Apollos
Halte fest Jahrgang 1981 - Seite: 236 - Verfasser: J. G. F.
Apostelgeschichte 18,24-28
Wir begegnen der markanten Figur des Apollos das erste Mal in der Apostelgeschichte. In dem oben genannten Abschnitt werden viele Punkte erwähnt, aus denen wir manches von ihm lernen können.
Ein Jude
Er gehörte also zum alten Bundesvolk Gottes. Er hatte sich aber bekehrt und wurde auf diese Weise «gerettet von diesem verkehrten Geschlecht» (Apg. 2,40). Nun war er erst recht ein Jude geworden, d.h. einer, dessen Lob von Gott ist (Röm. 2,28.29).
Apollos
Sein Name bedeutet «Verderber». Doch aus einem Verderber wurde ein Mitarbeiter am geistlichen Tempel Gottes (vergleiche 1.Kor. 3,16.17 mit den Versen 10-12).
Aus Alexandrien gebürtig
In der ägyptischen Stadt Alexandrien hatte sich eine grosse jüdische Kolonie niedergelassen, die auch eine «Universität» besass. Als Jude, der griechisch sprach, der im Ausland aufgewachsen war, hatte Apollos einen weiteren Blick als seine Volksgenossen in Palästina. Nach seiner Bekehrung erwachte in ihm ein Missionseifer für die Juden in der Zerstreuung, und sicher suchte er ebenso den Anschluss an heidnische Zuhörer, wie dies auch bei Paulus der Fall war.
Ein beredter Mann
Es ist wohl vorteilhaft, wenn jemand sich mit Worten gut ausdrücken kann; aber wichtiger ist, dass seine Worte auch inhaltsschwer sind. Besonders gesegnet ist es, wenn beide Dinge zusammengehen. Und das ist eigentlich im Wort «beredt» enthalten. Unsere Aufgabe ist es, besonders für solche beredte Brüder zu beten, damit sie vor Hochmut bewahrt bleiben.
Mächtig in den Schriften
Er kannte das Alte Testament aus dem Effeff. Aber er war nicht nur bewandert in den Schriften, er wusste auch, was sie zu sagen hatten. Er hatte sich wohl durch die Schriften hindurch gearbeitet.
Wir müssen die Bibel kennen und die Zusammenhänge sehen, um sie gebrauchen zu können. Um den Kampf des Glaubens siegreich führen zu können, müssen wir lernen, mit diesem «Schwert des Geistes» umzugehen.
Er kam nach Ephesus
Apollos wurde durch seinen Missionseifer getrieben. Er reiste und predigte. Dabei kam er in ein Zentrum heidnischen Götzendienstes: in Ephesus stand der grosse Tempel mit dem Standbild der «Diana» oder «Artemis». Er sah seine Aufgabe aber allein unter den dortigen Juden. Sein Volk stand ihm am nächsten. «Gehe hin nach deinem Hause zu den Deinigen», sagte der Herr zu dem geheilten Besessenen (Mark. 5,19). Darin liegt auch eine Lektion für uns.
In den Wegen des Herrn unterwiesen
Beachten wir, dass es heisst: der Weg des Herrn, nicht die Lehre über den Herrn. An mehreren Stellen wird in dieser Weise «vom Weg» gesprochen (Apg. 9,2; 19,9.23; 22,4; 24,14.22). In diesem Ausdruck ist die Tatsache eingeschlossen, dass das Christentum kein Lehrsystem ist, gerade recht für ein Studierzimmer, sondern ein Glaube, der im praktischen Leben gesehen wird, im Verfolgen eines Weges. Es ist der Wandel in den Fussstapfen des Herrn Jesus.
Brünstig im Geist
Nicht das Fleisch, sondern der Geist hatte bei ihm die Oberhand. Wie leicht sind wir feurige Verfechter unserer (fleischlichen) Interessen!
Er redete und lehrte sorgfältig
Gott hält nichts von unseriöser, leichtfertiger Arbeit. Solide, gut fundierte Auslegung ist nötig. Lassen wir die Schrift sich durch die Schrift selbst auslegen und befolgen wir sie dann auch bedingungslos und genau. Das ist es, was Gott wünscht.
Die Dinge von Jesus
Der christliche Glaube ist keine religiöse Methode, um mit Gott ins reine zu kommen. Es ist der Glaube an eine Person, die unser Erretter ist und in dessen Fussstapfen wir Ihm gern nachfolgen wollen. In der Apostelgeschichte lesen wir immer wieder, dass die Jünger «Jesus verkündigten», den «Christus predigten» oder ähnliche Ausdrücke.
Wiewohl er nur die Taufe Johannes' kannte
Die Kenntnis des Apollos war noch unvollständig. Das hinderte ihn aber nicht, das Licht, das er besass, weiterzutragen. Das ist ermutigend und ein Ansporn für uns, die «auch nicht alles wissen». Ein junger Chinese kam einst zu Hudson Taylor mit der Bitte, ihn als Prediger auszubilden. Taylor fragte ihn, ob er schon mit der Ausbreitung des Evangeliums beschäftigt sei. Nein, das war er nicht; «denn», so sagte er, «ich bin erst seit kurzem bekehrt und weiss noch nicht viel». Darauf fragte ihn der Missionar: «Wann beginnt eine Kerze zu leuchten; wenn man sie anzündet, oder wenn sie schon eine Weile gebrannt hat?»
Die Taufe von Johannes
Das war eine Taufe der Busse und Bekehrung mit dem Aufruf, an Jesus Christus zu glauben. Apollos hatte dem Gehör geschenkt. Von dem Sterben Christi, seiner Auferstehung und was das alles beinhaltete, davon wusste dieser Prediger noch nichts. Für Apollos war es entschuldbar, dass er noch nichts davon gehört hatte. Leider gibt es heute viele Christen, die nicht viel mehr wissen als Apollos. Doch für sie gibt es keine Entschuldigung, denn sie besitzen die vollständige Bibel zu Hause. In seinem Wort enthüllt uns Gott eindringend, was das Werk seines Sohnes beinhaltet.
Freimütig reden
Apollos kannte keine Menschenfurcht. Er vertraute auf Gott und diente Ihm.
In der Synagoge
Wie schon gesagt, fühlte er sich in erster Linie seinen «Verwandten nach dem Fleische» gegenüber verantwortlich, wie Paulus es später im Römerbrief ausdrückte (9,3). So bewahrheitete sich der Vers: «dem Juden zuerst als auch dem Griechen». Und wie nützlich war es, dass die ersten Christen, die den Kern der Versammlung an einem Ort bildeten, aus den Juden kamen. Diese waren mit den Schriften des Alten Testamentes bekannt und konnten den andern damit dienen.
Aquila und Priscilla legten ihm den Weg Gottes genauer aus. Diese zwei einfachen Zeltmacher, ein Mann und seine Frau, legten dem gelehrten Apollos den Weg des Herrn besser aus, d.h. sie teilten ihm das mit, was seiner Kenntnis noch fehlte. Und der studierte Apollos nahm diese Unterweisung zu Herzen. So können gebildete Gläubige noch stets von denen etwas lernen, die weniger studiert sind, aber in der Schrift besser Bescheid wissen.
Er war den Glaubenden sehr behilflich
Mit einem Empfehlungsbrief der Brüder von Ephesus verreiste Apollos nach Achaja. Den Gläubigen dort konnte er mit seiner neugewonnenen Erkenntnis über den Herrn Jesus Christus eine grosse Hilfe sein. Was er gelernt hatte, gebrauchte er sofort.
Denn kräftig widerlegte er die Juden öffentlich
Die Hilfe bestand vor allem darin, dass er sich den Juden zuwandte, die dem Evangelium widerstanden. Er verteidigte die Sache des Herrn und schämte sich nicht, es in aller Öffentlichkeit zu tun.
Er bewies durch die Schriften
Da die Juden die Schriften des Alten Testamentes als massgebend betrachteten, konnte Apollos «beweisen». Hier kam ihm seine grosse Schriftkenntnis zu Hilfe. Obwohl es hier nicht ausdrücklich vermerkt ist, müssen wir doch bedenken, dass Apollos nicht aus eigener Kraft so auftreten konnte, nur in der Kraft des Heiligen Geistes.
Dass Jesus der Christus ist
Apollos konnte darlegen, dass die Prophezeiungen in Jesus Christus ihre Erfüllung gefunden hatten, d.h. jene, die sich auf das Kommen des Messias im Fleisch bezogen. So predigte Apollos über Den, von dem die Propheten gesprochen hatten, und der jetzt sein Heiland geworden war.
Apollos - ein leuchtendes Vorbild zum Nachahmen!