Halte Fest
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Mark. 6,31.46: Der Ruheort

Halte fest Jahrgang 1978 - Seite: 141 - Verfasser: C. M.

«Kommet ihr selbst her an einen öden Ort besonders und ruhet ein wenig aus! … Er ging hin auf den Berg, um zu beten» (Mark. 6,31.46).

Die heutigen Tage sind Tage der Belastung und Anspannung, der beständigen Eile und Unruhe, in denen es immer schwieriger wird, sich Augenblicke zum Gebet und zur Andacht zu sichern.

All dieser äussere Druck macht es mehr denn je nötig, den «Ort besonders», den Ort der Gemeinschaft mit Gott und der Erfrischung des Geistes aufzusuchen. Wir sehnen uns nach einem solchen Platz, in einer Welt, die so voll ist von Dingen, auf die unsere eigene Natur anspricht.

Wir haben auch hierin das Beispiel unseres Herrn Jesus vor uns, in dem, was sein inniges Verlangen und Bedürfnis war, auf seinem Pfade der Abhängigkeit und des hingebenden Dienstes in dieser Welt, in die Er gekommen ist, um Sünder zu suchen. Hier oblag ihm ständig der Dienst Gottes, und die verschiedensten menschlichen Nöte bedrängten Ihn unaufhörlich. Dabei hatte sein Herz kein anderes Verlangen, als dies, den Willen Gottes zu tun. Keine selbstsüchtigen Interessen erfüllten Ihn; Er suchte keine persönliche Zerstreuung, wie wir es so oft tun. Seine Speise war, den Willen Dessen zu tun, der Ihn gesandt hatte, sein Werk zu vollbringen (Joh. 4,34). Aber bei all seinen Aktivitäten suchte Er stets den Ort persönlicher Zurückgezogenheit mit Gott auf.

Das Markus-Evangelium ist besonders der Bericht von seinem Dienst als Knecht Gottes. Er ist gekommen, um uns in geduldiger Liebe zu dienen. Und dabei war Er doch Gottes Sohn, dessen persönliche Herrlichkeit in der Einführung dieses Evangeliums erwähnt wird: «Anfang des Evangeliums Jesu Christi, des Sohnes Gottes».

Schon im ersten Kapitel wird uns gezeigt, wie Er lange vor Tagesanbruch hinausging, an einen wüsten, einsamen Ort, um daselbst zu beten (Vers 35). Von welch moralischer Schönheit ist dies! Der vorhergehende Tag war ausgefüllt gewesen mit vollkommenem und wohlgefälligem Dienst, so reich an Segen für die Menschen und fruchtbar an Verherrlichung des Vaters, der Ihn eingeführt hatte mit den Worten: «Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden» (1,11). Und des Vaters Wohlgefallen an Ihm erfuhr keine Enttäuschung.

Er hatte ja keine Verfehlung zu bekennen, aber nahm glücklich die Stellung der Abhängigkeit ein im Gebet. Er betete im Blick auf alles, was vor Ihm lag. Welch kostbare Augenblicke waren es für Ihn an diesem einsamen Ort! «Auf dem Wege wird er trinken aus dem Bache, darum wird er das Haupt erheben» (Psalm 110,7). Wie lange diese Zeit der Erfrischung dauerte, in der Er mit dem Vater redete, können wir nicht sagen. Erstand «frühmorgens, als es noch sehr dunkel war» auf, um dies möglich zu machen; mit Tagesanbruch wurde sein Dienst von neuem in Anspruch genommen, und Er war von Herzen bereit dazu.

Die Jünger «gingen ihm nach» und Er sagte ihnen: «Lasst uns … gehen … auf dass ich predige; denn dazu bin ich ausgegangen» (Vers 38). Wie reich ist seine Gnade! Da war keine Begrenzung des Dienstes, den Er ausübte, kein Bedürfnis zu gross, um ihm zu begegnen. Er begrüsste das, was uns als Unterbrechung der kostbaren Augenblicke, allein zu sein mit seinem Vater, erschienen wäre.

Im weiteren Verlauf des Markus-Evangeliums wird uns diese moralische Herrlichkeit mit seinen eigenen uns vertrauten Worten vorgestellt: «Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele» (10,45). Wer konnte höhere Rechte haben, bedient zu werden, als der Sohn des Menschen, der Erstgeborene aller Schöpfung, höher als die Könige der Erde? Aber Er kam nicht, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und … zu geben. In Liebe gürtete Er sich selbst. Er diente, gab sein Leben als Lösegeld, und sein Dienst, sein offenes Ohr, seine unwandelbare Liebe wurden alsdann für immer in Anspruch genommen von denen, die Er zu den Seinigen gemacht hatte.

«Kommet ihr selbst her … besonders», sagte Er zu den Jüngern an einem Tage, an dem es mehr Mühsal und Enttäuschung gab, als wir uns vorstellen können (6,31): Johannes der Täufer war enthauptet, Hoffnungen waren vernichtet, es gab Schwierigkeiten im Dienst, und sie fanden nicht einmal Zeit, um zu essen. «Eines» jedoch war nötig, und zu diesem rief Er sie auf. «Kommet her», und da, auf dem Wege zum wüsten Ort, waren sie zu Ihm hin versammelt, der allein den Bedürfnissen ihrer Herzen und auch den Nöten der Tausende begegnen konnte, die die gesegnete Vertrautheit nicht kannten, in die Er die Seinen führen kann.

Fünftausend wurden nach seiner Freigebigkeit gesättigt, aber um wie viel köstlicher war die Stellung der Zwölfe, obwohl sie träge waren im Begreifen der Gnade seines Herzens, in der Er sie zu sich selbst berief! «Sie waren durch die Brote nicht verständig geworden, denn ihr Herz war verhärtet» (6,52).

Er verliess sie noch einmal, um die Bergeinsamkeit zum Gebet aufzusuchen. Sie aber traten in eine neue Prüfung ein, in welcher Er erneut seine Fürsorge und Liebe für sie offenbarte. Diese Prüfung war von Ihm angeordnet. «Er nötigte» sie (V.45) in das Schiff zu steigen, wohl wissend, wie der Wind ihnen entgegen sein würde; sie aber «verstanden» es nicht. Geht es uns nicht auch so, wenn wir, wie sie, auf die Schwierigkeiten des Weges schauen?

Lasst uns das Vorrecht und den Ort des Gebetes schätzen; denn Er würde auch uns aufrufen, an denselben Platz der Herz-Entlastung zu kommen, zu dem Er sie berief. Ob wir allein den einsamen Ort aufsuchen, um dem Ohr des Vaters das anzuvertrauen, was wir Ihm nur da sagen können, oder ob wir uns mit den Geschwistern zum Herrn hin versammeln, um da unsere gemeinsamen Bedürfnisse und Schwierigkeiten Ihm zu sagen, - stets wird die gleiche Liebe uns zu sich ziehen, unsere Herzen mit Ihm beschäftigen und sie mit dem Frieden und der Freude erfüllen, die Ihn hienieden kennzeichneten.

Selbst ein Fremdling in einer feindlichen Welt, sogar von seinen Jüngern missverstanden, fand Er seine Freude doch immer in dem Genuss der Liebe und des Wohlgefallens seines Vaters. Seine Seele weilte immer an diesem verborgenen Ort. «Ich habe die Gebote meines Vaters gehalten und bleibe in seiner Liebe» (Joh. 15,10), das war sein Bekenntnis am Ende seines wunderbaren Weges. Er will uns seinen Frieden geben und möchte, dass wir in seiner Liebe bleiben. «Dies habe ich zu euch geredet, auf dass meine Freude in euch sei und eure Freude völlig werde» (Joh. 15,11).

Lasst uns denn den einsamen Ort nicht vernachlässigen, wo wir zu unserem Vater beten, der im Verborgenen sieht. Auch wollen wir das Zusammenkommen nicht versäumen, obwohl dies Anstrengung und Opfer an Zeit erfordern mag. Denken wir daran: der Herr stand frühe auf; und Er versammelte die Jünger um sich her, im Wunsch, dass sie lernen möchten, wo einzig wahre Ruhe und Befriedigung gefunden werden kann. So will Er auch uns zu sich rufen, damit wir, die Fremdlinge in einer Welt, die Ihn hinausgeworfen hat, seine Gnade kennen lernen, die allein uns in der Gemeinschaft mit dem Vater, mit sich selbst und miteinander erhalten kann.

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Letzte Änderung am 27.03.2010.