Gemeinschaft und gegenseitige Abhängigkeit
Halte fest Jahrgang 1982 - Seite: 154 - Verfasser: F. G.
«Also sind wir, die Vielen, ein Leib in Christo, einzeln aber Glieder voneinander» (Röm. 12,5).
«Wir sind Glieder voneinander» (Eph. 4,25).
Die Wahrheit der Einheit des Leibes des Christus, wohlbekannt unter uns, wurde auf den Seiten dieser Zeitschrift verschiedentlich entfaltet. Ich möchte jetzt besonders die praktische Seite dieser Wahrheit hervorheben, die durch die obigen Verse unterstrichen wird.
Die Verbindung jedes Gliedes, ja sogar jeder Zelle des menschlichen Leibes mit dem Haupt, sichert jedem Teil dieses Leibes das Leben. Tritt in dieser lebenswichtigen Verbindung eine Störung ein, hat dies Verkümmerung, Lähmung oder andere Krankheiten zur Folge. Das ist in physischer Hinsicht wahr, jeder kann es sehen oder spüren, und das bewahrheitet sich auch in geistlicher Beziehung. Wie oft ist das festzustellen!
Jeder Gläubige ist ein Glied des Leibes des Christus, er ist in einer lebendigen Einheit mit Christus in der Herrlichkeit verbunden. Er ist auch ein Glied seiner Brüder und seiner Schwestern und mit ihnen verbunden, wie eine Hand mit dem Arm, und wie jedes Organ des Leibes mit dem ganzen Organismus. Dieses vom Wort Gottes gebrauchte Bild bezieht sich in erster Linie auf die Gesamtheit der auf der Erde lebenden Gläubigen. Das lässt in dieser Beziehung erkennen, wie sehr das gemeinsame Zeugnis versagt hat und wie sehr die Flecken, die Runzeln und andere sichtbare Zeichen auf dem Antlitz der Kirche hervorgerufen worden sind, durch die Trennungen, die Streitigkeiten und all das, was der Feind zum Ruin dessen eingeführt hat, was den Namen Christi trägt. Aber lassen wir unser Vertrauen zum Herrn nicht erschüttern: der Tag ist nicht mehr fern, an dem Er sich seine Versammlung so darstellen wird, wie sein Herz sie sich wünscht: verherrlicht, heilig und tadellos (Eph. 5,27).
Es steht uns nicht zu, die sichtbare Einheit der Versammlung Gottes wiederherzustellen. Wir wissen, dass ihre innere Einheit bestehen bleibt und dass diese am Tage der herrlichen Offenbarung unseres Herrn von der Welt gesehen wird. Unser Vorrecht ist es aber, im Rahmen des Zeugnisses der örtlichen Versammlung verwirklichen zu können, was das Teil jedes wahren Gläubigen ist. Mögen auch nur zwei oder drei dieses Bewusstsein haben, so bleibt es doch trotz der Schwachheit dieser wenigen wahr, dass dieses kleine Zeugnis, versammelt in dem Namen des Herrn und zu Ihm hin, der Verheissungen teilhaftig ist, die der Herr Jesus den Seinen gegeben hat, bevor Er sie verliess. Die Belehrung des Wortes Gottes bezüglich der Versammlung, wie sie uns in 1.Korinther 12 und 14 gegeben ist, richtet sich so gut an das bescheidenste Zusammenkommen, wie an die zahlreichste Versammlung.
Aber damit der Segen, der mit solchen Vorrechten verbunden ist, praktisch erfahren werden kann, ist es nötig, dass nichts das harmonische Funktionieren jedes Teiles dieses lebendigen Organismus hindern kann. «Ihr aber seid Christi Leib und Glieder insonderheit», schreibt der Apostel der Versammlung in Korinth (1.Kor. 12,27). Das Gleichgewicht eines solchen Leibes ist in der praktischen Verwirklichung dieser lehrhaften Unterweisung so stark gefährdet, dass wir über alles zu wachen haben, was dieses beeinträchtigen könnte. Da wir Glieder voneinander sind, sollen wir immer, wie die physischen Glieder unseres Leibes, «dieselbe Sorge füreinander haben» (1.Kor. 12,25). Lasst uns die so oft angeführten Ausdrücke: «einer den andern» oder «einander» von Herzen anwenden. Ich zitiere hier nur einige und überlasse es dem Geist Gottes selbst, sie auf unser Herz zu schreiben:
- «Durch die Liebe dienet einander» (Gal. 5,13).
- «Einer trage des andern Lasten» (Gal. 6,2).
- «In der Bruderliebe seid herzlich gegeneinander» (Röm. 12,10).
- «Nehmet einander auf, gleichwie auch der Christus euch aufgenommen hat» (Röm. 15,7).
- «Einander ertragend in Liebe» (Eph. 4,2).
- «Seid aber gegeneinander gütig, mitleidig, einander vergebend, gleichwie auch Gott in Christo euch vergeben hat» (Eph. 4,32).
- «Einander unterwürfig in der Furcht Christi» (Eph. 5,21).
- «Ihr selbst seid von Gott gelehrt, einander zu lieben» (1.Thess. 4,9).
- «So ermuntert nun einander mit diesen Worten» (1.Thess. 4,18).
- «Deshalb ermuntert einander und erbaut einer den anderen, wie ihr auch tut» (1.Thess. 5,11).
- «Lasst uns aufeinander Acht haben zur Anreizung zur Liebe und zu guten Werken» (Hebr. 10,24).
- «Alle aber seid gegeneinander mit Demut fest umhüllt» (1.Petr. 5,5).
Wie wünschenswert wäre die beständige Darstellung dieser Dinge in den örtlichen Versammlungen! Welch ein Zeugnis ergäbe sich daraus und welche Freude wäre dies für das Herz des Herrn! Wir sind leider weit entfernt davon, sie immer in die Praxis umzusetzen. Im Gegenteil, stellen wir nicht eine unerfreuliche Neigung zum Individualismus fest, sei es in einem Dienst oder in der Untätigkeit? Unter dem Vorwand einer Berufung auf Bibelstellen wie: «Jeder wird seine eigene Last tragen» und «Also wird nun ein jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben» (Gal. 6,5 und Röm. 14,12), hört man oft sagen: Wir mischen uns nicht in die Angelegenheiten unseres Bruders, jeder wische vor seiner eigenen Tür, und alles wird gut gehen! Tragen wir auf diese Weise «dieselbe Sorge füreinander»? Ist das Bruderliebe, die sich darin übt, «dem Nächsten zum Guten, zur Erbauung zu gefallen» (Röm. 15,2)? Die gleiche Liebe wird uns übrigens helfen, die Grenzen zu beachten, um sich nicht «in fremde Sachen» zu mischen (1.Petr. 4,15).
Mögen wir Gnade haben, die Einheit des Leibes des Christus zu bezeugen, nicht nur in der Stunde des Gottesdienstes, am Tisch des Herrn, sondern auch jeden Tag, in allen brüderlichen Beziehungen! Von dieser täglichen Verwirklichung ist das Niveau des Gottesdienstes abhängig, der am ersten Tag der Woche gemeinsam dargebracht wird.
«Der Gott des Ausharrens und der Ermunterung aber gebe euch, gleich gesinnt zu sein untereinander, Christo Jesu gemäss, auf dass ihr einmütig mit einem Munde den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus verherrlichet» (Röm. 15,5.6).