Halte Fest
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Apg. 27,13: Sie lichteten die Anker

Halte fest Jahrgang 1978 - Seite: 289 - Verfasser: R. L.

Das Schiff lag in Schönhafen vor Anker. Der Winter begann. Da war geteilte Meinung zwischen der menschlichen Weisheit, vertreten durch den erfahrenen Steuermann und den menschlich überlegenden Schiffsherrn einerseits, und dem Heiligen Geist, wovon der Apostel Paulus Wortträger war.

Über einen Punkt war man sich einig: über die Notwendigkeit, an einem sicheren Ort zu überwintern, wegen der Gefahren der Jahreszeit. Aber eben, es bestanden ernste Meinungsverschiedenheiten. Schönhafen war ungeeignet. So fand der Steuermann, man wäre ein wenig weiter drüben, in Phönix, von wo aus man einen freieren Ausblick habe, viel besser aufgehoben.

Gerade wehte ein sanfter Südwind zu jener Seite hin ... Lassen wir uns doch gleiten! Wir bleiben ja vorsichtig und lassen die Küste nicht aus den Augen. Wir lichten die Anker und werden von der Abfahrt an wohl viel Freude erfahren, die unseren Entschluss rechtfertigen wird.

Aber der Sturmwind der Welt lauerte auf jene, die sich von einer Bevormundung befreien wollten, welche aber eine solche der Gnade war. Sie werden mit fortgerissen, ohne widerstehen zu können, und in einer Gegend ohne Sterne hin und her geschüttelt, wo ihre Werke zerstört werden.

«Man hätte mir freilich gehorchen und nicht von Kreta abfahren und dieses Ungemach und den Schaden nicht ernten sollen», sagte da eine bekannte Stimme.

Ja, wir wollen diese Lektion beherzigen, auf den Apostel hören und unser Segel keinem verführerischen Wind öffnen. Bleiben wir doch im Worte Gottes verankert, im «Schönhafen», wohin wir durch die Fürsorge Gottes geleitet worden sind!

Ist dieser Hafen ungeeignet? Warum denn? Findest du ihn einsam, eng, ohne weiten Horizont? Fühlst du dich da in deinem schönsten Streben eingeengt? Was fehlt dir hier noch, damit du sagen kannst: da bin ich zuhause?

In der Tat, wir sind «bei Gott», wenn wir in dem Rahmen bleiben, der durch das Wort festgesetzt ist. Die Natur freilich wird in ihm nur grosse Unbehaglichkeit empfinden, aber der neue Mensch ist darin ebenso frei und glücklich wie David, als er vor der Bundeslade tanzte (2.Sam.6,12-16). Er lebte in dieser Szene und frohlockte. In Maleachi war das Herz des Volkes nicht mehr dabei; es langweilte sich in diesen Dingen.

Nichts fehlt in dem, was wir als Rahmen unseres christlichen Lebens empfangen haben. Da ist ein Tisch für das Fest der Gnade, da ist eine Lampe für das Heiligtum, da ist eine Fackel für unseren Wandel. Nur ist dazu das Leben, das wirkliche, das Leben im Überfluss nötig, das vom Herrn Jesus kommt, um diesen Rahmen zu beleben, der alles weglässt, was eitel und unfruchtbar ist. Dann nimmt der Herr in der Mitte der Seinigen den Platz ein, die Freude ist heilig und gut, und Er ist der Mittelpunkt, die Quelle und der Gegenstand eines einsichtigen Dienstes.

In der Wahrheit sein, heisst nicht nur, eine Lehre bekennen. Es bedeutet, als Grundsatz des Lebens, in seinem Innern die Kraft seiner Liebe zu pflegen. Sie ist dem Herzen mitgeteilt und wird durch das Wort der Wahrheit unterhalten. Dabei legt nicht jeder das Wort nach seinem Geschmack aus, sondern wir beachten die Unterweisung des Heiligen Geistes, übermittelt durch Diener, die von Gott dazu einen Auftrag bekommen haben, den wir anerkennen. Wir hüten uns davor, sie zu vernachlässigen, denn was Gott gegeben hat, gibt Er nicht ein zweites Mal.

Ich unterwerfe mich dieser Unterweisung, aber bleibe keineswegs müssig in meiner Unterwerfung; denn niemand kann für mich tun, wofür ich allein verantwortlich bin. Wenn es wahr ist, dass ich die Wahrheit empfangen habe, so ist es auch nötig, dass ich mit meiner ganzen Seele diese Wahrheit zu erfassen suche. Ich suche sie nicht wie die Pioniere, die vergessene Wahrheiten auf den Leuchter zustellen hatten. Ich suche, damit nach und nach der Schatz mein werde, der umsonst gegeben wird und doch so unermesslichen Wert hat. Der Herr will damit die bereichern, die Ihn lieben.

Es ist das Glück unserer Generation, dass nichts mehr festzulegen ist. Wir können auf gebahntem Weg vorwärts gehen. Nicht Streitigkeiten wollen wir uns hingeben, sondern einem demütigen, verborgenen Dienst. So werden wir vor der Versuchung bewahrt, uns einen Namen zu machen.

Unsere Generation hat die Verantwortung, festzuhalten, was ihr anvertraut ist. Wir haben zu wachen über die Erhaltung der Güter, die uns nicht gehören, aber uns durch die einen übergeben wurden, damit wir unserseits sie an andere weitergeben, bis zum Augenblick der Wiederkunft des Herrn (vgl. 2.Tim.2,2). Dann werden das Gold und das Silber gewogen, die Geräte gezählt (Esra 8,33) und die Treue wird Lob empfangen.

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Letzte Änderung am 27.03.2010.