Matth. 17,14-21: Glaube, Gebet und Fasten sind nötig
Halte fest Jahrgang 1982 - Seite: 288 - Verfasser: P. F.
Ein Mensch hatte einen mondsüchtigen Sohn, der arg litt, denn er fiel oft ins Feuer und oft ins Wasser. Der Vater hatte ihn wohl zu den Jüngern gebracht, aber diese hatten ihn nicht zu heilen vermocht. Da wandte sich dieser Mann zum Herrn Jesus, der den Sohn völlig befreite. Nachher kamen die Jünger und fragten den Herrn: «Warum haben wir ihn nicht austreiben können?» (Matth. 17,14-21).
In der Tat, als der Herr die Zwölfe aussandte, gab Er ihnen «Gewalt über unreine Geister, um sie auszutreiben, und jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen». Er hatte ihnen befohlen: «treibet Dämonen aus» (Matth. 10,1.5.8). Warum konnten sie denn die Gewalt nicht ausüben, die Er ihnen anvertraut hatte? Der Herr erklärte es ihnen sogleich: Sie hatten in drei Dingen gefehlt, im Glauben, im Gebet und im Fasten (Kap. 17,20.21).
«Jesus aber spricht zu ihnen: Wegen eures Unglaubens; denn wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berge sagen: Werde versetzt von hier dorthin! und er wird versetzt werden; und nichts wird euch unmöglich sein.» Der «Berg» ist das Bild einer grossen Macht, eines für uns unüberwindlichen Hindernisses auf dem Wege, das sich dem Wandel und dem Dienst der Gläubigen widersetzt, sei es in persönlicher oder kollektiver Hinsicht. Ihm befehlen, sich «von hier dorthin» zu versetzen, zeugt von einem völligen Vertrauen in die Macht Gottes, die allein den «Berg» wegbringen kann, und anderseits von einer innigen Gemeinschaft mit Ihm und der Erkenntnis seiner Gedanken. Diese ist nötig, um zu wissen, wohin der «Berg» gehen soll - mit anderen Worten: damit alles an den Platz rückt, den es einnehmen soll.
In unserem persönlichen Leben, im Leben unserer Familien, im Leben der Versammlungen erscheinen oft «Bürge» auf dem Wege. Das sind Umstände, die der Herr schickt oder zulässt, um uns zu prüfen und unseren geistlichen Zustand zu offenbaren. Gegenüber solchen Umständen sind wir leider oft ebenso machtlos, wie einst die Jünger. Wir fragen uns dann: Warum können wir das Hindernis nicht aus dem Weg räumen? Weshalb verschwindet diese Schwierigkeit nicht? Bestimmt darum, weil uns, wie den Jüngern, ein wirkliches Vertrauen in Gott, eine innige Gemeinschaft mit Ihm, das Ausharren im Gebet und das Fasten fehlen. Diese Dinge hängen zusammen, vergessen wir es nicht.
«Jesus aber antwortete und sprach: o ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! bis wann soll ich bei euch sein? bis wann soll ich euch ertragen? Bringet mir ihn her» (V. 17). Dieses Kind war ein Bild des Volkes Israel, das, versklavt an Satan, sich niemals von seinen Banden befreien konnte. Der Herr empfand tiefen Schmerz beim Feststellen des Zustandes seines Volkes und anderseits wegen der Unfähigkeit der Seinen, Ihn in dieser Welt zu vertreten, in Entfaltung der Macht, die Er ihnen dazu anvertraut hatte. Daher muss Er den Zustand seiner Jünger blosslegen, und was Er ihnen sagt, ist voll Belehrung für uns.
1. «Wegen eures Unglaubens ...»
Es trifft zu, dass wir manchmal die unendliche Macht unseres Gottes bezweifeln. In vielen Fällen beurteilen wir die Dinge und erdenken wir die Befreiungen nur nach unserem armen Mass. Wir verlieren aus dem Auge, was der Apostel in Epheser 3,20 schreibt, dass Gott «über alles hinaus zu tun vermag, über die Massen mehr, als was wir erbitten oder erdenken». Wir lesen das und zweifeln nicht, dass dies wahr ist, weil es im inspirierten Wort geschrieben steht. Aber praktisch? Wenn tatsächlich ein «Berg» auf dem Weg ist, zweifeln wir so oft, dass er «versetzt» werden könne; es dünkt uns nicht möglich, dass Gott ein scheinbar unüberwindliches Hindernis wegnehmen kann, ein verhärtetes Herz zu erweichen, einen widerspenstigen Willen zu brechen vermag. Wenn wir nicht zweifelten, sähen wir Wunder der Macht Gottes und könnten wir vom Herrn zur Entfaltung einer solchen Macht gebraucht werden, so wie Er einst seine Jünger dazu benützen wollte.
Dass uns doch ein unbegrenztes Vertrauen in die Allmacht unseres Gottes kennzeichnete, durch die glückselige Gemeinschaft, die uns Erkenntnis seiner Gedanken gibt. Wir könnten dann mit Glauben zu diesem Berge sagen: «Werde versetzt von hier dorthin!» und er würde versetzt werden; nichts wäre uns unmöglich. In vielen Umständen wirkt Gott nach dem Masse unseres Glaubens (Matth. 9,29: «Euch geschehe nach eurem Glauben»). Wäre unser Glaube grösser, aktiver, so sähen wir mehr von der Entfaltung der Macht Gottes, die «Berge» versetzt.
2. Das Gebet
Es kann vorkommen, dass wir versuchen, «Berge» durch rein menschliche Mittel zu versetzen, ohne zuvor die Gedanken Gottes im Gebet gesucht zu haben. Und wenn wir beten, tun wir es vielleicht mit wenig Glauben.
Als Petrus im Gefängnis war, «vier Abteilungen von je vier Kriegsknechten zur Bewachung überliefert», war das ein grosser «Berg». «Von der Versammlung geschah ein anhaltendes Gebet für ihn zu Gott». Aber diese Gebete, so anhaltend sie waren, wurden, so scheint es, ohne grossen Glauben getan: Als Petrus an die Tür des Tores klopfte, sagten die, welche am Gebet beteiligt waren, zur Magd Rhode: «du bist von Sinnen», als sie ihnen meldete, Petrus sei vor dem Tore. Wie wenig, im Grunde, rechneten sie mit der Erhörung ihrer Gebete! Vielleicht hatten sie nicht ausdrücklich um die Befreiung des Apostels gebetet, aber dieser Ausgang der Sache lag doch im Bereich der möglichen Antworten Gottes (Apg. 12,1-17). Gleichen wir ihnen nicht allzu oft?
Gleichwohl antwortete Gott, trotz des schwachen Glaubens der Beter. Einerseits ist es immer wahr, dass «wenn wir untreu (oder ungläubig) sind er treu bleibt» (2.Tim. 2,13); anderseits war der Dienst des Petrus noch nicht zu Ende, und darum befreite ihn Gott.
3. Das Fasten
Fasten heisst, dem Körper die Speise vorenthalten. In geistlicher Beziehung bedeutet dies, dem Fleische nichts von dem zu geben, was es wünscht, weder Speise noch Reizmittel. Wenn das Gebet das Eintreten Gottes bewirkt, dann setzt das Fasten den Menschen, das Fleisch mit seinen Hilfsquellen, beiseite.
Wie oft in den Schwierigkeiten, insbesondere in einer örtlichen Versammlung, komplizieren sich die Dinge und werden die Probleme scheinbar unlösbar, weil man dem Fleisch die Speise gibt, die es liebt! Daher brauchen wir uns nicht zu wundern, dass in solchen Umständen die fleischliche Tätigkeit grosse Verheerungen anrichtet. Die Brüderversammlungen, (die immer vom Ernst des Charakters eines Zusammenkommens als Versammlung geprägt sein sollen, obwohl nur Brüder anwesend sind; denn der Herr ist unter ihnen), in denen sich Brüder unterreden, können, wenn man nicht wacht, Gelegenheit zu ungeziemenden Bemerkungen werden - vielleicht weil die Eigenliebe verletzt worden ist - die Verärgerungen hervorrufen, welche kein anderes Ergebnis haben, als eine schon schwierige Situation noch mehr zu verschlimmern. Ist es dann verwunderlich, wenn die «Berge» bleiben und Wunden nicht heilen wollen?
Wenn wir «Dämonen austreiben» und «Berge versetzen» möchten, so lasst uns an die Allmacht Gottes glauben und mit ihr rechnen, im Glauben beten und nicht «Vorsorge treiben für das Fleisch zur Erfüllung seiner Lüste», sondern im Gegenteil «den Herrn Jesus Christus anziehen» (Röm. 13,14).