Abraham lebte durch Glauben - 4
Halte fest Jahrgang 1970 - Seite: 142
In der Geschichte Abrahams werden uns manche prophetische Hinweise über die Wege gegeben, die Gott mit den Menschen gehen würde. Damit wir sie uns besser merken können, wollen wir diese Hinweise zum Abschluss der Betrachtung seiner Lebensgeschichte hier kurz zusammenfassen, auch wenn wir bei der Betrachtung der einzelnen Kapitel schon auf einige Punkte näher eingetreten sind.
Das Leben Abrahams lässt sich in drei Abschnitte teilen:
- 1. Teil: 1. Mose, Kapitel 11-14
- 2. Teil: 1. Mose, Kapitel 15-21
- 3. Teil: 1. Mose, Kapitel 22-25
Der zweite und dritte Abschnitt beginnen mit den Worten «nach diesen Dingen». Sie enden alle mit einer Szene, die im Bilde auf die Segensstellung Israels unter den Nationen am Ende der Tage hindeutet.
Erster Teil
Abraham wird herausgerufen (1. Mose 11-13). - Nach dem Fall des Menschen nahm das Verderben auf der Erde überhand, und Gott sah sich gezwungen, ihn durch die Flut von der Fläche des Erdbodens zu vertilgen. Wohl war an einigen Menschen, an Abel, Henoch, Noah usw., ein Werk der Gnade geschehen, aber es war ein verborgenes Werk. Nach der Flut, als die Menschen sich ausbreiteten und das Verderben unter ihnen wieder überhand nahm, änderte Gott Sein Verhalten. Er wollte sie nicht mehr durch eine Flut vertilgen, sondern liess sie zu Geschlechtern, Völkern und Nationen werden, die von Königen, einer von Gott verordneten Obrigkeit, regiert wurden (Röm. 13,1-7). Als aber die Menschen Gottes Ehre beiseite setzten und dem Götzendienst verfielen (vgl. Josua 24, 2), rief Gott Abraham in unumschränkter Gnade aus seiner Verwandtschaft und seinem Lande heraus, damit er auf einem öffentlichen Platz der Absonderung und Verheissung ein Zeugnis sei für Gott und ein Segen für die Menschen. Von da an liess Gott «der gegenwärtigen bösen Welt» ihren Lauf, hielt aber den Grundsatz der Absonderung aufrecht: Er führte Israel zu einem Zeugnis unter den Nationen aus Ägypten heraus, und auch die Versammlung (= Ekklesia oder Herausgerufene) hat Er sich aus der Welt herausgenommen (Gal. 1, 4). Die göttliche Berufung Abrahams auf einen abgesonderten Platz des Segens ist die Wurzel des Ölbaumes (Röm. 11), an welchem Israel «die natürlichen Zweige» darstellt, die aber des Unglaubens wegen ausgebrochen wurden, um für eine Zeit «dem wilden Ölbaum» - dem christlichen Zeugnis, das heute vornehmlich Christen aus den «Nationen» umfasst - Platz zu machen.
Abraham mischt sich in die Schlacht der Könige ein. - Melchisedek erscheint auf dem Schauplatz (1. Mose 14). - Am Ende der Tage wird im Land der Verheissung ein grosser Konflikt stattfinden, in den das schuldige Volk der Juden (vorgebildet in Lot) verwickelt sein wird. Wenn es dann scheint, als würden die Mächte der Welt siegen und Israel auslöschen, wird plötzlich ein Mächtigerer als Abraham in der Macht Gottes dazwischen treten. Unser Herr Jesus selbst wird als König der Könige und Herr der Herren mit Seinen himmlischen Heerscharen in die Kämpfe der Welt eingreifen und den Überrest befreien (Sach. 14; Offb. 19 usw.).
Darauf tritt Jesus Christus als «Priester nach der Ordnung Melchisedeks» in Erscheinung, in welcher Eigenschaft Er uns besonders in Hebräer 7 beschrieben wird. Auffallend ist, dass in 1. Mose 14 von der Person des Melchisedek nur soviel erwähnt wird, als nötig ist, dass sie ein geeignetes Vorbild auf Christus hin sein kann: Melchisedek (= König der Gerechtigkeit) ist auch König von Salem ( König des Friedens); weder sein Anfang noch das Ende seines Lebens sind genannt; er bringt dem vom Kampfe ermatteten Abraham Brot und Wein heraus, segnet den Patriarchen als Priester Gottes, des Höchsten, und Abraham gibt ihm den Zehnten von allem. - Gegenwärtig ist unser Herr doch im Heiligtum des Himmels verborgen. Er verwendet sich in der Gegenwart für die Seinigen, die jetzt «die Versammlung» bilden, als ihr Hoherpriester und Sachwalter vor Gott, gestützt auf das ein für allemal vollbrachte Sühnopfer am Kreuze. - Erst, wenn Er als König die Feinde Israels vernichtet hat, wird Er, der weder Anfang noch Ende der Tage hat, Sein Amt als «Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks» antreten. Als König wird Er ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens aufrichten und als «Priester nach der Ordnung Melchisedeks» wird Er aus dem Heiligtum kommen, um Sein Volk zu segnen und Brot und Wein herauszubringen, also das, was dem Volke zur bleibenden Stärkung und Freude dient. Jetzt ist der Mensch noch Besitzer der Erde und Satan der Fürst der Welt; dann aber wird Christus Himmel und Erde besitzen.
So sind also der siegreiche Abraham und der segnende Melchisedek Schatten auf unseren Herrn Jesus Christus hin, der am Ende der Tage in die Kämpfe der Menschen eingreifen und die Welt zur Ehre Gottes völlig verändern wird.
Zweiter Teil
Nach Abrahams Berufung zum öffentlichen Zeugnis für Gott machte er nun einige persönliche Erfahrungen, die der Heilige Geist - wie wir schon gesehen haben - im Neuen Testament als eindrückliche Bilder verwendet, um wichtige Wahrheiten deutlich zu machen:
«Abraham glaubte Jehova) und er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit» (1. Mose 15, 6). So wie Abraham - im Zusammenhang mit der göttlichen Verheissung - an die Macht der Auferstehung glaubte, die in Gott ist, und ihm dies zur Gerechtigkeit gerechnet wurde, so wird auch heute jeder gerechtfertigt) der «an den glaubt, der Jesum unseren Herrn aus den Toten auferweckt hat» (Röm. 4, 23-25).
Ismael, der Sohn Hagars, der nach dem Fleische Geborene (1. Mose 16), ist nach den Belehrungen von Galater 4 ein Bild des Bündnisses vom Berge Sinai, das zur Knechtschaft gebiert, und von dem Jerusalem zur Zeit des Apostels, das mit ihren Kindern (den Juden) in Knechtschaft war, weil sie unter Gesetz standen. Den Gläubigen Galatern, die doch als Christen zum «Jerusalem droben» gehörten, das frei ist, die aber «unter Gesetz sein wollten», sollte dieses Bild die Augen öffnen für die Vortrefflichkeit ihrer christlichen Stellung und ihnen helfen, diese wiederum einzunehmen.
Bei Abraham und seinem Samen musste alles Männliche beschnitten werden 1. Mose 17). - Diese äusserliche Beschneidung, die mehr als vierhundert Jahre vor dem Gesetz eingeführt wurde, ist Gottes Urteil des Todes über das Fleisch, das aber erst in der «Beschneidung des Christus» (Kol. 2, 11) vollstreckt worden ist für die, welche durch den Glauben mit Ihm verbunden sind. Wir sind mit Christo gekreuzigt, gestorben und begraben, und haben den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen. Aber wir sind auch mitauferweckt und mitlebendig gemacht worden mit Ihm und haben den neuen Menschen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Bilde dessen, der ihn erschaffen hat. Dass wir doch allezeit in der Kraft dieser Wahrheit wandelten!
Jehova besucht Abraham in der Gestalt eines Mannes (1. Mose 18, 1-15). - Wenn uns in den Kapiteln 22-25 des ersten Buches Mose das Werk und die Auferstehung des Sohnes Gottes im Bilde vorgestellt werden, wie auch die Handlungen Gottes, die sich auf diese Tatsachen gründen, so haben wir in diesem 18. Kapitel eine Anspielung auf das Herniederkommen des Sohnes Gottes unter die Menschen und die reiche Gnade, die Seine Gegenwart hienieden begleitete. Diese Szene, in der sich Jehova nach Menschenweise an den Tisch setzt, um zu essen und sich mit Abraham zu unterreden, ist einzigartig im Alten Testament und offenbart die Person dessen, den göttliche Liebe dazu trieb, geboren von einer Frau, als Mensch unter Menschen zu leben.
Gott macht Abraham kund, was Er tun will (Kap. 18, 16-33 und Kap. 19). Er macht ihn zum Mitwisser des bevorstehenden Gerichts über Sodom und Gomorra. Im Gegensatz zu Lot, der in Sodom wohnt, im Tore der Stadt sitzt und meint, auf diese Weise den Menschen, die dem Gericht entgegengehen, von Nutzen sein zu können, hält sich Abraham, abgesondert von der Welt vor Gott auf und tut Fürbitte für den vom Gericht bedrohten Ort. Das Verhalten Abrahams ist für uns Gläubige richtungweisend, denen Gott ebenfalls mitgeteilt hat, welche Gerichte Er in kurzem über die Welt bringen muss. Für uns, die wir «in der Welt», aber nicht «von der Welt» sind, geht es um eine innere Absonderung, gepaart mit einem treuen Zeugnis und eifrigem Retterdienst.
Der Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohne der Freien (1. Mose 21, 1-21). - Als Isaak, der Sohn der Verheissung, geboren war, mussten die Magd und ihr Sohn Ismael hinausgestossen werden. Ein deutliches Bild dafür, dass Gnade und Gesetz nicht verbunden werden dürfen (Gal. 4) und dass nicht alle Nachkommen Abrahams, obgleich dem Fleische nach seine Kinder, Kinder Gottes sind, sondern nur die Kinder der Verheissung (Röm. 9, 6-9).
Abraham pflanzt beim Brunnen Beerseba eine Tamariske (1. Mose 21, 22-34). - Hier, am Ende des zweiten Teils der Lebensgeschichte Abrahams (Kap. 15-21) werden wir, wie am Ende des ersten Teils (Kap. 14), im Bilde in die Zeit versetzt, in welcher die Nationen dem Samen Abrahams gegenüber ihr Verhalten ändern werden. So, wie Abimelech hier erkennt, dass Gott mit Abraham ist und einen Bund mit ihm errichten möchte, so werden in jenen Tagen die Nationen zu den Juden sagen: «Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist» (Sach. 8, 23). Und so, wie hier Abraham bei der wieder in seinen Besitz übergegangenen Quelle Beerseba eine Tamariske pflanzt, so wird Gott für Israel «sein wie der Tau: Blühen soll es wie die Lilie und Wurzel schlagen wie der Libanon» (Hos, 14, 4-8).
Dritter Teil
Abraham hat den Isaak geopfert (1. Mose 22). - Diese Begebenheit stellt eines der schönsten Vorbilder des Alten Testaments dar für das, was Gott in der Fülle der Zeit tun würde. Es ist so bekannt, dass wir uns nur einige Punkte in Erinnerung zu rufen brauchen: Gott hat Seinen eingeborenen Sohn, den Er so sehr liebt, wie wir es uns nicht ausdenken können, schon vor Grundlegung der Welt zum Brandopfer ausersehen und Ihn «am Ende der Zeiten» als das Lamm ohne Fehl und Flecken am Kreuze geopfert, damit Er durch das kostbare Blut Christi Sünder erlösen könne. Er hat Ihn aus den Toten auferweckt und Ihm Herrlichkeit gegeben, auf dass unser Glaube und unsere Hoffnung auf Gott sei (1. Petr. 1, 18-21). Die Szene auf dem Berge Morija, wo Vater und Sohn als der Opfernde und das Opfer miteinander zum Altar gingen, gibt uns immer wieder Stoff zum Nachsinnen und zeigt uns eindrücklich, wie unendlich gross der Preis war, den beide zahlen mussten.
Der Gehorsam Abrahams auf Morija hatte zur Folge, dass Gott ihm einen Samen - in der Einzahl (V. 18, Gal. 3, 16) - verhiess, welcher Christus ist, in welchem nicht nur Israel, sondern auch alle Nationen gesegnet werden würden (Gal. 3, 8). Und dadurch, dass Gott Seinen Sohn dahingegeben hat, ist diese Verheissung Wirklichkeit geworden.
Die vorbildliche Bedeutung des Todes Saras (1. Mose 23). - Nach der Opferung Isaaks, nachdem ihn Abraham «im Gleichnis» aus den Toten auferweckt empfing (Hebr. 11, 19), und vor der Berufung der Braut Isaaks, stirbt Sara. Wenn Hagar das Bündnis des Gesetzes am Sinai darstellt, so ist Sara der Schatten des Bündnisses der Verheissung (Gal. 4), das den Juden nach dem Kreuze durch die Predigt der Apostel vorgestellt wurde (vgl. die ersten Kapitel der Apostelgeschichte). Aber die grosse Masse der Juden verharrte im Unglauben, verwarf das Zeugnis des Heiligen Geistes und steinigte den Stephanus. Deshalb wurde Israel als Volk, vorgebildet in Sara, für eine gewisse Zeitspanne völlig beiseite gesetzt, dafür aber begann nun der auferstandene Herr Seine Versammlung zu bauen, die aus erlösten Juden und Heiden besteht. Zu diesem Zweck berief Er Paulus zum Apostel der Nationen.
Der Knecht Abrahams führt Isaak eine Frau entgegen (1. Mose 24). - Nach den in den Kapiteln 22 und 23 beschriebenen Ereignissen und nachdem Abraham Isaak alles gegeben, was er hatte (24, 36), gab Abraham seinem Knecht den Auftrag, seinem Sohne eine Frau zu nehmen und es Isaak zuzuführen. Auch mit diesem schönen Bild sind wir vertraut. Nach dem vollbrachten Erlösungswerk Christi, nach Seiner Auferstehung und Verherrlichung, nachdem Gott alles Seinen Füssen unterworfen und Ihn zum Haupt über alles gesetzt hatte, sandte der Vater den Heiligen Geist auf die Erde, mit dem Auftrag, Seinem Sohne eine Versammlung zu berufen. Seit bald zweitausend Jahren ist Er nun damit beschäftigt; Er tut es, indem Er den Menschen durch das Evangelium die Herrlichkeit Christi und Seines Werkes vorstellt, so wie der Knecht Abrahams die mitgebrachten Schätze vor Rebekka ausbreitete und vom Reichtum Isaaks erzählte. Sobald sich Rebekka für Isaak entschlossen hatte, verliess sie die Welt, in der sie bis dahin gelebt hatte, und liess sich vom Knecht ihrem Bräutigam entgegenführen. So hat auch die Versammlung eine himmlische Berufung; sie ist schon jetzt mit dem Haupte in der Herrlichkeit verbunden, und der Geist führt sie Ihm entgegen. Möchten auch wir - wie Rebekka - von allem gelöst sein, was uns in der Welt zurückhält und wie sie sagen: «Ich will gehen.»
Abraham gab den Söhnen der Kebsweiber Geschenke (1. Mose 25). - Nachdem hienieden das letzte Glied zu der Versammlung hinzugefügt worden ist und der Herr Jesus sie zu sich entrückt hat, wird im Himmel die Hochzeit des Lammes stattfinden (Offb. 19, 6-10). Dann erscheint der Herr mit den himmlischen Kriegsheeren zum kriegerischen Gericht über die Nationen, um hernach Seine tausendjährige Herrschaft über die Erde aufzurichten. In diesem Friedensreiche wird Israel den Mittelpunkt bilden, und alle Verheissungen für den irdischen Samen Abrahams werden sich dann erfüllen. Aber auch alle Nationen der Erde werden alsdann in Verbindung mit Israel gesegnet sein und teilhaben an der Freude, in der die Tochter Zions jauchzen wird.