Apg. 3,1-26: Die ersten Jahrzehnte des Christentums
Halte fest Jahrgang 1958
Kapitel 3, Verse 1-11
Als Petrus und Johannes zur Stunde des Gebets zusammen in den Tempel hinausgingen, wurde gerade ein gewisser Mann, der von seiner Mutter Leibe an lahm war, zur «schönen Pforte» des Tempels getragen. Als dieser Petrus und Johannes sah, die in den Tempel eintreten wollten, bat er, dass er ein Almosen empfinge. Petrus sprach zu ihm: «Sieh uns an!» Er aber gab acht auf sie, in der Erwartung, etwas von ihnen zu empfangen. Weit entfernt davon, an eine Heilung zu denken, wäre er mit einer kleinen Unterstützung, die es ihm erlaubt hätte, in diesem elenden Zustand weiter zu leben, zufrieden gewesen. Aber Gott hielt eine volle Befreiung für ihn bereit. Petrus sagt zu ihm: «Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: In dem Namen Jesu Christi, des Nazaräers, stehe auf und wandle! Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Alsbald aber wurden seine Füsse und seine Knöchel stark, und aufspringend stand er und wandelte; und er ging mit ihnen in den Tempel, wandelte und sprang und lobte Gott.»
Die Volksmenge war Zeuge dieses Wunders und wurde mit Staunen und Verwunderung erfüllt. Sie liefen zusammen und sahen unverwandt auf Petrus und Johannes, als diese mit dem Geheilten in den Tempel traten. Gott führte sie durch dieses Mittel zu den Aposteln, damit sie die Ansprache hörten, die Petrus an sie richten würde.
Verse 12-15
Im vorhergehenden Kapitel sahen wir, wie die Offenbarung der Kraft des Heiligen Geistes, in der Gabe der Sprachen, Petrus Gelegenheit gab, den Juden ihre Schuld vor die Augen zu führen. Er zeigte ihnen, auf welchen Platz Gott Seinen Sohn erhoben hat, indem Er Ihn zum Herrn und Christus machte, Ihn, den sie gekreuzigt hatten. Aus dieser Herrlichkeit herab hatte Er ihnen den Heiligen Geist gesandt. So viele das Wort aufnahmen und glaubten, hatten Ihn empfangen und bildeten von da an die Versammlung, diese neue Körperschaft, die hier auf der Erde anstelle Israels den Platz des Zeugnisses einnehmen sollte.
In dem jetzt vor uns liegenden Kapitel, in welchem uns erzählt wird, wie sich die Macht des Heiligen Geistes an einem armen Kranken erwies, ergriff Petrus wieder die Gelegenheit, um den Juden ihre schreckliche Sünde in Erinnerung zu rufen: «Gott hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr überliefert und angesichts des Pilatus verleugnet habt». Wenn sie jetzt aber Busse täten, und sich bekehrten, würde Gott ihnen Jesum Christum senden und durch Ihn alles das ausführen, was die Propheten verheissen hatten (Verse 19-21). In diesem Kapitel wird weder von der Versammlung, noch von den Ratschlüssen Gottes, sondern von Seiner Langmut gegenüber dem schuldigen Volk, auf Grund der Fürsprache Christi auf dem Kreuze, gesprochen. Er hatte ausgerufen: «Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!» (Luk. 23,34). Dieses Gebet ist erhört worden. Die Gerichte sind nicht sogleich über das Volk gekommen. Gott übte ihnen gegenüber noch Geduld und stellte ihnen, falls sie Busse täten, die Rückkehr Seines Sohnes in Aussicht, um sie dann zu segnen.
Als aller Augen auf ihn und auf seinen Gefährten gerichtet waren, wehrte sich Petrus dagegen, dass das Volk die Kraft, die durch dieses Wunder offenbart wurde, ihnen zuschrieb. Dann fuhr er fort: «Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr überliefert und angesichts des Pilatus verleugnet habt, als dieser geurteilt hatte, ihn loszugeben». Hier wird auf die Schuld des Volkes noch mehr Nachdruck gelegt als im 23. Vers des 2. Kapitels. Petrus erwähnt den Gott ihrer Väter und verknüpft die dem Volk gegebenen Verheissungen mit dem Messias, den sie verworfen haben. Dieser Gott ist es, der Christum verherrlicht hat; sie aber haben Ihn getötet, sie, die Nachkommen ihrer Väter, während ein Heide, ein Fremdling betreffs der Bündnisse der Verheissung, Ihn hatte freigeben wollen. Gemäss dem 14. Vers besteht ihre Schuld darin, dass sie Ihm einen Mörder vorgezogen haben, nachdem sie doch Augenzeugen des Lebens dieses Heiligen und Gerechten gewesen waren. Im 15. Vers legt er ihnen zur Last, dass sie den Urheber des Lebens getötet haben. In absolutem Gegensatz zu ihrer Tat hat Ihn Gott aus den Toten auferweckt, wovon die Apostel Zeugen waren.
Nach einer solchen Offenbarung der Macht, die durch den Namen Jesu soeben stattgefunden hatte, im Unglauben zu verbleiben, vergrösserte noch die Schuld des Volkes. Vom 4. Kapitel an ist nicht mehr die Rede von Unwissenheit, wie hier im 17. Vers, und der Widerstand gegen das Zeugnis des Heiligen Geistes verschärft sich mehr und mehr.
Die Auferstehung Jesu aus den Toten war das wichtigste Zeugnis, das die Jünger abzulegen hatten. Diese Tatsache war vor allem ein Beweis von der Gunst Gottes, die auf Seinem vielgeliebten Sohn ruhte. Er war Mensch geworden, um Gott zu verherrlichen. Durch Seinen Tod war es möglich geworden, die göttlichen Ratschlüsse zu erfüllen, und durch Seine Auferstehung hatte Er sich als Sohn Gottes in Kraft erwiesen. Und gerade diese Auferstehung enthüllte die Ungeheuerlichkeit der Sünde des Volkes. Sie ist auch der Beweis, dass Gott die Welt in Gerechtigkeit richten wird (Apostelg. 17,31). Die Auferstehung Christi ist schliesslich auch der erste Teil der ersten Auferstehung: «Der Erstling, Christus, sodann die, welche des Christus sind bei seiner Ankunft» (1.Kor. 15,23).
Vers 16
Petrus beharrt auf der Tatsache, dass die Heilung des Gelähmten durch den Glauben an den Namen Dessen zustande kam, den das Volk getötet, aber den Gott aus den Toten auferweckt hat: «Und durch Glauben an seinen Namen hat sein Name diesen, den ihr sehet und kennet, stark gemacht; und der Glaube, der durch ihn ist, hat ihm diese vollkommene Gesundheit gegeben vor euch allen.» Es war der Glaube der Jünger an den Namen des aus den Toten auferweckten Herrn Jesus, durch den dieses Wunder vollbracht wurde. Der Apostel fügt hinzu, dieser Glaube sei durch Jesum; Er sei dessen Urheber und keine andere Person; und diesem Glauben sei es zuzuschreiben, dass dieser Mensch nun über alle seine Glieder verfügen könne. Alles wird Jesu zugeschrieben; Er ist es, der durch die Apostel das Werk, das Er auf der Erde begonnen hatte, in Kraft weiterführt. Durch den Glauben an Ihn voll brachten sie grössere Werke als die, welche Er selber hienieden getan hatte. Mit dem Unterschied allerdings: Die durch Jesum vollbrachten Werke gaben Zeugnis von der Tatsache, dass der Vater in Ihm war (Joh. 14,11); die Werke aber, die Er durch die Apostel tat, waren ein Zeugnis von Seiner Verherrlichung.
Verse 17-18
Petrus schreibt den Tod Jesu der Unwissenheit des Volkes und seiner Obersten zu. Die Gnade allein kann eine solche Sprache führen. Gott will voraussetzen, dass sie Seinen Sohn durch Unwissenheit verworfen haben, bis sie das Zeugnis des Heiligen Geistes über den verherrlichten Christus verwerfen würden. Was sie getan haben - sie waren jedoch dafür verantwortlich - war die Erfüllung der durch die Propheten zuvor verkündigten Dinge, nämlich, «dass Christus leiden sollte». Der Tod Christi war eine unbedingte Notwendigkeit; alle Ratschlüsse Gottes gründeten sich auf ihn; seinetwegen wurde das Volk aufgerufen, Busse zu tun und sich zu bekehren, damit dessen Sünden ausgetilgt würden. Wenn Gott Sein Volk, wenn Er den Menschen segnen will, so ist es für Seine Heiligkeit und Gerechtigkeit eine unerlässliche Notwendigkeit, dass zuvor die Sünde ausgetilgt werde. Bei der Verkündigung des Evangeliums kann man diese Tatsache nicht genug betonen.
Verse 19-21
Nachdem er festgestellt hat, dass der Christus leiden sollte, fügt Petrus bei: «So tut nun Busse und bekehret euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn, und er den euch zuvor verordneten Jesus Christus sende, welchen freilich der Himmel aufnehmen muss bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von welchen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat.» Die Busse wird hier in bezug auf ihre «Sünde aus Unwissenheit» vor sie hingestellt. Das entspricht dem, was das Gesetz hinsichtlich der Sünde aus Versehen sagt. Für die Sünde «mit Willen» - um eine solche handelte es sich bei der Verwerfung des Zeugnisses des Heiligen Geistes durch das Volk - gab es keinen Raum für die Busse und infolgedessen auch keine Vergebung. Nur auf Grund der Busse und auf dem Boden der Gnade wird der künftige Überrest eine volle Vergebung finden. Der Aufruf richtet sich an alle, damit Zeiten der Erquickung kommen könnten, wie sie in unvergleichlicher Schönheit durch die Propheten, in Jesaja 11,6-10; 60,15-22 und in vielen andern Stellen, angekündigt wurden. Der Aufforderung des Petrus gehorchen nicht alle, doch erreicht sie das Herz einer grossen Menge, denn die Zahl der gläubig gewordenen Männer, ohne Frauen und Kinder, stieg auf 5000 (Kap. 4,4).
Jesus Christus war zuvor verordnet und für das Volk bestimmt worden. So mussten also die Pläne Gottes zu ihren Gunsten unfehlbar in Erfüllung gehen. Aber der Himmel hat den Herrn, der auf Erden verworfen wurde, aufgenommen und Er bleibt dort während der Zeit Seiner Verwerfung. Stephanus sieht Ihn zur Rechten Gottes stehen. Dies deutet darauf hin, dass der Herr noch auf die Ergebnisse Seiner Verkündigung unter dem Volke durch den Dienst des Heiligen Geistes wartete und bereit stand, wiederzukommen. Nach der Verwerfung dieses Zeugnisses hat sich der Herr gesetzt. Anstatt zu herrschen, übt Er jetzt für die Gläubigen das Priestertum aus, und das jüdische Volk bleibt während der ganzen Zeitspanne, in welcher das himmlische Volk Gottes gesammelt wird, unter dem Gericht Gottes, bis es ausruft: «Gesegnet sei der da kommt in dem Namen des Herrn!» Dann wird die «Wiederherstellung aller Dinge» stattfinden. Dieser Ausdruck bezeichnet die Herrschaft Christi, unter welcher alles der Ordnung unterstellt wird, die den Gedanken Gottes entspricht. Nach der alten Ordnung der Dinge, das heisst, auf dem Boden der Verantwortlichkeit des Menschen, hat alles versagt: das Priestertum, das in Israel aufgerichtete Königtum und dann auch die den Nationen anvertraute Herrschaft. Unter der Regierung des Sohnes des Menschen wird alles in Vollkommenheit wiederhergestellt und aufrechtgehalten werden. Die «Wiederherstellung aller Dinge» bezeichnet also nicht, wie einige lehren, die Rückkehr zu dem Zustand, in welchem sich der Mensch und die Schöpfung vor dem Fall befand.
Verse 22-24
Petrus zitiert eine Stelle aus dem 5. Buch Mose (18,18), um daran zu erinnern, dass schon Mose vom Herrn und den Gerichten, die als Folge Seiner Verwerfung kommen müssen, geweissagt hat: «Einen Propheten wird euch der Herr, euer Gott, aus euren Brüdern erwecken, gleich mir; auf ihn sollt ihr hören in allem, was irgend er zu euch reden wird. Es wird aber geschehen, jede Seele, die irgend auf jenen Propheten nicht hören wird, soll aus dem Volke ausgerottet werden.» Dieses Zeugnis Mose, für welchen die Juden eine so grosse Verehrung hatten, hätte auf jedes Gewissen wirken sollen, um so mehr, als sie der Stunde der in dieser Prophezeiung angekündigten Gerichte nahten. In der Anführung dieses Schriftwortes durch Petrus wird auf das Gericht noch mehr Nachdruck gelegt, als in der ursprünglichen Stelle im 5. Buch Mose, indem die Worte: «Von dem werde ich es fordern» ersetztwerden durch die in den Büchern Mose so häufige Wendung: «Jede Seele, die irgend auf jenen Propheten nicht hören wird, soll aus dem Volke ausgerottet werden» (Vergleiche 1.Mose 17,14; 3.Mose, die Kapitel 7,17,18,19,20 usw.). Als der Herr auf der Erde war, sagte Er zu den Juden: «Wenn ihr Moses glaubtet, so würdet ihr mir glauben, denn er hat von mir geschrieben» (Joh. 5,46). Stephanus erinnert ebenfalls an die Stelle in 5.Mose 18,18, im Augenblick, als das Volk sich endgültig weigerte, auf die Worte dieses Propheten zu hören (Apg. 7,37). Petrus stützt sich in seinem Zeugnis auf alle Propheten von Samuel an. Alle haben die Tage der Verwerfung Christi, die Folgen, die daraus entstehen, und auch die Aufrichtung Seines Reiches angekündigt. Angesichts all dieser Zeugnisse hätte das Volk nicht mehr warten sollen, um Christum, den sie verworfen hatten, anzunehmen. Nach der Anführung von Mose nimmt Petrus Bezug auf die Prophezeiungen über Christum und zwar von Samuel an. Dieser hat als Prophet dem Verfall des Priestertums beigewohnt, hat es ersetzt und ist das Bindeglied zwischen Gott und dem Volke geworden. Während der ganzen Zeit der dunklen Geschichte des Königtums sind Propheten erweckt worden, um Den anzukündigen, der die Herrschaft der Gerechtigkeit und des Friedens aufrichten wird.
Verse 25-26
Die Juden waren die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott mit Abraham gemacht hatte, als Er sprach: «Und in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde». Diese Verheissung war auf die Auferstehung Christi gegründet, wovon die Opferung Isaaks ein Vorbild war (1.Mose 22,18). Da Gott die Segnung der Nationen im Auge hatte und Jesus Christus für Sein Volk zuvorverordnet worden war, war es in erster Linie für sie, sagt der Apostel, dass «Gott, als er seinen Knecht erweckte, ihn gesandt hat, euch zu segnen, indem er einen jeden von euren Bosheiten abwendet». Wenn auch das Volk und seine Obersten aus Unwissenheit gehandelt hatten, so werden ihre Taten trotzdem «Bosheiten» genannt. Sie waren dem Herrn in Bosheit begegnet, und die folgenden Kapitel werden uns zeigen, dass sie in dieser Gesinnung verharrten.
Trotz der Verwerfung des Zeugnisses des Heiligen Geistes, hat sich später der Apostel Paulus immer zuerst an die Juden gewandt. Er handelte darin nach den Gedanken Gottes; aber als sie sich weigerten zu hören, sagte er ihnen: «Zu euch musste notwendig das Wort Gottes zuerst geredet werden; weil ihr es aber von euch stosset und euch selbst nicht würdig achtet des ewigen Lebens, siehe, so wenden wir uns zu den Nationen» (Apostelg. 13,46).
In Seiner grossen Barmherzigkeit stellte Gott den Juden alles das vor, was geeignet war, ihr Gewissen aufzuwecken und sie dazu zu bewegen, den Herrn aufzunehmen, um sie so vor dem Gericht, das sie bedrohte, zu erretten. Er erleichterte ihnen die Busse durch die Voraussetzung, dass sie den Herrn aus Unwissenheit zum Tode gebracht hatten. Er erinnerte sie auch an alles, was die Propheten ihnen angekündigt hatten, dass sie die Söhne der Propheten waren und dass mit Abraham ein Bund gemacht worden sei. Er beharrte auf der Treue Gottes hinsichtlich Seiner Verheissungen, auf dem Vorzug, den sie vor allen Nationen hatten, die berufen waren. durch den Tod Christi in den Genuss geistlicher Segnungen zu gelangen. Ach, das alles erwies sich als nutzlos!
Dieses Kapitel nimmt in der Apostelgeschichte einen besonderen Platz ein. Die Gnade ruft das Volk auf, den Herrn anzunehmen, bevor es wegen seines halsstarrigen Festhaltens an Seiner Verwerfung beiseite gesetzt wird, und vor der Offenbarung der Ratschlüsse Gottes über die Versammlung. Petrus kündigte im 2. Kapitel an, dass, wenn das Volk Busse täte, der Heilige Geist kommen würde. Und im 3. Kapitel sagt er, dass, wenn sie Busse täten, der Herr wiederkommen würde, um Sein Reich aufzurichten. Der Heilige Geist war Israel wohl verheissen worden, aber als Er kam, begann Er das zu erfüllen, was sich auf die Versammlung bezog. Dadurch, dass Israel den ihnen im 3. Kapitel vorgestellten Herrn verwarf, wurden die durch die Propheten verheissenen Segnungen verunmöglicht, bis der künftige jüdische Überrest gebildet und in Gnaden angenommen wird. Der Heilige Geist wohnt nun in der Versammlung hienieden, während der Zeit der Verwerfung des Herrn. Er ist der Begleiter der Braut, bis sie mit ihrem Bräutigam zusammentrifft. Dann wird der Herr Seine Gerichte ausüben über die, die Ihn nicht aufnehmen wollten, und wird von Seinem Reiche Besitz ergreifen.