Die Zusammenstellung der Bücher der Bibel
Halte fest Jahrgang 1967 - Seite: 310 - Verfasser: J. N. V.
Das Alte und das Neue Testament stehen oder fallen zusammen. Man kann nicht das Neue anerkennen und das Alte verwerfen. Das Alte Testament weist in seinen zahlreichen Vorbildern, Schatten und Verheissungen auf das Neue Testament hin; es wäre ohne die neutestamentlichen Schriften ohne Abschluss und Erfüllung. Anderseits hat das Neue Testament im Alten seinen Unterbau, der es trägt und stützt. Immer wieder bezieht sich der Herr und Heiland Jesus Christus und jeder der Apostel und der neutestamentlichen Schreiber auf das Alte Testament als auf Gottes Wort. So und so oft lesen wir im Neuen Testament: «Dies geschah, auf dass erfüllt würde, was (im Alten Testament) geschrieben ist»; oder: «gleichwie geschrieben steht»; oder: «gleichwie in der Schrift enthalten ist».
Beide Bücher gehören zusammen und bilden ein lebendiges Ganzes. Jesus Christus aber ist die Seele dieses einheitlichen Ganzen. Von Ihm reden alle Schriften der Bibel. Ein Geist, der ewige und heilige Geist Gottes, durchweht dieses Buch; auch da, wo Er die Sünden ganzer Völker und Familien oder einzelner hervorragender Männer schonungslos blossstellt und richtet.
A. Das Alte Testament
Dieses ehrwürdige und heilige Buch, dessen einzelne Teile aus dem grauen Altertum sind, wurde in einem Zeitraum von über tausend Jahren geschrieben, das heisst, etwa in den Jahren 1500 bis 400 vor Christi Geburt. Es behandelt die Geschichte von nahezu vier Jahrtausenden.
Mose, der Schreiber des «Pentateuchs», wie die ersten fünf Bücher genannt werden, ist der älteste Historiker, der Vater aller Geschichtsschreibung im vollen Sinne des Wortes. Aber er schrieb die Geschichte nach anderen Grundsätzen und mit einem ganz anderen Ziel nieder, als die Menschen es sonst tun.
Sein erstes Buch ist die älteste Urkunde menschlichen Wissens. Er lebte drei Jahrhunderte vor der Zerstörung Trojas, wovon die griechische Geschichte redet, in der Glanzzeit der ägyptischen Weisheit und Herrschaft.
Was Mose niederschrieb, ist nicht nur durch die Geschichte und die Erfahrungen des Volkes Israel im Verlaufe dreier Jahrtausende bestätigt worden, auch spätere Ausgrabungen und entzifferte alte Inschriften bezeugen die Wahrheit seiner Worte in vielen Fällen. Man kann sagen, dass in Ägypten, in Assyrien und in Chaldäa «die Steine reden», um die Wahrheit der Bibel zu bestätigen.
Auf Mose folgten Josua, Samuel, David und Salomo als Verfasser, die weitere Schriften hinzufügten, Mitteilungen von Tagen des Verfalls, aber auch Berichte über Glanzzeiten, ferner heilige Gesänge und Sprüche göttlicher Weisheit, lange vor dem alten und in der weltlichen Literaturgeschichte berühmten griechischen Dichter Homer.
Hierauf folgen in heiligem Zuge die Propheten, unter denen Jesaja, Jeremia und Daniel die grössten Seher sind. Jesaja, der Prophet Jehovas, der in den Jahren 750 bis 700 vor Christo lebte, redete von den Gerichten, die über Israel und seine Feinde kommen würden; vor allem aber hat er mit grosser Klarheit den kommenden Erlöser vorgestellt: Seine Geburt von der Jungfrau, als Immanuel und Reis aus dem Hause Isais; Sein Leben in Reinheit und Niedrigkeit; Seine Verwerfung und Sein stellvertretendes Leiden, aber auch die Grösse Seines Heils, so dass Jesaja der Evangelist des alten Bundes genannt wird. Wer nicht begreift, dass wir es hier mit dem Worte und dem Geiste Gottes zu tun haben, ist blind. Wir wissen, dass Daniel, der im ersten und im zweiten Weltreich lebte, diese und die darauf folgenden Weltreiche mit grosser Genauigkeit beschreibt, also auch das Mazedonische und das Römische Reich, die damals noch zukünftig waren. Er kennzeichnet sie so scharf und charakteristisch und schildert ihren Lauf so genau, bis zu ihrer Vernichtung durch die ewige Herrschaft des Messias, dass der Verständige staunt und anbetet, während der Zweifler sagt: «Dieses Buch muss durch jemand anders geschrieben worden sein, vierhundert Jahre später!» Aber es ist bemerkenswert, dass, wenn diese Vermutung zuträfe, in diesem Buche dann immer noch die Prophezeiung über den Messias und was darauf folgen wird, verbliebe. Sein Buch ist ein Geschichtsunterricht, der auch das Ende der Welt umfasst.
Die Propheten, die auf Daniel folgten, sind teilweise Zeitgenossen Solons, des berühmten Gesetzgebers von Athen. Esra lebte zur Zeit des in China verehrten Religionsstifters Konfuzius; und Maleachi, der letzte Prophet des Alten Bundes, war Zeitgenosse des bekannten Geschichtsschreibers Herodot und lebte kurz vor Sokrates und Plato, den Weisen Griechenlands.
Naturgemäss sind die Ergebnisse der Untersuchungen bezüglich der Verfasser und der Zeit der Abfassung der einzelnen biblischen Bücher des Alten Testaments sowie ihrer Zusammenstellung zu einem Ganzen nicht so vollständig wie bei den viel jüngeren Büchern des Neuen Testamentes. Aber auch hier haben wir zuverlässige Beweise und Zeugnisse genug, um von ihrer Echtheit im Allgemeinen und im Einzelnen überzeugt sein zu können.
Wir sprechen hier nicht von den inneren Beweisen der Echtheit der Schrift des Alten oder Neuen Testamentes. Wir müssten sonst von ihren göttlichen Wirkungen in den Herzen und im Leben derer reden, die diese Schriften als das, was sie sind, als Gottes Wort, im Glaubensgehorsam aufnehmen und befolgen. In diesem Aufsatz geht es nur um die äusseren Beweise der Herkunft und des Alters der Schriften des Alten und des Neuen Testamentes.
Fragen wir nun zunächst:
1. Wie und wann wurden die Bücher des Alten Testaments zu einem Ganzen vereinigt?
Die übereinstimmenden biblischen Überlieferungen bezeugen, dass der gottesfürchtige Gesetzesgelehrte Esra im Jahre 457 v. Christo begonnen hat, die seit Jahrhunderten schon als Aussprüche Gottes anerkannten und heilig gehaltenen Schriften zu sammeln und zu ordnen. Nach ihm wurde diese Sammlung durch Hinzufügung des letzten prophetischen Buches, Maleachi, vervollständigt und abgeschlossen. Dies geschah dreihundert Jahre vor Christi Geburt, in den Tagen des Hohenpriesters Simon, des Gerechten.
Sodann stellt sich die Frage:
2. Welches sind die geschichtlichen Zeugnisse für die Zuverlässigkeit des alttestamentlichen Kanons?
Das Alte Testament umfasst 39 verschiedene Bücher oder Schriften, die vor mehr als zwei Jahrtausenden zusammengefasst wurden und seitdem als ein einheitliches Ganzes, als das Buch Gottes, anerkannt sind. Wir führen dafür vier Beweise an:
- 1. Die Juden in ihrem einmütigen, einstimmigen Zeugnis ohne Unterschied der Partei bis auf die Zeit Jesu Christi. Die Juden sind ja oft von den Unterweisungen des Alten Testamentes abgewichen. Aber nie haben sie es gewagt, an den heiligen Büchern, das heisst am biblischen Kanon [Kanon heisst Regel, Richtschnur. So nennt man die Gesamtheit der Schriften, welche die Bibel bilden. Die apokryphischen Bücher sind Schriften, deren Echtheit von jeher in Zweifel gezogen wurde.] etwas zu verändern. Sie besassen auch noch andere Bücher, die sie verehrten und denen sie eine hohe Bedeutung beilegten. Nie aber vermischten oder verwechselten sie diese mit den vom Geiste Gottes eingegebenen (inspirierten) biblischen Büchern. Die Juden waren in mehrere Sekten geteilt, aber sie liessen sich nicht zu einer Verstümmelung des Textes des Wortes Gottes verleiten.
- 2. Weitaus wichtiger und von grösster Bedeutung ist aber, dass der Herr Jesus und die Apostel das Alte Testament unumschränkt und völlig als Gottes Wort anerkannten.
Nebenbei sei bemerkt, dass schon im dritten Jahrhundert vor Christi Geburt mit der Übersetzung des Alten Testamentes ins Griechische begonnen wurde, das in hebräischer und zum kleinen Teil auch in chaldäischer Sprache geschrieben war. Diese Übersetzung, Septuaginta genannt, war bei Beginn der christlichen Zeitrechnung allgemein verbreitet. Auch in den Synagogen der verschiedenen Länder, wo die Juden schon damals zerstreut waren, gab es zahlreiche Abschriften.
Der Herr Jesus, als unwiderrufliche Autorität, führte, wie wir in den Evangelien sehen, so und so oft Stellen aus dem Alten Testament an und sagte: «Die Schrift kann nicht aufgelöst werden» (Joh. 10,35). Sowohl Seine Jünger und das ganze Volk als auch die einzelnen Feinde und Widersacher verwies Er auf «die Schriften» - wie das Alte Testament allgemein kurz genannt wurde - ja selbst Satan wehrte Er damit ab. Er erklärte Seinen Jüngern «von Moses und allen Propheten anfangend, in allen Schriften das, was Ihn betraf» (Luk. 24,27). Als Er in Jerusalem als der Auferstandene unter die versammelten Jünger trat, sprach Er zu ihnen: «Dies sind die Worte, die ich zu euch redete, als ich noch bei euch war, dass alles erfüllt werden muss, was von mir geschrieben steht in dem Gesetze Moses und den Propheten und den Psalmen» (Luk. 24,44). Mit diesen drei Teilen - Moses, Propheten, Psalmen ist aber das ganze Alte Testament gemeint. - Zu den Juden sagte Er: «Ihr erforschet die Schriften» (Joh. 5,39) und den ungläubigen Sadduzäem gab Er zur Antwort: «Ihr irrt, indem ihr die Schriften nicht kennet, noch die Kraft Gottes» (Matth. 22,29). Ähnliches sagte Er zu den Schriftgelehrten und Pharisäern. Auch den Versucher in der Wüste schlug Er mit den Worten zurück: «Es steht geschrieben.» - «Und wiederum steht geschrieben» (Matth. 4).
Überall finden wir bei dem Sohne Gottes und Seinen Aposteln dieselbe volle Anerkennung des gesamten Alten Testamentes als des Wortes des ewigen Gottes, von dem «nicht ein Jota oder ein Strichlein... vergehen wird, bis alles geschehen ist» (Matt. 5,18). Im Neuen Testament werden aus vielen Büchern des Alten Testamentes Stellen angeführt. Von diesen rund sechshundert Stellen des Alten Testamentes haben wir in den Evangelien, der Apostelgeschichte, den Briefen und der Offenbarung entweder eine wörtliche Anführung oder eine klare Anspielung, so dass beide Bücher, das Alte und das Neue Testament, ein lebendiges Ganzes bilden.
- 3. Das einheitliche Zeugnis der ganzen christlichen Kirche von Anfang an ohne Unterschied der Konfession.
Seit dem Trienter Konzil (1545-1563) macht die Römische Kirche allerdings dadurch eine Ausnahme, dass sie die apokryphischen Bücher dem Kanon des Alten Testamentes beifügt und sie dem Worte Gottes gleichsteht, um dem Werke der Reformation wirksamer entgegentreten zu können. Bis dahin hatte sie wie heute noch die griechische und wie die protestantische Kirche diese Bücher als nicht göttlich inspiriert verworfen; auch die Juden hatten sie nie als das Wort Gottes betrachtet. Die Luther- und die Zwinglibibel enthalten die apokryphischen Bücher als Anhang, der «nützlich zu lesen» sei. Aber auch ihr Nutzen, selbst als blosse Lese- und Geschichtsbücher, ist als Anhang der Bibel sehr zweifelhaft.
- 4. Die Juden haben auch durch alle Jahrhunderte der Christenheit hindurch am Kanon des Alten Testamentes festgehalten, ohne etwas daran zu ändern, trotz ihrer Zerstreuung in alle Welt.
Der jüdische Historiker Josephus, geboren um das Jahr 40 nach Christo, der eine umfangreiche Geschichte des jüdischen Volkes geschrieben hat, sagt bei der Aufzählung der Bücher des Alten Testamentes von den Juden seiner Zeit: «Sie halten sie aufrecht bis in den Tod; keiner von ihnen wagt etwas hinzuzufügen oder davon wegzunehmen.» Der gelehrte Jude Philo aus Alexandria, ein älterer Zeitgenosse des Apostels Paulus, der als Gesandter seines Volkes nach Rom reiste, um dieses wenn möglich von der römischen Herrschaft zu befreien, sagte: «Die Juden würden lieber zehntausend Mal sterben, als erlauben, dass irgendetwas an ihren Schriften geändert würde.»
Noch heute halten die Juden an dem «heiligen Wort» fest, wenn es auch leider nur äusserlich geschieht. Sie haben die ihnen anvertrauten «Aussprüche Gottes» unversehrt bewahrt.
Juden und Christen haben also zu aller Zeit die Echtheit und die Autorität des Kanons des Alten Testamentes anerkannt.
Wir führen zum Schluss der äusseren Beweise für die Echtheit und Wahrheit des Alten Testamentes noch die Ergebnisse der Entzifferung zahlreicher Schriftdenkmäler des orientalischen Altertums an.
Zuerst seien einige Ergebnisse aus der Entzifferung der Hieroglyphen, das heisst der ägyptischen Bilderschrift, erwähnt.
Mit dem Tode des letzten ägyptischen Priesters ging einst auch die Kenntnis der altägyptischen Schrift, mit der die Monumente des Niltales übersät sind, völlig verloren, und so wurden die Hieroglyphen zu einer sprichwörtlichen Bezeichnung rätselhafter Zeichen. Gott erlaubte es aber, dass im Jahre 1799 ein französischer Ingenieur, als er eine Schanze aufwerfen liess, eine schwarze Inschrifttafel, den sogenannten Stein von Rosette fand, der jetzt im Britischen Museum in London aufbewahrt wird. Auf diesem Stein findet sich, wie man richtig vermutete, ein und derselbe Text in drei verschiedenen Schriften: Einer davon in der altägyptischen Sprache in Hieroglyphenschrift und ein anderer in der griechischen Sprache und Schrift. Abgüsse von dieser dreifachen Inschrift wurden mehreren Gelehrten zur Untersuchung vorgelegt. Trotz der grossen Schwierigkeiten, die sich der Entzifferung eines gänzlich unbekannten Schriftensystems und einer völlig unbekannten Sprache entgegenstellten, gelang diese doch, so dass von dem dunklen Steine von Rosette ein Licht über die Dunkelheit des ägyptischen Altertums ausging, das viel zur Bekräftigung der Wahrheit des Alten Testamentes beitrug.
In Kapitel 12,16 des 1. Buches Mose wird berichtet, dass der ägyptische Pharao dem Abraham ausser Sklaven auch allerlei Tiere, Rinder, Schafe, Kamele und Esel zum Geschenk gemacht habe. Diesen biblischen Bericht hatten «gelehrte Kritiker» für durchaus unhistorisch erklärt: Schafe und Kamele seien in dem alten Ägypten nicht gezüchtet worden, und Esel seien den Ägyptern ein Gräuel gewesen. Aber man hat in zahlreichen Inschriften, deren Echtheit und Alter unbestritten sind, finden können, dass die alten Ägypter den Esel keineswegs verabscheuten und die Schafe dort so verbreitet waren, dass gemäss einer Inschrift zum Beispiel ein einziger Mann deren dreitausend besessen hat Es ist wahr, man kann in diesen Inschriften nichts von Kamelen lesen, doch hat man bei Ausgrabungen in beträchtlicher Tiefe Dromedarknochen gefunden.
Ferner behaupteten die Gelehrten, dass verschiedene Einzelheiten in der Geschichte Josephs nicht in Übereinstimmung seien mit den damaligen Sitten, so zum Beispiel das Tragen von Körben mit Backwerk auf dem Kopf (1.Mose 40,16.17). Die Inschriften bezeugen aber, dass dies damals allgemeiner Brauch war.
Noch zwei weitere Inschriften seien erwähnt die in den Gräbern bei El-Kab gefunden wurden und auf die Geschichte Josephs Bezug haben. Sie sind aus der Zeit des Pharao, der Joseph in den Rang eines Vizekönigs erhoben hat. Eine dieser Inschriften, die von einem Staatsbeamten herrührt, sagt: «Ich sammelte Getreide ein als Freund des Erntegottes; ich war wachsam zur Zeit der Aussaat, und als eine Hungersnot kam, die mehrere Jahre dauerte, verteilte ich das Getreide der Stadt unter die Hungernden.» Die andere Inschrift aus der Zeit desselben Pharaos findet sich unter einem Wandgemälde, das einen Pflug darstellt der von zwei Ägyptern gezogen wird. Sie lautet: «Gar gut ist das Hervorkommende aus deinem Munde, o Jüngling, das Jahr wird ein gutes, ohne Widrigkeiten. Es gedeihen die Pflanzen alle; und die Rinder werden tüchtig über alles.»
Die fruchtbaren Jahre und die grosse Hungersnot zur Zeit Pharaos, der Joseph erhob, sind somit von fremden Zeugen bestätigt.
Eine andere grosse Inschrift für den Pharao Mernaphta 1., unter dessen Regierung die Kinder Israel auszogen, nimmt noch mehrfach Bezug auf die Geschichte Josephs. Überhaupt gibt es für die Echtheit der biblischen Berichte aus dieser wichtigen Zeit so viele Beweise, dass der bekannte deutsche Gelehrte Ebers, welcher nicht etwa ein Theologe war, in einem Werke über ägyptische Ausgrabungen und Altertumskunde sagt: «Ich führe den Nachweis, dass namentlich die ganze Geschichte des Joseph, selbst in ihren Einzelheiten, als durchaus entsprechend den wahren Verhältnissen des alten Ägyptens bezeichnet werden muss.»
Der französische Gelehrte Champollion entdeckte, nicht weit vom Nil, im alten Ammonstempel zu Theben, bei den Dörfern Karnak und Luxor, wo zahlreiche interessante Denkmäler des ägyptischen Altertums zu finden sind, ein grosses Bild des Königs Sisak, der auch in der Bibel wiederholt genannt wird (zuerst in 1.Könige 11,40). Daneben steht eine lange Liste der von ihm eroberten Städte und Länder; er selbst hält mit seiner Rechten eine grosse Reihe von Gefangenen an Stricken. Eine Anzahl der Gefangenen haben entschieden jüdisches Gepräge. Jeder dieser Juden trägt einen Schild um den Hals mit einer Inschrift, die von einem Kranz aus Mauern umgeben ist, wodurch angezeigt wird, dass Sisak sie aus ihren befestigten Städten gefangen weggeführt habe. Auf einem dieser Schilder, den ein vornehmer Jude um den Hals trägt, steht in Bilderschrift: «König des Landes Juda!» In 1.Könige 14,25 lesen wir tatsächlich, dass im fünften Jahre des Königs Rehabeam, Sisak, der König von Ägypten, wider Jerusalem heraufzog und die Stadt plünderte.
Auch in Palästina haben die Ausgrabungen viele der in der Bibel erzählten, mehr als dreitausend Jahre alten Tatsachen bestätigt. So fand man in einer sehr alten Wasserleitung, die zum Teiche Sibah führt, eine phönizische Inschrift welche sagt: «Phönizische Steinhauer kamen zuerst nach Jerusalem und haben diese Wasserleitung vollendet und leiteten das Wasser von dem unteren Teich, tausend Kubikfuss.» - Dies bestätigt, was in 2.Sam. 5,11 aus der Zeit des Königs David erzählt wird, dass der König von Tyrus, also von Phönizien, Zimmerleute und Maurer nach Jerusalem geschickt habe, um David ein Haus zu bauen.
Die babylonisch-assyrischen Keilinschriften, wie überhaupt die Ausgrabungen in Babylonien und Assyrien, brachten besonders viele äussere Beweise der Wahrheit und Echtheit der alttestamentlichen Bücher zutage.
Man hat aus den Ergebnissen der bezüglichen Entzifferungen einen Kommentar zum ganzen Alten Testament zusammengestellt. Danach gibt es sehr viele Berührungspunkte zwischen der babylonisch-assyrischen Literatur und den biblischen Schriften. Es kann gesagt werden, dass, seitdem man imstande ist, auch die seltsame Keilschrift [Diese Keil- oder Pfeilschrift konnte man lange Zeit nicht lesen. Erst seitdem der berühmte Arabienreisende Carsten Niebuhr eine grosse Anzahl dieser Inschriften, welche die Felswände der einstmaligen persischen Monarchie bedecken, im Jahre 1765 abgeschrieben hat, sind die Gelehrten in der Lage, diese zu entziffern.] zu lesen, die Toten gleichsam aufstehen, um die Wahrheit der historischen Berichte des Alten Testamentes zu bezeugen.
Was aber in Gottes Wort in schöner, schlichter Einfachheit erzählt wird, welche ja eines der Merkmale der Wahrheit ist, war bei den Babyloniern phantasievoll ausgeschmückt, was als ein Zeichen der Entartung angesehen werden muss und darauf hindeutet, dass die babylonische Fassung jüngeren Datums ist.
Das ist auch bei den Berichten über die Schöpfung und die grosse Flut der Fall.
Durch diese Inschriften sind viele Stellen der Bibel, die von Ungläubigen angegriffen wurden, als echt bestätigt worden, wie auch viele andere der biblischen Berichte. Namen, die im Alten Testament nur einmal vorkamen und von Kritikern für entstellt gehalten wurden, wie zum Beispiel Ur, der Ort, von welchem Abraham auszog, und Pethor, von woher der falsche Prophet Bileam stammte, scheinen nach diesen Inschriften einst bedeutende Orte gewesen zu sein.
Aus der Geschichte der Könige sei nur ein Fall herausgegriffen: In den Ruinen von Ninive fand man unter anderem folgende Inschrift: «Ich, Sanherib, der mächtige König, König des Landes Assyrien, sitzend auf dem Gerichtsstuhl der Stadt Lachis, gebe Erlaubnis zur Tötung ihrer Bewohner.» - Diese Inschrift hat also Bezug auf die Geschichte, die uns in 2.Könige 18,13.14 erzählt ist. Auch von der Belagerung Jerusalems durch Sanherib, der Hiskia «wie ein Vogel im Käfig» darin eingeschlossen gehabt habe, wird dort berichtet. Von der Eroberung Jerusalems ist aber in der Inschrift keine Rede. Die Bibel sagt uns in 2.Könige 19 weshalb. Die Belagerung endete nämlich mit einem schmachvollen Rückzug des Heeres der Assyrer. Gott war ins Mittel getreten.
Manchmal werden mehrere Einwände, die gegen die Echtheit einer Stelle erhoben wurden und unwiderleglich schienen, durch eine Inschrift entkräftet. Im Buch Daniel zum Beispiel wird Belsazar als letzter König des Babylonischen Reiches und als Sohn Nebukadnezars erwähnt (Dan. 5). Nun aber stand aus anderen glaubwürdigen Stellen fest, dass der Sohn Nebukadnezars: Ewil-Merodak, und der letzte König von Babel: Nabunit geheissen hat. Überhaupt fiel es auf, dass der von Daniel angeführte Name Belsazar in der babylonischen Geschichte überhaupt nicht vorkam. Ein gefährlicher Einwurf gegen das Buch Daniel!
Da fand ein Gelehrter einen Tonzylinder [Man pflegte damals auf Tonzylinder in weichem Zustand zu schreiben; dann brannte man sie und erhielt so die Schrift für spätere Zeiten.], der in Keilschrift eine Verfügung von König Nabunit betreffend seinen Sohn Belsazar enthält. Damit war also dargetan, dass Belsazar in weiterem Sinne ein Sohn Nebukadnezars war. Weitere Inschriften über Belsazar deuten an, dass ihm, als dem Kronprinzen, Babylon übergeben wurde, während sein Vater Nabunit gegen die Perser in den Krieg zog, so dass also in der Tat unter der Regierung Belsazars, wie Daniel berichtet, Babylon gefallen ist.
Wir könnten noch viele ähnliche Zeugnisse erwähnen. Aber der Leser wird schon aus dem Gesagten erkennen, dass die in Ägypten, in Palästina, in Babylon und in Assyrien gefundenen Steine und Inschriften die ungläubigen Kritiker anklagen und verurteilen, indem sie die Wahrheit des Alten Testamentes bestätigen. Durch diese äusseren Beweise sind schon verschiedenen Spöttern über die Echtheit des Wortes Gottes die Augen geöffnet worden; sie mussten vor diesen Tatsachen ihren Mund schliessen.
So haben zum Beispiel die Ausgrabungen in Palästina die Berichte der Bibel derart bestätigt, dass Dr. Pierotte, ein Gottesleugner, der in Palästina grosse Forschungen betrieb, zum Nachdenken kam und ein gläubiger Christ wurde.
Dieser Dr. Pierotte unternahm später mit dem ungläubigen französischen Schriftsteller Emest Renan eine Reise durch Palästina, Letzterer bezweifelte unter anderem die Wahrheit des biblischen Berichtes von den Segenssprechungen und den Flüchen auf den Bergen Gerisim und Ebal (5.Mose 27,11-26); denn die menschliche Stimme könne nicht so weit reichen. Einige Zeit darauf bestiegen beide den Gerisim. Pierotte hatte aber gleichzeitig einige Männer auf den gegenüberliegenden Berg Ebal bestellt. Von der Mitte des Berges aus eröffnete nun Pierotte ohne besondere Mühe eine Unterredung mit den Männern auf dem anderen Berge. - Aber Renan liess sich nicht überzeugen. Er zuckte nur mit den Achseln und lächelte. Er wollte nicht hören. Die Schrift sagt: «Wenn aber jemand unwissend ist, so sei er unwissend.»
B. Das Neue Testament
Im Neuen Testament haben wir ein weniger umfangreiches, aber für uns reichhaltigeres Gebiet vor uns. Es enthält 27 Bücher oder Schriften: Geschichtliche Berichte über das Leben und Werk Jesu Christi und Seiner Zeugen und Boten, ferner Briefe der Knechte des Herrn an die Gläubigen und schliesslich noch die Offenbarung, worin uns das Gericht des Herrn über die Christenheit, über Israel und die Welt, wie auch das Ende aller Dinge gezeigt wird: Ein neuer Himmel und eine neue Erde. Diese neutestamentlichen Schriften sind von nur acht verschiedenen Männern geschrieben worden.
Zunächst wollen wir nun die Frage untersuchen:
Wann wurden die Bücher des Neuen Testaments verfasst?
Die Ungläubigen richten ihre Angriffe ebensosehr gegen die Bücher des Neuen Testaments wie gegen die des Alten. Sie wollen ihre Echtheit nicht anerkennen, aber ihre Beweise sind schwach und nicht übereinstimmend. Sie erinnern an die widersprechenden oder törichten Anklagen, die gegen den Herrn Jesus selbst vorgebracht wurden bei Seiner Verurteilung.
Nur die Briefe des Apostels Paulus an die Römer, Korinther und Galater hat man hinsichtlich ihrer Echtheit noch nicht in Frage gezogen. Prüft man aber die Gründe der Ungläubigen für diese Schriften und die Gründe gegen die übrigen Schriften, wird man in der Überzeugung, dass alle Schriften des Neuen Testaments sich ohne Ausnahme als historisch erwiesen haben, durchaus nicht erschüttert.
Hören wir zum Beispiel was von Seiten der Ungläubigen gegen die Echtheit der Briefe des Apostels Paulus an die Thessalonicher und an die Philipper unter anderem gesagt wird: «Sie können nicht aus der Feder des grossen Apostels herrühren, denn sie sind zu gedankenarm», oder: «Es lag keine Veranlassung vor, sie zu schreiben», oder: «Sie haben einen anderen Schreibstil» - als ob ein Mann immer nur in einen und denselben Ausdrücken denken und schreiben könnte!
Diese törichten Argumente werden auch gegen die Schriften der Apostel Petrus und Johannes geltend gemacht. Die ungläubigen Gelehrten sagen: «Die zwei Petrus-Briefe können nicht von einem Manne geschrieben worden sein, so wenig wie das Evangelium Johannes, die drei Johannes-Briefe und die Offenbarung von demselben Schreiber herrühren können, denn ihre Sprache und Gedanken sind zu ungleich.» Diese Unterschiede sind aber sehr unbedeutend. Überhaupt, was würden wir von einem Manne sagen, der behauptete, ein guter Schriftsteller könnte immer nur in derselben Weise schreiben?
Vielleicht wird ein Leser einwenden: «Der Schreiber ist mir ganz gleichgültig; das ändert doch gar nichts an der Schönheit des Geschriebenen.» Ein solcher Leser übersieht aber einen wichtigen Punkt. Denn wenn die Behauptungen der ungläubigen Kritiker zuträfen, wie durfte dann der Schreiber im Evangelium Johannes und in der Offenbarung den Apostel Johannes als deren Verfasser bezeichnen (Joh. 21; Offb. 1,1-2)? Und wer durfte dann in den angefochtenen Briefen am Anfang und oft auch am Schluss den Apostel Paulus bzw. Petrus oder Jakobus oder Judas als Schreiber nennen, wenn dies nicht zutraf? Dann wären die Verfasser dieser heiligen Schriften nur ganz gemeine Lügner und Fälscher gewesen. Wahrlich, solche Behauptungen zeigen, wie niedrig der sittliche Zustand dieser ungläubigen Kritiker sein muss, wenn sie die Schreiber der Heiligen Schrift zu Lügnern und Betrügern machen wollen.
Aber wir haben noch andere Beweise, als nur die rein moralischen, dafür, dass die neutestamentlichen Schriften wirklich von den Aposteln und Zeugen des Herrn geschrieben worden sind. Wir können das Alter und die Echtheit der Schriften des Neuen Testaments aus Schriften beweisen, die nachweislich in den allerersten Jahrhunderten des christlichen Zeitalters verfasst wurden und sowohl von Freunden wie von Feinden der Wahrheit stammen. Letztere haben allerdings den Inhalt dieser biblischen Bücher angegriffen, aber nicht die Echtheit ihrer Herkunft in Zweifel gezogen. Dies will gewiss viel sagen.
Dass unsere sämtlichen neutestamentlichen Schriften zu Anfang des dritten Jahrhunderts vorhanden waren, wird heute von niemandem bestritten. Aber wir wollen aus noch älteren Zeugnissen dartun, dass sie noch viel früher geschrieben wurden.
Gegen Ende des zweiten Jahrhunderts, vielleicht noch früher, wurde die Bibel in die syrische Sprache übersetzt. In dieser Übersetzung, «Peschita» genannt (d.h. «die Treue») finden wir alle Bücher der Bibel, mit Ausnahme des zweiten Petrus-Briefes, des zweiten und dritten Johannes-Briefes, des Judas-Briefes und der Offenbarung.
Nach Ansicht des gelehrten Forschers Tischendorf liegt dieser Übersetzung eine noch ältere syrische Übersetzung zugrunde, die vor etwa neunzig Jahren aus der Gegend des Euphrat nach London gelangte. Auch in dieser ersten Übersetzung finden sich schon alle vier Evangelien, was von Bedeutung ist, weil das vierte Evangelium wohl eine der jüngsten Schriften des Neuen Testaments darstellt.
Aus ungefähr derselben Zeit (160 n.Chr.) stammt der im vorigen Jahrhundert aufgefundene Muratori-Kanon, so genannt nach dem Italiener Muratori, der ihn in alten Handschriften entdeckte. Dieses Verzeichnis zeigt, dass damals schon alle Bücher der Bibel, mit Ausnahme des Hebräer-Briefes, der Briefe des Petrus und des Johannes in der christlichen Kirche in öffentlichem Gebrauch waren. Wohl fehlen in diesem Verzeichnis die ersten zwei Evangelien. Aber Lukas wird darin das dritte Evangelium genannt, und in dem aufgeführten Evangelium Johannes wird der erste Brief Johannes erwähnt, der im Verzeichnis selbst allerdings fehlt.
Zwanzig bis dreissig Jahre früher, also schon in den Jahren 130-140, verfassten der Irrlehrer Marcionus und der Heide Celsus gewisse Schriften. Daraus erkennt man, dass ihnen die meisten biblischen Bücher des Neuen Testaments, aus denen sie viele Stellen anführen, bekannt waren. Celsus nennt sie «die Schriften der Jünger Jesu». Auch aus dem Evangelium Johannes führt er schon Stellen an.
Justin, der im Jahre 166 unter dem Kaiser Marc Aurel in Rom als Märtyrer enthauptet wurde, ein früherer heidnischer Philosoph, verfasste nach seiner Bekehrung im Jahre 138 oder 139 eine Verteidigungsschrift des christlichen Glaubens. In diesem Werke schrieb er: «An den sogenannten Sonntagen versammeln sich alle, die in Städten und Dörfern wohnen, und dann werden die Schriften der Apostel, die sie Evangelien nennen, wie auch die Schriften der Propheten mit lauter Stimme vorgelesen.»
In den Jahren 100 bis 120 schrieb Barnabas einen Brief, in welchem er eine Stelle aus dem Neuen Testament anführt (Matth. 22,14) und hinzufügt: «Wie geschrieben steht.» Dieser Ausdruck «Wie geschrieben steht» war die klassische Bezeichnung für die kanonischen Schriften, das heisst der als Gottes Wort allgemein anerkannten Schriften des Alten Testaments. Dass diese auch auf die neutestamentlichen Schriften angewandt wurde, zeigt, dass damals schon ein neutestamentlicher Kanon dem alttestamentlichen zur Seite getreten war.
Aus derselben Zeit, also ganz aus dem Anfang des zweiten Jahrhunderts, haben wir ferner noch Zeugnisse aus Schriften von zwei Männern, die Schüler des Apostels Johannes waren. Einer von ihnen, Polykarp, führte schon Stellen an aus den Evangelien Matthäus und Lukas, aus der Apostelgeschichte, aus den Briefen an die Römer, an die Korinther, an die Galater, an die Epheser, an die Philipper, an die Thessalonicher, aus dem ersten Brief an Timotheus, aus dem ersten Brief des Petrus und dem ersten des Johannes. Damit legt er auch indirekt ein Zeugnis für das Johannes-Evangelium ab, das zugleich mit dem ersten Johannes-Brief geschrieben worden sein muss.
In den Briefen des Ignatius von Antiochien, der im Jahre 115 den Märtyrertod erlitt, finden wir schon Anführungen aus dem Evangelium Johannes oder doch deutliche Bezugnahme auf gewisse Stellen darin (z.B. auf Kapitel 3,8; 6,53-55; 10,7-9). Derselbe Schreiber erwähnt auch das Evangelium Matthäus.
Der vorhin genannte Polykarp, der im Jahre 156 im hohen Greisenalter auf dem Scheiterhaufen starb, hat uns einen Brief an die Philipper hinterlassen. Darin bezeichnet er die Schriften des Neuen Testaments schon mit dem für das Alte Testament gebräuchlichen Namen: «Heilige Schriften». Somit wurden sie also damals schon als Gottes Wort anerkannt. Im zwölften Kapitel dieses Briefes schreibt er: «Denn ich bin der guten Zuversicht, dass ihr wohl geübt seid in den Heiligen Schriften, und dass euch nichts verborgen ist; wie denn in diesen Schriften gesagt ist: «Zürnet und sündiget nicht; und lasset die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn!» (Eph. 4,26).
Ein Zeitgenosse des Apostels Johannes, Clemens von Rom, schrieb ungefähr in den Jahren 93 bis 95 n.Chr. einen sehr langen Brief von 59 Kapiteln an die Korinther. Darin führte er Stellen an aus dem Evangelium Matthäus und Markus, dem Römerbrief, dem ersten Brief an die Korinther, dem Philipperbrief und dem Hebräerbrief.
Wenn aber, wie wir gesehen haben, in dieser oder jener alten Schrift das eine oder andere neutestamentliche Buch nicht genannt oder angeführt wird, so ist damit noch nicht gesagt, dass der Schreiber das fehlende neutestamentliche Buch nicht gekannt oder anerkannt habe. Auch in den christlichen Schriften, die heute geschrieben werden, finden sich ja nicht Anführungen aus jedem Buch oder Teil des Neuen Testaments. Überdies verstrich natürlich eine geraume Zeit, bis die Evangelien und die Briefe der Apostel überall bekannt wurden; man hatte ja weder Druckereien noch rasche Verkehrsmittel. Trotzdem hatten die morgenländischen und abendländischen Christengemeinden, wie wir den einzelnen alten Zeugnissen entnommen haben, die neutestamentlichen Schriften sehr frühe in ihrem Besitz und erkannten sie durch den öffentlichen Gebrauch in ihren Versammlungen und durch die Art und Weise, wie sie diese bezeichneten, als Gottes Wort an.
Schon der Apostel Petrus hatte ja in seinem zweiten Briefe die Schriften des Apostels Paulus als Gottes Wort anerkannt, indem er diese den Schriften des Alten Testaments gleichstellte (2.Petr. 3,15.16).
Wie wir ferner aus 1.Korinther 14,37 und Offenbarung 22,18-19 und anderen Stellen wissen, waren die Apostel selbst sich bewusst, dass das, was sie schrieben, Gebote des Herrn waren und dass deren Nichtbeachtung, Verdrehung oder Verfälschung das ewige Verderben nach sich zog. Paulus beschwor darum die Empfänger eines seiner Briefe, dass er vorgelesen werde (1.Thess. 5,27); und dieses öffentliche Vorlesen war bei allen Schriften des Alten und Neuen Testaments gebräuchlich. Er fügte den Briefen, die er meistens nicht selber schrieb, zum Beweise ihrer Echtheit mit eigener Hand seinen Gruss bei. (Siehe z.B. 2.Thess. 3,17.)
Nach den Ergebnissen gründlicher Forschungen des Wortes Gottes durch gottesfürchtige Gelehrte sind zwischen dem Tode unseres Herrn und Heilandes und den Abfassungen der ersten neutestamentlichen Schriften nur etwa zwanzig Jahre verflossen. Das erste Jahrhundert des Christentums ging nicht zu Ende, ohne dass Gott der Kirche Christi sämtliche Schriften geschenkt hatte, die ihr zum ewigen Heile gereichen sollten: die ganze Bibel, Sein teures Wort.
Den genannten Forschungen entsprechend wurden verfasst:
- Einige Jahre nach 44, jedoch vor 53: das Evangelium Matthäus und der Brief des Jakobus
- zwischen 53 und 58: die Briefe an die Thessalonicher, Galater, Korinther und Römer
- im Jahre 63: die Briefe an die Epheser, Philipper, Kolosser, an Philemon und der Hebräerbrief
- um 63 bis 64: der Brief an Titus und der erste Brief an Timotheus
- zwischen 63 und 66: das Evangelium des Markus und die Schriften des Lukas (Evangelium und Apostelgeschichte)
- einige Jahre nach 64: der zweite Brief an Timotheus; nach 70 - es ist ungewiss, wie lange nachher -: der Brief des Judas, das Evangelium Johannes und der erste Brief des Johannes
- etwa im Jahre 95: die Offenbarung, und später noch der 2. und 3. Brief des Johannes
In den zwanzig bis sechzig Jahren, die zwischen dem Tode des Herrn und der Abfassung aller neutestamentlichen Schriften verflossen, konnte die Kunde von dem Leben und den Taten des Herrn und Seiner Apostel auch wahrheitsgemäss von Mund zu Mund berichtet werden, denn sie waren von vielen gottesfürchtigen Augenzeugen beglaubigt. Die Gläubigen hatten somit eine Offenbarung, die Autorität besass, wiewohl sie nur mündlich weitergegeben wurde.
Wenn nun von den Ungläubigen behauptet wird, dass erst auf der Synode zu Hippo im Jahre 393 die Bücher des Neuen Testamentes zusammengesucht und als Gottes Wort anerkannt worden seien, so ist dies falsch. Allerdings ist dort zu Hippo erklärt worden, dass die 27 Bücher des Neuen Testaments, die wir besitzen, den Kanon des Neuen Testaments bildeten. Aber das geschah eigentlich nur im Sinne einer Bestätigung, weil früher manche Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf drei oder vier Schriften bestanden hatten, die aber längst beigelegt waren. Für die Kirchen im Osten und im Westen stellte die Synode das als Lehre fest, was seit langem in der Kirche anerkannt war und schon seit zweihundert Jahren praktisch ausgeübt wurde. Das entkräftet die Behauptung, dass wir das Neue Testament durch die Autorität der Kirche empfangen hätten.
Wie wir aus treuen Zeugnissen aus dem zweiten Jahrhundert gesehen haben, waren die meisten oder alle Schriften des Neuen Testaments in dieser Zeit schon in Kleinasien, Italien, Gallien, Nordafrika, Ägypten, Palästina und Syrien von den Christen als apostolisch anerkannt und als Gottes Wort im Gebrauch. Geschrieben waren sie aber alle schon vor dem Abschluss des ersten Jahrhunderts.
Es ist wichtig, dies zu wissen, angesichts des religiösen Aberglaubens, der dem Volke die Bibel entzieht und es auf Priester und menschliche Überlieferungen verweist, indem er sagt, dass ja auch die ersten Christen ohne Bibel gewesen seien. Auch dem Unglauben gegenüber ist es wichtig, dies zu wissen, weil er die Schriften des Neuen Testaments gerne als spätere Erzeugnisse des menschlichen Geistes hinstellen möchte.
C. Handschriften und Übersetzungen der Bibel
Was in den bisherigen Kapiteln über das Alte und das Neue Testament gesagt wurde, steht in direktem Zusammenhang mit der Übersetzung dieser Bücher. Jeder weiss, dass die Bibel nicht in unserer Sprache, sondern in den drei alten Sprachen Hebräisch, Aramäisch (Syrisch) und Griechisch geschrieben worden ist.
Der Urtext des Alten Testamentes ist zum grossen Teil hebräisch; einige kleine Teile sind aramäisch. Das Hebräische allein konnte, wie es sein musste, die erhabenen Dinge zum Ausdruck bringen, die Gott durch Männer, wie Jesaja, Jeremia, Hesekiel und andere, mitteilen wollte. Man hat schon gesagt, Hebräisch sei die Sprache des Herzens, Griechisch mehr die der Gedanken. Gott hat also die hebräische Sprache gebraucht, um dem Menschen zu zeigen, was im Menschen ist, und was er im Herzen Gottes findet.
Die Muttersprache Abrahams war aramäisch (5.Mose 26,5). Aber nach dem Ratschluss Gottes gab er sie auf, um die der Kanaaniter anzunehmen. Die sieben Völker Kanaans redeten hebräisch. Auch hierin war Abraham zuerst ein Fremdling im Lande. Das Hebräische bestand nur bis zur babylonischen Gefangenschaft als lebendige Sprache. Die Masse des Volkes der Juden lernte während jenen siebzig Jahren die Sprache ihrer Besieger. Sie vergassen ihre eigene Sprache so sehr, dass - nach Nehemia 8 - bei ihrer Rückkehr nach Kanaan das Buch des Gesetzes vielleicht auf aramäisch erklärt, auf alle Fälle deutlich gelesen werden musste, damit man es verstand. Einige Stellen des Alten Testamentes sind aramäisch geschrieben. Jeremia 10,11 ist die erste Stelle; hier bedient sich der Schreiber dieser Sprache, um den siegreichen Nationen anzukündigen, dass ihre Götter einst vernichtet würden. Die zweite Stelle ist Esra 4,8-16,18-22, und Kapitel 7,12-26; da wird den Bedrückern Judas in ihrer eigenen Sprache gesagt, dass Gott sich Seines Volkes annehmen würde, so schwach und gering es auch wäre. Die dritte Stelle ist Daniel Kapitel 2,4 bis Kapitel 7, wo die Herrschaft, das Gedeihen und die Vernichtung der Nationen beschrieben werden. Wir sehen also, dass diese Teile nicht zufällig in einer anderen Sprache geschrieben wurden, vielmehr hat es Gott für notwendig erachtet, bei gewissen Gelegenheiten das Aramäische zu verwenden.
Ungefähr im Jahre 280 v. Christo wurde das Alte Testament im Auftrag des Ägypterkönigs Ptolemäus II. Philadelphus, der die grosse Bibliothek von Alexandrien bereichern wollte, ins Griechische übersetzt. Gemäss Überlieferung sollen siebzig Gelehrte - die Zahl ist sehr fraglich - dieses Werk ausgeführt haben. Ihre Übersetzung wird «Septuaginta» genannt und war in der Zeit des Herrn sehr verbreitet. Er selbst und die Schreiber des Neuen Testamentes verwendeten diese Übersetzung sehr oft in ihren Anführungen. [Die Schreiber des Neuen Testamentes benützten die Septuaginta immer dann, wenn sie den Sinn genau wiedergab. Die Hälfte ihrer Zitate aber sind direkte Übersetzungen aus dem Hebräischen.]
Das ganze Neue Testament wurde in griechischer Sprache geschrieben: Durch Jakobus an die zwölf Stämme in der Zerstreuung; durch Petrus an die gläubigen, zerstreuten Juden; durch Paulus an die gläubigen Hebräer in Palästina, wie auch an die Christen in Rom, Korinth und so weiter, In den Evangelien begegnen wir manchmal hebräischen Wörtern, wie zum Beispiel in Markus 5,41; 7,34; Joh. 5,2. In Apostelgeschichte 26,14 wird von einer hebräischen Mundart geredet. Griechisch und Aramäisch konnte man überall verstehen. Die Inschrift am Kreuz des Herrn war auf Griechisch, der damaligen Weltsprache, auf lateinisch, der Sprache der römischen Macht, und auf Hebräisch, der religiösen Sprache der Obersten Israels, geschrieben.
Wir besitzen weder vom Alten Testament noch vom Neuen Testament Originalmanuskripte. Aber wir haben schon gezeigt, dass beide Teile der Bibel allen Vertrauens würdig sind.
Das Alte Testament ist auch deshalb so sicher, weil seine verschiedenen Bücher durch alle Jahrhunderte hindurch seitens der Juden in grosser Treue aufbewahrt worden sind.
Im Gegensatz dazu wurden uns die Bücher des Neuen Testamentes in Hunderten von Abschriften übermittelt, die oft von den Zitaten der Kirchenväter aus dem zweiten Jahrhundert und den syrischen, ägyptischen, lateinischen und anderen Übersetzungen des zweiten und dritten Jahrhunderts abweichen.
Die Schriften der Apostel waren aus Papyrus und konnten nur einige Jahrhunderte überdauern, aber einige sehr alte Abschriften blieben erhalten. Die von Professor Tischendorf im St. Katharinenkloster auf dem Sinai gefundene Handschrift ist vielleicht die älteste und wurde vermutlich um das Jahr 330 geschrieben. Sie war in den Zeiten der Reformation, als die Bibel in verschiedene Sprachen übersetzt wurde, noch nicht verfügbar. Man kannte damals nur 14 Handschriften und begnügte sich lange Zeit damit, selbst als weitere gefunden wurden, aus Furcht, dadurch könnte der Glaube derer zerstört werden, die das Neue Testament in der bisherigen Form angenommen hatten. Aber das war nicht zu befürchten, denn die durch Rechtschreibfehler und Zusätze bewirkten kleinen Differenzen rufen in keiner der Wahrheiten bedeutsame Abweichungen hervor. Die Ungläubigen berufen sich oft auf diese Verschiedenheiten und benützen sie als Beweise gegen die Inspiration; auch die gläubigen Kritiker bezeichnen sie als schwache Punkte. Ein wenig Überlegung muss jedoch davon überzeugen, dass dies keineswegs ein Beweis ist dafür, dass die Heilige Schrift im Original nicht durch den Geist Gottes inspiriert wäre. Gälte jene Kritik nur den gefundenen Manuskripten oder den davon hergestellten Übersetzungen, so wäre nichts dagegen einzuwenden, denn die Arbeit des Abschreibens und der Übersetzung ist nicht inspiriert; es können sich darin Fehler einschleichen, Aber jene Kritiker greifen das Original an. Sie behaupten, Gott habe den Schreibern nur Seine Gedanken mitgeteilt, und diese hätten sie in ihre eigene Worte eingekleidet. Die Schreiber der Bibel hatten wohl einen verschiedenartigen Schreibstil, wie zum Beispiel Jesaja und Amos; aber nachdem sie das von Gott Empfangene erwogen hatten, schrieben sie in ihrem Stil nur das nieder, was der Geist Gottes sie hineinschreiben hiess. Wir lassen keineswegs gelten, dass das Original nur dem allgemeinen Sinn nach inspiriert sei.
Wenn es auch wahr ist, dass uns Gott nicht die ursprünglichen Manuskripte aufbewahren wollte, so ist es doch bemerkenswert zu sehen, wie Er über die Abschriften gewacht hat. Sie weisen wohl da und dort Unterschiede auf, aber immer und ausschliesslich nur in geringfügigen Einzelheiten; und diese kleinen Differenzen haben absolut keinen Einfluss auf den eigentlichen Text. Das am Sinai entdeckte Manuskript umschliesst das ganze Neue Testament, es fehlt nichts davon. Vielleicht ist es ein Exemplar der auf Geheiss Kaiser Konstantins im Jahre 331 angefertigten fünfzig Abschriften, welches Justinian den Mönchen gab, für die er das Kloster am Sinai bauen liess. Es ist bekannt, dass die meisten der Abschriften von den Mönchen während ihrer freien Zeit angefertigt wurden.
Gott hat über Sein Wort gewacht, so dass wir mit Sicherheit sagen können, dass wir das reine Wort Gottes, die inspirierte Bibel besitzen. Und obwohl Er es nicht zuliess, dass die Originalmanuskripte bis zu uns gelangt sind, haben wir die Bibel doch in ihrem Originaltext, mit Ausnahme einiger kleiner Einzelheiten.
Im ganzen bestehen mehr als tausendeinhundertvierzig Abschriften der verschiedenen Bücher des Neuen Testaments, obwohl eine grosse Anzahl durch das Alter und durch das Feuer der Feinde zerstört worden sind, Es sind zur Zeit vierzig Abschriften des ganzen Neuen Testamentes vorhanden, mehr als fünfhundert Abschriften von den Evangelien, mehr als zweihundert von der Apostelgeschichte und den Briefen des Johannes, Jakobus, Petrus und Judas, ungefähr dreihundert von den paulinischen Briefen, beinahe hundert von der Offenbarung. Daneben besitzen wir noch die schon genannte syrische Übersetzung von Peschito aus dem zweiten Jahrhundert und die lateinische Übersetzung, die Vulgata, die im fünften Jahrhundert von Hieronymus durchgesehen wurde.
Ist das alles nicht wunderbar? Von welchem anderen Buch aus dem Altertum besitzt man so viele Manuskripte! Und ist es nicht bemerkenswert, dass die Bibel, schon lange vor Erfindung der Buchdruckerkunst in viele Sprachen übersetzt, seither in vielen Millionen Exemplaren gedruckt und in viele Hunderte von Sprachen übersetzt worden ist? Wahrlich, «das Wort ist gewiss»!