Halte Fest
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Eph. 1,1-14: Gottes Vorsatz in Christus

Halte fest Jahrgang 1982 - Seite: 9 - Verfasser: H. S.

Die vollständige Auslegung des Briefes an die Epheser ist unter dem Titel «Christus und seine Versammlung» im Beröa-Verlag, Zürich, erschienen.

 

Im Brief an die Epheser wird uns der Ratschluss des Herzens Gottes zur Verherrlichung Christi und zum Segen derer, die berufen sind, seine Herrlichkeit zu teilen, offenbart.

Das erste Kapitel entfaltet uns die Offenbarung des Vorsatzes Gottes im Blick auf Christus und seine Versammlung. In den folgenden Kapiteln lernen wir die Wege der Gnade Gottes in der Bildung der Versammlung kennen. Aber zuerst wird uns der Vorsatz Gottes in Bezug auf die Ewigkeit enthüllt, damit wir Verständnis erlangen für seine Wege in dieser Zeit.

Nach den einleitenden Versen wird uns

  • erstens die Berufung Gottes vorgestellt, die seinen Vorsatz für alle, die die Versammlung Gottes bilden, ans Licht bringt (V. 3-7)
  • zweitens haben wir die Offenbarung des Willens Gottes für die Verherrlichung Christi als Haupt der ganzen Schöpfung und die Segnung der Versammlung in Verbindung mit Christus (V. 8-14)
  • drittens haben wir das Gebet des Apostels, dass wir die Grösse der Berufung Gottes erkennen möchten, die Segensfülle des Erbes und die mächtige Kraft, die den Vorsatz Gottes erfüllt und die Gläubigen in das Erbteil bringt.

Der Vorsatz Gottes für die Gläubigen

Verse 1,2

Der Apostel steht im Begriff, die grossen Geheimnisse des Willens und Vorsatzes Gottes darzulegen. Deshalb ist er darauf bedacht, die Heiligen daran zu erinnern, dass er ein «Apostel Jesu Christi ist, durch Gottes Willen». Er ist nicht als Diener eines Menschen von Menschen gesandt, um den Willen des Menschen zu entfalten. Er ist von Gott ausgerüstet, von Jesus Christus gesandt, gemäss dem Willen Gottes, um diesen göttlichen Willen zu enthüllen.

Ausserdem redet er die gläubigen Epheser als «die Heiligen und Treuen in Christo Jesu» an, womit er andeutet, dass in der Versammlung zu Ephesus ein geistlicher Zustand herrschte, gekennzeichnet durch Treue gegenüber dem Herrn, der sie in die Lage versetzte, diese tiefgründigen Mitteilungen zu empfangen. Es ist möglich, dass in einer Gruppe von Gläubigen viel Eifer und Tätigkeit zu sehen ist, und es ihnen trotzdem an Treue zum Herrn mangelt. Tatsächlich war dies der Zustand, in den die gleiche Versammlung in späteren Jahren fiel, so dass der Herr trotz all ihres Eifers und ihrer Mühe zu ihnen sagen musste: «Ich habe wider dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast... Du bist gefallen» (Oft. 2,4.5). Zur Zeit aber, da der Apostel seinen Brief schrieb, zeichneten sie sich noch durch Treue zum Herrn aus. Ferner benötigen wir, ausser dem rechten Zustand der Seele, «Gnade» und «Friede» von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus, was der Apostel diesen Heiligen wünscht, um einen geistlichen Gewinn von diesem Brief zu haben.

Vers 3

Nach den einführenden Versen entfaltet der Apostel sofort die höchsten Segnungen der Gläubigen nach dem Vorsatz Gottes. In diesem herrlichen Abschnitt lernen wir ihre Quelle kennen, ihren Charakter, ihren Anfang und das Ziel, das Gott im Auge hat, wenn Er uns so reich segnet. Und vor allem sehen wir, dass der Vorsatz Gottes sich durch Christus erfüllt.

Die Quelle all unserer Segnungen findet sich im Herzen des Gottes und Vaters unseres Herrn Jesus Christus. Gott ist in Christus vollkommen offenbart worden. Auf seinem Weg als Mensch durch diese Welt offenbarte Er die unendliche Heiligkeit und Macht Gottes, und die vollkommene Gnade und Liebe des Vaters. Wir sind bevorrechtet, alles das bis zu diesem so offenbarten Herzen Gottes, des Vaters, zurückzuverfolgen.

Dann werden wir über den Charakter unserer Segnungen belehrt. Der Vater hat «uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christo». Das kleine Wort «jeder» zeigt uns ihre Fülle an. Nicht eine einzige Segnung, die Christus als Mensch genoss, wurde zurückgehalten. Wir sind gesegnet mit «jeder» geistlicher Segnung. Die bekennende Christenheit mag den Menschen noch so viele äussere Wohltaten erwiesen haben, es bleibt doch stets wahr, dass christliche Segnungen geistlich und nicht materiell sind, wie beim Volk Israel. Sie sind nicht weniger wirklich, weil sie einen geistlichen Charakter haben. Sohnschaft, Annahme, Vergebung - einige Punkte der christlichen Segnungen, die wir in der Schrift finden, sind geistlich, ausserhalb der Reichweite des Reichtums dieser Welt, aber dem einfachsten Gläubigen durch Christus und in Ihm sichergestellt.

Weiter ist die eigentliche Sphäre unserer Segnungen nicht die Erde, sondern der Himmel. Wir sind gesegnet «in den himmlischen Örtern». Auf der Erde mögen wir wenig besitzen; im Himmel sind wir reich gesegnet. Alle diese geistlichen und himmlischen Segnungen stehen in Verbindung mit Christus; sie bestehen in keiner Weise wegen unserer Verbindung mit Adam. Sie sind «in Christo». Die Segnungen der Juden waren zeitlich, irdisch, in der Geschlechtslinie von Abraham; jene der Christen sind geistlich, himmlisch und in Christo. Im Unterschied zu irdischen Segnungen sind sie unabhängig von Gesundheit, Reichtum, Stellung, Bildung oder Nationalität. Sie sind ausserhalb des ganzen Bereichs irdischer Dinge und werden in all ihrer Fülle noch bestehen bleiben, wenn das Leben in dieser Zeit zu Ende und unser Pfad auf Erden abgeschlossen ist.

Vers 4

Dann lernen wir nicht nur die Quelle und den Charakter unserer Segnungen kennen, als aus dem Herzen unseres Gottes und Vaters kommend, sondern wir erfahren, dass sie ihren Anfang «vor Grundlegung der Welt» hatten. Es war in der weit zurückliegenden Ewigkeit, dass wir in Christo auserwählt wurden. Damit ist eine souveräne Auserwählung verknüpft, die unabhängig ist von allem, was wir in Verbindung mit Adam und seiner Welt sind. Und nichts, das sich in der Zeit ereignet, kann daran etwas ändern.

Überdies dürfen wir nicht nur den Anfang unserer Segnungen vor Grundlegung der Welt sehen, sondern auch das herrliche Ziel, das Gott im Auge hat, wenn die Welt vergangen sein wird. Der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus hat uns auserwählt in Christo vor Grundlegung der Welt, damit wir in den kommenden Zeitaltern «vor ihm» seien, zur Befriedigung seines Herzens - «dass wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe». Wenn es Gottes Vorsatz ist, in alle Ewigkeit ein Volk vor sich zu haben, dann müssen sie in einem Zustand sein, der Ihm absolut entspricht. Dazu müssen sie Ihm gleich sein. Nur das, was Gott gleicht, kann Ihm annehmlich sein. Deshalb will Gott uns «heilig und tadellos» haben, und «in Liebe». Das ist, was Gott in Wirklichkeit ist und was in Christus als Mensch vollkommen zum Ausdruck kam. Er war heilig in seinem Charakter, tadellos in Wandel und Liebe in seiner Natur. Gott will auch uns in einem vollkommen heiligen Charakter vor sich haben, in einem Wandel, dem nichts angelastet werden kann, und in einer Natur, die Liebe ist und auf Liebe - die Liebe Gottes - eingehen kann. Gott ist Liebe, und Liebe kann nicht zufrieden sein, ohne eine Antwort in den Gegenständen der Liebe zu finden. Gott will sich mit solchen umgeben, die, wie Christus als Mensch, vollkommen auf seine Liebe eingehen, so dass Er Freude an uns haben kann und wir an Ihm.

Wenn der Glaube diese grossen Wahrheiten aufnimmt und auf das herrliche Ziel schaut, freut er sich an allem, was aus dem Herzen Gottes offenbart worden ist und über die Wirksamkeit des Werkes Christi. So gross ist die Liebe des Vaters und der Wert des Werkes Christi, dass wir für alle Ewigkeit heilig und tadellos vor des Vaters Angesicht sein werden, im vollen, ungehinderten Genuss göttlicher Liebe.

Wenn wir so in die Ewigkeit blicken dürfen und sich ein solch ausgedehnter Ausblick auf Segnung vor uns öffnet, dann wird diese vergängliche Welt - die uns oft so gross und wichtig erscheint - sehr unbedeutend. Hingegen wird das Christentum, in seinem wahren, gottgemässen Charakter gesehen, überaus gross und gesegnet.

Vers 5

Ferner gibt es besondere Segnungen, zu denen Gläubige zuvorbestimmt sind. Zuvorbestimmung scheint immer diese besonderen Segnungen im Auge zu haben. Gemäss der unumschränkten Auserwählung werden Gläubige, wie die Engel, heilig und tadellos vor Gott sein. Aber ausser diesen Segnungen sind die Gläubigen auch zu einem besonderen Platz der Sohnschaft zuvorbestimmt. Wir sind in die gleiche Beziehung zu dem Vater gebracht worden, in der Christus als Mensch steht, so dass Er sagen kann: «Mein Vater, und euer Vater.» Engel sind Diener vor Ihm; wir sind Söhne «für ihn selbst»

Diese besondere Beziehung ist «nach dem Wohlgefallen seines Willens». So geht die Segnung des 5. Verses über jene des vierten hinaus. Dort war es unumschränkte Wahl, dass wir durch Gnade passend für Ihn selbst würden; hier ist es das Wohlgefallen Gottes, das Gläubige für die Sohnschafts-Beziehung zuvorbestimmt.

Vers 6

Die Weise, in der Gott gehandelt hat, indem Er uns für diesen wunderbaren Platz des Segens zuvorbestimmte, wird «zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade» ausschlagen. Der Reichtum der Gnade Gottes stellt uns passend für Ihn vor sich hin; die Herrlichkeit seiner Gnade bringt uns in Beziehung zu Ihm selbst, nachdem Er uns angenehm gemacht hat in dem Geliebten. Wenn wir angenommen sind in dem Geliebten, sind wir angenommen wie der Geliebte selbst - mit all der Freude, mit der Er in der Herrlichkeit empfangen worden ist.

Vers 7

Die vorangegangenen Verse haben uns den Vorsatz Gottes für Gläubige vorgestellt. In diesem Vers werden wir an den Weg erinnert, den Gott eingeschlagen hat, damit wir an diesen Segnungen teilhaben könnten. Wir sind erlöst worden durch das Blut Christi, und unsere Sünden sind uns nach dem Reichtum seiner Gnade vergeben worden. Der Reichtum seiner Gnade begegnet allen unseren Bedürfnissen als Sünder; die Herrlichkeit seiner Gnade entspricht dem Wohlgefallen Gottes, uns als Heilige zu segnen. Ein reicher Mann kann einen Bettler aus der Fülle seiner Reichtümer segnen. Das wäre eine grosse Gnade. Aber wenn der reiche Mann weiter ginge und den armen Mann in sein Haus aufnähme und ihm die Stellung eines Sohnes gäbe, wäre das nicht nur Gnade gegenüber dem armen Mann, sondern zur Ehre und Herrlichkeit des reichen Mannes. Der Reichtum der Gnade begegnete den Bedürfnissen des verlorenen Sohnes und bekleidete ihn mit einem Gewand aus dem Haus des Vaters. Die Herrlichkeit der Gnade gab ihm den Platz eines Sohnes im Haus. Die Herrlichkeit der Gnade Gottes hat Gläubige zu Söhnen, nicht zu Dienern gemacht.

Die Offenbarung des Willens Gottes zur Verherrlichung Christi und zum Segen der Versammlung

Verse 8,9

Gott hat sich nicht nur vorgenommen, uns später in die für uns bestimmte Segnung zu bringen, und nicht nur besitzen wir jetzt schon die Erlösung unserer Seelen und die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade, sondern Er hat diese gleiche Gnade gegen uns überströmen lassen, damit wir in der gegenwärtigen Zeit die Erkenntnis seines Vorsatzes hätten. Gott hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan, damit wir das Wohlgefallen kännten, das Er sich vorgesetzt hat.

Es ist der Wille Gottes, dass die Versammlung, während sie hienieden ist, die Eingeweihte seiner Ratschlüsse sei. Gott möchte, dass wir weise und verständig seien im Blick auf alles, was Er nach seinem Wohlgefallen, zur Verherrlichung Christi und zum Segen der Versammlung tut und noch tun will. Gottes Gedanken zu haben und seine Absichten zu kennen, hält uns ruhig in Gegenwart einer unruhevollen Welt und erhebt uns über Sorge und Sünde, als solche, die wissen, wie alles enden wird.

Ein «Geheimnis» in der Schrift ist nicht unbedingt etwas Verborgenes, sondern eher ein Geheimnis, das Gläubigen mitgeteilt wird, bevor die Welt öffentlich davon erfährt. In der Welt sehen wir den Menschen seinen eigenen Willen nach seinem Wohlgefallen tun, und daher all das Leid und die Verwirrung. Es ist das Vorrecht des Gläubigen, die Geheimnisse Gottes zu kennen, und deshalb zu wissen, dass Gott alle Dinge nach seinem Wohlgefallen hinausführen wird, und dass am Ende seine Vorsätze die Oberhand haben werden.

Verse 10-12

Die nun folgenden Verse enthüllen uns dieses Geheimnis Gottes. Wir lernen, dass es darin zwei Teile gibt. Erstens ist da der Vorsatz Gottes für Christus; zweitens finden wir da, was Gott sich für die Versammlung in Verbindung mit Christus vorgesetzt hat.

Es ist das Wohlgefallen Gottes, für die Verwaltung der Fülle der Zeiten alle Dinge in Christus zusammenzubringen. Die «Fülle der Zeiten» kann kaum auf den ewigen Zustand hinweisen, denn dann wird Gott alles in allem sein. Vielmehr weist dieser Ausdruck auf die kommende Welt des Tausendjährigen Reiches hin, wenn die vollen Ergebnisse der Regierungswege Gottes in Vollkommenheit gesehen werden. Alle Grundsätze der Regierung, die den Menschen zu verschiedenen Zeiten anvertraut worden sind, und in denen sie so vollständig versagt haben, werden in Vollkommenheit unter der Verwaltung Christi gesehen werden. Der Verfall der Zeiten wurde unter der Regierung des Menschen gesehen; die «Fülle» oder Vollkommenheit der Zeiten wird gesehen werden, wenn Christus regiert. Dann wird sich jedes geschaffenen Ding oder Wesen, im Himmel und auf Erden, unter seiner Kontrolle und Führung bewegen. Als Folge davon werden Einheit, Harmonie und Frieden vorherrschen. Das ist das Geheimnis des Willens Gottes zur Verherrlichung Christi.

Weiter dürfen wir sehen, dass es Gottes Wohlgefallen ist, dass die Versammlung in Verbindung mit Christus an diesem ausgedehnten Erbteil, worüber Christus Haupt sein wird, teilhaben soll.

Vers 11

Hier sagt der Apostel: «Wir haben ein Erbteil erlangt», indem er zweifellos zunächst auf die Gläubigen aus den Juden hinweist. Die jüdische Nation hatte ihr irdisches Erbteil verloren, weil sie Christus verworfen und ihren eigenen Willen verfolgt hat. Der Überrest aus ihnen, der an Christus glaubte, erlangte ein herrlicheres Erbteil in einer kommenden Welt, nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Rate seines Willens. Verbunden mit Christus in seiner Regierung, werden die Gläubigen seine Herrlichkeit zur Schau stellen. An jenem Tage wird Er «verherrlicht» und «bewundert» werden in allen denen, die geglaubt haben (2.Thess. 1,10). Die Welt und die ganze Schöpfung wird unter Ihm gesegnet sein. Die Versammlung wird ihr Teil mit Ihm haben. Die Gläubigen aus den Juden hatten «zuvor» auf den Christus «gehofft» oder «vertraut». Sie hatten auf Christus gehofft in den Tagen seiner Verwerfung; die wiederhergestellte Nation wird in den Tagen seiner Herrlichkeit auf Ihn vertrauen.

Vers 13

Das «ihr» dieses Verses bringt die Gläubigen aus den Nationen hinein, um an den Segnungen dieses herrlichen Erbteils teilzuhaben. Sie hatten dem Evangelium ihres Heils geglaubt und waren versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheissung.

Vers 14

Das «wir» dieses Verses verbindet die Gläubigen aus den Juden und Nationen. Sie teilen dieses herrliche Erbe miteinander. Durch den Geist erfreuen wir uns eines Vorgeschmackes der Glückseligkeit des Erbes. Dieses Erbe ist ein erworbener Besitz - der Preis dafür ist das kostbare Blut Christi. Alle Schöpfung gehört Ihm, denn Er ist der Schöpfer; und alles gehört Ihm, weil Er es erworben hat. Doch obwohl alles erkauft ist, ist doch nicht alles erlöst. Er hat das Erbteil durch Blut erworben; Er wird es durch Macht erlösen. Wenn Er die ganze Schöpfung durch seine Macht vom Feind befreit hat, wird sie zum Preise der Herrlichkeit Gottes sein.

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Letzte Änderung am 27.03.2010.