung der Hurerei eine geschlechtliche Vereinigung der beiden stattfindet, entsprechend dem Wort, das wir in 1.Mose 2,24 finden. Ein Glied Christi, das mit einer Hure vereinigt ist, wird ein Fleisch mit ihr! Welch ein Gräuel!
Im Gegensatz dazu bedeutet die gesegnete Stellung des Erlösten: dem Herrn anzuhangen. Wenn man das Leben und den Geist Christi besitzt, ist man eins mit Ihm. In den Worten «Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist mit ihm» ist der Gedanke der Autorität enthalten. Wir hangen dem Herrn selbst an. Die Person, der man anhängt, ist keine geringere als der Herr selbst. Trotzdem kann man nicht einfach sagen: «Glieder des Herrn», denn dann würde man die Tatsache, dass Christus der Herr ist, aus dem Auge verlieren.
Vers 18. Wie wir gesehen haben, ist die Hurerei an sich eine entsetzliche Sünde. Der Christ ist mit dem Herrn vereinigt; welch schreckliche Verwechslung, wenn er einer Hure anhangen würde! Aber diese Sünde wird noch schlimmer durch die Tatsache, dass sie eine Schändung des Leibes bedeutet, der das Werk Gottes ist. Der Hurer sündigt gegen Gott und gegen seinen eigenen Leib.
Unser Leib - der Tempel des Heiligen Geistes
Vers 19. Hier wird ein noch wichtigerer Grund hinzugefügt, nämlich dass der Leib des Erlösten der Tempel des Heiligen Geistes ist, der in ihm wohnt und den er von Gott hat. Ein solcher Tempel kann und darf nicht entweiht werden. Schliesslich gehört der Christ mit Leib und Seele Dem an, der ihn erlöst hat. Ein Sklave gehört nicht sich selbst. Alles, was er getan hat, und alles, was er verdient, gehört seinem Meister. So gehört ihr nicht euch selbst, «denn ihr seid um einen Preis erkauft worden». Ja, um den Preis des kostbaren Blutes Christi. Das sind die gewaltigen Beweggründe, die uns vorgestellt werden, um uns zu veranlassen, in Reinheit zu wandeln und unseren Leib nur dem Dienst des Herrn zu weihen.
Wir wollen noch jemand zu Wort kommen lassen: Der Leib ist der Tempel des Heiligen Geistes, der auf die Seele und das Herz wirkt. Christus wohnt durch den Glauben in unseren Herzen -, aber der Leib ist sein Tempel, und deshalb muss man ihn entsprechend dem, was er ist, gebrauchen. Ein Tempel ist heilig wie Der, der darin wohnt. Er verträgt nichts Entweihendes, nichts Unreines. Weil das nicht anerkannt wird, ist viel Böses die Folge davon.
Der Leib ist nur dann an seinem richtigen Platz, wenn man ihn als ein Gefäss für Gott gebraucht. Er ist ein Glied Christi, denn er gehört Ihm, ist ein Teil von Ihm. Er ist der Tempel Gottes, weil der Heilige Geist darin wohnt. Mein Leib ist sein Tempel, das ist eine einfache Feststellung; aber ich besitze den Heiligen Geist auch, damit Er mich leite. Ihr seid in keiner Weise euch selbst, wird gesagt. Das und die Tatsache, dass mein Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist, sind die zwei grossen Leitgrundsätze des christlichen Standes. Aus diesen zwei Gründen müssen wir Gott in unserem Leib verherrlichen.
«Euer Leib ist der Tempel des Heiligen Geistes, der in euch wohnt.» Diese Worte zeigen klar und deutlich die Wirklichkeit der Gegenwart des Heiligen Geistes als göttliche Person in uns, und nicht einfach als Einfluss, wie manche Leute behaupten. - Man darf deshalb den Tempel Gottes nicht verunreinigen und entweihen. Seit das Erlösungswerk vollbracht ist, ist es das Vorrecht der Heiligen, der Tempel des Heiligen Geistes zu sein.
Unser Einssein mit dem Herrn
Dem Herrn anzuhangen ist eine Wirklichkeit. Wenn ich dem Herrn anhange, besitze ich die ganze Fülle Dessen, der in mir wohnt. Das zeigt den grossen Unterschied, der zwischen dem Leben und der Vereinigung besteht. Man sagt manchmal, dass wir Gläubige durch den Glauben und auch durch das Leben vereinigt seien. Weder das eine noch das andere ist wahr. Wir sind im Leben vereinigt, aber die Vereinigung geschieht durch den Heiligen Geist. Die Heiligen des Alten Testaments konnten dem Herzen und dem Geist nach eins sein, aber das entspricht nicht der Vereinigung der Heiligen des Neuen Testaments. Personen, die beieinander wohnen, bilden keinen Leib. Der Leib Christi, geformt durch die Glieder, die durch den Heiligen Geist mit ihm vereinigt sind, konnte nicht existieren, bevor Christus, das Haupt, zur Rechten Gottes war. Das Haupt musste im Himmel sein, bevor der Leib entstehen konnte. Der Sohn Gottes war auf dieser Erde und machte lebendig, wen Er wollte, aber es gab keinen Leib, bis zum Zeitpunkt, da der Heilige Geist auf diese Erde kam, nachdem Christus sich zur Rechten Gottes gesetzt hatte.
Verherrlicht Gott in eurem Leib!
Vers 20. Die Schlussfolgerung aller Beweggründe, die der Apostel genannt hat, ist diese: «Verherrlichet nun Gott in eurem Leibe.» Im ganzen Abschnitt ist nur vom Leib, dem Gefäss, dem Werkzeug, die Rede. Das ist wichtig zu beachten.
Kapitel 7
In diesem Kapitel behandelt der Apostel das Thema des Ehestandes und der allgemeinen Wahrheit, dass es gut ist, in dem Stand zu bleiben, in den man berufen wurde. Wir haben hier einen sehr schönen Abschnitt betreffs der Heiligkeit der Ehe. In allem müssen wir mit Gott handeln.
Die Ehe nach Gottes Gedanken
Verse 1-9. Dieses Kapitel bildet in moralischem Sinn die Fortsetzung der Belehrung, die am Ende des 6. Kapitels gegeben wurde. Man hatte dem Apostel Fragen gestellt. Nachdem sie erfahren hatten, dass die Hurerei von Gott verurteilt wurde, ist es verständlich, dass die bekehrten Heiden sich fragen konnten, ob nicht auch die Ehe etwas Unreines sei. (Sekten, die Irrtümer lehrten, haben es behauptet, siehe 1.Tim. 4,3). Der Apostel antwortet, indem er an der göttlichen Ordnung, die bei der Schöpfung für den Menschen eingesetzt wurde, festhält, und zwar in ihrer ganzen, ursprünglichen Unversehrtheit: eine einzige Frau für einen einzigen Mann, und umgekehrt. Das Christentum verurteilt daher die Polygamie absolut. Gott hatte sich in Bezug auf sein irdisches Volk dazu herabgelassen, diese Sitte zu dulden und Anweisungen für den zu geben, der zwei Frauen haben würde (5.Mose 21,15). Mit der Einführung des Christentums aber gilt ausschliesslich die göttliche, bei der Schöpfung eingesetzte Ordnung, wie sie am Anfang war. Ein bekehrter Heide, der mit mehr als einer Frau verheiratet war, konnte in der Versammlung in keiner Weise ein Amt bekleiden (1.Tim. 3,2.12; Tit. 1,6). Auch wenn man bedenkt, was das Wort über die Häuser von Abraham, Jakob, Elkana, David, Salomo usw. berichtet, sieht man, dass die Vielzahl von Frauen immer eine Ursache von Kummer und Schwierigkeiten in den Familien der Gerechten gewesen ist.
Ledig bleiben - für den Herrn
Aber obwohl der Apostel in diesem Kapitel an der Einrichtung der Ehe in ihrer Unversehrtheit und als absolut rechtmässig festhält, stellt er etwas Neues vor, einen neuen Stand ausserhalb der Ehe, der aus dem Christentum hervorgeht. Dieses hat auf der Erde ein neues Leben, ein göttliches Leben in der Kraft des Geistes, eingeführt. Und diese Kraft kann einen Christen dazu befähigen, wie es bei Paulus und anderen der Fall war, nicht dem Zug der Natur nachzugeben, sondern ledig zu bleiben, um völlig dem Herrn geweiht zu sein, frei, um Ihm ungehindert zu dienen. Das ist dann das beste Teil. Wenn somit das Unverheiratetsein bei der Schöpfung grundsätzlich nicht vorgesehen war, ist es doch jetzt der vorzüglichste Stand; aber es muss «eine eigene Gnadengabe von Gott» sein (V. 7), und nicht ein Zwang) nicht etwas Eigenwilliges, um sich vor Gott Anerkennung erwerben zu wollen. Man darf daraus auch keine Lehre machen, eine Vorschrift) die man einer gewissen Klasse von Menschen auferlegt) wie es im Christentum getan wird. In 1.Timotheus 4,3 wird das Verbot zu heiraten als Vorschrift gezeigt, die von betrügerischen Geistern und Lehren von Dämonen herstammt. Die Geschichte hat bewiesen, dass) ohne eine persönliche Gabe vom Herrn, diese Enthaltsamkeit von dem, was Gott naturgemäss angeordnet hat, meistens zu wirklichen Sünden führt.
Darum, obwohl der Apostel wünscht, dass alle wären wie er, und obwohl er den Unverheirateten und den Witwen sagt, es sei gut für sie, zu bleiben wie er, verlangt er von denen, die sich nicht enthalten können, dass sie heiraten, und das, weil sie in Gefahr stehen, in Sünde zu fallen. «Es ist besser», sagt er, «zu heiraten, als Brunst zu leiden.» Vom Verlangen nach ehelicher Gemeinschaft verzehrt zu werden, ist für die Seele schädlicher als verheiratet zu sein. In dieser Hinsicht ist verheiratet sein ein Schutz gegen die Sünde.
Verpflichtungen in der Ehe
Verse 10-17. Einmal verheiratet, besteht ein ganz bestimmtes Band zwischen den Eheleuten: «Sie sind nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch» (Mark. 10,8), so dass jeder der beiden Ehegatten nicht mehr nach Belieben über seine eigene Person verfügen kann. Es ist wichtig, daran zu denken, wenn man heiratet, denn man könnte nachher auf die Probe gestellt werden und in Gefahr stehen, entweder dem Wort Gottes ungehorsam zu sein oder zu unerlaubten Mitteln zu greifen, um der Last einer Familie aus dem Weg zu gehen. Die Belehrung des Apostels ist sehr bestimmt. Wenn das Band einmal besteht, kann und soll man sich einander nicht entziehen (V. 5). Die Verse 3-5 zeigen somit den gläubigen Ehegatten die Verpflichtung, die ihnen diese Verbindung auferlegt.
Anderseits finden wir an anderen Stellen des Wortes Gottes Ermahnungen, die an die Frauen und an die Ehemänner gerichtet sind: Epheser 5, Kolosser 3 und 1.Petrus 3. In diesem zuletzt erwähnten Kapitel sagt der Apostel Petrus: «Ihr Männer gleicherweise, wohnet bei ihnen (d.h. bei euren Frauen) nach Erkenntnis, als bei einem schwächeren Gefäss, dem weiblichen, ihnen Ehre gebend, als die auch Miterben der Gnade des Lebens sind, auf dass eure Gebete nicht verhindert werden» (1.Petr. 3,7). Diese Stelle bezieht sich zweifellos auf alle Einzelheiten des Lebens der Ehegatten untereinander, aber es geht um das Eheleben und gilt den Ehegatten, wie der Grundsatz der Verpflichtung, von dem unser Kapitel 7 in den Versen 3-5 spricht. Jemand hat gesagt: «Die Männer müssen gleicherweise bei ihren Frauen wohnen, indem sie sie ehren - ihre Zuneigung und ihre Beziehungen werden durch die christliche Erkenntnis geregelt, und nicht durch irgendwelche menschliche Leidenschaft -, indem sie den Weg miteinander gehen, da sie zusammen Erben der Gnade des Lebens sind.»
Sich trennen?
Zurückkommend auf die Verse 10 und 11 gebietet der Apostel den Verheirateten, dass die Frau nicht vom Mann geschieden werde und dass der Mann seine Frau nicht verlasse. Das ist ein ausdrückliches Gebot. Der Klammersatz in Vers 1 sagt bezüglich der Frau: «Wenn sie aber auch geschieden ist, so bleibe sie unverheiratet, oder versöhne sich mit dem Mann.» Das gibt ihr jedoch in keiner Weise die Freiheit, sich vom Mann scheiden zu lassen; sie hat kein Recht dazu. Aber wenn zum Beispiel eine gläubige Frau einen ungläubigen Mann hat und dieser sie verlässt, dann soll sie in den Umständen bleiben, in denen sie ist, oder sich gegebenenfalls mit ihm versöhnen.
Die Verse 12-16 befassen sich mit dem Fall, da einer der beiden Ehegatten vom Evangelium ergriffen wurde, und der andere nicht. Sollte der Gläubige beim Ungläubigen wohnen bleiben? Die Antwort des Apostels zeigt, dass es im Christentum nicht mehr gleich ist wie im Judentum. Ein Jude, der eine Heidin heiratete, verunreinigte sich, und ihre Kinder waren unheilig oder unrein. Für ihn bestand die Treue darin, seine Frau und die Kinder wegzuschicken (Esra 10).
Im Christentum, in der Zeitperiode der Gnade, ist das Gegenteil der Fall: Wenn einer der beiden Ehegatten das neue Leben noch nicht kennt, ist er geheiligt durch den andern, der dieses Leben besitzt, und die Kinder sind geheiligt anstatt unrein. Sie haben deshalb Teil an den geistlichen Vorrechten des gläubigen Vaters oder der gläubigen Mutter. Wenn der Ungläubige die Trennung verlangte, war der Gläubige, ob Bruder oder Schwester, nicht mehr gebunden; aber Gott hat uns berufen, in Frieden zu wandeln. Im weitern gibt es in der göttlichen Wahrheit und in dem Heil, das sie verkündet, etwas Anspornendes; der gläubige Mann oder die gläubige Frau können in der Hand Gottes das Werkzeug zur Bekehrung des ungläubigen Partners sein. Man muss beachten, dass dieser Abschnitt sich nur auf eine Eheverbindung bezieht, die schon besteht, wenn das Evangelium darin Eingang findet, und dass er in keiner Weise einer Heirat zustimmt, die ein Christ mit einem Weltmenschen eingehen möchte.
Der 17. Vers stellt fest, dass jeder wandeln soll, wie der Herr ihm den Weg bestimmt, wie Gott ihn berufen hat. Mit seiner Autorität betraut, gebietet der Apostel dies in allen Versammlungen.
Halten wir zudem fest, dass die Klammer in Vers 11 keinerlei Bezug auf eine in der Welt übliche Scheidung hat. Dieses Kapitel enthält keine Spur der Frage über die Scheidung.
Offenbarung und Inspiration
Ein weiterer interessanter Punkt in diesem Kapitel ist der Unterschied, den der Apostel macht, zwischen dem, was er als direkt vom Herrn empfangene Offenbarung gebietet, und dem, was er als Ergebnis einer persönlichen Erfahrung, die einem Wandel unter der Leitung des Heiligen Geistes entspringt, sagt, das aber kein direktes Gebot des Herrn ist. In Vers 1 sagt er: «Nicht ich, sondern der Herr»; in Vers 12: «Ich, nicht der Herr»; in Vers 25: «Ich habe kein Gebot des Herrn, ich gebe aber eine Meinung, als vom Herrn begnadigt worden, treu zu sein»; in Vers 40: «Glückseliger ist sie aber (die Witwe), wenn sie also bleibt, nach meiner Meinung; ich denke aber, dass auch ich Gottes Geist habe.» Dieser Unterschied, den der Apostel macht, erhöht den Wert der Offenbarung und zeigt zudem, was Inspiration ist. Sie ist mehr als die Frucht einer besonderen Frömmigkeit und mehr als das Ergebnis der höchsten Erfahrung eines Menschen, der sich im praktischen Wandel vom Heiligen Geist leiten lässt. Inspiration ist der göttliche Weg, auf dem Er uns sein Wort übermittelt hat. Alle Schrift ist von Gott inspiriert, aber nicht alles in der Bibel ist eine Offenbarung von Gott. Deshalb darf man nicht denken, die Worte des Apostels «Ich, nicht der Herr», hätten für uns nicht ihre ganze Bedeutung. Er war inspiriert, zu schreiben: «Ich, nicht der Herr.» Diese Stellen gehören zur göttlich inspirierten Schrift, «nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit» (2. um. 3,16).
Wir wollen zu diesem Thema noch jemand anders zu Wort kommen lassen:
«Im 12. Vers lesen wir: ,Den übrigen aber sage ich, nicht der Herr'; das ist sehr wertvoll, denn in unseren Tagen reden die Ungläubigen von der Inspiration als wäre sie nur ein höherer Ausdruck des inneren Lebens. Der Apostel macht hier einen lehrreichen Unterschied. Er sagt: ,Ich gebe aber eine Meinung, als vom Herrn begnadigt worden, treu zu sein.' ,Den übrigen aber sage ich, nicht der Herr' d.h. als Mensch teile ich euch das Ergebnis meiner Erfahrung mit. So antwortet die Schrift auf alles und weist das ganze System der Menschen, welche die Inspiration leugnen, ab, indem sie sorgfältig unterscheidet zwischen den besten Gedanken des Paulus und den Geboten des Herrn. Über das Thema dieser Verse hatte Paulus kein Gebot des Herrn, und er ist inspiriert, uns das zu sagen. Und das ist an sich sehr kostbar. Wir haben sein geistliches Urteil, und er selbst sagt uns, dass dies kein Gebot des Herrn sei. Er ist inspiriert, diesen Unterschied festzuhalten. Nicht alle in der Schrift niedergeschriebenen Worte sind Worte von Gott, denn es gibt darin Worte des Teufels und Worte böser Menschen; aber die heiligen Schreiber sind inspiriert, um sie uns zu übermitteln.»
Bleibe in dem, worin du berufen wurdest
Verse 18-24. Jeder sollte so wandeln, wie ihm der Herr es zugeteilt hat, jeder wie Gott ihn berufen hat. Wer als Beschnittener berufen wurde, sollte die jüdischen Vorrechte nicht verachten, weil er jetzt Christ war. Die Unbeschnittenen sollten es nicht wie die Kolosser und die Galater machen, die sich unter die Verordnungen des Gesetzes stellten. Beschnitten oder unbeschnitten zu sein, ist nichts; das Wichtige sind die Gebote. Die Wahrheit muss für die Seele massgebend sein.
Jeder muss in der Berufung bleiben, worin er berufen wurde. Das ist ein allgemeiner Grundsatz, obwohl er hier hauptsächlich für die Sklaven gilt. Aber er bezieht sich auch auf die Beschäftigung, auf den Beruf, den man ausübte, als man berufen, d.h. gläubig, wurde. Es gibt Berufe, die mit dem Christentum nicht vereinbar sind; es ist klar, dass man sie nicht weiter ausüben kann und dass ein Christ keinen solchen Beruf ergreifen kann. Man darf nicht Sklave der Menschen werden, wenn man vom Herrn um einen Preis erkauft worden ist. Deshalb war es gut für einen Sklaven, der frei werden konnte, diese Gelegenheit auch zu nutzen. Wenn ihm dies nicht möglich war, so konnte er sich mit dem Gedanken trösten, dass er vom Herrn freigemacht worden war. Im allgemeinen aber ist der richtige Weg, ganz einfach in den Umständen zu bleiben, in denen man sich befand, als man berufen wurde - also vor der Bekehrung -, und mit Gott darin zu bleiben.
Kein Gebot für die Unverheirateten
Verse 25-40. Was die Unverheirateten beiderlei Geschlechts betrifft, hatte der Apostel kein Gebot. Hätte er ein Gebot gehabt, wäre jeder verpflichtet, sich daran zu halten. Würde das Gebot lauten, man müsse heiraten, wäre der Ledige ungehorsam. Würde das Gebot bestimmen, man dürfe nicht heiraten, wäre die Eheschliessung ein Ungehorsam. Daher lässt das Wort in seiner Weisheit jedem einzelnen die Freiheit und die Verantwortung, worin er es persönlich mit Gott zu tun hat. Der Apostel hatte Gnade vom Herrn empfangen, als Lediger treu zu sein. Er weiss aus Erfahrung, dass dies am besten ist, wenn man dem Herrn geweiht ist; aber er drängt niemand dazu. Wer heiratet, sündigt nicht, aber er wird Trübsal im Fleische haben. Deshalb sagt er: «Ich aber schone euer.»
Die Verheirateten stehen unter der Verpflichtung, einander zu gefallen; die Ledigen, sofern sie sich dem Herrn geweiht haben, sind von Herzen frei, ganz Ihm zu gefallen. Schliesslich haben alle diese Ratschläge des Apostels nicht das Ziel, die Heiligen in irgendwelche Bande zu verstricken, sondern er erteilt sie zu ihrem Nutzen, im Blick auf das, was wohlanständig ist, und damit sie ungeteilten Herzens dem Herrn dienen könnten. Wenn das Ledig-Sein die Seele unruhig macht, weil sie sich mit diesen Gedanken beschäftigt, ist es besser, zu heiraten. Denn mit der Ehe beschäftigt zu sein, wenn man sich nicht in diesem Stand befindet, ist nachteiliger für die Gottseligkeit als alles, was der Ehestand mit sich bringt.
«Im Herrn» heiraten
Zum Schluss wiederholt der Apostel, dass das Band der Ehe nur durch den Tod zerrissen werden kann, und dass die Witwe frei sei, sich zu verheiraten, vorausgesetzt, dass dies «im Herrn» geschieht. Zur Zeit, als der Apostel dies schrieb, umfasste die Verheiratung «im Herrn» nicht nur, dass beide Christen waren, sondern sie gehörten zwangsläufig beide zum Zeugnis der Versammlung. Heute sind die Gläubigen in religiösen Systemen zerstreut, die von Menschen gebildet wurden. Aber wenn das Herz dem Zeugnis der Wahrheit anhängt, so dass es ihm alles im Leben bedeutet, wird man diese Stellung nicht aufgeben, um sich mit einer, wenn auch gläubigen Person zu verbinden, die sich in einem solchen System befindet.
Im letzten Vers sagt der Apostel von der Witwe, dass sie, seiner Meinung nach, glückseliger sei, so zu bleiben, wie sie ist. Und er hat den Geist Gottes, um seinen Rat zu geben.
Erkenntnis und Liebe
Verse 1-3. Der Apostel beantwortet jetzt der Reihe nach Fragen, die ihm gestellt worden waren. Hier geht es um Götzenopfer. Vorab redet Paulus davon, Erkenntnis zu haben. Die Korinther rühmten sich ihrer Erkenntnis, und es scheint, als rede er ein wenig ironisch mit ihnen darüber.
Die Erkenntnis bläht auf, wenn man sich mit ihr als einer Erkenntnis beschäftigt, die man hat, die man in sich selbst besitzt. Das ist nicht die Erkenntnis von dem, was in Gott ist. Die wahre Erkenntnis macht Gott der Seele kostbar und hält sie in Demut. Dann liebt man Gott und hat das Bewusstsein, von Ihm erkannt zu sein. Wenn jemand meint etwas zu wissen, dann ist er noch unwissend über die wahre Erkenntnis. In diesem ganzen Kapitel werden die Erkenntnis und die Liebe einander gegenübergestellt: die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Brüdern.
Götzenbilder und der einzig wahre Gott
Vers 4. Hier stellt der Apostel klar fest, dass ein Götzenbild nichts ist in der Welt. Es ist ein Stück Holz oder aus sonst einem Material. Die Propheten des Alten Testaments hatten schon in gleicher Weise davon gesprochen, und sogar ironisch, wie Elia auf dem Berg Karmel über den Baal (1.Kön. 18); und wie Jesaja betreffs der geschnitzten Bilder (Jes. 44). Im 10. Kapitel unseres Briefes geht Paulus weiter und zeigt, dass hinter den Götzen die Tätigkeit der Dämonen steht.
Es gibt zwei klare Anweisungen über die Götzen. Man muss einsehen, dass ein Götze an sich nichts ist, und doch gilt es anzuerkennen, dass er für das Gewissen der Menschen etwas bedeutet.
Verse 5,6. Die Heiden anerkannten viele Götter und viele Herren, eine ganze Scheinwelt. Die Christen aber waren zum allein wahren und lebendigen Gott geführt worden (1.Thess. 1), zum einzig wahren Gott, der uns Jesus Christus gesandt hat (Joh. 17). Es gibt nur einen Gott, den Vater, von welchem alle Dinge sind, und wir für Ihn. Er hat uns jetzt durch Christus erworben. Wir anerkennen auch nur einen Herrn, und das ist Jesus Christus, Den, durch welchen alle Dinge sind. Er ist der Schöpfer der Welten, und wir sind durch Ihn. Er ist sowohl unser Schöpfer als auch unser Erlöser. Wir lassen hier noch einige Worte von einem Bruder folgen, der jetzt beim Herrn ist:
Ein Gott - ein Herr
Im 6. Vers sieht man klar die unterschiedliche Bedeutung der Wörter «Gott» und «Herr». Es handelt sich nicht um die göttliche Natur an sich, sondern um den Platz, den die göttlichen Personen in der sogenannten Haushaltung der Gnade einnehmen. Der Vater bleibt einfach in der Gottheit, aber der Sohn ist ein Mensch geworden, und in seiner Menschheit hat Er den Platz als Herr eingenommen. Wenn ich also spezifisch von Gott rede, rede ich vom Vater. Aber in Bezug auf Christus wird gesagt: «Du sollst seinen Namen Jesus heissen», d.h. Jehova ist Rettung. Und der Platz, den Er jetzt als Mensch eingenommen hat, ist der des Herrn: «Gott hat ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.» Das heisst nicht, dass Er aufgehört hat, Jehova zu sein, aber Er hat den Platz als Herr eingenommen, während der Vater einfach in der abstrakten Gottheit bleibt.
Ich mache diese Bemerkung, weil wir in Christus als dem Herrn die Verwaltung der Gnade haben. Beim Vater bin ich ein Kind, aber im Blick auf die Verwaltung der Gnade (der Dienst in der Gnadenzeit) gehe ich zum Herrn. So sagt Stephanus: «Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!», und Ananias: «Herr ich habe von vielen von diesem Mann gehört.» - «Für uns gibt es einen Gott, den Vater, ... und einen Herrn, Jesus Christus.» Das besagt nichts über die Natur dieses Herrn. Wir wissen, dass Er Gott und Mensch zugleich ist, aber hier haben wir den hervorragenden Platz, den Er eingenommen hat, nach seinen Worten: «Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden.»
Unser Verhalten gegenüber Gewissensfragen anderer
Verse 7-13. In diesen Versen wird die Frage der Götzenopfer als eine Frage des Gewissens unter Brüdern vorgestellt, und nicht im Blick auf das, was der Götzendienst in den Augen Gottes ist.
«Das Gewissen beflecken» (V. 7) bedeutet, dass, wenn jemand in seinem Gewissen eine Sache als böse beurteilt, er seinem Gewissen folgen und davon Abstand nehmen muss, da er sich sonst verunreinigt. Aber beachten wir: Mit der Erkenntnis des Bösen kommt man nicht weiter. Wenn ich glaube, nur Gemüse essen zu dürfen (Röm. 14), muss ich mich daran halten, sonst wird mein Gewissen befleckt. Ich muss von der Ungerechtigkeit abstehen, aber auf etwas Negativem kann ich nicht aufbauen.
Es ist nötig, die Liebe zu einem Bruder - für den Christus aus Liebe gestorben ist - über die Erkenntnis und die Freiheit zu stellen, die man haben kann, indem man den Götzen keinerlei Bedeutung beimisst. Andernfalls wird man zu einem Fallstrick für die Schwachen, und auf diese Weise sündigt man gegen sie und gegen Christus, der für sie gestorben ist. Es ist somit besser, kein Fleisch zu essen, anstatt dem Bruder ein Ärgernis zu geben. Eine Speise macht uns bei Gott nicht angenehm. Das Wesentliche ist, das Wohl der Brüder am Herzen zu haben.
Für uns heute hat die Frage der Götzenopfer keine buchstäbliche Anwendung mehr, aber die Grundsätze, auf die sich die Belehrung dieses Kapitels stützt, sind auf eine Vielzahl von Einzelheiten im praktischen Wandel des Christen anwendbar. In Matthäus 18,6 zeigt der Herr, wie schlimm es ist, einem Kleinen, das an Ihn glaubt, zum Fallstrick zu sein. In jenem Vers, wie übrigens auch an anderen Stellen in diesem Evangelium, sind die Kleinen, die Einfachen und Geringen, nicht nur kleine Kinder, sondern auch Erwachsene in ihrem einfachen Glauben.
Der Schwache kommt um - durch mich!
Noch eine Bemerkung zu Vers 11: «Und durch deine Erkenntnis kommt der Schwache um, der Bruder, um dessentwillen Christus gestorben ist.» Zum «Umkommen» führt es - soviel an dir liegt wenn du durch die Speise, die du zu dir nimmst, deinen Bruder zum Sündigen gegen sein Gewissen verleitest. Das bedeutet nicht, dass der Herr nicht einschreiten und ihn retten wird, aber es geht um das, was du tust.
Es ist sehr wichtig, keinen Text der Schrift zu verdrehen, um eine Lehre aufzustellen. Gott ist weiser als wir, und Er macht keine Fehler. Etliche Leute haben Angst vor manchen Schriftstellen, die sich auf gewisse Lehren beziehen; das beweist aber nur, dass sie nicht in der Lehre gegründet sind. In Römer 14,15 lesen wir: «Verdirb nicht mit deiner Speise den, für welchen Christus gestorben ist.» Meinen Bruder verderben wegen einer Speise! In dem Augenblick, wo ich sehe, dass der Tod das Ende dieser Dinge ist und ich meinen Bruder zu so etwas verleite, ist es klar - was mich betrifft -, dass ich meinen Bruder verderbe. Gott wird sich jedoch trotz meines Verhaltens seiner annehmen.
Die «wenn» in unserem Leben
Natürlich ist es wahr, dass, wenn ich einen Gläubigen als «in Christus» betrachte, es kein «wenn» gibt; das kann es in Bezug auf seine Sicherheit nicht geben. «Gott hat ihn begnadigt in dem Geliebten», und da gibt es kein «wenn». Er ist versetzt «in die himmlischen Örter in Christus Jesus», und alles ist in Ordnung. Aber es ist nicht nur das, was Gott für ihn gewollt hat. Nachdem Er ihn erlöst hat, lässt Er ihn durch die Wüste gehen, und da haben wir die «wenn», wie wir im Hebräerbrief lesen: «wenn wir anders ... festhalten», und im Kolosserbrief: «wenn ihr anders in dem Glauben gegründet und fest bleibet» usw.
Was wir aber gleichzeitig auf dem ganzen Weg damit verbunden sehen, das ist die absolute Abhängigkeit von Gott und seine unwandelbare Treue. Nehmen wir an, ich würde mich mit meinem Kind am Rand eines tiefen Abgrunds befinden und es wäre geneigt, wie wild umherzurennen. Dann würde ich zu ihm sagen: «Wenn du da hinunterfällst, wirst du zerschmettert werden,» aber es fiele mir nicht im Traum ein, ihm auch nur einen Augenblick freien Lauf zu geben und es hinunterfallen zu lassen. So werden wir «durch Gottes Macht durch Glauben bewahrt werden zur Errettung». Das zeigt, dass wir nötig haben, bewahrt zu werden, aber unsererseits ist es die Abhängigkeit von der Macht, die uns bewahrt. Man darf das nicht mit unserer Annahme bei Gott verwechseln. Es geht hier um eine fortwährende Abhängigkeit von Gott, die meine Seele in einem guten Zustand vor Ihm bewahrt.
Gottes Warnungen und seine Treue
Die Warnungen, die sich im Wort Gottes finden, lassen mich an die vollkommene Liebe Gottes und an seine Treue denken, die mich bewahren. Das hält mich in der mir gebührenden Stellung der Abhängigkeit. Probleme entstehen nur, wenn man das mit unserer Annahme verwechselt. Wenn ich mich in B. befinde, könnte ich doch nicht zu jemand sagen: «Wenn ich nach B. ginge ...» Entsprechend ist meine Stellung der Annahme vor Gott absolut.
Der Ausdruck «welcher euch auch befestigen wird bis ans Ende» (1.Kor. 1,8), beweist, dass wir nötig haben, befestigt zu werden. Gott stellt mich dahin, wo das Manna nicht einen einzigen Morgen fehlt. So leben wir von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes ausgeht, was uns fortwährend das gesegnete Gefühl der Abhängigkeit zum Bewusstsein bringt.
Die Erlösung führt uns in die Wüste ein, und was findet man dort? Dass Gott die ganze Zeit dafür gesorgt hat, dass mein Kleid an mir nicht zerfällt und mein Fuss nicht geschwollen wird, während Er mich führt, um mich zu demütigen, um mich zu versuchen, damit ich erkenne, was in meinem Herzen ist; und weiter «um mir kundzutun, dass der Mensch nicht von Brot allein lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was aus dem Mund Jehovas hervorgeht» (siehe 5.Mose 8,3.15.16).
Ich bin nicht nur sicher in Christus - begnadigt in Ihm -, sondern ich werde auch durch die Macht Gottes bewahrt, in Abhängigkeit von Ihm, und da finden wir die «wenn» so oft wiederholt, aber nie in Bezug auf Gott und seine Treue. Die «wenn» finde ich in Bezug auf mich, und sie sind dazu bestimmt, mich in der Abhängigkeit zu erhalten. Für die Seite des Herrn gilt: «Ich kenne die Meinen und bin gekannt von den Meinen ... Ich kenne meine Schafe, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren ewiglich, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben.» Gewiss, die Hand muss da sein, um mich zu bewahren. Die vollkommene Treue Gottes hält uns fest, aber wir sind abhängig von dieser Treue.
Paulus verteidigt sein Apostelamt
Verse 1-3. Im vorangehenden Kapitel stellt der Apostel die Freiheit der Christen fest; hier beansprucht er die Freiheit des Dienstes. Es war für das Herz des Paulus schmerzlich zu sehen, dass die Korinther, seine Kinder im Glauben, unter dem Einfluss falscher Lehrer sein Apostelamt in Frage stellten.
«Bin ich nicht frei?», sagt er. Gewiss, er war es. Aber, wie wir am Ende von Kapitel 8 sahen, war es ihm ein Anliegen, um der Liebe zu den Schwachen willen, auf diese Freiheit zu verzichten und so denen ein Beispiel zu geben, die diese Freiheit missbrauchten und die Gewissen der Schwachen verletzten.
«Bin ich nicht ein Apostel?» Um sein Apostelamt in Frage zu stellen, konnten seine Gegner geltend machen, dass er nicht zu den Zwölfen gehöre, dass er nicht mit dem Herrn auf dieser Erde gewandelt und nicht Zeuge seiner Taten gewesen sei, noch die Wahrheit aus seinem Mund gehört habe.
Darauf antwortet Paulus: «Habe ich nicht Jesus, unseren Herrn, gesehen?» Das war sozusagen eine Bedingung, um Apostel zu sein, dass man den Herrn gesehen hatte, mit Ihm gewesen war (Apg. 1,21.22). Nun hatte Paulus tatsächlich nicht mit Jesus auf der Erde gewandelt. Er hatte Ihn jedoch gesehen, aber auf eine ganz andere Weise. Er hatte Ihn verherrlicht gesehen, und zwar mehr als einmal (Apg. 9,3ff.; 22,17.18). Zudem hatte ihn der Herr Jesus selbst gesandt (Apg. 26,17.18). Und Gott hatte sein Siegel auf sein Apostelamt gesetzt Die Korinther, die durch ihn zum Glauben gekommen waren, waren selbst der Beweis davon. «Seid nicht ihr», sagt er, «mein Werk im Herrn?» Die Worte «im Herrn» zeigen, dass das Werk des Paulus unter den Korinthern gemäss dem Willen des Herrn erfüllt wurde, in seiner Gemeinschaft, und nicht aus eigener Kraft oder zum Selbstzweck des Apostels.
Andere mochten durch den Dienst anderer Apostel zu Christus gekommen sein. Was aber die Korinther betrat, war er, Paulus, zu ihnen gesandt worden. Und seine Arbeit unter ihnen war nicht vergeblich gewesen, war er doch auch durch den Herrn selbst dazu ermuntert worden (Apg. 18,9-11). Sie waren sein Werk, das Siegel seines Apostelamtes im Herrn, der Beweis, dass der Herr durch ihn gewirkt hatte, und das war seine Verantwortung gegenüber denen, die ihn zur Untersuchung zogen.
Der Ausdruck «zur Untersuchung ziehen» will sagen: wie bei einer Gerichtsverhandlung anklagen und einem Examen unterziehen. Das griechische Wort bedeutet «verhört werden». Seine Rechtfertigung gegenüber seinen Anklägern ist, dass er den Herrn gesehen habe und dass die Korinther sein Werk seien.
Die Rechte eines Dieners des Herrn
In den Versen 4-12 legt der Apostel alle seine Rechte dar, die zum Dienst im Allgemeinen gehören. Er hatte ein Recht, zu essen und zu trinken, d.h. von den Gaben zu leben, die er von den Versammlungen bekam (V. 7). Wäre er verheiratet gewesen, hätte er ein Recht gehabt, seine Frau mit sich zu nehmen, wie es die andern Apostel taten, so zum Beispiel Petrus und die Brüder des Herrn. Er, Paulus, hatte auf den Ehestand verzichtet, wie er es in Kapitel 7 sagt, aber sein Recht bestand deshalb nicht weniger.
Er hatte das Recht, nicht mehr mit seinen Händen zu arbeiten, um seinen Unterhalt zu bestreiten, aber er tat es, um den Versammlungen nicht zur Last zu fallen (Apg. 20,34; 18,3; 2.Thess. 3,8.9). Und Barnabas, sein einstiger Mitarbeiter und, wie diese Worte zeigen, immer noch im Dienst des Herrn, verhielt sich gleich wie Paulus. Der Apostel hatte übrigens trotz ihrer damaligen Differenzen (Apg. 15,39) nicht aufgehört, ihn zu lieben.
Um seinen Gedanken in Bezug auf das im 6. Vers Gesagte festzustellen und zu begründen, nimmt Paulus Beispiele aus den allgemeinen Sitten und Lebensgewohnheiten der Menschen. Ein Soldat zieht nicht auf eigene Rechnung in den Krieg. Wer einen Weinberg pflanzt, isst von dessen Frucht. Wer eine Herde weidet, trinkt von der Milch der Herde.
Aber der Apostel gibt sich nicht mit diesen natürlichen Beweisen zufrieden. Er beruft sich auf eine höhere Autorität, auf die des Gesetzes, und er zeigt dabei die geistliche Bedeutung der Stelle in 5.Mose 25,4: «Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden.» Er fragt: «Ist Gott etwa für die Ochsen besorgt?» Zweifellos sorgt Gott für die Ochsen wie für jede Kreatur (Ps. 104,27.28; Jona 4,11). Das ist auch aus anderen Stellen des Gesetzes ersichtlich (5.Mose 22,6.10; 3.Mose 22,27.28). Aber diese Stellen sind weniger für Tiere ohne Verstand geschrieben als für den Menschen, der dadurch lernen soll, menschlich zu sein; und wie wir sehen, haben sie noch eine grössere Bedeutung.
«Denn es ist um unsertwillen geschrieben.» Es gibt im Gesetz eine geistliche Bedeutung, welche die von Gott unterwiesene Seele zu entdecken weiss. Daher ist auch für uns geschrieben, dass der Pflügende in der Hoffnung auf die Ernte pflügen soll, und dass der Dreschende mit der Hoffnung dreschen soll, an der Ernte teilzuhaben.
Dann macht der Apostel die Anwendung des Grundsatzes, den er soeben aufgestellt hat, dass der Verkündiger des Evangeliums das Recht hat, von den materiellen Segnungen derer zu geniessen, denen er geistliche Segnungen gebracht hat (Gal. 6,6). Paulus hatte also dieses Recht, so gut wie andere, die davon Gebrauch machten. Doch er wollte es nicht gebrauchen, sondern alles ertragen, wenn nötig Hunger und Mangel, damit dem Evangelium des Christus kein Hindernis bereitet würde, d.h. um den Anklagen vorzubeugen, die seine Gegner gegen ihn hätten vorbringen können.
In den Versen 13 und 14 bringt der Apostel zwei neue Argumente zur Stützung der Behauptung in Bezug auf das Recht des Dienstes. An erster Stelle erinnert er die Korinther daran, dass die Priester 4 und Leviten, die unter dem Gesetz kein Teil wie die übrigen Stämme hatten - weil Jehova ihr Teil war - von dem lebten, was ihnen gegeben wurde, d.h. vom Zehnten (4.Mose 18).
Dann führt er an, was der Herr verordnet hat, nämlich dass die, welche das Evangelium verkündigen, vom Evangelium leben sollten. «Der Arbeiter ist seiner Nahrung wert», hatte der Herr Jesus gesagt, als Er die zwölf Jünger aussandte (Matth. 10,10); «seines Lohnes wert», hatte Er wiederholt, als Er die 70 anderen aussandte (Luk. 10,7).
Der Verzicht des Apostels auf seine Rechte
Dann besteht Paulus im 15. Vers von neuem auf der Tatsache, dass er auf sein Recht verzichtet habe, und dass er das in keiner Weise schreibe, damit man ihm diese Dinge jetzt gebe, wie wenn er sie wünschte, vielmehr dass er lieber sterben wollte, als dass jemand ihm diesen Grund des Ruhmes wegnehmen würde. Er sagt: «meinen Ruhm zunichte machen». Das war nicht sein Ruhm vor Gott, sondern vor den Menschen, der Ruhm, das Evangelium kostenlos zu verkündigen, indem er sich dafür allerlei Mühen auferlegte. Und dieser Ruhm fiel schliesslich auf Gott zurück.
Paulus, das Vorbild eines Evangelisten
Verse 16-18. Sein Ruhm ist nicht, das Evangelium zu verkündigen, sondern es kostenfrei zu machen. Was das Evangelisieren betraf, ist ihm diese Aufgabe vom Herrn auferlegt worden, es wurde ihm als eine Verwaltung anvertraut. Er ist Verwalter der Geheimnisse Gottes (Kap. 4,1). Er hat also nichts, um sich zu rühmen, wenn er das Evangelium verkündigt. Wehe ihm, wenn er es nicht täte, wenn er die Gnade missachtete, die Gott ihm gegeben hat, indem Er ihn dazu berief. Wenn er es freiwillig tut, hat er Lohn dafür, und dieser besteht darin, das Evangelium kostenfrei zu machen, indem er am Tag der Vergeltung eine andere Belohnung erwartet. Wenn er widerwillig das Evangelium verkündigte, würde er nur das verwalten, was ihm anvertraut worden war. In diesem allem sehen wir bei Paulus ein schönes Beispiel von Selbstverleugnung.
Anpassung der Verkündigung, um Seelen zu gewinnen
Verse 19-23. Anstatt seine Freiheit zu seinem eigenen Nutzen zu gebrauchen, machte sich Paulus allen zum Sklaven, um so viele wie möglich zu gewinnen. Welch schöner Gebrauch seiner Freiheit! Frei, sich selbst zu verleugnen! In seinem Dienst nahm er Rücksicht auf die religiösen Gedanken derer, mit denen er sich beschäftigte, damit die Wahrheit in ihre Herzen dränge. In seiner Predigt passte er sich dem religiösen Fassungsvermögen und der Denkart sowohl der einen wie der andern an, damit die Wahrheit in ihren Gedanken Eingang fände. In der Art, wie er unter ihnen lebte, handelte er ebenso.
«Ich bin den Juden geworden wie ein Jude, auf dass ich die Juden gewinne; denen, die unter Gesetz sind, wie unter Gesetz, (wiewohl ich selbst nicht unter Gesetz bin).» Die Juden und jene, die unter dem Gesetz sind, sind zwar die gleichen Menschen, aber der erste Ausdruck bezeichnet sie als Volk mit seinen Sitten und Gebräuchen; «unter dem Gesetz» erinnert an ihre Beziehung zu Gott durch das Gesetz. Paulus spricht deshalb zu ihnen und handelt in ihrer Mitte wie einer von ihrem Volk, als ob auch er unter dem Gesetz stehe, aber er fügt absichtlich hinzu, dass er nicht unter dem Gesetz sei - «er ist dem Gesetz gestorben» (Gal. 2,19).
Die Tatsache, dass er immer zuerst in die Synagogen ging, um Christus zu predigen, und die Art und Weise, wie er es tat - wovon seine Rede in Antiochien in Pisidien ein Beispiel ist -, zeigt uns, wie er den Juden ein Jude geworden ist, um die Juden zu gewinnen.
Paulus fährt weiter und sagt «Denen, die ohne Gesetz sind, wie ohne Gesetz.» Hier redet er von den Heiden als von solchen, die kein offenbartes und geschriebenes Gesetz Gottes besassen, bei denen man sich aber auf die Werke der Schöpfung berufen konnte, die von Gott zeugen und zum Gewissen reden. Das ist es, was Paulus in Lystra und Athen getan hatte (Apg. 14 und 17). Wenn man seine Rechtfertigung, die er bei seiner Gefangennahme in Jerusalem an die Juden richtet (Apg. 22), mit seiner Verantwortung vor König Agrippa, Festus und den römischen Obersten vergleicht (Apg. 26), sieht man, dass er im ersten Fall den Juden von den Dingen berichtet, die auf ihr Gewissen eine Wirkung haben konnten; während er sie im zweiten Fall auslässt, wenn er sich mehr an die Heiden wendet.
Beachten wir aber, dass Paulus, weil der Ausdruck «ohne Gesetz» auf ihn bezogen falsch verstanden werden könnte, sich beeilt, hinzuzufügen, dass er in Bezug auf Gott nicht ohne Gesetz ist, weil er ja Christus unterworfen ist: Christus ist sein Gesetz.
Paulus in den Spuren des vollkommenen Dieners
So hat sich der Apostel in seinem Dienst und nicht in seinem Wandel allen angepasst. Den Schwachen gegenüber verstand er es, eine Sprache zu reden, die ihrer Schwachheit entsprach. Er liess sich zu ihnen herab, ohne etwas von der Wahrheit preiszugeben, und vermied das, was sie hätte verletzen können (Röm. 14; siehe auch 1.Kor. 3; Hebr. 5; Phil. 3,15.16). Und dieser Verzicht, diese Herablassung, diese Selbstverleugnung hatte zum Ziel, die Schwachen zu gewinnen, um sie zu befestigen, sie zu stärken und in ihnen den Glauben an Christus anzufachen. Mit einem Wort: Er war allen alles geworden, indem er sich völlig aufopferte, auf alle seine Rechte verzichtete, um etliche zu erretten.
Welch brennende Liebe zu den Seelen, und wie wandelte Paulus doch in den Fussstapfen Dessen, der alles aufgegeben hatte und vom Himmel herabgekommen war, um zu dienen! Und das alles tat er um des Evangeliums willen, um selbst daran teilzuhaben, um die Ergebnisse der Aufnahme des Evangeliums durch die, denen er es mit solcher Hingabe gebracht hatte, zu geniessen.
Der Christ als Wettkämpfer
Verse 24-27. In den vorangehenden Versen hat der Apostel gezeigt, wie er aus Liebe zu den Schwachen und um Seelen für Christus zu gewinnen, auf seine Rechte verzichtete und sich selbst verleugnete. In den letzten Versen dieses Kapitels sehen wir, wie er sich gegenüber sich selbst verhielt - denn er war die einzige Person, der er nicht dienen wollte (Vers 27).
Um seine Gedanken gut verständlich zu machen, benützt Paulus zwei Bilder aus den damaligen öffentlichen sportlichen Spielen. Er tut dies mehr als einmal in seinen Briefen. Es gab Wettläufe in den Rennbahnen und verschiedene Arten von Kämpfen in den Arenen. Alle liefen in der Rennbahn, aber nur einer errang den Sieg. Wir Christen haben alle ein Ziel, dem wir nachjagen: Es ist «der Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus» (Phil. 3), und wir müssen laufen, wie wenn jeder von uns der einzige wäre, der den Preis zu gewinnen hätte. Das will der Apostel mit seiner Ermahnung verständlich machen. Der Preis ist gross genug, damit jeder, der das Ziel erreicht, daran teilhat. «Lautet also, auf dass ihr ihn erlanget», sagt er. Der, welcher läuft, hat ein Ziel vor sich. Er läuft direkt darauf zu. Er schaut nicht rechts noch links, noch hinter sich. Er hat alles weggeworfen, was ihn belasten oder hindern könnte. In dieser Weise läuft er, um den Preis zu gewinnen.
Es ist eine Tatsache, dass alle Christen das Ziel - Christus in der Herrlichkeit - erreichen werden, aber Paulus wird es erreichen wie ein Wettläufer in der Arena, dem ein Siegespreis zuerkannt wird. Er, Paulus, begnügte sich nicht damit, dass die dahinschwindende Zeit ihn mit sich zur Herrlichkeit mitreisse, sondern er lief diesem Ziel mit geistlicher Energie entgegen. «Eines aber tue ich», sagt er, «vergessend was dahinten, und mich ausstreckend nach dem, was vorn ist, jage ich, das Ziel anschauend, hin.»
Selbstdisziplin des Wettkämpfers
Der, welcher in der Rennbahn lief, hielt sich an eine strenge Diät. Er enthielt sich von allem, was seinen Körper hätte schwächen oder belasten, was ihn weniger leichtfüssig für den Lauf, weniger kräftig für den Kampf hätte machen können. Für uns muss es in sittlicher Hinsicht auch so sein. «Lasst auch uns, indem wir jede Bürde und die leicht umstrickende Sünde ablegen, mit Ausharren laufen» (Hebr. 12,1). Und wie gross ist der vor uns liegende Preis!
Jene Läufer oder Kämpfer setzten ihre ganze Lebenskraft ein, scheuten keine Mühe, um eine vergängliche Krone zu erlangen, einen Ruhm von kurzer Dauer. Wir aber laufen und kämpfen für eine unvergängliche Krone, für eine ewige Herrlichkeit. Mit welchem Eifer sollten wir uns befleissigen, sie zu erreichen!
Das ist, was Paulus tat. Er lief und wusste sehr wohl, nach welchem Ziel. Er kannte auch die Feinde, auf die seine Schläge gerichtet sein mussten, damit er nicht ins Leere schlage. Um ungehindert seinem herrlichen Ziel nachzujagen, zerschlug er seinen Leib und unterwarf ihn. Das Fleisch war sein Feind, gegen den er seine Schläge richtete. Und er tat es, als hätte jede Gefahr für ihn bestanden, selbst verwerflich zu werden. Er wollte sich aus der Sicherheit seines Heils kein Ruhekissen für das Fleisch machen, sondern er handelte, als stünde er in Gefahr, alles zu verlieren. Beachten wir jedoch, dass er nicht sagt: «... auf dass ich nicht, nachdem ich geglaubt»; sondern: «... auf dass ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt, selbst verwerflich werde.» Leider ist das bei vielen Predigern der Fall.
Andern predigen, aber selbst verwerflich werden
Noch einige Bemerkungen zu den Versen 26 und 27. Wir haben hier zwei jener Verse, vor denen man sich oft scheut, sie näher zu betrachten. Das Wort «verwerflich» beunruhigt manche Seelen, so dass etliche versucht haben zu beweisen, dass «verwerflich» nicht verworfen sagen will. Die Schwierigkeit löst sich, wenn wir sehen, dass der Apostel hier einen bestimmten Fall annimmt: Einer, der andern predigt und doch selber verloren geht. Paulus hatte völlige Sicherheit, was ihn selbst betraf; aber er sagt, dass, wenn er sich darauf beschränkt hätte, zu predigen, er eine falsche Sicherheit gehabt hätte. Doch er begnügte sich nicht damit, die Luft zu schlagen. Seine Sicherheit war wohlgegründet.
Zu laufen, um «zu erlangen», ist der allgemeine Gedanke, der sich auf die unvergängliche Krone der Herrlichkeit bezieht. Paulus dachte an das Heil: «auf dass ich auf alle Weise etliche errette.» Er denkt nicht nur an die Belohnung für den Dienst, sondern umschliesst hier alles in ganz allgemeiner Weise. Die Schrift ist deutlich: «Ein jeder aber wird seinen eigenen Lohn empfangen nach seiner eigenen Arbeit.» «Es ist niemand, der Haus oder Eltern oder Brüder oder Frau oder Kinder verlassen hat um des Reiches Gottes willen, der nicht Vielfältiges empfangen wird in dieser Zeit und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben.»
Es gibt das, was den Glauben des Christen kennzeichnet und wofür das ewige Leben die Belohnung sein wird. Es ist nötig, bei allem Predigen seinen Leib geknechtet zu halten. Ich bin nicht nur ein Prediger, sondern einer, der so lebt, «dass ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt habe, selbst verwerflich werde». Man muss gesetzmässig laufen, wie ein Christ, und nicht nur predigen. Man könnte äusserlich das bestmögliche Bekenntnis haben und doch in der Wüste fallen. Die Wirklichkeit ist notwendig.
Jene, welche die Kraft des Wortes «verwerflich» abschwächen, handeln gegen den Sinn dieser Stelle. Das Wort bezieht sich nicht auf den Wert der Predigt, denn der Apostel sagt: «Ich kämpfe also, nicht wie einer, der die Luft schlägt; sondern ich zerschlage meinen Leib und führe ihn in Knechtschaft.» - «Ich kämpfe», das ist weder mein Dienst noch meine Predigt. Verwerflich sein, heisst verloren sein, das bedeutet «Strafe leiden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn».
Was Paulus sagen will, ist, dass er nicht nur ein Gläubiger ist, sondern dass er als ein Gläubiger lebt. Ohne praktisches Leben als Gläubiger könnte er verwerflich sein wie ein anderer. Ich habe nicht den leisesten Zweifel, dass Gott die Seinen bewahren wird, aber wenn Paulus nur gepredigt und nicht dementsprechend gelebt hätte, wäre er verwerflich gewesen. Aber er war es nicht, und er zeigt, wie er lebte, um nicht verwerflich zu sein. Der wichtige Punkt ist, dass man gesetzmässig kämpfen muss. Das Gesetz Christi bedeutet also, dass man nicht nur reden, sondern das Christsein auch ausleben muss, um nicht die Konsequenzen befürchten zu müssen. «Denn wenn ihr nach dem Fleische lebet, so werdet ihr sterben.» Gott stellt absolute Grundsätze auf, die gewisse Folgen haben, und ich möchte diese Grundsätze nicht abschwächen.
Kapitel 10
Israel als Beispiel für die bekennende Christenheit
Ab Vers 14 dieses Kapitels wird auf den Gegenstand des Leibes des Christus auf der Erde eingegangen. Der erste Teil dieses Briefes befasst sich mit dem, was sich auf das Haus bezieht, und man findet darin die Zucht in der Versammlung zur Reinigung des Hauses Gottes, usw. Die ersten 13 Verse des 10. Kapitels zeigen uns am Beispiel dessen, was Israel in der Wüste und als Folge seines Zustands begegnet ist, ein Bild des Zustands der bekennenden Christenheit in dieser Welt. Paulus beweist dadurch, dass jemand die äusserlichen Formen und Regeln des Christentums einhalten und trotzdem verloren gehen kann.
Ganz Israel war aus Ägypten ausgezogen; alle hatten die Vorrechte genossen: Sie standen unter dem Schutz der Wolke, waren durch das Meer hindurchgegangen und so auf Moses getauft worden. Alle assen das Manna und tranken das Wasser aus dem Felsen. Aber unterwegs fand eine Sichtung statt, und die meisten fielen in der Wüste. Hier haben wir ein Bild der Geschichte der Christenheit; aber die Warnungen gelten allen. Doch nur solche, die wirkliches Leben haben, ziehen Nutzen aus diesen Ermahnungen und vollenden den Lauf (vgl. Hebr. 3,6-19).
Die gemeinsamen Vorrechte
Verse 1,2. «Auf Moses getauft.» Das bedeutet, mit ihm verbunden zu sein, und zwar im Durchzug durch das Meer und unter dem Schutz Gottes in der Wolke. Israel trat auf den Weg, den Mose ihnen nach Gottes Anweisung gebahnt hatte, den Weg durch das Meer hindurch, ein Bild des Todes, der die Erlösung bringt. Mose war sozusagen verantwortlich für diesen Weg, und die Israeliten betraten ihn mit Mose und hielten sich nahe zu ihm. Sie waren «auf ihn getauft» unter dem Auge Gottes in der Wolke. Diese hatte ihren Standort gewechselt, um sie zu schützen. Sie stellte sich hinter die Israeliten, um zwischen ihnen und den Ägyptern zu sein. Auch wir sind getauft: auf Christus, auf seinen Tod. Wir folgen Ihm nach, mit Ihm verbunden, auf diesem Weg des Todes, den Er uns gebahnt hat, eines Todes, der uns befreit.
In den Versen 3 und 4 spricht der Apostel vom Manna und vom Wasser aus dem Felsen, betrachtet sie aber als Vorbilder, indem er von geistlicher Speise und geistlichem Trank redet. Das Manna ist ein Bild von Jesus als dem Brot des Lebens, das vom Himmel hernieder gekommen ist, und das Wasser aus dem Felsen ein Bild des Geistes, den jene empfangen sollten, die glauben würden, nachdem Christus verherrlicht worden war (siehe Johannes 6 und 7). Aber indem der Apostel von dieser Speise und diesem Trank spricht, möchte er die grossen Vorrechte hervorheben, die das Teil des Volkes waren, das aus Ägypten ausgezogen war. Desgleichen gibt es auch entsprechende Vorrechte für die Christenheit: die Taufe und das Abendmahl. Doch wenn der Apostel darauf anspielt, tut er es nur andeutungsweise. «Der Fels aber war der Christus», und dieser Fels begleitete sie. Aus diesen Worten - wie aus vielen anderen Stellen - geht hervor, dass Jehova, der Ewige, der Gott Israels, der das Volk begleitete und beschützte, niemand anders war als das ewige Wort, Der, welcher auf dieser Erde als der demütige Jesus von Nazareth gewandelt hat.
Trotz Vorrechten das Ziel nicht erreicht
Der 5. Vers zeigt uns, dass unterwegs eine Sichtung stattfand. Alle hatten an den gleichen Vorrechten teilgehabt. Der Apostel wiederholt dieses Wort fünfmal. Gestützt auf diese Tatsache, hebt er hervor, dass alle die gleichen Segnungen von Gott empfangen hatten. Aber er fügt hinzu: «Die meisten sind in der Wüste hingestreckt worden.» Welch ein Gegensatz zwischen dem Ausdruck «die meisten» und dem Wort «alle»! Und ganz besonders, wenn man bedenkt, dass Kaleb und Josua von all denen, die aus Ägypten auszogen, die einzigen waren, die nicht in der Wüste starben. «An den meisten derselben aber hatte Gott kein Wohlgefallen.» Warum? Die lange Liste ihrer Sünden macht es klar. Aber mit der Christenheit wird es ebenso geschehen.
Die Sünden des Volkes während der Wüstenreise
Verse 6,7. «Dass wir nicht nach bösen Dingen gelüsten, gleichwie auch jene gelüsteten.» Diese Aussage bezieht sich nicht auf ein besonderes Ereignis in der Geschichte Israels, sondern drückt die allgemeine Neigung des Herzens bei diesem Volk aus. Es waren jene Gelüste, woraus die anschliessend aufgezählten Tatsünden hervorgingen: Sie wurden Götzendiener, sie trieben Hurerei, sie versuchten den Christus, sie murrten. Das Gericht Gottes traf sie, und sie verschwanden von der Bildfläche. Nicht das, was das Volk tat - ihre bösen Handlungen - wurde als Vorbilder für uns geschrieben, sondern das, was ihnen im Gericht als Strafe widerfuhr.
Der Götzendienst mit dem goldenen Kalb in 2.Mose 32 machte in gewisser Hinsicht den Anschein eines Gottesdienstes, der Jehova dargebracht wurde. Nachdem Aaron das Kalb gegossen und einen Altar davor aufgebaut hatte, rief er aus: «Ein Fest dem Jehova ist morgen!» Und sie opferten Brandopfer und Friedensopfer, und dann «setzte sich das Volk nieder, um zu essen und zu trinken, und sie standen auf um sich zu belustigen». Es ist bemerkenswert, dass der Apostel sich auf das Zitat dieses Verses beschränkt, wohl deshalb, weil er sich ganz besonders auf die Lage der Korinther anwenden liess. Unter dem Vorwand der Freiheit nahmen sie an den heidnischen Festen teil, die auf die Opfer folgten, die den Götzen dargebracht worden waren (Kap. 8). Und diese Festmahle waren von Spielen und Tänzen begleitet, an denen ein Christ nicht teilnehmen konnte, ohne sich zu verunreinigen. Die Warnung war somit durchaus angebracht.
Der 8. Vers warnt vor der Hurerei. Das war noch eine Gefahr, der sie besonders ausgesetzt waren. Man weiss um die Verderbtheit und die Sittenlosigkeit, die in Korinth herrschten. Wenn der Apostel sagt: «Lasst uns nicht Hurerei treiben, gleichwie etliche von ihnen Hurerei trieben», so erinnert er an das, was uns in 4.Mose 25 berichtet wird: «Und das Volk fing an zu huren mit den Töchtern Moabs.» Hier gab es nichts mehr, was den Anschein machte, ein Opfer für Jehova zu sein. Die Töchter Moabs «luden das Volk zu den Opfern ihrer Götter, und das Volk ass und beugte sich nieder vor ihren Göttern. Und Israel hängte sich an den Baal-Peor». Die Strafe Jehovas war, dass im ganzen 24'000 Menschen an der Plage starben. Im 6. Vers unseres Kapitels wird gesagt, dass an einem Tag 23'000 fielen. Das ist die Zahl derer, die an ein und demselben Tag fielen. Aber die Häupter des Volkes waren schon vor diesem Tag gestorben (4.Mose 25,4.5). So gibt es keinen Widerspruch zwischen 4.Mose 25 und 1.Korinther 10, wie manche behaupten.
Verse 9,10. Sie versuchten den Christus. Wir haben schon darauf aufmerksam gemacht, dass Jehova, der sie begleitete, der Christus war. Hier macht der Apostel eine Anspielung auf 4.Mose 21. Dort bestand die Strafe darin, dass sie durch die Schlangenbisse starben. Wenn man Gott versucht, will man seine Macht und seine Güte prüfen, indem man materielle Beweise fordert (siehe 2.Mose 17,7). Das heisst aber) man ist ungläubig und zweifelt an seiner Treue. Als Folge davon wird man mit Gott unzufrieden und entmutigt. So geschah es mit dem Volk. Daraufhin murrten einige und wurden vom Verderber umgebracht. Israel murrte öfters auf seinem Weg durch die Wüste, aber das war ganz besonders der Fall, nachdem das Gericht auf Korah, Dathan und Abiram gefallen war, wovon uns in 4.Mose 16 berichtet wird. Gott strafte sie, indem 14)700 von ihnen starben, ausser denen, die wegen Korah gestorben waren. Da hatte das Volk über das Gericht gemurrt, das Gott ausübte, indem Er die Schuldigen schlug.
Die Warnung an uns
Paulus sagt uns im 11. Vers, dass alle diese Dinge den Israeliten als Vorbilder widerfuhren, und dass sie geschrieben worden sind, um uns als Ermahnung zu dienen, uns, auf die das Ende der Zeitalter gekommen ist. Das Ende der Zeitalter ist das Ende der Geschichte der Verantwortlichkeit des ersten Menschen, der Geschichte, die im Tod Christi ihr Ende fand (vgl. Hebr. 9,26).
Als ernste Schlussfolgerung fügt der Apostel im 12 Vers hinzu: «Daher, wer zu stehen sich dünkt, sehe zu, dass er nicht falle.» Gerade der, welcher sich als Stehender betrachtet, steht in Gefahr. Nachdem Israel aus Ägypten ausgezogen war, konnte es buchstäblich glauben, es stehe. Heute kann die Christenheit meinen, sie stehe. Israel ist in der Wüste gefallen, aber gleicherweise wird die bekennende Christenheit, die ohne Leben ist, nicht stehen bleiben, sondern «ausgeschnitten werden» (Röm. 11,22). Aber jeder von uns muss diese Ermahnung zu Herzen nehmen. Sich seiner Vorrechte rühmen oder der Kenntnis, die man hat, oder - wenn auch nur im Geheimen - der Fortschritte, die man machte: Das ist eine Gefahr, die zum Fall führt.
Gottes Durchhilfe in der Versuchung
Der 13. Vers enthält eine grosse Ermunterung und eine kostbare Verheissung. Die Versuchungen, die kommen, sind keine übermenschlichen Erprobungen; sie werden das, was ein Mensch ertragen kann, nicht übersteigen. Gott ist gut und treu. Er wird nicht zulassen, dass wir über unser Vermögen versucht werden. Dann sagt uns der Apostel, was Gott tut, damit wir die Prüfung erdulden können. Er ist die Quelle aller Kraft, und Er selbst wird den Ausgang schaffen, Er wird uns in seiner Barmherzigkeit aus der Prüfung hinausführen.
Der Gräuel des Götzendienstes
Vers 14. Hier haben wir den Götzendienst im wahrsten Sinn des Wortes, das, was in den Augen Gottes ein Gräuel ist. All die vorausgegangenen Warnungen sind darin zusammengefasst, denn der Götzendienst bedeutete die grösste Gefahr für die Korinther, und ihn sollten sie vor allem fliehen. Unter dem Einfluss des Teufels haben die Menschen wissentlich den Schöpfer, der durch seine Werke erkannt werden konnte, verlassen und haben sich in Verbindung mit ihren Leidenschaften Götter nach ihrem eigenen Verstand und ihren eigenen Vorstellungen gemacht. In Römer 1,18-32 erinnert der Apostel daran.
Man versteht deshalb, wie wichtig die Ermahnung des Apostels ist: «Darum, meine Geliebten, fliehet den Götzendienst!» Weiter unten sagt er, dass das, was einem Götzen geopfert wird, in sich selbst nichts ist, und dass ein Götze nichts anderes als ein Stück Holz oder Stein ist. Aber hinter diesem Götzen steht ein Dämon, und so gesehen opfern die Nationen das, was sie darbringen, den Dämonen (V. 20). Und darin liegt in den Augen Gottes das Schlimme am Götzendienst.
Wenn man, nachdem man die Hintergründe kannte, von den Schlachtopfern ass, die den Götzen dargebracht worden waren, dann hatte man Gemeinschaft mit den Dämonen (V. 19-21). Als Beispiele der Gemeinschaft nimmt der Apostel in Vers 16 das Abendmahl und in Vers 18 die Schlachtopfer in Israel. (Der 17. Vers ist eine Einschiebung und eine separate Offenbarung.)
Dieser ganze überaus wichtige Abschnitt ist eine bedeutungsvolle Lektion über Gemeinschaft. Die Tatsache, dass das Abendmahl und die Opfer in Israel als Beispiele der Gemeinschaft genommen werden, erklärt, warum der Apostel sie in Frageform vorstellt. In der Anwendung, die er anschliessend für das macht, was den Dämonen geopfert wird, benützt er die bejahende Form.
Der Kelch und das Brot des Abendmahls
Das Ziel des Apostels im 16. Vers ist nicht, das Abendmahl zu erklären. Aber das Wort ist unendlich reich an Unterweisungen. Und so werden uns auch hier mehrere Belehrungen gegeben, zuerst darin, dass der Apostel die Reihenfolge der Einrichtung des Abendmahls umkehrt und zuerst vom Kelch und dann vom Brot spricht. Der Kelch ist die Gemeinschaft des kostbaren Blutes Christi, das am Kreuz für uns vergossen wurde. Die Anwendung dieses Blutes ist das erste, was nötig ist, um uns von der Befleckung durch unsere Sünden zu reinigen. Es brauchte diese Reinigung, damit wir Glieder des Leibes Christi werden konnten. Das Brot des Abendmahls, das hier nach dem Kelch erwähnt wird, dieses Brot, das wir brechen, ist die Gemeinschaft des Leibes unseres kostbaren Heilandes, der am Kreuz für uns gelitten hat und gestorben ist. Es spricht von jenem Leib, der für uns hingegeben und geopfert wurde und aus welchem das kostbare Blut floss, das uns von aller Sünde reinigt. Wir haben teil an allen Segnungen dieses vollkommenen Opfers Christi. Das eine Brot des Abendmahls ist somit die Gemeinschaft dieses einen Leibes des einen Heilandes, der am Kreuz für uns gelitten hat und gestorben ist.
Ein Brot - ein Leib
Vers 17. In diesem Vers - der, obwohl verbunden mit dem Schluss des 16. Verses, etwas für sich darstellt - führt der Apostel eine neue Unterweisung ein, die sich auf das Abendmahl und auf das Brot, das wir brechen, bezieht. Er verbindet damit eine Bedeutung, welche die ersten Brüder in Jerusalem (Apg. 2), als sie das Brot brachen, noch nicht kannten, weil es noch nicht offenbart war. Der 16. Vers zeigt uns das Abendmahl in dem, was es in der Beziehung vom Herrn zu uns ist; der 17. Vers teilt uns mit, was es unter uns bedeutet, durch die Tatsache, dass alle Erlösten zusammen den Leib des Christus auf der Erde bilden. Das eine Brot des Abendmahls, das vom einen Leib des Heilandes auf dem Kreuz spricht, stellt in seiner Einheit gleichzeitig den Leib des Christus auf der Erde dar, der aus allen Gläubigen gebildet ist. Sie sind durch den einen Geist mit Ihm verbunden. So gibt das gemeinsame Brechen des einen Brotes, das die Gemeinschaft des Leibes des Christus am Kreuz ist, gleichzeitig der Tatsache Ausdruck, dass alle Erlösten zusammen einen einzigen Leib bilden. Das eine Brot des Abendmahls stellt also einerseits den einen Leib des Heilandes am Kreuz dar und anderseits den einen Leib aller Erlösten zusammen. Darum sagt unser Text «Denn ein Brot, ein Leib sind wir - es gibt weder zwei Leiber Christi auf der Erde noch zwei Brote des Abendmahls die vielen (alle Glieder des Leibes), denn wir alle nehmen teil (alle Glieder des Leibes, an dem einen Brot.»
Der Tisch des Herrn
Aus dieser wichtigen Tatsache ergibt sich, dass alle, die zusammen am Abendmahl des Herrn teilnehmen, gemeinsam verantwortlich sind, weil sie im Brechen des Brotes miteinander eine Darstellung des Leibes bilden. Das bestimmt, mit wem man das Brot brechen kann und muss. Aus diesem Grundsatz geht zwangsläufig folgende Tatsache hervor: Alle, die an einem Tisch am Abendmahl teilnehmen, haften gemeinsam für alles, was diesen Tisch kennzeichnet. Jeder ist verantwortlich, ob wissentlich oder nicht für alles, was mit dem Boden, auf dem dieser Tisch aufgerichtet ist, zusammenhängt.
Und welches ist der Boden, auf dem das Abendmahl gefeiert werden muss, damit man vom Tisch des Herrn reden kann? Der 17. Vers sagt es uns: Es ist der Boden der Einheit des Leibes des Christus. Somit sollten und dürfen alle Glieder des Leibes des Christus, vorausgesetzt, dass sie sich persönlich in dem Zustand befinden, den der Herr dazu fordert, an einem solchen Tisch teilnehmen. Eine örtliche Versammlung Gottes ist verantwortlich, die Rechte des Herrn an seinem eigenen Tisch aufrechtzuerhalten. Anmerkung: Man muss hier beachten, dass es heisst «der Tisch des Herrn», nicht «der Tisch Christi». Der Herr ist Der, welcher über mir steht. Ich wüsste nicht, dass Christus je «Herr der Versammlung» genannt wird. Er ist der Herr des einzelnen, nicht der Versammlung. Aber Er ist Herr in der Versammlung, und jeder Christ anerkennt diesen Titel und diese Autorität des Herrn.
Nur ein Tisch des Herrn
Es gibt notgedrungen nur einen Tisch des Herrn, obwohl er an verschiedenen Orten aufgerichtet sein kann. Jeder für das Abendmahl aufgerichtete Tisch ausserhalb der Einheit des Leibes, gemäss Vers 17, ist ein Tisch des Menschen. Es wäre absurd zu sagen, dass dies ein Tisch der Dämonen sei. Dieser Ausdruck bezieht sich nur auf den Götzendienst. Um den Boden zu beurteilen, auf dem ein solcher Tisch steht, muss man zum Ursprung seiner Aufrichtung zurückgehen. Er kann die Folge einer Kirchenspaltung, die Frucht falscher Lehren oder das Resultat eines Geistes der Unabhängigkeit sein oder einer menschlichen Organisation entspringen. Aber wie wir gesehen haben, sind alle, die an einem solchen Tisch in Gemeinschaft sind, solidarisch verantwortlich - ob sie es wissen oder nicht - für irgendwelches Böse, das damit verbunden ist. Daraus folgt, dass eine Person, die sich an einem solchen Tisch befindet - selbst wenn sie ein Glied am Leib Christi ist - nicht in die Gemeinschaft am Tisch des Herrn aufgenommen werden kann; es sei denn, sie reinige sich persönlich vom Bösen, mit dem sie durch den Tisch, an dem sie bis dahin teilgenommen hat, verbunden war. Sonst würde die Versammlung Gottes, die diese Person ohne weiteres aufnehmen würde, das Böse akzeptieren, das mit dem genannten Tisch verbunden ist, und sich mit ihm solidarisch erklären. Eine Person, die an einem Tisch teilnimmt, der nicht der Tisch des Herrn ist( kann in keinem Fall zum Tisch des Herrn zugelassen werden, wenn sie nachher wieder zu ihrem eigenen zurückkehrt. Die Versammlung Gottes, die diese Person vorübergehend aufnehmen würde, billigte dadurch den Tisch, mit dem so jemand sich weiterhin verbinden würde.
Wir haben also einerseits die Tatsache, Glied des Leibes Christi zu sein, wodurch jemand einen Platz am Tisch des Herrn hat. Auf der andern Seite gibt es die schriftgemässen Voraussetzungen unter denen jemand diesen Platz zur Verherrlichung Gottes einnehmen darf, und das bedeutet, «einander aufnehmen, zu Gottes Herrlichkeit» (Röm. 15,7).
Der Tisch des Herrn - der Tisch der Dämonen
Verse 18-22. Wie wir schon gesehen haben, ist das Abendmahl die Gemeinschaft des Leibes und des Blutes des Christus (V. 16). Und weiter drückten jene, die in Israel Schlachtopfer assen, ihre Gemeinschaft mit dem Altar aus (V. 18). So hatten auch die, die etwas assen, was den Götzen geopfert wurde, mit den Dämonen Gemeinschaft. Daher der ausdrückliche Befehl des Apostels: «Ich will aber nicht, dass ihr Gemeinschaft habt mit den Dämonen.» Es ist unmöglich, den Kelch des Herrn und den Tisch des Herrn mit dem Kelch und dem Tisch der Dämonen in Verbindung zu bringen. Die letzteren sind Götzendienst, der den Teufel als Gottheit an den Platz von Gott stellt. Wollte man am Tisch des Herrn essen und gleichzeitig am Tisch der Dämonen, würde man zum Herrn sagen: Ich kann sowohl mit einem Dämon als auch mit Dir essen. Das würde bedeuten, den Herrn zur Eifersucht zu reizen. Wie könnte Er etwas mit einem Dämon teilen? Er gibt seine Ehre keinem anderen und duldet keinen anderen Gott vor seinem Angesicht. Wie könnten wir die Schwere seines Unwillens ertragen! Beachten wir, dass in diesem ganzen Abschnitt «der Herr» Der ist, welcher Autorität über uns und über seinen Tisch hat.
Persönliche Freiheit und Rücksicht auf die andern
Verse 23,24. Alles ist erlaubt, wenn man anerkennt, dass «die Erde und ihre Fülle des Herrn ist», und wie der Apostel es dem Timotheus in Erinnerung ruft: «Denn jedes Geschöpf Gottes ist gut und nichts verwerflich, wenn es mit Danksagung genommen wird» (1.Tim. 4,4). Aber wenn auf diese Weise auch alles erlaubt ist, so erbaut doch nicht alles und ist nicht alles nützlich für die andern. Obwohl sie in der Freiheit lebten, die sie aufgrund ihrer Erkenntnis hatten, sollten die Korinther doch die Interessen der andern suchen, wie uns die Verse 9 und 13 in Kapitel 8 zeigen. Das ist ein allgemeiner Grundsatz, der für alle gilt. Wer sein Recht und seine Freiheit gebrauchte, ohne auf die andern Rücksicht zu nehmen, würde als Egoist handeln. Da wir inmitten der Christenheit leben, besteht keine Gefahr, jemandem dadurch Anstoss zu geben, dass man etwas isst, was den Götzen geopfert wird. Aber wir haben uns von allem zu enthalten, was für andere nicht erbaulich oder nicht nützlich ist, selbst wenn wir vor Gott die Freiheit hätten, es zu tun.
Verse 25-27. Man konnte von allem essen, was auf dem Fleischmarkt verkauft wurde, wo es vielleicht Fleisch gab, das von Götzenopfern stammte, aber um des Gewissens willen sollte man nicht nachforschen. Der Grund dieser Freiheit wird in Vers 26 angegeben «Denn die Erde ist des Herrn und ihre Fülle.» Gleicherweise, wenn ein Gläubiger meinte, eine Einladung zum Essen bei einem Ungläubigen annehmen zu können, war es ihm gestattet von allem zu essen, was ihm vorgesetzt wurde, ohne zu untersuchen, ob das Fleisch von Götzenopfern stammte oder nicht, und das um des Gewissens des Gläubigen willen, der sich frei fühlte. Der Apostel untersagte somit nicht, eine solche Einladung anzunehmen. Aber angesichts der Tatsache, dass bei diesen Mahlzeiten der Heiden manchmal wenig empfehlenswerte Dinge geschahen, fügt er hinzu: «... und ihr wollt hingehen», damit man es sich gut überlegt, bevor man eine solche Einladung annimmt. Das gilt auch für uns. Bevor wir zu einem Ungläubigen, der uns eingeladen hat, «gehen wollen», lasst es uns reiflich überlegen. Zudem tun wir gut, wenn wir beachten, was in Sprüche 23,6-8 gesagt wird.
Das Essen von Blut
Man hat schon versucht, im 25. Vers eine Zustimmung zum Essen von Blut zu finden, unter dem Vorwand, dass das Verbot eine Vorschrift des mosaischen Gesetzes sei. Gott hat aber deutlich dem Menschen, nicht nur seinem irdischen Volk, mitgeteilt, was ihm als Nahrung dienen solle. Vor dem Sündenfall: «alles samenbringende Kraut und jede Baumfrucht» (1.Mose 1,29). Nach dem Sündenfall wurde hinzugefügt: «das Kraut des Feldes» (Kap. 3,18). Nach der Sintflut, wo die Welt einen Neuanfang erlebte, gab Gott dem Menschen zusätzlich das Fleisch zur Nahrung: «Alles, was sich regt, was da lebt, soll euch zur Speise sein; wie das grüne Kraut gebe ich es euch alles. Nur das Fleisch mit seiner Seele( seinem Blute, sollt ihr nicht essen...» (Kap. 9,3ff.). Man findet an keiner Stelle der Schrift, dass Gott diese Anordnung für die Nachkommen Noahs geändert oder abgeschafft hätte. Im Gegenteil, sie wurde für die Kinder Israel erneuert (3.Mose 3,17; 7,26; 17,12-14; 5.Mose 12,16-23; 15,23).
Später, als sich die Versammlung auf die Heiden ausdehnte und die jüdischen Lehrer sie unter das Gesetz Moses, stellen wollten, hielt der Heilige Geist in Apostelgeschichte 15 an dem Verbot, das Noah gegeben wurde, fest, während Er sie vom ganzen jüdischen System freisprach. Nachdem Gott dem Menschen alles gezeigt und gegeben hat, was ihm zur Nahrung dienen soll, soll er es mit Danksagung annehmen. Das Blut ist ihm aber nie gegeben worden und kann daher weder mit Danksagung genommen noch zur Ehre Gottes gegessen werden.
Die Anordnungen in der Apostelgeschichte, sich vom Blut, von Götzenopfern und von der Hurerei zu enthalten, sind seitdem für jeden Christen verbindlich. Sie stammen nicht aus dem Gesetz, sondern gehen zurück auf Noah und die Ordnung, die Gott im Anfang aufgestellt hat. Diese drei Dinge sind etwas Besonderes: das Leben gehört Gott, die Götzen sind das totale Verlassen des wahren Gottes, die Hurerei ist das Aufgeben der Reinheit des Menschen. Diese drei bringen die hauptsächlichen Elemente der Beziehungen des Menschen mit Gott in den Dingen der Natur zum Ausdruck; sie sagen aus, dass der Mensch Gott und nicht seinen eigenen Lüsten gehört.
Das Gewissen des andern
Verse 28-30. Wenn jemand einen Gläubigen darauf aufmerksam machte, dass etwas den Götzen geopfert worden sei, dann sollte er nicht davon essen, und zwar wegen des Gewissens des anderen, für den der Götze etwas darstellte. Wohl hat der Gläubige die Freiheit zu essen, aber diese Freiheit soll nicht vom Gewissen anderer beurteilt werden. Er will nicht für etwas getadelt werden, selbst wenn er die Freiheit hätte, es mit Danksagung anzunehmen. Aus Liebe zu seinem schwachen Bruder wird er sich somit davon enthalten, was aber ihn selbst betrifft, bleibt seine Freiheit bestehen.
Alles zur Ehre Gottes
Vers 31. Ein ganz einfacher, aber sehr erhabener Grundsatz soll den Gläubigen in allem leiten: alles zur Ehre Gottes zu tun, wie der Apostel es auch in Kolosser 3,1 sagt: «Und alles, was immer ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, danksagend Gott, dem Vater, durch ihn.» Es ist die Ehre Gottes, die wir als Richtschnur haben müssen, um zu entscheiden, ob wir dieses oder jenes tun können; es ist nicht nur eine Frage des Erkennens, ob das, was wir zu tun gedenken, an und für sich gut oder böse sei, sondern: Ist es zur Ehre Gottes? Es ist etwas Schlechtes, sein Land zu verraten; im Fall von Rahab war es jedoch zur Ehre Gottes. Noch schlimmer ist es, seinen eigenen Sohn zu töten, aber zur Ehre Gottes erhob Abraham seine Hand, um es zu tun.
Wir müssen in allem, was wir zu tun haben, in Unterwürfigkeit gegenüber dem Wort bewahrt bleiben, denn viele Fanatiker haben gemeint, zur Ehre Gottes zu handeln, während sie nur ihrer eigenen Idee folgten und so verbrecherische, strafbare Taten begingen.
Im Leben des Herrn, unseres vollkommenen Vorbildes, gibt es zahlreiche Beispiele für das Handeln zur Ehre Gottes. Übrigens war ja sein ganzes Leben zur Ehre Gottes. Das allein war es, wofür Er lebte. Wenn wir in der Nähe Gottes leben, werden wir imstande sein, in allen Umständen zu erkennen, was zu seiner Ehre dient.
Niemandem zum Anstoss
Vers 32. Das Mittel, um für niemand ein Stein des Anstosses zu werden, ist, konsequent in Übereinstimmung mit den Grundsätzen zu handeln, zu denen man sich bekennt. Die Welt weiss, wie wir zu leben haben. Selbst wenn sie die hasst, die nicht mit ihr den Weg gehen, wird sie unsere Inkonsequenzen wahrnehmen, und diese sind leider ein Stein des Anstosses für Menschen, die Satan dadurch festhält, dass er ihnen die Widersprüchlichkeit der Christen vor Augen führt. Man soll niemand Anstoss geben, sagt der Apostel, weder Juden noch Griechen, noch der Versammlung Gottes: Das sind die drei Klassen von Menschen, die sich damals in Korinth befanden. Als Christ hatte Paulus die Freiheit, Dinge zu tun, die den Juden ein Ärgernis gewesen wären, oder andere, die für die Griechen oder selbst für schwache Gläubige ein Anstoss gewesen wären; aber er enthielt sich davon, weil er die Ehre Gottes und die Interessen der anderen suchte.
Das Vorbild des Apostels Paulus
Vers 33. Paulus machte sich somit in allen Dingen allen gefällig - innerhalb der Grenzen der Wahrheit -, indem er nicht seinen eigenen Vorteil suchte, sondern den der vielen, damit sie errettet würden. Er war von der Liebe des Christus getrieben, der sich in einer vollständigen Selbstverleugnung ganz zum Wohl der andern und zur Ehre Gottes hingegeben hatte. Dieses vollkommene Vorbild war immer vor seinen Augen; daher kann er in Kapitel 11,1 sagen: «Seid meine Nachahmer, gleichwie auch ich Christi.»
Es ist wichtig zu verstehen, dass alle Einzelheiten unseres Lebens mit den grossen göttlichen Grundsätzen verbunden sind und sich daraus ergeben. Daraus folgt, dass alle diese Einzelheiten ihre Bedeutung haben, wie wir zu Beginn des nächsten Kapitels sehen werden, wo der Geist Gottes, um die Frage der Haartracht des Mannes und der Frau zu regeln, auf die göttliche, bei der Schöpfung aufgestellte Ordnung zurückgreift und die Engel hineinbringt.
Die göttliche Rangordnung
Wie wir schon gesehen haben, finden wir hier ein Beispiel, wie durch den Apostel die Höchsten Wahrheiten in die Dinge des Alltags eingeführt werden. Um erklären zu können, was sich für den Mann im Gegensatz zur Frau und umgekehrt, für die Frau im Gegensatz zum Mann, schickt, ob eine Kopfbedeckung richtig sei oder nicht, stellt der Apostel in Vers 3 zuerst die göttliche Ordnung vor, eine Rangordnung, wie sie von Gott gegeben ist. Die Linie der Unterordnung, die Gott zum Ausgangspunkt hat, verläuft wie folgt: Gott, Christus, der Mann, die Frau.
Der Mensch Christus hat Gott zum Haupt; der Mann, das männliche Geschlecht, hat Christus zum Haupt; die Frau, das weibliche Geschlecht, hat den Mann zum Haupt. Das will nicht sagen, dass die Frau ausserhalb dieser Rangordnung nicht unter der Autorität Christi stehe; aber wenn man von der durch Gott aufgestellten Rangordnung abweicht, gibt es Verwirrung. Wenn sich ein Mann in der Versammlung auf dieser Erde widerrechtlich den Platz Christi aneignet, entrüstet man sich darüber. Und wenn eine Frau öffentlich predigt oder betet, nimmt sie widerrechtlich den Platz des Mannes ein, und vor Gott ist das genauso verwerflich. Es ist eine Beleidigung gegenüber der göttlichen Ordnung, wie sie bei der Schöpfung aufgestellt wurde. In 1.Korinther 14,34 und 1.Timotheus 2,11.1.Sagt der Apostel ausdrücklich, welches der Platz des Stillschweigens und der Zurückhaltung ist, den die Frauen bewahren müssen. In der Stelle des ersten Timotheus-Briefes gibt er den Grund für seine Anweisung an.
Kopfbedeckung und Stellung der Frau in der Öffentlichkeit
Verse 4-6. Es war etwas Neues, eingeführt durch das Christentum, dass der Mann in der Gegenwart Gottes das Haupt unbedeckt haben sollte. Im Judentum trugen die Männer eine Kopfbedeckung. Die Priester opferten mit bedecktem Haupt. (Siehe 2.Mose 29,6.9; 3.Mose 8,9.13.) Bei den Heiden war es Brauch, dass die von bösen Geistern inspirierten Frauen fliegendes und wallendes Haar hatten. Auch das stand im Gegensatz zu der hier aufgestellten Ordnung. Im Christentum muss die Frau den Kopf bedeckt haben, wenn sie vor Gott erscheint.
Wenn sie beten oder weissagen, müssen die Frauen die Autorität des Mannes anerkennen. Es gab Frauen, die weissagten; wir haben ein Beispiel davon bei den Töchtern des Philippus (Apg. 21,9). Die Frau hat somit ihren Platz, um zu beten und zu weissagen, aber nicht in der Öffentlichkeit, d.h. auch nicht in der Versammlung. Die Frau soll sich bedecken. Der Apostel zeigt dies anhand des Haares, womit Gott sie bedeckt hat. Wenn sie in der Familie betet, muss sie den Kopf bedeckt haben, so wie die Töchter des Philippus, als sie im Haus ihres Vaters weissagten. Dieser Grundsatz gilt sowohl für das Beten als auch für das Weissagen gläubiger Frauen. Wenn eine Frau eine Gabe hat, muss sie sich darauf beschränken, diese in der Familie oder unter Frauen auszuüben.
Die Engel als Zuschauer
Verse 6-10. Um die Wichtigkeit des Gesagten zu zeigen, geht der Apostel auf die Schöpfung zurück. Der Mann ist Gottes Bild und Herrlichkeit; er muss seinen Kopf nicht bedecken. Die Frau ist des Mannes Herrlichkeit; sie ist von ihm genommen und ist um seinetwillen geschaffen worden, nicht er um ihretwillen. Die Engel sind Zeugen gewesen, auf welche Weise Gott den Mann und die Frau geschaffen hat, und wie Er dem Mann den Platz der Oberhoheit gegeben hat, bevor die Frau existierte. Sie haben gesehen, wie Er der Frau die Stellung als untergeordnete Hilfe gegeben hat, als Er sie schuf. Jetzt sind die Engel Zuschauer, auf welche Weise diese von Gott aufgestellte Ordnung beachtet wird. Was müssen sie denken, wenn sie sehen, wie Frauen in der Öffentlichkeit auftreten, um zu predigen, und das sogar vor Männern?
Der 10. Vers sagt mit dem Text der Fussnote: «Darum soll die Frau ein Zeichen der Macht oder Gewalt, unter der sie steht, auf dem Haupte haben, um der Engel willen». Der Hinweis ist ganz einfach: ein Zeichen. Die Haare für sich allein genügen nicht; es braucht auf den Haaren irgendein Zeichen.
In all dem gibt die Frau den Engeln einen Anschauungsunterricht, und die Engel sollen unter den Christen keine Unordnung sehen. Das ganze Thema bezieht sich auf die Bescheidenheit, die Ordnung, den Anstand, und darauf, dass die Dinge an ihrem wahren Platz seien. Darum, um der Engel willen, soll die Frau auf ihrem Kopf ein Zeichen der Autorität, d.h. ein Zeichen der Unterwürfigkeit unter ihren Mann tragen.
Was den Ausdruck «Gottes Bild» im 7. Vers betrifft, bedeutet «Bild» etwas, das einen anderen darstellt. So stellt der Mann Gott dar, obwohl er selbstverständlich darin gefehlt hat. Aber wenn er auch gefallen ist, behält er doch den Platz, den Gott ihm gegeben hat. Er wurde ohne Sünde geschaffen, aber ausserdem war er die Krönung der Schöpfung Gottes. Das trifft auf keinen Engel zu. Kein Engel war je der Mittelpunkt eines Systems um sich herum. Adam jedoch war es.
Gegenseitige Beziehung zwischen Mann und Frau
Verse 11,12. Hier haben wir sozusagen eine Milderung der Verse 7-9, damit der Mann sich gegenüber der Frau nicht eine masslose Autoritätsstellung herausnehme. Ausserhalb der Schöpfungsordnung gibt es gegenseitige Beziehungen zwischen ihnen, Beziehungen der Abhängigkeit des einen vom andern. Der eine Teil ist nicht ohne den andern im Herrn, und alles geht von Gott aus, der sie zu dem gemacht hat, was sie sind, ebenso wie ihre Beziehungen zueinander.
Was die Natur lehrt
Vers 13. Der Apostel beruft sich auf das natürliche Anstandsgefühl. Ist es anständig gegenüber Gott, wenn eine Frau mit unbedecktem Kopf betet?
Verse 14,15. Paulus erklärt und führt seinen Gedanken weiter aus, indem er sich auf die Natur beruft, um die Wichtigkeit der Belehrung dieses Abschnitts zu veranschaulichen. Das lange Haar ist eine Unehre für den Mann. Das war es ja auch für die Nasiräer. Der Nasiräer liess seine Haare wachsen, d.h. er vernachlässigte sich, indem er sich dem Willen Gottes hingab und auf seine Würde und seine Rechte als Mann verzichtete. Denn einerseits waren die langen Haare bei einem Mann das Zeichen, dass er seine eigene Persönlichkeit für nichts achtete, und anderseits ein Zeichen der Unterwerfung.
Im Gegensatz dazu ist das lange Haar eine Ehre für die Frau. Es ist ihr anstatt eines Schleiers, als ein Schmuck, gegeben.
Die Autorität der Versammlungen
Vers 16. Zur Unterstützung seiner Belehrung hat sich der Apostel auf die Ordnung in der Schöpfung berufen (V. 7-9), auf die Gegenwart der Engel als Zuschauer (V. 10), auf die Natur oder das natürliche Empfinden für das, was sich geziemt (V. 14,15). Im 16. Vers beruft er sich gewissermassen noch auf die Autorität der Versammlungen. Wenn jemand Gefallen daran findet, sich dem zu widersetzen, was die Versammlungen als vor Gott geziemend entschieden haben, dann widersetzt sich ein solcher einer Autorität. Denn weder die Apostel noch die Versammlungen Gottes hatten die Gewohnheit, dass der Mann seinen Kopf bedecke und dass die Frauen unbedeckt beteten oder weissagten.
Schlimme Zustände in den Zusammenkünften der Versammlung in Korinth
Vers 17. Hier wird uns diese Versammlung in einer schrecklichen Unordnung gezeigt. Im Gegensatz zum zweiten Vers, wo Paulus die Korinther lobte, weil sie die Unterweisungen festhielten, wie er sie ihnen gegeben hatte, kann er sie in Vers 17 nicht loben über die Art und Weise, wie sie sich versammelten, um das Abendmahl zu feiern. Wie ernst sind die Worte: «Ihr kommt nicht zum Besseren, sondern zum Schlechteren zusammen.» In ihrem normalen Zustand kommt eine Versammlung zusammen, um von der Gegenwart des Herrn und den geistlichen Gaben, die Er gegeben hat, Nutzen zu haben. Aber wenn sie sich in Lehre oder Praxis von der Wahrheit entfernt, oder wenn sie etwas Böses duldet, dann versammelt sie sich zum Schlechteren, indem sie sich dem Gericht von Seiten des Herrn aussetzt, wie man in Vers 34 liest: «auf dass ihr nicht zum Gericht zusammenkommt.»
Verse 18,19. Es war für den Apostel nicht schwierig zu glauben, dass es unter ihnen Trennungen, Spaltungen, verschiedene Parteien gab. Er hatte schon in den Kapiteln 1 und 3 von den Parteien gesprochen, welche die Korinther bildeten, indem sie sich auf Paulus, auf Apollos, auf Petrus, oder sogar auf Christus beriefen, als auf so viele Anführer von Lehren. Aber hier bildeten sie sogar verschiedene Cliquen, wenn sie als Versammlung zusammenkamen. Der Apostel hatte davon gehört und glaubte es zum Teil. Diese Tendenz, sich so voneinander abzusondern, diese Spaltungen würden sie zu «Sekten» führen oder zu Lehrsystemen, wie die Philosophen sie bildeten. Doch die Parteiungen unter den Korinthern dienten dazu, jene offenbar zu machen, welche die Wahrheit festhielten und dadurch Bewährte waren.
Die Zusammenkunft «als Versammlung»
Der 18. Vers enthält einen bemerkenswerten Ausdruck: «Wenn ihr als Versammlung zusammenkommt.» Nicht alle Zusammenkünfte sind Zusammenkünfte als Versammlung Wenn eine Versammlung eine Zusammenkunft anberaumt, um vom Dienst eines Evangelisten oder eines Lehrers zu profitieren, so ist diese Zusammenkunft nicht ein Zusammenkommen als Versammlung, selbst wenn die ganze Versammlung anwesend wäre. Diese Zusammenkunft steht unter der Verantwortung dessen, für den sie angesetzt wurde. Niemand hat ein Recht, sich aktiv daran zu beteiligen, ohne von ihm dazu ermächtigt worden zu sein. Dagegen sind die Zusammenkünfte als Versammlung durch die Tatsache gekennzeichnet, dass die Person des Herrn den Mittelpunkt derer bildet, die in seinem Namen versammelt sind und so die Einheit seines Leibes verwirklichen. Die Zusammenkunft zum Gottesdienst nimmt hier den ersten Platz ein. Die Gläubigen sind um den Herrn versammelt, um gemeinsam seines Todes zu gedenken, indem sie Gott anbeten. Dieses Zusammenkommen zum Brotbrechen offenbart die Einheit der Versammlung, es ist das Zusammenkommen als Versammlung im wahrsten Sinn des Wortes.
Gemäss Matthäus 18 haben die Gebetsstunden den gleichen Charakter. Ebenso die Zusammenkünfte zur Erbauung, wo die Versammlung die Gegenwart des Herrn in ihrer Mitte und die freie Wirksamkeit seines Geistes verwirklicht. Eine Zusammenkunft zur Wortbetrachtung oder eine Konferenz, um sich mit dem Wort zu beschäftigen, so gesegnet sie auch sein mögen, haben nicht diesen besonderen Charakter. In der Zusammenkunft als Versammlung hat jeder eine Verantwortung, alle in stillen Gebeten im Innern ihres Herzens, und einige in äusserer Tätigkeit als Stimme der Versammlung und so, wie der Herr es darreicht.