Halte Fest
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Eph. 1,3-14: Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus!

Halte Fest Jahrgang 1971 - Seite: 200 - Verfasser: M.E.

Für das Geschöpf besteht kein grösseres Vorrecht, keine reinere und erhabenere Quelle der Seligkeit, als der Lobpreis und die Anbetung Gottes.

Dies ist die Beschäftigung der Engel. Sie, die Diener Gottes, bereit, Seinen Befehlen zu gehorchen, rühmen Seine Herrlichkeit. Sie jubelten triumphierend und jauchzten vor Freude, als Gott die Erde gründete, als Er sie auf ihre Grundfesten einsenkte und dem Meere seine Schranken setzte (Hiob 38, 4-11). Jesaja sah sie den hohen und erhabenen Thron des Herrn umringen und mit bedecktem Angesicht ausrufen: «Heilig, heilig, heilig ist Jehova der Heerscharen, die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit!» Auch lobten sie Gott, als Sein geliebter Sohn, durch Den alle Dinge erschaffen worden sind, hienieden als Mensch geboren und als schwaches Kind in eine Krippe gelegt wurde. Dieses kleine Kind war kein anderer als der Jehova, den Jesaja auf Seinem Throne gesehen hatte. Jetzt aber war Er «Gott, offenbart im Fleische … gesehen von den Engeln» (1. Tim. 3,16) - ein überaus würdiger Gegenstand der Anbetung und des Lobes der Engel! Wir sehen sie auch den Thron Gottes und des Lammes im Himmel umringen und sowohl den Herrn, Gott, den Allmächtigen als auch das Lamm, das geschlachtet worden ist, verherrlichen.

Aber dieses grosse und herrliche Vorrecht ist nicht nur den Engeln vorbehalten. Auch der Mensch kann es geniessen und sogar in einer tieferen und erhabeneren Weise als sie, denn er erkennt Gott so, wie sie Ihn nicht zu erkennen vermögen. Das Lob und die Anbetung werden durch die Erkenntnis dessen hervorgebracht, was Gott ist und was Er vollbracht hat. Das zeigen uns die eingangs erwähnten Verse.

Der Apostel Paulus beginnt in der Tat mit einem Lobgesang. Sein Herz überfliesst. «Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi!» ruft er aus. Weshalb dieser Ausruf seiner Seele? Wir werden es nun sehen, und möchte doch jeder von uns in der Lage sein, sich ihm anzuschliessen!

Was im Herzen des Paulus in erster Linie Lobpreis erweckte, war die Erkenntnis, die er von Gott hatte. Vor dem Christentum kannte man Gott als den Schöpfer, als den Allmächtigen, als den Höchsten, der Himmel und Erde besitzt, als Jehova, den Ewigseienden. Gewiss, die Betrachtung Seiner Majestät, erhaben über die Himmel, Seiner Grösse, Seiner herrlichen Wesenszüge, Seiner Werke in der Schöpfung und zur Erlösung Seines Volkes Israel - ist dazu angetan, dass der Mensch die Knie vor Ihm beugt und Ihn anbetet. Eine solche Anbetung finden wir in zahlreichen Psalmen und auch in den Propheten.

Aber das Christentum lässt uns Gott in einer viel innigeren und tieferen Weise erkennen. Für Paulus, wie auch für alle Christen, ist Er «der Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi». Den «Gott unseres Herrn Jesu Christi» betet er an und vor dem «Vater unseres Herrn Jesu Christi» beugt er seine Knie. «Niemand hat Gott jemals gesehen», sagt der Apostel Johannes, «der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoss ist, der hat ihn kundgemacht» (Joh. 1, 18). Dazu ist Er Mensch geworden und hat Er uns Gott als Seinen Gott kundgemacht.

Als Mensch ist Er «unser Herr Jesu Christi», Namen und Titel, die das zusammenfassen, was Er für den Christen ist: Jesus, der Erretter, der Christus, der Gesalbte Gottes, um alle die Ämter auszuüben, zu denen Er berufen worden ist. Auch ist Er unser Herr) welchem alle Gewalt gegeben ist. Paulus denkt an Ihn, seinen Herrn, den Sohn Gottes, der ihn geliebt, sich selbst für ihn hingegeben und sich so alle Rechte über seine Person erworben hat. Er denkt an Jesum und sieht Ihn in vollkommenem Gehorsam und in unbedingter Hingabe an Gott auf der Erde wandeln (Phil. 2): Jesus diente Ihm, vertraute auf Ihn (Ps. 16; Ps. 22, 8-10) und hatte Ihn als Seinen Gott, bis zum Kreuze, wo Er ausrief: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?»

Jesus hat Gott, den Heiligen, den Gerechten, den Gütigen verherrlicht, weil Er Sein Gott war. In Jesu sehen wir einen Menschen, dem Gott wirklich Sein Gott war, der in vollkommener Weise sagen konnte: «Gott, du bist mein Gott; frühe suche ich dich» (Ps. 202 63,1; vgl. mit Mark. 1,35); und auch: «Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, ist meine Lust; und dein Gesetz ist im Innern meines Herzens» (Ps. 40,8, vgl. mit Joh. 8, 28-29). Und an einer anderen Stelle: «Meine Zuflucht und meine Burg; mein Gott, auf ihn will ich vertrauen» (Ps. 91, 2). Gott ist der Gott unseres Herrn Jesu Christi, der auf der Erde als erniedrigter Mensch in Seiner Vollkommenheit vor Ihm wandelte und der in Seiner Vollkommenheit als verherrlichter Mensch jetzt im Himmel vor Ihm ist.

Aber Gott ist auch der Vater unseres Herrn Jesu Christi. Er ist der Vater des eingeborenen und ewigen Sohnes - eine unergründliche Beziehung. Christus war auch der Sohn Gottes, als Er auf wunderbare Weise von der Jungfrau Maria geboren und so in die Welt eingeführt wurde. Gott hat Ihn öffentlich als solchen anerkannt. Schliesslich hat Er, der Mensch geworden ist, sich auch durch Toten-Auferstehung als Sohn Gottes in Kraft erwiesen (Joh. 1, 14.18; Luk. 1,35; Ps. 2, 7; Hebr. 1,5.6; Röm. 1,4). Das Verhältnis Vater - Sohn ist eine Beziehung der Liebe, und die Stimme des Vaters gibt sowohl bei der Taufe Jesu als auch auf dem heiligen Berge Seiner Wonne Ausdruck, die Er an Seinem Sohne fand: «Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen gefunden habe» (Matth. 3,17; 17,5). Er ist «der Sohn seiner Liebe» (Kol. 1, 13).

Als Er auf die Erde kam, hat der Sohn den Vater offenbart. Dieser Name Gottes ist ein Name der Gnade, den wir nicht gekannt hätten, wenn der Sohn ihn uns nicht kundgemacht hätte. Das Herz Gottes hat sich geöffnet und uns einen göttlichen Gegenstand für Seine Liebe gezeigt - Seinen eingeborenen Sohn. Auch sehen wir, wie der Herr diesen Titel des Sohnes für sich beansprucht, wie Er Seine Beziehung zu Gott als dem Vater bezeugt, die Er so sehr genossen hat. Wenn Er von Gott redet, so spricht Er nicht nur in einer absoluten Weise von Gott: Er führt Ihn als Vater ein bei denen, an die Er sich richtet, ob es nun Seine Jünger oder die ungläubigen Juden waren, die sich die grosse Schuld aufluden, dass sie sowohl Ihn als auch Seinen Vater hassten. Er redete nicht von Gott als dem Vater, wenn es um den Schöpfer ging, sondern dann, wenn Er die besondere Beziehung zu Ihm, Seinem Sohne, hervorheben wollte. Jesus liebt es, so von Seinem Gott zu reden und Ihn Vater zu nennen, und noch inniger sagt Er von Ihm: «mehr Vater».

Der Vater findet Seine Wonne in Seinem Sohne, und der Sohn geniesst die Wonne im Schosse des Vaters, selbst als Mensch hienieden, in ununterbrochener Gemeinschaft mit Ihm. Er ist «der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoss ist», sowohl in der Ewigkeit als auch in der Zeit, als Er, das Fleisch gewordene Wort, auf der Erde wandelte. Wir hören Ihn als jungen Knaben sagen: «Ich muss in dem sein, was meines Vaters ist.» Und wie oft, im Verlaufe Seines Dienstes, liebte Er es, diesen Namen, der Ihm so kostbar war, einzuführen! Er redet vom Willen Seines Vaters; Er enthüllt die Gnade und die Liebe Seines Vaters gegenüber den Kleinsten; Er redet von dem, was Er bei Seinem Vater gesehen hat: Er ehrt Seinen Vater durch Gehorsam, und Sein Vater verherrlicht Ihn; Er handelt nur mit Seinem Vater, er empfängt alles von Seinem Vater und freut sich, zu Seinem Vater, in Dessen Haus zurückzukehren. Sogar in Gethsemane, als der bittere Kelch vor Ihm war, betete Er zu Seinem Vater, dass jener an Ihm vorübergehen möge; doch nimmt Er ihn an, aber aus den Händen Seines Vaters. Welch heilige, herzbewegende und tiefe Zuneigung in einem vollkommenen Gehorsam! Wie sollten wir uns nicht in Anbetung niederbeugen vor solchen Geheimnissen! Wenn Er auch durch die Stunden des Verlassenseins gehen musste, in denen Ihm das Angesicht Seines Gottes verhüllt wurde, so fand Er sich, sobald der Kelch getrunken war, doch in ruhiger Glückseligkeit wieder bei Seinem Vater ein, indem Er sagte: «Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.»

Ich habe mich etwas lange bei diesem Gegenstand aufgehalten - bei dem Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi -, weil es von so grosser Wichtigkeit für uns ist, zu erkennen, was Gott für unseren kostbaren Heiland war. Auf diese Weise erwerben wir uns die wahre Erkenntnis Gottes für uns selbst. So hatte Paulus Gott kennen gelernt, nachdem sich ihm der Herr Jesus offenbart hatte. Doch hatte er noch mehr gelernt. Der Gott und Vater des Herrn Jesu Christi war auch sein Gott und sein Vater, wie Er auch der Gott und Vater all derer ist, die Jesum Christum als ihren Heiland und Herrn erkennen und Ihn von Herzen als Den anrufen, der von den Toten auferstanden ist (Röm. 10, 9). k der Tat, die erste Botschaft, die der auferstandene Herr Seinen Jüngern sandte, also denen, die an Ihn glaubten, lautete: «Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, und zu meinem Gott und eurem Gott (Joh. 20, 17). So ist also der Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi auch der Gott und Vater der Erlösten des Herrn. Jesus führt sie in dieselbe Stellung vor Gott ein, die Er selber einnimmt. Und der Gläubige darf wissen: mein Gott ist der Gott meines Heilandes; Er ist der Gott, den der Herr Jesus geliebt und Dem Er gedient hat, auf Den Er bis zum Tode vertraute und vor Dem Er sich jetzt befindet. Auch ich kann sagen: «Gott, du bist mein Gott!»

Jesus führt die Erlösten auch in die gleiche Beziehung zu Gott ein, in der Er sich als Mensch befunden hat. Sein Vater ist ihr Vater. Sie sind geliebte Kinder (Eph. 5, 1). Es ist kostbar für uns, wie Paulus die Knie vor dem Vater unseres Herrn Jesu Christi zu beugen und Ihm zu sagen: «0 Vater meines Herrn Jesu Christi, Du bist auch mein Vater!»

Liebe Freunde, verkehren wir so mit Gott, in dem bewussten Genuss dessen, was Er für uns ist und was wir für Ihn sind? Dann begreifen wir den Herzenserguss des Apostels und können mit Ihm ausrufen: «Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi!» Die wirkliche Erkenntnis des Herzens bezüglich dessen, was Gott ist, bringt in der Seele Lob hervor. Das ist das Geheimnis des Gottesdienstes.

Geistliche Segnungen

Noch etwas anderes war für das Herz des Apostels Anlass zum Lobpreis: Das, was der Gott und Vater unseres Herrn Jesus für uns getan hat. «Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christo.» Gott offenbart sich in Seinem geliebten Sohn in Gnade. Durch Ihn lässt Er uns Sein Herz erkennen. Die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden. Und diese Gnade ist immer tätig. Sie hat Menschen zum Gegenstand und gibt sich ihnen zu erkennen durch das Gute, das sie ihnen verschafft, durch das Glück, das sie ihnen zu geniessen gibt. Was sie uns Christen zuteilt, sind die geistlichen Segnungen in den himmlischen Örtern in Christo.

Die Natur dieser Segnungen

Wir werden sehen, worin diese Segnungen bestehen. Doch lasst uns zunächst ihre Natur feststellen.

Es sind nicht zeitliche Segnungen, die sich auf unsere irdischen Bedürfnisse oder auf einen irdischen Genuss beziehen. Gott hat Seinen Kindern verheissen, ihnen das Nötige zu geben, und Er erlaubt uns auch, uns der natürlichen Beziehungen zu erfreuen, vorausgesetzt, dass sie in unseren Herzen nicht den Platz einnehmen, der Ihm zukommt und den Christus beansprucht. Die hier genannten Segnungen aber sind für die wirklichen und ewigen Bedürfnisse der Seele und geben ihr wahren Genuss.

Sie sind geistlich. Sie kommen von Gott, der Geist ist, und stehen im Zusammenhang mit Seiner Natur. Sie sind also ausserhalb des Gebietes des Fleisches, der Sinne, der natürlichen Fähigkeiten. Wir kosten sie in unserem Geiste, in dem Teil unseres Wesens, dem inneren Menschen, der mit Gott in Beziehung gebracht werden kann. Und durch die Kraft des Heiligen Geistes dringen wir in sie ein. Was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch, das von diesen Segnungen nichts erfassen und sie nicht wertschätzen kann. «Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird» (1. Kor. 2, 14). Um diese Segnungen zu erkennen, bedarf der Mensch einer Natur, die dem entspricht, was sie sind: er muss aus Wasser und Geist geboren sein und den «Geist, der aus Gott ist», empfangen haben. Das ist das Teil des Gläubigen. Er kennt diese Segnungen, geniesst sie und preist Gott dafür.

Der Platz dieser Segnungen

Sie sind in den himmlischen Örtern, da, wo Christus ist. Christus, der Messias, den die Juden erwarteten, war ein von Herrlichkeit umgebener Christus, der hienieden regierte und sie auf der Erde mit jeder Segnung segnete. Dieses Teil werden sie später erlangen, wenn sie in Dem, den sie durchstochen haben, ihren König erkennen. Aber der Christus, den wir Christen kennen, unser Heiland und Herr, ist Der, welcher für uns gelitten hat, dann aber verherrlicht worden ist und jetzt in den himmlischen Örtern zur Rechten Gottes sitzt, nachdem Er uns alles erworben hat. Dort sind unsere Segnungen, und sie können nirgendwo sonst sein, denn in Ihm und durch Ihn sind wir gesegnet worden. Nichts mangelt uns zum Leben, zur Freude und zur Speise unserer Seelen, aber alles finden wir in Ihm dort oben, wir haben es in Ihm allein. Ausserhalb dieser Örter haben wir nichts, so dass wir von der Erde und den vergänglichen Dingen losgelöst und mit oben verbunden sind, wo sich alle unsere Güter befinden. Da fehlt nichts, da ist nichts gefährdet, da verdirbt nichts. Da ist unser Schatz und in Ihm sind unsere Segnungen. Wer vermöchte uns diese zu rauben? Sie sind in Christo selbst. Unser Herz und unser Leben werden das Gepräge dieses Ortes tragen, wenn wir uns da aufhalten.

Geliebte, sind diese Segnungen nicht auch ein wunderbares Thema für unser Lob? Einst brachten die in Kanaan eingeführten Israeliten, überschüttet mit all den irdischen Gütern, die Gott ihnen verheissen hatte, mit Freude und Dankbarkeit ihre Körbe, gefüllt mit den Erstlingen der Früchte des Landes (5. Mose 26). Und wir, deren Herz mit der Freude erfüllt ist, die diesen geistlichen und ewigen Segnungen in Christo entspringt, wie sollten nicht auch wir mit dem Apostel sagen: «Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus!» Kennen und schätzen wir diese Segnungen genügend? Leben wir dort, mit Dem, der die Freude und die Herrlichkeit der himmlischen Örter ausmacht? Dann wissen wir, was Lobgesang ist; er wird aus unserem Herzen fliessen und beständig in unserem Munde sein.

Der Ursprung dieser Segnungen

Sie sind nicht verknüpft mit irgendetwas, das in uns war. Wir konnten nichts dazu beitragen. Wir vermochten sie nicht selber zu erlangen. Ihr Ursprung ist in Gott. Sie sind das Ergebnis Seiner Ratschlüsse, Seines ewigen Vorsatzes. Vor Grundlegung der Welt hat Gott die Gläubigen auserwählt, um sie in dieser Weise zu segnen. In der Tiefe der Ewigkeit dachte Gott schon an sie. Seine Ratschlüsse über sie standen fest, als noch nichts existierte. Er wollte sie segnen, aber beachten wir es, sie wurden dabei immer in Christo gesehen als in Ihm gesegnet. Es konnte weder Pläne der Segnung noch erfüllte Segnungen geben, ausser in Ihm. Welche Sicherheit gibt dies dem Gläubigen: «Er hat uns auserwählt in Ihm»!

Konnten die ewigen Gedanken Gottes über Ihn wechseln oder sich ändern? Nein, Seine Gnadengaben und Seine Berufung sind unbereubar. Die Tatsache, dass wir in Christo auserwählt sind, ist ein neues Pfand der Sicherheit. Wenn ich gegenwärtig in Christo bin - und das ist das Teil jedes Gläubigen -, so bin ich in Ihm auserwählt und ich habe Anteil an allen diesen Segnungen.

Wer wird mich trennen von Christo, in welchem ich auserwählt worden bin? Wer wird mich scheiden von Seiner Liebe? Wer vermag den Ratschluss Gottes über mich ungültig zu machen? Nicht wer ich war und wer ich bin, ist hier die Frage; da handelt es sich nur um die Gedanken Gottes über mich.

Liebe Freunde, habt ihr je schon daran gedacht, dass sich Gott schon in der vergangenen Ewigkeit mit euch beschäftigte, um euch in der Gegenwart und in der kommenden Ewigkeit zu segnen? Lasst uns keine Fragen erheben, nicht vernünfteln, und uns hinsichtlich der Auserwählung nicht beunruhigen, wozu der Feind uns verleiten will! Überlassen wir die Sache Gott, der Tiefe Seiner Ratschlüsse, die wir geringen Wesen nicht ergründen können. Bist du in Christo? Bist du zu Ihm gekommen und kennst du Ihn als deinen Retter? Das ist die Frage. Kannst du dies bejahen, so bist auch du einer von denen, die Gott vor Grundlegung der Welt auserwählt hat, und mit Paulus kannst du nur in tiefer Dankbarkeit sagen: «Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi!»

Der Zweck unserer Auserwählung

Die Gläubigen sind in Christo zu einem besonderen Zweck auserwählt worden, ein Zweck, der in Übereinstimmung steht mit der Natur Gottes - «Gott ist Licht». Er hat uns auserwählt, «dass wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe».

Beachten wir dies. Gott wollte Menschen vor sich, in Seiner Gegenwart haben, denen Er Seine Liebe erzeigen konnte, und dies, damit sie glücklich, vollkommen glücklich seien in dem Genuss dieser Liebe. Aber wie konnten sie vor Ihm sein, in Seiner Gegenwart? Einzig indem sie Seiner heiligen und reinen Natur entsprachen. Diese Bedingung ist absolut nötig, nicht nur für Ihn, sondern auch für sie.

Meinst du, ein Mensch, der die Welt mit ihren Vergnügen und ihren Genüssen liebt, und dessen Gedanken sich nur um das Sichtbare drehen, könne in der Gegenwart Gottes, in den reinen und heiligen Freuden des Himmels glücklich sein? Nein, diese wären ihm fremd, ja sogar verhasst. Er hätte kein anderes Begehren, als wegzueilen. Seine ganze Natur steht im Gegensatz dazu und sträubt sich dagegen. Er kann die Gesellschaft mit den Christen schon hienieden nicht leiden; sie ist ihm langweilig. Wäre dies im Himmel anders?

Um die Gegenwart Gottes und die Freuden des Himmels geniessen zu können, muss man eine Natur besitzen, die damit übereinstimmt. Könnte anderseits der dreimal heilige Gott, dessen Augen zu rein sind, um Böses zu sehen, in Seiner Nähe einen Sünder mit allen seinen Unreinigkeiten dulden? Nein, das ist unmöglich. Aber Er hat uns auserwählt, damit wir Gegenstände Seiner Liebe würden, fähig, diese zu geniessen, und auf dass wir heilig und tadellos seien, so dass Sein Blick auf uns ruhen kann, ohne etwas Tadelnswürdiges zu finden. Im Gegenteil, Er hat uns Ihm wohlgefällig gemacht, so dass wir Seiner Gegenwart entsprechen und mit völlig unbeschwertem Herzen glücklich sein können.

Sind wir «heilig und tadellos» in uns selbst und in unserem Wandel? Wir wissen, dass dem nicht so ist. Auch handelt es sich hier nicht um das. Vor Gott, in den himmlischen Örtern, ist gegenwärtig ein Mensch, der heilig und tadellos ist. Er war es schon in Seinem Leben hienieden, in welchem Er Gott verherrlicht hat und jetzt hat Ihn Gott bei sich selbst verherrlicht. Es ist Christus, in welchem wir gesegnet, in welchem wir auserwählt und in welchem wir jetzt vor Gott sind. Der Christ kann gegenwärtig keine andere Stellung vor Gott haben. Das allein macht seine Sicherheit aus. Selbstverständlich hat er hienieden in Übereinstimmung mit dieser Stellung zu wandeln; wir finden am Ende des Briefes entsprechende Ermahnungen. Aber nicht das ist hier die Frage. Wir sind in Christo auserwählt worden, um heilig und tadellos zu sein, ohne dass etwas fehlt, und - Gott sei Dank dafür! in Christo stehen wir so vor Ihm da! Sind wir einst in der Herrlichkeit, werden wir «heilig und tadellos und unsträflich» vor Gott hingestellt werden (Kol. 1, 22).

Da wir also in Christo sind, können wir in der Gegenwart Gottes glücklich sein. Wir haben nichts zu befürchten und geniessen Seine Liebe. Lasst uns daher den Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi preisen!

Zuvorbestimmt zur Sohnschaft

Die Natur Gottes konnte uns nicht anders als nur heilig und tadellos vor sich haben. Doch auch Sein Herz wünscht, in uns Seine Befriedigung zu finden. Er wollte uns nicht nur vor sich, sondern auch für sich haben. Wieder ein Grund zum Lobpreis und zur Anbetung. Gott hat uns, so lesen wir, «zuvorbestimmt zur Sohnschaft durch Jesum Christum». Das stimmt mit Seinem Charakter als Vater überein und mit dem, was Jesus sagte: «Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater.» Kostbarer Heiland! In Ihm und durch Ihn haben wir alles. Gott wollte, dass wir Seine Söhne würden, eine Familie, die Ihn kennt und die Er als Vater umgeben kann. Das ist die Beziehung, in die Seine Gnade uns einführte und zu welcher Er uns vor Grundlegung der Welt bestimmte. Welch vollkommene Stellung vor Gott, welch innige und gesegnete Verbindung mit dem Vater! Sind dies nicht wunderbare Segnungen, die uns ausrufen lassen: «Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi!»?

Wie glücklich können wir sein, Kinder Gottes, Gegenstände Seiner Liebe sein zu dürfen! Und beachte, wenn Er uns diese Stellung der Sohnschaft gegeben hat, so tat Er es zu Seiner eigenen Befriedigung; Er hat nun Söhne bei und für sich, über die sich Seine Liebe ergiesst. Woher kommt uns solche Gnade? «Durch Jesum Christum.» Christus ist wie ein goldener Faden, der alle unsere Segnungen miteinander verbindet. Und diese Gnade ist uns «nach dem Wohlgefallen seines Willens» gegeben. Nichts in uns hat uns dieses Platzes würdig gemacht, fern davon. Aber Sein Wille war es, uns so zu segnen und Sein Herz dadurch zu befriedigen. Wie gross ist doch dieser Gott und Vater! Ihm sei die Herrlichkeit!

Beachten wir, dass Paulus beifügt: «Zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade» (V. 6). Nirgendwo sonst strahlt Seine Gnade in lebhafterem Glanze hervor und verbreitet sie herrlichere Strahlen, als da, wo sie armselige Wesen, wie wir sind, zur Sohnschaft bestimmt. Wo waren wir? Fern von Ihm. Aber Jesus, Sein geliebter Sohn, ist gekommen, und hat, indem Er das Wohlgefallen Seines Vaters erfüllte, uns bei der Hand ergriffen und uns zu Gott geführt, damit wir für Ihn Söhne seien. Könntest du etwas ersinnen, das die Gnade Gottes noch mehr erhöbe? Aber lass mich dich fragen: Erhellt diese herrliche Gnade auch dein Herz? Füllt sie es mit Freude und mit Lob?

Angenehm gemacht in dem Geliebten

Mit dieser Segnung der Sohnschaft ist eine andere verbunden. Seine Gnade hat uns nicht nur einen unendlich kostbaren Platz gegeben, Gott wollte uns auch so vor sich haben, dass wir Seiner Gegenwart würdig seien. Aus dem unerschöpflichen Grunde Seines Herzens, aus Seiner Fülle bringt Er Gnade um Gnade hervor. Er erklärt nun auch, dass Er uns begnadigt oder angenehm gemacht hat «in dem Geliebten».

Wir sollen angenehm sein, wir? Wie unfassbar klingt dies in den Ohren dessen, der sich ein wenig erkannt hat! Aber nicht in uns selbst sind wir Gott wohlgefällig, sondern einzig und allein in Christo sind wir Ihm angenehm gemacht, der hier der Geliebte genannt wird.

Erwägen wir diese Worte sorgfältig! Vergegenwärtigen wir uns, was Christus für das Herz Gottes ist, nicht nur als eingeborener und ewiger Sohn, sondern auch als Mensch! Christus hat Gott auf der Erde in Seinem stetigen und vollkommenen Wandel der Hingabe, der Abhängigkeit und des Gehorsams verherrlicht, so dass bei Ihm alles, Gedanken, Worte und Taten als ein ununterbrochener Wohlgeruch zu Gott emporstieg. Daher kam aus dem Herzen des Vaters wiederholt das Wort hervor: «Du bist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen gefunden habe.» Er hat Gott bis ans Ende verherrlicht: Durch Seinen Gehorsam bis zum Tode am Kreuze und indem Er von Gott für uns zur Sünde gemacht wurde und den Kelch des Zornes und des Gerichtes entgegennahm. Da hat Er Gott in Seiner Gerechtigkeit und Heiligkeit verherrlicht, damit sich Seine Liebe gegenüber Sündern offenbaren konnte. In allem, was Gott ist, wurde Ihm also durch Christum Ehre und Herrlichkeit zuteil.

Ob wir Christum als Brandopfer, als Speisopfer oder als Opfer für die Sünde betrachten - in allem hat Er Gott verherrlicht. Und im Bewusstsein dessen, was Er in dieser Weise für Seinen Vater war, sagte Er: «Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, auf dass ich es wieder nehme.»

Welche Liebe hat doch der Vater für Jesum Christum, Seinen Sohn! Welchen Platz hat Er Ihm daher droben gegeben! «Ich habe dich verherrlicht auf der Erde», sagte Jesus, «und jetzt verherrliche du mich». Und Gott hat es mit Seinem Geliebten getan. Kannst du dir etwas vorstellen, das für den Vater kostbarer wäre als Jesus? Alle Seine Zuneigungen ruhen auf Ihm!

Das ist aber auch der Platz, den die Gnade uns gibt: Wir sind «angenehm gemacht in dem Geliebten». Was könnten wir uns Besseres wünschen? Wir sind so geliebt, wie Jesus geliebt worden ist (Joh. 17); «gleichwie er ist, sind auch wir in dieser Welt» vor Gott, Ihm angenehm gemacht, wie Christus selbst.

Geliebte, das sind Wirklichkeiten, nicht Dinge, die nur durch eigene Anstrengungen, durch ein Trachten nach eingebildeter Heiligkeit zu erreichen sind. Sie sind zu erhaben, als dass wir sie auf diese Weise erreichen könnten. Wir besitzen sie nicht erst in der Szene der ewigen Vollkommenheit. Sie gehören uns jetzt schon. Die reine und unumschränkte Gnade Gottes ist es, die sie uns in Christo gibt. Sie befinden sich in Ihm, und Gott gibt sie uns, um sie jetzt zu verwirklichen und zu geniessen. Nicht nur ist uns vergeben worden; wir sind darüber hinaus auch Gegenstände der Gunst Gottes, derselben Gunst, in der Christus steht.

Beseligt dies nicht unser Herz und breitet sich dadurch nicht ein vollkommener Friede in der Seele aus? Denn, sagen wir es noch einmal: Er hat uns angenehm gemacht. Das ist eine Sache, die den Ratschlüssen Gottes über uns entspringt und die wir jetzt haben, in ebenso sicherer Weise, wie Christus selbst. Wer kann Christo Seinen Platz als Geliebten rauben? Niemand. Und niemand kann auch uns von diesem Platz der Gunst vertreiben, auf dem wir stehen. Wir können uns darauf stützen und so die Anläufe des Feindes zurückweisen, der uns verwirren möchte. Wenn ich Gott angenehm bin, so kommt dies nicht von mir. Ich habe nichts, um mich Dir, O mein Gott, angenehm zu machen. Aber Du hast mich in Deiner Gnade, in Deinen Augen und für Dein Herz «angenehm gemacht in dem Geliebten». Was kann Satan dazu sagen? Seien wir nicht ungläubig, sondern stützen wir uns auf diese Gnade, die Gott uns gewährt. Sie erstrahlt in ihrem vollen Glanze. Was kann die Gnade mehr verherrlichen als dies: Sie hat gefallene Geschöpfe nicht nur errettet, sondern hat sie auch entsprechend der vollen Annahme Christi selbst vor Gott hingestellt.

Wenn wir an eine solche Gunst denken, wie sollten wir da nicht die Grösse, die Vortrefflichkeit der «Herrlichkeit seiner Gnade» rühmen? Ja, «Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi»! Je mehr der Christ von sich wegblickt und das betrachtet, was Gott für ihn getan hat, desto mehr wird sein Herz von Lob überfliessen.

Gerechtigkeit und Gnade

Man wird fragen, wie konnte eine solche Gnade überhaupt ihren Lauf nehmen? Wie konnten uns solche Segnungen gegeben werden? Wir waren doch Sünder! Wo ist die Gerechtigkeit Gottes in allem diesem? Muss nicht auch sie ihren Lauf haben?

Gewiss; aber Seine Rechte sind ebenfalls vollkommen gewahrt worden, wie wir noch sehen werden. Die Ratschlüsse Seiner Gnade, das Wohlgefallen Seines Willens - alles was seine Quelle in Seiner Liebe hat - besteht in Ihm von Ewigkeit her und muss sich erfüllen. Für wen hat Er diese Ratschlüsse gefasst? Nicht gegenüber Engeln, nicht gegenüber unschuldigen Geschöpfen, sondern für Sünder, entsprechend der unergründlichen Tiefe Seiner Liebe.

Aber Seine Liebe kann Er nicht auf Kosten Seiner Gerechtigkeit ausüben. Er bleibt Seinem Wesen immer und in allem treu. Die unveränderlichen Ratschlüsse Gottes sind die feste, unerschütterliche Grundlage unserer Sicherheit. Die Liebe uns gegenüber beruht auf der Gerechtigkeit, und die Gerechtigkeit findet ihre volle Befriedigung in dem erhabensten Ausdruck der Liebe. Gott kann uns in Gerechtigkeit segnen und den Platz geben, den Seine Ratschlüsse für uns bestimmt haben.

Das alles ist nur in Christo möglich. Darum wird hier gesagt: «in welchem wir die Erlösung haben durch sein Blut) die Vergebung der Vergehungen, nach dem Reichtum seiner Gnade». Das kostbare Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und ohne Flecken, vergossen auf dem Kreuze, hat uns eine ewige Erlösung erworben. Kraft dieses Blutes, durch das Sühnung getan und die Gerechtigkeit Gottes befriedigt wurde, sind unsere Vergehungen vergeben worden. Gott kann also in voller Gerechtigkeit Seine ewigen Pläne der Segnung uns gegenüber ausführen. Alle unsere Sünden, unsere unzähligen Sünden, sind durch die mächtige Wirksamkeit des Blutes Christi ausgetilgt. Wahrlich, darin liegen «der Reichtum seiner Gnade», die Schätze Seiner Liebe! Widerspenstige, Gottlose, Feinde, Hassenswürdige, Unreine, Hochmütige und dazu noch ungläubige Wesen sind es, die Gott in Seinen Himmel versetzt und sie zu Söhnen macht. Solche sind es, die Er für Sein eigenes Urteil angenehm macht.

Was tat Er, um dies zustande zu bringen? Er gab Seinen Sohn, der für sie das Gericht erduldete und Sein Leben für sie darlegte. Dann hat Er sie gewaschen, gereinigt und gerechtfertigt herzugebracht, um sie dahin zu versetzen, wo Er selbst ist! O Tiefe der Liebe und des Reichtums der Gnade, die in dem Masse, wie sie ein Bedürfnis sieht, ihm zu entsprechen sucht und, sobald sie eine Segnung hat, diese im Überfluss ausbreitet! Da können wir, die wir an dieser vollkommenen Erlösung teilhaben, wohl ausrufen: «Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi!»

Das Geheimnis Seines Willens

Das alles dürfen wir jetzt geniessen: Wir stehen vor Gott als geliebte Kinder, sind der Stellung nach in Christo und haben ein vollkommenes Heil. Alle diese Segnungen besitzen wir in Christo und durch Ihn; sie gehören uns schon jetzt, ohne jede Einschränkung. Alles, was wir besitzen, ist himmlisch und für die Ewigkeit; aber wir können uns schon hienieden darüber freuen.

Etwas jedoch ist für die Zukunft und für die Ewigkeit aufgespart, in der die gegenwärtige Szene verschwunden ist. Auch diese Segnung ist eine Auswirkung Seiner Gnade. Gott gibt uns jetzt schon Kenntnis davon. Er behandelt uns nicht mehr als Fremdlinge, sondern als Söhne, die Er aufgenommen hat; weil wir zur Familie gehören, will Er keine Geheimnisse vor uns haben.

Nach dem Reichtum Seiner Gnade rettete Er uns, und nun lässt Er sie uns gegenüber überströmen, indem Er uns Weisheit und Verständnis gibt, ohne die wir «das Geheimnis Seines Willens» nicht verstehen könnten. Auch das ist nach Seinem Wohlgefallen; alles ist reine, unumschränkte Gnade.

Worin besteht denn das Geheimnis Seines Willens? Es bezieht sich auf die kommende Herrlichkeit Christi. Das war bis dahin ein Geheimnis. Die Weissagungen des Alten Testamentes konnten nicht enthüllen, was es alles enthielt; denn sie bezogen sich alle auf die Herrlichkeit Christi, die sich auf der Erde entfalten wird, und auf die irdischen Segnungen, die Israel und den Nationen vorbehalten sind. Sie reden nicht von den himmlischen Segnungen. Bis zum Christentum war der himmlische Teil der Herrlichkeiten Christi nicht bekannt. Jetzt aber ist die Erkenntnis dieses Geheimnisses des Willens Gottes, das die irdischen und himmlischen Dinge umfasst, mit Weisheit und Einsicht den Heiligen gegeben.

Es ist also das «Geheimnis Seines Willens». Es war Sein Wille, uns zu erretten und uns in der Herrlichkeit zu haben (Hebr. 2). Christus hat sich Ihm vorgestellt und gesagt: «Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun… durch welchen Willen wir geheiligt sind durch das ein für allemal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi» (Hebr. 10, 9.10). Bis zu diesem Punkt war der Wille Gottes bekannt.

Aber da ist noch eine andere Seite Seines Willens: das Geheimnis Seines Willens im Blick auf Christum. Das war nicht bekannt. Christus hat sich zur Verherrlichung Gottes und zur Erfüllung Seiner Ratschlüsse selbst hingegeben und die Erlösung vollbracht. Und was wird nun Gott Christo geben?

Schon hat Er Ihn verherrlicht und Ihn in den himmlischen Örtern zu Seiner Rechten gesetzt, über jedes Fürstentum und über jede Gewalt und Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, und hat alles Seinen Füssen unterworfen. Wohl sehen wir Ihm jetzt noch nicht alles unterworfen, doch wird Gott «das Geheimnis Seines Willens» ausführen, das Er in bezug auf Christum «sich vorgesetzt hat in sich selbst». Er wird ihm angesichts des ganzen Universums die Herrschaft über alles geben, das Erbe und den Besitz aller Dinge im Himmel und auf Erden. Was im Himmel und was auf Erden, die Kirche, Israel, die Nationen - alles wird in Ihm vereinigt sein, dem Haupte über alles.

Alle Absichten Gottes gegenüber und für den Menschen werden in Christo verwirklicht sein, und zwar «in der Fülle der Zeiten», wenn alle Wege gegenüber dem Menschen zur Ausführung gekommen sind.

Der Mensch hat in allen seinen Wegen gefehlt, aber 287 Christus, der zweite Mensch, macht einen Neuanfang, führt die Ratschlüsse Gottes vollkommen aus, und Gott bringt in dem Christus alles in eins zusammen. Die Krönung aller Ratschlüsse Gottes wird Christus sein, herrschend über alle Dinge, wobei alle Dinge zum Schemel Seiner Füsse gelegt sind. Das muss eine Zeit vollkommener Glückseligkeit sein: auf der Erde eine Herrschaft des Friedens und der Gerechtigkeit; Gott wird Anbetung dargebracht und Christus wird verherrlicht; im Himmel ertönt der Jubelschall der Erlösten beim Hochzeitsmahl des Lammes. Von der Erde her wird von Seiten der Geschöpfe, die von der Knechtschaft des Verderbnisses befreit sind und die Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes geniessen, ein einmütiger Lobgesang zu Gott emporsteigen, und die Himmel werden der Erde mit überströmenden Segnungen antworten. Welch wunderbare Szene! Bei ihrer Betrachtung wird das Herz voll Ruhe. Dann wird unser kostbarer Heiland erhoben und verherrlicht werden. In dem Namen Jesu wird sich jedes Knie beugen, und zum Lobgesang der Versammlung im Himmel kommt der Lobgesang Israels und der Nationen auf der Erde.

Unser Erbteil in Christo

Welchen Anteil haben wir, die Erlösten, an der zukünftigen Herrlichkeit des Christus? Wir werden bei und mit Ihm sein! Der Heiland kann nicht von denen getrennt werden, die Er erkauft hat und die Glieder des Leibes sind, von welchem Er das Haupt ist. Die Braut wird bei ihrem Bräutigam sein. Und wenn Er alle Dinge erben wird, werden wir mit Ihm erben. «In welchem» - ohne Ihn und ausser Ihm gehört uns nichts - «wir auch ein Erbteil erlangt haben». Wir sind «Erben Gottes und Miterben Christi». Dazu also sind wir zuvorbestimmt worden, «nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Rate seines Willens».

Wie wunderbar! Schon sind wir dabei stille gestanden, dass uns Gott «zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft… nach dem Wohl gefallen seines Willens»; Sein Wille hat sich uns gegenüber in unumschränkter Gnade dadurch gezeigt, dass Er uns in die Sohnesbeziehung brachte. Nach Seinem Wohlgefallen war es auch, uns in die Erkenntnis des Geheimnisses Seines Willens» einzuführen, das heisst, Einblick zu geben in die Herrlichkeit, die Christo in der Zukunft vorbehalten ist. Schliesslich sind wir nach dem Rate Seines Willens, den Er vor den Zeitaltern gefasst hat, zuvorbestimmt, mit Christo vereinigt zu sein in der Herrlichkeit Seines Erbes.

«Damit wir zum Preise Seiner Herrlichkeit seien»

Ob wir unseren Blick in die vergangene Ewigkeit zurückschweifen lassen, um dort die in Christo zuvorbereiteten Segnungen zu sehen, ob wir sie in der jetzigen Zeit betrachten als in Ihm sichergestellt, oder ob wir uns in die kommenden Zeitalter versetzen, wo wir in unserer Vereinigung mit Christo, wenn Er über alles herrscht, deren Krönung sehen - das alles sind wunderbare Gegenstände für unser Lob! Welch ein Beweggrund zur Anbetung des Gottes und Vaters unseres Herrn Jesu Christi!

Würden wir uns mehr von uns selbst und von unseren kleinen irdischen Beschäftigungen erheben und betrachteten wir mehr, was unser Gott und was Christus ist, was Gott für uns getan und was Er uns vorbehält, lebten wir mehr droben, in den himmlischen Örtern, dann würde mehr Lob und Anbetung unsere Herzen erfüllen. Sie kämen hervor als wie der Atem unserer Seele. Und wenn wir uns so mit unseren Miterlösten, mit den Miterben derselben Herrlichkeit versammelten, bliebe kein Mund stumm. Geistliche Schlachtopfer, Gott wohlannehmlich durch Jesum Christum, würden zu Ihm emporsteigen. Diese letztgenannte Segnung wird uns «zum Preise seiner Herrlichkeit» gegeben werden. Die Gnade führt uns dazu; die Herrlichkeit ist das Ziel. Uns erretten, uns segnen, ist zu Seiner eigenen Herrlichkeit. Er verherrlicht sich in Seinem Sohne und darin, dass Er Sünder errettet und sie in dieselbe Herrlichkeit versetzt wie Christum selbst.

Wie wir diese Gnaden geniessen können

Der Weg, der zum Genuss aller dieser Gnaden führt, ist für uns gebahnt, und es ist gut, dass wir dies beachten. Paulus zeigt uns, wie die Epheser dazu gekommen waren, sich ihrer gesegneten Stellung zu erfreuen, Auch für uns gibt es keinen anderen Weg.

«Nachdem ihr gehört habt das Wort der Wahrheit», das ist der erste Schritt. Von wem ist dieses Wort ausgegangen? Vom Herrn, der allein die Wahrheit ist. Gott kann nicht lügen; was Er sagt, ist immer in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit der Dinge. Wenn Er zu mir redet, sei es durch die Schrift, sei es durch Seine Diener, höre ich das Wort der Wahrheit. Es sagt mir viel. Es lässt mich Gott erkennen, Seine Gedanken und Seine Wege. Es sagt mir, was ich bin und was die Welt ist, die mich umgibt. Es ist das Licht. Aber hier ist es das Wort der Wahrheit von einem besonderen Gesichtspunkt aus: Es ist «das Evangelium eures Heils», sagt der Apostel zu den Ephesern. Es richtet sich an verlorene Sünder und verkündigt ihnen das Heil, ein Heil, das für sie ist, von dem jeder sagen kann: es ist mein. Es ist ein Heil, das von Gott kommt, das Sein Sohn für uns bewirkt hat. Das Wort der Wahrheit nimmt hier also den Charakter des Evangeliums oder der guten Botschaft an - eine gute, wahre und sichere Botschaft.

Aber da ist noch ein zweiter Schritt zu tun. Wie viele gibt es doch, welche die gute Botschaft gehört, aber sie gleichgültig haben vorüberziehen lassen und «ein so grosses Heil» versäumen! Nachdem man es gehört, muss man es ergreifen, muss man Gott, der nicht lügen kann, der uns das Wort des Heils vernehmen lässt, der uns Befreiung anbietet, beim Wort nehmen. Das war es, was die Epheser getan hatten. Sie hatten geglaubt, sie waren «mittelst des Glaubens» errettet (2, 8). Das Heil kommt von Gott: Er hat es bewirkt, Er lässt es verkünden, Er gibt es. Das Wort der Wahrheit bringt es zu den Ohren des Sünders; der Glaube ergreift es, indem er so sein Siegel auf die Wahrheit Gottes setzt. «Wer sein Zeugnis annimmt, bezeugt, dass Gott wahrhaftig ist», sagt Johannes. Wer es aber nicht annimmt, macht Gott zum Lügner.

Versiegelt mit dem Heiligen Geiste der Verheissung

Die Epheser hatten geglaubt und besassen das Heil, ein ewiges Heil. Aber Gott fügt diesem noch eine andere Segnung hinzu. Nachdem wir geglaubt haben, versiegelt Er uns. Er gibt uns den Heiligen Geist der Verheissung, den Heiligen Geist, den Jesus vom Vater zu senden verheissen hatte, den Geist der Wahrheit, den Tröster. «Ihr seid versiegelt worden mit dem Heiligen Geiste der Verheissung», einer Verheissung, die nicht nur für die ersten Christen galt, sondern auch für uns alle, die wir geglaubt haben (siehe Apg. 2, 39). Er ist das göttliche Siegel, das Gott auf uns setzt, die wir Seine Kinder sind; der Geist der Sohnschaft, der unserem Geiste Zeugnis gibt, dass wir Kinder Gottes sind. Wenn aber Kinder, so sind wir auch Erben, wie wir gesehen haben, und der Geist ist uns als das Unterpfand unseres Erbes gegeben, nicht nur als Pfand der Gewissheit, dass wir es erben werden, sondern auch als Vorgeschmack dieses Erbes, denn Er nimmt von den Dingen Christi - dem verherrlichten Christus - und teilt sie uns mit. Er führt uns in den Genuss unserer himmlischen Segnungen ein, entfaltet sie vor uns und lässt sie uns schmecken, indem Er uns so fähig macht, unseren Gott zu loben, zu preisen und Ihm zu dienen, denn wir beten an im Geiste und üben Gottesdienst im Geiste. Dies findet in schwachen Gefässen, in denen aber der Heilige Geist wohnt, schon auf der Erde statt, bis zur vollen Erlösung dessen, was sich Christus erworben hat, d.h. bis zu dem Augenblick, wo wir in verherrlichten Leibern mit dem Herrn herrschen, Ihn anbeten und Ihm lobsingen werden, nach der Vollkommenheit des Zustandes, in dem wir uns dann befinden.

Im Anblick so vieler Gnaden wiederholen wir mit dem Apostel: «Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi!»

Dass wir doch in zunehmendem Masse in den himmlischen Örtern lebten und so fähig wären, unseren irdischen Wandel zur Ehre Dessen zu führen, der uns geliebt hat und uns so unendlich liebt!

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Letzte Änderung am 07.11.2012.