Halte Fest
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1. Petr. 2,1: Leget nun ab alles üble Nachreden

Halte fest Jahrgang 1977 - Seite: 74 - Verfasser: H. B.

«Wer als Verleumder umhergeht, deckt das Geheimnis auf; wer aber treuen Geistes ist, deckt die Sache zu» (Spr. 11,13).

Sokrates, der griechische Weise, lebte vor der Zeit des Christentums. Eines Tages kam ein Bekannter zu ihm, sichtlich aufgeregt. «Sokrates», sagte er, «nun musst du doch einmal hören, was dein Freund von dir erzählt!»

Sokrates unterbrach die Mitteilung, die jetzt folgen sollte, mit der Frage: «Hast du das, was du nun über meinen Freund erzählen willst, zuerst durch die drei Siebe laufen lassen?»

Der andere schaute ihn ganz verwundert an und begriff nicht, was Sokrates meinte. Darum fuhr dieser fort: «Ja, durch die drei Siebe. Wenn das nicht der Fall ist, will ich lieber nichts von dem hören, was mein Freund getan hat. Lasst uns zuerst das Ganze einer Prüfung unterziehen!»

«Das erste Sieb ist das der Wahrheit. Hast du gut untersucht, ob alles was mein Freund gesagt haben soll, wahr ist?»

Der Besucher war verdutzt und stammelte: «Nun ja, ich habe es natürlich auch wieder von anderen gehört...»

«Nun, dann ist es wahrscheinlich nicht wahr. Aber dann hast du die Geschichte doch wohl durch das Sieb der Güte gehen lassen? Wenn auch das, was du sagen willst, nicht ganz wahr ist, so ist es vermutlich doch etwas Gutes?»

«Nein, im Gegenteil, es ist gerade nicht so nett», musste der andere zugeben.

«So, so», sagte Sokrates, «es ist also nicht wahr, was du erzählen willst, und zudem ist es nicht etwas Gutes. Aber versuchen wir es noch mit dem dritten Sieb. Es ist doch wohl nützlich, dass du erzählst, was du auf dem Herzen hast? Wird da wirklich jemand gefördert, wenn er die Geschichte weiss?»

Nun war der andere ganz beschämt, denn er musste bekennen, dass die Geschichte eigentlich niemand zum Nutzen sein konnte.

Sokrates lächelte und sagte zu ihm: «Nun, mein Freund, wenn also deine Mitteilung weder wahr noch gut, noch nützlich ist, dann will ich sie lieber nicht hören.»

Der andere machte sich davon.

Wenn auch Sokrates ein Heide und kein Christ war so war er in diesem Stück doch ein weiser Lehrer für uns Christen. Denn wie viel Unheil wird doch auch unter Gläubigen durch die bereitwilligen Botschafter des Teufels angerichtet! Allerlei Dinge über diesen Bruder und jene Schwester werden gerne weitererzählt, ob wahr oder nicht wahr, ob nützlich oder nicht nützlich. So breitet Satan es aus, sät dadurch Zwietracht und tut dem Werk Christi damit Abbruch.

Geben wir uns nicht her für solche Praktiken! Wenn du nicht überzeugt bist, dass die Sache wahr gut und nützlich ist, dann schweige darüber.

Die Liebe «freut sich nicht über die Ungerechtigkeit» (1.Kor. 13,6), aber sie treibt uns in die Fürbitte.

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Letzte Änderung am 27.03.2010.