Halte Fest
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Eph. 1,4: Auserwählt in ihm vor Grundlegung der Welt

Halte fest Jahrgang 1971 - Seite: 69 - Verfasser: M. T.

Gott lässt sich in Seiner Gnade herab, für uns den Vorhang zu heben, der einst Seine ewigen Ratschlüsse bezüglich der Menschen verhüllte, die Er eines Tages mit Seiner eigenen Herrlichkeit und Seiner eigenen Glückseligkeit vereinigen wollte. Jedoch gehört das Geheimnis der Auserwählung zu den «Tiefen Gottes», die nur der Geist erforschen kann (1.Kor. 2,10). Daher benötigen wir Seine Hilfe, um ein wenig in das Licht der Offenbarungen einzutreten, die Gott uns in Seinem Worte über diesen Gegenstand gibt.

Dieses lehrt uns, dass uns Gott vor Grundlegung der Welt in Christo auserwählt hat, um aus uns Seine geliebten Kinder zu machen, zu Seinen Erben, zu Miterben Christi, und uns dem Bilde Seines Sohnes gleichförmig zu gestalten. Aber in Seiner vollkommenen Vorkenntnis aller Dinge wusste Gott, dass sich der Mensch gegen Ihn auflehnen würde. Es war somit in Seinen ewigen Ratschlüssen eingeschlossen, dass Christus am Kreuze das Werk des Heils vollbringen würde, damit sich Seine Absichten bezüglich der Auserwählung trotz des Ungehorsams des Menschen erfüllen konnten. So war also beides, die Auserwählung und die Erlösung zur Verwirklichung der göttlichen Ratschlüsse erforderlich. Unzertrennlich miteinander verbunden, stellen sie die doppelte Grundlage dieses bewunderungswürdigen Vorsatzes Gottes gegenüber dem Menschen dar. Die eine wie die andere bringt Seine unendliche Gnade ans Licht. In der Tat, sowohl die Wahl des Auserwählten als auch dessen Heil sind unverdiente Handlungen. Unergründliches Geheimnis der göttlichen Liebe, vor dem wir, ohne es zu verstehen, auf die Knie fallen und anbeten! Wie der Psalmist können wir sagen: «Jehova hat Grosses an uns getan» (Ps. 126,3).

Bevor wir in der Betrachtung dieses Geheimnisses weiter gehen, möchten wir drei Bemerkungen machen:

  • Erstens sei darauf hingewiesen, dass der Sohn, wie in allen Dingen, eins war mit dem Vater in Seinen Ratschlüssen bezüglich unserer Erwählung und des Werkes der Erlösung. Soweit sie auch in die Annalen der Ewigkeit zurückreichen mögen, sind die Ratschlüsse der Gnade Gottes in Christo gefasst worden, wie sie auch in der Fülle der Zeit nur in Ihm ihre Erfüllung gefunden haben. Alle unsere Segnungen besitzen wir ausschliesslich in Ihm. Ausser Ihm haben wir nichts. Wenn also unsere Erwählung und unsere Berufung von Gott herrühren, so sind wir doch «in ihm» (in Christo) auserwählt und «in der Gnade Christi» berufen, was aus uns «Berufene Jesu Christi» macht (Eph. 1,4, Gal. 1,6, Röm. 1,6).
  • Zweitens weisen wir darauf hin, dass die Gläubigen der Haushaltung der Gnade nicht als einzige Nutzniesser der Auserwählung sind, vielmehr sind es die aus allen Haushaltungen. Diese Wahl der göttlichen Gnade schliesst alle Auserwählten ein, von Adam an bis zum Ende des Reiches Christi, die aus Israel wie auch die aus den Nationen. Wenn auch das Teil der Heiligen der verschiedenen Haushaltungen während der Ewigkeit verschieden sein wird, so sind sie doch alle geliebte Auserwählte Gottes, die in die Glückseligkeit und in die Herrlichkeit des ewigen Zustandes eingeführt werden, wo die Hütte Gottes bei den Menschen sein wird (Offb. 21,3-7).
  • Drittens müssen wir wohl beachten, dass die Auserwählung und die Erlösung nur einen Teil des ewigen Ratschlusses Gottes darstellen. Dieser Ratschluss umfasst die Gesamtheit Seiner Vorsätze und Seiner Wege bezüglich aller Dinge, ob es nun Christum, die Kirche, Israel, die Nationen, die Schöpfung oder die Unbussfertigen, Satan und seine Engel betrifft. Gott hat von Ewigkeit her alles bei sich selbst festgesetzt, und nichts kann sich Seinem souveränen Willen entziehen. «Sollte er gesprochen haben und es nicht tun, und geredet haben und es nicht aufrecht halten?» (4.Mose 23,19). «Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge, ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen» (Röm. 11,36).

Unter den Stellen der Schrift, die den Gegenstand behandeln, der uns beschäftigt, gibt es deren drei, die wie eine Zusammenfassung des Ratschlusses Gottes bezüglich Seiner Wege der Gnade gegenüber den Auserwählten sind, nämlich:

  • 1.Petrus 1,2: «Auserwählt nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, durch Heiligung des Geistes.»
  • Römer 8,29.30: «Denn welche er zuvorerkannt hat, die hat er auch zuvorbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Welche er aber zuvorbestimmt hat, diese hat er auch berufen, und welche er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt, welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht.»
  • 1.Korinther 6,11: «Aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr seid gerechtfertigt worden in dem Namen des Herrn Jesus und durch den Geist unseres Gottes.»

Gemäss Seinem Ratschluss der Gnade hat uns Gott also

  • zuvorerkannt: Gott kannte von Ewigkeit her alle, die Seine Auserwählten sein würden. Es ist «nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters», dass wir in Christo auserwählt sind. In dieser Vorkenntnis sehen wir die ersten Strahlen der väterlichen Liebe erglänzen: Es ist Gott, der Vater, der uns zuvorerkannt hat.
  • Auserwählt: gewählt, namentlich bezeichnet. Gott hat unsere Namen vor Grundlegung der Welt in das Buch des Lebens des Lammes eingeschrieben (Offb. 21,27).
  • Zuvorbestimmt: zum voraus dazu bestimmt, die gegenwärtigen und zukünftigen Segnungen zu geniessen, die aus der Auserwählung und aus der Erlösung entspringen. Eine der herrlichsten wird unsere vollkommene Gleichförmigkeit mit dem Herrn Jesus sein.
  • Berufen: Gott beruft uns durch das Evangelium (2.Thess. 2,14). Aber diese «Berufung» ist nicht nur die Einladung, die Gott durch die Predigt des Evangeliums an den Sünder richtet, dieser Begriff bezeichnet auch die Gesamtheit der geistlichen Segnungen, die die himmlische Berufung Gottes denen bringt, die Ihm gehorchen.
  • Geheiligt: abgesondert für Gott durch die Kraft des Heiligen Geistes. «Auserwählt ... durch Heiligung des Geistes...» (1.Petr. 1,2). «Gott hat euch von Anfang erwählt zur Seligkeit in Heiligung des Geistes» (2.Thess. 2,13). «Auserwählt ... dass wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe» (Eph. 1,4). «Aber ihr seid geheiligt... durch den Geist unseres Gottes» (1.Kor. 6,11), da wir durch das Blut Christi von unseren Sünden gewaschen und dadurch für die Gegenwart Gottes passend gemacht sind. «Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem Blute» (Offb. 1,5). Alle unsere Sünden sind am Kreuze gesühnt worden, dort ist zwischen der göttlichen Gerechtigkeit und dem heiligen Opfer alles geregelt worden, so dass Gott von den Gläubigen sagen kann: «Ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde ich nie mehr gedenken» (Hebr. 8.12).
  • Gerechtfertigt: für gerecht erklärt, bekleidet mit der Gerechtigkeit Christi, in Ihm zur «Gerechtigkeit Gottes» geworden. «Welche er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt» (Röm. 8,30).
  • Verherrlicht: berufen, Anteil zu haben an der Herrlichkeit Gottes im Himmel. «Welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht» (Röm. 8,30). «Gott, der euch zu seinem eigenen Reiche und seiner eigenen Herrlichkeit beruft» (1.Thess. 2,12).

Betrachten wir nun etwas näher, was uns das Wort über den Gegenstand der Auserwählung offenbart.

1. Was ist die Auserwählung?

Sie ist die freie, von Gott getroffene Wahl, auf Grund deren Er Menschen bezeichnet hat, die Er dazu bestimmt, teilzuhaben an Seiner ewigen Herrlichkeit und Glückseligkeit. In Seinem unumschränkten Ratschluss und in der Fülle Seiner Gnade hat Er uns vor Grundlegung der Welt in Christo auserwählt, damit wir heilig und tadellos seien vor Ihm in Liebe (Eph. 1,4).

Gott sah in Seiner Allwissenheit voraus, welche das Heil annehmen würden. Die Er zuvorerkannte, hat Er auf Grund der Erlösung auserwählt und sie zur ewigen Herrlichkeit zuvorbestimmt. Somit hat Er in Seiner Gnade alles ausserhalb von uns erfüllt, um uns vollkommen glücklich zu machen.

Diese Gefässe der Begnadigung hat Er zur Herrlichkeit zuvorbereitet (Röm. 9,23). In sich selbst wären sie nur Gefässe des Zorns gewesen wie die übrigen und hätten von sich selbst aus nie Gott gesucht. «Da ist keiner, der Gott suche» (Röm. 3,11). Ohne Auserwählung wären alle Menschen Satan gefolgt und hätten sein Los mit ihm geteilt, denn von Natur aus sind sie «Kinder des Zorns», freiwillig dem «Fürsten der Gewalt der Luft» unterworfen und Feinde Gottes «nach der Gesinnung in den bösen Werken» (Eph. 2,2.3, Kol. 1,21). Ohne Auserwählung würde niemand das Evangelium annehmen. Wie der Herr Jesus selbst gesagt hat, muss Gott den Sünder zu Ihm ziehen. «Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass der Vater, der mich gesandt hat, ihn ziehe» (Joh. 6,44). Aber, kostbare Zusicherung für den Schuldigen, der zu Ihm kommt, Er sagt auch: «Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstossen» (V. 37). Das Heil all derer, die der Vater Ihm gegeben hat, ist gesichert. Welche Gnade, dass der Vater sie auserwählt hat, um sie dem Sohne zu geben und sie als geliebte Kinder in Seine Gegenwart zu führen!

Doch ist es wichtig, daran zu erinnern, dass die Verantwortung des Menschen voll bestehen bleibt: Gott hat alles getan zu seinem Heil, denn Er will, «dass alle Menschen errettet werden» (1.Tim. 2,4), aber Er zwingt niemand. Daher ist jeder Sünder verantwortlich, die ihm angebotene Gnade entweder anzunehmen oder auszuschlagen. Beim Verkündigen des Evangeliums, der guten Botschaft, muss man auch auf den Rechten des Herrn beharren, denn Er ist «aller Herr» (Apg. 10,36). Die Ihn als Heiland verwerfen, weigern sich also gleichzeitig, Seine universelle Oberherrschaft anzuerkennen. In dieser Beziehung ist der Mensch nicht «frei», das Heil, das ihm Gott in Christo anbietet, geringzuschätzen, er verachtet es nicht ungestraft: Tut er es dennoch, setzt er sich dem verdienten Gericht aus, das alle jene erreichen wird, die heute wie damals erklären: «Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche!»

Übrigens ist unser Geist unfähig, die geheimnisvolle Beziehung zu erfassen, die zwischen der Auserwählung aus Gnade und der Verantwortung des Menschen besteht, aber im Glauben und in heiliger Ehrfurcht nehmen wir an, was das Wort uns darüber offenbart. Einerseits hat Gott diejenigen auserwählt, die Er für die ewige Herrlichkeit bestimmt, und anderseits «gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle allenthalben Busse tun sollen» (Apg. 17,30). Von Anfang Seines Dienstes hienieden an predigte der Herr Jesus mit Kraft eine gleichlautende Botschaft: «Tut Busse und glaubet an das Evangelium» (Markus 1,15). Der Mensch ist für seine Entscheidung gegenüber diesem Befehl verantwortlich, er kann gehorchen, d.h. glauben, oder auch nicht gehorchen, was ihn aber, wir wiederholen es, dem ewigen Gericht aussetzt. «Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben, wer aber dem Sohne nicht glaubt oder «nicht gehorcht», wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm» (Joh. 3,36). «Und dies ist sein Gebot, dass wir an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben» (1.Joh. 3,23).

Wir haben nicht die Absicht, diesen Gegenstand ausführlich zu behandeln, und die angeführten Stellen genügen, um die Verantwortung jedes Menschen gegenüber dem Heil aufzuzeigen, ohne dass diese Verantwortung durch den Ratschluss Gottes bezüglich der Auserwählung in irgendwelchem Masse gemildert würde. Aber an diese Verantwortung des Sünders, die Gnade anzunehmen, ist auch die eigene Verantwortung von uns Gläubigen geknüpft, die frohe Botschaft des Heils um uns her zu verbreiten und für diejenigen zu beten, die den Herrn Jesus noch nicht als ihren Heiland kennen. Wir sollen sogar, gemäss der Ermahnung des Herrn, die Menschen «nötigen, hereinzukommen» (Luk. 14,23). Hat Er nicht zu den Seinigen gesagt, bevor Er sie verliess: «Gehet hin in die ganze Welt und prediget das Evangelium der ganzen Schöpfung», und: «Ihr werdet meine Zeugen sein ... bis an das Ende der Erde»? (Mark. 16,15, Apg. 1,8). «Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte!», rief der Apostel aus (1.Kor. 9,16). Möchten wir uns also unserer Verantwortung gegenüber den verlorenen Seelen bewusst sein und daran denken, dass wir alle Gesandte für Christum sind (2.Kor. 5,20)!

2. Wann hat uns Gott auserwählt?

Das Wort antwortet auf diese Frage, indem es drei ähnliche Ausdrücke gebraucht: vor Grundlegung der Welt (Eph. 1,4), vor ewigen Zeiten (2.Tim. 1,9, Tit 1,2), von Anfang (2.Thess. 2,13).

Gott hat also diesen Ratschluss der Gnade in der Ewigkeit gefasst. In Seiner souveränen Weisheit hat Er, bevor die Welt entstand, einen bewunderungswürdigen Plan gefasst, der jeden der Auserwählten betraf, und entsprechend diesem Ratschluss beruft Er sie zu der von Ihm festgesetzten Stunde. «Dies zeigt, dass wir in den Ratschlüssen Gottes zu einem System gehören, das Er in Christo aufgerichtet hat, bevor die Welt bestand, ein System, das nicht von der Welt ist, solange diese besteht, und welches bestehen bleibt, wenn die Gestalt dieser Welt vergangen sein wird. Unser Platz in Christo ist uns gegeben worden, bevor die Welt existierte» (J. N. D.). Obwohl dieses Geheimnis in seinem ganzen Ausmass erst offenbart werden konnte, nachdem der Herr das Werk am Kreuze vollbracht hatte, wirft die Schrift doch im Alten Testament einige Lichtstrahlen auf den Ratschluss Gottes, um ihn anzukündigen. So ruft David aus: «Glückselig der, den du erwählst und herzunahen lässest, dass er wohne in deinen Vorhöfen! Wir werden gesättigt werden mit dem Guten deines Hauses, dem Heiligen deines Tempels» (Ps. 65,4). Diese Stelle enthält wie eine zum voraus gegebene, wenn auch unvollständige Offenbarung der Auserwählung («den du erwählst»» der Berufung («den du ... herzunahen lässest») und der Einführung in die Herrlichkeit («dass er wohne in deinen Vorhöfen»). Aber erst das Neue Testament gibt uns eine vollständige Enthüllung dieses Geheimnisses.

Gottes eigene Gnade ist uns in Christo Jesu vor ewigen Zeiten gegeben worden, schreibt Paulus an Timotheus (2.Timotheus 1,9), und am Anfang seines Briefes an Titus redet er von «der Hoffnung des ewigen Lebens, welches Gott, der nicht lügen kann, verheissen hat vor ewigen Zeiten» (1,2). Das Heil, die Gnade, die Hoffnung des ewigen Lebens sind uns vor Grundlegung der Welt gegeben oder verheissen worden, denn sie sind mit unserer Auserwählung unauflöslich verbunden. Wie diese kommen sie aus den Entschlüssen hervor, die Gott in den unergründlichen Tiefen der Ewigkeit gefasst hat.

Diese Offenbarung bringt unserer Seele eine Gewissheit und einen Frieden, die unerschütterlich sind. Welche Macht könnte solche Ratschlüsse und ein solches Werk zerstören? Der Plan Gottes, der vor den Zeiten der Zeitalter in Christo gefasst und festgesetzt worden ist, bleibt völlig unantastbar für zeitliche Einwirkungen: Er ist ausserhalb und über der Welt wie auch über der Zeit, wenn er sich teilweise auch in der Welt und in der Zeit erfüllte, als Christus offenbart wurde. Entsprechend Seiner vollkommenen Erkenntnis der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft hat Gott alles beschlossen, von Ewigkeit zu Ewigkeit, in Übereinstimmung mit Seinem Geliebten, zu Seiner eigenen Herrlichkeit. Seine Gedanken werden ihre volle Erfüllung finden, denn sie kommen von dem Gott her, «der nicht lügen kann», und sie sind alle in Christo gegründet. «So viele der Verheissungen Gottes sind, in ihm (Christus) ist das Ja und in ihm das Amen, Gott zur Herrlichkeit durch uns» (2.Kor. 1,20).

3. Welches ist die Grundlage der Auserwählung?

Das Wort verwendet in diesem Zusammenhang drei getrennte Begriffe, obwohl sie eng miteinander verbunden sind: der Wille Gottes, der Beschluss dieses Willens, Seine Gnade. Alle drei kommen aus der Unumschränktheit Gottes hervor, der Licht und Liebe ist.

Der «Wille Gottes» ist - so könnte man sagen - der eigentliche Ursprung des Ratschlusses, den Er von sich aus in der Ewigkeit bezüglich der Ewigkeit gefasst hat: Gott hat diesen wunderbaren Plan «nach dem Wohlgefallen seines Willens..., nach dem Rate seines Willens» entworfen (Eph. 1,5.11). «Wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen?» (Röm. 11,34).

Dieser Wille Gottes ist tatsächlich durch eine Entscheidung zum Ausdruck gekommen, die Seiner Absicht entspricht. Die Schrift nennt sie «seinen Vorsatz» (Röm. 8,28), den «Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Rate seines Willens» (Eph. 1,11), «seinen eigenen Vorsatz» (2.Tim. 1,9).

Gott hat diesen Vorsatz - mit dem wir uns sogleich näher beschäftigen werden - in Seiner unaussprechlichen Gnade gefasst und ausgeführt. «Nach ... der Gnade, die uns in Christo Jesu vor ewigen Zeiten gegeben, jetzt aber offenbart worden ist durch die Erscheinung unseres Heilandes Jesus Christus» (2.Tim. 1,9.10).

Das Wort lässt uns also die Einheit der dreifachen Grundlage - der Wille Gottes, der Vorsatz dieses Willens und Seine Gnade - erkennen, auf der unsere Auserwählung ruht.

Dass die Wahl Gottes vor unserer Geburt, ja sogar vor Grundlegung der Welt getroffen wurde, gibt Seiner Gnade einen ganz besonderen Glanz. Man könnte sich keine bedingungslosere Gnade vorstellen: Trotz allem was wir sein und tun würden, hat Gott in der Ewigkeit den unwiderruflichen Entschluss gefasst, aus uns Seine Auserwählten zu machen und uns eines Tages die Segnungen zu verleihen, die mit diesem Titel verbunden sind. Angesichts Seines so herrlichen Ratschlusses können wir die Worte Jesajas auch auf uns anwenden: «Jehova, du bist mein Gott, ich will dich erheben, preisen will ich deinen Namen, denn du hast Wunder gewirkt, Ratschlüsse von fern her, Treue und Wahrheit» (25,1), und dürfen sogar darüber hinaus gehen, denn es ist der Ratschluss Gottes, in seiner ganzen Fülle und seiner unendlichen Einheit, womit das Neue Testament unsere Seele beschäftigen will.

Was wir soeben betrachtet haben, lässt die drei Eigenschaften der göttlichen Gnade hervortreten:

  • Sie ist souverän, selbständig. Nur auf Grund Seines eigenen Ratschlusses hat uns Gott auserwählt, in vollkommenem Einklang mit dem Sohne. Er hat nur mit sich selbst Rat gepflogen. Niemand darf das Wort wider Ihn nehmen (Röm. 9,20) und zu Ihm sagen: «Was tust du?» (Hiob 9,12). Seine Auswahl ist «nach Wahl der Gnade» (Röm. 11,5).
  • Diese Gnade ist auch bedingungslos. In der Tat, Gott hat unsere Auserwählung keiner Bedingung unterstellt. Wäre es anders gewesen, könnten wir uns nur eines sehr mangelhaften Friedens erfreuen, denn unsere Auserwählung und folglich auch unser Heil wären dann von der Beobachtung der gestellten Bedingungen abhängig gewesen. Nein, der Ratschluss Gottes ist auf ewig in Christo fest gegründet.
  • Schliesslich ist die Gnade unverdient. Diese dritte Eigenschaft berührt unsere Herzen tief, denn sie stellt die Tatsache ins Licht, dass sich Gott in Seiner Wahl nicht aufhalten liess durch die völlige Verderbtheit und Unwürdigkeit, welche die kennzeichnen würden, an denen Er Seine Gnade gross machen wollte, indem Er sie zum Heil und zu Seiner Herrlichkeit zuvorbestimmte. Diese Verderbtheit und diese Unwürdigkeit, die Gott zum voraus kannte, unterstreichen nur die Gnade, auf die unsere Auserwählung gegründet ist.

Was sollen wir zu diesen wunderbaren Dingen sagen? Gott hat Seine Blicke nur darum auf uns gerichtet, weil Er es so gewollt hat. Er hat sich nach Seinem Wohlgefallen dazu entschlossen, ohne dass Ihn etwas in uns oder in der Welt dazu gezwungen oder auch nur geneigt gemacht hätte (Röm. 11,34). Er hat uns auserwählt, so wie wir sein würden: als Sünder, ja sogar als Feinde, entblösst aller Verdienste. Alle Herrlichkeit fällt auf Ihn allein zurück und wir können vor Seiner unergründlichen Gnade nur in Anbetung niederfallen.

4. Was war das Ziel Gottes?

Indem Er vor Grundlegung der Welt die auserwählte, die Er zu Gefässen der Begnadigung machen wollte, hatte Er ein doppeltes Ziel vor sich: das eine bezieht sich auf Ihn selbst, das andere auf die Auserwählten.

  • In Bezug auf sich selbst, wollte sich Gott durch Seinen ewigen Ratschluss der Gnade verherrlichen. Er hat so gehandelt, «auf dass er kundtäte den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefässen der Begnadigung, die er zur Herrlichkeit zuvorbereitet hat» (Röm. 9,23). So wird auch in Epheser 1,11.12 gesagt, dass wir zuvorbestimmt seien «nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Rate seines Willens, damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien». Auch unsere Zuvorbestimmung zur Sohnschaft ist zum Preise der Herrlichkeit Seiner Gnade (V. 5.67. Gott wollte sich selbst verherrlichen, indem Er «viele Söhne zur Herrlichkeit brachte» (Hebr. 2,10).
    In diesem Ratschluss, wie in allen Dingen, ist der Sohn eins mit dem Vater. Daher wird Er, wie der Vater, durch die ewigen Folgen der Auserwählung und der Erlösung vollkommen verherrlicht werden. Unsere Vereinigung mit Seiner Herrlichkeit wird dazu beitragen, Ihren Glanz zu erhöhen. Er wird «an jenem Tage verherrlicht werden in seinen Heiligen und bewundert in allen denen, die geglaubt haben» weil sie Sein Bild tragen werden (2.Thess. 1,10). Solche Wesen, wie wir sind, mit Christo völlig gleichförmig gemacht, in Herrlichkeit zu sehen - welch ein Gegenstand der Bewunderung für die himmlischen Geschöpfe! Welche Verherrlichung für den Vater und für den Sohn!
  • Bezüglich der Auserwählten. Wenn das Wort die Segnungen enthüllt, die das Teil der Auserwählten sind, so erklärt es mehrmals, dass sie dazu «zuvorbestimmt» seien. Dieser Ausdruck zeigt, dass diese im Ratschluss Gottes ebenso fest und endgültig sichergestellt sind wie die Auserwählung selbst. Gott hat uns zuvorbestimmt, das heisst zum voraus dazu ausersehen, sie zu besitzen und sie in ihrer Fülle zu geniessen. Diese Segnungen sind die folgenden:

Das Heil

Das ist die höchste Segnung, denn sie umfasst alle anderen. In der Tat, das Heil umschliesst das ganze Werk der Gnade uns gegenüber: die Vergebung der Sünden, die Befreiung von der Knechtschaft Satans, die Rechtfertigung durch den Glauben, das ewige Leben, die Einführung in die Gunst Gottes als Seine geliebten Kinder und schliesslich die ewige Herrlichkeit. Der Apostel dankt Gott, dass Er die Thessalonicher «von Anfang erwählt hat zur Seligkeit (oder zum Heil) in Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit, wozu er euch berufen hat durch unser Evangelium, zur Erlangung der Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus» (2.Thess. 2,13). Der Herr besitzt zwei Arten von Herrlichkeit: die eine hat Er sich als Sohn des Menschen erworben, und wir werden sie mit Ihm teilen (Joh. 17,22), die andere hingegen gehört Ihm allein als dem ewigen Sohn Gottes, aber wir werden sie schauen (17,24).

Eine himmlische Stellung der Vollkommenheit

In Seiner Gnade betrachtet uns Gott schon jetzt als Heilige, die tadellos und angenehm gemacht sind (Eph. 1,4.6). Er hätte uns nicht in Seine Gegenwart bringen können, wenn wir nicht solche wären, an denen Er Seine Wonne finden könnte, so wie Er sie in Christo findet. Er hat uns auserwählt in ihm, nach Seiner eigenen Wahl und Seiner eigenen Liebe.

Durch den Geist, der uns das Bewusstsein unserer Stellung vor Gott gibt, geniessen wir die Liebe des Vaters und Seine Gunst. Er hat uns «angenehm gemacht in dem Geliebten». Dieser Name bringt die unaussprechliche Wonne zum Ausdruck, die Gott in Ihm findet. Wir sind also durch Gnade Gegenstände derselben Wonne, weil uns Gott in Seinem Geliebten sieht.

Die Sohnschaft

Gott hätte sich daran genügen lassen können, uns in Seine Gegenwart zu stellen, ohne aus uns Seine Kinder zu machen. Aber dies war «das Wohlgefallen seines Willens», uns zuvorzubestimmen «zur Sohnschaft durch Jesum Christum für sich selbst» (Eph. 1,5). Nach dem Ratschluss Seiner Liebe wünschte Gott geliebte Kinder bei sich zu haben. «Sehet, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heissen sollen» (1.Joh. 3,1). Er wollte Kinder haben zur Freude Seines eigenen Herzens, und dies von Ewigkeit her.

In Christo haben wir Zugang zu dieser Beziehung durch die Wiedergeburt, die uns eine neue Natur und ein neues Leben mitteilt. Diese Beziehung ist die gleiche wie die, in welcher Christus selbst zum Vater steht. «Gehe aber hin zu meinen Brüdern» - sagte Er zu Maria am Morgen der Auferstehung - «und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, und zu meinem Gott und eurem Gott» (Joh. 20,17). Damm liebt uns der Vater gleichwie Er den Sohn liebt. «Du hast sie geliebt, gleichwie du mich geliebt hast» (Joh. 17,23). Durch den Geist der Sohnschaft, mit welchem wir infolge des Werkes der Erlösung versiegelt worden sind, besitzen wir das innere Zeugnis und den Genuss dieser Beziehung. «Weil ihr aber Söhne seid, so hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der da ruft: Abba, Vater!» (Gal. 4,6). Gott hat uns zu diesem unendlich kostbaren Teil zuvorbestimmt «zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade» (Eph. 1,6). Er hat es getan «nach dem Wohlgefallen seines Willens». Welch ein Gegenstand des Lobes und der Danksagung für uns, hienieden schon und während der Ewigkeit!

Die Einsmachung mit Christo in Herrlichkeit

Die Liebe Gottes wird erst dann befriedigt sein, wenn Seine Auserwählten eines Tages in Christo gleichförmig gemacht sind. «Welche er zuvor erkannt hat, die hat er auch zuvorbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern» (Röm. 8,29). Die Gnade, in der Er diesen wunderbaren Ratschluss gefasst hat, wird diesen zum herrlichen Ziel führen: Gott wird nicht ruhen, bis Er alle Seine Auserwählten vor sich sieht, verherrlicht und dem Bilde des Herrn Jesus gleichförmig gemacht. Zu einer solchen Herrlichkeit bestimmt Gott die, welche Er Ihm aus der Welt gegeben hat. Er will uns in Seinem Hause haben, bekleidet mit einem Leibe, der dem Leibe der Herrlichkeit Seines geliebten Sohnes gleichförmig ist (Phil. 3,21). «Wie wir das Bild dessen von Staub getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen» (1.Kor. 15,49). «Wir wissen, dass, wenn es offenbar werden wird, wir ihm gleich sein werden» (1.Joh. 3,2). «Wie könnten wir uns im Blick auf unseren Zustand etwas Herrlicheres und Glücklicheres ausdenken als dies, dem Bilde des Sohnes Gottes gleichförmig zu sein, Ihn zu sehen, wie Er ist, und Ihm gleich zu sein?» (J.N.D.)

Jedoch wird der Herr Jesus nach den Ratschlüssen des Vaters und zur Freude Seines Herzens auf ewig eine Vorrangstellung einnehmen. Er wird «der Erstgeborene unter vielen Brüdern» sein und Seine glückseligen Erlösten, Seinem Bilde gleichgestaltet, werden Seine Schönheit betrachten:

Und alle werfen Dir zu Füssen jede Krone,
Sie beten, Herr, Dich an in alle Ewigkeit.

Das Wort offenbart uns noch einen anderen Gesichtspunkt unserer Einsmachung mit Christo in Herrlichkeit: unsere Vereinigung mit Ihm als dem Haupt über alles, was in den Himmeln und was auf der Erde ist. Wir lesen in Epheser 1,9-12: «Indem er uns kundgetan hat das Geheimnis seines Willens nach seinem Wohlgefallen, das er sich vorgesetzt hat in sich selbst für die Verwaltung der Fülle der Zeiten: alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus, das, was in den Himmeln und das, was auf der Erde ist, in ihm, in welchem wir auch ein Erbteil erlangt haben, die wir zuvorbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Rate seines Willens, damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien.»

Nach dem «Geheimnis seines Willens» hat Gott beschlossen, Christo die Oberhoheit über alles zu geben (V. 10). Der Herr Jesus selbst hatte dies den Elfen nach Seiner Auferstehung angekündigt, indem Er sagte: «Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden» (Matth. 28,18). Dies ist der Lohn für Seinen Gehorsam bis zum Tode, durch den Er Gott verherrlicht hat. So wird der Ratschluss Gottes, «der alles wirkt nach dem Rate seines Willens», völlig ausgeführt sein, zur Herrlichkeit Christi und Seiner Erlösten, die in Seiner Erhöhung als Haupt über alles mit Ihm vereinigt sind.

Die Herrlichkeit und die Glückseligkeit des Vaterhauses

Gott hat uns nicht nur «zur Erlangung der Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus» berufen (2.Thess. 2,14), sondern auch «zu seinem eigenen Reiche und zu seiner eigenen Herrlichkeit» (1.Thess. 2,12, 1.Petr. 5,10). So wird uns auch in Römer 9,23 gesagt, dass Er uns als Gefässe der Begnadigung «zur Herrlichkeit zuvorbereitet» hat. Auch die schon angeführte Stelle in Hebräer 2,10 bestätigt uns die Absicht Gottes, «viele Söhne zur Herrlichkeit zu bringen».

Schliesslich hat der Herr Jesus Seinen Jüngern im Augenblick, als Er sie verliess, angekündigt, dass Er wiederkommen und sie zu sich nehmen würde, in das Haus Seines Vaters (Joh. 14,1-3).

Gott beruft also Seine Auserwählten «zu seinem eigenen Reiche und zu seiner eigenen Herrlichkeit». Welch unergründliche Gnade Der Gott der Ewigkeit, «der selige und alleinige Machthaber» (1.Tim. 6,15), der Schöpfer der Welten, beruft uns zu Seinem Reiche und zu Seiner eigenen Herrlichkeit!

Wir stehen hier vor einem grossen Geheimnis, das der Apostel folgendermassen bezeichnet: «Gottes Weisheit in einem Geheimnis, die verborgene, welche Gott zuvorbereitet hat, vor den Zeitaltern, zu unserer Herrlichkeit» (1.Kor. 2,7). Nach diesem Ratschluss beschränkt sich Gott nicht nur darauf, uns in Seine Herrlichkeit einzuführen, sondern uns auch selbst zu verherrlichen. «Welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht» (Röm. 8,30). Wir werden also die Herrlichkeit Gottes widerstrahlen. Er wird uns «sitzen lassen bei den Edlen, bei den Edlen seines Volkes» und uns den Thron der Ehre als Erbteil geben (Ps. 113,8,1.Sam. 2,8). Dieses Geheimnis - jetzt durch den Heiligen Geist auf einmal enthüllt - bestand gerade in diesem ewigen Vorsatz Gottes, den Menschen in Seine Herrlichkeit einzuführen, aber als neuen Menschen, befreit von seiner alten Natur und mit einer Natur göttlichen Wesens ausgestattet. In Christo ist dieses Werk ausgeführt worden. Kraft Seines Todes und Seiner Auferstehung sind wir, «auf immerdar vollkommen gemacht» (Hebr. 10,14), Gott sieht in uns nur absolute Vollkommenheiten, weil es die Vollkommenheiten Christi sind.

Das bringt auch der Apostel Petrus zum Ausdruck, wenn er sagt, dass «der Gott aller Gnade» uns berufen habe «zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu» (1.Petr. 5,10). Diese Herrlichkeit Gottes ist uns in Christo zuteil geworden. In Ihm sind wir berufen worden und in Ihm besitzen wir sie. Wir sind insofern Erben Gottes, als wir Miterben Christi sind, «in welchem wir ein Erbteil erlangt haben» (Röm. 8,17, Eph. 1,11). Dadurch wird ausgedrückt, dass uns Gott mit Seinem Sohne so völlig vereinigt hat, dass wir alles miterben werden, was Er auf Grund Seines Werkes der Erlösung als Mensch selbst erben wird.

5. Wie erfüllt Gott Seinen Ratschluss?

Durch die Erlösung und durch die Berufung.

a) Durch die Erlösung

Damit wir eines Tages heilig und tadellos vor ihm seien, das heisst so, wie Seine Herrlichkeit es erfordert, hat Gott in Seinem ewigen Ratschluss der Gnade durch das einzig mögliche Mittel dafür Vorsorge getroffen: durch das Opfer Seines eingeborenen Sohnes. Er hat Ihn vor Grundlegung der Welt zuvorerkannt als das Lamm ohne Fehl und ohne Flecken, das am Ende der Zeiten offenbart werden sollte, um die Auserwählten zum Preise Seines kostbaren Blutes zu erkaufen (1.Petr. 1,19-20). Als von Seiten des Menschen alles unheilbar verdorben war, hat Er sich als das heilige Opfer vor Gott hingestellt und gesagt: «Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun.» Eins mit dem Vater, hat sich Christus freiwillig geopfert, um Gottes Willen zu tun, der darin bestand, die Frage der Sünde zu regeln und Seinen ewigen Ratschluss gegenüber den Sündern auszuführen. Hat Er nicht selbst vor den Zeiten der Zeitalter verkündigt, dass Seine Wonne bei den Menschenkindern war? (Spr. 8,31).

In Christo machte Gott den ersten Schritt zum verlorenen Menschen hin, um Seine Pläne der Gnade ihm gegenüber zu verwirklichen, und dieser erste Schritt hat den Herrn Jesus ans Kreuz geführt. Dort wurde das Werk vollbracht, auf Grund dessen Gott viele Söhne zur Herrlichkeit bringen konnte. «Jetzt aber ist er einmal in der Vollendung der Zeitalter offenbart worden zur Abschaffung der Sünde durch sein Opfer» (Hebr. 9,26). «Ihr wisset, dass er offenbart worden ist, auf dass er unsere Sünden wegnehme» (1.Joh. 3,5). «Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn..., auf dass er die, welche unter Gesetz waren, loskaufte, auf dass wir die Sohnschaft empfingen» (Gal. 4,4.5). «In welchem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen, nach dem Reichtum seiner Gnade» (Eph. 1,7). «Gott, der uns errettet hat und berufen mit heiligem Rufe, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christo Jesu vor den Zeiten der Zeitalter gegeben, jetzt aber offenbart worden ist durch die Erscheinung unseres Heilandes Jesus Christus, welcher den Tod zunichte gemacht, aber Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium (2.Tim. 1,9,10). «Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Heiland-Gottes erschien, errettete er uns ... nach seiner Barmherzigkeit (Tit. 3,4.5).

Als die Zeit der Langmut Gottes gegenüber dem Menschen vor dem Werke des Kreuzes ihr Ende erreichte - ein Augenblick, den das Wort «die Vollendung der Zeitalter» nennt -, sandte Gott Seinen Sohn. Aber der Mensch setzte seiner Auflehnung gegen Gott die Krone auf, indem er den Herrn Jesus verwarf und kreuzigte. Diese Tat gab Gott Gelegenheit, Seine Ratschlüsse der Gnade zu erfüllen: Durch den Tod Christi wurde die Sünde «zunichte gemacht», «abgeschafft». Gott, welcher durch dieses Werk völlig verherrlicht ist, kann dem bussfertigen Schuldigen vergeben und ihn als ein geliebtes Kind, heilig und tadellos in Seine Gegenwart einführen. Dies alles geschieht «nach dem Reichtum seiner Gnade», «nicht aus Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz.»

Dieser einst verborgene Ratschluss Gottes ist durch das Kommen Christi auf die Erde offenbart worden, in Ihm hat er seine vollkommene Erfüllung gefunden. Christus hat durch Seinen Tod und Seine Auferstehung den Tod zunichte gemacht, aber Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht durch das Evangelium, diese Kraft des ewigen Lebens, welche die Seele und bald auch den Leib, der Macht des Todes entreisst.

b) Durch die Berufung

Die Berufung Gottes umfasst sowohl die Einladung, die Gott durch das Evangelium, das verkündigt wird, an den Sünder richtet, als auch die Segnungen, die dieses Evangelium denen bringt, die es im Glauben aufnehmen. In diesem Sinne sagt der Apostel, der den Thessalonichern ihre Auserwählung durch das Heil in Erinnerung ruft: «Wozu er euch berufen hat durch unser Evangelium» (2.Thess. 2,14). So schreibt er auch den Galatern, dass er das Vorrecht gehabt habe, sie «durch die Gnade Christi zu berufen» (1,6), nachdem ihn Gott selbst «durch seine Gnade» berufen hatte (V. 15). In Römer 8,28 bezeichnet Paulus die Gläubigen als solche, «die nach Vorsatz berufen sind». Die Berufung Gottes, wie auch deren Grundursache, die Auserwählung, kommen aus Seiner Oberhoheit hervor. In der Tat, wenn Gott durch das Evangelium beruft, richtet Er sich an Taube, in deren Herzen Er durch den Heiligen Geist in Macht wirken muss. «Niemand kann zu mir kommen» - sagt der Herr Jesus-, «es sei denn, dass der Vater, der mich gesandt hat, ihn ziehe» (Joh. 6,44). «Welche er zuvorbestimmt hat, diese hat er auch berufen.»

Aber wir haben gesehen, dass die Berufung nach dem Vorsatz Gottes auch das umschliesst, wozu die Auserwählten berufen sind, nämlich ihre Gleichförmigkeit mit dem Bilde Seines Sohnes, «auf dass er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern». Alte, die Gott auserwählt hat, hat Er berufen, gerechtfertigt, verherrlicht, und das ist das erhabene Ziel Seiner Ratschlüsse der Gnade. «Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu» (1.Petr. 5,10). Paulus jagte hin zum Ziele, «zum Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christo Jesu» (Phil. 3,14). In Epheser 4,4 redet er von der «Hoffnung eurer Berufung» und in 1.Timotheus 6,12 ermahnt er Timotheus, das ewige Leben zu ergreifen, zu dem er berufen worden war. Schliesslich wird in Hebräer 9,15 erwähnt, dass das ewige Erbe den Berufenen verheissen worden ist. Diese verschiedenen Stellen machen das Ziel der Berufung Gottes deutlich, nämlich unsere Einführung in Seine ewige Herrlichkeit und unsere völlige Gleichförmigkeit mit Christo.

Der Apostel brachte den Wunsch zum Ausdruck, dass die Epheser wissen möchten, «welches die Hoffnung seiner Berufung ist» (Eph. 1,18). Wie steht es da bei uns? Verwirklichen wir praktisch unsere himmlische Berufung? Leben wir in der Erwartung der Herrlichkeit? Jemand hat vom Gläubigen diese schöne Definition gegeben: «Ein Mensch, der sein Herz im Himmel hat und den Himmel im Herzen.» Kann dies auf uns angewendet werden? Überströmen unsere Herzen von Freude beim Gedanken, dass wir bald zur vollkommenen Gleichförmigkeit mit Christo gelangen werden? Wenn dies der Fall ist, werden wir schon hienieden Sein Bild an uns tragen, also ein - wenn auch schwacher - Widerschein der Vollkommenheit sein, in der wir einst in Ihm gesehen werden. Möchten «die Augen unseres Herzens» erleuchtet werden, damit wir «die Hoffnung seiner Berufung» erkennen, die auch die «eine Hoffnung unserer Berufung» ist. (Eph. 4,4): Wir wandern alle demselben Ziele zu, zu derselben Ruhe und derselben Herrlichkeit. Möchte der Gedanke, dass bald alle miteinander in die Gegenwart des Herrn der Herrlichkeit eingeführt werden, uns ermuntern, einmütig diesem Ziel entgegen zu eilen!

Möge auch die Betrachtung des Ratschlusses der Gnade, den Gott im Blick auf uns «vor den Zeiten der Zeitalter» gefasst und in Christo ausgeführt hat, «unsere Berufung und Erwählung festmachen» (2.Petr. 1,10), das heisst das, was die eigentliche Grundlage unseres gegenwärtigen und ewigen Glückes bildet.

«Wir müssen Fleiss anwenden, das Bewusstsein unserer Auserwählung frisch und stark zu erhalten, damit wir in der Freiheit des Geistes wandeln. So werden wir vor dem Straucheln bewahrt... Wenn das Herz an dem Reiche hängt und wir in Wegen wandeln, die dem Reiche geziemen, ist unser Gewissen in Harmonie mit Seiner Herrlichkeit. Der Weg dahin ist offen vor uns: Wir sehen sie in der Ferne, und wir gehen ohne Hindernisse auf unserem Pfade voran, Nichts lenkt uns davon ab, weil wir auf dem Wege wandeln, der zum Reiche führt und beschäftigt sind mit Dingen, die Ihm entsprechen.» (J.N.D.) Die Wirklichkeit unserer Auserwählung soll vor aller Augen sichtbar sein. Das liess Paulus in seinem Briefe an die Thessalonicher aussprechen: Wissend, von Gott geliebte Brüder, eure Auserwählung» (1.Thess. 1 4). In dem Leben jener Gläubigen sah er die Früchte davon. Möchte es auch bei uns allen so sein, damit kundgetan werde, dass wir wirklich zu den «Berufenen und Auserwählten und Treuen» gehören (Offb. 17,14).

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Letzte Änderung am 25.09.2010.