1. Petr. 4,1: Im Fleische leiden
Halte fest Jahrgang 1971 - Seite: 315 - Verfasser: B. T.
Der Wille des Fleisches ist der praktische Grundsatz aller Sünde. Dieser Wille ist Ungehorsam gegen Gott und daher Sünde in seinem eigentlichen Wesen. Da er der Wille des Fleisches ist, zeigt er sich in den Lüsten des Fleisches. Er ist nicht zu Gott hin gerichtet, im Gegenteil, er wendet sich zu dem hin, was das Fleisch wünscht. Er kommt aus der Wirksamkeit der menschlichen Natur, die Feindschaft gegen Gott ist.
«Leiden im Fleische» steht im Gegensatz zu diesem Willen oder zur Wirksamkeit der Natur. Dieses Leiden wird in unserer Schriftstelle sowohl auf Christum als auch auf uns angewandt, aber im Falle Christi bezieht es sich auf Seinen Tod. (Siehe Kap. 3,18.) Er ging lieber in vollkommenem Gehorsam voran, als in irgendetwas einen eigenen Willen zu haben. Vom Himmel her kommend, begann Er mit der Hingabe Seines ganzen Willens (Psalm 40) und nahm bis in den Tod den Platz des Gehorsams ein, auch als Er, in Schwachheit gekreuzigt, umringt von der Macht Satans, unter dem Zorn Gottes war.
In Seinem Gehorsam schonte Er Seinen Leib, Sein Fleisch in keiner Weise, um «einmal für Sünden zu leiden». Er zog es vor, in den Tod am Kreuze zu gehen, statt sich vom Tun des Willens Gottes zurückzuziehen oder einen eigenen Willen zu haben. So fand also die Sünde bei Ihm weder Einlass noch Raum.
Eine Frucht vom Baum verleitete Adam zur Sünde, aber Christus konnte durch nichts dazu geführt werden. Nicht nur tat Er nie irgendwelche Sünde, Er ging auch durch alles hindurch, ohne dass der Eigenwille erregt wurde, mochten die Dinge noch so sehr dazu angetan sein. Er litt im Fleische, die Sünde wurde dadurch für immer zunichte gemacht.
Die Frage der Sünde hat eine endgültige Lösung gefunden. Ihr gegenüber hat Er nun eine göttliche und ewige Ruhe. Auf der Erde hatte Er noch keine. Persönlich hatte Er zwar immer den Sieg über sie, Er liess nie etwas anderes als Gehorsam in Sein Herz kommen und bewies damit, dass Er eine der Sünde entgegengesetzte Natur hatte, deren Ziel es war, nur zu gehorchen. Das war Vollkommenheit, sie zeigte sich in den Versuchungen, denen Er ohne Unterlass unterworfen wurde. In der Gemeinschaft mit Seinem Vater hatte Er, indem Er Seine Liebe durch Gehorsam bezeugte, völlige Freude, aber bis zu Seinem Tode hatte Er bezüglich der Sünde keine Ruhe.
Dieser wichtige Grundsatz hat auch auf uns seine Anwendung. «Wer im Fleische gelitten hat, ruht von der Sünde.» Wenn der Wille meines Fleisches wirksam ist, ruhe ich nicht von der Sünde. Wenn ich aber in der Kraft des Heiligen Geistes völlig in der neuen Natur handle und empfinde, dem Willen des Fleisches entgegengesetzt, wenn kein Gedanke aus dem Fleische bei mir Eingang findet, weil ich erfüllt bin von dem, was der Heilige Geist mir gibt, und ich in der Freude des Gehorsams gehorche, dann ruhe ich von der Sünde, wenn ich auch als Mensch dabei leiden mag.
Da die Sünde im Fleische ist, wird sie in uns eine Frage des Grades sein. Sie wird sich vielleicht nur zeitweise und teilweise zeigen, doch bleibt der Grundsatz immer wahr: Wenn ich im Fleische leide, so hat die Sünde keinen Platz in mir, weder in meinen Gedanken noch in meiner Seele noch in meinem ganzen sittlichen Wesen. Das Fleisch ist nicht verändert, aber wenn ich im Fleische wirklich nur leide, so hat es auf meinen Willen keine Wirkung.
Es ist wohl zu beachten, dass die Wahrheit der Schrift - die vollkommene sittliche Wahrheit - uns in ihrer eigenen Weise und Natur unverändert gegeben ist. Nur so können wir erkennen, was sie ist, und den Grad unserer bezüglichen Verwirklichung an ihr beurteilen. Auch wird der Geist dadurch erfrischt. Wir haben dasselbe im Johannes-Brief, der die Wahrheit nie einschränkt, um sie den Schwierigkeiten anzupassen, die von der gegensätzlichen Tätigkeit des Fleisches oder von irgendeinem anderen Hindernis herrühren. Die Schwierigkeit unserer Stelle im ersten Petrus-Brief ist ihre abstrakte Natur. Es muss klar festgehalten werden, dass hier im Falle Christi von Seinem Tode gesprochen wird, wenn selbstverständlich auch Sein ganzes Leben ohne Sünde war.