Der 2. Brief an die Korinther
Halte fest Jahrgang 1991 - Seite: 322 - Verfasser: Messager Evangélique
Übersicht
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Überschrift
Den ersten Brief an die Korinther könnte man überschreiben mit: Die Ordnung im Haus Gottes. Weil es sich um dieses Haus handelt, ist gleichzeitig mit der Versammlung in Korinth jedes christliche Bekenntnis ebenfalls angesprochen; daher haben wir im ersten Brief gesehen, dass sich der Apostel Paulus, zusammen mit dem Bruder Sosthenes, an diese Versammlung «samt allen, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen, sowohl ihres als unseres Herrn» wendet (1.Kor. 1,2). Sie alle sind verantwortlich, den Richtlinien zu folgen, die in jenem Brief gegeben werden.
Dem zweiten Brief könnte man den Titel geben: Der Dienst. Indem der Apostel sich mit Timotheus verbindet und sich von neuem «an die Versammlung Gottes, die in Korinth ist,» wendet, fügt er hinzu: «samt allen Heiligen, die in ganz Achaja sind.» Der Dienst betrifft somit alle Heiligen, nicht nur eine örtliche Versammlung.
Drangsale und Trost
Paulus schreibt diesen zweiten Brief unter dem Eindruck des Trostes, mit dem er erfüllt worden ist, als er durch Titus vernahm, dass sein erster Brief unter den Korinthern seine Früchte hervorgebracht hat (V. 3,4; vgl. 2,13; 7,13). Er war in grosser Drangsal gewesen, verursacht durch den Zustand der Versammlung von Korinth, einem Zustand, wie wir ihn im ersten Brief beschrieben finden.
Die Ankunft von Titus ist der Ausgangspunkt des zweiten Briefes. Dadurch hatte Gott den Apostel Paulus betreffs der Korinther getröstet. Wie nötig war ein Trost nach all seiner Drangsal in Ephesus, wovon er sagt: «unsere Drangsal, die uns in Asien widerfahren ist.» Als er sich nach Mazedonien begab, hatte er «von aussen Kämpfe, von innen Befürchtungen». Vor der Ankunft des Titus beschwerte der Zustand der Korinther seine Seele, und nicht nur ihr Zustand, sondern die Traurigkeit, seinen ersten Brief geschrieben zu haben, denn er befürchtete, seine geliebten Korinther dadurch verloren zu haben.
Im 4. Vers wird ein sehr kostbarer, praktischer Grundsatz hervorgehoben. Der Trost des Dieners Gottes ist nicht nur persönlich, er macht ihn auch fähig, die andern in ihrer Drangsal - was immer es auch sein mag - zu trösten. Dieser Trost kommt von Gott. Er besteht in der Erfahrung seiner Liebe und seiner Erbarmungen, wenn wir durch Leiden gehen. Wenn wir persönlich die Erfahrung dessen gemacht haben, was Gott ist, können wir andern gegenüber als von Ihm kommend Antwort geben und wie Paulus den Philippern sagen: «Mein Gott aber wird alle eure Notdurft erfüllen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus» (Phil. 4,19).
Die Leiden des Christus
Der 5. Vers ist gewissermassen die Erklärung zu den vorangegangenen Versen, nur nennt der Apostel hier die Leiden, die er in seinem Dienst erduldet, «Leiden des Christus». Er litt, weil er Christus angehörte, und er litt als sein Diener. Fortan war auch der Trost durch den Christus überschwänglich.
«Die Leiden des Christus gegen uns sind überschwänglich.» Das will sagen, dass die Leiden des Paulus den gleichen Charakter trugen wie die Leiden des Christus. So sagt er in Kolosser 1,24: «Ich ergänze in meinem Fleische, was noch rückständig ist von den Drangsalen des Christus.» Das Haupt des Leibes hatte gelitten, und Paulus litt auch um der Auserwählten willen in dem Bereich, der ihm zugewiesen war. Durch ihre Gebete sieht man, dass sie alte an dem interessiert waren, was Paulus von Gott empfangen hatte (V.11); sie hatten auch den Genuss davon, obwohl die Aufgabe ihm anvertraut wurde. Wir tun heute das gleiche, indem wir für einen Bruder beten, der im Werk des Herrn tätig ist.
«Was noch rückständig ist von den Drangsalen» bedeutet, dass es noch etwas zu tun gab. Es ist klar, dass Christus, das Haupt, sein Teil erfüllt hatte, und das Teil von Paulus war nicht die Sühnung. Aber hier geht es wohl um das besondere Teil des Apostels. Petrus und die andern Apostel hatten nie für die Versammlung gelitten, obwohl sie um Christi willen gelitten hatten. Paulus hat von Seiten der Juden gelitten, was bei Petrus nie der Fall war. Paulus war Diener des Evangeliums für die ganze Schöpfung, die unter dem Himmel ist, und Diener der Versammlung, «um das Wort Gottes zu vollenden». Das wird von keinem andern gesagt. Ich will nicht sagen, dass wir nicht zu leiden hätten, ganz im Gegenteil, aber Paulus war eine Verwaltung anvertraut worden, was wir von uns nicht sagen könnten. Wir können ein Teil an diesem Vorrecht haben; wie ein grosser Bankier in einer Emission neuer Wertpapiere den grössten Teil für sich selbst nimmt und den andern eine kleine Partizipation verteilt, damit alle, die von ihm abhängig sind, ihren Teil haben.
Praktische Folgen aus den Leiden
In den Versen 6 und 7 fasst er das Vorhergesagte zusammen. Die Leiden des Apostels dienten den Brüdern zum Trost, und es war ein Trost zum Heil, das heisst zu ihrer Errettung in bezug auf ihren Wandel auf dieser Erde. Paulus war durch seine eigene Erfahrung sicher, dass man durch das Teilhaben an den Leiden unweigerlich auch am Trost teilhaben würde. Darum fügt er hinzu: «Und unsere Hoffnung für euch ist fest.»
Die Verfolgungen in Ephesus und ihre Auswirkungen
Vers 8. Der Apostel will die Korinther nicht in Unkenntnis darüber lassen, dass er in Asien so schlimme Leiden erdulden musste, dass er beinahe getötet worden wäre. Die Verfolgungen in Ephesus, dem Zentrum der Provinz Asien, scheinen die Einzelheiten, wovon uns in der Apostelgeschichte berichtet wird, bei weitem übertroffen zu haben; denn der Apostel war selbst am Leben verzweifelt.
In Vers 9 bringt er etwas sehr Wichtiges zum Ausdruck: «Wir selbst aber hatten das Urteil des Todes in uns selbst, auf dass unser Vertrauen nicht auf uns selbst wäre, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt.» Das Todesurteil stand über ihm geschrieben, und er selbst hielt sich für gestorben, so dass er keinerlei Vertrauen in ein Leben hatte, das er als Mensch besessen hätte, sondern sein Vertrauen war auf Gott, der die Toten auferweckt. Er verwirklichte Römer 6,11: «Also auch ihr, haltet euch der Sünde für tot»; er hielt sich für gestorben. Drei Dinge werden uns gesagt: 1) Gott sieht uns als gestorben. 2) Ihr seid gestorben. 3) Lebt als solche. Der Glaube sagt: Ich halte mich selbst für gestorben; Paulus tat dies und wurde dazu geführt, es zu verwirklichen. Im Brief an die Römer bezieht sich dies auf die Sünde, hier auf das ganze menschliche Leben. Sein Vertrauen ist auf Gott, der ihn errettet und nicht erlaubt hat, dass er getötet wurde, obwohl er am Leben verzweifelte.
In den folgenden Kapiteln, vor allem im 4. und 5. wird uns das entfaltet, was der Apostel hier zusammenfassend vorstellt.
Gottes umfassende Errettung und die Gebete der Korinther
Vers 10. Dieser Gott, der die Toten auferweckt, hatte ihn aus der Gefahr, das Leben zu verlieren, errettet. Nicht dass der Apostel den Tod für sich persönlich gefürchtet hätte, aber er dachte an die Versammlung und wünschte seinen Lauf und den ihm vom Herrn anvertrauten Dienst zu vollenden (Apg. 20,24). Nachdem er in Asien die Macht Gottes, um ihn aus Todesgefahr zu erretten, erlebt hatte, machte er nun die Erfahrung seiner gegenwärtigen Fürsorge; darum fügt er hinzu: «und errettet». Dann setzte er für die Zukunft sein Vertrauen auf Ihn: «auf welchen wir unsere Hoffnung gesetzt haben, dass er uns auch ferner erretten werde.» Er wusste, dass es bis zur Erfüllung seines Dienstes so sein würde.
Verse 11,12. Paulus rechnete damit, dass viele durch ihre Gebete und ihr Flehen zur Errettung mitgewirkt hatten, die ihm in Ephesus zuteil geworden war, und dass sie betreffs seiner auch Grund zu Danksagungen hatten. In Vers 12 zeigt er den Grund, weshalb er so auf die Gebete der Heiligen zählen konnte: Er hatte ein gutes Gewissen. In Hebräer 13,18 wird uns der gleiche Gedanke vorgestellt. Es ist schon etwas Grosses, wenn ein Diener Gottes sagen kann: «Denn unser Rühmen ist dieses: das Zeugnis unseres Gewissens, dass wir in Einfalt und Lauterkeit Gottes, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes unseren Verkehr gehabt haben in der Welt, am meisten aber bei euch.» Seine Lauterkeit und seine Einfalt waren dem Charakter nach göttlich. Ist das für uns nicht etwas Grosses, das wir nachahmen wollen?
Zweifel am Dienst des Apostels
Verse 13,14. Die Korinther wussten sehr wohl, welches der Wandel und die Lehre des Paulus in ihrer Mitte gewesen waren, und wie er sie unterwiesen hatte. Trotzdem muss er ihnen sagen: «Ihr habt uns zum Teil anerkannt.» Ach! sie waren so weit gegangen, seinen Dienst anzuzweifeln. Wenn sie die Gabe des Herrn geschätzt hätten, der ihnen einen Diener wie Paulus gesandt hatte, so hätten sie völlig erkannt, dass er ihr Ruhm war. Aber er, Paulus, wusste, dass die Korinther «an dem Tage des Herrn Jesus» für ihn ein Anlass zum Ruhm sein würden. In der Herrlichkeit wird es eine Verbindung zwischen dem Arbeiter des Herrn und denen geben, mit denen er sich in seinem Dienst befasst hat (1.Thess. 2,19.20).
Verse 15,16. Wie Paulus ihnen im ersten Brief gesagt hatte, war es zuerst seine Absicht, sich nach Korinth zu begeben und sogar den Winter dort zu verbringen (Kap. 16,5-7). Dieser zweite Besuch im Anschluss an den ersten sollte eine zweite Gnade sein, und wir können uns vorstellen, welche Gnade von Seiten des Herrn der Besuch eines Apostels wie Paulus bedeutete.
Der Inhalt der Predigt des Apostels in Korinth
Verse 17-20. Er fragt sich, ob er leichtfertig gewesen sei, als er sich zuerst vornahm, nach Korinth zu gehen, dann aber doch nicht ging, etwa so wie ein wankelmütiger Mann, der unstet ist in allen seinen Wegen (Jak. 1,8), der einmal «ja» und ein andermal «nein» sagt. Aber bevor er in den Versen 23 und 24 die Gründe für seine Verspätung nennt, stellt er in wunderschöner Weise den unveränderlichen Charakter des Wortes vor, das er ihnen gebracht hatte, und es war die Treue Gottes, die dies bewirkt hatte. Denn was Paulus, Silvanus und Timotheus unter ihnen gepredigt hatten, war nichts weniger als der Sohn Gottes, Jesus Christus, der Herr, vollkommen in all seinem Wesen, dargestellt in seiner ganzen Fülle. In Ihm gab es ganz gewiss nicht Ja und Nein, sondern es ist Ja in Ihm. Die ganze göttliche Wahrheit ist in der Person des Christus verwirklicht worden und kann in Ihm gesehen werden. «Denn so viele der Verheissungen Gottes sind, in ihm ist das Ja und in ihm das Amen», die Gewissheit und die Verwirklichung, «Gott zur Herrlichkeit durch uns». In Christus ist alles vollkommen, beständig und sicher. Und wenn in der Zukunft der ganze Ratschluss Gottes in Ihm in Bezug auf uns erfüllt sein wird, wird alles Gott zur Herrlichkeit sein, und das durch uns, denn unsere herrliche Stellung, in die wir durch Gnade versetzt sind, ist die Offenbarung davon.
Epheser 1 redet vom Lobpreis der Herrlichkeit seiner Gnade und davon, dass wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien; von der Erlösung des erworbenen Besitzes, zum Preise seiner Herrlichkeit; vom Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen. Und in 2.Thessalonicher 1,10 wird vom Herrn gesagt, dass Er in den Heiligen verherrlicht und in allen denen, die geglaubt haben, bewundert werden wird. Weiter steht in Epheser 2,7, dass Gott in den kommenden Zeitaltern den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade in Christus Jesus in Güte gegen uns erweisen werde. Wie ruht doch das Herz im Gedanken, dass Gott in seiner Gnade gegen uns verherrlicht wird, durch uns!
Gottes Verheissungen
Die Verheissungen sind alle Christus gegeben, nicht direkt der Versammlung. Es gibt zeitliche Verheissungen, wie z.B.: «Ich will dich nicht versäumen, noch dich verlassen», aber alle absoluten Verheissungen sind Christus gegeben. Dem sündigen Menschen wurde nie eine Verheissung gegeben. Es gibt keine Verheissung an Adam bei seinem Fall, und wenn er nicht gefallen wäre hätte er auch keine nötig gehabt. Gott hat ihm eine Offenbarung über den letzten Adam gegeben, eine Offenbarung, an die sich sein Glaube klammern konnte: das Gericht über die Schlange und dass Christus, der Same der Frau, ihr den Kopf zermalmen werde. Aber das war keine Verheissung an Adam. Der «Same der Frau» war nicht Adam, sondern Christus. «Die Verheissung in Christus Jesus» (Eph. 3,6) bedeutet alles, was Gott verheissen hat: das ewige Leben und besonders den Heiligen Geist. «Auf dass wir die Verheissung des Geistes empfingen durch Glauben» (Gal. 3,14). Das umfasst auch alles andere in Christus.
Es gibt keine Verheissung an die Nationen, aber es wurde ihnen eine Offenbarung in bezug auf die Verheissungen gegeben, wenn wir lesen: «Denn euch ist die Verheissung und euren Kindern und allen, die in der Ferne sind, so viele irgend der Herr, unser Gott, herzurufen wird» (Apg. 2,39). Der Apostel gibt den Juden und den Nationen eine Offenbarung bezüglich der Verheissungen, indem er zeigt, dass für sie alles in Christus ist.
Im Brief an die Galater sehen wir, dass die dem Abraham zugesagten Verheissungen alle Christus gemacht wurden, und Christus allein. Es gibt zwei Kategorien von Verheissungen. In 1.Mose 12 wird die Verheissung dem Abraham gegeben. In Kapitel 22 wird sie seinem Samen bestätigt, d.h. dem Isaak, der ein Vorbild auf den gestorbenen und auferstandenen Christus ist. Die Verheissung wurde dem Christus bestätigt; daher konnte sie durch das so lange Zeit später entstandene Gesetz weder aufgehoben, noch konnte ihr etwas hinzugefügt werden. Es gab somit nur einen Samen, Christus. Die Juden waren der natürliche Same, aber der Apostel sagt: Die Verheissung des Segens ist einer Person gemacht worden - Christus. Ich gehöre Christus an, somit habe ich die Verheissung. «Ihr alle», sagt er, «seid einer in Christus Jesus. Wenn ihr aber Christi seid, so seid ihr denn Abrahams Same und nach Verheissung Erben» (Gal. 3,28.29). Auf diese Weise führt er die Nationen ein.
Der Heilige Geist in uns
Verse 21,22. in diesen beiden Versen finden wir vier kostbare Dinge als Resultat der Gegenwart des Heiligen Geistes auf uns und in uns. Vielleicht sind die Worte: «Der uns aber mit euch befestigt in Christus», eine Anspielung auf die Taufe mit Heiligem Geist, wovon gesagt wird: «In einem Geiste sind wir alle zu einem Leibe getauft worden», und: «Also auch der Christus» (1.Kor. 12,13.12). Die Taufe mit Heiligem Geist ist eine kollektive Tatsache, die am Tag der Pfingsten stattgefunden hat. (Apg. 2,14). Das Brausen «erfüllte das ganze Haus», und die Jünger waren sozusagen darin eingetaucht. Alle, die seither Glieder am Leib Christi geworden sind, haben an dieser grossen Tatsache teil.
Dann finden wir die Salbung, das Siegel und das Unterpfand. Diese drei Tatsachen betreffen jeden einzelnen Gläubigen. Die Salbung hat den Sinn einer Weihung für einen Dienst und wird im Alten Testament so gesehen. In Apostelgeschichte 10,38 wird das gleiche vom Herrn Jesus gesagt. Aber für uns hat sie auch den Sinn einer Fähigkeit zur Einsicht, um die Dinge Gottes aufzunehmen und zu verstehen. So schreibt der Apostel Johannes den Kindlein im Glauben: «Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und wisst alles» (1.Joh. 2,20).
Das Siegel ist der Stempel Gottes, der dem Gläubigen zur Bestätigung aufgedrückt wird, dass er Gott gehört. Er dient zur Anerkennung, dass er an der ganzen Wirksamkeit des Werkes der Erlösung teilhat. Nicht mein Glaube ist versiegelt, sondern ich selbst bin es, ein Gläubige,; der diese Wirksamkeit durch den Glauben ergriffen hat. In Epheser 1,13 sind wir versiegelt worden, weil wir an das Werk Christi geglaubt haben, und in Kapitel 4,30 sind wir versiegelt worden im Blick auf den Tag der Erlösung unseres Leibes.
Das Unterpfand des Geistes gibt uns die Gewissheit der Dinge, auf die wir noch hoffen, und diese Gewissheit führt zum gegenwärtigen Genuss der zukünftigen Dinge, einem Genuss, der uns veranlasst, die sichtbaren Dinge, die nur für eine Zeit sind, aufzugeben. In Epheser 1,14 ist der Geist das Unterpfand unseres Erbes, und in 2.Korinther 5,5 finden wir das Unterpfand dessen, wozu Gott uns gebildet hat, Er, der uns mit einem Herrlichkeitsleib bekleiden will.
Warum Paulus seinen Besuch hinauszögerte
Verse 23,24. Der Apostel gibt den Korinthern hier die Gründe für die Verzögerung seines Besuches an. Es widerstrebte ihm, gezwungen zu sein, seine apostolische Autorität zu gebrauchen. Sie sollte nicht eine Beherrschung ihres Glaubens sein, denn sie konnten nur durch den Glauben stehen. Sein Dienst der Liebe für sie war vielmehr, zu ihrer Freude mitzuwirken.
Bezugnahme auf den ersten Brief
Verse 1-4. Dem Gedanken von Kapitel 1,24 folgend, dass er zur Freude der Korinther mitwirkte, erklärt ihnen der Apostel, dass er nicht wieder in Traurigkeit zu ihnen kommen wolle. Er konnte es aber nur mit Freuden tun, wenn der ihn erfreute, den er gezwungen war, zu betrüben. Und er wollte nicht durch die betrübt werden, deren er sich erfreuen sollte. Er hoffte, dass in diesem seine Freude auch die Freude von ihnen allen sei. Es lag ihm daran, dass es den Korinthern bewusst würde, in welch grosser Bedrängnis er seinen ersten Brief geschrieben hatte, aus Herzensangst und unter vielen Tränen, und das nicht mit dem Ziel, sie durch seinen Brief traurig zu machen, sondern damit sie seine überschwängliche Liebe zu ihnen erkennen möchten. Solcher An waren die zarten Gefühle im Herzen eines Apostels, der sich der ihm vom Herrn verliehenen Autorität bewusst war, die er aber nicht gebrauchen wollte, bevor er alle Quellen seiner Liebe erschöpft hatte.
Die Wiederherstellung des Ausgeschlossenen
Verse 5-9. Paulus kommt hier auf die in 1.Korinther 5 erwähnte Tatsache zurück (er wird auch in Kapitel 7,11.12 noch darauf zurückkommen), und man sieht, wie sehr die schreckliche Sünde, die in der Versammlung vorgekommen war, sein Herz betrübt hatte. Er gibt seinem Vertrauen Ausdruck, dass diese Traurigkeit von ihnen allen geteilt wurde. Er hätte sie jetzt beschwert, wenn er sie wegen ihres Verhaltens getadelt hätte, da sie doch traurig waren wie er. Als sie nicht betrübt gewesen waren, hatte er sich nicht gefürchtet, sie zu beschuldigen. Nun, da sie betrübt waren, hätte er sie mit weiterem Tadel beschwert.
Der Ausschluss des Schuldigen durch die Versammlung hatte Wirkung gezeigt. Der Mann war jetzt wiederhergestellt, so dass der Apostel, der die Versammlung hatte ermahnen müssen, sich durch das Hinaustun des Bösen aus ihrer Mitte zu reinigen, sie hier ermahnt, zu vergeben, zu trösten, Liebe gegen den zu betätigen, der gesündigt hatte. Der Apostel betrachtet ihn als einen, der wieder aufgenommen werden kann, aber solange die Versammlung diesen Beschluss nicht gefasst hat, nennt er ihn nicht Bruder, sondern «ein solcher» (V. 6,7).
Es ist wichtig zu beachten, dass wir in 1.Korinther 5 den Grundsatz des Ausschlusses durch die Versammlung haben, und hier den Grundsatz der Aufnahme oder vielmehr der Wiederaufnahme durch die Versammlung. Es ist also die Versammlung, die aufnimmt oder ausschliesst.
Die Wiederaufnahme in Gemeinschaft
Verse 10,11. Der Apostel legt Wert darauf, dass die Korinther wissen, dass er für die Wiederaufnahme des Schuldigen mit ihnen einig ist. Wenn sie träge waren, ihn zu richten, so konnten sie jetzt auch zögern, ihn aufzunehmen, und in beiden Fällen benützt der Herr seinen Diener, um die Versammlung zum Handeln anzuspornen. Er fügt hinzu: «Wenn ich etwas vergeben habe, habe ich um euretwillen vergeben in der Person Christi», wie wenn Christus anwesend gewesen wäre, um diesem Akt seiner Autorität zuzustimmen. Der Apostel will dadurch dem Satan die Gelegenheit nehmen, diesen Zuchtfall zu benützen, um einen Keil zwischen die Korinther und ihn zu treiben, «denn», sagt er, «seine Gedanken sind uns nicht unbekannt».
Es findet sich unter uns wenig Kraft zur Wiederherstellung von Seelen, weil es uns an geistlicher Gesinnung mangelt und an dieser Liebe, die für die Glieder Christi Sorge trägt. Man begegnet eher der praktischen Gerechtigkeit, die das Böse nicht erträgt. Ich habe nicht bemerkt, dass es in dieser Hinsicht mangelte. Aber ich glaube, was fehlt, ist die Liebe gegenüber den Gliedern Christi und die Fürsorge für sie. Wenn der allgemeine Zustand einer Versammlung schwach ist, kann die Tatsache, dass jemand ausserhalb der Gemeinschaft gelassen wird, ein Beweis dieser Schwachheit sein, denn wenn mehr geistliche Kraft vorhanden wäre, würde diese Seele gedemütigt, wiederhergestellt und auch wieder zugelassen werden. Der Mann, von dem hier die Rede ist, war zum Zeitpunkt, als Paulus schrieb, schon traurig über seine Sünde. In seiner Seele war er tatsächlich bereits wiederhergestellt, er war es aber noch nicht öffentlich. Es braucht geistliche Kraft, um zu wissen, wann eine Seele wiederhergestellt ist.
Was wir tun müssen, ist, die Sünde der andern auf uns nehmen und wie der Priester handeln, der das Sündopfer ass (3.Mose 6,19). Mit mehr Kraft könnten manche Sünden verhütet werden, obwohl wir sie nicht immer verhindern können. Die Korinther hätten nicht wie Priester gehandelt, wenn Paulus sie nicht dazu veranlasst hätte. Die Versammlung sollte sich vor Gott mit der Sünde einsmachen. Daran erkennt man einen wahren Hirten: Wenn Böses vorhanden ist, nimmt er es auf sich. Er klagt sich an, sich nicht genügend um die fehlbare Person gekümmert zu haben, oder sich mindestens nicht mit ihr beschäftigt zu haben, wie er es hätte tun sollen.
Die Sorge des Apostels um die Korinther
Verse 12,13. Paulus ist vermutlich von Ephesus her nach Troas gekommen (Apg. 20,1). Dort findet er eine offene Tür für das Evangelium, trifft aber Titus nicht, der ihm Nachrichten von Korinth hätte bringen sollen. Daher kann er von dieser Gelegenheit, die der Herr ihm gibt, keinen Gebrauch machen. Seine Sorge um die Korinther hindert ihn daran; er hat keine Ruhe in seinem Geist und reist nach Mazedonien, um Titus dort zu treffen. Es war etwas Schwerwiegendes, ein Werk zu verlassen, das ihm vom Herrn vorbereitet worden war. Aber das Evangelisieren bedeutete dem Apostel nicht alles. Die Korinther mussten seine Sorge um sie sowie um alle andern Versammlungen verstehen (Kap. 11,28). Das sollte ihr Herz berühren. Wo hätten sie einen anderen Diener finden können, der eine offene Tür hinter sich liess, um sich um eine Versammlung zu kümmern, die sich in einem schlechtem Zustand befand und die sogar seinen Dienst in Frage stellte?
Der Dienst des Apostels in Schwachheit
Verse 14-16. Die beiden Briefe an die Korinther zeigen uns den Apostel nicht in seiner Stärke, sondern in seiner Schwachheit. Er ist in Furcht, hat grosse Bangigkeit, ist in Todesängsten, in Schwachheit, jedoch mit dem Bewusstsein der Kraft Gottes, die in Schwachheit vollbracht wird. Er zeigt uns einen völligen Gegensatz zum Zustand der Korinther. Seine Schwachheit war weit davon entfernt, ihm bei ihnen Ansehen zu verschaffen. Aber welch eine Lektion für sie, die sich trotz ihres schlechten Zustands rühmten!
Aber er kann schliesslich sagen: «Gott aber sei Dank, der uns allezeit im Triumphzuge umherführt in Christus und den Geruch seiner Erkenntnis an jedem Ort durch uns offenbart.» Es heisst nicht: «umhergeführt hat», oder wie einige übersetzen: «uns triumphieren macht», sondern überall, wo er vorbeizog, führte Gott ihn im Triumphzug als den Träger des Wohlgeruchs Christi. Er hätte sagen können: «Wenn ich ein wenig mehr Glauben gehabt hätte, wäre ich in Troas geblieben und hätte dort das Evangelium verkündigt», aber er tröstet sich im Gedanken, dass er überall im Triumphzug umhergeführt wurde. Er macht hier eine Anspielung auf den Triumphzug zu Ehren eines Siegers. Dieser marschierte an der Spitze, nach ihm folgte die dem Feind genommene Beute und dann kamen die Gefangenen. Paulus war der Gefangene Jesu Christi. Der Weihrauch, den man den Göttern zu Ehren des Siegers verbrannte, war das Zeichen des Todes für die einen - denn man hatte bei diesen Gelegenheiten die Gewohnheit, eine gewisse Anzahl Gefangene zu opfern - und das Zeichen des Lebens für jene, die verschont blieben. Der Apostel wendet dieses Bild auf das Evangelium an. Er war sozusagen der Träger des Weihrauchs des siegreichen Christus; das Evangelium war durch ihn an alle Orte gelangt, und dieser Wohlgeruch war ein Zeugnis des Sieges, den Christus am Kreuz davongetragen hatte; es war der Wohlgeruch Christi für Gott. Er stieg zu Ihm empor durch den Überbringer dieser guten Nachricht, der Geruch des Lebens für die, die Ihn annahmen, der Geruch des Todes für jene, die Ihn verwarfen, weil der Tod die Konsequenz ihrer Ablehnung war.
Aber wer ist tüchtig, ein solches Werk zu vollbringen? (V. 16). In Gott ist die Hilfsquelle; darum kann der Apostel im nächsten Kapitel sagen: «Unsere Tüchtigkeit ist von Gott.»
Lauterkeit des Dienstes und Abhängigkeit vom Herrn
Vers 17. Es gab Menschen, denen die Korinther das Ohr liehen. Diese stellten nicht den guten Geruch Christi vor. Sie verfälschten das Wort Gottes und verdrehten den Sinn. Paulus dagegen redete in Christus mit Lauterkeit als aus Gott, vor Gott. Nicht nur teilte er ihnen die Gedanken Gottes mit, sondern er war in dessen Gegenwart, um es zu tun. Das ist der Dienst in seinem normalen Charakter. Alles, was der Apostel war und tat, geschah in Christus (V. 10.14.16); seine ganze Tätigkeit geschah in Ihm, und sein praktischer Zustand entsprach seiner Stellung.
Paulus war früher schon einmal in Troas gewesen; dort hatte er das Gesicht, das ihn nach Mazedonien rief (Apg. 16,9). Nun kehrte er nach einem Aufenthalt in Ephesus dorthin zurück. Man kann nicht in Frage stellen, dass die Diener des Herrn unmittelbare Anweisungen empfangen können; und wenn sie ihnen gegeben werden, kann man sie nicht des Fanatismus beschuldigen. Aber unsere Eindrücke und Empfindungen in Bezug auf unseren Wandel sind von unserer Nähe zum Herrn abhängig. Johannes suchte nicht die Nähe des Herrn, um seine Geheimnisse zu erfahren, aber weil er diesen Platz einnahm, wurden sie ihm anvertraut. Man kann nicht zu Christus gehen, wie Johannes, um Ihm Bitten vorzubringen, wenn man nicht nahe beim Ihm lebt. Wenn es nicht so ist, kann man nicht damit rechnen, gut geführt zu werden. Die Gnade Gottes kann jederzeit eingreifen, aber «das Geheimnis Jehovas ist für die, welche ihn fürchten». Wir sollten mit der Erkenntnis seines Willens und jedem geistlichen Verständnis erfüllt sein.
Die Korinther ein Brief Christi
Verse 1-6. Wenn der Apostel in Kapitel 2,17 von der Lauterkeit spricht, mit der er sein Werk vollführte, so schien es, dass er sich selbst empfahl. Tatsächlich sollte er aber durch das Verhalten der Korinther empfohlen werden. Hatte er denn nötig, sich wie ein Unbekannter durch sie empfehlen zu lassen? Nein, die Versammlung in Korinth selbst war sein Empfehlungsbrief; ein Brief Christi, dessen Schreiber Paulus war, dessen Tinte der Geist des lebendigen Gottes und dessen Papier das Herz der Korinther war. Die Versammlung war auf dieser Erde mit keinem anderen Ziel gebildet worden, als Christus vor der Welt darzustellen. Wir sind ein Brief Christi, wir müssen nicht suchen, ihn zu werden, aber unser ganzes Leben muss die Entfaltung dieses Briefes vor der Welt sein. Die fleischernen Tafeln des Herzens stellen Christus der Welt vor, wie die steinernen Tafeln die Gedanken Gottes Israel vorgestellt hatten.
Christus in unsere Herzen eingeschrieben
«Eingeschrieben in unsere Herzen»: Dieser Ausdruck beweist, dass er sie liebte. Wenn jemand gefragt hätte: Wer ist denn dieser Paulus? Wo ist sein Empfehlungsbrief? Was für ein Mann ist er? Er ist nicht von Jerusalem gekommen, wie die übrigen Apostel - dann hätte man ihm antworten können: Betrachte die Korinther, und du wirst diesen Mann kennen lernen. Er ist für alle diese Seelen gesegnet worden, und überdies ist ihr Wandel gut. Etwas vom ersten, was er ihnen sagt, ist, dass er sie in seinem Herzen trägt, und er gibt dafür einen Grund an, den er in seinem ersten Brief nicht hätte nennen können: Ihr seid mein Brief, denn ihr seid Christi Brief. Sie waren eine Empfehlung Christi. Es ist etwas Grosses zu sagen, dass die Heiligen ein Empfehlungsbrief Christi gegenüber der Welt sind. «Nicht auf steinerne Tafeln.» Dieses Werk ist im Innern eingeschrieben, auf dem Herzen des Menschen. Das Gesetz war eine Forderung, die sich von aussen an den Menschen richtete. Wir haben hier einen Vergleich mit einem Gegensatz: Anstelle von Forderungen, die von aussen an den Menschen im Fleisch gerichtet werden, ist Christus in der Kraft des Geistes ins Innere des Menschen eingraviert. Das Gesetz, auf steinerne Tafeln eingeschrieben, bedeutet Tod und Verurteilung - Christus ins Herz eingraviert, ist der Dienst der Gerechtigkeit.
Um das Gute zu wirken, steht Gott nicht ausserhalb des Menschen, indem Er das Gute von bösen Geschöpfen fordert. Gott schenkt ihnen eine neue Natur, die das Gute hervorbringt. Der Mensch hat das Fleisch in sich, aber dieses unterwirft sich dem Gesetz Gottes nicht und kann es auch nicht. Gott gibt eine neue Natur, die ihr Wohlgefallen an dem findet, was heilig ist. Er schreibt Christus in unsere Herzen, und das ist es, was aus uns den Brief Christi macht.
Nach der Einschiebung in Klammem (V. 7-16) gibt uns der Apostel in Vers 18 das Geheimnis bekannt, durch das wir in praktischer Weise ein Brief Christi gegenüber der Welt sein können. Wir müssen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen, um in sein Bild verwandelt zu werden. Das ist die praktische Heiligung; der Brief ist geschrieben, aber er muss gekannt sein.
Paulus - ein Diener des neuen Bundes
Vers 4. Paulus hatte Vertrauen zu dem Gott, der ihn fähig gemacht hatte, einen solchen Dienst zu erfüllen. Trotz des Zustands der Korinther hatte er Vertrauen in Gott, was das Werk betraf, das Er in ihnen vollbracht hatte, denn er war befähigt worden, Diener des neuen Bundes zu werden, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes.
Der neue Bund
Vers 6. Die Erwähnung des neuen Bundes in diesem Abschnitt mochte daher kommen, dass die Korinther geneigt waren, falschen Lehrern zu glauben, die das Gesetz und die Gebote mit dem Christentum vermischten, um es zu verfälschen. Es ist offensichtlich, dass sich der neue Bund auf Israel bei seiner Wiederherstellung bezieht, und nicht auf die Versammlung. Das geht klar aus Jeremia 31,31-34 hervor. Aber das Werk Christi am Kreuz, das die Grundlage des neuen Bundes mit Israel ist, bildet auch das unerlässliche Fundament aller Segnungen der Versammlung. Das Blut Christi, am Kreuz vergossen, ist das Blut des neuen Bundes mit Israel, aber in diesem gleichen Blut sind wir, die Christen, gewaschen worden.
Weil der neue Bund gänzlich von der Gnade abhängig ist, auf der Grundlage von Gottes Ratschluss, nimmt er den Charakter eines «ewigen Bundes» an (Hebr. 13,20). Unter dem alten Bund stellte Gott den Menschen auf die Probe, und das Wort «alt» bedeutet, dass er im Begriff stand, auf die Seite getan zu werden. Nun hören wir von einem neuen Bund, «neu», weil es zuvor einen anderen gab; «ewig», weil er, ohne den Menschen auf die Probe zu stellen, im Ratschluss Gottes selbst gefasst war. David sagt ganz klar: «Gott hat mir einen ewigen Bund gesetzt, geordnet in allem und verwahrt» (2.Sam. 23,5), denn er ruhte völlig auf der Gnade. Im Hebräerbrief lesen wir: «Wir haben einen Altar, von welchem kein Recht haben zu essen, die der Hütte dienen.» Die «Nazarener» hatten kein Recht, zum Altar der Juden zu kommen, als die Juden noch einen Altar hatten; und jetzt haben wir einen Altar, von dem die Juden kein Recht haben zu essen. Das ist der einfache, aber absolute Gegensatz zwischen dem Judentum und dem Christentum, zwischen dem Alten und dem Neuen.
Was jetzt durch den Geist offenbart war und den Gegenstand des Dienstes des Apostels bildete, war die Wirklichkeit, die durch die Schatten des Gesetzes vorgebildet war. Der Buchstabe als solcher tötet; er ist die Strenge der Anordnung. Aber der Geist offenbart die Erfüllung von allem, was sich unter dem Buchstaben verborgen findet, und noch viel mehr.
Der Dienst des Todes - in Herrlichkeit eingeführt
Vers 7. Das Gesetz, der Buchstabe, war ein Dienst des Todes, weil er den Tod des Schuldigen forderte. Der Apostel hebt hier jedoch hervor, dass der Dienst in Herrlichkeit eingeführt worden war. Aber diese Herrlichkeit war nicht der Aspekt, den der Berg Sinai in 2.Mose 19 - 20 vorstellte; es war die Herrlichkeit des Angesichts Moses, als er zum zweiten Mal vom Berg herabstieg (2.Mose 34). Als Folge der Fürbitte Moses war Gott bereit, dem Volk Israel ein zweites Mal das Gesetz zu geben, vermischt mit Barmherzigkeit. Anstatt das Volk wegen des goldenen Kalbes zu verzehren, gebrauchte Er seine Unumschränktheit, um ihm Barmherzigkeit zu erweisen (Röm. 9,15; 2.Mose 33,19). Als Mose zum zweiten Mal auf den Berg stieg und sagte: «Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen», liess Jehova alle seine Güte vor ihm vorübergehen. Es war das Angesicht Moses, das diese Barmherzigkeit widerstrahlte (2.Mose 34,6-8), aber weil sie mit der Verordnung des Gesetzes verbunden war, konnte das Volk ihren Glanz nicht ertragen. Mose musste den Widerschein davon verhüllen, und so fiel das Volk unter den Buchstaben des Gesetzes. Und weil diese Herrlichkeit mit dem Gesetz verbunden war, musste sie selbst ein Ende nehmen. In Johannes 5,1-9 setzt der Herr die Hilfsmittel der Barmherzigkeit, die das Gesetz enthalten konnte, beiseite. Er erleichtert dem Lahmen nicht den Zugang zum Teich Bethesda, aber indem Er in souveräner Gnade handelt, völlig ausserhalb des Gesetzes, sagt Er zu ihm: «Steh auf, nimm dein Bett auf und wandle!»
Der Dienst des Geistes und seine Herrlichkeit
Verse 8-11. Der Dienst des Todes steht im Gegensatz zum Dienst des Geistes, und der Dienst der Verdammnis im Gegensatz zum Dienst der Gerechtigkeit. Das Gesetz, der Tod und die Verdammnis waren wegen der Sünde des Menschen unzertrennlich miteinander verbunden. Jetzt sind es die Gnade, die Gerechtigkeit und das Leben, die zusammengehören, und zwar aufgrund des Werkes Christi. Durch dieses am Kreuz vollbrachte Werk gibt es eine Gerechtigkeit, die vor Gott besteht (Röm. 3 - 5). Die Herrlichkeit des Dienstes der Gerechtigkeit, die sich auf den Tod, die Auferstehung und die Verherrlichung Christi gründet, überstrahlt den vorübergehenden Abglanz, den das Anschauen «all seiner Güte», d.h. die Herrlichkeit Jehovas, auf dem Angesicht Moses erstrahlen liess. Den Anblick dieses Widerscheins konnten die Kinder Israel nicht ertragen.
Vers 12. Im Gegensatz zu Mose gebrauchte der Apostel grosse Freiheit, die ihm vom Herrn durch den Geist gegeben war (V. 17). Man konnte die Herrlichkeit des Herrn mit aufgedecktem Angesicht anschauen, und das von Paulus gepredigte Evangelium war das Evangelium der Herrlichkeit Christi, der das Bild Gottes ist. Gott hatte in das Herz des Apostels hineingeleuchtet, um die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi erstrahlen zu lassen (Kap. 4,6).
Die Decke auf dem Angesicht Moses
Vers 13. Gemäss den Wegen Gottes musste Mose sein Angesicht verhüllen, damit das Volk seine Augen nicht auf das Ende dessen heften würde, was hinweggetan werden sollte. Es sollte in dem, was durch diese Schatten verhüllt war, nur das Zeichen sehen, dass es möglich war, der Strenge des Gesetzes zu entgehen. Die Weisheit Gottes hatte dies so bestimmt, denn auf diese Weise ist die ganze Bedeutung des Gesetzes für Herz und Gewissen des Menschen völlig dargelegt worden. Das, was hinweggetan werden sollte, war eigentlich die Herrschaft und die Haushaltung des Gesetzes und der Gebote. Das Ende davon war Christus. «Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit» (Röm. 10,4).
Mose legte eine Decke auf sein Gesicht, weil das Volk diesen Anblick nicht ertragen konnte. Das Gesetz war ein Dienst des Todes und der Verdammnis, und sie konnten es nicht ertragen, dessen Herrlichkeit anzuschauen. Mit dem Gesetz verbunden, ist der Mensch unfähig, den kleinsten Anblick der Herrlichkeit Gottes, d.h. seiner Barmherzigkeit, zu ertragen. Als Gott sich vom Berg Sinai herab an sie gerichtet hatte, da hatten sie schon zu Mose gesagt: «Gott möge nicht mit uns reden, dass wir nicht sterben!» (2.Mose 20,19). Der Apostel behandelt das Gesetz hier in einer absoluten Weise, als Gesetz, Tod und Verdammung; aber die Weise, wie es damals in Israel wirkte, hinderte das Volk daran, das Ende dessen anzuschauen, was weggetan werden sollte (V. 13).
Mose verhüllte sein Angesicht mit einer Decke, damit sie die Herrlichkeit selbst nicht sahen. Das geschah, bevor er ins Zelt eintrat, wo Jehova mit ihm redete. «Und es geschah, als Mose von dem Berg Sinai herabstieg, - und die zwei Tafeln des Zeugnisses waren in der Hand Moses, als er von dem Berg herabstieg, - da wusste Mose nicht, dass die Haut seines Angesichts strahlte, weil er mit ihm geredet hatte. Und Aaron und alle Kinder Israel sahen Mose an, und siehe, die Haut seines Angesichts strahlte; und sie fürchteten sich, ihm zu nahen. Und Mose rief ihnen zu, und sie wandten sich zu ihm, Aaron und alle Fürsten in der Gemeinde; und Mose redete zu ihnen. Und danach nahten sich alle Kinder Israel; und er gebot ihnen alles, was Jehova auf dem Berg Sinai zu ihm geredet hatte, Und Mose hörte auf, mit ihnen zu reden. Und er hatte eine Decke auf sein Angesicht gelegt» (2.Mose 34,29-33). Weil die Herrlichkeit da war, fürchteten sie sich, Mose anzublicken. Sie konnten deren Ende nicht anschauen. Wenn sie ein Opfer brachten, wussten sie nicht, dass es ein Vorbild auf Christus war. Das «Ende» ist offensichtlich der Vorsatz Gottes, der unter den Vorbildern des Gesetzes verborgen lag. Das war es, was sie nicht anschauen konnten. Diese Herrlichkeit, die zu ihnen kam, verlangte Gerechtigkeit, und sie konnten sie daher nicht ertragen.
In Christus haben wir die Erklärung all dieser Bilder des Gesetzes. Die Decke ist jetzt weggenommen, aber sie bleibt auf dem Herzen Israels. Als Mose zu Jehova hineinging, nahm er die Decke von seinem Angesicht weg, und so wird es mit ihrem Herzen geschehen, wenn sie sich zum Herrn wenden werden. «Wenn es aber zum Herrn umkehren wird» bezieht sich auf das Herz Israels. Als Mose das erste Mal zu Jehova hinaufstieg, war keine Herrlichkeit auf seinem Angesicht, weil er nicht in einer innigen Verbindung mit Gott gewesen war. Diese ganze Szene ist ein schönes Bild von der Gnade und vom Gesetz, denn Mose selbst war unter der Gnade. Gott sagte zu ihm: «Du hast Gnade gefunden in meinen Augen» (2.Mose 33,17).
Die Decke auf dem Herzen der Juden
Verse 14-16. Wir haben gesehen, dass das Angesicht Moses, welches die mit dem Gesetz verbundene Barmherzigkeit Gottes widerstrahlte, vor den Augen der Kinder Israel verhüllt sein musste. Dieser Zustand bleibt, solange das Volk fern von Christus ist. «Bis auf den heutigen Tag», sagt der Apostel, «bleibt beim Lesen des alten Bundes dieselbe Decke unaufgedeckt, die in Christus weggetan wird.» Selbst seitdem durch den Tod Christi alle Vorbilder des Gesetzes ihre Erfüllung gefunden haben, blieb der Zustand der Juden, die den Erlöser verworfen haben, unverändert. Ihr Verständnis ist verdunkelt, so dass, wenn sie Mose lesen, die Decke auf ihrem Herzen bleibt. So sind sie in völliger Finsternis, wenn es darum geht, seine Schriften zu verstehen. Doch sobald Israel zum Herrn umkehren wird, wird die Decke ganz weggenommen sein, denn sie findet in Christus ihr Ende.
Freiheit durch den Heiligen Geist
Verse 17,18. Nach der Einschiebung in Klammem (V. 7-16) greift der Apostel den Gedanken von Vers 6 wieder auf. Er hatte gesagt: «Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.» Jetzt fügt er hinzu: «Der Herr aber ist der Geist», d.h. dass der Herr, als gestorben, auferstanden und verherrlicht, der wirkliche Gedanke des Geistes in Bezug auf das ist, was die Vorbilder der Anordnungen beinhalteten. Dieser Gedanke blieb den Anhängern des Buchstabens und des Gesetzes verborgen. Der Apostel fügt hinzu: «Wo aber der Geist des Herrn ist, ist Freiheit.» «Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, werdet ihr wirklich frei sein» (Joh. 8,36), frei von der Knechtschaft der Sünde und des Gesetzes, die ein Dienst des Todes und der Verdammnis war. Jetzt kennzeichnet die Freiheit den Erlösten. Es ist eine Freiheit in der Kraft des Guten, eine Freiheit, Gott im Heiligtum zu nahen, eine Freiheit, mit aufgedecktem Angesicht den Herrn in der Herrlichkeit anzuschauen, der sich dort befindet, weil Er auf dem Kreuz die Sünden der Erlösten getragen hat.
Christus, zur Rechten Gottes in der Herrlichkeit erhoben, ist der Beweis, dass die Ansprüche Gottes in Bezug auf die Sünde durch Ihn völlig befriedigt wurden. Das Betrachten des verherrlichten Erretters bewirkt im Erlösten eine vollkommene Sicherheit betreffs der Lösung der Sündenfrage. Dieses Anschauen hat aber auch eine persönliche Wirkung auf ihn: Er wird durch die Kraft des Heiligen Geistes in praktischer Weise in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit verwandelt.
Das Anschauen der Herrlichkeit des Herrn und seine Auswirkung Es ist gut, zu beachten, dass das Anschauen der Herrlichkeit des Herrn nicht durch eine Art mystischer Begeisterung oder durch eine verstandesmässige Anstrengung geschieht, indem man versucht, sich vorzustellen, was diese Herrlichkeit sein muss. Es ist der Geist, der uns durch das Wort mit ihr in Verbindung bringt. In Apostelgeschichte 7 wird uns gesagt, dass Stephanus das Vorrecht einer tatsächlichen Vision des Herrn in der Herrlichkeit hatte. Für uns ist es anders. Dieses Anschauen ist die Wirkung des Geistes und des Wortes auf unsere Herzen, und auf diese Weise werden wir mit der Herrlichkeit des Herrn in Verbindung gebracht.
Als Folge dieses Anschauens werden wir nach und nach in das gleiche Bild verwandelt. Das ist etwas anderes, als Ihm gleich zu sein; das werden wir erst bei seinem Kommen sein. «Er wird unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten zur Gleichförmigkeit mit seinem Leibe der Herrlichkeit» (Phil. 3,21). «Er hat uns zuvorbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein» (Röm. 8,29).
Wenn wir in objektiver Weise die Herrlichkeit des Herrn betrachten, hat dies die persönliche Wirkung, dass wir Ihm ähnlich werden, indem wir etwas von dem widerstrahlen, was Er auf dieser Erde gewesen ist: Selbstverleugnung, Demut, Geduld, Güte, Langmut in Bezug auf die Menschen, Gehorsam und Abhängigkeit gegenüber Gott. So werden wir praktisch zu einem Brief Christi vor den Menschen, und das ist eine Herrlichkeit, und zwar eine moralische Herrlichkeit, die keinen öffentlichen Glanz hervorbringt.
Im Gedanken an die Herrlichkeit ist man zu sehr daran gewöhnt, sie sich als einen Ort des Lichts vorzustellen, was sie zweifellos ist. Aber sie ist viel mehr. Jemand hat gesagt: «Die Herrlichkeit ist die sichtbar gemachte Vollkommenheit.»
Wie der Apostel seinen Dienst erfüllte
Verse 1-4. Nachdem der Apostel im dritten Kapitel seinen Dienst und das, was diesen kennzeichnet, beschrieben hat, zeigt er in Kapitel 4 dessen Einfluss auf seinen Wandel. In Vers 1 erinnert er daran, dass er diesen Dienst als «begnadigt» empfangen hat. Wenn sein Dienst herrlich war, so war er selbst als Diener doch nur ein Gefäss der Gnade. In der Erfüllung seines Dienstes ermattete er deshalb trotz des Widerstandes, dem er begegnen mochte, in keiner Weise. Er verkündigte offen die ganze Wahrheit des Evangeliums. Er hatte absolut nicht nötig, in der Entfaltung seiner Lehre behutsam vorzugehen, sondern er stellte sie klar und öffentlich dar, denn sie konnte das helle Tageslicht ertragen. Seit Beginn seiner Laufbahn hatte er niemals wie falsche Lehrer gehandelt, die ihre Lehre zuerst im geheimen äussern und darauf bedacht sind, deren gefährlichsten Teil noch zu verbergen. Er verfälschte das Wort Gottes in keiner Weise, doch der Irrtum tut das immer. Der Apostel hatte also diesen schamvollen Dingen entsagt, und da seine Lehre die freimütige Offenbarung der Wahrheit war, empfahl er sich selbst jedem Gewissen der Menschen vor Gott. Ein solcher Dienst wurde vom Gewissen als richtig empfunden, sobald es sich in die Gegenwart Gottes versetzt sah.
«Unser» Evangelium und die Demut des Dieners
Das vom Apostel gelehrte Evangelium - unser Evangelium, sagt er - war von solcher Klarheit und Kraft, dass es nur das direkte Werk des Feindes sein konnte, wenn es nicht durch die Tür des Gewissens drang. Wenn auf dem Herzen der Juden eine Decke lag (Kap. 3,15), so findet man hier die Tätigkeit Satans, des Gottes dieses Zeitlaufs, um auch eine Decke auf das Herz der Heiden zu legen.
«Die verloren gehen» (V. 3). Welch ernste Bezeichnung! Wir sind diesem Ausdruck schon in Kapitel 2,15 begegnet: «In denen, die errettet werden, und in denen, die verloren gehen.» Man findet nur diese zwei Klassen, es gibt keine dritte! Von der Ankunft des Antichrists wird auch gesagt, sie sei «in allem Betrug der Ungerechtigkeit denen, die verloren gehen» (2.Thess. 2,10).
Der Apostel fährt fort: «In welchen der Gott dieser Welt den Sinn der Ungläubigen verblendet hat.» Der «Gott dieser Welt», der, welcher jetzt stillschweigend und bald öffentlich von diesem Geschlecht angebetet wird (Offb. 13,3.4). Für die Ungläubigen ist das Evangelium verdeckt; ihre Gedanken sind verblendet, so dass sie über das Schönste, das Herrlichste und das in hellstem Lichtglanz Strahlende in tiefster Finsternis sind. Aber der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus, der das Bild Gottes ist, strahlt aus für die, welche dieses Evangelium annehmen. Es wird von Gott gesagt, dass Er ein unzugängliches Licht bewohnt und dass kein Mensch Ihn je gesehen hat, noch ihn sehen kann (1.Tim. 6,16). Aber Christus «ist das Bild des unsichtbaren Gottes» (Kol. 1,15), Er macht uns Gott sichtbar.
Vers 5. Paulus predigte nicht sich selbst, er zog die Seelen nicht an sich, ganz im Gegenteil; indem er bescheiden zurücktrat, brachte er die Seelen in Verbindung mit dem Herrn und war nur der Knecht der andern um Jesu willen. Hier haben wir den Grundsatz von jedem wahren Dienst, ob es sich nun um den Evangelisten handelt, der Seelen zum Herrn Jesus führt, oder um den Hirten und Lehrer, der sie unterweist: Der wahre Diener des Herrn wird sich besonders Mühe geben, dass die Menschen, um die er sich kümmert, Christus anhangen und nicht ihm selbst.
Erleuchtete Herzen
Vers 6. Der Gott, der aus der Finsternis Licht leuchten hiess, hatte in der ersten Schöpfung die Dinge aus dem Chaos hervorgebracht (1.Mose 1,2.3). Und es ist der gleiche Gott, der in Verbindung mit der neuen Schöpfung in das Herz des Apostels geleuchtet hat, um durch ihn den Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi nach aussen erstrahlen zu lassen.
Dieser Gott ist es, der in unsere Herzen geleuchtet hat. Wir finden hier etwas sehr Wichtiges: den Unterschied zwischen dem Charakter des Evangeliums und dem der Propheten. Selbst wenn es darum geht, eine Mitteilung zu machen, leuchtet der Heilige Geist hier in das Herz des Apostels und gibt ihm zuerst für ihn selbst das Empfinden des Wertes all dieser Dinge, aber um sie andern mitzuteilen. Zu den Galatern sagt er: «Als es aber Gott, der mich von meiner Mutter Leibe an abgesondert und durch seine Gnade berufen hat, wohlgefiel, seinen Sohn in mir zu offenbaren, auf dass ich ihn unter den Nationen verkündigte» (Gal. 1,15.16). Wir finden hier eine Offenbarung Christi an Paulus und für Paulus, aber er hatte sie weiterzugeben. In unserem Abschnitt ist es dasselbe: «Gott hat in unsere Herzen geleuchtet zum Lichtglanz der Erkenntnis ...» Es war mehr Kraft da, als die Offenbarung in ihm gemacht wurde, als zur Zeit, da sie ihm zum Verkündigen gegeben wurde, da es ja nicht nur um die andern, sondern um seine eigene Seele ging. So ist es auch in Johannes 7: Ein Mensch hat Durst und kommt zu Christus, um zu trinken, und dann «fliessen Ströme lebendigen Wassers aus seinem Leib». Dieser Mensch hat nicht Durst im Blick auf die Ströme lebendigen Wassers, sondern er hat Durst, um zu trinken, und was er getrunken hat, wird zu Strömen.
Die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi
Christus ist der Abglanz der Herrlichkeit Gottes (Hebr. 1,3). Als Christus, das Wort, das Mensch geworden war, auf der Erde lebte, erstrahlte seine moralische Herrlichkeit für die, welche Augen hatten, sie zu sehen. «Und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater» (Joh. 1,14). Er war Gott, offenbart im Fleisch (1.Tim. 3,16). Wenn es darum geht, Ihn zur Rechten Gottes mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt zu betrachten, ist sein Angesicht der Abglanz der Herrlichkeit Gottes. So leuchtet auf alle Weise die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi. Es war nichts weniger als die Erkenntnis dieser Herrlichkeit, die durch den Apostel nach aussen hin erstrahlte.
Nebenbei bemerkt: Auch wenn sich diese Kapitel wörtlich auf den Dienst beziehen, so ist doch der Grundsatz praktisch auf jeden Christen anwendbar.
Die Herrlichkeit in einem zerbrechlichen Gefäss
Vers 7. Dieser Schatz, den Gott so in das Herz des Apostels gelegt hatte, war in einem irdenen Gefäss enthalten. So wie die Krüge der Genossen Gideons in Richter 7,15-22, musste das Gefäss zerbrochen werden, damit das Licht nach aussen schien, und auch, damit die Überschwänglichkeit der Kraft nicht die des Gefässes, sondern die Kraft Gottes sei. Die Kraft, die ihn stützte und durch die sich das Werk trotz allem erfüllte, musste somit voll und ganz Gott zugeschrieben werden.
Der Schatz ist der Lichtglanz der Erkenntnis der Liebe Gottes; er ist in einem irdenen Gefäss, damit die Überschwänglichkeit der Kraft von Gott und nicht aus uns sei. Er legt diese wunderbare Herrlichkeit in ein solches Gefäss, damit die ganze Kraft aus Gott sei. Es gibt keine Gleichförmigkeit zwischen dem Gefäss und dem Gegenstand, den es enthält (V. 8,9). Das Gefäss wird zerbrochen, auf jede Weise gezüchtigt, und doch befindet sich Gott allezeit darin. Diese ganze Herrlichkeit ist in ein solches Gefäss gelegt, das für nichts geachtet, aber durch eine andere Kraft gestützt wird, und so bleibt der Mensch in der Abhängigkeit von Gott.
Verse 8-10. Das Gefäss war ständig und in allem bedrängt, aber nicht so eingeengt, dass es nicht mehr tätig sein konnte. Es war in Verlegenheit, aber nicht ohne Ausweg. Es erduldete Verfolgung, die so weit ging, dass man es wie tot liegen liess; aber die Kraft Gottes, die es stützte, verliess es nicht. Das Gefäss wurde niedergeworfen, und doch wurde es aufrecht gehalten und kam nicht um. Und das alles hatte zur Folge, dass das innere Licht nach aussen strahlte.
Das Gestorbensein praktisch verwirklicht
In Vers 10 finden wir eine ganz besondere Tatsache von göttlich grossem Charakter. Paulus war freiwillig bereit und von sich aus fest entschlossen, immer und überall das Sterben Jesu an seinem Körper umher zu tragen. Er hatte nicht nur verstanden und geglaubt, dass er mit Christus gestorben, mit Ihm gekreuzigt war, sondern er verwirklichte es auch praktisch und freiwillig: Er hatte in sich selbst das Urteil des Todes (Kap. 1,9). Aber es war «das Sterben Jesu», das er so an seinem Körper umher trug, nicht das Sterben des Paulus, ohne dass er am Leben Jesu teilgehabt hätte, denn das wäre eine fortwährende Todesqual gewesen. Aber es war «das Sterben Jesu». Man findet hier das innige Verbundensein von Paulus mit der Person des Heilands, den er hier bei seinem Namen nennt. Aber dieser Zustand des Todes war eine fortwährende praktische Befreiung für den Apostel, damit das Leben Jesu, das er besass, ungehindert in seinem sterblichen Fleisch offenbart würde.
Vers 11. Obwohl sich Paulus selbst freiwillig auf den Weg der Verwirklichung des Todes begab, wäre er vorher, so aufrichtig er auch war, niemals genug darauf eingetreten. Aber Gott tritt dazwischen, indem Er die schwierigen und schmerzlichen Umstände, die den Dienst des Apostels begleiten, andauern lässt, und diese Umstände haben dem Apostel mächtig geholfen, das Gestorbensein praktisch zu verwirklichen. Er wurde durch die Verfolgungen, die er durchmachte, fortwährend dem Tod überliefert. In Kapitel 11,23-27 bekommen wir eine Ahnung davon.
Wir finden also zweierlei: Erstens erlaubte Paulus als treuer Diener dem Gefäss nie, selbst nicht für einen Augenblick, einen eigenen Willen oder einen eigenen Gedanken zu haben. Wie Christus gestorben, und zwar ganz im Tod war, so trug Paulus gleicherweise überall das Gestorbensein mit Ihm umher. Er sagte sich: Du bist jetzt genauso gestorben wie Christus es war. Dann, obwohl Paulus in diesem sehr treu war, kam der Herr ihm zu Hilfe, indem Er ihn durch schwierige Umstände führte, so dass er selbst am Leben verzweifelte. Das war keine Strafe, sondern er trug das Urteil des Todes auf sich geschrieben. Er hielt sich praktisch als ein gestorbener Mensch, und der Herr sagte: Nun gut, ich muss dich nun direkt dem Tod überliefern, und so wirst du ein gestorbener Mensch sein. Die Verfolgungen, die er durchmachte, waren der Beweis davon, damit sich nach aussen nur das Leben Christi zeigen konnte. Der Herr sagte: Ich werde die Sache gründlich tun, damit mein Diener sie in sich selbst völlig verwirklichen kann. Und Paulus fasst dies zusammen, indem er sagt: «So denn wirkt der Tod in uns, das Leben aber in euch», d.h. Paulus war so völlig ein gestorbener Mensch, dass nichts anderes als das Leben Christi in ihm gegenüber den Korinthern wirkte. Welch wunderbares Bild! Wenn das Gefäss denkt oder handelt, ist das Werk verdorben. Die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi muss leuchten. In dem Mass, wie das Gefäss etwas ist, wird das Licht verfinstert; aber wenn das Gefäss für tot gehalten wird, kann nichts anderes als das Leben Christi daraus hervorkommen. Doch das ist nicht alles. Wir finden hier auch noch die positive Kraft Gottes. Das Gefäss muss zerschmettert werden, damit es den Schatz nicht verdirbt, und wenn das geschieht, kommt eine andere Kraft in das Gefäss und entfaltet darin seine Tätigkeit. Die Folge davon ist, dass Paulus ein Gefäss wird, das vollkommen nur für andere lebt.
Aber es geschah «um Jesu willen», dass er diesen Weg ging. Ohne das Leben Christi, ohne den Dienst, der ihm anvertraut war, hätte er nicht einen solchen Weg verfolgt.
Vers 12. Das Wort stellt uns hier den Segen vor, den andere daraus zogen. Der Tod war in Paulus wirksam, um alles in Schach zu halten, was sich gegen die Offenbarung des Lebens Christi zum Segen der andern erhoben hätte. Die Korinther waren berufen, daraus Nutzen zu ziehen.
Das Ende des Weges - die Auferstehung
Verse 13-15. Diese Verse ziehen den herrlichen Ausgang dieses Weges, auf dem man den Tod verwirklicht, in Betracht, denn der Lauf wird nicht immer andauern. Paulus macht sich das Wort aus Psalm 116 zu Eigen, indem er sagt: «Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet.» Aber wenn ihn das Reden im Namen des Herrn fortwährend dem Tod aussetzte, so musste das Ende für ihn die Auferstehung und die Herrlichkeit sein. Er wusste, dass «der, welcher den Herrn Jesus auferweckt hat, auch ihn mit Jesus auferwecken würde». Er war mit Dem verbunden, für den er den Tod auf alle Weise erduldete; er würde auch in der Auferstehung mit Ihm verbunden sein. Er hatte diese Gewissheit nicht nur für sich selbst, sondern er sah als Lohn seiner Mühen jene bei sich, für die er sich hingegeben hatte: «und uns mit euch darstellen wird» (vgl. 1.Thess. 2,19.20). In Erwartung dieses herrlichen Resultats, brachte das Gute, das die Heiligen durch den Dienst empfingen, ein gegenwärtiges und sofortiges Ergebnis hervor, «die Danksagung zur Herrlichkeit Gottes».
Auffallende Gegensätze
Vers 16. Als Schlussfolgerung von allem, was vorausgeht, sagt der Apostel: «Deshalb ermatten wir nicht.» Er ging mutig voran, durch alles hindurch; und selbst wenn der äussere Mensch, dieses arme, sterbliche Gefäss, verfiel, so hatte er im Gegensatz dazu einen inneren Menschen, der nichts mit diesem Verfall zu tun hatte, sondern von Tag zu Tag erneuert wurde. Inmitten des Verfalls des äusseren Menschen behielt dieser seine Jugend und Frische.
Vers 17. Weil er die Herrlichkeit in Aussicht hatte, konnte der Apostel seine grossen, langen und fortwährenden Verfolgungen als eine leichte und «vorübergehende» Drangsal betrachten. Aber, obwohl leicht und vorübergehend, bewirkte sie ihm «ein über die Massen überschwängliches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit». Es gibt einen Unterschied zwischen unserem Abschnitt und dem, was er in Römer 5,3-5 von den Trübsalen sagt. Dort finden wir, was die Trübsal in uns bewirkt; hier dagegen, was sie für uns bewirkt, als ein Ergebnis in der Herrlichkeit. In Römer 5 ist das Resultat für die Gegenwart; hier ist es zukünftig. Wir haben hier bemerkenswerte Gegensätze: den Gegensatz zwischen dem äusseren und inneren Menschen, zwischen dem Äusseren, das verfällt, und dem Inneren, das erneuert wird; zwischen der leichten Drangsal und dem Gewicht der Herrlichkeit; zwischen der vorübergehenden Drangsal und dem ewigen Gewicht von Herrlichkeit. Aber dieses ist über die Massen überschwänglich; wie auch in Römer 8,18 gesagt wird, «dass die Leiden der Jetztzeit nicht wert sind, verglichen zu werden mit der zukünftigen Herrlichkeit».
Vers 18. In allem Vorangehenden zeigt der Apostel, dass er durch die geistliche Energie, die in ihm wirksam war, in gewissem Sinn schon in der herrlichen und sicheren Zukunft lebte, die sich vor ihm auftat. Seine Blicke waren unbeweglich auf die ewigen, sicheren, obwohl gegenwärtig unsichtbaren Dinge gerichtet; aber alles Sichtbare war nur vorübergehend, nur für eine kurze Zeit.
Der Ratschluss Gottes im Blick auf unseren Körper
Verse 1,2. Der Verfall des äusseren Menschen kann zur Zerstörung des menschlichen Körpers führen; der Apostel hatte diese Erfahrung in den Verfolgungen gemacht, in denen er mehr als einmal dem Tod ausgesetzt war; aber er besass eine absolute Gewissheit über die Verwandlung, die mit ihm stattfinden würde. Wir wissen, sagt er: Das ist die besondere Äusserung des Glaubens und des Christentums. Er betrachtet seinen sterblichen Körper als eine Hütte oder ein Zelt, das schwache Obdach eines Reisenden. Es ist ein irdisches Haus. Der verherrlichte Körper ist ein Bau von Gott, von Ihm kommend; ein Bau im Gegensatz zum Zelt; ein ewiges Haus in den Himmeln, im Gegensatz zum irdischen Haus. «Wir haben einen Bau», denn der Glaube verwirklicht die Gewissheit seines Besitzes. Aber es ist festzuhalten, dass der sterbliche Körper des Erlösten hier ein geistliches Wesen beherbergt. Dieses wohnt gegenwärtig im Zelt, wird aber bei der Auferstehung des Lebens seine Behausung, die aus dem Himmel ist, bekommen, den verherrlichten Leib. Dieser wird dem geistlichen Wesen, dem neuen Menschen, völlig angepasst sein. Darum seufzte der Apostel darüber, dass er sich in einem Körper befand, der dem Leben in Christus, das er schon besass, nicht angepasst war. Er sehnte sich nach dem Augenblick, wo Körper und Seele gleicher Natur sein würden. Man hat gesagt, dass er darüber seufzte, sich mit einem Auferstehungsleben in einem Körper zu befinden, der noch nicht auferstanden war.
Vers 3. Die Gedanken des Apostels richten sich somit auf die Tatsache der Auferstehung des Leibes, und er erwähnt hier die Möglichkeit, in der Auferstehung einfach mit einem Leib bekleidet, anstatt mit Christus überkleidet zu sein. «Bekleidet und nackt erfunden» war das Teil der Bösen; «bloss» sein wie Laodizea (Offb. 3,17). - Das «wir» in den Versen 3 und 10, und das «alle» in Vers 14 umfassen alle Menschen.
Die Hoffnung des Christen
Vers 4. Die eigentliche Hoffnung des Christen ist, nicht zu sterben, sondern den Augenblick des Kommens des Herrn zu erwarten, wann wir zur Gleichförmigkeit mit dem Leib seiner Herrlichkeit verwandelt werden, ohne dass es auch nur einen Augenblick der Trennung zwischen Seele und Körper geben würde. Das sagt der Apostel den Philippern (Phil. 3,20.21). Das ist es auch, was der Herr Martha erklärte: «Jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit» (Joh. 11,26). Wenn uns, bis zum Kommen des Herrn, persönlich nichts Besseres passieren kann, als abzuscheiden, um bei Ihm zu sein, so gehört dies doch keineswegs zur christlichen Hoffnung. In unserem Abschnitt besteht diese Hoffnung darin, das Zelt gegen den verherrlichten Leib einzutauschen, ohne dass die Seele und der Leib auch nur eine Sekunde lang getrennt würden. Wir möchten nicht vom sterblichen Körper entkleidet werden, sondern mit unserem verherrlichten Leib überkleidet werden. In jenem Augenblick wird das Werkzeug, um uns von dem, was sterblich ist, zu befreien, nicht der Tod sein, sondern das Leben: «Damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben.» Die Kraft dieses Lebens ist in Christus, und durch diese Kraft vermag Er sich alle Dinge zu unterwerfen (Phil. 3,21). Dieser sterbliche Körper wird verschlungen werden, ohne Überreste zu hinterlassen.
Vers 5. «Der uns aber eben hierzu bereitet hat, ist Gott, der uns auch das Unterpfand des Geistes gegeben hat.» Als wir ein neues Leben bekamen, wurden wir sozusagen neu gebildet, für einen ganz neuen Bestimmungszweck. Wir waren schon zuvorbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein (Röm. 8,29). Durch den Empfang des neuen Lebens werden wir dazu bereitet, und durch den Geist haben wir das Unterpfand davon. Wir sind nicht für den Tod bereitet, sondern für die Auferstehung und die Verwandlung.
Das Teil der entschlafenen Gläubigen: bei Christus sein
Verse 6-8. Die Verse 2-5 hatten uns den Gegensatz zwischen dem sterblichen und dem verherrlichten Leib gezeigt und vom Wunsch gesprochen, vom letzteren überkleidet zu werden, ohne durch den Tod gehen zu müssen. Die Schwierigkeit dabei war, sich mit einem Auferstehungsleben in einem Körper zu befinden, der noch nicht auferstanden ist. Im 6.Vers begegnen wir einer andern Schwierigkeit: Solange wir in diesem sterblichen Körper leben, sind wir ausheimisch vom Herrn. Diese Schwierigkeit ist behoben, sobald wir ausheimisch vom Leib sind, selbst bevor wir mit dem verherrlichten Leib überkleidet worden sind, denn dann sind wir einheimisch beim Herrn. Obwohl weniger vorzüglich als das Leben im verherrlichten Leib, ist dies doch besser als das Leben im sterblichen Körper. In diesem Sinn möchten wir lieber ausheimisch vom Leib und einheimisch beim Herrn sein. So kostbar das sein mag, es ist ein vorläufiger Zwischenzustand, aber doch bestimmt ein Gewinn, selbst angesichts der Tatsache, dass das Leben auf dieser Erde für mich Christus ist (Phil. 1 ,21).
Dieses unermessliche Glück für die Seele, mit dem Herrn im Paradies zu sein, wird im Wort Gottes immer als etwas Persönliches vorgestellt, und nichts lässt den Gedanken an eine gegenseitige Beziehung zwischen denen zu, deren Seele vom Körper getrennt ist. Eine solche Beziehung gibt es nur mit verherrlichten Körpern. Selbst um den Herrn zu sehen, wie Er ist, braucht es die Augen des verherrlichten Körpers (1.Joh. 3,2). Aber wir wollen wiederholen, dass das Glück, ausheimisch vom Leib und einheimisch beim Herrn zu sein, für die Seele unermesslich gross ist. Persönlich kann uns in Erwartung der Herrlichkeit nichts Besseres geschehen.
Vers 9. In diesem Vers schliesst der Apostel den herrlichen Augenblick des Kommens des Herrn mit ein. In jenem Augenblick wird Er die Seinen in zwei Klassen getrennt finden: die, welche «einheimisch» im Leib sind und verwandelt werden, und jene, die «ausheimisch vom Leib» sind und auferweckt werden. Der Apostel bemühte sich, dem Herrn wohlgefällig zu sein, ohne sich Gedanken zu machen, zu welcher Klasse er in jenem Zeitpunkt gehören werde. Weil wir Ihn sehen werden, gibt es zwischen diesem und dem folgenden Vers eine Verbindung.
Der Richterstuhl des Christus
Vers 10. «Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden.» Das Wort «alle» umfasst, wie schon vorher bemerkt, alle Menschen, die Erlösten miteingeschlossen. Die Tatsache, dass alle, Gerechte und Ungerechte, dort erscheinen, erklärt, warum diese Stelle die Verurteilung derer, die vor dem Richterstuhl offenbar werden, nicht erwähnt. In Matthäus 25,31-46, wo wir den Richterstuhl des Christus zum Gericht der Lebendigen sehen, wird eine ewige Verdammnis über jene ausgesprochen, die der Herr zur Linken stellt. In Offenbarung 20,11-15, wo wir den Richterstuhl des Christus zum Gericht der Toten finden, wird eine ewige Verdammnis über alle, die dort erscheinen, ausgesprochen, weil sie «nackt erfunden» werden, d.h. nicht mit Christus überkleidet, obwohl sie mit einem Körper auferstehen werden.
Das Offenbarwerden
Dieser Vers umschliesst zwei grosse Gedanken: den des Offenbarwerdens und den der Belohnung. Was das Offenbarwerden betrifft, geht es um den ganzen Menschen, um sein ganzes Leben, von der Geburt an bis zum Ende. Die Belohnung besteht darin, zu empfangen, was man im Leib getan hat; es handelt sich also auch hier um die ganze Zeitdauer des Lebens. Das schliesst die Auferstehung mit ein, denn es ist im Leib, der auferstehen wird, dass jeder empfängt, was er im sterblichen Leib getan hat. Das ist der allgemeine Gedanke in dieser Stelle.
Wenn aber die Erlösten in diesem Begriff «alle» miteingeschlossen sind, was bedeutet dann für sie das Offenbarwerden und die Belohnung? Wie bereits gesagt, betrifft das Offenbarwerden unseren ganzen Lebenslauf als sterbliche Menschen. Es ist notwendig, dass wir in jenem Augenblick die Wege Gottes mit uns und sein Handeln in seiner Gnade gegen uns, sei es vor oder nach unserer Bekehrung, und wie Er uns in seiner Barmherzigkeit geleitet, bewahrt und geführt hat, erkennen. Anderseits ist es für die volle Offenbarung seiner Wege nötig, dass wir die ganze Bosheit unseres natürlichen Herzens, unsere Auflehnung, unsere Verunreinigungen und deren Ursache vor Augen haben. Jemand hat gesagt: «Wir werden erst in jenem Augenblick die Arglist unseres Fleisches und die Tragweite der Gnade Gottes erkennen.» Ja, dieses völlige Offenbarwerden ist nötig, damit wir voll ewiger Danksagung aus dieser Szene herauskommen werden. Es wird Danksagung gegenüber Dem sein, der uns errettet hat und als solche in die Herrlichkeit einführen wird, die sich dann so vollkommen erkennen werden, wie sie den Herrn erkennen werden und von Ihm erkannt worden sind.
Erinnern wir uns daran, dass wir dieses Bild unseres Lebens mit den Augen unseres verherrlichten Leibes sehen werden. Wir werden unserem Erretter gleich sein, und wir werden das Urteil, das über das Böse ausgesprochen wird, völlig und ohne Furcht anerkennen, ist es doch das Böse, das der Heiland in seiner Gnade auf dem Kreuz völlig auf sich genommen hat.
Es gibt manche Menschen, die am Ende ihres Lebens auf den Heiland blicken und in Frieden sterben, ohne dass die meisten von ihnen hinsichtlich ihres ganzen Lebens ein ernstlich geübtes Gewissen hätten. Es hat schon solche gegeben, die den Herrn mit 90 Jahren wie kleine Kinder als ihren Heiland angenommen haben und in Frieden heimgegangen sind, ohne dass ihre Vergangenheit sie zu beunruhigen schien. Nun, das Offenbarwerden ihres ganzen Lebens wird ihnen klarmachen, wovon sie errettet worden sind, und wird ihnen Grund zu ewiger Danksagung geben. Man kann sagen, dass den Erlösten im Himmel etwas fehlte, wenn dieses Offenbarwerden vor dem Richterstuhl des Christus nicht stattfinden würde.
Die Belohnung
Der Gedanke des Lohnes bezieht sich für die Gläubigen nicht auf die Seite der Schuld, die das Verdammungsurteil Gottes im Gericht bedeutet. Dieses Gericht hat unser anbetungswürdiger Heiland durch die Gnade Gottes an unserer Stelle auf dem Kreuz getragen.
Jene Erlösten, die zwischen der Bekehrung und dem Ende ihrer Laufbahn eine gewisse Wegstrecke zu gehen haben, leben von ihrem Ausgangspunkt an unter den Augen des Herrn. Er sieht ihren Wandel, ihren Dienst und ihr Zeugnis. Das Offenbarwerden vor dem Richterstuhl des Christus wird ihnen den Grund des Verlustes zeigen, den sie erlitten haben, weil sie nicht genügend Gebrauch gemacht haben von der ihnen zur Verfügung stehenden Hilfe des Heiligen Geistes und des Wortes, das die Neigungen ihrer alten Natur in Schach gehalten und mittels der sie den Herrn mehr verherrlicht hätten. In dieser Hinsicht sollte der Gedanke an den Richterstuhl des Christus unser Gewissen täglich ernst beeinflussen. Obwohl wir jeden Gedanken von Furcht vor einer Verdammung ausschliessen sollten, ist es doch gut, an der Wahrheit festzuhalten, dass es um einen Richterstuhl geht, und dass dieses Wort den Gedanken von einem Richter und Urteil in sich trägt. Es gibt zu viele Christen, die diesen Abschnitt pauschal zusammenfassen und sagen: «Was das Böse betrifft, hat Christus es auf sich genommen; was das Gute betrifft, wird Er es belohnen.» Der Gedanke an den Richterstuhl des Christus muss im Blick auf unseren Wandel in dieser Welt, während wir auf dieser Erde sind, seine feierlich-ernste Wirkung auf unsere Seele ausüben. Wenn es so ist, wird jede Furcht vor diesem Augenblick verschwinden, um dem Vertrauen und der Gewissheit Platz zu machen.
Der Lohn umschliesst für die Erlösten zweifellos die Belohnung, die Gott für alles Gute, das seine Gnade in ihnen und durch sie wirken konnte, geben wird. Aber der Gedanke einer Belohnung ist nie der Beweggrund des Wandels; er ist die kostbare Ermunterung dazu. Diese Ermunterung hatte der Apostel in seinem Dienst durch alle Prüfungen hindurch. Er ermutigte mit diesem Gedanken sogar die armen Sklaven, indem er ihnen sagte: «Da ihr wisst, dass, was irgend ein jeder Gutes tun wird, er dies vom Herrn empfangen wird, er sei Sklave oder Freier» (Eph. 6,8).
Unsere Verantwortung gegenüber den Verlorenen
Vers 11. Wir sehen in diesem Vers, dass der Apostel für sich selbst keinerlei Furcht im Gedanken an den Richterstuhl des Christus empfand. Er war Gott offenbar; sein Gewissen war Ihm gegenüber in Ordnung, soweit es fähig war, dies zu beurteilen. In 1.Korinther 4,3.4 zeigt er jedoch, dass er sein Gewissen nicht als göttlichen Massstab für das Böse nimmt. Er übergibt sich dem Urteil des Herrn, ohne zu wissen, ob der Herr nicht Dinge kennt, die sein eigenes Gewissen unfähig war zu beurteilen. Aber obwohl der Apostel für sich selbst ruhig ist, sagt er in Bezug auf den Richterstuhl: «Da wir nun den Schrecken des Herrn kennen.» (Fussnote: «wie sehr der Herr zu fürchten ist».) Er denkt an die Menschen, die das Heil nicht besitzen und die blind dem ewigen Verdammungsurteil vor ihrem Richter entgegengehen. Daher sucht er sie vor der Gefahr zu warnen, die ihnen droht.
Der Gedanke an den Richterstuhl nimmt mir also in keiner Weise mein Vertrauen. Es spornt vielmehr meinen Eifer an, denn in dieser Hinsicht habe ich nicht an mich selbst, sondern nur an andere zu denken, die alle tot in ihren Sünden sind. Es geht hier um unsere Verantwortlichkeit, während wir am Anfang des Kapitels den Ratschluss gesehen haben.
Die Tatsache, dass er Gott offenbar war, erfüllte den Apostel mit der Hoffnung, dass er es auch im Gewissen der Korinther war. Trotz aller Anstrengungen des Feindes ist es unmöglich, Gott offenbar zu sein, ohne dass man es, früher oder später, auch im Gewissen der Brüder ist.
Die Lage des Apostels
Vers 12. Der Apostel nimmt hier Bezug auf die ersten Verse des 3. Kapitels. Er hatte es gar nicht nötig, sich den Korinthern zu empfehlen; denn durch seinen Dienst und seinen Wandel empfahl er sich jedem Gewissen der Menschen vor Gott (Kap. 4,2.3). Jene, die sich nach dem Ansehen und nicht nach dem Herzen rühmten, waren die Menschen, welche die Korinther für sich zu gewinnen suchten, indem sie deren Vertrauen in den Apostel zerstörten. Allerdings wird in diesem zweiten Brief nur nebenbei von ihnen gesprochen.
Vers 13. Paulus sah hier sein ganzes Leben unter zwei Anführern: Entweder war er in geistlicher Entrückung, oder er war besonnen. Ein Bruder hat dazu geschrieben: «Er war wie ausser sich, was das menschliche Denken betrifft, indem er durch den Geist die Gegenwart Gottes wirklich erlebte. Wenn er die gesegneten Impulse der Liebe, die sonst seinen Weg zu den Menschen hinlenkten, ausser acht liess, dann war es, um ausser sich mit Gott und für Gott zu sein: welch glücklicher Wechsel! Seine geistliche Entrückung war nicht Erregung oder Schwärmerei, aber wenn ausser sich, war er mit Gott. War er hingegen vernünftig, erfüllte ihn der Antrieb der Liebe zum Guten der Heiligen.»
Reichweite und Auswirkung des Erlösungswerkes
Verse 14,15. Diese Hingabe für die andern hatte ihre Quelle in der Liebe des Christus zu den Sündern. Diese Liebe drängte Paulus. Der Heiland hat alle Menschen als tot in ihren Vergehungen und Sünden gesehen, und seine Liebe hat Ihn bewogen, bis in den Tod hinab zu steigen, um sie zu erretten. Er ist für alle gestorben. Wir haben hier die Sühnung, nicht die Stellvertretung. Er ist im Blick auf alle gestorben, niemand ist ausgeschlossen. Gottes Gerechtigkeit durch Glauben an Jesus Christus richtet sich gegen alle (Röm. 3,22). Der Herr hat gesagt: «Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin (auf das Kreuz), werde alle zu mir ziehen» (Joh. 12,32). «Er ist die Sühnung ... für die ganze Welt» (1.Joh. 2,2). «Der sich selbst gab zum Lösegeld für alle» (1.Tim. 2,6).
Aber nicht alle wollen diesen Christus, der für sie gestorben ist. Deshalb spricht er, wenn es um die Anwendung seines Werkes auf die Seelen geht, nicht mehr von allen, sondern von «denen, die leben» (V. 15). Das sind die Gläubigen. Die Absicht richtet sich gegen alle, aber die Anwendung ist «auf alle, die da glauben». Es gibt also solche, die leben, als Ergebnis des Todes des Christus für alle. Sie waren tot und leben jetzt ein neues Leben. Der, welcher ihnen dieses Leben erworben hat, ist nicht nur für sie gestorben, sondern Er ist auferweckt worden. Seine Auferstehung ist sowohl der Beweis ihrer Rechtfertigung als auch der Ausgangspunkt ihres neuen Lebens. Er ist der Inhalt dieses Lebens: «auf dass die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und ist auferweckt worden.» Sie leben somit für Den, dem sie alles zu verdanken haben. Dieses neue Leben äussert sich für Ihn allein; sie leben nicht mehr für sich selbst - das kennzeichnete den alten Menschen -, sondern für Den, der für sie gestorben und auferweckt worden ist. Indem Er für uns starb, hatte Er dieses Ziel mit uns im Auge. Aber wir müssen uns fragen, bis zu welchem Punkt wir diesem Ziel praktisch entsprechen.
Das Ende des Menschen im Fleisch
Vers 16. Da alle Menschen in ihren Übertretungen und Sünden tot sind, und die Geschichte der Erprobung des Menschen beendet ist, wird der Nachkomme Adams, der Mensch im Fleisch, von Gott nicht mehr anerkannt. Er ist verloren und verurteilt, hat aber die Möglichkeit, errettet zu werden, wenn er den Retter annimmt, andernfalls ist sein Prozess beendet; Gott hat keine Beziehung mehr mit ihm. Er hat nur noch das göttliche Gericht zu erwarten, und das ist keine Beziehung mehr. Wenn also der Mensch nicht mehr von Gott gekannt ist, können auch die Kinder Gottes ihn nicht mehr anerkennen. «Daher kennen wir von nun an niemand nach dem Fleische.» Ein Christ, der Freundschaftsbeziehungen mit einem ehemaligen, weltlichen Freund aufrechterhalten möchte, ohne ihm seinen verlorenen Zustand und den Herrn als Retter vorzustellen, würde sich sehr schuldig machen und sich den Gedanken Gottes widersetzen.
Selbst jene, die Christus nach dem Fleisch, wie Er Israel als Messias vorgestellt wurde, gekannt haben, kannten Ihn nicht mehr so, denn der Christus der Christen ist ein gestorbener, auferweckter und verherrlichter Christus. Paulus hat Ihn nur in diesem Charakter gekannt; das Gesicht eines verherrlichten Christus hat ihn aufgehalten, umgeworfen, bekehrt und auf den Weg zur Herrlichkeit gebracht.
Eine neue Schöpfung
Vers 17. «Daher, wenn jemand in Christus ist,» - wenn er in diesem neuen Zustand ist, im Gegensatz zu seinem ehemaligen Zustand in Adam, - «da ist eine neue Schöpfung.» Was seine Person betrifft, ist er noch kein neues Geschöpf, denn er ist noch ein Mensch auf der Erde, aber er befindet sich in Christus in diesem neuen Bereich. Das Alte ist vergangen (am Kreuz), und durch den Tod, die Auferstehung und die Verherrlichung des Christus, mit dem wir vereint sind, ist alles neu geworden.
Mit Gott versöhnt
Vers 18. All dieses Neue kommt notwendigerweise von Gott. Der Mensch ist davon ausgeschlossen. Aber dieser Gott ist Der, welcher uns durch Jesus Christus mit sich selbst versöhnt hat. Versöhnt zu sein, heisst, in einen Zustand geführt zu sein, in dem man fähig ist, in Beziehung mit Gott zu treten, so wie Er ist. Die Versöhnung setzt einen ehemaligen Zustand im Gegensatz zum neuen Zustand voraus. In Römer 5,10 wird gesagt: «Denn wenn wir, da wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, vielmehr werden wir, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden.» Und in Kolosser 1,21 lesen wir: «Und euch, die ihr einst entfremdet und Feinde waret nach der Gesinnung in den bösen Werken, hat er aber nun versöhnt in dem Leibe seines Fleisches durch den Tod.»
Eine Versöhnung zwischen zwei Personen auf dieser Erde ist die Anerkennung und das Vergessen von gegenseitigem, gleichem oder ungleichem, Unrecht. Für Gott ist es ganz anders. Er hat nie ein
Unrecht gegenüber dem Menschen begangen. Er ist immer sich selbst treu geblieben. Daher ist Er es, der durch Christus die Versöhnung des Menschen mit sich bewirkt hat, wie es in den zwei oben erwähnten Stellen zum Ausdruck kommt. Er hat uns durch Christus mit sich selbst versöhnt. Nachdem dies bewirkt war, so sagt der Apostel, hat Er uns den Dienst der Versöhnung gegeben. Nur die Versöhnten können diesen Dienst haben.
Gottes Angebot an die Menschen
Vers 19. Während des Dienstes Christi war Gott in Ihm, indem Er gegenüber der Welt den Charakter eines Gottes hatte, der Versöhnung anbietet und die Übertretungen nicht anrechnet. Jesus selbst sagte: «Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn errettet werde» (Joh. 3,17). Aber diese Welt hat Christus verworfen und wollte weder von dem versöhnenden Gott noch vom Dienst des Herrn etwas wissen. Trotz dieser Verachtung seiner Gnade hat Gott doch nicht mit den Menschen gebrochen; Er hat ihnen den Dienst der Apostel gesandt: «und hat in uns das Wort der Versöhnung niedergelegt.»
Welches ist der Unterschied zwischen dem Evangelium der Herrlichkeit und dem Evangelium der Erniedrigung? Das Evangelium der Erniedrigung ist die vollkommene Gnade. Es ist Gott, der bis zum Menschen herabsteigt und ihn im Zustand, in dem er sich auf der Erde befindet, aufsucht. In Philipper 2 wird diese ganze Geschichte gezeigt, von der Zeit an, da Er in Gestalt Gottes war, bis zum Kreuz, wo Er, in der Gestalt wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte, indem Er gehorsam wurde bis zum Tode. Das ist die Offenbarung Gottes auf Erden, inmitten der sündigen Menschen; des Gottes, der in Liebe bis zu mir herabgestiegen ist. Und wenn ich mich niemandem in der Welt anvertrauen kann, so muss ich mich jetzt Gott anvertrauen.
Im Evangelium der Herrlichkeit wird der Mensch, als der alte Mensch betrachtet, ganz auf die Seite gesetzt, und doch ist der Mensch in der Herrlichkeit, und zwar aufgrund eines vollkommenen Werkes, das uns erlöst, uns rechtfertigt und uns dort einen Platz gibt. Die Herrlichkeit ist der Beweis der Vollgültigkeit des Werkes; die Erniedrigung ist der Beweis der Grösse der Liebe. Selbstverständlich sind diese zwei Seiten des Evangeliums das gleiche Evangelium, das der Herrlichkeit des Christus und das der Gnade Gottes. Es ist die Gnade, die den verlorenen Sohn mit dem besten Kleid bekleidet und ihn in das Haus einführt. Das Evangelium bedeutet somit nicht nur, dass Christus in der Herrlichkeit ist, sondern auch dass Gott, nach dem Reichtum seiner Gnade, zu mir als dem Sünder gekommen ist. Die Person Christi erstrahlt in ihrer ganzen Grösse aus diesem allem. Ich sage zum Sünder nicht einfach: Es gibt Vergebung für dich, sondern: Gott war in Christus, in seiner Person, um dich mit sich selbst zu versöhnen.
Unser Auftrag
Vers 20. Weil Christus, dessen Dienst verworfen wurde, abwesend ist, sendet Er Gesandte in diese Welt. Gott ermahnt sozusagen durch sie als Werkzeuge; sie bitten für Christus: «Lasst euch versöhnen mit Gott!» Aber diese Versöhnung kann sich nur auf das Opfer Christi gründen. Wenn der Mensch durch den Glauben dieses Opfers annimmt, wird er einer von denen, die Gott durch Christus mit sich selbst versöhnt hat.
Wie kann Gott angesichts der Sünde gerecht sein?
Vers 21. Indem er sich zu den Versöhnten zählt («wir»), zeigt uns der Apostel hier, was sie ihren Heiland gekostet haben und wie Er am Kreuz unter dem Gericht Gottes ihren Zustand der Feindschaft und all ihre Sünden auf sich genommen hat. «Ihn hat er für uns zur Sünde gemacht.» Auf dem Kreuz sah Gott nur die durch Christus getragene Sünde, und seine Gerechtigkeit schlug Ihn dort. Die Sünden mussten gerichtet, die Sünde im Fleisch musste verurteilt werden (Röm. 8,3).
In diesem 21. Vers findet man als Folge des einen vom andern die zwei grössten Gegensätze: Christus, für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit in Ihm würden. Die Frage der Gerechtigkeit Gottes wird vom Apostel im Römerbrief behandelt. In Kapitel 1,1 sagt er, dass Gottes Gerechtigkeit im Evangelium auf dem Grundsatz des Glaubens beruht und dem Glauben offenbart wird. In Kapitel 3,21-26 zeigt er, dass jetzt die Gerechtigkeit Gottes offenbart ist: «Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus gegen alle, und auf alle, die da glauben.» Die Gläubigen sind umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Gott hat seine Gerechtigkeit damals beim Ungestraftlassen der vorher geschehenen Sünden durch Vertagung aufgezeigt. Er hat sie in der jetzigen Zeit derart erwiesen, «dass er gerecht sei und den rechtfertige, der des Glaubens an Jesus ist».
Die jetzt erwiesene Gerechtigkeit Gottes ist eine Gerechtigkeit, die den Schuldigen aufgrund des Opfers Christi rechtfertigt. Die Majestät, die Heiligkeit und die Gerechtigkeit Gottes forderten das Gericht über die Sünden. Weil Christus sie am Kreuz als Stellvertreter für die Gläubigen auf sich genommen hat, ist die Gerechtigkeit Gottes streng gegen die Sünde vorgegangen, aber durch dieses Werk völlig zufrieden gestellt worden. Nun wird sie, wegen Christus, zu einer rechtfertigenden Gerechtigkeit gegenüber dem, der glaubt. Die Gerechtigkeit, die Bezahlung forderte, ist für uns eine rechtfertigende Gerechtigkeit geworden. Gott ist gegenüber Christus gerecht, wenn Er uns rechtfertigt.
Gott hatte die Sünden der Gerechten des Alten Testaments damals «auf Lager gelegt». So konnten sie in die Ruhe des Himmels eingeführt werden, bevor ihre Sünden tatsächlich gesühnt waren. Gott hatte ihnen sozusagen einen Vorschuss auf das Werk Christi gegeben. Aber am Tag des Kreuzes hat Er seine Gerechtigkeit gezeigt, indem Er vom Erlöser Rechenschaft für die Sünden derer forderte, die seit langem in der Ruhe waren, so dass Gott gerecht ist, wenn Er die Gläubigen aller Zeiten rechtfertigt.
In Römer 10 zeigt der Apostel, dass sich die Juden, «da sie Gottes Gerechtigkeit nicht erkannten und ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten trachteten, der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen haben. Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit». Der Gläubige unterwirft sich der Gerechtigkeit Gottes, indem er seinen natürlichen Zustand der Verlorenheit anerkennt und Christus, der dafür Vorsorge getroffen hat, annimmt.
Gottes Gerechtigkeit in Ihm
Was bedeutet der Ausdruck in Vers 21: «auf dass wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm»? Beachten wir, was in Johannes 16,8.10 vom Heiligen Geist gesagt wird: «Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht.» Der Herr fügt hinzu: «von Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater hingehe, und ihr mich nicht mehr seht». Diese schwer verständlichen Worte bedeuten, dass die Verherrlichung Christi zur Rechten Gottes der Ausdruck der Gerechtigkeit Gottes ist. Der Heilige Geist, der aufgrund der Verherrlichung Christi auf diese Erde kam, ist gegenüber der Welt der Beweis, dass die Gerechtigkeit Gottes Den verherrlicht hat, den die Ungerechtigkeit der Welt verurteilt hatte. Am Tag der Hinrichtung des Sohnes Gottes schien es, dass man die Gerechtigkeit nirgends finden konnte. Der einzige wahre Gerechte hing an einem Kreuz, und Gott liess es geschehen. Und als die Welt, von ihrem Fürsten getrieben, ihren ganzen Hass gegen dieses Opfer erschöpft hatte, wurde es von Gott verlassen. Wo war da die Gerechtigkeit? Aber dann hat Gott Ihn auferweckt und Ihn in die Herrlichkeit erhoben. Er gab Ihm einen Namen, der über jeden Namen ist, und erhöhte Ihn in seiner Souveränität zu seiner Rechten, indem Er Ihn mit Herrlichkeit und Ehre krönte! Haben wir die Gerechtigkeit Gottes gesucht? Hier ist sie!
Aber der Erlöser ist es wert, seine Erlösten, für die Er gelitten hat, bei sich in der Herrlichkeit, in die Gott Ihn gesetzt hat, zu haben. Sie sind mit Ihm vereinigt, da, wo Er sich befindet, mitsitzend in den himmlischen Örtern in Ihm (Eph. 2,6). Durch diese Vereinigung mit Ihm sind sie «die Gerechtigkeit Gottes in Ihm» geworden. Später werden sie persönlich bei Ihm sein, wie Er in Johannes 17,2 sagt: «Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin.»
Man findet also diese beiden Seiten: 1. Wir sind gerechtfertigt durch die Gerechtigkeit Gottes um Christi willen. 2. Weil wir mit Ihm vereinigt sind, dort, wohin Ihn diese Gerechtigkeit gesetzt hat, sind wir Gottes Gerechtigkeit in Ihm geworden.
Gottes Gnade vergeblich empfangen
Vers 1. Als «Mitarbeiter Gottes» ermahnte der Apostel die Menschen (5,20). Im gleichen Werk tätig, richtet er sich jetzt an die Christen, und ermahnt sie, die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangen zu haben. Diese Frage ist sehr ernst und richtet sich ebenso an unsere Verantwortlichkeit wie an jene der Korinther, damit wir daraus Nutzen ziehen. Aber leider werden viele Bekenner, die kein wirkliches Leben aus Gott haben, letzten Endes als solche erfunden werden, die das Evangelium der Gnade Gottes vergeblich vernommen haben.
Alle hatten die Gnade empfangen, aber die Frage ist, ob sie sie alle in ihren Herzen aufgenommen hatten. Er betrachtet sie als Christen, aber weil er ihren schlechten Wandel sah, war es ihm ihretwegen nicht mehr wohl. Wir wollen die Worte des Apostels nicht abschwächen. Es geht hier nicht einfach darum, Frucht zu bringen; denn wenn sie die Gnade Gottes vergeblich empfangen hatten, waren sie überhaupt nicht wiedergeboren. Wenn ich errettet bin, wie könnte man dann von mir sagen, dass ich die Gnade Gottes vergeblich empfangen habe? Das Ergebnis des Evangeliums ist gewaltig, wenn ich es aufgenommen habe, um in den Himmel zu kommen. Doch wie oft kommt die Gnade Gottes zu den Menschen, sie schmecken das gute Wort Gottes, wie in Hebräer 6, und hernach sieht man, dass sie doch verloren gehen. Im Gleichnis vom Sämann ist die Rede von denen, die das Wort nicht nur hören, sondern es aufnehmen. Jemand kann ein Traktat bekommen, es zerreissen und fortwerfen, ein anderer liest es, behandelt aber die darin enthaltene Wahrheit ebenso abschätzig. Beide haben die Gnade Gottes vergeblich empfangen.
Vers 2. Paulus zitiert hier in Klammern Jesaja 49,8: «Zur angenehmen Zeit habe ich dich erhört, und am Tage des Heils habe ich dir geholfen.»
Diese Stelle richtet sich an den Messias, der von den Juden verworfen wurde, der aber zum Licht und zum Heil der Nationen bis an das Ende der Erde werden sollte. Der Apostel wendet dies auf die Korinther an, die aus den Nationen waren, und sagt ihnen: «Siehe, jetzt ist die wohlangenehme Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils.»
Die Merkmale eines wahren Dieners Gottes
Verse 3-10. In diesen Versen beweist der Apostel, dass er durch alle Schwierigkeiten hindurch ein wahrer Diener Gottes ist und die Merkmale eines solchen trägt. Es sind die Merkmale, die in Vollkommenheit beim Herrn selbst gesehen wurden. Für Paulus war es eine grosse Ehre, so seinem Meister nachzufolgen, indem er so viele Leiden erduldete. Er erwies sich als Diener Gottes, erstens durch viel Ausharren in den Drangsalen, Nöten und Ängsten; zweitens in Reinheit, in Erkenntnis, in Langmut und in Gütigkeit. Er konnte hinzufügen: im Heiligen Geist, in ungeheuchelter Liebe, im Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes. Und schliesslich geschah es in dieser praktischen Gerechtigkeit, die ihm erlaubte, sowohl die Waffen zum Angriff als auch jene zur Verteidigung mit beiden Händen zu gebrauchen. Er blieb standhaft in diesem Charakter mit Gott, ungeachtet dessen, was die Menschen, und selbst die Christen, von ihm denken mochten.
Paulus brachte in seinem Dienst die Wesenszüge Gottes zum Ausdruck. Er benahm sich in einer Weise, dass ihm niemand etwas Böses nachsagen konnte. Ein inkonsequenter Wandel hätte Schande auf seinen Dienst gebracht. Aber es galt in dieser Hinsicht zu kämpfen, denn er hatte den Teufel als Widersacher und alles gegen sich.
Einige betrachteten ihn als einen Verführer, andere als wahrhaftig; den einen war er unbekannt, den andern wohlbekannt; er war wie ein Sterbender, und doch lebte er. In Vers 6 finden wir den Heiligen Geist, und in Vers 7 die Kraft Gottes. Gott wirkt durch den Heiligen Geist, aber auch der Heilige Geist selbst ist eine direkte Offenbarung von Kraft und Gnade, und dennoch kann Er auch ohne sichtbare Kraft führen und leiten. In unseren Tagen, wo völlige Verwirrung über den Heiligen Geist und seine Wirkungen herrscht, ist es nötig, dies zu beachten. Zweifellos wurde in Paulus eine ganz andere Entfaltung des Heiligen Geistes bemerkt als unter uns. Aber wir haben den Heiligen Geist betrübt, so dass man seine Gegenwart viel weniger wahrnimmt als damals.
Die Zuneigung des Apostels zu den Korinthern
Verse 11-13. Der gegenwärtige Zustand der Korinther, im Gegensatz zu der Zeit, da er seinen ersten Brief schrieb, erlaubte dem Apostel, seiner ganzen Zuneigung zu ihnen freien Lauf zu lassen; sein Mund war aufgetan, sein Herz weit geworden. Sie waren nicht verengt in ihm, und, wie eine gerechte Belohnung, die Ihm zustand, bittet er auch sie, weit zu werden.
Unsere Absonderung für Gott in der Welt
Verse 14-16. Seine väterliche Sorge um sie bewog ihn dazu, sie zu ermahnen. Es ging darum, inmitten der Welt eine klare Stellung der Absonderung für Christus einzunehmen. Das sollte nicht nach dem Grundsatz des Mönchtums geschehen, sondern man musste offen zeigen, dass man für Ihn geheiligt (abgesondert) war, sei es jeder für sich in den Einzelheiten des Lebens, oder sei es gemeinsam als die Behausung Gottes und sein Tempel.
Das Kind Gottes kann nicht mit den Kindern der Welt vereint sein, indem es ein ungleiches Joch mit ihnen trägt. Wenn der Herr uns sagt: «Nehmet auf euch mein Joch», dann ist das ein leichtes Joch, die vollkommene Abhängigkeit von seinem Vater. Sich mit Weltmenschen unter ein gleiches Joch zu stellen, macht im Gegenteil diese freie Abhängigkeit in den Belangen des Lebens unmöglich. Die Ermahnung des Apostels verurteilt jede Art von Verbindung mit der Welt von Grund auf. Das Prinzip weltlicher Vereinigungen hat den Turmbau von Babel als Ausgangspunkt. Dort treten die Beweggründe in Erscheinung, die die Menschen dazu treiben, sich zusammenzuschliessen. Dort sieht man auch die Absicht Gottes, indem Er sie zerstreut. Wenn die Welt meint, dass in den Angelegenheiten des Lebens Einigkeit stark mache, so muss der Christ von der Wahrheit durchdrungen sein, dass sich die Kraft des einzelnen in der Abhängigkeit von Gott findet.
Die Beweggründe, die der Apostel nennt, um die Notwendigkeit der Heiligkeit, d.h. der Absonderung für Gott, zu zeigen, sind sehr schön. Es kann keine Gemeinsamkeit zwischen der Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit geben, denn das ist ein absoluter Gegensatz. Ebenso ist die Gemeinschaft von Licht und Finsternis unmöglich, denn das eine schliesst das andere aus. Und wie könnte man Christus mit Belial, die Liebe mit der Bosheit, in Übereinstimmung bringen? Kann der Glaube irgendein Teil mit dem Unglauben haben? Welche Übereinstimmung wäre zwischen dem Tempel Gottes und den Götzenbildern möglich? Es ist auffallend, dass die hier gebrauchten Ausdrücke in andern Stellen den Gläubigen zugeschrieben werden. Sie sind Gottes Gerechtigkeit (5,21), Licht in dem Herrn (Eph. 5,8), der Tempel Gottes (V. 16), und sie werden sogar, als der Leib des Christus mit dem Haupt vereinigt, mit dem Namen «der Christus» benannt (1.Kor. 12,12).
Die Folgen einer entschiedenen Absonderung
Das Zitat aus 3.Mose 26,11.12: «Ich will unter ihnen wohnen und wandeln ...», ist eine Verheissung, die an eine Bedingung geknüpft ist: Sie ist vom Gehorsam des Volkes abhängig. Das gilt in unserem Abschnitt auch für uns. Es geht hier in allem um die Praxis (V. 17,18). Es wird uns alles als die Folge einer wahren Heiligkeit vorgestellt. «Geht aus ihrer Mitte aus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rühret Unreines nicht an, und ich werde euch aufnehmen.» So ist auch der 18. Vers nicht die Bestätigung unserer Beziehung zum Vater, sondern er erklärt, dass, wenn wir abgesondert wandeln, Gott uns als seine Söhne und seine Töchter annehmen kann. Wie kostbar ist das: Der Allmächtige, wie Abraham Ihn kannte, der Jehova des Volkes Israel, obwohl Er das auch für uns bleibt, nimmt im Blick auf uns einen unendlich gesegneteren Namen an: Er ist unser Vater.
Praktische Heiligkeit
Vers 1. Der erste Vers schliesst sich an Kapitel 6 an und bestätigt, was wir schon gesagt haben, dass es in diesen Versen nur um die Praxis geht. «Da wir nun diese Verheissungen haben» - dass Gott unter uns wohnen und wandeln will, und dass Er uns als Söhne und Töchter annehmen will -, «so lasst uns uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes, indem wir die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes.» Es geht um jegliche äussere Befleckung im Wandel, und um die innere Befleckung der Gedanken.
Es gibt also eine persönliche praktische Heiligkeit und eine gemeinschaftliche praktische Heiligkeit. Viele Christen, die mit menschlichen religiösen Systemen verbunden sind, bestehen mit Recht auf der persönlichen Heiligkeit, erachten aber die gemeinschaftliche als unmöglich. In den Augen des Herrn hingegen ist es von höchster Wichtigkeit, sich kollektiv sowohl von allem lehrhaft Bösen wie auch von allem moralisch Bösen zu trennen. Wenn diese beiden Formen von Heiligkeit vereint sind, dann kennt man die wahre, praktische Heiligkeit vor Gott.
Das Herz des Dieners
Verse 2-7. Vielleicht bezieht sich der Gedanke des Apostels hier auf den Anfang des dritten Kapitels. Er wird in den Kapiteln 10 und 11 noch auf diesen Punkt zurückkommen. Er lässt unmerklich etwas von dem durchblicken, was er betreffs derer auf dem Herzen hatte, die die Korinther bearbeiteten, um sie zu ihrem Vorteil vom Apostel loszulösen. Jetzt, da die Korinther eine Umkehr zum Guten zeigen, kann der Apostel diese Saite anrühren. Er öffnet ihnen sein Herz voller Zuneigung zu ihnen. Wenn er in den vorhergehenden Kapiteln die Merkmale des Dienstes dargestellt hat, so zeigt er hier - wie jemand es ausgedrückt hat - das Herz des Dieners.
Durch Titus hat er vom guten Ergebnis erfahren, das sein erster Brief hervorgebracht hat, und das erfüllt ihn mit Freude. Er wiederholt, in welch grosser Drangsal er sich befunden hatte, bevor er diese erfreulichen Nachrichten erhielt, und welchen Trost die Ankunft von Titus ihm gebracht hat. Seine Abwesenheit hatte so lange gedauert, dass Paulus im Ringen mit seinem eigenen Herzen dachte, die Korinther wollten nichts mehr von ihm wissen. Doch Titus konnte ihm von ihrem Wehklagen, von ihrem Eifer für ihn berichten, «so dass», wie er hinzufügt, «ich mich um so mehr freute».
Die Gefühle des Apostels
Verse 8-10. Es ist wichtig, hier den Unterschied zwischen dem inspirierten Apostel und dem Herzen des Paulus festzustellen. Er hatte ihnen einen inspirierten Brief schreiben müssen, um sie wegen des Bösen, das sie in ihrer Mitte duldeten, streng zurechtzuweisen. Aber wenn er an die Traurigkeit dachte, die dieser Brief hatte hervorrufen müssen, dann hätte sein Herz ihn getrieben, zu bereuen, ihnen geschrieben zu haben. Welch ein Herz hatte der Apostel! Doch jetzt konnte er sich freuen, dass sie gottgemäss betrübt worden waren, mit einer Betrübnis, die eine nie zu bereuende Busse zum Heil bewirkt.
Der erste Brief und seine Wirkung
Vers 11. Dieser Vers zeigt uns die Wirkung dieser Busse. Alle diese Äusserungen, durch die sie sich offenbart, zeigen ihre Echtheit. Wenn sie sich am Anfang gegenüber dem schrecklichen Bösen, das in ihrer Mitte vorgekommen war, gleichgültig gezeigt hatten, so waren sie jetzt durch den Brief des Apostels in dieser Hinsicht wachgerüttelt worden und hatten das Böse streng verurteilt. Durch die Art und Weise, wie sie sich davon gereinigt hatten, zeigten sie, dass sie «an der Sache rein» waren.
Vers 12. Der Apostel kann ihnen seinerseits sagen, dass der Beweggrund für seinen Brief weder Sympathie für den Beleidigten noch Antipathie gegenüber dem Beleidiger war, sondern damit ihnen sein Eifer für sie vor Gott offenbar würde.
Erfahrungen von Titus in Korinth
Verse 13-16. Er kann sich also völlig freuen, er ist reichlich getröstet. Wenn er Titus ermuntert hatte, zu ihnen zu gehen, indem er ihm sagte, er würde in Korinth Herzen finden, die dem Guten zugeneigt seien, so ist er nicht beschämt worden. Hier findet der Apostel einen zweiten Grund zur Freude, weil sich das Herz von Titus durch das Gute, das er in ihrer Mitte gefunden hatte, mit den Korinthern verband. «Seine innerlichen Gefühle», sagt der Apostel, «sind überströmender gegen euch, indem er an euer aller Gehorsam gedenkt, wie ihr ihn mit Furcht und Zittern empfangen habt.» Dann schliesst er mit den herzlichen und vertrauensvollen Worten: «Ich freue mich, dass ich in allem Zuversicht betreffs euer habe.»
Die Gnade des Gebens
Verse 1-9. Jetzt, da das Herz des Apostels gegenüber den Korinthern weit werden konnte, ist er frei, auf eine seit dem vorhergehenden Jahr offen gebliebene Sache zurückzukommen. Es handelte sich darum, ihren Teil an der Sammlung zu erfüllen, die in Mazedonien und Achaja zugunsten der Armen unter den Heiligen von Jerusalem durchgeführt wurde. Er hatte ihnen schon im ersten Brief davon geschrieben (Kap. 16). Sie wird auch in Römer 15,25-28 erwähnt.
Mit welchem Feingefühl schlägt der Apostel die empfindsamen Saiten im Herzen der Korinther an! Er befiehlt ihnen nichts; er macht bei ihnen nicht geltend, dass es ihnen besser gehe als anderen. Er stellt die Sache ganz als eine Angelegenheit der Gnade und der Liebe vor. Die Belehrung dieser beiden Kapitel kann darin zusammengefasst werden, dass alles Gnade ist, dass alles von Gott kommt, und dass alles zu Gott zurückkehrt. Es ist eine Gnade, die Bedürfnisse der Heiligen zu befriedigen. Wie oft erwähnt der Apostel diese Gnade: Verse 1,4,6,7 und Vers 9, wo die Gnade unseres Herrn Jesus Christus das Vorhergesagte unterstützt; dann weiter in Vers 19 und Kap. 9,8.14.
Wie und wie viel geben
In den Versen 1-5 teilt Paulus den Korinthern mit, in welchem Geist die Brüder von Mazedonien, die sehr arm waren, an dieser Sammlung teilgenommen hatten. Inmitten von Drangsal und Armut hatten sie über ihr Vermögen gegeben und den Apostel gebeten, dass er selbst ihr Bote und Ausführer dieses Dienstes werden möge. Paulus konnte von ihnen betreffs der Gnade dieses Dienstes sagen: «Sie gaben sich selbst zuerst dem Herrn und uns durch Gottes Willen.» Nachdem er die Gnade hervorgehoben hat, die bei den Mazedoniern wirkte, unterstreicht der Apostel seine Worte an die Korinther durch die Gnade des Herrn Jesus selbst. Er hat als Mensch in Armut gelebt, damit wir durch seine Armut, durch die Armut Dessen, der so unendliche Reichtümer besass, reich würden.
Verse 10-12. Nun spornt er sie an, das Tun zu vollbringen, nachdem sie im vorangegangenen Jahr das Wollen gezeigt hatten. Die armen Mazedonier hatten spontan gegeben, die reichen Korinther sollten jetzt ihrer Absicht die Tat folgen lassen. Er sagt: «nach dem, was ihr habt», was eine ganz einfache Anweisung für alle Zeiten ist.
Verse 13-15. Die Gleichheit, von der hier die Rede ist, findet sich in Römer 15,25-28 ausgedrückt. Viele geistliche Gaben waren von Judäa zu den Nationen gekommen, und jetzt gingen materielle Gaben von den Nationen zu den Juden. So gab es Gleichheit. Das kommt auch in Vers 14 zum Ausdruck: «In der jetzigen Zeit diene euer Überfluss für den Mangel jener, auf dass auch jener Überfluss für euren Mangel diene.» Als die Israeliten das Manna einsammelten, gab es auch Gleichheit: «Wer viel sammelte, hatte nicht Überfluss, und wer wenig sammelte, hatte nicht Mangel.»
Verwalter der Gaben
Verse 16-24. Hier finden wir wichtige Grundsätze. Die Verwaltung der Gaben zur Unterstützung ist eine sehr heikle Sache. Es müssen Brüder, die das volle Vertrauen geniessen, damit beauftragt werden. Das findet man schon in Apostelgeschichte 6,3. In unserem Kapitel ist die Rede von zwei sehr angesehenen Brüdern, die mit Titus gesandt wurden. Der eine wird in Vers 18, der andere in Vers 22 erwähnt. Ihre Ehrenhaftigkeit ist so gross, dass im 23. Vers von ihnen gesagt wird, sie seien Gesandte der Versammlungen, Christi Herrlichkeit. Das sagt viel, und ist vielleicht der Grund, weshalb das Wort ihre Namen verschweigt. Auf jeden Fall sind sie auf diese Weise der Heiligsprechung durch Menschen entgangen!
Wie der Apostel der Trägheit der Korinther begegnet
Verse 1-7. Mit grösster Feinfühligkeit erinnert Paulus die Korinther daran, dass er sich ihrethalben vor den Brüdern aus Mazedonien gerühmt habe, indem er ihnen sagte, die Versammlung von Korinth sei schon seit vorigem Jahr bereit gewesen. Jetzt mussten sie so handeln, dass der Apostel nicht zu Schanden würde, nachdem er sich ihrer gerühmt hatte. Ein materieller Dienst bleibt nicht ohne Folgen hinsichtlich der Treue, in der er getan wird; Wer segensreich sät, wird auch segensreich ernten; anderseits wird die Ernte dessen, der sparsam sät, auch entsprechend ausfallen. Und er fügt hinzu: «Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.»
Verse 8,9. Gott ist mächtig, den Geber zu segnen. Der Apostel führt Psalm 112,9 an: «Er hat ausgestreut, er hat den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.» Es handelt sich hier um den Gerechten, der gibt; seine praktische Gerechtigkeit bleibt auf ewig bestehen.
Schlussfolgerung zum Thema «Geben»
Verse 10-15. Diese Verse sind die schöne Schlussfolgerung des Themas dieser beiden Kapitel. Wie bereits gesagt: Alles ist Gnade, alles kommt von Gott, und alles kehrt zu Gott zurück. Die Freigebigkeit ist eine Frucht der Gnade in denen, die sie ausüben. Sie wird als eine Gnade von denen empfangen, die Nutzen davon haben. Diese danken Gott und beten für die Geber, und das alles knüpft die brüderlichen Bande unter den Heiligen enger. So entstehen Gebete für die Heiligen und Danksagungen gegenüber Gott. Alle Wirkungen der Gnade vereinen sich, um ein wunderbares Räderwerk zu bilden. Der Apostel ist davon bewegt und schliesst mit dem Ausruf: «Gott sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!» Man kann gewiss denken, dass sich die Korinther beim Lesen dieses Teils des Briefes mit glücklichem Eifer daran gemacht haben, ihre Opfergabe zusammenzutragen.
Die Person des Dieners
Hier beginnt ein neuer, und zwar der letzte Teil dieses Briefes. Die ersten fünf Kapitel haben uns den Dienst, seine verschiedenen Gesichtspunkte und die Gegenstände, mit denen er sich befasst, vorgestellt. Die Kapitel 6-9 haben uns die Früchte dieses Dienstes gezeigt. In den Kapiteln 10 - 13 finden wir, am Beispiel von Paulus, die Person des Dieners selbst, im Gegensatz zu den falschen Lehrern. Der Apostel zeigt, dass die Tätigkeit dieser Männer darauf abzielte, die Korinther von der Person Christi abzuziehen, und er gibt das Hilfsmittel an, um sie zu erkennen.
Vers 1. Paulus ermahnt die Korinther «durch die Sanftmut und Gelindigkeit des Christus». Das waren die Charakterzüge, die er selbst in ihrer Mitte offenbart hatte. Aber er lässt sich selbst beiseite, denn sein Dienst stellte ihnen nichts anderes als Christus vor. Was die äussere Erscheinung betrat war Paulus körperlich schwach; seine Person imponierte nicht. Er war ein zerbrochenes Gefäss, von Satan mit Fäusten geschlagen, damit sich die Kraft Gottes durch ihn offenbaren könne. Aber ob er nun demütig unter ihnen war, oder kühn, nachdem er sie verlassen hatte - sein Dienst war von Gott.
Verse 2-4. Er fleht sie an, auf seine Ermahnung zu hören, damit er nicht gezwungen sein würde, seine Autorität gegen sie zu gebrauchen, eine Autorität, die er gegen jene einsetzen wollte, die ihn als nach dem Fleisch wandelnd darstellten, um seinen Platz einnehmen zu können. Von einem solchen Wandel weit entfernt, waren die Waffen des Apostels nicht fleischlich, denn er riss die Festungen, die Satan der Erkenntnis Gottes entgegenstellte, nieder, um die Seelen zur Unterwürfigkeit unter Christus zu führen. Das Beispiel von Jericho zeigt, dass die Macht Gottes nötig ist, um den Widerstand des Feindes zu brechen.
Die Wirkung der Waffen des Kampfes
Verse 5,6. Hier haben wir die drei Ergebnisse, die durch die «Kriegswaffen» des Apostels erreicht wurden. 1) Sie zerstörten «die Vernunftschlüsse und jede Höhe, die sich erhebt wider die Erkenntnis Gottes», jeden menschlichen Hochmut, der sich an Gottes Stelle setzt, um sich die Seelen zu eigen zu machen, indem er sie daran hindert, durch Christus zur Erkenntnis Gottes zu gelangen. 2) Sie «nahmen jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam des Christus», im Gegensatz zu den falschen Lehrern, die versuchten, die Seelen sich unterwürfig zu machen, damit sie ihnen gehorchten. 3) Sie «standen bereit, allen Ungehorsam zu rächen, nachdem der Gehorsam der Korinther erfüllt sein würde.» Nachdem die Korinther die Ermunterungen und Ermahnungen des Apostels empfangen hatten, würden sie die Gesinnung, die sie erfüllte, gerade dadurch zeigen, dass sie sich von jenen Verführern absonderten. Dann wollte Paulus gemäss seiner apostolischen Autorität gegen diese vorgehen, weil sie sich gegen die Rechte Christi erhoben. Es gibt nichts Herzbewegenderes als diese Bemühungen des Apostels, das Gute hervorzubringen und die Seelen, die sich verirren, zu Christus zurückzuführen, indem er Gnade und Geduld übte, bevor er richtend vorging. Welch ein Beispiel zur Nachahmung in einer Zeit, da die Schwierigkeiten in den Versammlungen überhand nehmen!
Die Verächtlichkeit der Erscheinung des Apostels und das Gewicht seiner Briefe
Verse 7-9. Sollte Paulus von den Korinthern denn nach seiner Erscheinung eingeschätzt werden? Nein, sondern so, wie sie dachten, Christus anzugehören, so sollten sie auch Paulus als Christus angehörend betrachten. Und wenn er sich nicht durch den Gebrauch seiner Autorität rühmte, sondern in ihren Augen verächtlich blieb, dann war es, weil er sie nicht zu erschrecken, sondern zu erbauen suchte; und doch hatte er seine Autorität vom Herrn bekommen.
Verse 10,11. Durch üble Nachrede versuchten diese Männer das Vertrauen der Korinther in den Apostel zu zerstören. Sie nahmen seine demütige Erscheinung zum Anlass, um das Missverhältnis zwischen seinen gewichtigen und kräftigen Briefen während seiner Abwesenheit und seiner verächtlichen Rede, wenn er persönlich in seiner Schwachheit in ihrer Mitte war, zu zeigen. Aber der Apostel bestätigt das Gegenteil. Sein Wort hatte die gleiche Kraft, ob er abwesend oder gegenwärtig war, denn es war das Wort von Gott.
Vers 12. Paulus zählt sich nicht zu denen, die sich selbst empfehlen, und vergleicht sich nicht mit ihnen. Solche haben keinen andern Massstab als sich selbst; sie finden niemanden für einen Vergleich, denn ihr Hochmut stellt sie über alle, und alle stufen sie als unter ihnen stehend ein. Das ist ein starker Beweis von Unverstand.
Die falschen Lehrer im Gegensatz zum wahren Diener
Verse 13-16. «Wir aber wollen uns nicht ins Masslose rühmen, sondern nach dem Masse des Wirkungskreises, den der Gott des Masses uns zugeteilt hat.»
Diese falschen Lehrer waren gekommen und in einer Weise vorgegangen, als wären sie von Anfang an dazu ermächtigt worden; dabei hatte Gott ihnen keinerlei «Mass» gegeben. Paulus war durch alle Schwierigkeiten hindurchgegangen, hatte die Verfolgungen und Gefahren erduldet; währenddem es für diese Männer sehr leicht war, in sein Werk einzutreten, um zu versuchen, es zu zerstören. Der Apostel hatte sein Mass nicht überschritten. Andere Apostel und Diener des Herrn konnten zweifellos da, wo Paulus gepflanzt hatte, gottgemäss begiessen. Aber diese hier drangen ein, ohne dazu ermächtigt zu sein, und zwar, um das Werk zu verderben. Paulus rühmte sich in dem, was er war, nicht «ins Masslose», d.h. er rühmte sich nicht der Frucht der Arbeit von andern.
Die falschen Lehrer können in der Tat ihr Tätigkeitsfeld nur da finden, wo die Wahrheit schon gepredigt worden ist. Aber Paulus war, indem er in dem ihm zugeteilten Mass blieb, bis zu den Korinthern gelangt. Nun gibt er der Hoffnung Ausdruck, dass durch die Rückkehr in einen besseren Zustand «ihr Glaube wachsen werde» und sie ihm helfen würden, sich an weitere Orte zu begeben. Das ist die Bedeutung der Worte: «unter euch vergrössert zu werden». Es sollte den wiederhergestellten Korinthern möglich sein, sei es durch das Gebet, sei es durch ihre Begleitung oder jedes andere Mittel, den Wirkungskreis seiner Tätigkeit zu vergrössern, um das Evangelium dorthin zu bringen, wo es noch nicht verkündigt worden war (siehe Röm. 15,20-25).
Verse 17,18. Diese Verse zeigen uns, dass der wahre Diener des Herrn nur einen einzigen Gegenstand des Ruhmes hat: den Herrn, und dass seine einzige wahre Empfehlung die Anerkennung des Herrn ist, nicht die der Menschen.
Der heilige Eifer des Apostels um die Korinther
Verse 1-3. Nachdem die Korinther wiederhergestellt sind, kann der Apostel ihnen alles sagen, was sein Herz betreffs jener Männer empfindet, die versucht hatten, sie zu beunruhigen. Paulus war eifersüchtig um die Korinther bemüht, aber mit einem heiligen Eifer. Er hatte sie zu Christus geführt, nicht zu sich selbst. Er hatte sie Christus verlobt, um sie Ihm als eine keusche Jungfrau darzustellen, und er befürchtete, dass die Tätigkeit der falschen Lehrer sie dazu bringen könnte, diesen Charakter zu verlieren. Er vergleicht diese Männer mit Satan, der alten Schlange, die Eva mit ihrer List verführte. Diese List bestand nicht darin, zu leugnen, dass Gott geredet habe, sondern im Einflüstern, dass die von Ihm gebrauchten Worte nicht das bedeuteten, was Eva dachte. So ist es immer mit den falschen Lehren. Sie verfälschen die Gedanken durch das Einführen von Zweideutigkeit und Doppelsinn, damit die Seele nicht von der Einfachheit beeindruckt werde, mit der das Wort allem, was Christus betrifft, Zeugnis gibt.
Die Wahrheit ist immer einfach und gewinnt das Herz für Christus.
Die Ansprüche des Apostels und die Entlarvung der Verführer
Verse 4-6. Wenn die Korinther geneigt waren, diese Verführer zu dulden, so mussten sie auch den Apostel ertragen, wenn er ein Tor zu sein schien, denn er war gezwungen, ihnen gegenüber selbst Anspruch auf seine Würde als Diener Christi zu erheben. Die Korinther hätten doch sowohl diesen Dienst als auch diesen Diener anerkennen sollen! Er sagt ihnen: «Wir sind in jeder Weise in allen Stücken gegen euch offenbar geworden.»
Verse 7-15. In Vers 12 gibt der Apostel klar den Grund an, warum er nichts von den Versammlungen in Achaja annehmen wollte. Die falschen Lehrer stellten sich als solche vor, die umsonst arbeiteten und niemand zur Last fallen wollten. Wenn Paulus Hilfe angenommen hätte, wäre ihnen das eine willkommene Gelegenheit gewesen, ihn als einen darzustellen, der sich von finanziellen Interessen leiten liess. Nun gut! sagt er, sie «werden erfunden, wie auch wir,» und sind uns nicht überlegen. In den Versen 13-15 entlarvt er sie dann schonungslos: Sie sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, Diener Satans, deren Ende nach ihren Werken sein wird.
Verse 16-22. Die Korinther ertrugen gern die Toren, die sich nach dem Fleisch rühmten. Somit sollten sie auch den Apostel ertragen, wenn er gezwungen war, als Törichter zu reden und sich zu rühmen, wiewohl dies mit Gewissheit geschah (V. 17.) Auch er konnte «dreist» sein, wie die Verführer. Rühmten sie sich, Hebräer zu sein, Israeliten, Abrahams Same? - Das bin ich alles auch, sagt der Apostel; sie übertreffen mich in keiner Weise.
Die Leiden des wahren Dieners Christi
Verse 23-31. Wenn er aber dazu kommt, zu sagen: «Sind sie Diener Christi?», hält der Vergleich nicht stand und die Gleichheit besteht nicht mehr. Sie gaben vor, Diener Christi zu sein, waren im Grunde genommen aber Diener Satans. Was den Apostel betrifft, sollten die Korinther ihn als einen Toren ertragen, wenn er ihnen von den ausserordentlichen Leiden schreibt, die er im Erfüllen seines Dienstes erduldet hat. Diese waren grösstenteils noch nicht an die Öffentlichkeit gelangt, weil das Wort sie mit Schweigen übergeht, wenn es uns die Geschichte dieses geliebten Dieners Gottes gibt. Fünfmal hatte er von den Juden die vom Gesetz erlaubten 40 Schläge erhalten, die auf 39 reduziert wurden, um ja das Mass nicht zu überschreiten (5.Mose 25,1-3).Dreimal hatten ihn die Nationen mit Ruten geschlagen (einmal davon in Philippi, Apg. 16). Wie beschämend für die Korinther, die schlechten Einflüssen nachgaben und sich daher erlaubten, den Dienst eines solchen Dieners in Frage zu stellen!
Nebst diesen ausserordentlichen Mühen und Leiden gab es für ihn noch etwas, was ihn ständig innerlich bewegte und ihn täglich bedrängte: die Sorge um alle Versammlungen. Die äusserlichen Schmerzen waren gering im Vergleich zu den moralischen Nöten.
Paulus hatte töricht geschienen, indem er sich rühmte; aber was ihn selbst betrat zog er es vor, sich dessen zu rühmen, was er in seinen Schwachheiten war (V. 30). Das werden wir im nächsten Kapitel noch weiter sehen. Der Gott und Vater des Herrn Jesus wusste jedoch, dass alles, was er von seinen Leiden erzählte, den Tatsachen entsprach.
Verse 32,33. In den letzten zwei Versen dieses Kapitels kommt er auf das zurück, was am Anfang seiner Laufbahn geschah, als ihn die Juden in Damaskus töten wollten. Da hatten ihn die Jünger in einem Korb durch ein Fenster an der Mauer hinab gelassen (siehe Apg. 9,23-25). Wir erfahren hier, dass der Landpfleger des Königs Aretas im Dienst der Juden stand, um ihn zu greifen. Wenn es in seiner Laufbahn einen wenig ruhmvollen Vorfall gab, so war es gewiss dieser, doch Paulus wollte sich seiner Schwachheit rühmen.
Gesichte und Offenbarungen
Vers 1. Wenn ich mich rühmen soll, sagt der Apostel, dann will ich «auf Gesichte und Offenbarungen des Herrn kommen». Er hatte gewöhnliche Gesichte und Offenbarungen gehabt, Mitteilungen vom Herrn, um sie andern weiterzugeben. Er teilt zum Beispiel Agrippa mit, was der Herr bei seiner Bekehrung zu ihm gesagt hatte: «Denn hierzu bin ich dir erschienen, dich zu einem Diener und Zeugen zu verordnen, sowohl dessen, was du gesehen hast, als auch worin ich dir erscheinen werde» (Apg. 26,16-18). In Bezug auf das Abendmahl sagt er: «Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich auch euch überliefert habe» (1.Kor. 11,23-25).
Das Evangelium, das er verkündigt hat, hat er durch Offenbarung Jesu Christi bekommen (Gal. 1,11.12). Wir wissen nicht, wie viele Male er über die Versammlung, die Entrückung der Heiligen usw. vom Herrn direkt Offenbarungen empfangen hat. Was die Gesichte betrifft, ist er auf dem Weg nach Damaskus durch ein Gesicht vom Herrn aufgehalten und bekehrt worden (Apg. 9; 22; 26). Der Herr ist ihm auch in Jerusalem erschienen, als er im Tempel betete (Apg. 22,17.18, siehe auch 23,11). Aber diese Gesichte und Offenbarungen vom Herrn waren Anweisungen für Paulus oder Mitteilungen, die er andern weiterzugeben hatte. Man muss sie von dem ausserordentlichen Ereignis unterscheiden, wovon uns in den folgenden Versen berichtet wird.
In den dritten Himmel entrückt
Verse 2-4. Dieser Vorfall lag schon 14 Jahre zurück, und der Apostel hatte nie davon gesprochen. Er trug seinen Dorn im Fleisch, ohne den Grund dafür zu nennen. Er war in den dritten Himmel, ins Paradies, entrückt worden und hatte dort unaussprechliche Worte gehört. Diese Worte hatte er verstanden und sich darüber gefreut; für uns wären sie unverständlich, für ihn waren sie eine persönliche Mitteilung, die dazu bestimmt war, ihn in seiner christlichen Laufbahn zu ermuntern, und nicht, um sie andern mitzuteilen. Und das wäre ihm überhaupt unmöglich gewesen, denn der menschliche Geist und die menschliche Sprache können nicht formulieren, was man im Paradies vernimmt.
Der dritte Himmel und das Paradies sind hier zwei unterschiedliche Begriffe. Der dritte Himmel ist der Ort, zu dem man hinaufsteigt, ein Grad der Erhöhung; das Paradies ist mehr der Charakter dieses Ortes: ein Garten der Wonne. Die Stiftshütte war ein Vorbild der Himmel und das Lager Israels ein Bild der Welt. Der Vorhof stellte den ersten Himmel, das Heiligtum den zweiten, das Allerheiligste, wo sich die Bundeslade befand, den dritten Himmel mit dem Thron Gottes dar. Die Juden brauchten die Stiftshütte ständig in diesem Sinn und sprachen von drei Himmeln. Es war ganz natürlich, den drei Teilen der Stiftshütte diese Bezeichnung zu geben, denn Gott hatte zu Mose gesagt, er solle alles nach dem Muster der himmlischen Dinge machen (Hebr. 8,5).
Die Stiftshütte stellt dreierlei dar: erstens einmal Christus selbst; dann die Versammlung, denn Gott wohnt darin; und schliesslich die Schöpfung oder die erschaffenen Himmel. In erster Linie Christus selbst, denn der zerrissene Vorhang ist sein Fleisch; dann Christus, als Sohn über sein Haus, «dessen Haus wir sind» (Hebr. 3,6); und schliesslich, wie wir gesehen haben, die drei Himmel in Verbindung mit der Schöpfung.
Der dritte Himmel, das Paradies Gottes - und das Haus des Vaters
Wenn Paulus vom dritten Himmel spricht, sagt er, dass er Worte gehört habe, die der Mensch nicht ausdrücken darf. Dort befinden sich die Segnungen. Aber das Paradies Gottes und «das Haus meines Vaters» sind zwei verschiedene Begriffe. Wir finden den Namen des Vaters nicht in der Offenbarung, ausser in Kapitel 14, wo die 144'000 «den Namen seines Vaters an ihren Stirnen geschrieben trugen». Man findet in diesem Buch die Freude und die Segnungen, aber nicht ausdrücklich die Gemeinschaft mit dem Vater. Man findet darin die vollständige Beschreibung der Herrlichkeit und der Segnung, der Schönheit und der Heiligkeit, usw.; die Strasse von Gold und von Glas, und das Bild einer Vielzahl von Dingen, die wir verstehen können, wenn wir Schriftstelle mit Schriftstelle vergleichen. Wir finden darin die Hauptstadt der Herrschaft Gottes, wo sich der Garten seiner Wonne befindet. Aber das ist ein Begriff, der sich von der Beziehung des Sohnes mit dem Vater unterscheidet. Der eine umfasst die gesicherten Freuden mit Gott, im andern haben wir die «Privatsphäre» beim Vater. Das ist der höchste Bereich der Segnung.
Die Himmel oder die himmlischen Örter sind die Orte, wo sich unsere Segnungen befinden. Das Haus des Vaters ist unser ewiges Zuhause in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn.
Ein Mensch in Christus - der Gläubige im sterblichen Leib
Vers 5. Im Unterschied, den der Apostel zwischen «einem Menschen in Christus» und «mir selbst» macht, liegt eine wichtige Belehrung. In Vers 5 ist dieser Mensch in Christus zwar Paulus, und nicht Petrus oder Johannes, aber, in den dritten Himmel entrückt, war er dort völlig getrennt von allem, was bei Paulus zur alten Natur gehörte. Er wusste nicht, ob er im Körner oder getrennt davon dorthin gelangt war, denn in einem gewissen Augenblick hatte er das Bewusstsein verloren, im Körper zu sein. Nur die Allwissenheit Gottes konnte es sagen. So ist der Mensch in Christus, der neue Mensch, von allem getrennt, was nicht zu ihm gehört; er ist immer passend für den dritten Himmel.
Man versteht, dass Paulus sagt: «Über einen solchen werde ich mich rühmen.» Dieser Ruhm ist das Teil jedes Kindes Gottes. Aber er fügt hinzu: «Über mich selbst aber werde ich mich nicht rühmen, es sei denn meiner Schwachheiten.» Dieses «ich selbst» war die Person des Paulus, so wie man ihn auf dieser Erde sah. In dieser Person gab es nicht nur einen sterblichen Leib, sondern einerseits einen Menschen in Christus, den neuen Menschen, und anderseits die alte Natur, das Fleisch, in dem sich die Sünde befindet. Das ist im Grund genommen das «ich selbst» von Römer 7,25.
Vers 6. Wenn er sich gerühmt hätte, hätte Paulus nur die Wahrheit gesagt, aber er wollte die Aufmerksamkeit nicht auf sich lenken. Er befürchtete, dass man mehr von ihm gehalten hätte, als was man an ihm sah, oder von ihm hörte; daher wollte er sich lieber seiner Schwachheiten rühmen.
Ein Dorn fürs Fleisch
Vers 7. Wegen diesem Ich, in dem sich das Fleisch befindet, musste Gott dem Apostel durch eine vorsorgliche Massnahme zu Hilfe kommen. Das war zwar schmerzlich für ihn, schützte ihn aber vor dem Hochmut, der, im Gedanken daran, dass er allein ein solch ausserordentliches Vorrecht gehabt habe, von ihm hätte Besitz ergreifen können. Denn das Fleisch ist unverbesserlich. In der Gegenwart Gottes, im dritten Himmel, gab es keine Gefahr für den Apostel. Diese Gefahr bestand aber von dem Augenblick an, da das Bewusstsein zurückkehrte, dass er sich in seinem Leib befand. Um dem vorzubeugen, brauchte es einen Engel Satans, der ihn schlug. Das war ein Dorn für das Fleisch, und ein Dorn verursacht Schmerzen.
Verse 8,9. Paulus hatte zuerst gedacht, diese Bedrängnis sei ein Hindernis für seinen Dienst, und er hatte dreimal zum Herrn gefleht, ihn davon zu befreien. Der Herr hatte ihm die Notwendigkeit dieses Dorns gezeigt, damit er seinen Dienst ohne Gefahr fortsetzen könne. Er sprach ihm zudem die ganze Hilfe seiner Gnade zu, um diese Prüfung zu ertragen, und so würde die Kraft des Herrn in Schwachheit vollbracht werden. Paulus ist zufrieden, wenn es ihn auch demütigte, dass das unverbesserliche Fleisch eine solche Zucht nötig machte. Aber wenn das nötig war, damit die Kraft des Christus über ihm wohnen konnte, wollte er sich gern seiner Schwachheiten rühmen.
Vers 10. Schliesslich kam er so weit, an allem, was dieses trügerische Fleisch hindern konnte, Wohlgefallen zu haben, denn wenn er keine eigene Kraft mehr hatte, war er stark in der Kraft des Herrn. Der Herr kann aus seiner Kraft nicht ein Hilfsmittel für die fleischliche Kraft machen, denn diese muss praktisch aufgehoben sein, damit allein die Kraft des Herrn wirke und der Diener nur das Werkzeug sei.
Die Unverbesserlichkeit und Kraftlosigkeit des Fleisches
Am Beispiel von Paulus haben wir den Beweis, dass auch das höchste Mass göttlicher Mitteilungen das Fleisch, und sei es noch so aufrichtig, nicht verbessern kann. Das Fleisch ist hoffnungslos böse und schon gerichtet. In sich selbst ist es gesetzlos, so dass Gott gezwungen war, es durch die Flut zu zerstören. Das Fleisch unter dem Gesetz unterwirft sich dem Gesetz Gottes nicht und kann es auch nicht. In die Gegenwart des Mensch gewordenen Sohnes Gottes gestellt, der in Gnade gekommen war, kreuzigt es Ihn; in Gegenwart des Heiligen Geistes widersteht es Ihm; bringt man es in den dritten Himmel, wird es hochmütig. Und gäbe es einen vierten Himmel, wohin man es versetzen könnte, dann würde es sich noch mehr überheben. Das ist sein Charakter. Die überströmende Gnade und die Herrlichkeit machen das erst recht deutlich. Hier gab der Herr, nachdem Er den Apostel in Gefahr gebracht hatte, ihm aber ein Heilmittel. Es handelte sich nicht um eine Verbesserung des Fleisches. Alles, was der Herr moralisch für Paulus tun konnte, war, sein Fleisch kraftlos zu machen. Paulus war ein Mensch und musste als Mensch in seiner Verantwortlichkeit behandelt werden, denn die Zeit war noch nicht gekommen, ihm die Herrlichkeit anstelle des Fleisches zu geben. Gott musste also entsprechend mit ihm umgehen.
Um noch einmal auf den Dorn im Fleisch zurückzukommen, dieser wird «ein Engel Satans» genannt, weil er ein Werkzeug Satans war. So war es auch im Fall Hiobs, als Satan ihn, mit der Erlaubnis des Herrn, mit bösen Geschwüren schlug. Der Dorn war auch der Bote Satans, um Paulus zu schlagen. Das ist ein zusätzlicher Beweis, dass die Gnade das Fleisch niemals verbessert. Dagegen ist jedes Mittel nützlich, um das Fleisch kraftlos zu machen. Gott machte es kraftlos, indem Er Paulus zu einem Gegenstand der Verachtung machte. Das war eine Art Gegengewicht zur «Überschwänglichkeit der Offenbarungen». Der Apostel hatte dreimal zum Herrn gefleht, Er möge den Dorn von ihm wegnehmen, aber das Fleisch musste für kraftlos erklärt werden. Der Herr sagt gewissermassen: Vertraue meiner Gnade! Das Merkmal meiner Gnade ist, dass meine Kraft in der Schwachheit vollendet wird, und wenn es meine Kraft ist, so wird sie nicht in der Kraft des Menschen vollbracht. Das alles ist sehr lehrreich in Bezug auf den Dienst, denn die Kraft des Dienstes ist die Kraftloserklärung des Menschen, um der Kraft Christi Platz zu machen.
Die Liebe des Apostels zu den Korinthern
Verse 11-13. Hier wendet sich der Apostel von neuem an das Gewissen der Korinther, indem er ihnen zeigt, wie befremdend es war, dass er als ein Tor erscheinen musste, indem er sich selbst empfahl, wenn er doch von ihnen hätte empfohlen werden sollen. Er stand auf gleicher Höhe mit den ausgezeichnetsten Aposteln, und die Zeichen eines Apostels waren in ihrer Mitte hervorgebracht worden. Das vornehmste dieser Zeichen war ein grosses «Ausharren». Sie waren gegenüber andern Versammlungen nicht verkürzt worden, es sei denn, dass er ihnen nicht zur Last gefallen war. Wie musste doch dieses «es sei denn» sie treffen! Wenn das ein Unrecht ist, dann waren sie die Ursache dafür.
Verse 14,15. Dieses dritte Mal war er bereit, nach Korinth zu geben. Er hatte in den ersten zwei Kapiteln vom zweiten Mal gesprochen und erklärt, warum er seinen Besuch hinausgeschoben hatte. Auch diesmal wollte er ihnen nicht zur Last fallen, denn er suchte sie und wollte nicht ihre Güter haben. Er handelte ihnen gegenüber wie die Eltern, die für ihre Kinder sparen. Er wollte völlig für ihre Seelen verwendet werden, wenn er auch, je überschwänglicher er sie liebte, um so weniger geliebt wurde. Musste eine solche Hingabe nicht ihre Herzen bewegen?
Sein Appell an das Gewissen der Korinther
Verse 16-18. Seine Beharrlichkeit, ihnen in keiner Weise zur Last zu fallen, ist verständlich, wenn man erfährt, dass man ihn der List anklagte, er habe selbst nichts entgegennehmen, ihnen aber durch die Brüder, die er zu ihnen gesandt habe, Geld entlocken wollen. Er appelliert an das Gewissen der Korinther. Sie sollten bezeugen, ob die von ihm gesandten Brüder nicht in den gleichen Fussstapfen gewandelt seien wie er.
Verse 19-21. Paulus kann bestätigen, dass er vor Gott in Christus redet, zur Auferbauung der Korinther. Aber er befürchtet, dass er bei seiner Ankunft in ihrer Mitte die zahlreichen, im 20. Vers genannten Früchte des Fleisches finden werde. Das würde ihn zwingen, betreffs der Sünden, die nicht entsprechend dem Mass, wie sie begangen wurden, gerichtet worden waren, zu handeln. So etwas tritt in der Versammlung auf, wenn das Böse geduldet wird. Weil es nicht rechtzeitig gerichtet wurde, ist sie ohne Kraft, um sich davon zu reinigen.
Jemand hat gesagt, dass uns der Anfang dieses Kapitels den Christen im Zustand der höchsten Segnung zeigt, das Ende des Kapitels hingegen die Christen im tiefsten moralischen Zustand. Dazwischen finden wir das Hilfsmittel, um trotz des Fleisches im Guten zu wandeln, weil dieses im Tod gehalten wird.
Paulus kündigt einen Besuch in Korinth an
Verse 1,2. Paulus war bereit, zum dritten Mal nach Korinth zu gehen. Das erste Mal hatte er dort das Evangelium verkündigt, und der Herr hatte ihn ermuntert, damit weiterzufahren, indem Er ihm sagte, Er habe in dieser Stadt ein grosses Volk. Die Korinther waren also durch den Dienst des Apostels bekehrt und versammelt worden. Als er sie ein zweites Mal besuchen wollte, hinderte ihn ihr Zustand daran. So musste er ihnen den ersten Brief schreiben. Nun begab er sich durch diesen Brief ein weiteres Mal zu ihnen, denn durch den Mund von zwei oder drei Zeugen sollte jedes Wort bestätigt werden. Wenn Paulus in ihrer Mitte eintreffen würde, hätten sie bereits drei unwiderlegbare Zeugnisse: seinen ersten Besuch, seinen ersten und seinen zweiten Brief. Aufgrund dieser Zeugnisse konnte jedes Wort bestätigt werden. Dieses Mal würde Paulus schonungslos vorgehen.
Redete Christus durch den Apostel, oder nicht?
Verse 3-6. Dann stellt ihnen der Apostel eine Frage, die ihr Gewissen im Innersten treffen musste. Sie waren töricht genug gewesen, seinen Dienst in Frage zu stellen, und doch hatten sie sich durch diesen Dienst bekehrt und versammelt. Deshalb sagt er zu ihnen: Ihr sucht einen Beweis, dass Christus in mir redet? Sucht diesen in euch selbst! Seid ihr Christen oder Ungläubige? Wenn ihr Christen seid, dann hat Christus durch mich geredet. Wenn ihr Ungläubige seid, würde auch ich euch beipflichten, kein Diener Christi zu sein.
Die Klammer der Verse 3 und 4 enthält den im vorangehenden Kapitel entfalteten Grundsatz, dass die wahre Schwachheit das Geheimnis der Kraft ist. So befindet man sich auf dem Weg Christi, denn wenn Er auch in den Augen der Menschen in Schwachheit gekreuzigt worden ist, so lebt Er doch durch Gottes Kraft.
Die Vervollkommnung der Korinther
Verse 7-9. Wenn die Korinther sich vom Bösen abwandten und das Gute taten, würde der Apostel nicht darum besorgt sein, ob er, was sein Dienst betraf, bewährt oder unbewährt sei. Er vermochte nichts gegen die Wahrheit zu tun, sondern für die Wahrheit. Der wahre Diener Christi hat von Ihm nur eine Gabe für die Wahrheit, für die Sache des Herrn, empfangen. Wenn die falschen Lehrer versuchen wollen, mit Macht gegen die Wahrheit vorzugehen, werden sie die Erfahrung machen, dass es keine solche Kraft gibt.
Paulus wünschte die Vervollkommnung der Korinther. In dieser Hinsicht ist es gut, festzustellen, dass das Wort von einer Vollkommenheit spricht, die wir erreichen werden, wenn wir Christus in der Herrlichkeit gleich sein werden. Nach dieser streckte Paulus sich aus, wie er in Philipper 3,12-1 sagt. Es gibt auch die Vollkommenheit unserer Stellung in Christus, indem sein Werk uns für immer vollkommen gemacht hat (Hebr. 10,14.) Mit Ihm in der Herrlichkeit verbunden, sind wir Gottes Gerechtigkeit in Ihm (2.Kor. 5,21), vollendet in Ihm (Kol. 2,10).
Es gibt noch eine Vollkommenheit, die das Wort den Zustand des «erwachsenen Mannes» oder «vollkommen» nennt, im Gegensatz zum Zustand der Kindheit. Ein «Erwachsener» hat nicht nur die Rechtfertigung erfasst, sondern auch die Stellung der Vereinigung mit dem gestorbenen, auferstandenen und verherrlichten Christus begriffen, was «das Wort der Gerechtigkeit» genannt wird (Hebr. 5,12-14. 5. auch 1.Kor.2,6; Eph.4,13; Phil.3,15). In Vers 9 geht es um eine praktische Vervollkommnung, nicht um jene des Fleisches, die darin bestehen würde, wie manche Phantasten meinen, auf dieser Erde so weit zu kommen, nicht mehr zu sündigen. Nein, es handelt sich um einen Weg des Fortschritts in der Gottseligkeit, um einen Wandel in der Kraft des Guten durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes, durch das Wort, auf dem Boden des Gestorbenseins und der Auferstehung mit Christus, indem das Fleisch im Tod bleibt.
Schlusswort
Vers 10. Der Apostel hofft, dass sein Brief auf ihre Gewissen wirken möge, so dass er bei seiner Ankunft nicht Strenge gebrauchen müsse, nach der Autorität, die der Herr ihm zur Auferbauung und nicht zur Zerstörung gegeben hatte.
Verse 11-13. Er schliesst mit einigen Ermahnungen, indem er wiederholt: «Werdet vollkommen!» In diesem Wandel des Guten wird «der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein» (vgl. Phil. 4,8.9). Er grüsst sie von Seiten aller Heiligen und wünscht ihnen, dass die Gnade, die durch den Herrn Jesus Christus gekommen ist, die Liebe Gottes, die sie uns gegeben hat, und die Gemeinschaft, hervorgebracht durch die Wirkung des Heiligen Geistes, mit ihnen allen sei