Gnade
Halte fest Jahrgang 1997 - Seite: 281 - Verfasser: M. Billeter
Das Thema «Gnade» nimmt in der Heiligen Schrift einen breiten Raum ein. Wir wollen uns hier mit den folgenden Punkten beschäftigen:
Das Wesen der Gnade
Die verschiedenen Bedeutungen der Gnade
Der Weg zu den Gnadenquellen Gottes
An der Gnade Mangel leiden
Der Berg der Gnade
«Wenn aber durch Gnade, so nicht mehr aus Werken; sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade» (Röm. 11,6).
«... und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist» (Röm. 3,24).
«Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme» (Eph. 2,8).
In diesen drei Versen lernen wir das Wesen der Gnade kennen. Wir sehen erstens, dass sie ein bedingungsloses Schenken Gottes ist. Zweitens empfängt man sie umsonst, man muss nichts dafür bezahlen. Drittens wird sie in der Schrift oft Werken gegenübergestellt: aus Gnade, nicht aus Werken. Gnade ist das Gegenteil von Verdienst.
In der Schrift ist es oft so, dass ein Wort nicht überall, wo es vorkommt, dasselbe bedeutet. Das ist auch bei der Gnade der Fall. Daher ist es wichtig zu erkennen, was dieses Wort, im Zusammenhang gesehen, jeweils bedeutet. Einige der wesentlichen Bedeutungen der Gnade wollen wir im Folgenden etwas näher betrachten.
- «Der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn» (Röm. 6,23)
An vielen Stellen im Wort Gottes, wo Gnade vorkommt, bedeutet sie wie hier die Erlösung, das ewige Leben, unser Heil im Herrn Jesus. Wenn ein Mensch eingesehen hat, dass er ein Sünder ist und Gott seine Sünden bekannt und an den Namen und das Werk des Herrn Jesus geglaubt hat, dann bekommt er das ewige Leben aus Gnaden geschenkt. So sind wir alle, die wir an Ihn glauben, Denkmäler der Gnade Gottes.
- In Johannes 1,17 sehen wir eine andere Bedeutung der Gnade: «Das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.»
In diesem Zusammenhang bedeutet Gnade das Heilszeitalter der Gnade und der Wahrheit, die damit in Verbindung steht. Es gab einmal das Heilszeitalter des Gesetzes. Jenes wurde von Gott durch Mose eingeführt, aber durch das Kommen des Herrn Jesus auf Erden ist das Heilszeitalter der Gnade gekommen.
- Eine dritte Bedeutung finden wir in Römer 12,3: «Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben worden ist, jedem, der unter euch ist, nicht höher von sich zu denken, als zu denken sich gebührt.»
Hier bedeutet Gnade den Empfang einer Gnadengabe. Diese ist eine Gabe von Gott und ist mehr als eine natürliche Befähigung, die wir Menschen vom Schöpfer erhalten haben. Es ist eine geistliche Befähigung, die Gott in ein menschliches Gefäss hineinlegt, eine besondere Gabe, um einen Dienst für den Herrn in irgendeiner Weise auszuüben. In gewissem Sinn hat jeder von uns eine Gnadengabe empfangen, die besondere Fähigkeit, einen ganz besonderen Dienst zu tun. Dass der Herr sein Werk auf Erden durch uns betreibt, indem Er jedem von uns eine Gnadengabe gegeben hat, ist ein beglückender Gedanke. Er könnte sein Werk auch ohne uns tun. Er hat uns gar nicht nötig, und eigentlich käme Er ohne uns viel besser zum Ziel. Aber Gott wollte die Seinen in seinem Werk beschäftigen, und das ist nichts anderes als Gnade.
«... allezeit überströmend in dem Werk des Herrn, da ihr wisst, dass eure Mühe nicht vergeblich ist im Herrn» (1.Kor. 15,58). Das ist die Gnadengabe, die jeder von uns empfangen hat, die wir zur Ehre des Herrn und zum Nutzen der Menschen ausüben dürfen.
- «Ich wünschte aber, alle Menschen wären wie auch ich selbst; aber ein jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so» (1.Kor.7,7)
Hier sehen wir etwas Besonderes, nämlich den Empfang der Gnade, um spezielle Lebensumstände zu ertragen. Wenn der Apostel hier sagt: «Ich wünschte aber, alle Menschen wären wie auch ich selbst», dann meint er, unverheiratet zu sein, und das sind spezielle Lebensumstände. Es braucht Gnade, im unverheirateten Stand den Herrn zu ehren, wie es übrigens auch Gnade braucht, dies im verheirateten Stand zu tun. Wir können diesen Gedanken auch auf andere Lebensumstände anwenden: Der eine ist z.B. Vorgesetzter in einem Betrieb, der andere ist einfacher Arbeiter. Der eine ist wohlhabend, der andere muss mit wenig auskommen, usw. Wir dürfen dabei wissen, dass jeder eine Gnadengabe empfängt, d.h. die Fähigkeit vom Herrn, die Lebensumstände, in die Er uns gestellt hat, zu ertragen.
- Als fünftes finden wir in Philipper 1,2 die Gnade unseres Gottes, die Er uns jeden Tag schenkt: «Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!»
Wenn der Apostel Paulus den Philippern Gnade und Friede wünscht, denkt er nicht an das ewige Heil, denn das besassen sie schon, sondern an die tägliche Gnade und den täglichen Frieden für ihren Weg. Gnade braucht man für die Füsse und Frieden für das Herz. Besonders in diesen letzten Tagen kurz vor dem Kommen des Herrn Jesus brauchen wir Gnade, um den Weg zu finden, und bei jedem Schritt, den wir noch hier auf Erden zu gehen haben, Ruhe für unser Herz.
«Er gibt aber grössere Gnade; deshalb spricht er: Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade» (Jak. 4,6).
Wir haben gesehen, dass der Apostel den Philippern Gnade gewünscht hat. In unserem Vers hier lernen wir, dass bei Gott Gnade vorhanden ist und dass Er sie uns gibt, wenn wir demütig sind. Nun ist es wichtig, dass wir diese Gnadenquellen, die Gott bereitgestellt hat, auch erschliessen, denn es kann tatsächlich Hindernisse dafür geben. Vielleicht wundern wir uns darüber, und wir denken, dass Gott doch für jeden Weg Gnade bereithält. Wie kann es sein, dass wir Tage kennen, da wir den Weg in Gnaden gehen können, aber auch Tage der Mühe?
Da kann uns der obige Vers eine Hilfe sein. Zuerst heisst es: «Er gibt.» Gott gibt, Er liebt es zu schenken, und Er gibt grössere Gnade. Er hat Gnade für jeden Weg und für jeden Lebensumstand bereitgestellt.
Unsere Lebensumstände können zuweilen sehr schwierig sein. Es kann z.B. sein, dass man einen sehr schwierigen Nachbarn bekommt, oder einen ganz schwierigen Arbeitskollegen, oder einen ganz schwierigen Vorgesetzten usw. In solchen Umständen dürfen wir im Glauben festhalten, dass es für jeden Weg genug Gnade gibt, um den Herrn Jesus nicht verunehren zu müssen. Es gibt keinen Weg, und mag er noch so schwierig sein, für den Gott nicht genug Gnade gibt, um Ihn zu ehren und selbst glücklich sein zu können.
Aber wie erschliessen wir diese Gnadenquellen Gottes? Gott widersteht dem Hochmütigen. Stolz und Selbstvertrauen sind Hindernisse. Wenn wir unser Vertrauen auf uns, unsere Intelligenz und unsere Kraft setzen, dann verschliessen sich die Gnadenquellen Gottes. Er gibt dem Demütigen Gnade. Das ist leicht gesagt, aber wie werden wir demütig? Der Weg zur Demut führt unter das Kreuz, denn von Natur sind wir alle stolz. Es ist Gottes Liebe, uns unter dem Kreuz Demut zu lehren. Dort sehen wir unsere ganze Verderbtheit, denn gerade darum musste der Herr Jesus dieses schwere Werk für uns vollbringen. Wir sollten uns aber nicht nur am Sonntagmorgen mit dem Kreuz beschäftigen, sondern auch im täglichen Leben. Die Väter, die das Tischgebet sprechen, sollten bei dieser Gelegenheit auch für das Heil im Herrn Jesus danken. So bleibt das Geschehen auf Golgatha im Bewusstsein der Familie lebendig. Das ist der Weg, auf dem wir wahre Demut lernen. Da lernen wir wirklich, wie klein und nichtig wir sind und wie gross Er ist.
Wenn wir aber das Werk des Herrn Jesus vergessen, müssen wir manchmal auf einem anderen Weg Demut lernen. Meistens ist es dann eine bittere Sache, vielleicht indem wir in eine Sünde fallen. Hochmut geht dem Fall voraus, heisst es in
den Sprüchen, und manchmal müssen wir durch einen solchen Weg gedemütigt werden.
Es ist aber auch möglich, dass wir nicht durch direkte Schuld in schwierige Umstände kommen. Da verliert zum Beispiel ein Gläubiger seine Arbeitsstelle. Er trägt keine Schuld an der Entlassung, und doch ist dies eine Demütigung für ihn. Gott muss uns manchmal solche Wege führen, weil wir so wenig unter dem Kreuz sind.
Darum sagt der Psalmist in Psalm 119,71: «Es ist gut für mich, dass ich gedemütigt wurde, damit ich deine Satzungen lernte.» Es ist die Liebe Gottes, die uns oft schwere Wege führt, damit wir wahre Demut lernen und dann auf diesem Weg beginnen, die Gnadenquellen Gottes zu erschliessen.
«Achtet darauf dass nicht jemand an der Gnade Gottes Mangel leide, dass nicht irgendeine Wurzel der Bitterkeit aufsprosse und euch beunruhige und viele durch sie verunreinigt werden» (Hebr. 12,15).
Es kommt manchmal vor, dass Gläubige sich fragen, warum sie keine richtige Freude am Herrn mehr haben. Daran ist nicht der Herr schuld, denn Er zieht sich nicht von uns zurück. Da liegt im Leben von uns Gläubigen etwas quer. In diesem Fall ist es nötig, den Herrn zu bitten: «Zeige mir, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist.» Dann finden wir wieder zum Herrn.
Im obigen Vers geht es um das Festhalten an der christlichen Wahrheit. Die Hebräer standen in Gefahr, zum jüdischen Gottesdienst zurückzukehren, anstatt beim christlichen zu bleiben. Der jüdische Gottesdienst war natürlich auch von Gott gegeben, aber er hat sein Ende gefunden. Das geschah grundsätzlich, als der Herr am Kreuz auf Golgatha starb und der Vorhang des Tempels zerriss. Dieser Riss hat zwei Bedeutungen: Erstens dürfen wir jetzt auf dem christlichen Weg mit Freimütigkeit ins Allerheiligste eintreten, und zweitens hat Gott den von Ihm selbst angeordneten jüdischen Gottesdienst beendet, jedenfalls für die christliche Zeit. In Apostelgeschichte 2-7 wird dann die Übergangszeit vom jüdischen zum christlichen Gottesdienst beschrieben. Es war eine Zeit, in der Gott mit den Menschen seines Volkes Geduld hatte. Aber der Tag kam, da Er einen Diener beauftragte, den Hebräer-Brief zu schreiben, worin Er ihnen sagte, dass es jetzt mit dem jüdischen Gottesdienst auch praktisch zu Ende war. «Wir haben einen Altar, von dem zu essen die kein Recht haben, die der Hütte dienen» (Hebr. 13,10).
Jetzt mussten sie sich entscheiden und ganz auf den christlichen Boden treten, auf dem Gottesdienst in geistlicher Weise ausgeübt wird. Das Volk Israel verrichtete Gottesdienst auf irdische Weise, und zwar auf einem Boden der sichtbaren, materiellen Dinge. Da war ein Tempel, den man sehen konnte. Da waren Priester mit schönen Gewändern, da gab es spezielle heilige Tage im Jahr, die man als besondere Feste halten musste. So sah der jüdische Gottesdienst aus. Jetzt kamen sie aber auf den Weg des christlichen, geistlichen Gottesdienstes, auf den Weg der Gnade.
Der Schreiber ermahnt sie nun, darauf zu achten, dass nicht jemand von ihnen auf diesem Weg zurückbleibe und dadurch Mangel leide, dass er die Vorrechte des christlichen Gottesdienstes und des christlichen Weges, um Gott zu nahen, nicht mehr wichtig erachte und zum jüdischen Gottesdienst zurückkehre. Dann, sagt er, könnte eine Wurzel der Bitterkeit aufsteigen. Da denkt der Apostel bestimmt an 5.Mose 29,18: «... dass kein Mann oder keine Frau, oder Geschlecht oder Stamm unter euch sei, dessen Herz sich heute vom Herrn, unserem Gott, abwende, um hinzugehen, den Göttern jener Nationen zu dienen; dass nicht eine Wurzel unter euch sei, die Gift und Wermut trage.» An dieser Stelle redet Gott zu Menschen, die noch auf dem Boden des jüdischen Gottesdienstes standen, dass sie sich nicht zum Götzendienst wenden sollten, weil sonst eine Wurzel von Wermut und Gift aufsprossen würde.
Das übernimmt der Schreiber hier im Hebräer-Brief und sagt gewissermassen: «Wenn ihr zum jüdischen Gottesdienst zurückkehrt, dann wird auch eine solche Wurzel der Bitterkeit, des Giftes und des Wermuts aufsteigen.» Das würde alles zerstören.
Dies ist auch eine Gefahr für uns. Die Christenheit ist in den Prinzipien zum jüdischen Gottesdienst zurückgekehrt. Man hat Häuser aus Holz oder Steinen erbaut, die Gotteshäuser genannt werden. Man unterscheidet Priester und Laien. Man betet Gott durch Instrumentenspiel an. Man hat spezielle «christliche» Feiertage eingeführt. Das alles ist ein jüdischer Boden. Heute sind wir in Gefahr, an der Gnade Gottes Mangel zu leiden, indem wir den christlichen Boden verlassen und uns auf einen jüdischen Boden begeben, wo sich alles um das Sichtbare, das Materielle dreht.
Wenn wir das tun, wird eine Wurzel der Bitterkeit aufsprossen, durch die viele verunreinigt werden. Das ist für uns die praktische Belehrung dieses vierten Abschnitts.
«Ihr seid gekommen zum Berg Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem; und zu Myriaden von Engeln, der allgemeinen Versammlung; und zu der Versammlung der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind; und zu Gott, dem Richter aller; und zu den Geistern der vollendeten Gerechten; und zu Jesus, dem Mittler eines neuen Bundes; und zu dem Blut der Besprengung, das besser redet als Abel» (Hebr. 12,22-24).
Hier spricht die Schrift von unserer Zukunft, von der vor uns liegenden Freude. Schon der Herr Jesus kannte diese vor Ihm liegende Freude, nämlich, in die Gegenwart Gottes einzugehen. Wegen dieser Freude hat Er das Kreuz erduldet.
Dass in diesem Vers die Vergangenheitsform benutzt wird, muss uns nicht verwundern. Die Schrift spricht oft von zukünftigen Ereignissen in einer Form, wie wenn wir sie schon erlebt hätten, weil alles, was Gott verheissen hat, auch sicher eintrifft. Das gilt auch für den obigen Vers.
«Ihr seid gekommen zum Berg Zion ...» Was uns am Ende unseres Glaubenslaufes erwartet, ist der Berg Zion, der Berg der Gnade. Im Gegensatz dazu haben wir den Berg Sinai, den Berg des Gesetzes, aber hier finden wir den Berg der Gnade.
Damit ist aber nicht der Berg Zion in Jerusalem gemeint, wo der Tempel stand. Deshalb heisst es weiter: «... zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem.» Dadurch wird klar, dass jetzt vom Himmel die Rede ist, vom Ort, wohin wir in der Zukunft kommen werden.
Was werden wir im Himmel sehen? Wir werden dort Myriaden von Engeln sehen. Was müssen das für gewaltige Wesen sein, wenn ein einziger von ihnen in einer Nacht 185'000 Mann erschlagen hat (2.Kön. 19,35). Wir werden dahin kommen, wo Myriaden von diesen für uns heute noch unsichtbaren Bewohnern des Himmels sein werden. Was für ein Glanz, was für eine Machtentfaltung dieser wunderbaren Geschöpfe Gottes, die Er für den Himmel geschaffen hat, wird das sein!
Im Himmel werden wir aber auch die «Versammlung der Erstgeborenen» sehen. Das sind die Erlösten der Gnadenzeit, von Pfingsten bis zur Entrückung. Kein einziger wird fehlen. Jetzt trauern wir manchmal um Gläubige, die fehlen. Wegen der Zersplitterung in der Christenheit sehen wir in den Zusammenkünften nicht alle Gläubigen unseres Wohnortes. Manche gehen einen anderen Weg, sie fehlen. Oder da sind z.B. in örtlichen Versammlungen solche, mit denen wir früher den Weg gingen, und jetzt sind sie zurückgeblieben. Vielleicht sind sie in die Welt gegangen. Wir trauern um sie, weil wir sie nicht mehr sehen. Aber in der Herrlichkeit werden wir die ganze Versammlung der Erstgeborenen sehen.
Wir werden aber auch zu Gott als dem Richter aller kommen, der seinem Licht gemäss alles in Gerechtigkeit richten wird. Wenn wir uns mit dem Thema Gnade beschäftigen, müssen wir daran denken, dass die Gnade durch Gerechtigkeit herrscht. Dass Gott uns aus Gnaden ewiges Leben schenken konnte, dass Er uns seine wunderbaren Gnadenerweisungen während unseres ganzen Lebens erfahren lassen konnte, ist auf dem Grundsatz der Gerechtigkeit geschehen, weil Er seinen eigenen Sohn auf Golgatha gegeben hat.
Dieser Gott beurteilt auch hier alles völlig gerecht. Es kommen viele Ungerechtigkeiten vor, nicht nur in der Welt, auch unter den Gläubigen, manchmal auch in gläubigen Ehen und Familien. Solche Ungerechtigkeiten können nicht immer auf Erden geklärt werden. Aber wir werden einmal zu Gott, dem Richter aller, kommen. Er ist dann nicht ein Richter, der uns verurteilt, aber wir werden alles mit seinen göttlichen Augen der Gerechtigkeit sehen und beurteilen.
Im Himmel werden wir die Geister der vollendeten Gerechten sehen. Das sind die Gläubigen des Alten Testaments. Sie werden nicht ohne uns vollkommen gemacht, sagt Hebräer 11,40. Was wird das für eine Freude sein, einmal solche Glaubensmänner wie z.B. Mose, David oder Hiob zu sehen!
Jetzt kommen wir zum Höchsten, was wir im Himmel sehen werden. Wenn wir in der himmlischen Herrlichkeit angekommen sein werden, werden wir mit den Augen unseres neuen Körpers den Herrn Jesus sehen. Wir können uns nicht vorstellen, was das sein wird. Wir werden auch den Wert des Blutes des Herrn Jesus erkennen, das besser redet als Abel. Als das Blut Abels durch seinen Bruder Kain vergossen wurde, hat Gott gesagt: «Das Blut deines Bruders schreit zu mir.» Das war ein Schreien nach Rache. Aber das Blut des Herrn Jesus verkündet Gnade. Das haben wir im Glauben ergriffen. Den wahren Wert dieses Blutes werden wir in alle Ewigkeit sehen.
Wir betrachten den Herrn also nicht nur jetzt, mit den Augen des Glaubens. Das volle Ziel unserer Zukunft und der Mittelpunkt unserer Hoffnung ist, den Herrn Jesus zu sehen, wie Er ist.
Das ist der ganze Berg der Gnade, dass wir, einst unwürdige Sünder und Feinde Gottes, dann für ewig in die wunderbare, glückselige Gegenwart unseres Heilandes und Herrn gebracht sein werden.