Röm. 16,1-27: Die Grüsse des Apostels in Römer 16
Halte fest Jahrgang 1967 - Seite: 170 - Verfasser: M. C.
Gott hat uns in verschiedenen Kapiteln der Schrift etwas von dem zeigen wollen, was vor dem Richterstuhl des Christus in Erinnerung gebracht werden wird.
Im siebten Kapitel des vierten Buches Mose, das wir leicht kürzen könnten, ohne dass der Bericht darunter litte, wiederholt der Heilige Geist zwölf mal dieselbe Sache. Gott zeigt uns dadurch, dass alles, was zu Seiner Verherrlichung getan wird, für Sein Herz einen unendlichen Wert besitzt. Wir finden dort die Namen der zwölf Fürsten sorgfältig aufgeschrieben, wie auch den genauen Tag ihrer Opfergabe.
Das dritte Kapitel Nehemias ist auch eine solche Aufzählung. Man kann darin leicht die Qualität und die Quantität der geleisteten Arbeit feststellen.
Die Personen dieser Schauplätze sind schon längst in der Ruhe, aber ihre Werke folgen ihnen nach.
«Gott ist nicht ungerecht, eures Werkes zu vergessen und der Liebe, die ihr gegen seinen Namen bewiesen, da ihr den Heiligen gedient habt und dienet» (Hebr. 6,10).
Bevor wir in die Einzelheiten unseres Kapitels eingehen, ist es nötig, uns der Feierlichkeit des Richterstuhls des Christus zu erinnern: des Buches mit den beiden Seiten.
Auf der ersten Seite sind unsere Sünden eingetragen; sie ist ganz ausgefüllt, da gibt es keinen weissen, unbeschriebenen Platz mehr. Aber eine grosse rote Linie geht quer über das dunkle Blatt, und Christus wird zu jedem sagen können: «Ich habe gelitten, um die Sünde zu sühnen.»
Auf der zweiten Seite ist alles ganz anders.
Da sind Dinge aufgeführt, die aus Dankbarkeit für den Herrn getan worden sind. Die Schrift zeigt uns einige Auszüge davon: Die Leiden des Paulus zum Beispiel, in 2.Korinther 11, und viele ähnliche andere Dinge, die auf der Aktivseite der Kinder und Diener Gottes stehen.
Es ist für unsere Herzen ein tröstlicher Gedanke, dass, wenn wir am ersten Tag der Woche des Herrn gedachten, dies auch auf dieser Seite des Buches aufgeführt ist.
Im 16. Kapitel des Römerbriefes, das uns beschäftigt, sind die Dinge in drei Teile aufgeteilt. Die Zahl drei findet sich überall: Im Himmel, auf der Erde und in der Bibel.
In Gott sind drei Personen, auch gibt es drei Himmel.
In der Geschichte Israels, von der uns im Alten Testament berichtet wird, finden wir drei Etappen, die unsere Aufmerksamkeit auf drei Klassen von Personen richten, denen man - bildlich gesprochen - auch in der Versammlung begegnet.
Die erste Etappe, die Geschichte des Volkes in Ägypten, kann man auf Christen anwenden, die noch nicht mit der Welt abgeschlossen haben. Sie haben noch nie verstanden oder nie verstehen wollen, was der Apostel den Galatern schreibt: «Die Welt ist mir gekreuzigt und ich der Welt» (Gal. 6,14). Wir begegnen also Gläubigen, die, in geistlichem Sinne, an ihren Kleidern die Spuren vom Lehm des Nils tragen.
Die zweite Etappe ist die Geschichte der Wüste, die Geschichte eines besonders bevorzugten Volkes, das aber nie glücklich ist. Man hörte es nur zweimal singen: Am Ufer des Roten Meeres und nach der Begebenheit der feurigen Schlangen, an der Grenze Kanaans. Es brachte keine Danksagungen dar, sondern murrte oft. Ein ergreifendes Bild von Christen, die nicht glücklich sind.
Alle Bedürfnisse des Israel Gottes waren doch der Sorge Jehovas überlassen! Jeden Morgen fanden sie eine Antwort auf die in Matthäus 6 gestellten drei Fragen: «Was sollen wir essen? oder: Was sollen wir trinken? oder: Was sollen wir anziehen?» Da gab es das Manna, das Brot der Starken (Ps. 78,23-25), auch Wasser aus dem Felsen, der ihnen nachfolgte, und Kleider, die nicht zerfielen.
Die Wolke bedeckte sie des Tages und das Feuer erleuchtete ihnen die Nacht (Ps. 105,39). Sie litten weder unter der Hitze der Sonne, noch unter dem Frost der Nacht. Sie hätten ohne Sorgen leben können, glücklich und dankbar... aber der 106. Psalm erzählt uns ihren traurigen Weg.
Die dritte Etappe ihrer Geschichte spielt sich in Kanaan ab. Sie ist ein Bild der Christen, die ihre himmlische Stellung verwirklichen und in Christo glücklich sind, vom Brot des Himmels essen und sich so der innigen Beziehungen zu Gott erfreuen.
Nicht immer sind es die in äusseren Dingen Begünstigten, die diese himmlische Stellung geniessen. Oft sind es gerade arme Kranke auf ihren Betten oder Geprüfte, wie Paulus und Silas, welche im Gefängnis dem Herrn lobsangen, die dies verwirklichen.
In unserem Kapitel haben wir drei Klassen von Personen:
- die Tätigen
- die Untätigen
- solche, die anderen Übungen verursachen
Zu welcher dieser drei Klassen gehören wir?
Phöbe
Zuerst wird eine Schwester allein erwähnt: Phöbe. Es wird nicht gesagt, ob sie verheiratet oder eine Witwe war. Drei Dinge kennzeichnen sie: Was sie ist: «eine Dienern»; auf was sie ein Recht hat: «dass ihr ihr beistehet»; und endlich, was sie getan hat.
Ihre Tätigkeit entfaltet sich in drei Kreisen. Sie war vor allem eine Dienerin der Versammlung. In Kenchreä, einem Hafen der Stadt Korinth, wo Paulus Halt machte, bevor er nach Jerusalem reiste (Apg. 18. 18), war ohne Zweifel eine Meine Versammlung. Lukas erwähnt sie in der Apostelgeschichte zwar nicht. Aber dieses kleine Zeugnis hatte dennoch grossen Wert für das Herz Christi und für das des Apostels.
Phöbe stand in Verbindung mit allen denen, die sich mit dieser Meinen Versammlung beschäftigten: mit Gott, mit Seinem Sohn, mit dem Heiligen Geist, mit den Engeln und den Dienern Gottes. Sie hatte sich zur Dienerin dieser Versammlung der Heiligen gemacht.
Am Hof des römischen Kaisers wurde sie nicht beachtet; Gott aber redet noch heute von ihr in der ganzen Welt. Sie erinnert uns an eine andere Frau (Matth. 26,13), von welcher gesagt ist: «In der ganzen Welt wird auch von dem geredet werden, was diese getan hat zu ihrem Gedächtnis.»
Ein zweiter, engerer Kreis, in welchem Phöbe ihre Tätigkeit entfaltete, waren die Bedürftigen: «Sie ist vielen ein Beistand gewesen», entsprechend dem Worte des Apostels: «Nehmet euch der Schwachen an.» Nicht alle haben nötig, dass ihnen geholfen werde, aber die, welche durch Mühen, Schwierigkeiten und Nöte gehen, brauchen solche, die ihnen beistehen. Phöbe war anderen eine Hilfe; sie war ihnen kein Hindernis.
Da war noch ein dritter Kreis ihrer Tätigkeit: Paulus sagt: «Auch mir selbst», dem Diener Gottes, war sie ein Beistand.
Wie hat sie Paulus geholfen? Vielleicht teilte sie mit ihm das Brot, das der himmlische Vater ihr gab, oder vielleicht stand sie ihm mit einigen Worten der Ermunterung bei oder durch das Gebet.
Man kann sein ganzes Leben damit zubringen, sich selbst zu dienen, und man macht sich damit zum Mittelpunkt seiner eigenen Tätigkeit. Aber eine solche Tätigkeit ist nicht beneidenswert.
Man kann sich auch dienen lassen und die Aufmerksamkeit der anderen für sich beanspruchen.
Aber man kann auch sich selbst vergessen, um an andere zu denken, und das ist der wahre, christliche Dienst, das ist es, was Christus getan hat, und Phöbe hat Ihn in ihrem schwachen Masse nachgeahmt.
Wir sollten nicht dienen, um eine Belohnung zu bekommen, und doch wird sie zur Ermunterung vor uns hingestellt.
Priska und Aquila
Dann folgt die Erwähnung des Ehepaars Priska und Aquila (V. 3). In Apostelgeschichte 18 begegnen wir diesem aus Rom vertriebenen gottseligen Paar in der Schrift zum ersten Male.
Paulus traf ganz kurz nach dem Ausweisungsbefehl des Kaisers Claudius mit ihnen zusammen, eine Massnahme gegen die Juden, die im Jahre 52 erlassen wurde, soweit man dies in der Geschichte feststellen kann. Da sie desselben Handwerks waren wie Paulus, wohnte und arbeitete er mit ihnen zusammen. Wir können uns vorstellen, dass Paulus bei dieser manuellen Arbeit von Jesus Christus, dem Gekreuzigten redete, von seiner eigenen wunderbaren Bekehrung und von seiner feierlichen Begegnung mit Ihm auf dem Wege nach Damaskus, wo er durch den Zuruf: «Was verfolgst du mich?» gelernt hatte, dass jeder Gläubige ein Glied am Leibe des Christus ist.
Jemand könnte einwenden: «Ich habe nicht das Vorrecht, mit Paulus zu leben.» Aber wenn der Apostel noch bei uns wäre, würde er dann von anderen Dingen reden, als von denen, die er in allen seinen Briefen erwähnt?
Diese beiden Ehegatten haben ohne Zweifel grosse geistliche Fortschritte gemacht. Wenn es zutrifft, dass der zweite Brief an Timotheus um das Jahr 66 herum. geschrieben wurde, so wären sie also vierzehn Jahre auf dem Schauplatz der Schrift geblieben. Denn am Ende dieses Briefes, worin er mit Trauer feststellen muss, «dass alle, die in Asien sind, sich von ihm abgewandt haben», bittet er Timotheus, Priska und Aquila zu grüssen. Auch da wandelten sie also immer noch aufrecht und in Treue auf dem schmalen Wege.
Aquila und Priscilla sind ein Beispiel dafür, dass man auch zu zweit dem Herrn dienen kann, obwohl uns der Apostel sagt, dass es leichter sei, als Unverheiratete im Dienste des Herrn zu stehen (1.Kor. 7,8 und 32). Sechsmal finden wir die beiden im Worte, und immer übereinstimmend im Dienst. Ihre Herzen waren im Herrn vereinigt. Dreimal wird der Name der Priska zuerst genannt und dreimal der des Aquila. Im Bericht dass sie von Italien verjagt worden waren, ist Aquila zuerst genannt. Bei ihrer Ankunft in Ephesus aber wird Priska zuerst erwähnt (Apg. 18,18).
Gott wollte sich in dieser Stadt dieser beiden bedienen, um einen hervorragenden Diener zu unterweisen und heranzubilden. Apollos, aus Alexandrien gebürtig, lehrte sorgfältig die Dinge von Jesu, wiewohl er nur die Taufe Johannes kannte. Als aber Aquila und Priscilla ihn hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes genauer aus, unter anderem wohl die Ergebnisse des Todes Christi, Seiner Auferstehung und Seiner Verherrlichung. Und so wurde aus diesem Manne, dessen Name «Verderber» bedeutet, später ein «Begiesser» (1.Kor. 3,6).
Im ersten Korintherbrief 16,19 grüssen Aquila und Priscilla, immer noch beisammen und von Liebe erfüllt, die Korinther vielmals im Herrn.
In dem Kapitel, das vor uns liegt, werden sie - Priska wiederum als erste - vorn Apostel «meine Mitarbeiter in Christo Jesu» genannt (V. 3).
Diese Frau scheint den Wesenszug bewahrt zu haben, den Gott dem Weibe im Anfang, vor dem Fall in Eden, gegeben hat. Sie war Aquila «eine Hilfe, seinesgleichen». Eine Frau kann in vieler Weise helfen und ist für Gott in Seinem so wichtigen Werke, das sich noch heute in der Welt fortsetzt, ein überaus nützliches Werkzeug. Gott gibt uns hier den Beweis dafür. Priska bildete einen auffallenden Gegensatz zu Isebel, die für Ahab eine Ratgeberin im Bösen war.
Hand in Hand haben die beiden, vielleicht während des Aufruhrs in Ephesus, ihren eigenen Hals preisgegeben. Sie hätten sich in völliger Übereinstimmung für ihn geopfert. Gott konnte nicht mehr verlangen. Aber Er hat ihnen das Leben bewahrt. Doch ist es uns erlaubt anzunehmen, dass sie beide die Krone des Lebens empfangen werden. Die Versammlungen schulden ihnen viel, denn der Apostel blieb ihnen durch diese beiden erhalten. Daher sind ihnen alle Versammlungen der Nationen zu Dank verpflichtet.
Aus dem fünften Verse ersehen wir, dass sich die Versammlung in ihrem Hause befand. Vier Personen haben nach dem Bericht des Neuen Testamentes diesen Dienst erfüllt, aber Priska und Aquila werden im Zusammenhang mit dieser Aufgabe zweimal erwähnt: In unserem Kapitel und in 1.Korinther 16,19. Auch Gajus hatte diese kostbare Aufgabe (V. 23 unseres Kapitels), Nymphas (Kol. 4,15) und Philemon.
Die Versammlung ist wie ihr Meister: Sie hat Mühe, eine Unterkunft zu finden. Als der Herr Jesus auf der Erde war, sagte Er: «Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er das Haupt hinlege.»
Nun gelangen wir zur dritten Klasse. Paulus nennt Epänetus «meinen Geliebten, welcher der Erstling Asiens ist für Christum» (V. 5).
«Erstling» will sagen, der bessere oder der erste Teil.
Die in einer Gegend als Erste bekehrt werden, haben oft viel zu leiden. Die Nachfolgenden haben es gewöhnlich leichter, und Gott, der damit Rechnung hält, wird es nicht vergessen.
Aber es ist uns erlaubt, aus diesen kurzen Ausdrücken noch einen anderen Schluss zu ziehen: Es gibt in der Geschichte des Zeugnisses verborgene Helden, die Christus kennt. Wir finden den Namen des Epänetus nur dieses eine Mal. War er ein Evangelist? Wir lesen nichts davon. Gab es durch seinen Dienst Bekehrungen? Die Schrift schweigt darüber, War er Hirte, Lehrer oder Prophet? Das Wort erwähnt es nicht.
Ein armer Kranker hat auf seinem Bette vielleicht jahrelang für eine Gegend gebetet. Gott hat, um auf diese Gebete zu antworten, Arbeiter dorthin senden müssen. Ihre Namen sind bekannt, es gibt Bekehrungen, aber das Hauptwerkzeug dieses Werkes, dieser arme Kranke, bleibt unbekannt. Der gerechte Richter wird dies an Seinem Tage zur Verwunderung aller offenbaren. Es ist unmöglich, dass er immer im Schatten bleiben wird.
Ich kenne eine Versammlung, wo alles gut vorangeht. Ich besuchte dort eine arme, alte Schwester, die durch ihr hohes Alter und ihre Schwachheit ans Haus gebunden ist. Im Laufe der Unterhaltung sagte sie mir: «Während der Nacht kann ich nicht schlafen; aber dann denke ich viel an Afrika.» Diese Worte machten mir grossen Eindruck, und ich redete mit einem Bruder jener Versammlung darüber. Er antwortete mir: «Darüber brauchen Sie sich nicht zu verwundern; diese Schwester ist es, die hier das Niveau der Versammlung aufrecht hält.»
«Grüsst Maria, die sehr für euch gearbeitet hat» (V. 6). Wieder eine Frau! Sie hatte nicht in der Versammlung gepredigt, die Schrift gab ihr keine Vollmacht dazu. Aber sie hatte für die Heiligen gearbeitet, zweifellos durch ihre Gebete oder durch irgendeine andere Tätigkeit, worüber der Heilige Geist Stillschweigen bewahrt. Doch auch das wird der Herr an Seinem Tag offenbar machen, dann, wenn Er einem jeden nach seinen Werken geben wird.
«Viel gearbeitet» ist der Beweis davon, dass es auch viel Arbeit gibt. Maria hat in hohem Masse zum Segen dieses Zeugnisses beigetragen.
Phöbe war besonders darin bevorzugt gewesen, dass Gott sich ihrer bedient hatte um diesen Brief, so voll nützlicher Ermunterungen, einer Versammlung zu bringen, die für die Arena Neros einen grossen Anteil von Märtyrern liefern sollte. Um den Philipperbrief zu überbringen hatte Gott hingegen einen Mann benützt. «Maria hat viel gearbeitet für euch.» Sie hat durch ihre Arbeit zum geistlichen Fortschritt derer beigetragen, die ihr Zeugnis für Christum durch ihr Blut besiegeln sollten.
«Grüsst Andronikus und Junias» (V. 7). Das waren Verwandte des grossen Apostels der Nationen, aber auch Genossen seiner Gefangenschaft, die, jeder in seinem Teil, die Leiden eines Gefangenen mit ihm geteilt hatten. Auch sie hatten sich wohl der Worte des Gefangenen Jesu Christi erinnert, die er den Hebräern schrieb: «Gedenket der Gefangenen als Mitgefangene» (Kap. 13,3). Diese beiden Männer waren bei den Aposteln angesehen, und jeder von ihnen war verantwortlich, die ihm von Gott gegebene Gabe auszuüben. Der Herr wird den Lohn nicht entsprechend der Bedeutung der Gabe austeilen, sondern im Blick auf die Treue, mit der diese Gabe ausgeübt worden ist.
Es war nicht nötig, diesen beiden Brüdern zu sagen: «Sieh auf den Dienst, den du im Herrn empfangen hast, dass du ihn erfüllest», oder: «Vernachlässige nicht die Gnadengabe in dir.» Diese Männer haben sich unter den Aposteln ausgezeichnet. Wir hören nur dieses eine Mal von ihnen reden, und der Apostel fügt noch bei: «Sie waren vor mir in Christo.» Welch glückliches Teil besitzen die, welche schon früh bekehrt worden sind, die einen guten Gebrauch von ihrer Zeit gemacht haben und lange im Dienste ihres Meisters bleiben durften!
Nach dieser ganzen Reihe von Personen, die eine grosse Tätigkeit entfaltet haben, finden wir Amplias, den der Apostel «meinen Geliebten im Herrn» nennt (V. 8). Aber nichts anderes wird über ihn ausgesagt, und das Schweigen im Blick auf ihn hält an, seitdem dieser Brief geschrieben worden ist. Gehörte er zu den Untätigen, die der Apostel nicht loben konnte und die ihr Leben und ihre Kronen verlieren? Das ist ein ernster Gedanke, möge ein jeder ihn vor Gott sorgfältig erwägen.
«Grüsst Urbanus, unseren Mitarbeiter in Christo, und Stachys, meinen Geliebten» (V. 9). Weshalb grüsste der Apostel diese beiden miteinander? Ich denke, weil es zwei Freunde waren, die vielleicht zusammen wohnten und miteinander arbeiteten.
«Apelles» ist bewährt in Christo (V. 10). Die Anerkennung Christi bezüglich des Wandels und des Dienstes zu haben, ist eine sehr wichtige Sache. Die Wertschätzung von Seiten der Brüder bedeutet viel, aber die des Herrn, alles.
Hatte sich dieser Bruder in irgendeiner Schwierigkeit befunden, worin er in seinem Verhalten nicht die Billigung aller genoss? Ich wage es nicht zu sagen. Aber die Türe öffnet sich hier zu mancherlei Vermutungen, und der Herr scheint uns zu sagen: «Ich anerkenne seine Weise im Handeln oder im Urteilen.»
Der Apostel schrieb Timotheus: «Befleissige dich, dich selbst Gott bewährt darzustellen als einen Arbeiter» (2.Tim. 2,15).
In diesem zehnten Verse lässt er auch die von Aristobulus' Hause grüssen. Aber dann folgt ein Punkt. Keine Namen, Schweigen! Das dünkt mich feierlich ernst.
Auch Herodion war ein Verwandter des Apostels. Aber welch ein Gegensatz zu den im Verse 7 Genannten! Es ist ein grosses Vorrecht, einen Apostel zum Verwandten zu haben oder einen bedeutenden Bruder, der im Werke arbeitet, zugleich aber auch eine grosse Verantwortung. Im Allgemeinen sagt man immer Gutes von seinen Verwandten; aber hier fügt der Apostel nichts bei. Wir haben hier die Waage des Heiligtums. Der Satz schliesst hier ab und es folgt wiederum ein bedeutsames Schweigen.
«Grüsst die von Narcissus' Hause, die im Herrn sind.» Der Apostel fügt nichts hinzu, aber er erwähnt ihre Stellung. Es besteht ein grosser Unterschied zwischen der Stellung des Menschen in Adam und der des Menschen in Christo. Dieses Thema läuft durch die ganze Schrift hindurch.
«Grüsst Tryphäna und Tryphosa» (V. 12). Zwei Schwestern, die in die Bresche getreten sind und in der richtigen Weise arbeiteten: Sie taten es «im Herrn». Eine solche Arbeit ist nicht umsonst.
Der Meister hatte die Seinen einst zu zwei und zwei ausgesandt, und die Vorteile, zu zweit zu sein, wurden schon im Alten Testament hervorgehoben. Salomo sagte einst: «Zwei sind besser daran als einer, denn wenn sie fallen, so richtet der eine seinen Genossen auf.» Aber, um zusammen zu arbeiten bedarf es in mancherlei Hinsicht auch grosser Demut. Da muss jeder dem andern Konzessionen machen und es braucht dazu grosse Abhängigkeit vom Herrn. Aber die Sache lässt sich ausführen, und diese beiden Schwestern hier sind ein Beweis dafür. Sie werden beim Herrn miteinander die Frucht der gemeinsam geleisteten Arbeit geniessen. Um nach dem 133. Psalm leben zu können, muss man zuerst Psalm 131 verwirklichen.
«Persis, die Geliebte, hat viel gearbeitet im Herrn.» Das bezieht sich auf die Vergangenheit. Im Augenblick, wo diese Zeilen geschrieben wurden, war sie ohne Zweifel eine betagte Schwester. Welche Weisheit von Seiten des Paulus! Er sagt nicht: «Meine Geliebte»; es war die Geliebte der Versammlung.
Viel gearbeitet zu haben ist kostbar, aber der Ausdruck «im Herrn» ist das Siegel Gottes auf ihre ganze Tätigkeit, die Er anerkennen kann.
«Rufus, der Auserwählte im Herrn» (V. 13). Das ist ein bemerkenswerter Titel. Ist dies derselbe Rufus, wie der in Markus 15,21? Wir können es vermuten, aber nicht bestätigen. Sein Vater Simon war Kyrenäer, vielleicht ein Sklave. Markus sagt uns, dass er vom Felde kam, als der Sohn Gottes sich mit dem Kreuze zur Schädelstätte schleppte. Welche Weisheit in den Wegen der Vorsehung Gottes! Es war eine sehr frühe Stunde, um vom Felde heimzukehren, und Der, welcher unser Kommen und Gehen kennt, fügte es, dass Simon gerade in diesem Augenblick vorüberging. Die Römer zwangen ihn, das Kreuz zu tragen. Lukas sagt: «Sie legten das Kreuz auf ihn, um es Jesu nachzutragen» (Kap. 23,26). Markus sagt von ihm: «Der Vater Alexanders und Rufus.» Das legt uns die Vermutung nahe, dass diese im Augenblick, als Markus diese Dinge schrieb, zwei unter den Christen bekannte Brüder waren. Hier, ohne zu wissen weshalb, finden wir Rufus in Rom.
«Und seine und meine Mutter.» Welch kostbarer Dienst! - Es werden in diesem Kapitel verschiedene Dienste, die dem Apostel erwiesen wurden, erwähnt: Phöbe war ihm ein Beistand; Priska und Aquila waren seine Mitarbeiter, die ihren Hals für ihn preisgegeben hatten; und hier finden wir eine «Mutter» für den grossen Apostel der Nationen. Welch tiefe Zuneigung wird doch durch dieses kleine Wort zum Ausdruck gebracht! Welche Fürsorge Welche Zärtlichkeit! Der Apostel erwähnt seine Verwandten dreimal. Aber da war nur eine Mutter!
Wir schliessen diese Betrachtung und bitten die Leser, die Lektüre dieses Kapitels in Abhängigkeit vom Herrn fortzusetzen.
In den Versen 17-19 werden solche genannt, die anderen zur Übung waren.
Aus dem 22. Verse geht hervor, dass Tertius den Brief schrieb und die Versammlung grüsste. Auch das wird nicht vergessen.
Gajus (Vers 23) beherbergte den Apostel und die Versammlung. Welch wichtiger Dienst und wie kostbar war er für das Herz Christi! Dann ist da auch noch Quartus zu erwähnen. Dieser Mann wäre unbekannt geblieben, wenn er nicht Tertius, der den Brief schrieb, aufgetragen hätte, die Versammlung für ihn zu grüssen; ein Beweis seiner Liebe für die Heiligen.
In dieser zerteilten Welt, erfüllt von Hass, von Feindschaft der Rassen, der Sprachen und der Religionen, hat der Herr durch das Evangelium in vielen Herzen gewirkt und sich eine einzige Familie gebildet aus Menschen aller Klassen, die eine wunderbare Liebe zu Ihm hin versammelt und zu denen Er gesagt hat: «Liebet einander!»
Möge Gott diese Gedanken an uns segnen und uns ermuntern, Sein Wort mit Gebet zu studieren!