Offb. 2,17: Der weisse Stein
Halte fest Jahrgang 1990 - Seite: 148 - Verfasser: R. Liebi
Im Sendschreiben an Pergamus ermutigt der Herr Jesus den, der überwindet, u.a. mit folgenden Worten: «Ich werde ihm einen weissen Stein geben, und auf den Stein einen neuen Namen geschrieben, welchen niemand kennt, als wer ihn empfängt» (Offb. 2,17). Es stellen sich hier dem Bibelleser einige Fragen: Wer ist ein Überwinder? Was bedeutet der «weisse Stein»? Was hat es mit dem neuen Namen auf sich?
In 1.Johannes 5,4.5 wird uns gezeigt, dass die Menschen, die ewiges Leben durch den Glauben an den Sohn Gottes empfangen haben, Überwinder sind: «Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube. Wer ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, welcher glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?» Das neue Leben muss sich im Alltag auswirken. Es befähigt zum Überwinden der von Satan in den Weg gelegten Hindernisse. Jedes Kind Gottes darf sich daher die Verheissung in Offenbarung 2,17 zu eigen machen.
Im griechischen Grundtext wird für «Stein» das Wort «psephos» verwendet. Dieser Ausdruck bezeichnet einen kleinen, glatten Kieselstein. In der Antike spielten solche Kieselsteine an den Gerichtshöfen eine wichtige Rolle. Die Richter, die von der Schuld eines Angeklagten überzeugt waren und ihn verurteilen wollten, gaben ihre Stimme ab, indem sie einen schwarzen Kieselstein in die Urne legten. Die Richter hingegen, für die die Unschuld des Angeklagten feststand, gaben einen weissen Kieselstein ab und plädierten damit auf Freispruch. Einen Freigesprochenen bezeichnete man als «Überwinder»!
In Offenbarung 2 ermutigt der Herr die Überwinder, die wie Antipas (= einer gegen alle) als treue Zeugen tätig sind und gegen massiven Widerstand zu kämpfen haben (vgl. Offb. 2,13), durch den Hinweis auf den weissen Stein. Dies bedeutet etwa folgendes: Ihr Überwinder, wenn alle euch niederschreien - Ich stelle mich ganz auf eure Seite. Wenn Menschen euch als verdammungswürdig betrachten - Ich bestätige euch, dass ihr aufgrund meines Blutes gerechtfertigt seid, d.h. dass ihr vor Gott so gerecht dasteht, als hättet ihr noch nie gesündigt!
Der Herr Jesus deutet mit dem weissen Stein allerdings noch etwas anderes an. In der Antike spielten nämlich weisse Steine noch in anderer Hinsicht eine wichtige Rolle: Wenn ein Gastgeber eine besonders begehrte Person zu seinem Gast erklären wollte, übergab er ihm einen weissen Stein, auf dem der Name des Gastes oder eine kleine Mitteilung an ihn geschrieben stand. Die Griechen nannten einen solchen Stein zwar nicht «psephos» (damit bezeichnete man die Steine am Gerichtshof), sondern «symbolon». Doch ist es offensichtlich, dass in Offenbarung 2,17 gleichzeitig an zwei Verwendungsweisen der weissen Steine gedacht werden soll. Es wird ja sogar gesagt, was es bei dieser himmlischen Einladung zu essen geben werde: verborgenes Manna! Dies ist ein Hinweis auf verborgene Schätze aus dem Wort Gottes, die im Allerheiligsten, in der unmittelbaren Gegenwart Gottes, genossen werden dürfen! Mit dem Hinweis auf das «verborgene Manna» werden wir an das Manna im goldenen Krug erinnert, das in der Bundeslade aufbewahrt wurde (Hebr. 9,4). Dem, der überwindet, will der Herr sagen: Wenn du auch in der Christenheit verachtet bist - du bist mein ersehnter und begehrter Gast. Mit dir möchte Ich die Schätze in Gottes Wort teilen und geniessen.
Was bedeutet der «neue Name»? In der Bibel drückt ein Name meistens das Wesen einer Person aus. Der neue Name in Offenbarung 2,17 weist auf das erneuerte und durch die neue Geburt (Joh. 3) veränderte Wesen des Überwinders hin. Niemand als nur der Empfänger und selbstverständlich der Geber kennen diesen Namen. So gibt es ein Verhältnis zwischen dem Herrn und dem einzelnen Erlösten, in das niemand anders hineinblicken kann! Ist es nicht etwas Grossartiges, eine solch innige und persönliche Beziehung zum Herrn Jesus, dem geliebten Sohn Gottes, kennen und geniessen zu dürfen?