Halte Fest
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1.Tim. 3,16: Gott, offenbart im Fleisch

Halte fest Jahrgang 1962 - Seite: 208 - Verfasser: E. K.

Das Kommen des Herrn auf diese Erde wird allezeit die Anbetung und Bewunderung der Erlösten, wie auch der Engel, hervorrufen. Von aller Ewigkeit her ist er in Bezug auf Erde und Himmel der Mittelpunkt der Ratschlüsse Gottes. Aber diese Ratschlüsse erforderten zu ihrer Erfüllung die Menschwerdung und den Opfertod seiner hochgelobten Person.

In unserer Schriftstelle wird das «Geheimnis der Gottseligkeit», in welchem unter anderem auch die Tatsache seiner Fleischwerdung eingeschlossen ist, «anerkannt gross» genannt. Gerne werden alle, die ihm angehören, diesem Beisatz von Herzen beistimmen. Stehen sie nicht alle, wie auch die heiligen Engel und Engelfürsten, vor einem unergründlichen Geheimnis seiner bewunderungswürdigen Person, wenn sie von ihm lesen: «Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns»? (1.Joh. 1,14). Christus, der Sohn der Liebe des Vaters, kam auf diese Erde herab und wohnte unter uns Sündern. Gott sandte nicht ein erschaffenes Wesen zu uns, sondern Den, «durch den er … die Welten gemacht hat» (Hebr. 1,2), und dieser kam freiwillig zu uns, als der von Gott Gesandte. Seine Existenz war bis dahin im Himmel, «seine Ausgänge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her» (Micha 5,1). Er stieg auf diese Erde herab, um «in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde» (Röm. 8,3) seinen Platz unter den Menschen einzunehmen, als ob er einer von ihnen gewesen wäre. Aber, wenn er auch «in allem» den Brüdern gleich werden musste (Hebr. 2,17), so bestehen doch zwischen ihm und uns, die wir dem «ersten Menschen» entstammen, gewaltige, wesentliche Unterschiede. Gottes Geist wacht aufmerksam und mit Eifer darüber, dass kein Ausdruck im Worte sei, der zu einer falschen Auffassung über seine wunderbare Person Anlass geben könnte.

Als Petrus auf dem Berg der Verklärung drei Hütten machen und die grossen Männer des alten Bundes in gleicher Weise ehren wollte wie seinen Meister, kam die Stimme aus der Wolke: «Dieser ist mein geliebter Sohn, ihn hört» (Luk. 9,35). Gott erlaubte nicht, dass irgendjemand seinem geliebten Sohn gleichgestellt werde.

Er, «der zweite Mensch», kam aus dem Himmel, und obwohl er in Gleichheit der Menschen geworden ist und in seiner Gestalt wie ein Mensch erfunden wurde (Phil. 2,7.8), so besteht doch ein gewaltiger Unterschied in Wesen und Charakter zwischen diesem zweiten, aus dem Himmel herabgestiegenen Menschen und uns, dem Geschlecht des ersten Menschen! Während er hienieden wandelte, konnte er sich «der Sohn des Menschen, der im Himmel ist» nennen (Joh. 3,13). Er war nicht von der Erde, obgleich er in Niedrigkeit gesehen wurde. Er war nicht aus dem Staub gebildet, noch wurde er in Sünde empfangen (Ps. 51,5). Seine Zeugung geschah durch den Heiligen Geist: «Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten, darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Sohn Gottes genannt werden» (Luk. 1,35). Jesaja hat ihn mit den Worten angekündigt: «Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben» (Jes. 9,6) - Gott und Mensch in ein und derselben heiligen Person.

Ihm wurde nicht der Odem Gottes eingehaucht, damit er «eine lebendige Seele» werde. Nein, «in ihm war Leben» (Joh. 1,4). Er ist «das Wort des Lebens, das ewige Leben, welches beim Vater war und uns offenbart worden ist» (1.Joh. 1,1.2), und «dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben» (1.Joh. 5,20). Als solcher wurde er in seiner angenommenen Gestalt als Mensch und Knecht den Seinen, die mit ihm wandelten, offenbart. «Wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit, als eines Eingeborenen vom Vater» (Joh. 1,14). «Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes» (Matth. 16,16). Der erste Mensch hat der Verantwortlichkeit, seinen Zustand in Unschuld zu bewahren, nicht entsprochen. Daher kam er unter das Urteil der Sünde und des Todes. Aber der zweite Mensch sprach: «Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat und sein Werk vollbringe» (Joh. 4,34). Drei Zeugen sind es, die seine fleckenlose Reinheit und Vollkommenheit als Mensch bezeugen. Petrus sagt von ihm: «Welcher keine Sünde tat» (1.Petr. 2,22), Johannes: «Sünde ist nicht in ihm» (1.Joh. 3,5), Paulus: «Der Sünde nicht kannte» (2.Kor. 5,21). Und er selbst konnte seine Feinde mit der Frage herausfordern: «Wer von euch überführt mich der (oder: einer) Sünde?» (Joh. 8,46). Anbetungswürdiger Herr, Gott, offenbart im Fleische!

Bei der Betrachtung des Weges der Erniedrigung unseres Herrn, wie er in den Evangelien geschildert wird, werden unsere Herzen tief berührt, menschliche, aber völlig sündlose Bedürfnisse und Empfindungen bei ihm wahrzunehmen. «Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn schliesslich» (Matth. 4,2 und Luk. 4,2). «Jesus nun, ermüdet von der Reise, setzte sich also an die Quelle nieder» (Joh. 4,6). «Jesus vergoss Tränen» (Joh. 11,35). Doch niemals führten ihn Hunger, Müdigkeit und Schmerz dahin, seinen Gott und Vater durch Ungehorsam zu verunehren oder seinen Dienst für ihn zu unterbrechen. Er, der Schöpfer, hat sich freiwillig diesen Besonderheiten des Geschöpfes unterstellt, um «in allem den Brüdern gleich zu werden» (Hebr. 2,17). «Weil nun die Kinder Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch er in gleicher Weise daran teilgenommen, damit er durch den Tod den zunichtemachte, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel, und alle die befreite, die durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen waren.» (Hebr. 2,14. 15). Der Zweck seines Kommens in Niedrigkeit war der, uns von den Folgen unseres tiefen Falles zu befreien, und deshalb führte ihn sein Weg in die Tiefen des Todes. Er war der Einzige, der nicht dem Tode unterworfen war, denn er war der aus dem Himmel herabgestiegene «zweite Mensch». Aber weil er nicht ohne uns im Himmel sein wollte, kam er freiwillig in Niedrigkeit auf diese Erde herab - die um der Sünde des ersten Menschen willen unter den Fluch gekommen ist - um unter uns zu leben und zu dienen, um Gott zu offenbaren und sein Werk zu vollbringen. Dabei bekam er selber die Folgen dieses Fluches zu spüren. Und endlich ist er am Kreuze sogar für uns ein Fluch geworden, um dort die Schuld und Sünde derer, die aus dem Geschlechte Adams an ihn glauben würden, zu sühnen.

Von dem in seinem Leben offenbarten Gehorsam und seiner wahrnehmbaren Schwachheit in einer Weise zu reden, als ob er nicht anders zu handeln vermochte und als ob er wie andere Menschen hätte lernen müssen, wäre höchst ungeziemend und zeugte von Mangel an Ehrfurcht vor seiner Person. Nein, er brauchte nicht zu lernen, wie wir. Aber er hatte freiwillig gewählt, hungrig und müde zu sein und durch das Leid dieser Erde als Folge der Sünde des Menschengeschlechts hindurchzugehen. Darin offenbarte er zu unserem Heil und aus eigenem Antrieb sein göttlich liebendes Herz. Wie wurde dies offenbar, als er angesichts des bevorstehenden Gerichtes über Jerusalem weinte und wegen des Todes, der grössten und schrecklichsten Folge der Sünde, am Grabe des Lazarus Tränen vergoss!

Er war gekommen, um seinen Gehorsam zu offenbaren. Freiwillig trat er auf dieser Erde in Umstände ein, die es beim Vater im Himmel für ihn nicht gab. Dort war er der Befehlende, «der seine Engel zu Winden macht, seine Diener zu flammendem Feuer» (Ps. 104,4) Aber jetzt, in den von ihm selbst gewählten Umständen der Erniedrigung, machte er als Gottes Knecht praktische Erfahrungen davon, was Gehorsam ist.

Lasst uns in diesem Zusammenhang einige, oft falsch verstandene Schriftstellen näher betrachten:

Hebräer 2,10

«Es geziemte ihm... den Anführer ihrer Errettung durch Leiden vollkommen zu machen.»

Der hochgepriesene Herr selbst ist der Weg des Lebens und führt die seinen auf diesem Weg. Wenn er nun der Anführer unserer Errettung werden sollte, so musste er durch Leiden gehen. Wir verstehen gut, dass sein heiliges, vollkommenes Leben uns nicht reifen konnte. Deshalb musste sein Weg über Gethsemane und Golgatha gehen, wo er durch die Leiden des Todes als der Sünder-Heiland vollkommen gemacht wurde. «Vollkommen gemacht» bezieht sich nicht auf seine Person, sein Wesen oder Charakter, sondern auf seine Eignung als Heiland der Sünder, die am Kreuze, inmitten der schwersten Prüfungen und Leiden, ins volle Licht gestellt wurde. Denn nur durch sein Leiden und Sterben konnte er Sünden wegnehmen, den Teufel überwinden und den Tod zunichtemachen, so dass nun keine Macht der Welt und der Hölle uns seiner, des Überwinders Hand mehr entreissen kann. Er, der jetzt nach vollbrachtem Werke als Mensch mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt ist, und uns dadurch die Gewissheit gegeben hat, dass unsere Sünde für ewig beseitigt ist, hat dem Tode den Stachel genommen und ist somit der rechte Sünder-Heiland geworden. Es steht ausser Frage, dass er in sich selbst allezeit, sowohl als Gott wie auch als Mensch, vollkommen war, aber, «um viele Söhne zur Herrlichkeit zu bringen», ging er durch Leiden und Tod und wurde darin im Blick auf das Werk, das Gott durch Ihn ausführen liess, vollkommen erfunden.

Hebräer 2,14.17

«Weil nun die Kinder Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch er in gleicher Weise an denselben teilgenommen», und: «Daher musste er in allem den Brüdern gleich werden.»

Es ist zu beachten, dass zwischen dem «Fleisches-und-Blutes-teilhaftig-sein» und dem auf ihn bezogenen «teilgenommen» ein grosser Unterschied besteht. Von ihm wird nur gesagt, er habe «gleicherweise an denselben teilgenommen», um zu zeigen, dass er nicht des Fleisches und Blutes der «Kinder», in ihrem verdorbenen Zustand nach dem Sündenfall, teilhaftig ist. An der Sünde und ihrem Lohn hat er keinen Anteil, weshalb auch der Tod keine Macht über Ihn haben konnte. Zwar unterwarf er sich ihm freiwillig, im Gehorsam unter den Willen des Vaters, aber dies geschah nicht um seinetwillen, sondern in Stellvertretung für uns. Auch trat er nicht in unsere Umstände und Lebensbedingungen ein, die vor dem Falle bestanden haben, sondern in die des Menschengeschlechtes, das durch die Sünde schon durch und durch verdorben war. Aber dann ging Er, ohne jede Spur von Sünde, durch dieses Leben auf der sündigen Erde hindurch, obwohl er geradeso wie jeder andere Mensch Schmerzen, Trauer, Hunger, Müdigkeit und Prüfungen ausgesetzt war.

Hebräer 4,15

«Der in allem versucht worden ist in gleicher Weise wie wir, ausgenommen die Sünde.»

Satan trat mit allen Arten von Versuchungen an Jesus heran, durch die jeder von uns versucht werden kann und durch die der erste Mensch in Sünde fiel: Er sucht die Lust des Fleisches, die Lust der Augen und den Hochmut des Lebens zu wecken und zu befriedigen (1.Joh. 2,16). In jedem dieser Dinge unterlag der erste Mensch. Eva «sah, dass der Baum gut zur Speise (Lust des Fleisches), und dass er eine Lust für die Augen (Lust der Augen), und dass der Baum begehrenswert wäre, um Einsicht zu geben» (Hochmut des Lebens - 1.Mose 3,6). Unser Herr wurde in der Wüste den gleichen Versuchungen unterzogen, aber bei ihm dienten sie nur dazu, offenbar zu machen, dass in ihm keine Lust und keine Sünde war. Satan sagt zu ihm: «Sprich, dass diese Steine Brot werden» (Lust des Fleisches). «Er zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit» (Lust der Augen). Endlich wollte Satan Ihn verleiten, sich von der Zinne des Tempels hinabzuwerfen (Hochmut des Lebens). Aber er begegnete jeder Versuchung mit dem Wort Gottes: «Es steht geschrieben.»

Hebräer 5,8

«Obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam lernte.»

Jesus war der gehorsame Mensch, und sein Gehorsam ist ein so grosses Wunder, dass selbst die Engel hineinzuschauen begehren. Er ist «der Abglanz seiner (Gottes) Herrlichkeit und der Abdruck seines Wesens» (Hebr. 1,3), der Schöpfer und Erhalter aller Dinge; «in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig» (Kol. 2,9). Er musste nicht gehorchen, denn er war selbst der Herrscher. «Die Herrschaft ruht auf seiner Schulter» (Jes. 9,6). Alle erschaffenen Wesen waren ihm unterworfen und schuldeten ihm Gehorsam. Selbst die Fische des Meeres bezeugten ihm ihre Anerkennung und ihren Gehorsam, als er in Niedrigkeit hienieden wandelte (Ps. 8,6.8; Luk. 5,4-7; Matth. 17,27; Joh. 21,6). Als er sich freiwillig dergestalt erniedrigt hatte, dass er ein Kindlein, ein Mensch wurde, befand er sich in einer Stellung und in einer Szene, wo Gehorsam am Platze war und ausgeübt werden musste. Aber es war nicht so, dass sein Wille gebrochen werden musste, wie bei uns. Vielmehr war er durch sein Kommen in Gleichheit der Menschen in ganz neue Erfahrungen eingetreten, in denen Er, der stets nur zu gebieten hatte, praktisch kennen lernte, was Gehorsam bedeutet. Der Herr der Herrlichkeit, vor Dem sich die ganze Schöpfung niederbeugt, wurde aus Liebe zu uns ein Knecht! Unbegreifliche Erniedrigung! Auf dem gleichen Schauplatz, wo der erste Mensch in Sünde fiel, indem er ungehorsam wurde, hat Er, der zweite Mensch, unter viel schwereren Bedingungen - weil die Sünde in der Welt war - seinen Charakter als der freiwillig Gehorsame «bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz» erwiesen und dadurch Gott völlig verherrlicht. Von dem Augenblick an, da er sich in Gethsemane freiwillig von sündigen Menschen binden liess, machte er deshalb keinen Gebrauch mehr von der göttlichen Kraft, über die er verfügte, um sich der ungerechten Behandlung seitens seiner eigenen Geschöpfe zu widersetzen. Sein Weg des absoluten Gehorsams inmitten eines Geschlechtes, das in Eigenwillen und Sünde lebte, brachte blinden Hass, Verfolgung und Leiden über Ihn. Aber keine Feindschaft, keine Verfolgung vermochten Ihn auf diesem Pfade aufzuhalten, was immer auch die Leiden waren, die dadurch über Ihn kamen. Vielmehr erwies sich gerade in diesen Leiden sein wahrer Charakter als der Gehorsame und Vollkommene. Nicht die Leiden bildeten oder formten seinen Charakter; sie erwiesen nur in voller Klarheit, wie und wer er war. Echtes Gold wird nicht erst durch das Feuer zum Gold gemacht, aber das edle Metall wird darin der Prüfung unterzogen, um zu beweisen, dass es wirklich das ist, wofür man es ausgibt. Allein in diesem Sinne sind die von Gehorsam und Leiden redenden Stellen zu verstehen, wenn man der Herrlichkeit seiner Person nicht Abbruch tun will.

Johannes 4,1-42

In Johannes 4 sehen wir Jesus ermüdet und hungrig am Jakobsbrunnen. Ein Wort aus seinem Munde hätte genügt, seine heiligen Engel, «die Gewaltigen an Kraft», herbeizurufen, um Ihr» mit Speise und Erquickung in Überfluss zu dienen. Aber nicht auf diese Weise stillte er hienieden seine Bedürfnisse. Er sandte seine Jünger in die Stadt, um Speise zu kaufen, und er selbst bat eine arme, sündenbeladene Frau um einen Trunk Wasser. Aber weder Hunger noch Durst noch Müdigkeit hinderten Ihn daran, dieser Frau in Kraft und voller Frische die frohe Botschaft des Heils zu verkündigen und ihr selbst von dem Wasser des Lebens zu geben. Wer von uns könnte unter gleichen Umständen einen solchen Dienst für Gott tun?

2.Korinther 13,4

«Wenn er auch in Schwachheit gekreuzigt worden ist.»

Bedeutet dies, dass er zu schwach war, seinen Feinden zu widerstehen? Oder, dass er gar ein Opfer von Umständen war? Ein Blick auf Johannes 18,6 zeigt uns klar, welche Wirkung seine erhabene Persönlichkeit und sein Wort auf seine Feinde hatte: Sie fielen zu Boden. Auch zeigt uns der Bericht in Matthäus 27,46.50, dass er nicht aus Erschöpfung, infolge der erlittenen Geisselung, der Dornenkrone und der Kreuzigung sein Leben aushauchte; er starb nicht wie die mitgekreuzigten Übeltäter. Im Gegenteil, kurz vorher noch «schrie Jesus auf mit lauter Stimme». Und auch die Begleiterscheinungen seines Todes offenbarten seine göttliche Macht und Herrlichkeit, und bewiesen, dass Er, der Fürst des Lebens, sein Leben mit Gewalt niedergelegt hatte, um es drei Tage später wieder zu nehmen. «Die Erde erbebte, die Felsen zerrissen und die Grüfte taten sich auf.» Dem römischen Hauptmann diente dieses alles zum Beweis dafür, dass Jesus wahrhaftig Gottes Sohn war. Auch als er in Schwachheit gekreuzigt wurde, war er der, «der alle Dinge durch das Wort seiner Macht trug». Nicht für einen Augenblick zog er seine Hand vom Steuer des Weltalls zurück. Um uns zu erretten und durch sich selbst die Reinigung der Sünden zu bewirken, liess er sich freiwillig in Schwachheit, in einer angenommenen Schwachheit kreuzigen, zu dem erhabenen Zweck, Gott durch unsere Errettung zu verherrlichen. Auf diese Weise hat er auch bewiesen, dass «das Schwache Gottes stärker ist als die Menschen» und dass dasselbe Kreuz, das für den natürlichen, menschlichen Verstand nur Schwachheit darstellt, jedem Glaubenden «Gottes Kraft und Gottes Weisheit» bedeutet (1.Kor. 1,24.25).

Unergründlich gross ist das Geheimnis der kostbaren Person des Fleisch gewordenen Sohnes Gottes. Es geziemt sich für uns, vor der Erhabenheit und Herrlichkeit seiner Person anbetend und bewundernd Halt zu machen. Der Erstgeborene aus den Toten muss in allen Dingen den Vorrang haben (Kol. 1,18). Er – Gott, offenbart im Fleisch, der wegen des Leidens des Todes unter die Engel erniedrigt war (Hebr. 2,9), ist auch als Mensch um so viel besser geworden als die Engel, als er einen vorzüglicheren Namen vor ihnen ererbt hat (Hebr. 1,4). Und sowohl als der Urheber unserer Errettung, als auch in Bezug auf seine Prüfungen und Leiden, durch die er als «der zweite Mensch» hindurchgegangen ist, hat er den Vorrang vor allen Erlösten; in allem und zu jeder Zeit erwies er sich darin als Der, welcher in seinen Vollkommenheiten alle anderen weit übertrifft und mit niemandem von den Menschensöhnen vergleichbar ist. Schoss Satan seine feurigen Pfeile gegen ihn ab, so erwies er sich als unverwundbar und unversuchlich. Jede Prüfung brachte neue Herrlichkeiten seiner Vollkommenheit ans Licht und befähigte ihn völlig zu dem Dienst der Liebe, zu dem er vom Vater gesandt war. In allem erwies sich in vollkommener, wunderbarer Weise seine Eignung als Gottes heiliges Opferlarnm, als Gottes Knecht, als unser Heiland und Erlöser, als unser Sachwalter und Hoherpriester. Mit Ehrfurcht und Liebe stehen wir vor «dem Geheimnis der Gottseligkeit, Gott, offenbart im Fleisch».

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Letzte Änderung am 25.09.2010.