Ahas und Hiskia
Halte fest Jahrgang 1962 - Seite: 94
Durch Gegenüberstellung der Könige Ahas und Hiskia - Vater und Sohn (2.Chr. 28 und 29) mögen uns im Blick auf das Haus Gottes und unser Verhalten in ihm weitere Wahrheiten klar werden. Ahas, der Vater, war ein durchaus religiöser Mann. Immer wieder sehen wir ihn etwas tun, was seine religiöse Überzeugung ihn tun hiess, ob es ihn noch so viel kostete. Sogar seine eigenen Söhne brachte er ihr zum Opfer.
Dabei aber verliess er Jehova, den lebendigen, wahren Gott Israels und Seinen Dienst und war darin treuloser als irgendein König Judas vor ihm. Bei ihm kam es auf die krasseste Weise zum Ausdruck, dass Religion und Glaube an Gott zwei grundverschiedene Begriffe sind. Religion ist eine Ausgeburt des menschlichen, natürlichen Herzens und Verstandes - der Glaube aber ist aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort (Röm. 10,17). Wo immer sich Religion mit dem Glauben des Wortes Gottes zu vermischen sucht, da ist sie ihm nicht nur entgegengesetzt, sondern sie hindert den Gläubigen vielmehr, den Gottesdienst nach Gottes Gedanken auszuüben: Ahas zerschlug die Geräte des Hauses Gottes, die zum damaligen Gottesdienst nach Seinen Gedanken erforderlich waren, und schloss die Türen des Hauses Jehovas (2.Chr. 28,24)!
Wirft dies nicht auch ein helles Licht auf die Zustände in der Christenheit? Die Religion nach dem Fleische, die sich hier in christliche Formen hüllt, hat sich ausgebreitet und festgesetzt. Sie verschliesst selbst für die wahren Christen, die damit verbunden sind, die Türen und hindert sie, im geistlichen Hause Gottes den schriftgemässen Platz einzunehmen, um als geheiligte Gefässe den Ihm wohlgefälligen Gottesdienst auszuüben. Wie dem grossen Teil des Volkes Gottes zur Zeit Ahas‘ scheint es auch heute vielen Christen nicht in den Sinn zu kommen, sich zu vergewissern, ob die Auffassung von Gottesdienst, von Christentum, von Religion, in der sie aufgewachsen sind oder die sie annehmen, auch wirklich dem in der Bibel geäusserten Willen Gottes entspricht. Sie versäumen es, «täglich die Schriften zu untersuchen, ob dies sich also verhielte» (Apg. 17,11). Es genügt ihnen, geistlichen Führern zu folgen, die gemäss den vorherrschenden Richtungen in christlicher Tradition und Philosophie geschult sind. Oder sie folgen den Verkündigern verschiedenster Glaubensbekenntnisse, ja, sogar Schwarmgeistern und Irrlehrern, wenn diese nur der eigenen Meinung vom Christentum entsprechen.
Vergessen wir nicht, dass jeder Christ vor Gott persönlich verantwortlich ist, sowohl in Bezug auf den praktischen Wandel als auch hinsichtlich des gemeinsamen Zeugnisses der Gläubigen, im Worte Gottes nach Seinem Willen zu forschen (Römer 12,1-2; Eph. 4,13-15; 5,10,2.Tim. 2,19, usw.).
Hiskia, der Sohn Ahas‘, steht in seinem Handeln ganz in Gegensatz zu seinem Vater. Kaum sass er auf dem Thron Judas, schon im Ersten des ersten Monats seiner Regierung, begann auf sein Geheiss ein Werk der Wiederherstellung: Er öffnete die verriegelten Türen, reinigte das Haus Jehovas, liess die zerschlagenen Geräte wieder herstellen und richtete den Gottesdienst wieder ein. Alles, was nicht in den Tempel gehörte, alle Unreinigkeit, liess er aus dem Heiligtum hinausbringen. Mit grosser Entschiedenheit und Tatkraft gab er seinem Volke zu verstehen, dass er in diesen Dingen den Weg der Treue zu wandeln begehrte.
Die Gnade Gottes hatte schon in dem jungen Prinzen Furcht Jehovas, lebendigen Glauben an Ihn und persönliche Unterwürfigkeit unter Sein Wort bewirkt. Als die Reihe an ihn kam, eine grosse Verantwortung zu übernehmen, war er daher in der Lage und von Herzen bereit, die ihm von Gott gegebene Aufgabe, «den Worten Jehovas gemäss» (2.Chr. 29,15), entsprechend «dem Gebot Jehovas» (29,25) zu erfüllen und den Dienst des Hauses Jehovas, das «was Gott dem Volke bereitet hatte», wieder einzurichten (29,35.36).
Dass wir alle doch in diesen letzten Tagen des christlichen Zeugnisses auf der Erde mehr von der Liebe eines David zum Hause Gottes besässen und mehr von dem schriftgemässen Eifer eines Hiskia, um uns von allem zu reinigen und freizumachen, was der Mensch aus dem heutigen Hause Gottes gemacht hat. Nur so werden wir «Gefässe zur Ehre» sein, geheiligt, nützlich dem Hausherrn. zu jedem guten Werke bereitet. Nur so können wir Gott einen Ihm wohlgefälligen Gottesdienst darbringen. Ja, dass wir doch alle solche «Männer nach dem Herzen Gottes» wären!