Abraham lebte durch Glauben - 3
Halte fest Jahrgang 1971 - Seite: 25
Der Glaube Abrahams wächst
Seit den in 1. Mose 21 erzählten Ereignissen ist im Leben des Patriarchen eine lange Zeit verstrichen, von der uns nichts berichtet wird. Doch ist in aller Stille Bedeutendes geschehen: Auf Grund der uns in Kapitel 22 mitgeteilten Begebenheiten können wir schliessen, dass Abraham inzwischen grosse geistliche Fortschritte gemacht hat und dass sein Glaube gewachsen ist.
Dies lässt sich dadurch erklären, dass er in seinem Herzen und in seinem Hause zwei Hindernisse, die dem Wachstum entgegenstanden, beseitigt hat. Wir wollen sie noch einmal erwähnen:
- Er hatte in seinem Herzen die Sünde der Leugnung seiner wahren Beziehung zu Sara jahrelang gerechtfertigt. Dann aber sah er sie in ihrem wahren Lichte, legte ein volles Geständnis ab und säuberte so die Zelle des Unglaubens in seinem Herzen.
- Er hatte Ismael, diese Frucht der Wirksamkeit des Fleisches, aus dem Hause vertrieben. Nun konnte sich Isaak, der nach dem Geiste Geborene, also das, was Gott gewirkt hatte, ungestört entfalten.
«Nach diesen Dingen» geschah es, dass Abraham durch Gottes Gnade Fortschritte machte. Er war jetzt in einem Zustand, in welchem ihn Gott einer grossen Versuchung unterziehen konnte.
Das alles ist auch sehr wichtig für uns. Wir haben wohl alle den Wunsch, dem Herrn mit tieferer Hingabe anzuhangen und Ihm mit grösserer Treue nachzufolgen. Wir bitten Ihn mit Ernst darum. Aber vielleicht kommt die Antwort in der Weise, dass Er die Frage an uns richtet: «Ist in deinem Herzen nicht noch eine ungerichtete Wurzel der Sünde bestehen geblieben? Sind in deinem Hause nicht Dinge, die das Fleisch hineingebracht hat und die zu weiterer Wirksamkeit des Fleisches Anlass geben?» Möchten auch wir uns prüfen und alles richten und hinwegtun, was unser geistliches Wachstum hindert!
Er wird von Gott versucht
In Jakobus 1 werden zweierlei Arten von Versuchungen erwähnt:
Da sind Versuchungen zur Sünde. Diese können nicht von Gott sein. Sie kommen von der Welt, von Satan, und führen zum Fall, wenn der Gläubige aus Unwachsamkeit von der eigenen Lust fortgezogen und gelockt wird.
Dagegen sollen wir es «für lauter Freude achten», wenn wir in mancherlei Versuchungen fallen, die Gott über uns bringt: Schwierigkeiten, Prüfungen und Trübsale, wodurch unser Glaube erprobt wird. Wer sie besteht, macht Erfahrungen von Gottes Treue und Durchhilfe; er erlangt schon hier grössere Segnungen und am Tage der Offenbarung Jesu Christi Lob und Herrlichkeit. So sagt Petrus: «Die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es nötig ist, betrübt seid durch mancherlei Versuchungen, auf dass die Bewährung eures Glaubens, viel köstlicher als die des Goldes, das vergeht, aber durch Feuer erprobt wird, erfunden werde zu Lob und Herrlichkeit bei der Offenbarung Jesu Christi» (1. Petr. 1, 6-7).
«Nach diesen Dingen», von denen die vorangegangenen Kapitel berichten, geschah es, dass Gott den Abraham versuchte. Lasst uns im Zusammenhang mit unserem Thema jetzt nicht so sehr an den vorbildlichen Charakter der in 1. Mose 22 geschilderten Szene denken (obwohl jener Gegenstand weit erhabener ist), sondern uns damit beschäftigen, was diese Geschehnisse für Abraham bedeuteten.
Plötzlich, unvermutet war für den Patriarchen die grosse Prüfung da. Im genau bedachten Augenblick sprach Gott zu ihm: «Abraham!… Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und ziehe hin in das Land Morija, und opfere ihn daselbst als Brandopfer auf einem der Berge, den ich dir sagen werde» (V. 1.2).
Musste dieser Befehl nicht ein scharfer Schlag sein für Abrahams Herz, der ihm fast den Atem verschlug? Er weiss, es war Gottes Stimme. Nun schweigt sie, und er ist wieder allein. Allein mit seinen aufgeschreckten Gedanken und Empfindungen? Ach nein! Als Mann des Glaubens, ist er gewohnt, alles mit Gott zu besprechen. Er muss auf seine Knie gesunken sein. Da, in der Stille vor Gott, ordnet er seine Überlegungen, die sich in seinem Innern jagen. Zu welchen Schlüssen wird er da gekommen sein?
- Fünfundzwanzig Jahre habe ich auf Isaak, meinen «einzigen» Sohn der Verheissung warten müssen. Aber er ist gekommen. Gottes Verheissungen sind treu. Und er hat mir noch mehr versprochen: «In Isaak soll dir ein Same genannt werden.» Auch diese mir ausdrücklich gegebene Zusage Gottes wird Er erfüllen. Er ist ja nicht ein Mensch, dass Er lüge! Und diesen Isaak soll ich opfern? Ha, da gibt es nur einen Ausweg: Der mir in Isaak die Verheissung gab, wird ihn mir wieder zurückgeben. Es kann nicht anders sein. Gott vermag ihn sogar aus den Toten zu erwecken. Die Ehre Jehovas und die Treue Seines Wortes stehen auf dem Spiel! -
Da fasst der greise Vater den schweren Entschluss: Ich gehorche! Er sagt nicht nur «hier bin ich!», er geht auch. Zwar fehlt ihm zur Ausführung dieses Werkes jede Kraft, aber wer Gott gehorcht, darf sich voll und ganz auf Dessen Kraft verlassen.
Die Reise nach dem Berge Morija
Er überlegt die Vorbereitungen für die Reise. Ist es angezeigt, dass er Sara, die Mutter Isaaks, in sein Vorhaben einweiht? Er kann ihr wohl nicht mehr mitteilen, als was er zu den beiden Reisebegleitern sagt: «Ich und der Knabe wollen bis dorthin gehen und anbeten und dann zu euch zurückkehren.» Wenn Gott uns einen Weg gehen heisst, ist es gefährlich, «mit Fleisch und Blut zu Rate zu gehen», mit solchen, die uns auf dem Wege des Glaubens aufhalten könnten.
Auch zaudert er nicht, denn dadurch hätte er dem Ungehorsam Tür und Tor geöffnet. «Und Abraham stand des Morgens früh auf und sattelte seinen Esel, und nahm mit sich zwei von seinen Knaben und Isaak, seinen Sohn; und er spaltete Holz zum Brandopfer» - er möchte nicht durch Mangel an Brennholz am Ziel der Reise an der Ausführung des Auftrages gehindert werden - «und machte sich auf und zog hin an den Ort, den Gott ihm gesagt hatte» (V.3).
Die Reise dauert drei lange Tage und viele Stunden, die tiefe Herzensübungen mit sich bringen: Wann und wie soll er es Isaak sagen? Und dann, wie schwer wird es ihm werden, die Hand gegen den eigenen Sohn zu erheben, wenn er auch nicht zweifelt, dass Gott ihn lebendig «aus dem Tode» zurückgeben wird! Gott räumt die Schwierigkeiten auf dem Glaubenspfade nicht weg, aber gibt für jeden Schritt Weisheit, Mut und Kraft. Abraham hielt seinen Blick in Glaubenseinfalt auf Gott und nicht auf die Umstände gerichtet. Darum konnte er da auch für uns Beispiel und Ansporn werden, das auszuführen, was Gott uns aufträgt, koste es, was es wolle!
Endlich, «am dritten Tage, da erhob Abraham seine Augen und sah den Ort von ferne». Nun liess er die beiden Knechte zurück. Auch sie sollten ihn an seiner Glaubenstat nicht hindern. Und so legte er das Holz des Brandopfers auf Isaak; in seine Hand aber nahm er das Feuer und das Messer.
Wie schön ist der Ausdruck: «Sie gingen beide miteinander», angewandt auf diesen Vater und seinen Sohn! Wie spricht er von gegenseitiger Liebe und gegenseitigem Vertrauen! Er wird zweimal vor und einmal nach Morija gebraucht (V. 6.8.19). Das ganze schwere, an das Herz greifende Geschehen dort oben konnte dem Sohn den Vater nicht entfremden. Auch nachher gingen sie noch - und erst recht - miteinander. Diese tiefe Glaubenserfahrung auf den Wegen Gottes hat die beiden nur umso enger miteinander verbunden. - Fürchten auch wir Eltern uns im Blick auf unsere Kinder nicht, Gott zu gehorchen! Er selbst übernimmt dann die Verantwortung für die Folgen.
Dies kann auch für sie selbst eine gesegnete Erfahrung werden.
Unterwegs stellt Isaak die Frage: «Mein Vater! … Siehe das Feuer und das Holz; wo aber ist das Schaf zum Brandopfer?» Noch immer sagt ihm Abraham nicht alles, sondern nur: «Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer, mein Sohn.» Wie hatte dieses Wort doch eine so tiefe prophetische Bedeutung! Es wurde angesichts des Berges ausgesprochen, auf dem einst das Lamm Gottes geopfert werden sollte (vgl. 2. Chron. 3,1).
Die «Opferung» Isaaks
So wie Abraham seinen Eingeborenen «durch Glauben» dargebracht hat (Hebr. 11, 17), so können auch wir die ganze Szene auf dem Berge Morija nur «durch Glauben» verstehen. Sonst erschiene er uns als ein Ungeheuer, der ein Kindesopfer darbringen will, wie die Heiden, die in der alttestamentlichen Zeit bei bestimmten Anlässen eigene Kinder dem Moloch verbrannten. Wie oft muss der Gläubige im Gehorsam gegen Gott Wege beschreiten, die der Unglaube nicht begreift.
Abraham geht bis zum Äussersten. «Er band seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar oben auf das Holz. Und Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.» Jehova hat die beiden auf ihrem schweren Wege von Anfang an begleitet und - wir dürfen wohl sagen - mit Verwunderung zugesehen, wie sich der Glaube Abrahams zu seinem Höchstmass entfaltete, ähnlich, wie sich der Herr Jesus über den grossen Glauben des römischen Hauptmanns verwunderte (Luk. 7, 9). Abraham war im Begriff, seinen Sohn, seinen einzigen, den er lieb hatte, den Isaak, Gott zu opfern. Damit erbrachte er den Beweis, dass der Herr in seinem Herzen den ersten Platz hatte und seiner völligen Hingabe an Ihn.
«Da rief ihm der Engel Jehovas vom Himmel zu und sprach: Abraham, Abraham! Und er sprach: Hier bin ich! Und er sprach: Strecke deine Hand nicht aus nach dem Knaben, und tue ihm gar nichts!» Die äusserste Grenze der Versuchung war erreicht. Die Probe war bestanden. Gott konnte ihm jetzt zurufen: «Denn nun weiss ich, dass du Gott fürchtest und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast.» - Auch bei uns sucht er Beweise solchen Gehorsams und solcher Hingabe. Wie erfreuen und ehren sie Ihn!
Jetzt findet das Wort Abrahams an Isaak eine vorläufige Erfüllung: «Und Abraham erhob seine Augen und sah, und siehe, da war ein Widder dahinten im Dickicht festgehalten durch seine Hörner; und Abraham ging hin und nahm den Widder und opferte ihn als Brandopfer an seines Sohnes Statt. Daher gab Abraham dem Orte den Namen: Jehova wird ersehen.» Dieser Widder ist nur ein schwacher Schatten von dem vollkommenen Opfer, das Gott, der Vater, viele Jahrhunderte später auf demselben Berge selbst darbringen würde. Er hat Jesum Christum zuvor als Lamm Gottes erkannt, «vor Grundlegung der Welt», um Ihn «am Ende der Zeiten» auf dem Kreuze zum Heile der Menschen und als Grundlage aller ihrer Segnungen zu opfern. Gott, der Vater und der Sohn gingen von der Ewigkeit her «beide miteinander». Im Gegensatz zu Isaak wusste der Sohn, was seiner wartete und Er selbst gab sich für uns hin «als Darbringung und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch» (Eph. 5, 2).
Was Abraham vom Berge mitnahm
In dieser schrecklichen Prüfung hat Abraham gezeigt, dass er sich ganz auf Gottes Wort verliess und sich durch alles hindurch auf die Erfüllung Seiner Verheissung bezüglich Isaaks stützte (vgl. Hebr. 6, 12-15).
Nachdem er die von Gott auferlegte Versuchung bestanden hatte, trug er einen unermesslichen Gewinn davon. Nicht nur bewirkte sie bei ihm vermehrtes Ausharren (Jak. 1, 3), eine tiefere Erfahrung Gottes und ein verstärktes Vertrauen in Sein Wort, sondern brachte ihm Segnungen, die alle bisherigen weit überstiegen: «Und der Engel Jehovas rief Abraham ein zweites Mal vom Himmel zu und sprach: Ich schwöre bei mir selbst, spricht Jehova, dass, weil du dieses getan und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, ich dich reichlich segnen und deinen Samen sehr mehren werde, wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist; und dein Same wird besitzen das Tor seiner Feinde; und in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde; darum dass du meiner Stimme gehorcht hast» (V. 15-18).
Schon früher gab Er ihm ähnliche Verheissungen (siehe 1. Mose 12, 2-3; 13, 16; 15, 5; 17, 5.6; 18, 18), aber diese hier geht viel weiter; denn sie verspricht ihm den Samen, also Christum selbst (Gal. 3, 16). In Ihm will Gott den Glaubenden die höchsten irdischen und himmlischen Segnungen schenken, die Er zu geben hat, und diese Verheissung - beachten wir es - bringt Gott damit in Zusammenhang, «dass du meiner Stimme gehorcht hast».
So ist uns Abraham hier ein anspornendes Beispiel zum treuen Gehorsam gegen Gott und zu ganzer Hingabe an Ihn. Er und Isaak, den er «im Gleichnis aus den Toten empfing», zogen miteinander und reich gesegnet nach Beerseba zurück.
Sara stirbt (1. Mose 23)
Seit dem tiefgreifenden Erlebnis auf dem Berge Morija sind viele Jahre vorübergegangen. Sara ist jetzt hundertsiebenundzwanzig Jahre alt. Mehr als sechzig Jahre lang durfte sie mit Abraham auf dem Pfade des Glaubens vorangehen. Sie konnten jetzt auf ungezählte, gemeinsam erlebte Erfahrungen der Treue und der Güte Gottes zurückblicken. Ihr Glaube an einen unsichtbaren Gott hatte sichtbare Früchte gezeitigt. Gewiss, dieser Glaube war ganz persönlich; aber wenn er sich bei dem einen in Worten und Werken kundgab, so wurde dadurch auch der andere ermuntert und angespornt. So bewahrheitete sich bei ihnen das Wort des Predigers: «Zwei sind besser daran als einer, weil sie eine gute Belohnung für ihre Mühe haben; denn wenn sie fallen, so richtet der eine seinen Genossen auf» (4, 9.10).
Und nun stirbt Sara. Gott, der uns hienieden «über all sein Tun keine Antwort gibt», setzt zu dem von Ihm bestimmten Zeitpunkt ihrem Leben ein Ende. Durch den Tod werden die Bande gelöst, die Gott zum Guten des Menschen selber geknüpft hat. Die Beziehungen zwischen Sara und dem Gatten sind nun völlig abgebrochen. Für Abraham bleibt nur noch die Erinnerung. Sie muss ihn allein weiterziehen lassen und darf die Verheiratung Isaaks nicht mehr erleben. (Die prophetische Bedeutung dieser Tatsache wollen wir in einem Schlusskapitel kurz berühren.)
«Und Abraham kam, um über Sara zu klagen und sie zu beweinen.» Den Menschen, mit dem er so manche Jahrzehnte vertraute Lebens- und Glaubensgemeinschaft pflegte und der ein Teil von ihm war, durch den Tod hergeben zu müssen - wenn auch nur für diese Zeit - war für ihn ein tiefer Schmerz. Wie gut, dass der Herr über Leben und Tod mit dem Trauernden vollkommen mitempfindet. «Jesus vergoss Tränen», als Er Maria und die Juden wegen Lazarus weinen sah, der gestorben war, und empfand dabei die Realität des Todes noch viel tiefer als sie. Zu keinem der Trauernden, denen Er auf Seinen Wegen begegnete, sagte Er «weine nicht!», als nur zu der Mutter des Jünglings zu Nain, weil Er im Begriff war, ihn aufzuerwecken und ihn der Witwe zurückzugeben. So hat Gott vollkommenes Verständnis und Mitgefühl für den Trauernden, aber auch göttlichen Trost, indem Er ihm die Tatsachen vorstellt, die über den Tod hinausgehen.
Abraham erhebt sich weg von seiner Toten
Was gibt ihm die Kraft dazu?
Abraham richtet seinen Blick auf den Gott der Auferstehung. Wie schon bei der Opferung Isaaks, bezüglich seines Sohnes, traut er es Ihm jetzt zu, dass Er Sara aus den Toten zu erwecken vermöge (Hebr. 11, 19). Im Glauben sieht er seine Frau inmitten seines Samens im verheissenen Lande auferstehen.
Jetzt schon frohlockt er, einmal den Tag Christi sehen zu dürfen (Job. 8, 56), an welchem die Erde der Hand des Feindes entrissen und das Land Kanaan der bleibende Besitz seines Samens sein würde.
Ja, noch höher hinauf erhebt er im Glauben seine Augen: «Er erwartete die Stadt, welche Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.» Auch er trachtet nach einem besseren, das ist himmlischen Vaterland (Hebr. 11, 10.13-16).
Diese «Hoffnung der Seligkeit» hatte Abraham wie einen «Helm» angezogen (1. Thess. 5, 8). Sie schützte ihn vor den Gedanken der Menschen, die noch in der Finsternis waren, und hatte praktische Auswirkungen: Wegen dieser Hoffnung «hielt er sich auf in dem Lande der Verheissung, wie in einem fremden, und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheissung». Und jetzt, am Tage der Trauer, bewirkt sie, dass er nicht in der Weise betrübt wird, «wie die übrigen, die keine Hoffnung haben», die im Grabe alles vergehen und verwesen sehen, was der Verstorbene war.
Auch wir erleben an manchem Totenbett den Abbruch zarter Bande, die Gott zum Glück des Menschen geknüpft hat. Wir Christen müssen mit der Menschheit diese Folge der Sünde teilen, aber unsere Blicke sind auf das Ewige gerichtet. Wir folgen unseren Heimgegangenen im Geiste dahin, wo sie jetzt sind, ausserhalb der Szene des Todes. Wir sehen in ihrem entseelten Leibe nichts anderes als den Samen des Herrlichkeitsleibes, der noch heute auferstehen könnte. Die Trauer um unsere Toten darf uns nicht die himmlischen Dinge verhüllen. Im Gegensatz zu Abraham haben wir nun den Trost und die Hoffnung, dass wir heute schon mit den in Christo Entschlafenen beim Herrn vereinigt werden könnten, und dass unsere Heimgegangenen jetzt schon Seine Gegenwart geniessen. In den Tagen Abrahams war der Tod noch nicht überwunden; jetzt aber hat Jesus Christus den Tod zunichte gemacht, aber Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht durch das Evangelium.
Abraham kauft im Lande der Verheissung ein Erbbegräbnis
Wo soll er nun seine Tote begraben? Gott gab ihm ja in diesem Lande kein Erbe, «auch nicht einen Fuss breit»; Er verhiess nur, «es ihm zum Besitztum zu geben und seinem Samen nach ihm» (Apostelg. 7, 5). In ihrem Leben hatten sie ihren Glauben dadurch kundgetan, dass sie sich in dem verheissenen Lande als Fremdlinge aufhielten. Wo aber soll ihr Leib ruhen, wenn sie sterben? Wie können sie da ihrem Glauben Ausdruck geben? Dadurch, dass sie in einem Grabe der Kinder Heths beigesetzt werden, als ob sie zu ihnen gehörten? Waren diese, wie alle Völker des Landes, nicht um ihrer Ungerechtigkeit willen dem Untergang geweiht? (Vgl. 1. Mose 15, 16-21).
Abraham weiss, was er tun muss. Er will sich als Fremdling im Lande, das sein Same besitzen wird, ein Erbbegräbnis kaufen und so auch im Tode bezeugen, dass er auf die Erfüllung der Verheissung hofft.
So tritt er denn mit seinem Anliegen vor die Kinder Heth. Weil sein Glaube den Verheissungen Gottes grosse Bedeutung beimisst, unternimmt er diesen Schritt mit grosser Feierlichkeit, Dabei will er die gegenwärtigen Gefühle dieser Menschen für ihn nicht ausnützen, sondern benimmt sich äusserst korrekt und sucht die Angelegenheit in praktischer Gerechtigkeit zu ordnen. Der Glaube zeigt sich auch im Verkehr mit den Mitmenschen. Weil er in allem Gott hineinbringt, ist das Ich gerichtet, das sich so gern durch Hochmut und Selbstsucht zu erkennen gibt.
Abraham sagt: «Ich bin ein Fremdling und Beisasse bei euch; gebet mir ein Erbbegräbnis bei euch, dass ich meine Tote begrabe vor meinem Angesicht hinweg.»
Er hat sich durch sein ganzes Leben unter ihnen und durch die ihm von Gott geschenkten Segnungen als Fürst Gottes erwiesen, und sie würden es sich als eine Ehre anrechnen, wenn er seine Tote in einem ihrer auserlesensten Gräber begrübe.
Aber er antwortet: «Leget Fürsprache für mich ein bei Ephron, dem Sohne Zohars, dass er mir die Höhle von Machpela gebe, die ihm gehört, die am Ende seines Feldes ist; um das volle Geld gebe er sie mir zu einem Erbbegräbnis in eurer Mitte.»
Auch das Angebot Ephrons, der ihm die Höhle und das Feld, in welchem sie liegt, schenken will, lehnt er höflich ab und bittet den Hethiter noch einmal, sie ihm zu verkaufen. Schliesslich werden sie einig, und Abraham wägt Ephron das Geld dar, «vierhundert Sekel Silber, gangbar beim Kaufmann».
Die ganze Verhandlung wickelt sich vor den Augen und Ohren der Kinder Heth ab, vor allen, die zum Tore jener Stadt eingehen. Der Patriarch drängt die Versammlung nicht zur Eile, sondern bemüht sich, dass ein in allen Teilen korrekter Kauf zustande kommt. Er feilscht nicht und zahlt mit gangbarem Geld. Er will nicht, dass später Einwände erhoben werden können und ihm die Begräbnisstätte streitig gemacht werden kann.
«So wird das Feld und die Höhle, welche darin war, dem Abraham zum Erbbegräbnis bestätigt von Seiten der Kinder Heth.» Danach begrub Abraham Sara, seine Frau, in dieser Höhle. Später, als auch Abraham starb, begruben Isaak und Ismael auch ihn darin (1. Mose 25, 9. 10). Dort haben sie Isaak ins Grab gelegt und seine Frau Rebekka; dort hat Jakob Lea begraben und auch er wollte, dass man seinen toten Leib dahin bringe (Kap. 49, 28-33), was Joseph unter grossem Geleite zur Ausführung brachte (Kap. 50). Joseph selbst aber wurde nach seinem Ableben einbalsamiert und in eine Lade in Ägypten gelegt. Doch hat er seine Brüder schwören lassen, seine Gebeine von Ägypten in das Land heraufzuführen, das Gott Abraham, Isaak und Jakob zugeschworen hat.
Daher nahm Mose dessen sterbliche Überreste auf die Wüstenreise mit (2. Mose 13, 19), und als das Volk Israel in Kanaan einzog, wurde Joseph dort beigesetzt, nicht in der Grabstätte Abrahams, sondern zu Sichem, denn nun durften sie das ganze Land in Besitz nehmen (Jos. 24, 32).
Den Patriarchen war es also wichtig, im Lande der Verheissung begraben zu werden. Die Gläubigen der Jetztzeit hingegen, die zum himmlischen Volke Gottes gehören, besitzen die herrliche Hoffnung, dass der Herr selbst sowohl die in Ihm Entschlafenen, als auch die noch auf der Erde lebenden Erlösten ins Vaterhaus droben einführen wird. Zum himmlischen Teil des Reiches Christi gehörend, werden wir Ihm gleichförmig gemacht, mit Ihm herrschen und ein anderes herrliches Los haben als die auf der Erde lebenden Kinder Abrahams. In welches Stück Erde die Leiber der Entschlafenen hingelegt werden, ist für uns nicht so wichtig; aber möchte die uns gegebene glückselige Hoffnung uns so beleben, wie die Patriarchen von ihrer Hoffnung erfüllt waren.
Er sendet seinen Knecht, um seinem Sohne eine Frau zu nehmen (1. Mose 24)
Die tiefere Bedeutung der in diesem Kapitel geschilderten Geschehnisse kann eigentlich nur im Zusammenhang mit dem Ablauf der prophetischen Ereignisse erfasst werden, der im Leben Abrahams bildlich dargestellt wird. Diese prophetischen Hinweise sollen ja in einem Schlussabschnitt zusammengefasst werden, doch mag es gut sein, noch einen Augenblick bei den praktischen Belehrungen dieses Kapitels stehen zu bleiben.
Abraham handelt hier für seinen Sohn, der schon vierzig Jahre alt ist (Kap. 25, 20). Im jetzigen Zeitlauf der Welt, in welchem auch die elterliche Autorität abgewertet ist, scheint dies manchem Leser unbegreiflich, und es mag nützlich sein, an einen einfachen Grundsatz des Wortes zu erinnern.
Der junge Mensch, der junge Gläubige wird am Anfang seines Lebensweges vor wichtige Entscheidungen gestellt, deren Auswirkungen sich auf sein ganzes späteres Leben erstrecken, denken wir nur an die Fragen der Ausbildung, an die Berufswahl, an die Gründung eines eigenen Hausstandes. Soll er da, dem heutigen Zeitgeist folgend, alles selber entscheiden, obwohl er mit zwanzig oder dreissig Jahren erst am Anfang seiner Erfahrungen steht? Gottes Wort sagt ihm: «Ehre deinen Vater und deine Mutter (was auch das Hören auf die Eltern miteinschliesst) …, auf dass es dir wohlgehe und du lange lebest auf der Erde» (Eph. 6, 2.3). «Höre, mein Sohn, die Unterweisung deines Vaters, und verlass nicht die Belehrung deiner Mutter!» (Spr. 1, 8). Gewiss, Gott gibt ihm die Verheissung: «Ich will dich unterweisen und dich lehren den Weg, den du wandeln sollst; mein Auge auf dich richtend, will ich dir raten» (Ps. 32, 8). Aber wird Er dabei Sein eigenes Wort übersehen, das den jungen Gläubigen ermuntert, auf den Rat gottesfürchtiger Eltern zu achten, die bestrebt sind, dem Herrn in Treue nachzufolgen?
Abraham, der hier am Ende seines Lebens voller Ereignisse und Erfahrungen mit Gott steht, ist ein solcher Vater. Isaak hat alle Ursache, auf ihn zu hören und ihm zu vertrauen. Seit ihn Gott aus Mesopotamien berufen und in dieses Land übersiedelt hat, ist sein Glaube durch mancherlei Versuchungen erprobt und gefestigt worden. Mehr denn je sind die göttlichen Verheissungen die Wirklichkeiten, auf die er sich stützt und auf deren Erfüllung er wartet. Gott selbst hat ihm und seinem Samen ein herrliches Ziel gesteckt, und von diesem Ziel will er auch im Blick auf seine Nachkommen - unter keinen Umständen abweichen. Er sah für sieh selbst eine grosse Verantwortung darin, «seinen Kindern und seinem Hause nach ihm zu befehlen, dass sie den Weg Jehovas bewahren, Gerechtigkeit und Recht zu üben, damit Jehova auf Abraham kommen lasse, was er über ihn geredet hat» (Kap. 18, 19), und Gott hat diese Haltung völlig anerkannt und gutgeheissen.
In diesem Zusammenhang legt sich nun dem greisen Patriarchen das grosse Problem aufs Herz: Wo ist für Isaak die passende Frau zu finden? Schon zu Noahs Zeiten war es in der Welt üblich, dass Kinder verheiratet wurden (Matth. 24, 38), aber Abraham handelte nicht einfach nur nach diesem Brauch. Sein Hauptanliegen war, dass Isaak mit Frau und Kindern den Weg der Verheissung, «den Weg Jehovas» fortsetzten und bewahrten.
Er lässt den bewährten, gläubigen Knecht seines Hauses, der alles verwaltete, zu sich kommen und sagt zu ihm: «Lege doch deine Hand unter meine Hüfte, und ich werde dich schwören lassen bei Jehova, dem Gott des Himmels und dem Gott der Erde, dass du meinem Sohne nicht eine Frau nehmen wirst von den Töchtern der Kanaaniter, in deren Mitte ich wohne, sondern in mein Land und zu meiner Verwandtschaft sollst du gehen und eine Frau nehmen meinem Sohne, dem Isaak.»
Der Knecht denkt an die Möglichkeit, dass die Tochter Mesopotamien vielleicht nicht verlassen und ihm nicht in das Land Kanaan folgen will, und er stellt die Frage, ob er in diesem Falle Isaak in das Land zurückbringen soll, das Abraham verlassen hat. «Da sprach Abraham zu ihm: Hüte dich, dass du meinen Sohn nicht dorthin zurückbringest!»
Mit einem Eide muss der Knecht versprechen, dass er den Willen seines Herrn in diesen beiden Funkten strikte beachten wird: Er soll Isaak eine Frau aus der Verwandtschaft Abrahams nehmen, die den Namen Jehovas kennt und nicht zu den götzendienerischen Kanaanitern gehört, die Gott austreiben wird. Ferner soll es eine Frau sein, welche die Segnungen und Verheissungen Jehovas so hoch einschätzt, dass sie, wie einst Abraham, bereit ist, Land, Verwandtschaft und Vaterhaus zu verlassen, um diese zu erlangen. Diese geistliche Entschiedenheit Abrahams kam seinem Sohn zugute. Hätte Isaak, auf sich selbst gestellt, mit ebensolcher Entschiedenheit auf diese beiden Voraussetzungen geachtet?
Wie gut, wenn auch heute der junge Gläubige auf den «Rat der Alten» hört und für sich selbst die Entschiedenheit Abrahams beweist, indem er sich nur mit einem Kinde Gottes verbinden will, und zwar mit einem solchen, in dessen Herzen die himmlischen Segnungen den ersten Platz einnehmen.
Wie Gott zu leiten vermag
So zieht der gottesfürchtige Knecht denn hin, um seine schwere Aufgabe auszuführen, die er unmöglich ohne Gottes Hilfe lösen kann. Er weiss, dass er mit ihr rechnen darf, weil er sich auf Gottes Weg befindet, und er unterstellt sich ganz Seiner Führung.
Er kommt mit seiner Karawane in das Land und zu der Stadt Nahors, zu der ihn Abraham gewiesen hat. Bei der Wasserquelle draussen vor der Stadt lässt er die Kamele lagern. Hier ist der Treffplatz der Schöpferinnen. Es ist Abendzeit, und bald werden sie mit ihren Krügen herauskommen.
Nun ist er an dem Punkt angelangt, wo ihm Gott wieder weiterhelfen muss. Hat der Gläubige einen Schritt im Glauben getan, so mag der nächste noch verborgen sein; aber der Herr will ihm Licht geben. Der Knecht handelt hier ganz im Sinne seines Meisters, wenn er sich im Gebet zu Gott wendet und sagt: «Jehova, Gott meines Herrn Abraham, lass es mir doch heute begegnen, und erweise Güte an meinem Herrn Abraham! Siehe, ich stehe bei der Wasserquelle, und die Töchter der Leute der Stadt kommen heraus, um Wasser zu schöpfen; möge es nun geschehen, dass das Mädchen, zu dem ich sagen werde: Neige doch deinen Krug, dass ich trinke, und welches sagen wird: Trinke, und auch deine Kamele will ich tränken, diejenige sei, welche du für deinen Knecht, für Isaak, bestimmt hast; und daran werde ich erkennen, dass du Güte an meinem Herrn erwiesen hast.» Der Gläubige des Alten Bundes erbat sich oft sichtbare Zeichen von Gott, um Seinen Weg zu erkennen; er besass ja noch nicht den Heiligen Geist, der ihn auch ohne solche Zeichen leiten konnte.
«Und es geschah, er hatte noch nicht ausgeredet, siehe, da kam Rebekka heraus, die dem Bethuel geboren worden, dem Sohne der Milka, der Frau Nahors, des Bruders Abrahams», und sie verhielt sich genau so, wie der Knecht es sich im Gebet erfleht hatte, ohne dass sie seine Worte kannte! - Ja, Gott vermag dem, der Seinen Weg gehen will, klare Weisung zu geben. Wir verstehen es, dass der Knecht sich vor Ihm niederwirft und sagt: «Gepriesen sei Jehova, der Gott meines Herrn Abraham, der von seiner Güte und seiner Wahrheit nicht abgelassen hat gegen meinen Herrn! Mich hat Jehova geleitet auf den Weg zum Hause der Brüder meines Herrn.»
Weil der Knecht Abrahams so offensichtlich von Gott geleitet war, wurden auch die anderen Beteiligten davon überzeugt, dass «die Sache von Jehova ausgegangen war», und sie endete damit, dass der Knecht Abrahams schon anderntags aufbrechen und Rebekka dem Sohne seines Herrn zuführen konnte. - Wir sind uns oft zu wenig bewusst, wie der, welcher in wirklicher Abhängigkeit vom Herrn lebt, auch auf andere einen gesegneten Einfluss ausübt!
Isaak führte Rebekka in das Zelt seiner Mutter und hatte sie lieb. So war denn der Entschluss Abrahams, den er im Blick auf Isaak im Glauben gefasst hatte, Wirklichkeit geworden. Die Möglichkeit war nun gegeben, dass auch «sein Haus nach ihm» den Weg der Verheissungen Gottes in Treue fortsetzen konnte.
Die letzten Jahre Abrahams (Kap. 25)
Mit der Verheiratung Isaaks im verheissenen Land, die drei Jahre nach dem Ableben Saras stattfand, hat die eigentliche Lebensaufgabe Abrahams ihren Abschluss gefunden. Dem Patriarchen war es nun noch die grösste Sorge, dass Isaak, den Gott allein zum Samen und zum Erben der Verheissung bestimmt hatte, auch wirklich in den ganzen Segen, den Jehova ihm, dem Vater, gegeben hatte, eintreten konnte. Er «gab dem Isaak alles, was er hatte» (24, 36; 25, 5). Weder Ismael (21, 10) noch die übrigen Söhne, die ihm noch geboren werden sollten, durften das Erbe Isaaks schmälern. Ihnen gab «Abraham Geschenke; und er liess sie, während er noch lebte, von seinem Sohne Isaak wegziehen nach Osten, in das Land des Ostens» (25, 6).
Abraham fühlte sich zwar schon alt und wohlbetagt, als er beschloss, seinem Sohne eine Frau zu nehmen (24, 1), aber noch sollten fünfunddreissig Jahre vergehen, bis er «zu seinen Völkern versammelt» werden würde. Dürfen wir es ihm da verargen, dass er sich wieder verheiratete und ihm noch mehrere Söhne geboren wurden? Auffallend ist jedoch, dass er Ketura, seine rechtmässige Frau, nur als «Kebsweib», als seine «Nebenfrau» betrachtete (25, 6; 1. Chron. 1, 32). Aber weil die Ehe mit Sara mit den Verheissungen Gottes im Zusammenhang stand, hatte sie für sein Herz eine grössere Bedeutung als die einstige Verbindung mit Hagar oder die jetzige Ehe mit Ketura. Die Söhne dieser «Kebsweiber» durften nicht erben mit dem Sohne Saras.
Als nun die Tage der Lebensjahre Abrahams die hohe Zahl von hundertfünfundsiebzig Jahren erreichten, verschied und starb er «in gutem Alter, alt und der Tage satt», ein Ausdruck, der im Worte auch beim Hinschied Isaaks, Davids, des frommen Priesters Jojada und Hiobs gebraucht wird. Dieser beneidenswerte Zustand findet sich nur am Lebensende von Gläubigen, die gelernt haben, auf Gott zu vertrauen (Spr. 28, 25), Seine Güte zu geniessen (Ps. 90, 14) und Seiner zu gedenken (Ps. 63, 5.6). Wer in seinem Leben auf der Erde Gott in dieser Weise kennen gelernt hat, verliert nichts, wenn er die Augen in dieser Welt für immer schliesst. Denn wenn er «erwacht», wird er Sein Angesicht schauen in Gerechtigkeit und wird «gesättigt werden mit Seinem Bilde» (Ps. 17, 15).
Wir haben Abraham nun vom Tage seiner Berufung an bis zum Ende seiner Laufbahn hienieden begleitet. Auf ihn lässt sich das Wort aus Sprüche 4( 18 anwenden: «Der Pfad der Gerechten ist wie das glänzende Morgenlicht, das stets heller leuchtet bis zur Tageshöhe.» Wir gehören nicht zu seinem Samen «vom Gesetz», sondern zu «dem vom Glauben Abrahams» (Römer 4, 16). Möge uns denn sein Leben des Glaubens zur Ermunterung und zum Ansporn sein!