Halte Fest
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Die zwölf Söhne Jakobs

Halte fest Jahrgang 1989 - Seite: 184 - Verfasser: E. W. B.

Das grosse Ziel Gottes in seinem Wort ist die Darstellung der Herrlichkeit seines Sohnes. Es ist seine Freude, schon im Alten Testament in immer neuen Bildern und Hinweisen von dem Einen zu reden, den der Geist Gottes im Neuen Testament den Sohn seiner Liebe nennt (Kol. 1,13). Gott, der Vater, möchte uns an dem teilnehmen lassen, was Ihn von jeher beschäftigt hat, und die Aufgabe des Geistes Gottes ist es, den Herrn Jesus in unseren Herzen zu ehren und zu verherrlichen.

Auch in der Geschichte der Söhne Jakobs gibt uns Gott Hinweise auf die vollkommene Schönheit seines Sohnes, von dem die Söhne Korahs mit glücklichem Herzen sagen: «Du bist schöner als die Menschensöhne, Holdseligkeit ist ausgegossen über deine Lippen» (Ps. 45,2).

Wir können die Söhne Jakobs von verschiedenen Standpunkten aus betrachten. Wir wollen zunächst jeweils einen Blick auf ihren Lebensweg und die Geschichte ihres Stammes werfen, dann aber das betrachten, worin sie uns auf den Herrn Jesus und auf unsere Stellung, die wir in Ihm besitzen, hinweisen.

Ruben

In 1.Mose 8,21 hatte Gott gesagt, dass das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse ist von seiner Jugend an. Dieses dunkle, erschütternde Bild der Sünde zeigte sich auch im Hause Jakobs. Jakob war aus der Linie des Glaubens hervorgegangen, doch zunächst sah es in seinem Haus sehr traurig aus. Jehova musste sehen, dass Lea gehasst war (1.Mose 29,31). Unfriede und Hass in der eigenen Familie! Dahin führt der Weg ohne Gottesfurcht. Gott sieht heute wie damals, ob in unseren Häusern und in unseren Herzen der Friede des Christus regiert, oder ob Hass und Streit, die Werke des Fleisches, die Herzen beherrschen.

In Lea fand Gott etwas, auf das Er antworten wollte. Er schenkte ihr ihren erstgeborenen Sohn, und in der Freude ihres Herzens nennt ihn diese Mutter: «Ruben» (= Sehet, ein Sohn!). Sie ehrt Gott, indem sie hinzufügt, «weil Jehova mein Elend angesehen hat».

Was ist aus Ruben geworden? War er seiner Mutter wirklich ein rechter Sohn? Ging er einen glücklichen Weg in der Furcht des Herrn? Die prophetischen Worte, die Jakob auf seinem Sterbebeil über seine Söhne äusserte, zeigen uns, welch ein Schatten auf den Weg dieses erstgeborenen Sohnes der Lea und des Jakob gekommen ist, und welch eine Not der Sohn seinen Eltern bereitet hat. Jakob sagte: «Ruben, mein Erstgeborener bist du, meine Kraft und der Erstling meiner Stärke! Vorzug an Hoheit und Vorzug an Macht! Überwallend wie die Wasser sollst du keinen Vorzug haben, denn du hast das Lager deines Vaters bestiegen; du hast es entweiht. Mein Bett hat er bestiegen!» (1.Mose 49,3.4).

Die Sünde Rubens kostete ihn den Platz des Erstgeborenen und machte die Sterbestunde seines Vaters schwer. Wie ernst ist es, wenn in den Familien der Gläubigen ungeordnete und ungerichtete Dinge selbst bis zum Tod nicht geordnet werden und die Herzen beschweren.

Während der Wüstenwanderung empörten sich Söhne Rubens zusammen mit Korah und seiner Rolle wider Mose und Aaron (4.Mose 16). In welch eine traurige und verhängnisvolle Verbindung mit dem Bösen begaben sich diese Männer und brachten so das Gericht Gottes über sich und ihre Familien!

In Richter 5,15b.16 haben wir ebenfalls ein negatives Gemälde des Stammes Ruben. Debora sagt dort: «An den Bächen Rubens waren grosse Beschlüsse des Herzens. Warum bliebest du zwischen den Hürden, das Flöten bei den Herden zu hören? An den Bächen Rubens waren grosse Beratungen des Herzens.» Was nützen grosse Beschlüsse und selbst grosse Beratungen des Herzens, wenn man sich dabei der Gemächlichkeit und Trägheit hingibt? Wo bleiben dann Energie und geistliche Entschiedenheit?

Wie alle Menschen hat Gott auch Ruben und seine Nachkommen auf die Probe gestellt. Doch wie zu allen Zeiten entsprach der Mensch in keiner Weise den Erwartungen Gottes. Allein unser geliebter Herr hat als wahrer Mensch jeder Erwartung Gottes entsprochen. Hätte sich im Leben Rubens nicht die Wirklichkeit und Schönheit seines Namens, den seine Mutter ihm im Aufblick zu Gott gab, offenbaren sollen? Nur Einer, dessen Reinheit, Schönheit und Vollkommenheit aus allen Blättern der Heiligen Schrift hervorleuchtet, hat als Mensch alles erfüllt, was mit dem Namen der Söhne Jakobs an Hoffnung und Erwartung verbunden war. Das zeigt uns der Geist Gottes in der Schrift an vielen Stellen. Von Ihm sagt auch der Dichter in seiner Freude:

Einer ist es, dessen Schöne
schöner als der Menschensöhne;
einer ist's,
und Er ist mein.

Glückliches Vorrecht, Ihn in täglich neuer, anbetender Bewunderung anschauen zu dürfen.

Ruben «Sehet, ein Sohn!» Alle Söhne der Menschen in allen Geschlechtern haben versagt. «Ein Sohn soll den Vater ehren ... Wenn ich denn Vater bin, wo ist meine Ehre?» (Mal. 1,6). Doch der Herr Jesus ehrte seinen Vater vollkommen und zu jeder Zeit. Unter den vielen Stellen, die angeführt werden könnten, wollen wir auf die sieben in den drei ersten Evangelien hinweisen, in denen der Vater selbst Ihn «meinen geliebten Sohn» nennt. Der Vater redete in dieser Weise von seinem Sohn:

  • zu Beginn seines Weges, als Er in tiefer Erniedrigung sich mit dem Überrest aus den Juden einsmachte und sich im Jordan taufen liess
  • dann auf dem Berg der Verklärung, als Er seine Herrlichkeit offenbarte, die in dem kommenden Reich sein Teil sein wird
  • und im Gleichnis von den Weingärtnern in Lukas 20,13.

Wie leuchtet aus 1.Mose 22 die Liebe des Vaters zu seinem Sohn und die Liebe des Sohnes zum Vater hervor. In jenem vorbildlichen Geschehen zeigte Gott, was Er einmal tun und wie der Sohn sich in seiner Liebe und Hingabe verhalten würde. Wie hat sich alles herrlich erfüllt! Doch weder dem Vater noch dem Sohn blieb etwas von der Schwere dieses Weges erspart. Anbetungswürdige Liebe!

Er ist der angekündigte «Sohn des Höchsten» (Luk. 1,32), dem der Herr, Gott, den Thron seines Vaters David geben wird. Aber welch eine Erfüllung von Philipper 2,7 finden wir in Lukas 2, wo Er sich selbst zu nichts machte und der Engel von Ihm sagen musste: «Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.» Müssen wir da nicht in stiller und heiliger Ehrerbietung mit dem Dichter sagen:

Gott wurde Mensch, o welch Erbarmen!
Du, sein Volk, bete staunend an?

Siebenmal spricht der Geist Gottes in jenem Kapitel von Ihm in seiner tiefen Erniedrigung als dem Kind, dem Kindlein und dem Knaben Jesus. Ja, anerkannt gross ist das Geheimnis der Gottseligkeit; Gott ist offenbart worden im Fleisch (1.Tim. 3,16).

Er, der Sohn seiner Liebe, liess es sich gefallen, der «Sohn des Zimmermanns» genannt zu werden (Matth. 13,55), obwohl Er doch gerade im Matthäus-Evangelium in seiner majestätischen Grösse in Verbindung mit Israel vorgestellt wird. 14mal heisst Er dort der Christus, 7mal der König und 7mal der Sohn Davids. Zudem ist Er der Sohn Abrahams (Kap. 1,1).

Wir ahnen ein wenig von seiner tiefen Herablassung und Erniedrigung, wenn in Markus 6,3 von Ihm gesagt wird: «Ist dieser nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria?» Schon der erste Vers dieses Evangeliums bezeichnet Ihn als den Sohn Gottes, und doch wurde Er vollkommen Mensch - «der Sohn der Maria». Wir können nicht in die Geheimnisse seiner Person eindringen, aber in geziemender Ehrerbietung vor Ihm weilen, Ihm danken und Ihn preisen, dass Er sich so tief erniedrigt hat und «der Sohn des Menschen» wurde. Wie nah sind Ihm alle geworden, die Ihm angehören! Dennoch geziemt uns im Blick auf seine Person als ewiger Gott und vollkommener Mensch - höchste Höhe und tiefste Erniedrigung - der gebührende Abstand von «2000 Ellen» (Jos. 3,4). Unsere Herzen dürfen glücklich sein über alles, was der Geist Gottes uns an Herrlichkeiten des Sohnes Gottes offenbart hat, und wir sollten keine Einzelheit übergehen, um an der Freude des Vaters teilzunehmen, der uns zuruft: «Dieser ist mein geliebter Sohn.» Hüten wir uns aber vor dem Tun der Leute von Beth-Semes, die den gebührenden Abstand vergasen, in die Lade Gottes schauten und durch das Gericht Gottes hinweggerafft wurden (1.Sam. 6,19).

Werfen wir im Vorbeigehen noch einen Blick auf die besonderen Erwähnungen über den Herrn im Lukas-Evangelium. In jenem langen bis auf Adam, ja, auf Gott zurückgehenden Geschlechtsregister in Kapitel 3,23-38 ist Er der 77ste. Er war, wie man meinte (V. 23), ein Sohn des Joseph, und in Kapitel 4,22 fragen alle in der Synagoge: «Ist dieser nicht der Sohn Josephs?» Er, «der Sohn des Höchsten» (Kap. 1,32), lebte nahezu 30 Jahre «in ihrer Stadt Nazareth» (Kap. 2,39), hat sich selbst zu nichts gemacht und Knechtsgestalt angenommen, indem Er in Gleichheit der Menschen geworden ist (Phil. 2,7).

Und wir, die wir durch Gnade sein Eigentum wurden? Unsere Stellung ist in so wunderbarer Weise mit Ihm, dem jetzt hoch Erhobenen verbunden, dass wir nur immer wieder staunen und danken können für das, was Er zustande gebracht hat.

Das ist die dritte Seite dieses Bildes in Verbindung mit dem bedeutsamen Namen Ruben. Wir sind in die Stellung von Söhnen (Ruben = Sehet, ein Sohn!) eingeführt worden: «Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wiederum zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in welchem wir rufen: Abba, Vater!» (Röm. 8,14.15).

Wenn der Apostel daran denkt, dass wir «gesegnet sind mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern», kann er nicht anders als in glücklicher Anbetung sagen: «Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus» (Eph. 1,3). Dann zählt er sieben einzelne Segnungen auf, die uns auf ungeahnte Höhen führen. «Zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade» sagt Vers 6, und es klingt wie der Refrain eines wunderbaren Liedes, der in den Versen 12 und 14 mit den Worten «zum Preise seiner Herrlichkeit» wiederholt wird. Als zweite dieser sieben Segnungen finden wir, dass Gott uns «zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens» (V. 5). Könnte es grössere Gnade geben? Stimmen wir nicht glücklichen Herzens in diesen Jubelruf des Apostels ein: «Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus!»? Gleichen unsere Empfindungen angesichts dieser Gunst Gottes, in der wir stehen dürfen, nicht denen, die der Apostel in Römer 11,33 ausdrückt: «O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes!»?

Simeon

In Verbindung mit der Geburt Simeons, des Sohnes der Lea, finden wir zunächst etwas sehr Schönes. Die Mutter bringt ihre Dankbarkeit Gott gegenüber zum Ausdruck und sagt: «Weil Jehova gehört hat, dass ich gehasst bin, so hat er mir auch diesen gegeben» (1.Mose 29,33). Sie gibt ihm den Namen Simeon, d.h. Erhörung. Wie zeigen uns diese wenigen Worte den stillen, verborgenen Umgang dieser Frau mit Gott.

Wurde nun Simeon das, was seine Mutter empfunden halle, d.h. ein Mann des Gebets und der Gebetserhörung? Das Gegenteil war der Fall. Wir finden in seiner Geschichte und in dem Bericht über seine Nachkommen den gleichen Weg der Sünde wie bei seinem älteren Bruder. Ja, das Leben aller 12 Söhne Jakobs und die Geschichte ihrer Stammesfamilie, zeigen den tiefen Fall des Menschen in die Sünde. Das ist eine Warnung für uns und unsere Familien. Wir tun gut, sie zu beachten. Einzig Joseph bildet die grosse Ausnahme.

Zusammen mit seinem Bruder Levi wurde Simeon ein vielfacher Mörder, der den Namen seines Vaters im Land stinkend machte. Über diese beiden Söhne musste Jakob in seinen Abschiedsworten in 1.Mose 49,5-7 klagen: «Simeon und Levi sind Brüder, Werkzeuge der Gewalttat ihre Waffen. Meine Seele komme nicht in ihren geheimen Rat, meine Ehre vereinige sich nicht mit ihrer Versammlung! denn in ihrem Zorn haben sie den Mann erschlagen, und in ihrem Mutwillen den Stier gelähmt. Verflucht sei ihr Zorn, denn er war gewalttätig, und ihr Grimm, denn er war grausam! Ich werde sie verteilen in Jakob und sie zerstreuen in Israel.»

Auf dem Weg durch die Wüste finden wir in 4.Mose 25 Simri, den Sohn Salus, den Fürst eines Vaterhauses der Simeoniter, der, obwohl ein Führer in Israel, ein Beispiel zum Bösen war, indem er mit Kosbi, einer Fürstentochter der Midianiter, Hurerei beging. Kosbi bedeutet betrügerisch, Lügnerin, Schwindlerin. Das ist der verderbliche Charakter, den die Welt für den unter den Kindern Gottes annimmt, der sich mit ihr verbindet.

Am Anfang der Wüstenreise wurden in Simeon 59'300 diensttaugliche Männer gezählt. Am Ende waren es nur noch 22'200. Die Zahl der streitbaren Männer hatte in diesem Stamm um 37'100 abgenommen. So war Simeon am Anfang der Wüstenwanderung zahlenmässig der drittstärkste Stamm, an ihrem Ende aber der schwächste. Das ist eine wichtige und ernste Unterweisung für uns: Unabhängigkeit von Gott und Verbindung mit der Welt führen zu völliger Kraftlosigkeit.

Diese wenigen Hinweise aus dem Leben Simeons und seiner Nachkommen zeigen uns, in welch folgenschwere Sünde der Mensch fällt, wenn er den Weg der Abhängigkeit Gott gegenüber aufgibt und ein eigenwilliges Leben führt.

Simeon = Erhörung. Der Mensch sollte vollkommen von Gott abhängig sein. Doch statt dessen wählte er den Weg der Unabhängigkeit und Sünde. Der Herr aber lebte das aus, worin der Mensch versagt hatte. Damit kommen wir zu der zweiten Seite des Bildes in Verbindung mit dem Namen Simeon und erblicken eine Abhängigkeit, die unseren geliebten Herrn zu aller Zeit und auf seinem ganzen Weg über diese Erde kennzeichnete. In Johannes 11,41 sagt Er: «Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich aber wusste, dass du mich allezeit erhörst.»

Im Lukas-Evangelium, wo der Herr Jesus in:4 seiner Herrlichkeit als vollkommener Mensch gesehen wird, finden wir 14mal, dass Er betete, bzw. sich an den Vater wandte. Lukas allein teilt als erste Tätigkeit des Herrn beim Antritt seines Dienstes mit: dass Er betete (Luk. 3,21). Dieser Ausdruck der Abhängigkeit kennzeichnete unsern geliebten Herrn nicht nur am Anfang seines Weges, sondern während seines ganzen Dienstes bis hin zu dem letzten Augenblick am Kreuz, als Er das Werk vollbrachte. In Kapitel 23,46 lesen wir: «Jesus rief mit lauter Stimme und sprach: Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist! Und als er dies gesagt hatte, verschied er.»

Unter allen Menschen, die über diese Erde geschritten sind, lebte auch nicht einer, der mit Ihm verglichen werden könnte. In Psalm 109,4 sagt Er prophetisch: «Für meine Liebe feindeten sie mich an; ich aber bin Gebet.» Alles, was Er in dieser Welt als Mensch war und tat, drückte vollkommene, uneingeschränkte Abhängigkeit aus. Er betete am Jordan, in der Wüste, auf dem Berg; Er betete allein, an einem gewissen Ort, auf dem Berg der Verklärung und in Gethsemane. In Lukas 10,21 frohlockte Er im Geist und sprach: «Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. Ja, Vater, denn also war es wohlgefällig vor dir.» In Kapitel 22,19 nahm Er Brot, dankte, brach und gab es ihnen. Bei diesem letzten Zusammensein im Obersaal in Jerusalem erklärte Er Simon Petrus, dass Er für ihn gebetet habe, auf dass sein Glaube nicht aufhöre. Welche Liebe kam doch in dieser Fürbitte zum Ausdruck! Selbst für seine Feinde, die Ihn ans Kreuz genagelt hatten, betete der Herr (Kap. 23,34).

Als Er am Tag des grössten Triumphes, an seinem Auferstehungstag, mit den beiden Jüngern nach Emmaus gegangen war, lesen wir von jener schönen Szene, die der Geist Gottes mit den wenigen Worten beschreibt: «Und es geschah, als er mit ihnen zu Tische lag, nahm er das Brot und segnete es (er lobpries, er dankte)» (Kap. 24,30).

In 1.Thessalonicher 5,16-18 schreibt der Apostel: «Freuet euch allezeit; betet unablässig; danksaget in allem, denn dieses ist der Wille Gottes in Christus Jesus gegen euch.» In diesen drei Versen werden Freude, Abhängigkeit und Dankbarkeit miteinander verbunden. Darin ist der Herr Jesus unser grosses Vorbild. Wir dürfen mit Freimütigkeit beten (Simeon = Erhörung). Durch Ihn haben wir den Zugang durch einen Geist zu dem Vater (Eph. 2,18).

Wer könnte den grossen Wert dieses Zugangs zu Gott als unserem Vater ermessen, wovon die Welt nichts weiss! Und wie dankbar, ja, von Herzen dankbar, dürfen und sollten wir für die Freimütigkeit sein, die wir durch das Blut Jesu zum Eintritt in das Heiligtum haben (Hebr. 10,19). Das konnte Simeon, dem Sohn der Lea, nicht geschenkt werden. Uns aber hat die Gnade Gottes mit diesem unermesslichen Vorrecht beschenkt. Schätzen wir es? Machen wir regen Gebrauch davon?

Levi

Nach Ruben und Simeon wird dem Jakob ein dritter Sohn geboren. In ihren Empfindungen spricht die Mutter Lea von Anschliessung und Anhänglichkeit. Deshalb gab man ihm den Namen Levi.

Der Anfang der Geschichte dieses Mannes führt uns nach Sichem (1.Mose 33 und 34). Jakob war mit seinem Haus zurückgekehrt und lagerte vor der Stadt. Sein Vater und sein Grossvater hatten als Fremdlinge in diesem Land gewohnt. Aber Jakob gab seine Fremdlingschaft in gewisser Hinsicht auf und machte sich im Land sesshaft (1.Mose 33,17).

Die Folgen sehen wir in Kapitel 34,1: «Und Dina, die Tochter Leas, die sie dem Jakob geboren hatte, ging aus, die Töchter des Landes zu sehen.» Sünde, Schmach und Schande waren das traurige Ergebnis, und die Empfindungen des Schmerzes und der Not finden wir noch Jahrzehnte später in 1.Mose 49, als Jakob von seinen Söhnen Abschied nahm. Levi war zusammen mit Simeon ein Mann der Gewalttat und ein vielfacher Mörder geworden. Jakob hatte für diese beiden keinen Segen, sondern musste ihren Zorn verfluchen.

Wir können aus diesem traurigen Bericht viel lernen. Er ist uns ja zu unserer Belehrung und Warnung mitgeteilt. Hüten wir uns davor, die Fremdlingschaft, d.h. unsere himmlische Berufung, aufzugeben; wachen wir über die Verbindungen und Freundschaften unserer Kinder.

Wie schnell sind Brücken zur Weit geschlagen, wenn wir in der Trennung von ihr und allen ihren Dingen, auch in religiöser Hinsicht, nicht konsequent sind. Die Folgen sind oft genauso schrecklich wie im Haus Jakobs. Wie nötig und wie kompromisslos ist die Ermahnung in Römer 12,1.2: «Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Dienst ist. Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen möget, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.»

Erinnern wir uns selbst und unsere Familien auch immer wieder an das, was der Geist Gottes den Jünglingen in 1.Johannes 2,15-1 sagt: «Liebet nicht die Welt, noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt liebt, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm; denn alles, was in der Welt ist, die Lust des Fleisches und die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht von dem Vater, sondern ist von der Welt. Und die Welt vergeht und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit.»

Der Heilige Geist errichtet durch das Wort Gottes eine klar sichtbare Mauer der Absonderung von allem, was nicht gottgemäss ist. Reissen wir diese Mauer aber nieder, so müssen wir die Folgen tragen, wie Jakob und sein Haus sie tragen mussten. Der Fluch reichte bis in die nachfolgenden Generationen, denn Jakob musste von Simeon und Levi in 1.Mose 49,7 sagen: «Ich werde sie verteilen in Jakob und sie zerstreuen in Israel.»

Die Geschichte des Stammes Levi verläuft jedoch anders als jene Simeons (2.Mose 32,26). 4.Mose 25 zeigt uns, dass Levi genau das Gegenteil von dem tut, was Simeon tat. Es war Pinehas, der Sohn Eleasars, der aufstand und eine Lanze in seine Hand nahm, um an Simri, aus dem Stamm Simeon, das Gericht auszuführen. «Da ward die Plage von den Kindern Israel abgewehrt, und es waren der an der Plage Gestorbenen 24'000.» In 5.Mose 33,9-11 lesen wir über Levi ausserordentlich Schönes: «Der von seinem Vater und von seiner Mutter sprach: Ich sehe ihn nicht; und der seine Brüder nicht kannte und von seinen Söhnen nichts wusste. Denn sie haben dein Wort beobachtet, und deinen Bund bewahrten sie. Sie werden Jakob lehren deine Rechte und Israel dein Gesetz; sie werden Weihrauch legen vor deine Nase und Ganzopfer auf deinen Altar. Segne, Jehova, sein Vermögen, und das Werk seiner Hände lass dir wohlgefallen; zerschmettere die Lenden derer, die sich wider ihn erheben, und seiner Hasser, dass sie nicht mehr aufstehen!»

Über Pinehas selbst wurde schon in 4.Mose 25 ein besonderer Segen ausgesprochen.

Levi bedeutet Anschliessung, Anhänglichkeit. Die liebliche Gesinnung, die in diesen beiden Worten zum Ausdruck kommt, haben wir im Leben Levis vergeblich gesucht. In seinen Söhnen jedoch konnte Gott in seiner Gnade etwas von diesen, Ihm so kostbaren Eigenschaften hervorrufen. In 2.Mose 32,26 hatten sich alle Söhne Levis auf die Seite Gottes gestellt, als der Ruf Moses im Lager ertönte: «Her zu mir, wer für Jehova ist!»

Doch wie immer in der Geschichte des Menschen fehlte bei den nachfolgenden Generationen die Stetigkeit, und es könnte manches angeführt werden, das den Niedergang bei Levi kennzeichnete. Erwähnen wir nur die eine Stelle aus Lukas 10,31.32: «Von ungefähr aber ging ein gewisser Priester jenes Weges hinab; und als er ihn sah, ging er an der entgegengesetzten Seite vorüber. Gleicherweise aber auch ein Levit, der an den Ort gelangte, kam und sah ihn und ging an der entgegengesetzten Seite vorüber.» Das war das traurige Endresultat) das der Herr Jesus selbst feststellen musste.

Welche Freude jedoch für unsere Herzen, wiederum den Einen zu sehen, der immer verwirklichte. was durch den Namen Levi (Anschliessung, Anhänglichkeit) ausgedrückt wird. Dass der Vater den Sohn liebt, wird im Johannes-Evangelium siebenmal ausdrücklich gesagt, und diese Stellen sind von besonderem Wert und grosser Schönheit.

Doch in Johannes 14,31 - am Ende seines Weges - spricht der Herr auch von seiner Liebe zum Vater: «Dass ich den Vater liebe.» Ging diese, seine Liebe, nicht aus all seinem wunderbaren Tun hervor?

Johannes 11,5 sagt uns, dass Er die Martha, ihre Schwester und den Lazarus liebte. Diese Schwestern hatten Ihm sagen lassen: «Herr, siehe, der, den du lieb hast, ist krank.»

In Johannes 13, als die Abschiedsstunde für den Herrn und seine Jünger gekommen war, heisst es: «Da er die Seinigen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte er sie bis ans Ende.»

Die Jünger hatten erfahren, was wir in Hohelied 2,4 von der Braut lesen: «Sein Panier über mir ist die Liebe.» Gleich am Anfang des Buches, in Kapitel 1,2 sagt die glückliche Braut: «Deine Liebe ist besser als Wein.» Ja, welche Freude auf dieser Erde - und davon redet der Wein - könnte mit seiner Liebe verglichen werden? Er ist Der, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem Blut, und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater; Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Was uns betrifft, so ist der Geist Gottes unentwegt tätig, in unseren Herzen wahre Anhänglichkeit und Anschliessung Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus gegenüber hervorzurufen. Wir lieben, weil Er uns zuerst geliebt hat.

Neben anderen notwendigen Tugenden, die den Aufseher kennzeichnen sollen, gilt ihm in Titus 1,9 der Hinweis: «... anhangend dem zuverlässigen Wort nach der Lehre, auf dass er fähig sei, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen, als auch die Widersprechenden zu überführen.»

Dem Wort anhangen, heisst, dem Herrn anhangen: «Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist mit ihm» (1.Kor. 6,17).

Hiskia ragt unter allen Königen Judas mit einem besonderen Zeugnis heraus, indem von ihm gesagt werden kann, dass er Jehova anhing und nicht von Ihm abwich; und er beobachtete seine Gebote, die Jehova dem Mose geboten hatte (2.Kön. 18,6).

In 4.Mose 27 und 36 haben wir den Bericht über die Töchter Zelophchads und das Verhalten des Stammes der Kinder Josephs in der Frage des Erbteils, das Gott jedem Stamm zugedacht hatte. Damals sprach Mose die denkwürdigen Worte: «Die Kinder Israel sollen ein jeder dem Erbteil des Stammes seiner Väter anhangen» (4.Mose 36,7).

Sowohl Mose als auch Josua forderten das Volk auf, Jehova, ihrem Gott anzuhangen (5.Mose 11,22; 13,4; Jos. 22,5; 23,8). Von dem Lohn, der damit verbunden ist, lesen wir in 5.Mose 4,4. Die Kinder Israel hatten mit eigenen Augen das Gericht an den 24'000 gesehen, die sich an den Baal-Peor gehängt hatten. Ihnen selbst aber konnte Mose die ermutigenden Worte zurufen: «Ihr aber, die ihr Jehova, eurem Gott anhinget, seid heute alle am Leben.»

Richten wir abschliessend noch einmal den Blick auf unseren Herrn, von dem wir in Sprüche 18,24b lesen: «Doch es gibt einen, der liebt und anhänglicher ist als ein Bruder.»

Juda

Die Geburt Judas war grösste Freude für die Mutter Lea. Sie sagte: «Diesmal will ich Jehova preisen.» Juda heisst «Gegenstand des Preises». Sein sündiger Weg füllt jedoch das ganze lange 38. Kapitel des ersten Buches Mose. Er ging von seinen Brüdern in die Welt hinab. Die entsprechend traurigen Folgen blieben nicht aus. Gott tötete den erstgeborenen Sohn Judas, weil er böse war in seinen Augen, und Er tötete den zweiten, weil sein Tun übel vor Ihm war.

Was wir im Bericht über das Leben Judas vollständig vermissen, finden wir wiederum nur bei unserem geliebten Herrn. In der Freude seiner Hingabe sagte Er: «Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, ist meine Lust» (Ps. 40,8). Die Verherrlichung Gottes und die Ausführung aller seiner Ratschlüsse waren sein fester Vorsatz, den Er auch in schwierigsten Umständen ausführte, selbst bis in den Tod.

«Ich will Jehova preisen», sagte Lea in ihrer Dankbarkeit. In Wahrheit tat dies nur der eine vollkommene Mensch, Jesus Christus, unser Herr, ununterbrochen. Sein ganzer Weg war von Anfang bis zum Ende ein ungetrübtes, makelloses Zeugnis der Verherrlichung Gottes.

«Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, welches du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte» (Joh. 17,4). Solche Worte hätten nie vorher, noch nachher von einem durch die Sünde gekennzeichneten Menschen ausgesprochen werden können. Der Vater aber sah alles, was sein Sohn in der Liebe seines Herzens getan hatte - auf dem ganzen Weg und in dem grossen Werk.

Erinnern wir uns doch an die letzten Worte des Herrn Jesus, die Er seinen Jüngern in jenem Obersaal sagte:

Im Johannes-Evangelium sprach Er davon, dass die Welt erkennen sollte, dass Er den Vater liebte und also tat, wie der Vater Ihm geboten hatte (Joh. 14,31).

In Lukas 22,37 erklärte Er, dass noch dieses, was geschrieben stand, an Ihm erfüllt werden musste: «Und er ist unter die Gesetzlosen gerechnet worden.»

In den beiden Evangelien nach Matthäus und Markus, wo im allgemeinen die Leiden Christi in ihrer besonderen Schwere dargestellt werden, fällt auf, dass der Herr Jesus mit seinen Jüngern dieses letzte denkwürdige Zusammensein mit einem Loblied beendet. Wie oft haben wir dieses Wort gelesen und gehört: «Und als sie ein Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus nach dem Ölberg» (Matth. 26,30; Mark. 14,26).

Wer könnte die Liebe und die Hingabe, aber auch die Einsmachung des hohen und erhabenen Herrn mit den Jüngern in dem gemeinsamen Lobgesang beschreiben? Er stand im Begriff, seine Seele in den Tod auszuschütten und den Übertretern beigezählt zu werden (Jes. 53,12), sein Leben für dich und für mich zu lassen. Welch eine Aufforderung nun auch an uns und wie schön seine Worte an Gott: «Ihr, die ihr Jehova fürchtet, lobet ihn; aller Same Jakobs, verherrlichet ihn, und scheuet euch vor ihm, aller Same Israels ... Von dir kommt mein Lobgesang in der grossen Versammlung» (Ps. 22,23.25).

Ja, wie ist Er erhört worden von den Hörnern der Büffel und sagt nun im Triumph seines herrlichen Sieges: «Verkündigen will ich deinen Namen meinen Brüdern; inmitten der Versammlung will ich dich loben» (Ps. 22,22).

Erkennen wir im Licht dieser herrlichen Stellen aufgrund des Weges, des Werkes und der Person unseres geliebten Herrn unser unermessliches Vorrecht, das uns in Hebräer 13,15 als eine Aufforderung gegeben ist: «Durch ihn nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.»?

Dich will ich loben immerhin,
Dich preisen, bis bei Dir ich bin.
Dann werden all die teuren Deinen
vor Dir auf ewig sich vereinen.
Dein kostbar Blut einst für uns floss,
ja, deine Lieb ist einzig gross!

Du hast Dich selber ganz gegeben,
für uns zum Heil und ewgem Leben.
Du fandst des Vaters Wohlgefallen,
drum sei Dir Ruhm und Preis von allen.

Dan

Dan wird von der Magd Rahels geboren, und Rahel spricht: «Gott hat mir Recht verschafft und auch auf meine Stimme gehört und mir einen Sohn gegeben!» (1.Mose 30,6). Dieser Vers zeigt uns eine Wende bei Rahel. Auch sie hatte zu Gott gerufen - endlich nach mancher Not. Wie lang dauert es oft, bis das von uns gesagt werden kann! Gott antwortet ihr, und sie nimmt Dan aus seiner Hand. Würde er, dessen Name «Richter» bedeutet, nach Gottes Gedanken das Rechte tun, das Recht seines Gottes hochhalten und vertreten? Weit gefehlt. Debora und Barak klagen in ihrem Lied: «Dan, warum weilte er auf Schiffen?» Sein Handel, seine eigenen Interessen, liessen ihm keine Zeit für den Dienst und Kampf, den Gott von ihm zugunsten seines Volkes erwartete. Jakob nennt ihn in seinem Segen «eine Schlange am Wege, eine Hornotter am Pfade, die da beisst in die Fersen des Rosses, und rücklings fällt sein Reiter» (1.Mose 49,7). In Verbindung damit spricht Jakob das einzige Gebet während seiner letzten Worte an seine Söhne: «Auf deine Rettung harre ich, Jehova!»

Im 18. Kapitel des Buches der Richter haben wir einen ausführlichen Bericht über die Sünde des Stammes Dan. Gewaltsame Männer, die ihr Gemüt selbst als heftig bezeichnen, stehlen in dem Haus Michas Dinge, die nie in ihren Händen gefunden werden sollten. Michas Tun ist sozusagen der Anfang des Verfalls, verwerflich in jeder Hinsicht, und Dan handelt genauso.

Die 600 Mann aus Dan nehmen aus Michas «Gotteshaus» das geschnitzte Bild, den Ausdruck des Ungehorsams gegen Gott, das Ephod, eine Nachahmung des echten Ephods, das dem Hohenpriester vorbehalten war, und die Teraphim (Hausgötzen). Auch das gegossene Bild, das unter völliger Missachtung des ausdrücklichen Gebots des Wortes Gottes gemacht worden war, nahmen sie mit (Richt. 18,18).

Micha wie Dan verbanden in dieser Weise sich selbst und ihre Häuser mit der Sünde und betraten so den Weg des Verfalls. Er beginnt mit dem Aufgeben des einfachen Gehorsams, wird mit der Nachahmung des Echten fortgesetzt und führt zu einem nur noch äusserlichen Gottesdienst. Man kommt zu einem eigenen «Gotteshaus», wie die Schrift es selbst in Richter 17,5 nennt. Um das Gewissen vollends zum Schweigen zu bringen, trifft es sich gut, dass ein Enkel Moses «seines Weges zog» und in dem eigenwillig errichteten Gotteshaus Michas eine Anstellung mit festem Lohn findet. Dieser Jonathan redet das Wort leichthin und in einer Weise, wie es nach dem Willen und Trachten der Daniter war (Richt. 18,5.6).

Haben wir hier nicht ein genaues Bild des heutigen Zustandes in der Christenheit? Sind die Häuser nicht überall voll Götzen? Ist Ungehorsam gegen Gottes Wort nicht das Normale? Wird das Echte nicht fortwährend in sogenannten Gotteshäusern nach den Gedanken und dem Willen der Menschen nachgeahmt? Die Kirche ist volksgerecht geworden; man hat Gotteshäuser wie Micha und angestellte Männer, die das Wort nach ihrem Gutdünken auslegen und anwenden. Erschütterndes Bild, das nichts anderes als Laodicäa darstellt (Offb. 3)!

Bei all diesem gebraucht man den Namen Gottes wie ein Micha, der sagte: «Nun weiss ich, dass Jehova mir wohl tun wird, denn ich habe einen Leviten zum Priester.» So glaubt man auch heute, alles sei in Ordnung, denn man habe doch einen Mann aus dem Volk Gottes «geweiht», wie Micha einst Jonathan selbst zum Priester geweiht hatte. Ja - aber unter völliger Ignorierung alles dessen, was Gott damals wie heute angeordnet hat.

Dan war der erste Stamm, der im Ungehorsam gegen Gott handelte und sich das geschnitzte Bild aufrichtete. In trauriger Verbindung dazu wurde nicht nur Jonathan, ein Enkel Moses, Priester für den Stamm der Daniter, sondern er und seine Söhne waren Priester in Dan «bis auf den Tag, da das Land in Gefangenschaft geführt wurde ... alle die Tage, da das Haus Gottes in Silo war» (Richt. 18,30.31). Unabhängigkeit und Eigenwille führen immer zu traurigen Ergebnissen!

Dan bedeutet Richter; einer, der Recht verschafft. Simson war als Richter und Nasiräer der Hervorragendste aus diesem Stamm. Obwohl der Geist Gottes viermal über ihn kam, versagte er dennoch in traurigster Weise. Aber wiederum sehen wir den Herrn Jesus in einer weiteren Herrlichkeit. Er ist der allein wahre Richter. Mannigfach ist seine herrliche Stellung als Richter, wie Er uns im Blick auf die Gegenwart und Zukunft gezeigt wird.

Offenbarung 1 zeigt Ihn uns, wie Er in seiner Majestät inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt. Weiter berichtet 2.Korinther 5 von dem Richterstuhl des Christus, vor dem wir alle offenbar werden müssen. Dann sehen wir Ihn, wie Er zum Gericht der Lebendigen erscheinen wird. Dazu sagt Er uns in Matthäus 25, dass Er, der Sohn des Menschen, kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit Ihm, und dass Er dann auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen wird, und vor Ihm werden versammelt werden alle Nationen. In Offenbarung 19 lesen wir: «Er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit.» In Offenbarung 2 sagt der Seher Johannes: «Und ich sah einen grossen weissen Thron, und den, der darauf sass, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden. Und ich sah die Toten, die Grossen und die kleinen vor dem Throne stehen.» Dort werden alle ungläubig gestorbenen Menschen gerichtet, nach dem, was in den Büchern geschrieben ist, nach ihren Werken. Welch erschütterndes Endgericht, wo es dann in Ewigkeit keine Gnade mehr geben wird! Welche nie endenden Vorwürfe werden sich die Verlorenen machen, die heute die Gnade abgelehnt haben! ihre Qual ist unausdenkbar - ihr Wurm stirbt nicht!

Auch uns hat das, was Dan bedeutet (Richter, einer der Recht verschafft) etwas zu sagen. Wir finden dies z.B. in 1.Korinther 6: «Oder wisset ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Und wenn durch euch (das ist in eurem Beisein) die Welt gerichtet wird, seid ihr unwürdig, über die geringsten Dinge zu richten?»

Dort auf dem grossen, weissen Thron,
der Richter aller Welt!
Mit Ihm, unendlich grosser Lohn,
die Seinen ungezählt.

Vor Ihm entflieht die ganze Erd,
und auch der Himmel selbst,
und Bücher werden hingestellt,
zu richten alle Welt.

Die Toten dann erscheinen dort,
die Menschen gross und klein,
an jenem heilgen Richterort,
welch Schrecken, welche Pein!

Das Buch des Lebens wird befragt,
und weh, wer dort nicht steht,
geht in die ewge Schreckensnacht.
Für immer ist's zu spät.

Naphtali

Naphtali wird als sechster Sohn Jakobs geboren. Im Blick auf ihn sagt Rahel: «Mein Kampf.» Zeichnete sich dieser Sohn durch Kampf und Sieg des Glaubens aus? Leider nicht. In Richter 1,33 erwähnt der Geist Gottes die Städte, deren Bewohner dieser Stamm nicht austrieb und daher die Anweisungen Gottes in dieser Hinsicht nicht erfüllte.

In Richter 4 werden Sebulon und Naphtali durch Barak zum Kampf aufgerufen, nachdem Barak (ein Mann aus Naphtali) zuvor durch das Wort Gottes zum Heerführer bestimmt worden war. Gott selbst hatte den in diesem Kapitel beschriebenen Kampf geboten. Hätte das Barak nicht genügen müssen? Welch beschämende Einwendung macht jedoch Barak, indem er zur Prophetin Debora sagt: «Wenn du mit mir gehst, so gehe ich; wenn du aber nicht mit mir gehst, so gehe ich nicht» (V. 8).

Das ist das Bild eingeschränkter Kampfbereitschaft, wie es sich auch heute unter uns so oft findet. Jeder von uns wird sich gewiss an viele Gelegenheiten erinnern können, wo er versagt hat, als es um die Ehre unseres Gottes und um das Wohl seines Volkes ging.

1.Könige 7 gibt uns eine weitere wichtige König Salomo sandte Tyrus holen. Er war der Stamme Naphtali (sein Vater aber war ein Tyrer)« (V. 13,14). Dieser kurze Hinweis des Geistes Gottes auf die Mutter Hirams und seinen Vater, der als Tyrer zu den Nationen zählte, ist in Verbindung mit der Tatsache, dass der Sohn in Tyrus war, zweifellos eine ernste Feststellung.

Die Eltern der Mutter oder die Mutter selbst hatten sich über das hinweggesetzt, was in 5.Mose 7 und in Josua 23, um nur zwei Stellen zu nennen, so klar gesagt worden war. Der Grundsatz der Absonderung hatte schon von den Tagen Abrahams an gegolten und war Voraussetzung für den Segen im Land und Länge der Tage. Israel hatte im Gegensatz zu uns irdische Verheissungen für ein glückliches und langes Leben auf der Erde. Gott hatte hinzugefügt, dass sie alles das verlieren würden, ja, dass sich sein Zorn bis zu ihrer Vertilgung gegen sie wenden würde, wenn sie diesen Grundsatz verleugnen sollten. Diesen Weg des Ungehorsams war die Mutter Hirams gegangen. Ihr Sohn gehörte nicht zum Volk Gottes, sondern er war in dem heidnischen und götzendienerischen Tyrus, fern vom Volk Gottes. Wie arm war diese Mutter geworden. Sie hatte Gott selbst und sein Volk aufgegeben, denn sonst wäre sie wohl nicht einem Mann gefolgt, der für sie nicht nach Gottes Willen war. Doch der, mit dem sie sich verbunden hatte, starb, und was blieb ihr? Nur die Gnade Gottes vermochte ihren Sohn nach Jerusalem zu führen. Doch sie selbst war Witwe, und der Geist Gottes sagt nichts mehr über sie.

Der Bericht über diese Tochter aus Naphtali ist uns zur Warnung mitgeteilt und zeigt uns die grosse Gefahr, die uns und unseren Häusern droht, wenn wir den Weg des Wortes Gottes aufgeben und die Mauer der Absonderung niederreissen. Das ungleiche Joch in der Ehe ist die Sünde, die sich in allen Generationen unzählige Male wiederholt hat. Trotz aller Warnungen des Wortes Gottes werden und wurden immer wieder ungleiche Verbindungen eingegangen, obwohl das Wort deutlich sagt: «Seid nicht in einem ungleichen Joche mit Ungläubigen ...» (2.Kor. 6,14). Die Folgen sind nicht wieder aufzuheben. Die Regierungswege Gottes nehmen dann ihren Lauf, wenn Gott auch in seiner Gnade zu vergeben vermag.

Eine Tochter war gegen den ausdrücklichen Willen ihres Vaters ein ungleiches Joch eingegangen. Sie blieb bis ins Alter eine unglückliche Frau, die viel Schweres durchmachen musste und erst nach jahrzehntelangen Übungen durch Gottes Gnade wiederhergestellt wurde, nachdem ihr Mann schon lange nicht mehr lebte. Gott warnt uns: «Irret euch nicht; Gott lässt sich nicht spotten! Denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten» (Gal. 6,7).

Naphtali bedeutet Kampf. Auch hier steht dem völligen Versagen des Menschen der Kampf und der Sieg des Herrn Jesus gegenüber. Lukas war es gegeben, von dem ringenden Kampf zu reden, in dem unser geliebter Herr stand. «Und als er in ringendem Kampfe war, betete er heftiger» (Luk. 22,44). Von dem, was in jenem schweren Kampf geschah, können wir nicht reden, sondern nur unsere Schuhe von unseren Füssen ausziehen, denn wir stehen da auf heiligem Boden. Die Psalmen reden in unzähligen Stellen von diesem schweren Kampf, den Er bestehen musste, und der zum herrlichen Sieg führte.

Wie Naphtali vom Kampf redet, so ist auch unser Glaubensleben ein Kampf, aber nicht wider Fleisch und Blut, sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern. Um in diesem Kampf bestehen und siegreich bleiben zu können, benötigen wir die Waffenrüstung Gottes in ihrem ganzen Umfang (Eph. 6,16-18).

Gad

Gad wird geboren, und Lea nennt ihn «Glück». Man könnte manch Gutes und Positives aus dem Stamm Gad berichten, doch gehen wir den Spuren nach, die zum Ruin führen mussten:

Die Söhne Gads hatten wie Ruben Vieh in gewaltiger Menge. Doch dieser Reichtum veranlasste sie, nicht in das eigentliche Land zu ziehen. Sie zogen es vor, östlich des Jordan in Gilead zu bleiben und den Jordan mit ihren Familien nicht zu überschreiten. Zwar waren die Männer getreulich mit ihren Brüdern in den Kampf gezogen, um das Land Kanaan einzunehmen, aber dann waren sie wieder nach Gilead zurückgekehrt. Was sie kennzeichnete war das, was wir heute ein irdisches Christentum nennen müssen. Es gibt viele Christen, die das «Mitgestorbensein» mit Christus nie verstanden haben und nie zum Besitz der Fülle geistlicher Segnungen in Christus gekommen sind. Welch ein unermesslicher Verlust!

Das Ende dieses Stammes macht klar, was wir auch in den Sprüchen lesen: «Da ist ein Weg, der einem Menschen gerade erscheint, aber sein Ende sind Wege des Todes» (Spr. 14,12). In den Tagen Jehus «begann Jehova abzuhauen unter Israel; und Hasael schlug sie im ganzen Gebiet Israels, vom Jordan an, gegen Sonnenaufgang, das ganze Land Gilead, die Gaditer und die Rubeniter und die Manassiter, von Aroer an, das am Flusse Arnon liegt, sowohl Gilead als Basan» (2.Kön. 10,32.33).

Die Väter Gads hatten selbst gewählt und Gott nicht führen lassen. Auch wir bringen durch unser Tun und Lassen, durch Abhängigkeit vom Herrn oder durch Unabhängigkeit von Ihm, Segen oder Fluch auf Kinder und Kindeskinder.

Der Name Gad bedeutet Glück. Wie wurde das Glück im Herzen der Mutter Lea immer wieder getrübt, und welchen Kummer hatte Jakob, als er die üble Nachrede seiner Söhne, darunter war auch Gad, von Joseph hören musste.

In dieser Welt wurde Gott nur durch einen Menschen vollkommen befriedigt und geehrt, und zwar durch seinen Sohn, den Herrn Jesus, der als Mensch und Knecht hier lebte. Gott spricht an sieben Stellen von Ihm als Dem, an welchem Er Wohlgefallen gefunden hat.

Gott selber spricht Israel gegenüber von dem Glück, das Er seinem Volk geben wollte und sagt durch den Mund Moses: «Siehe, ich habe dir heute das Leben und das Glück, und den Tod und das Unglück vorgelegt, da ich dir heute gebiete, Jehova, deinen Gott, zu lieben, auf seinen Wegen zu wandeln und seine Gebote und seine Satzungen und seine Rechte zu beobachten, damit du lebest und dich mehrest, und Jehova, dein Gott, dich segne in dem Lande, wohin du kommst um es in Besitz zu nehmen» (5.Mose 30,15.16). - «Wenn aber dein Herz sich abwendet ...», sagt Gott weiter und kündet für einen solchen Fall Fluch und Gericht an. «So wähle das Leben, auf dass du lebest» (Vers 19).

In der Freude eines glücklichen und dankbaren Herzens sagt David nach mancher unvergesslichen Erfahrung:»Gott ... führt Gefangene hinaus ins Glück; die Widerspenstigen aber wohnen in der Dürre» (Psalm 68,6).

Haben wir nicht alle in unserem Leben zahlreiche Beispiele dafür gesehen, welches Glück diejenigen geniessen, die sich durch den Geist Gottes leiten lassen und in vertrauter Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus leben? Kennen wir andererseits nicht zahlreiche Beispiele von «Widerspenstigen», die geistlicherweise «in der Dürre» leben, fern von dem wahren Glück des Lebens und der Gemeinschaft mit Gott und dem Herrn Jesus? «Wer Verstand erwirbt, liebt seine Seele; wer auf Verständnis achtet, wird Glück erlangen» (Spr. 19,8).

Aser

Über die Geburt des zweiten Sohnes ihrer Magd ist Lea so erfreut, dass sie ihn Aser (Glückseligkeit) nennt (1.Mose 30,13). Zur Familie Gottes zu gehören, sollte immer Glückseligkeit sein, aber Vorrecht und Verantwortung gehören stets zusammen. «Er tauche in Öl seinen Fuss», hatte Mose von Aser in seinem Segen gesagt, doch in Richter 5 ist nichts von einem durch den Geist geleiteten Wandel zu sehen, wovon der in Öl getauchte Fuss redet; ganz im Gegenteil! «Aser blieb am Gestade des Meeres, und an seinen Buchten ruhte er.» Statt dass er die Ehre Gottes suchte und seinen Brüdern in ihrer Not zu Hilfe eilte, blieb er beim Genuss dessen, was ihm geworden war, und ruhte in all dem Schönen, das ihn umgab. Diese falsche Ruhe, diese gefährliche Trägheit, dieses Geniessen irdischer Dinge sind auch heute für uns und unsere Familien grosse Gefahren. Möchten wir unsere Aufgabe erkennen und sehen, wann wir das zu tun haben, was jederzeit einem glückseligen Wandel und Verhalten entspricht, und Vorrecht und Verantwortung nie voneinander trennen.

Die vier Brüder Dan, Naphtali, Gad und Aser, d.h. die Söhne Bilhas und Silpas, treten zudem in der Geschichte Josephs negativ vor unsere Blicke. Bei ihnen war Joseph als Knabe, doch er litt unter ihrem üblen Verhalten. Von treuer Bruderliebe sehen wir bei diesen vier Söhnen Jakobs nichts. Sie hatten keine Gemeinschaft mit ihrem Vater wie Joseph. Und wenn wir heute keine Gemeinschaft mit dem Vater und dem Herrn Jesus haben, wie wollen wir dann die Brüder lieben? «Und dieses Gebot haben wir von ihm empfangen, dass wer Gott liebt, auch seinen Bruder liebe» (1.Joh. 4,21).

Aser bedeutet Glückseligkeit. Wirklich glückselig war nur der Weg des Einen, dem es unbeschreibliche Freude war, den Willen Dessen zu tun, der Ihn gesandt hatte, selbst wenn es sein Leben kostete. Als Sohn des Menschen frohlockte Er im Geiste und pries den Vater, den Herrn des Himmels und der Erde (Luk. 10). Noch in jenem Obersaal, als Er um alles wusste, was so kurz bevorstand, sprach Er dennoch von seiner Freude, die in den Jüngern sein sollte. Wie gross und unfassbar ist dieses wunderbare Tun und Verhalten des Herrn, der wohl wusste, dass sich die Häscher bereits zu ihrem finsteren Tun zusammenrotteten!

Noch einmal, in Johannes 17, als Er sich auf dem Weg nach Gethsemane an den Vater wandte, sprach er von seiner Freude, die die Jünger völlig in sich haben sollten. Ja, wer könnte seine Glückseligkeit ermessen!

Glückseligkeit ist unser Teil auf dem Glaubensweg, wenn unser Wandel gottgemäss ist (5.Mose 33,24) und wir durch den Heiligen Geist als Söhne Gottes geleitet werden. «Wer auf das Wort achtet, wird Glück (Gad) erlangen; und wer auf Jehova vertraut, ist glückselig» (Spr. 16,20).

Die Heilige Schrift benutzt in vielen Stellen das Wort «glückselig» (voll von Glück). Der erste Psalm beginnt mit diesem Wort, und der lange Psalm 119 wird mit einem zweifachen «glückselig» in den Versen 1 und 2 eingeleitet. Auch in der Offenbarung lesen wir diesen Ausdruck siebenmal. Das letzte Buch der Bibel beginnt in Vers 3 mit dem schönen Hinweis: «Glückselig, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe!»

In jeder Beziehung ist dem, der mit Gott wandelt, Glückseligkeit verheissen. Aber welch besonders glückseliges Teil ist uns doch darin geschenkt, dass wir als Anbeter dem Vater und dem Sohn nahen dürfen!

Das lenkt unsere Aufmerksamkeit unwillkürlich auf unser Zusammenkommen am Tag des Herrn, an seinem Tisch, hin. Ein anderer schrieb dazu: So oft wir da mit glücklichen, dankbaren Herzen versammelt sind, empfangen wir einen Vorgeschmack von dem, was wir dereinst in der Herrlichkeit vollkommen geniessen werden. Abgesondert von der Welt, geschart um das geschlachtete Lamm, das uns durch sein Blut für Gott erkauft hat, Glieder eines Leibes, durch einen Geist auf ewig miteinander verbunden, mit dem Haupt des Leibes selbst in unserer Mitte, vor dem Angesicht des Vaters versammelt, die Zeichen des Todes unseres Herrn und Heilandes vor unseren Blicken, an Ihn denkend und seinen Tod verkündigend - wer könnte den Wert, die Lieblichkeit und zugleich den Ernst eines solchen Zusammenseins gebührend beschreiben? Mit Recht ist deshalb auch der Tisch des Herrn immer wieder als der Mittelpunkt aller christlichen Anbetung auf Erden bezeichnet worden. Gross, überschwänglich gross, war die Freude, als es Gott vor ungefähr 100 Jahren (geschrieben 1927) gefiel, die Augen und Herzen einiger der Seinen wieder auf diese Wahrheit hinzulenken, die so viele Jahrhunderte vergessen war, und damit naturgemäss auch auf seine Gedanken und Ratschlüsse über Christus und die Versammlung (Gemeinde). Kostbare Anbetungslieder zu Ehren des Vaters und des Sohnes flossen unter der Wirkung des Geistes aus den glücklichen Herzen, Lieder, wie man sie in den Zeiten der Reformation, so herrlich und gesegnet diese auch waren, nicht gekannt hatte. Sie antworteten auf jene Liebe des Vaters, der Anbeter sucht. Sie entsprachen dem Herzen des Sohnes, der als «der Erstgeborene unter vielen Brüdern» in der Mitte der Versammlung dem Vater lobsingen will, und sie liessen das Wirken des Geistes der Sohnschaft erkennen, den Gott in unsere Herzen gesandt hat, und der in uns ruft: «Abba! Vater!» Wie kostbar ist dabei der Gedanke, dass auch der jüngste Gläubige und schwächste Christ fähig gemacht ist, den Vater anzubeten! «Ich schreibe euch», sagt der Apostel Johannes den Kindlein in Christus, «weil ihr den Vater erkannt habt» (1.Joh. 2,13).

Issaschar

Lea bringt als fünften Sohn Issaschar zur Welt, bei dessen Geburt sie sagt: «Gott hat mir meinen Lohn gegeben.» Sein Name bedeutet: «Er bringt Lohn» oder «es gibt Lohn». Von diesem Lohn sehen wir im Leben des Stammes Issaschar nichts. Sein Vater nennt ihn einen knochigen Esel, der sich zwischen den Hürden lagert. Und er sieht, dass die Ruhe gut und das Land lieblich ist; er beugt seine Schulter zum Lasttragen und wird zum fronpflichtigen Knecht (1.Mose 49,14.15). Hier haben wir das Bild eines schlecht genährten Lastträgers, eines Mannes, der die Bequemlichkeit liebt und Sklave seiner üblen Neigungen wird. Wie viele im Volk Gottes gleichen diesem Bild und mangeln der Energie, Kraft und Entschiedenheit, die der Geist Gottes in jedem Gläubigen wirken möchte. Es fehlt am Interesse, geistliche Nahrung aufzunehmen und so auf einem gottwohlgefälligen Weg Kraft zu empfangen. Wie schade! Welch ein Verlust für Zeit und Ewigkeit!

Issaschar heisst: Er bringt Lohn, oder es gibt Lohn. Ja, der Herr Jesus hat für die vor Ihm liegende Freude das Kreuz erduldet, ohne der Schande zu achten! Was wird es für Ihn sein, wenn es sich erfüllt: «Siehe, ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat» (Hebr. 2,13). «Von der Mühsal seiner Seele wird er Frucht sehen und sich sättigen» (Jes. 53,11). Für das grösste Werk wird Ihm auch der grösste Lohn zuteil. Du bist würdig, du allein!

Wir werden jedoch in alle Ewigkeit den bitteren Lohn nicht vergessen können, von dem der Herr Jesus prophetisch in Sacharja 11,12 spricht: «Wenn es gut ist in euren Augen, so gebet mir meinen Lohn, wenn aber nicht, so lasset es; und sie wogen meinen Lohn dar: dreissig Silbersekel.» Wer könnte ermessen, was in seinem Herzen vorging, wenn wir den Zusatz in Vers 13 lesen: «Da sprach Jehova zu mir: Wirf ihn dem Töpfer hin, den herrlichen Preis, dessen ich von ihnen wertgeachtet bin! Und ich nahm die dreissig Silbersekel und warf sie in das Haus Jehovas, dem Töpfer hin.»

Gott redet auch vom Lohn, den Er geben möchte: «Der Tag wird es klarmachen, weit er in Feuer offenbart wird; und welcherlei das Werk eines jeden ist, wird das Feuer bewähren. Wenn das Werk jemandes bleiben wird, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen» (1.Kor. 3,13.14). Im gleichen Kapitel lesen wir in Vers 8: «Ein jeder aber wird seinen eigenen Lohn empfangen nach seiner eigenen Arbeit.»

Ruth, die Moabitin, liebte das Volk Gottes, und die Belohnung dafür kündigt sich schon im ersten Gespräch an, das Boas in Kapitel 2 mit ihr führt: «Jehova vergelte dir dein Tun und voll sei dein Lohn von Jehova, dem Gott Israels, unter dessen Flügeln Zuflucht zu suchen du gekommen bist!» (V. 12).

Auch der Apostel Johannes erwähnt in seinem 2.Brief in Vers 8 «vollen Lohn», indem er sagt: «Sehet auf euch selbst, auf dass wir nicht verlieren, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangen.»

Gott selbst wollte Abraham, wie Er in 1.Mose 15,1 sagt, «ein Schild» und sein «sehr grosser Lohn» sein. Tatsächlich war der Lohn Abrahams unermesslich gross.

Im Beobachten der Rechte Jehovas ist «grosser Lohn» (Ps. 19,11). Welch ein «grosser Lohn» ist auch mit den Leiden und Schmähungen um des Herrn Jesus willen verbunden, wie wir in Matthäus 5,12 lesen!

In den letzten Worten des Herrn Jesus in Offenbarung 22 verheisst der Herr in Vers 12 noch einmal sein Kommen und «seinen Lohn»: «Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk sein wird.»

«Kein Lohn» wird denen zuteil, die um des Ansehens bei den Menschen willen Gutes tun (Matth. 6,1). Bileam liebte den «Lohn der Ungerechtigkeit», und wir leben in einer Zeit, in der viele den geraden Weg verlassen haben und abgeirrt sind, indem sie dem Weg Bileams nachfolgten (2.Petr. 2,15).

Zu diesem Thema noch einige Gedanken aus einer alten Zeitschrift: Die Zeit eilt schnell dahin. Bald werden wir den Schauplatz der Sünde und des Todes verlassen, um «allezeit» beim Herrn zu sein. Alles, was wir an irdischem Gut besessen haben, bleibt dann zurück. Alles Ansehen, das wir von ungläubigen Menschen genossen haben, ist wertlos. Jede Stunde, die wir hier uns selbst gelebt haben, ist verloren. Diese Erwägungen sollten uns nüchtern und besonnen sein lassen und «unsere lautere Gesinnung aufwecken» (2.Petr. 3,1). Petrus lag es am Herzen, die seiner Obhut anvertrauten Schäflein «an diese Dinge zu erinnern», wiewohl sie sie kannten und in der gegenwärtigen Wahrheit befestigt waren (2.Petr. 1,12). Ach, wie sehr bedürfen auch wir solcher Erinnerungen in diesen letzten Tagen!

Alles, was wir hier für den Herrn gewesen sind, wird nicht verloren gehen, sondern in Ewigkeit bleiben. Der gnadenreiche Herr weiss die Treue der Seinen wohl zu schätzen und will sie reichlich belohnen. Selbst ein Becher kalten Wassers, in eines Jüngers Namen dargereicht, wird nicht unbelohnt bleiben (Matth. 10,42).

Freilich soll der Lohn nicht der Beweggrund sein, der uns in unserem Tun leitet. Der Herr selbst zeigt uns den wahren Beweggrund in den Worten: «Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten» (Joh. 14,23). Wenn wir nicht durch die Liebe geleitet werden, so hat unser Tun vor Gott keinen Wert, und wir werden nicht glückselig darin sein (1.Kor. 13,1-3; Jak. 1,25). Nichtsdestoweniger werden wir an vielen Stellen des Wortes durch den Hinweis auf die Belohnung ermuntert, treu für den Herrn dazustehen. Mose «hielt die Schmach des Christus für grösseren Reichtum als die Schätze Ägyptens; denn er schaute auf die Belohnung» (Hebr. 11,26).

Möchte denn der gütige Herr am Ende unserer irdischen Laufbahn zu uns allen sagen können: «Wohl, du guter und treuer Knecht! über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; gehe ein in die Freude deines Herrn» (Matth. 25,21-23).

Sebulon

Der Name des letzten Sohnes der Lea, Sebulon, bedeutet Wohnung. Sebulon war also berufen, eine Wohnstätte des Lichts, des Wortes Gottes zu sein und in Verbindung mit der Wohnung Gottes in Jerusalem zu stehen. In 2.Chronika 30,10 finden wir aber das Gegenteil davon. Männer aus Sebulon verlachten und verspotteten die Läufer Hiskias, die die Einheit des Volkes Gottes suchten und sie aufforderten, «dass sie kämen, um Jehova, dem Gott Israels, Passah zu feiern in Jerusalem». Welch ein Appell an uns, an den Gedanken Gottes im Blick auf die Einheit seines Volkes festzuhalten! «Da ist ein Leib und ein Geist» (Eph. 4,4). Unter denen, die sich demütigten, als der Ruf Gottes durch die Boten Hiskias an ihr Ohr drang, waren auch einige Männer von Sebulon. Sie nahmen das Wort Gottes an und demütigten sich. Dann kamen sie nach Jerusalem und nahmen Teil an der Freude des Volkes Gottes und an seinen Vorrechten. «Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist, um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz der Zerschlagenen.» So spricht der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit wohnt, und Dessen Name der Heilige ist (Jes. 57,15).

In Matthäus 4,1.Kommt der Herr Jesus selbst in das Land Zabulon (Sebulon) und das Land Nephtalim, um dort zu wohnen. Müssen wir nicht sagen: «O welch ein Heiland, Herr, bist Du!»? Ja, das Volk, das im Finstern sass, hat ein grosses Licht gesehen und denen, die im Land und Schatten des Todes sassen, Licht ist ihnen aufgegangen. Wie tief war Sebulon gesunken! Finsternis, Land und Schatten des Todes, das sind die Kennzeichen und Folgen des Abweichens vom herrlichen Segen und Licht des Wortes unseres Gottes.

Sebulon bedeutet Wohnung. Gott wandelte im Garten Eden, aber Er wohnte nicht dort. Abraham wurde die Gunst zuteil, dass Gott zu ihm kam, aber Er wohnte auch nicht bei ihm. Später wohnte Gott dann in der Mitte des Volkes Israel, aber Er war in seiner heiligen Wohnung und durch den Scheidevorhang vom Volk getrennt. Nur vom Herrn Jesus konnte durch Johannes bezeugt werden: «Ich schaute den Geist wie eine Taube aus dem Himmel herniederfahren, und er blieb auf ihm» (Joh. 1,32). Welch erhabene Tatsache! «Denn es war das Wohlgefallen der ganzen Fülle, in ihm zu wohnen und durch ihn alle Dinge mit sich zu versöhnen.» - «Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig» (Kol. 1,19; 2,9).

Wie gross ist die Gnade, die in Johannes 14,23 hervorleuchtet: «Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten) und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.» In diesem gleichen Kapitel sagt uns der Herr, dass Er den Vater bitten werde, uns einen anderen Sachwalter zu geben, «dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein» (V. 17).

Joseph

«Und Gott gedachte an Rahel, und Gott hörte auf sie», (1.Mose 30,22). Wie mag sie ernstlich gebetet haben und dabei in das göttliche Licht gekommen sein! Er antwortete und gab ihr Joseph, der ihre Schmach wegnahm und sie Gottes unendliche Güte erfahren liess.

Das Leben Josephs ist ein Hinweis auf das wunderbare Leben des Herrn Jesus und auch auf seine Leiden. Doch das Leben der beiden Stämme Ephraim und Manasse, der Nachkommen der Söhne Josephs, ist so dunkel wie das der übrigen Stämme. Sie endeten ebenso in der Gefangenschaft der Assyrer. Das Vorbild des treuen, von Gott abhängigen und stets mit Ihm wandelnden Vaters haben sie verlassen. Viele Kinder gläubiger Eltern tun heute dasselbe. Sie ignorieren die Worte ihrer Eltern, und schon führt der Weg abwärts in die Welt, in die Hände der Räuber und in die Gefangenschaft des Fürsten der Finsternis! «Da ist ein Weg, der einem Menschen gerade erscheint, aber sein Ende sind Wege des Todes» (Spr. 16,25).

Der Name Joseph bedeutet «Er füge hinzu» und «Er nimmt weg». Vielleicht dürfen wir in diesem Namen im Blick auf uns das sehen, was wir in 2.Petrus 1,5 finden: «Indem ihr allen Fleiss anwendet.» Trägheit in geistlicher Beziehung ist verhängnisvoll, wie wir es im Leben der Brüder Josephs so oft sehen. Gott erwartet von uns nicht nur, dass wir Fleiss anwenden, sondern Er sagt ausdrücklich «allen Fleiss». Wie weit geht das! «Wenn diese Dinge bei euch sind und reichlich vorhanden, so stellen sie euch nicht träge noch fruchtleer hin bezüglich der Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus. Denn bei welchem diese Dinge nicht sind, der ist blind, kurzsichtig und hat die Reinigung seiner vorigen Sünden vergessen» (2.Petr. 1,8.9). Wie eindringlich redet Gottes Wort auch an dieser Stelle!

Joseph war gekennzeichnet durch den Genuss der Liebe seines Vaters, mit dem er in inniger Gemeinschaft lebte, dem er seine Empfindungen mitteilte und den er durch Gehorsam und williges Ausführen seines Auftrages ehrte (1.Mose 37). Zu all diesem sind auch wir durch Gnade berufen.

Joseph heisst also «Er füge hinzu» und «Er nimmt weg». Gott trug Sorge dafür, dass durch das Leben dieses treuen Mannes zahlreiche Bilder gegeben wurden, die auf den Weg und die Person des Sohnes der Liebe des Vaters hinweisen. Auch Josephs Name spricht von Ihm, der litt, um all unsere Schmach, Schuld und Sünde wegzunehmen, und der uns in seinem Blut gewaschen hat. Er hat auch hinzugefügt, und zwar Gnade um Gnade. Welch unerschöpfliches Thema ist sein Weg, sein Werk und seine Liebe!

Greifen wir doch aus der Fülle vorbildlicher Züge im Leben und Dienst Josephs die Kleider heraus, die uns einige der Herrlichkeiten des Sohnes Gottes nahe bringen, die Ihn in seiner Erniedrigung und Erhöhung kennzeichnen.

«Und Israel hatte Joseph lieber als alle seine Söhne, ... und er machte ihm einen langen Leibrock» (1.Mose 37,3). Welche Auszeichnung dieses Sohnes der Liebe des Vaters inmitten seiner Brüder! Ruben hatte den Vorzug der Erstgeburt durch seine traurige Sünde verloren (1.Mose 49,4). Dieser lange Leibrock, wie ihn nur Vornehme trugen, war ein öffentliches Zeugnis der Zuneigung des Vaters zu dem einen Sohn, der ihn nie betrübt hatte. Beide lebten in ungetrübter Gemeinschaft und im Genuss gegenseitiger Liebe.

Wie erinnert uns all das an die Liebe unseres Gottes und Vaters zu dem eingeborenen Sohn, der in des Vaters Schoss ist. Wie hat Er Ihn ausgezeichnet und Ihm in aller Öffentlichkeit seine Liebe und sein Wohlgefallen bezeugt (Matth. 3,17; Mark. 1,11; Luk. 3,22). Das gleiche geschah auf dem Berg der Verklärung vor den Ohren der drei Jünger (Matth. 17,5; Mark. 9,7; Luk. 9.35).

Der «lange Leibrock» Josephs war mit farbigen Rändern versehen. In Gottes Wort beschreiben auch die Farben die Schönheit und Herrlichkeit sowie die Leiden des Herrn Jesus.

Doch Er, der Knechtsgestalt angenommen hatte, indem Er in Gleichheit der Menschen geworden ist und in seiner Gestalt wie ein Mensch erfunden wurde, war in seiner Reinheit, Heiligkeit und Vollkommenheit, in seiner Auszeichnung durch den Vater und vollständigen Übereinstimmung mit allen offenbarten Gedanken Gottes - wie Joseph bei seinen Brüdern - für die Juden nur ein Anlass, Ihn zu hassen.

In Ägypten trug Joseph das Zeugnis der Schönheit von Gestalt und von Angesicht (1.Mose 39,6). Doch die feindliche, unreine Welt suchte ihm dieses Zeugnis zu rauben. Sein Gewand blieb in ihrer Hand, und Verleumdung wurde sein Teil (1.Mose 39,16-18). So sehen wir besonders im Lukas-Evangelium den Herrn Jesus in seiner fleckenlosen, reinen Menschheit dargestellt. Auch Ihm wollte man das Zeugnis seiner vollkommenen Reinheit und Schönheit rauben: «Diesen haben wir befunden als einen, der unsere Nation verführt» (Luk. 23,2).

Josephs Dienst zeichnete sich durch Treue aus, als er in die Festung gelegt wurde und alle Gefangenen ihm übergeben wurden. «Jehova war mit ihm; und was er tat liess Jehova gelingen» (1.Mose 39,23). Sehen wir hier nicht unseren geliebten Herrn, der «Knechtsgestalt» annahm, wie wir Ihn besonders bei Markus beschrieben finden? Für Joseph kam der Augenblick, da er seine Kleider wechselte und zum Pharao ging. So kam für den Herrn Jesus die Erfüllung seines treuen, beharrlichen Dienstes, als Er in den Himmel aufgenommen wurde, sich zur Rechten Gottes setzte und den Platz höchster Ehre einnahm.

So wie Joseph in Kleider von Byssus gekleidet wurde und die Kelle von Gold trug, so wird auch der Herr Jesus, wie auf dem Berg der Verklärung angekündigt, in Kleidern, weiss wie das Licht - glänzend, sehr weiss wie Schnee, wie kein Walker auf der Erde weiss machen kann - weiss, strahlend erscheinen und seine Herrschaft auf dieser Erde antreten. «Dann wird er auf seinem Throne der Herrlichkeit sitzen, und vor ihm werden versammelt werden alle Nationen» (Matth. 25,31).

«Werfet euch nieder» (1.Mose 41,43) wird der Ruf sein, der dann über diese Erde erschallen wird. «Den Stab deiner Macht wird Jehova aus Zion senden; herrsche inmitten deiner Feinde! Dein Volk wird voller Willigkeit sein am Tage deiner Macht; in heiliger Pracht, aus dem Schosse der Morgenröte wird dir der Tau deiner Jugend kommen» (Psalm 110,2.3).

Wir huldigen aus tiefster Seele
und sprechen froh: Wer ist wie Du!
Dich führt, gesalbt mit heilgem Öle,
Gott deinem Volk als Hirte zu.
Du bist der ewge Friedens-König.
Auf Gnad und Wahrheit ruht dein Thron,
und Erd und Himmel - tausendtönig,
jauchzt: «Hosianna - Davids Sohn!»

Benjamin

«Benoni», Sohn meiner Not, nennt Rahel ihren zweiten Sohn, und Jakob spricht von einem Wolf, der zerreisst, «am Morgen verzehrt er Raub, und am Abend verteilt er Beute» (1.Mose 49,27). Sollte das der Weg dessen werden, den er Benjamin (Sohn der Rechten oder des Glücks) heisst? Ja, so kam es. Der Weg dieses Stammes ist der erschütterndste, der überhaupt denkbar ist. Das Böse treibt einem furchtbaren Höhepunkt zu. Nicht nur lebten in Gibea-Benjamin Männer, die Söhne Belials waren (= schlechte, nichtswürdige Männer; siehe die Fussnote in Richter 19,22), sondern dieser ganze von Gott begnadigte Stamm schützte das Böse in seiner Mitte und verurteilte es nicht. 25(100 Mann starben an einem Tag durch das Gericht Gottes, und von allen Männern blieben nur 600 übrig. Das ist die Folge des Wandels mit dem Bösen und der nicht vorgenommenen Trennung von der Sünde: Tod und Gericht! (Richt. 20).

Die Bedeutung von Benoni ist «Sohn meiner Not». Dieser Name redet nicht nur vom bösen Weg dieses Stammes, sondern auch vom Sohn des Vaters bzw. von dem, was Gott, der Vater, empfunden hat, als sich erfüllte, was vorbildlich in 1.Mose 22 gesagt war: «Und sie gingen beide miteinander.» Welch ein Gegenstand der Anbetung ist das für unsere Herzen! «Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast ... und opfere ihn.» Abraham ging mit Isaak frei aus, doch Gott hat seinen eigenen Sohn nicht geschont, sondern Ihn für uns alle hingegeben.

Gott, du hast Dir ausersehen
deinen Sohn zum Opferlamm.
Deine Liebe hiess Dich gehen
mit Ihm hin zum Kreuzesstamm.
Seine Qual schnitt Dir ins Herz
und sein Weh war auch Dein Schmerz.

Wie wenig denken wir an jene Seite des Werkes auf Golgatha, an das, was der Vater im Blick auf all die Leiden seines Sohnes empfunden hat!

Benjamin hingegen heisst «Sohn der Rechten» oder «des Glücks». Der «Sohn meiner Not» ist, wenn wir an den Herrn Jesus denken, gleichzeitig auch Der, welcher hoch erhoben wurde, wie wir es an vielen Stellen finden. Er hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe, und Ihm sagte Gott: «Setze dich zu meiner Rechten» (Hebr. 1,13).

Die Schrift redet sehr oft von diesem Platz «zu meiner Rechten», «zur Rechten der Macht», «zur Rechten der Macht Gottes», «zur Rechten Gottes», «zur Rechten der Majestät in der Höhe», «zur Rechten des Thrones der Majestät in der Höhe» und «zur Rechten des Thrones Gottes». Welche Sorgfalt verwendet doch der Geist Gottes darauf, in diesen sieben verschiedenen Ausdrücken die Herrlichkeit Dessen zu beschreiben, der einst so tief erniedrigt war und nun so hoch erhoben ist!

So wie Benoni (Sohn meiner Not) durch die Not und Mühsal seiner Mutter, ja, in Verbindung mit ihrem Tod zum Leben kam, so sind wir allein aufgrund des Werkes des Herrn Jesus, seiner Leiden und seines Todes zum Leben gekommen.

Wie viel Schmerz hast du erduldet,
wie viel Tränen Du geweint!
Alles das, was wir verschuldet,
lag auf Dir, o Herr, vereint.

Wir verdanken alles Ihm, unserem geliebten Herrn. Doch sind wir nicht nur «Benoni», Söhne seiner Not, sondern wir sind auch «Söhne der Rechten und des Glücks». Bald wird Er uns zu sich erheben, um dort auf ewig mit Ihm zu leben. Welch herrliche und ewige Freude in seiner Nähe!

Dieses Glück in Verbindung mit «Benjamin» finden wir besonders in dem Segen, der in 5.Mose 33,12 ausgesprochen wird: «Der Liebling Jehovas! in Sicherheit wird er bei ihm wohnen; er beschirmt ihn den ganzen Tag, und zwischen seinen Schultern wohnt er.» Welche Liebe kommt in diesen Worten zum Ausdruck, ja, ewige Liebe, Geborgenheit, Sicherheit und Nähe Gottes! Das ist der Platz der Gnade, reiner, unverdienter Gnade, der uns allein durch die Leiden und das Werk unseres Herrn Jesus Christus geworden ist.

«Dem alleinigen Gott, unserem Heilande, durch Jesus Christus, unseren Herrn, sei Herrlichkeit, Majestät, Macht und Gewalt vor aller Zeit und jetzt und in alle Ewigkeit! Amen» (Jud. 25).

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Letzte Änderung am 10.07.2010.