Halte Fest
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Joh. 1,45: Philippus findet Nathanael

Halte fest Jahrgang 1967 - Seite: 317 - Verfasser: W. E. E.

«Des folgenden Tages wollte Jesus nach Galiläa aufbrechen, und Er findet Philippus und spricht zu ihm: Folge mir nach! ... Philippus findet den Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von welchem Moses in dem Gesetz geschrieben und die Propheten, Jesum, den Sohn des Joseph, von Nazareth ... Komm und sieh!»

Es ist etwas sehr Liebliches um die Einfachheit und Ungezwungenheit in den Erzählungen, die der Heilige Geist uns im Evangelium Johannes gibt. Das göttliche Leben wirkt und handelt hier durchweg völlig unabhängig von irgendwelchen menschlichen Regeln und hergebrachten Einrichtungen, und doch sieht man überall göttliche Ordnung und Harmonie. Was könnte einfacher und natürlicher sein, als die Mitteilung: «Philippus findet den Nathanael.» Da ist nichts Steifes, Gesuchtes, Pflichtmässiges, nein, nur die Energie des neuen göttlichen Lebens, das sich in Kraft offenbart wie das Gefäss, das es aufgenommen hat, ihm Ausdruck zu geben vermag.

«Philippus findet den Nathanael»; doch ehe er ihn fand, hatte er einen Grösseren gefunden, Christum. Mit aller Gewissheit und Zuversicht kann er sagen: «Wir haben den gefunden, von welchem Moses im Gesetz geschrieben und die Propheten, Jesum.» Er sagt nicht: Wir suchen ihn und hoffen ihn zu finden, komm und hilf uns nach ihm forschen. Das ist an seinem Platz ganz gut. Ach, dass doch alle, welche zu finden wünschen, recht ernstlich suchen möchten! Aber Philippus war darüber hinaus. Seinem Suchen war, wie es immer der Fall ist, das freudige Finden gefolgt, und nachdem er Christum gefunden, geht er hin und sucht, wie er auch andere in den Genuss dieser Segnung bringen könne.

Denke doch niemand, es seien nur gewisse Leute, etwa diejenigen, welche «Gaben haben» oder «lehren», dazu berufen, solche Arbeit für den Herrn zu tun. Vom Herrn eine Gabe zum Nutzen Seiner Gemeinde empfangen zu haben, ist etwas sehr Kostbares, aber in den Worten: «Philippus findet den Nathanael» ist keine Spur von so etwas angedeutet. Da sehen wir nur, was natürlicherweise einem Herzen entfliesst, das sich seines neu gefundenen Schatzes freut.

Möchte doch niemand seine Trägheit entschuldigen mit den Redensarten, die man manchmal zu hören bekommt: «Ich habe keine Gabe und fühle mich nicht berufen noch fähig, zu den Leuten zu sprechen.» Du habest keine Gabe, sagst du, aber hast du nicht das Leben? Du magst wirklich nicht berufen sein, vor grossen Versammlungen von Christo zu zeugen, aber weisst du keinen einzelnen, dem du sagen kannst: «Ich habe Ihn gefunden?» Hast du keinen Freund, Nachbarn oder Verwandten, welchen du einladen kannst, zum Heiland zu kommen? Du brauchst ja nicht die Gaben eines Paulus oder Moody zu haben, um zu sagen: Komm! Was dazu nötig ist, ist nur ein Herz, das sich in seinem Herrn freut, den es gefunden hat, und das auch andern diese Freude gönnen möchte.

Ach, wenn es nur mehr solche gäbe, wie Philippus einer war, so würden auch mehr Nathanaels gefunden werden, und wie würde dies das Werk der Evangelisation fördern! Warum sehen wir unter den Christen so wenig diese Bereitwilligkeit zum Zeugnis, warum dieses Zögern, diese Unbestimmtheit, wenn es sich darum handelt, andern von Jesu zu sagen? Liegt der Grund nicht oft darin, dass so manchen die rechte, feste Zuversicht mangelt, dass auch sie wirklich Anteil haben an dem Heil, das Er zustande gebracht hat, und dies darum, weil sie dem Zeugnis Gottes nicht völlig glauben, dass «in Ihm jeder Glaubende gerechtfertigt» sei? Über religiöse Dinge zu reden, ist etwas ganz anderes, als sagen zu können: «Ich habe Christum gefunden.» Und nur wer dies kann, wird auch andere zu Ihm zu führen vermögen.

Wenn du sagen kannst: Ich habe Christum gefunden!, wenn du glücklich bist in Seiner Liebe und deiner Annahme bei Gott und des Friedens mit Ihm dir bewusst, oh, dann versuche es auch ernstlich, deine «Nathanael» zu finden. Frage dich, ob du tust, was du kannst, um die Erkenntnis Jesu zu verbreiten. Denke vor dem Herrn nach über die Mitteilungen, die uns hier über Philippus gemacht werden, und bitte Ihn, dass auch bei dir das Licht nicht verborgen bleibe, das Er angezündet, sondern auch andern den Weg zu Ihm zeigen möge.

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Letzte Änderung am 27.03.2010.