Halte Fest
Geben Sie ein Stichwort ein:
erweiterte Suche

Josephs Erhöhung

Halte fest Jahrgang 2002 - Seite: 141 - Verfasser: F. Runkel

Einleitung

Die Geschichte Josephs im Alten Testament enthält viele Hinweise auf die Person des Herrn Jesus. Gerade im Hinblick auf die Leiden, die Joseph von Seiten seiner Brüder erdulden musste, ist er ein deutliches Bild von Dem, der auch von seinen Brüdern, den Juden, verworfen wurde. Viele Einzelheiten - z.T. mit verblüffender Genauigkeit - stimmen auffällig überein. Um nur einige Beispiele zu nennen: die Auszeichnung von Seiten des Vaters, der Hass seiner Brüder, die Überlieferung an die Nationen, der Preis des Verrats usw.

Weniger vertraut sind uns vielleicht die Parallelen zwischen Joseph und dem Herrn Jesus im Hinblick auf die Erhöhung, die beide erfuhren, nachdem sie vorher Schmerz und Leid erlebt hatten. Petrus schreibt in seinem ersten Brief von «den Leiden, die auf Christus kommen sollten, und von den Herrlichkeiten danach» (Kap. 1,11). Auch der Herr Jesus selbst verband in seinen Worten an die Jünger, die auf dem Weg nach Emmaus waren, die Leiden mit den darauf folgenden Herrlichkeiten: «Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen?» (Luk. 24,26). Ähnlich wie Joseph erging es auch unserem Herrn. Den schrecklichen Leiden folgte eine für uns kaum vorstellbare Herrlichkeit.

Im Folgenden wollen wir uns etwas mit den Auszeichnungen und Ehrungen beschäftigen, die Joseph von Seiten des Pharao erfuhr, um etwas über die Herrlichkeiten zu lernen, die unserem Herrn nach seiner Himmelfahrt gegeben worden sind. Möge das Nachdenken über diesen Abschnitt in 1.Mose 41,42-45 ein Ansporn sein, uns mehr mit unserem Herrn in der Herrlichkeit zu beschäftigen; uns mehr zu interessieren für das, was Ihm nach vollbrachtem Erlösungswerk geworden ist! Fordert Gottes Wort uns nicht deutlich dazu auf: «Sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnt auf das, was droben ist.» (Kol. 3,1.2)? Der Herr Jesus selbst sagt uns: «Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein» (Matth. 6,21). Für Gott, den Vater, ist es eine grosse Freude, wenn wir uns immer wieder mit seinem Sohn beschäftigen - sowohl in seinen Leiden als auch mit seinen Herrlichkeiten.

Nachdem Joseph aus dem Gefängnis entlassen war, schor er sich und zog andere Kleider an, da er unmöglich in Gefängniskleidern vor den Pharao treten konnte. Als dieser die Deutung seines Traumes erfahren hatte, wurde ihm sofort bewusst, dass da eine aussergewöhnliche Person vor ihm stand. «Werden wir einen Mann finden wie diesen, einen Mann, in dem der Geist Gottes ist?», so rief er in Gegenwart seiner Knechte aus (1.Mose 41,38). Und es blieb nicht bei anerkennenden Worten. Joseph erfuhr im Anschluss an diese Szene eine Reihe von Auszeichnungen, die für die damalige Zeit etwas Aussergewöhnliches darstellten: Der Pharao

  • übergab ihm seinen Siegelring
  • er kleidete ihn in Byssus
  • er legte eine goldene Kette um seinen Hals
  • er veranlasste, dass sich vor Joseph alle niederbeugen mussten
  • er übertrug ihm die Regierung über sein ganzes Reich
  • er verlieh ihm einen Titel
  • er gab ihm eine Frau

Es lohnt sich, diese Punkte zu betrachten und sich zu fragen: Was kann ich daraus über die Herrlichkeit meines Heilands lernen?

1. Der Siegelring

In der Zeit des Alten Testaments war der Träger eines solchen Rings in der Lage, Gesetze und Verordnungen mit bindender Wirkung zu erlassen und in Kraft zu setzen. Wichtige Dokumente und Schriftstücke wurden mit dem Siegel von Autoritätspersonen versehen, um die Originalität und Echtheit zu beweisen. In enger Verbindung mit diesem Autoritätsbeweis stand auch der Tatbestand der Unwiderruflichkeit von Erlassen, wenn sie einmal mit dem Siegel des Gesetzgebers versehen waren. Ein Beispiel dafür finden wir in Esther 8,8: «So schreibt ihr nun im Namen des Königs betreffs der Juden, wie es euch gut dünkt, und untersiegelt es mit dem Siegelring des Königs. Denn eine Schrift, die im Namen des Königs geschrieben und mit dem Siegelring des Königs untersiegelt ist, kann nicht widerrufen werden.» Hier treten die beiden Elemente Autorität und Unwiderrufbarkeit deutlich hervor.

Versuchen wir, uns diese Szene vor dem Pharao vorzustellen: Da greift der zu damaliger Zeit wohl mächtigste Mann an seine Hand, zieht seinen eigenen Siegelring, ein Zeichen seiner unumschränkten Herrschaft und Autorität, ab, und steckt ihn an die Hand dieses jungen Hebräers, der vor wenigen Stunden noch im Gefängnis sass, nicht wissend, welches Schicksal ihn ereilen würde. Was wird in Joseph vorgegangen sein, eine solche Auszeichnung und Ehre vom Pharao höchst persönlich überreicht zu bekommen? Eben noch ein rechtloser Gefangener - jetzt der mit höchster Autorität und weitreichenden Befugnissen versehene Herrscher Ägyptens!

Und unser Herr? Er ist jetzt der hoch erhobene und verherrlichte Mensch im Himmel. Gott hat alles in seine Hand gegeben. In diesem Zusammenhang gibt uns 2.Korinther 1,20 einen wichtigen Anhaltspunkt: «So viele der Verheissungen Gottes sind, in ihm ist das Ja, darum auch durch ihn das Amen, Gott zur Herrlichkeit durch uns.» Die von Gott gegebenen Verheissungen und die von Ihm gefassten Ratschlüsse finden ihre Bestätigung und ihre definitive Erfüllung im Herrn Jesus. Er garantiert die Ausführung aller Vorsätze, die Gott gefasst hat; aber ebenso garantiert Er die Erfüllung aller göttlichen Verheissungen. - Auch im Hinblick auf unsere Errettung ist alles endgültig sicher und fest:

Wo ist unsre Sünd geblieben?
Christus starb an unsrer Statt;
durch sein Blut - o welches Lieben! -
Er die Schuld getilget hat.

Aber auch die Ausführung des von Gott in der Bibel angekündigten Gerichts ist ebenso sicher und unwiderruflich. Zu den Auszeichnungen und Herrlichkeiten, die dem Herrn Jesus als verherrlichtem Menschen gegeben sind, gehört auch die Übertragung der Ausführung göttlicher Gerichte an allen, die den Sohn abgelehnt haben. Gott, der Vater, hat dem Sohn «Gewalt gegeben, Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist» (Joh. 5,27). Ein ernster Gedanke für ungläubige Menschen - ein ernster Appell aber auch für jeden Gläubigen, die gegenwärtige Zeit auszunutzen, um die Menschen mit der Liebe Gottes, aber auch mit den ewigen Konsequenzen einer verschmähten Liebe Gottes bekannt zu machen.

2. Kleider von Byssus

Leinen oder Byssus bezeichnet einen weissen oder hellfarbenen Stoff, der für die Herstellung von Kleidungsstücken verwendet wurde. Gewöhnlich trugen nur die Priester und vornehme Leute Kleidungsstücke aus Byssus. In 2.Mose 28 wird uns die Priesterkleidung beschrieben: «Du sollst heilige Kleider für deinen Bruder Aaron machen zur Herrlichkeit und zum Schmuck ... Und mache den Leibrock von zellenförmigem Gewebe von Byssus, und mache einen Kopfbund von Byssus» (V. 2.39). Mordokai, der Mann, «an dessen Ehre der König Gefallen hatte ... ging von dem König hinaus in königlicher Kleidung ... und in einem Mantel von Byssus und Purpur» (Esther 6,6; 8,15). Diese beiden Beispiele zeigen uns, dass Kleider von Byssus im Allgemeinen von Menschen getragen wurden, die in geistlicher oder weltlicher Hinsicht besondere Würdenträger waren.

Versetzen wir uns zunächst in die Lage Josephs. Was für ein Gegensatz! Vor kurzer Zeit trug er noch Häftlingskleider - und nun königliche Kleider! Eine ungerechte Beschuldigung war die Veranlassung gewesen, ihn ins Gefängnis zu werfen. Aber diese Kleider von Byssus machten jedem Betrachter unmissverständlich klar: Hier stand jemand vor ihnen, der vollständig rehabilitiert war.

Im Hinblick auf unseren Herrn lesen wir in Psalm 18,19.20: «Er führte mich heraus ins Weite, er befreite mich, weil er Lust an mir hatte. Der Herr vergalt mir nach meiner Gerechtigkeit, nach der Reinheit meiner Hände erstattete er mir.» Byssus oder Leinen ist im Neuen Testament ein Symbol für praktische Gerechtigkeit. Siehe dazu Offenbarung 19,8: «Die feine Leinwand sind die Gerechtigkeiten (oder die gerechten Taten) der Heiligen.»

Der Herr Jesus starb auf Golgatha nicht wegen eigener Schuld. Er konnte die Juden fragen: «Wer von euch überführt mich der Sünde?» (Joh. 8,46). Kurz zuvor hatte Er ihnen schon gesagt, dass Er allezeit das dem Vater Wohlgefällige tat (Joh. 8,29). Auf Schritt und Tritt, in seinem Tun und Lassen, Reden und Schweigen war Er in vollkommener Übereinstimmung mit seinem Gott und Vater. Das bedeutet vollkommene Reinheit in den Augen Gottes.

Seine Antwort auf dieses Leben in Heiligkeit und Reinheit war die Auferweckung seines Sohnes. Er «liess nicht zu, dass sein Frommer die Verwesung sah» (Ps. 16,10; Apg. 2,27). Damit bestätigte Er auf eindrucksvolle Weise, dass der Herr Jesus wegen fremder Schuld - nicht wegen eigener - gestorben war.

3. Die goldene Kette

In Verbindung mit der goldenen Kette steht zum einen der Gedanke des Schmucks, zum anderen aber wohl auch die Verleihung einer amtlichen Würde. In Hesekiel 16,11.1.Sagt Gott von Jerusalem: «Ich schmückte dich mit Schmuck: Ich legte Armringe an deine Hände und eine Kette um deinen Hals ... So wurdest du mit Gold und Silber geschmückt.» Den anderen Aspekt zeigt uns Daniel 5,29: «Alsdann befahl Belsazar, und man bekleidete Daniel mit Purpur, mit einer goldenen Kette um seinen Hals; und man rief über ihn aus, dass er der dritte Herrscher im Königreich sein solle.» Beide Auszeichnungen wurden Joseph vom Pharao gegeben.

Mit dem Material Gold ist Glanz und Wertbeständigkeit verbunden. Gewonnen wird es, indem das Rohmaterial einem Schmelzprozess unterzogen wird. In der Bibel ist Gold ein Symbol für die Ausstrahlung einer absoluten und vollkommenen göttlichen Gerechtigkeit.

Joseph hatte seinen Hals oder Nacken nicht unter die Verführungskünste der Frau Potiphars gebeugt. Und jetzt schmückte die goldene Kette des Pharao diesen Hals.

In Bezug auf die Verherrlichung unseres Herrn lässt uns die goldene Kette daran denken, dass Er jetzt mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt ist: «Du hast ihn ein wenig unter die Engel erniedrigt; mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt und ihn gesetzt über die Werke deiner Hände ... Wir sehen aber Jesus, der ein wenig unter die Engel wegen des Leidens des Todes erniedrigt war, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt» (Hebr. 2,7.9). Ein Dichter hat es wie folgt ausgedrückt:

Mitten in dem Throne
sehn die Deinen Dich.
Deine Siegerkrone
schmückt Dich ewiglich.

4. Werft euch nieder!

In der Zeit des Alten Testaments lesen wir von Kriegswagen, mit denen man in die Schlacht zog. Hier handelt es sich aber um einen Prachtwagen, den die Herrscher damaliger Zeit benutzten, wenn sie in prunkvollen Umzügen durch die Städte und Landschaften zogen. Schon von weitem waren die prachtvoll geschmückten Wagen zu erkennen. Der Pharao befahl, Joseph auf dem zweiten Wagen durchs Land fahren zu lassen.

Aber mehr noch als die Fahrt auf dem prachtvollen Wagen war es der Befehl: «Werft euch nieder!», der die Ausnahmestellung Josephs deutlich werden liess. Waren die bisherigen Auszeichnungen mehr persönlicher Art, so wurde mit diesem Umzug allen Untertanen in Ägypten seine öffentliche Anerkennung und Ehre deutlich. So war jeder Passant aufgerufen, sich vor Joseph niederzuwerfen und dem zweiten Mann im Reich Ägypten seine Anerkennung und Huldigung zu erweisen.

In Bezug auf unseren Herrn Jesus lesen wir in Philipper 2,9-11: «Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen gegeben, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters.» Was wird das einmal für Ihn, unseren Herrn, sein, wenn alle Geschöpfe erkennen werden, dass Er, der damals auf Golgatha von den Menschen hingerichtet wurde, der von Gott eingesetzte Herrscher ist, den alle anerkennen und dem sich alle unterwerfen müssen!

Wir dürfen das heute schon freiwillig tun - als Antwort unserer Herzen auf seine unbegreifliche Liebe. Wenn wir im täglichen Leben Jesus wirklich als Herrn anerkennen, nach seinem Willen fragen und ihn auch tun, seinen Wünschen entsprechen, dann können wir heute schon etwas zu seiner Freude und Verherrlichung beitragen.

Wie schrecklich aber wird es für alle Menschen sein, die den Heiland der Welt abgelehnt oder Ihn gleichgültig missachtet haben: Sie werden gezwungen werden, ihre Knie vor Ihm zu beugen.

5. Herrscher über das ganze Land Ägypten

Schon vor der Verleihung all der Auszeichnungen hatte der Pharao zu Joseph gesagt: «Du sollst über mein Haus sein, und deinem Befehl soll mein ganzes Volk sich fügen; nur um den Thron will ich grösser sein als du» (1.Mose 41,40). Sein Haus (das meint das persönliche Umfeld des Pharao) und sein Volk vertraute er der Herrschaft Josephs an. Konnte der Pharao einen besser geeigneten Mann finden, als Joseph, dem Gott überall da, wo er wirkte, Gelingen gab? (vgl. 1.Mose 39,3.23). Josephs Verstand und seine Weisheit prädestinierten ihn geradezu für diese verantwortungsvolle Aufgabe.

Die Herrschaft Josephs ist ein deutliches Bild von der Universalherrschaft des Herrn Jesus. Gott hat Ihm, dem verherrlichten Sohn des Menschen, alle Gewalt über Himmel und Erde gegeben. Diese Herrschaft ist Ihm bereits übertragen - aber Er hat sie noch nicht öffentlich angetreten. «Indem er ihm alles unterworfen hat, hat er nichts gelassen, was ihm nicht unterworfen wäre; jetzt aber sehen wir ihm noch nicht alles unterworfen» (Hebr. 2,8).

Der Herr Jesus ist der Mittelpunkt aller Ratschlüsse Gottes. In diesem Ratschluss ist auch enthalten, dass «er sich vorgesetzt hat in sich selbst für die Verwaltung der Fülle der Zeiten: alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus, das, was in den Himmeln, und das, was auf der Erde ist, in ihm» (Eph. 1,9.10). «Er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füsse gelegt hat» (1.Kor. 15,25).

Was wird das einmal für unseren Herrn sein, den man bis heute missachtet und verachtet, wenn Er unumschränkt herrschen und das «Wohlgefallen des Herrn in seiner Hand gedeihen wird» (Jes. 53,10)! Dann wird Er in Gerechtigkeit regieren, und alles wird in Übereinstimmung mit Gott sein.

Bei der Aussage des Pharao, dass er «nur um den Thron grösser sein» wollte als Joseph, können wir an 1.Korinther 15,24-28 denken: «Dann das Ende, wenn er das Reich dem Gott und Vater übergibt, wenn er weggetan haben wird alle Herrschaft und alle Gewalt und Macht ... Wenn er aber sagt, dass alles unterworfen sei, so ist es offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn ihm aber alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst dem unterworfen sein, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei.» Ist es nicht auch für unser Herz eine grosse Freude, wenn wir daran denken, dass wir heute schon untrennbar mit dieser herrlichen Person verbunden sind?

6. Josephs neuer Name

Im Altertum war es nicht ungewöhnlich, wenn grosse und mächtige Herrscher anderen Menschen einen neuen Namen gaben - dies war sozusagen Ausdruck ihrer unumschränkten Macht über ihre Untertanen. Der Joseph verliehene Name «Zaphnath-Pahneach» bedeutet wahrscheinlich: Retter der Welt oder Erhalter des Lebens. War es nicht der Weisheit Josephs zu verdanken, dass die Ägypter vom Hungertod gerettet und am Leben erhalten wurden? Aus dem Mund der Ägypter selbst wurde es später bestätigt: «Du hast uns am Leben erhalten» (1.Mose 47,25). Auch Joseph spielt gegenüber seinen Brüdern auf diesen Gedanken an: «Gott hat mich vor euch hergesandt, um ... euch am Leben zu erhalten für eine grosse Errettung» (1.Mose 45,7).

Neben der ägyptischen Namensdeutung gibt es auch eine hebräische: Offenbarer von Geheimnissen. Auch dies ist wahr im Hinblick auf Josephs Traumdeutung. Die Absicht Gottes wurde ihm offenbart, und er konnte sie zur Rettung der Menschen an den Pharao weitergeben.

Beide Namensdeutungen finden wir auch im Hinblick auf die Person unseres Retters wieder. Das im Neuen Testament mit «Heiland» wiedergegebene Wort umfasst sowohl den Aspekt der Rettung wie auch den der Erhaltung. Der Herr Jesus ist der «Heiland der Welt» (Joh. 4,42; 1.Joh. 4,14). Er ist auch der «Erhalter aller Menschen, besonders der Gläubigen» (1.Tim. 4,10).

Er wird uns im Neuen Testament in vierfacher Weise als Heiland vorgestellt. Er ist unser Heiland im Blick auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Titus 3,4.5 spricht von dem, was Er getan hat: «Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Heiland-Gottes erschien, errettete er uns, nicht aus Werken ..., sondern nach seiner Barmherzigkeit.» In der Gegenwart «vermag er auch die völlig zu erretten, die durch ihn Gott nahen, indem er immerdar lebt, um sich für sie zu verwenden» (Hebr. 7,25). In der Zukunft «erwarten wir den Herrn Jesus Christus als Heiland, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit seinem Leib der Herrlichkeit, nach der wirksamen Kraft, mit der er vermag, auch alle Dinge sich zu unterwerfen» (Phil. 3,20.21). Das alles betrifft unsere persönliche Seite. Den korporativen Aspekt finden wir in Epheser 5. Der verherrlichte Herr im Himmel sorgt für seine Versammlung, indem Er sie in seiner unendlichen Liebe heiligt, reinigt, nährt und pflegt (Eph. 5,26.29). Das ist dein und mein Heiland!

Aber der Herr Jesus ist auch der, der sowohl die Heilsratschlüsse Gottes als auch Ihn als Vater offenbart hat. «Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart», so sagt Er im Gebet zu seinem Vater (Joh. 17,6). Er hat den Ratschluss Gottes nicht nur offenbart, sondern durch sein Leiden und Sterben auch die Grundlage dafür gelegt, dass alle Heils- und Segensabsichten Gottes in Erfüllung gehen können.

7. Eine Frau für Joseph

Als letzten, sozusagen krönenden Beweis königlichen Wohlwollens spricht der Pharao Joseph eine Frau zu. Sie war eine besondere Frau, denn Asnath stammte aus priesterlichem Geschlecht. Ihr Vater war Priester von On (griechisch: Heliopolis), einer der grossen Kultstätten, wo die Ägypter den Sonnengöttern opferten. Aus 1.Mose 47,22 kann man entnehmen, dass die Priester unter dem Pharao eine wichtige Stellung einnahmen. Wenn Joseph also aus diesem Geschlecht eine Frau zugesprochen bekam, dann war das zu damaliger Zeit eine besondere Ehre. Die bisher erhaltenen Auszeichnungen und Würden hatten mit Josephs Stellung zu tun. Mit Asnath bekam er etwas für sein Herz:

  • eine Frau, der er seine Liebe schenken konnte
  • eine Frau an seiner Seite, während er die Herrschaft über Ägypten ausübte
  • eine Frau, die ihm zwei Söhne, Ephraim und Manasse, schenkte

Asnath ist ein Bild von der Versammlung, die nach der Himmelfahrt und der Verherrlichung des Herrn Jesus entstanden ist und gebildet wird.

Eva ist ein Bild der Versammlung, die ihre Existenz dem «Todesschlaf» des «zweiten Adam» verdankt. Rebekka ist ein Bild der Versammlung, die durch den Heiligen Geist ihrem Mann entgegengeführt wird. So wie Asnath während der Herrschaft Josephs mit ihm verbunden war, so ist auch die Versammlung untrennbar mit dem verherrlichten Herrn im Himmel verbunden. Und nicht nur das - sie ist von Ihm geliebt und wird an seiner Universalherrschaft teilhaben.

Heiland und Offenbarer von Geheimnissen - die beiden Aspekte der vorherigen Auszeichnung, die Joseph vom Pharao erhielt, stehen in enger Verbindung mit der letzten Ehrung, der Vermählung mit Asnath. Der Herr Jesus sorgt heute unermüdlich für seine Versammlung. Als Offenbarer von Geheimnissen war Er es, der Paulus die Wahrheit über Christus und seine Versammlung offenbart hat.

Schluss

Wenn wir ein wenig über die Auszeichnungen, Würden und Herrlichkeiten unseres Herrn nachgedacht haben, dann bleibt uns abschliessend nur übrig, der Aufforderung Josephs Folge zu leisten: «Berichtet meinem Vater alle meine Herrlichkeit» (1.Mose 45,13).

Das ist das grosse Ziel Gottes: Durch seinen Geist möchte Er uns immer wieder und mehr und mehr mit der Person des Sohnes beschäftigen, «damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren» (Joh. 5,23). Wie freut sich der Vater, wenn sein Sohn auf Erden geehrt wird! Wir dürfen dies heute schon tun. Bald wird es öffentlich geschehen - zu seiner Verherrlichung und zu unserer Freude.

Dir, dem hoch erhobnen Herrn,
den der Engel Scharen loben,
dem sich alles, nah und fern,
beugen wird einst hier wie droben,
bringen Huldigung auch wir;
denn Du bist für uns gestorben,
hast uns durch dein Blut erworben.
Ehre, Preis und Ruhm sei Dir!

Dich zu schaun in Herrlichkeit,
Gegenstand der höchsten Ehren,
ruhmgekrönt in Ewigkeit -
ist das Ziel, das wir begehren.
Und wenn wir nach dieser Zeit
dort mit Dir verherrlicht stehen,
wird doch jeder in uns sehen,
Herr, nur deine Herrlichkeit.

  4.50 (2 Stimme(n))
  

Buchtipp

halte fest CD

 

 

Alle 45 Jahrgänge von 1958-2002 auf einer CD mit Suchprogramm für die komfortable Volltextsuche auf dem Computer

 

halte fest Abo

 

Abonnieren Sie «halte fest». So erhalten Sie alle zwei Monate das aktuelle Heft per Post zugestellt.

 


Letzte Änderung am 30.03.2010.