Halte Fest
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Simson als Nasiräer

Halte fest Jahrgang 1967 - Seite: 225 - Verfasser: W. J. H.

«Denn ein Nasir Gottes soll der Knabe sein von Mutterleibe an; und er wird anfangen, Israel aus der Hand der Philister zu retten» (Richt. 13,5).

Simson kam aus dem Stamme Dan, einem der unbedeutendsten Stämme Israels. Er wurde erweckt, um in auffallender Weise ein Befreier seines Volkes zu werden, das unter der Unterdrückerfaust der Philister seufzte, der unversöhnlichen Feinde Israels, die an den Grenzen seines Landes wohnten. Dieser bemerkenswerte Mann errang durch seine persönliche Tapferkeit und seine physische Kraft gewaltige Siege. Er stand nicht wie Gideon, Barak und andere an der Spitze eines Heeres, um es gegen die Feinde zum Siege zu führen. Er selbst war der Held seines Volkes und überwand die Feinde ohne andere Hilfe.

Abgesondert von Geburt an

Simson liess sich als ein Mann nach dem Fleische manche ernste und offenkundige Fehler zuschulden kommen, die in ihrer ganzen Sündhaftigkeit, ohne Verschleierung oder Entschuldigung, dargestellt werden. Gleichwohl aber war er ein durch Jehova auserwähltes Gefäss, über welches er zur Befreiung der Kinder Israels von ihrer beschämenden Knechtschaft unter den Philistern Seinen Geist ausgoss.

Wir beschäftigen uns jetzt mit Simson als einem Manne, dessen Name in der göttlichen Liste derer enthalten ist, die «durch den Glauben ein Zeugnis erlangten» (Hebr. 11,32.39).

Die Umstände der Geburt Simsons waren ausserordentlich. Der Engel Jehovas sagte den erstaunten Eltern seine Geburt voraus und teilte ihnen mit, dass er zu dem besonderen Zweck erweckt werde, Israel aus der Hand der Philister zu erretten (Richt. 13,5). Im Blick auf diese göttliche Berufung Simsons zu nationalem Dienst, die sogar vor seiner Empfängnis erfolgte, sollte er von seiner Mutter Leibe an vor Gott ein Nasiräer sein bis zum Tage seines Todes. Entsprechend den Vorschriften über das Nasiräertum (4.Mose 6), hatte zuerst die erwartende Mutter und dann der Sohn selbst sich zu enthalten von Wein, von starkem Getränk und unreiner Speise.

Sich nicht berauschen

Lasst uns aus diesen Tatsachen in Simsons Leben etwas für unseren praktischen Wandel lernen, besonders für unseren persönlichen Kampf in den Dingen Gottes, worin dieser starke Mann Gottes eine eindrückliche Illustration und ein Beispiel ist.

Die Tatsache, dass Simson sich von allem Wein und starkem Getränk enthielt, zeichnete ihn unter seinen Brüdern als einen Nasiräer aus, der dem Dienste Gottes völlig hingegeben war. Diese gewohnheitsmässige Enthaltsamkeit in seinem Leben war die notwendige Voraussetzung dafür, dass Gott ihn mit der ausserordentlichen Kraft ausrüsten konnte, die ihn befähigte, die Heere der Feinde in die Flucht zu schlagen.

Wein oder starkes Getränk ist ein natürliches Mittel, um Gefühle zu erregen und Hemmungen zu beseitigen. Der Apostel warnt vor einer solchen Praxis im christlichen Leben: «Berauschet euch nicht mit Wein, in welchem Ausschweifung ist, sondern werdet mit dem Geiste erfüllt» (Eph. 5,18). Ein im Leibe oder im Geiste berauschter Gläubiger ist vom Bösen überwältigt, aber ein geisterfüllter Gläubiger wird das Böse mit dem Guten überwinden (Röm. 12,21). Ein wesentliches, wichtiges Erfordernis im Leben eines Überwinders ist die Freiheit von der Tätigkeit seiner natürlichen Leidenschaften, und von dieser Macht ist er ja durch den Tod Christi befreit worden. Duldsamkeit gegenüber dem Fleische weckt jene schlafenden Leidenschaften, die «gegen die Seele streiten». Gegenüber solchen Feinden haben wir keine Kraft in uns selbst; aber wenn wir im Geiste wandeln, werden wir die Lust des Fleisches nicht vollbringen. Durch unser Nachgeben betrüben wir den Heiligen Geist Gottes, durch welchen wir versiegelt worden sind auf den Tag der Erlösung (Eph. 4,30).

Das lange Haar des Nasiräers

Ferner sollte kein Schermesser auf das Haupt Simsons kommen. Das war eine weitere Verordnung, die der Engel ihm auferlegte Als Nasiräer musste er das Haar von Jugend an ungeschoren tragen. Das ungeschorene Haupt war unter den Menschen ein sichtbares Zeichen seines Nasiräertums, seiner Weihe für den Dienst Gottes.

Die Stelle in 1.Korinther 11,3-15 zeigt uns die sittliche Bedeutung des langen Haares bei einem Manne. Der Nasiräer nimmt dadurch eine Gewohnheit an, die sonst für die Frau charakteristisch ist. In ihrem Fall ist langes Haar eine Ehre, eine Krone, ein Schleier. Es ist ein Zeichen ihrer Abhängigkeit und ihres Gehorsams in Beziehung zu ihrem Mann. Das ist der Platz, den Gott bei der Schöpfung unserer ersten Eltern dem Weibe gegeben hat. Sie schuldet ihrem Gatten, ihrem Manne, Gehorsam, und diese Abhängigkeit und Treue wird durch ihr langes Haar bezeugt.

Der Mann anderseits trägt sein Haar kurz oder geschoren. Langes Haar wäre für ihn eine Schande, denn es würde bedeuten, dass er den Platz der Herrschaft, der ihm am Anfang gegeben wurde, aufgegeben hätte. Gegenüber der Öffentlichkeit nimmt der Nasiräer also den Platz der Unterordnung ein unter denen, über die er eigentlich hätte herrschen sollen. Langes Haar, erklärt der Apostel, ist eine «Schande» für den Mann, während es für die Frau eine «Ehre» ist.

Warum aber wurde ein Nasiräer gezwungen, sein Haar lang zu tragen? Als ein Zeichen seiner Stellung des Gehorsams gegenüber den Mitmenschen? Nein, seine Weihe war für Gott und nicht für die Menschen. Durch sein langes Haar gab er ganz Israel kund, dass er gegenüber Jehova unter dem Gelübde eines völligen und dauernden Gehorsams stand. Es war ein sichtbares Zeichen vor seinen Brüdern, dass er ein für Gott abgesonderter Mann und Seinem Willen unterworfen war.

In dieser Weihe für den Dienst Gottes liegt das hauptsächliche Geheimnis des Lebens Simsons, des Richters und Retters Israels. Seine grossen Heldentaten unter den Philistern gründeten sich auf seine gewohnheitsmässige Abhängigkeit von der Macht des Geistes Jehovas, der über ihn kam und ihn zum Siege führte. Solange er nicht andere Menschen in das Geheimnis seines langen Haares einweihte, solange er öffentlich das Zeichen strikten Gehorsams gegenüber dem Willen Gottes zur Schau trug, war Simson fähig, die Feinde Gottes und Seines Volkes zu überwinden. Als ein langhaariger Mann war er unüberwindlich.

Kraft in der Unterwürfigkeit

Auch in dieser Beziehung ist Simson eine Lektion für die Nachfolger Christi. Die Feinde der Wahrheit und der Gerechtigkeit sind zahlreich und mächtig. Wir werden ermahnt: «Stehet fest im Glauben, seid männlich, seid stark!» - «Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.» Und Paulus sagte zu Timotheus: «Sei stark in der Gnade, die in Christo Jesu ist» (1.Kor. 16,13; Eph. 6,10; 2.Tim. 2,1). Stärke ist die normale Eigenschaft reifer Gläubiger. Johannes sagt: «Ich habe euch, Jünglinge, geschrieben, weil ihr stark seid und das Wort Gottes in euch bleibt und ihr den Bösen überwunden habt» (1.Joh. 2,14). Sie waren stark und waren Überwinder, aber diese Eigenschaften waren wie in einer Kette mit dem Gehorsam verbunden: «Das Wort Gottes bleibt in euch.» Sie lebten in der Kraft und Freude der Überwindung durch «jedes Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht». Unterwürfigkeit unter den ausdrücklichen Willen Gottes bedeutet, den Allmächtigen auf unserer Seite zu haben, und wenn Gott für uns ist, wer kann dann wider uns sein?

Darin, dass das äussere Zeichen normaler Weiblichkeit auf Simson seine ausserordentliche Kraft und Männlichkeit anzeigen soll, sieht der natürliche Geist einen Widerspruch. Aber im Bereich des Glaubens besteht dieser Widerspruch. «Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark», sagte Paulus (2.Kor. 12,10). Auch dieser Ausspruch ist ein merkwürdiger Widerspruch, wenn Gott dabei nicht in Berücksichtigung gezogen wird, um dies wahr zu machen.

Für den Glauben ist unsere Verlegenheit Gottes Gelegenheit, sagt das Sprichwort. Dass ein Mann 38 Jahre lang auf dem Bette der Schwachheit lag, gab dem Herrn einst Gelegenheit zu sagen: «Stehe auf, nimm dein Bett auf und wandle!» Der hilflose Mann am Teiche von Bethesda wurde durch dieses Wort ein Simson. Darum sagt Paulus wiederum: «Daher will ich am allerliebsten mich vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, auf dass die Kraft des Christus über mir wohne» (2.Kor. 12,9). Auf dem Boden der Schwachheit wird sich die Kraft des Herrn offenbaren, wenn wir Ihm vertrauen.

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Letzte Änderung am 30.03.2010.