Halte Fest
Geben Sie ein Stichwort ein:
erweiterte Suche

Der Dienst der Leviten

Halte fest Jahrgang 1961 - Seite: 23 - Verfasser: G. A.

(Dieser Artikel ist auch als Buch erschienen, das beim Beröa-Verlag, Zürich, bestellt werden kann)

Der Dienst der Leviten für das Haus Gottes redet vom Vorrecht und von der Verantwortung, dem Herrn zu dienen, ein Teil, das heute allen Gläubigen beschieden ist. Es ist uns ein Anliegen, die Belehrungen dieses Gegenstandes besonders anzuwenden auf die Verantwortung heranreifender Brüder, die darin besteht, das, was sie vom Herrn empfangen haben, für das Wohl der Versammlung einzusetzen. Der Dienst soll heute - im Gegensatz zur Zeit des Gesetzes - nicht nur zum Nutzen des Volkes Gottes geschehen; die Gnade streckt sich in der Verbreitung des Evangeliums zu allen Menschen aus.

Dieser grosse Wechsel wurde durch die letzten Worte des auferstandenen Herrn an die Jünger deutlich hervorgehoben, ein Wechsel, den die Juden, sogar die Gläubigen unter ihnen, zu verstehen so viel Mühe hatten.

Wir empfehlen, die vorliegenden Betrachtungen durch das Studium der Kommentare von J. N. D. und C. H. M. über die ersten Kapitel des 4. Buches Mose und jene von H. R. über das erste Buch der Chronika, wie auch über Esra und Nehemia zu vertiefen. 

Unterteilung des Gegenstandes

Wir werden vor allem den Ursprung und die Berufung der Leviten betrachten. Weshalb und zu welchem Zweck wurden sie abgesondert?

Sodann werden wir uns mit ihrem Dienst in der Wüste beschäftigen, wie er den drei Familien, den Kehathitern, den Gersonitern und den Meraritern oblag: Jede hatte in Bezug auf die Stiftshütte eine besondere Aufgabe.

Dann werden wir betrachten, wie die Leviten, bevor sie ihre Tätigkeit ausüben konnten, gereinigt und geweiht wurden.

Als die Bundeslade in Jerusalem und besonders im Tempel zur Ruhe kam, änderte sich der Dienst der Leviten: von da an stellt er einen anderen Gesichtspunkt der besonderen Verantwortung der Brüder in der Versammlung dar.

Anhand der Bücher der Könige, Chronika, Esra und Nehemia werden wir der Geschichte der Leviten folgen, deren Zahl sich ständig verringerte, um in den Zeiten Maleachis nur noch ein Überrest zu sein. Im Neuen Testament werden sie kaum mehr erwähnt. (In der Zukunft jedoch werden sie gemehrt und wiederhergestellt werden. Vergl. Jer. 33,20-26; Hes. 48,13. 14)

Es ergeben sich also folgende Kapitel:

Am Sterbebett seines Vaters Jakob wurde auf Levi, den dritten Sohn Leas, ein Fluch gelegt (1.Mose 49,5-7). Mit seinem Bruder Simeon zusammen hatte er einst die Männer von Sichern betrogen und hingeschlachtet (1.Mose 34). Ihr Zorn hatte sich in Gewalttätigkeit und Grausamkeit über eine Stadt ergossen, die ihnen vertraut hatte. Sind nicht auch wir alle von dieser Sorte: Verdienen nicht auch wir den göttlichen Fluch, selbst wenn wir in unserem Zorn und in unseren Lügen nicht so weit gegangen sind, wie Levi und Simeon? Wem es noch nicht ins Bewusstsein eingeprägt ist, dass er in Wahrheit das Gericht Gottes verdient hat, der kann nicht Sein Diener werden! Er muss zuvor eine Bekehrung erleben.

In dem «Segen, womit Mose, der Mann Gottes, die Kinder Israel vor seinem Tode gesegnet hat», finden wir ein anderes Bild: die Liebe Levis zu den Worten Jehovas und zu Seinem Bund brachte den Segen über diesen Stamm (5.Mose 33,8-11). Die Treue der Leviten trat am traurigen Tage des goldenen Kalbes hervor, als Mose vom Sinai herabstieg, die Gesetzestafeln zerschlug und den gebieterischen Ruf durchs Lager ergehen liess: «Her zu mir, wer für Jehova ist!» (2.Mose 32,26-29). Nur die Söhne Levis hatten sich um ihn geschart; wie ihr Vater es einst getan hatte, zogen auch sie ihr Schwert, aber diesmal nicht, um ihren eigenen Zorn zu stillen, sondern um das schreckliche Gericht Gottes zu vollstrecken. Sie mussten durchs Lager gehen und alle, denen sie begegneten, töten: Brüder, Nachbarn und Freunde. An jenem Tage fielen bei 3000 Mann vom Volke Israel. 

Auch Pinehas, ein Nachkomme Levis, zeichnete sich durch Treue aus, als er wegen der Sünde des Baal-Peor einen Fürsten Simeons durchbohrte (4.Mose 25,7-14). Der Stamm Simeon wurde damals durch die Plage geschwächt: Am Ende der Wüstenwanderung war er einer der geringsten an Zahl und empfing infolgedessen nur ein kleines Erbe in Kanaan, ganz im Süden des Landes, in der Nachbarschaft der Wüste. 

Die Erstgeborenen Israels wurden auf Grund des an die Türpfosten und an die Oberschwellen gestrichenen Blutes des Passahlammes vom Gericht Gottes verschont. Sie waren also mit einem Preis erkauft, für Gott abgesondert und in besonderer Weise Sein Eigentum (Vers 13).

Statt jedoch die Erstgeborenen der Kinder Israels für den Dienst des Zeltes der Zusammenkunft zu bestimmen, hat Jehova an ihrer Stelle die Leviten dazu ausersehen (Vers 12). So wurden die Leviten, als Stellvertreter der Erstgeborenen, Aaron und seinen Söhnen für den Dienst völlig zu eigen gegeben (Vers 9).

Ist es heute mit den Kindern Gottes nicht auch so? Durch das Blut Christi erkauft, gehören auch sie dem Herrn: «Ihr seid nicht euer selbst, denn ihr seid um einen Preis erkauft worden» (1.Kor. 6,20). Sie sollen sich Ihm also völlig zum Dienst hingeben. Als solche, die durch die Liebe des Vaters dem Sohne gegeben sind (Joh. 17,6), geben sie sich nun selbst dem Herrn hin (2.Kor. 8,5). Der Stamm Levi musste «herzunahen» und sich vor Aaron «stellen» (4.Mose 3,6). Die Leviten mussten sich zudem um die Stiftshütte lagern (4.Mose 1,50). Wenn die Liebe zum Herrn die Triebkraft des Dienstes ist, im Bewusstsein, von ihm erkauft zu sein und Ihm zu gehören, so kann im weiteren ein Dienst nur fruchtbar sein, wenn er vom Gefühl Seiner Gegenwart erfüllt ist und in Gemeinschaft mit Ihm getan wird. Es wird uns von Männern vergangener Zeiten gesagt: «sie wohnten daselbst bei dem König in seinem Geschäft» (1.Chr. 4,23). Bleiben wir beim Herrn und wandeln wir mit Ihm, so werden wir zu Seiner Verfügung sein, wenn Er uns ruft; dabei lernt man auch, «die Zicklein bei den Wohnungen der Hirten zu weiden», wie es im Hohenlied (1,8) heisst. In Psalm 65,4 lesen wir: «Glückselig der, den du erwählst und herzunahen lässest, dass er wohne in deinen Vorhöfen! Wir werden gesättigt werden mit dem Guten deines Hauses, dem Heiligen deines Tempels». Der Prophet Elia hätte die Kraft, die er offenbarte, niemals besessen, wenn er nicht in seinem ganzen Leben durch den Ausdruck gekennzeichnet gewesen wäre: «Jehova, vor dessen Angesicht ich stehe» (1.Kön. 17,1 usw.)

Die Leviten standen im Dienste Aarons, der ein Vorbild von Christo ist, im Dienste der ganzen Versammlung, «um den Dienst der Wohnung zu verrichten» (4.Mose 3,6 und 7). Ihre Tätigkeit war zum Wohl der Versammlung und entfaltete sich in Beziehung zum Hause Gottes, aber vor allem standen sie zur Verfügung Aarons selbst. Welches auch immer die Gegenstände unseres Wirkens seien, so muss es immer den Herrn zum Meister und zum Ziele haben. «Unser Dienst ist wertlos, wenn er nicht in allen seinen Einzelheiten verbunden ist mit unserer Gemeinschaft mit dem Herrn und mit dem Priestertum, d.h. mit Christo in den himmlischen Örtern, wo Er für uns in der Gegenwart Gottes ist» (J. N. D.). Die Aufgaben der Leviten waren verschieden, aber sie hatten alle denselben Meister: Da war brüderliche Einheit bei aller Verschiedenartigkeit im Dienst unter demselben Herrn und durch denselben Geist. 

Die Leviten wurden schon im Alter von einem Monat gemustert, im Gegensatz zu den übrigen Israeliten, die erst mit 20 Jahren gemustert wurden. Ist es nicht auch so, dass Gott einen jungen Gläubigen von seiner Bekehrung an absondert, im Hinblick auf den Dienst, den Er ihm anvertrauen wird? Das sagte der Herr auch zu Ananias, in Bezug auf Paulus (Apg. 9,15). Gleicherweise wurde, bevor Timotheus in den aktiven Dienst trat, seine Berufung angekündigt (1.Tim. 1,18).

Aber wenn Gott Seinen Plan hat, so bedarf es meistens vieler Jahre der Zubereitung, bis der eigentliche Dienst beginnen kann. Im Alter von fünfundzwanzig Jahren traten die jungen Leviten in den Dienst am Zelte der Zusammenkunft (8,24). Sie waren noch nicht reif, um die Stiftshütte zu tragen, aber doch konnten sie beginnen, in Verbindung damit zu dienen. Diese «Lehrzeit» war nötig, um sie fähig zu machen, mit dreissig Jahren in die Arbeit ihres Werkes einzutreten (4,3). So wird ein junger Bruder anfangen, in der Versammlung und im Dienste des Herrn in einem zunächst begrenzten Mass nützlich zu sein, so, wie Er ihn darin leiten wird. Er beteiligt sich an der Traktatverteilung, hilft in der Sonntagsschule mit, macht Krankenbesuche, nimmt teil in den Gebetsversammlungen, usw. Nach und nach nimmt er an Erfahrung und Reife zu und kann vom Herrn in zunehmendem Masse zum Wohl der Seinen gebraucht werden, um in ihrer Mitte oder gegen aussen hin einen Dienst auszuüben, auf den Er Sein Siegel setzen kann. Wer aber mit «fünfundzwanzig Jahren» noch untätig bleibt, wird mit «dreissig Jahren» nicht im Stande sein, das zu vollbringen, wozu der Herr ihn bestimmt hat. (Es ist zu beachten, dass diese Altersgrenzen für die Leviten galten; in unserer Zeit haben sie eine geistliche Bedeutung; sie sind ein Hinweis auf eine persönliche Entwicklung in den Dingen Gottes, die durchaus nicht an das natürliche Alter gebunden ist. - Heute gibt es Diener, die ihre ganze Zeit dem Werke des Herrn weihen, während andere neben ihrem irdischen Beruf einen gesegneten Dienst ausüben.)

Mit fünfzig Jahren zog sich der Levit vom aktiven Dienst zurück (8,25), wurde dabei aber nicht unnütz; er betrat nun gewissermassen eine höhere Ebene, um «seinen Brüdern am Zelt der Zusammenkunft zu helfen, um der Hut zu warten». Mit diesem Alter von 50 Jahren scheinen drei Gedanken verknüpft zu sein:

  • Zum öffentlichen Dienst in der Versammlung bedarf es völliger Reife und geistlicher Kraft.
  • Es kann darin eine Abnahme eintreten - die niemals notwendig ist - wodurch die Wirksamkeit eingeschränkt würde.
  • Anderseits erinnert uns das Alter von 50 Jahren daran, dass der Dienst befristet ist. Er ist nur für eine Zeit; Krankheit oder Tod können ihm ein Ende setzen; sicher aber wird er bei der Wiederkunft des Herrn zum Abschluss kommen. Die gegebenen Gelegenheiten kehren nicht wieder und wer das, wozu der Geist ihn leiten wird, zu tun versäumt, erleidet bleibenden Verlust. - Und selbst wenn keine Abnahme der geistlichen Kräfte eingetreten ist, so können doch die physischen Kräfte nachlassen, die Gesundheit und die Fähigkeiten geschwächt werden. Ein Diener des Herrn, der im Alter vorgerückt ist, wird nicht mehr die gleiche Tätigkeit entfalten können wie früher. Aber wie kostbar ist noch sein Interesse, seine Sorge um die Versammlung! Er wird mit seinen Brüdern weiterhin bemüht sein, zu bewahren, was bewahrt werden soll und weiterhin für die ganze Herde einstehen. Guten Rat erteilen und die rechte Richtung weisen - ist gewiss nicht die geringste Seite eines Dienstes, den die Erfahrung bereichert hat.

Die Zahl der gemusterten Erstgeborenen (3,40) überstieg die Zahl der Leviten um ein paar Hundert (Vers 46). Schon in jener Zeit gab es mehr Erlöste als Diener! Heute aber steht es schlimm in dieser Beziehung. Wären die Diener des Herrn wohl so überlastet und von allen Seiten her dermassen in Anspruch genommen, wenn alle Erlösten, die Gott im Alter von «einem Monat» für Seinen Dienst vorgesehen hat, mit «fünfundzwanzig» und mit «dreissig Jahren» Seinem Ruf willig gefolgt wären? Die Fürsten der Leviten wurden mit ihren Brüdern gemustert; sie erhoben sich nicht über sie und dienten mit ihnen unter der Leitung der Priester (3,24; 4,28). Wie bedauerlich ist es, wenn es unter dem Volke Gottes, nach dem Ausspruch des Predigers (Kap. 10,7) «Knechte auf Rossen» gibt. Aber wie gerne bewahren wir das Andenken der «Führer» unter uns, die nun beim Herrn sind, wenn sie wie Dienende über die Erde gingen! - «Wer ist grösser, der zu Tische Liegende oder der Dienende?... Ich aber bin in eurer Mitte wie der Dienende» (Luk.22,27).

Die Priester allein durften dem Altar nahen und in das Heiligtum hinter dem Vorhang eintreten (18,7). Die Leviten waren den Priestern «angeschlossen», um «der Hut des ganzen Zeltes» zu warten (Verse 2 und 3); das Wort «Levi» bedeutet «Anschliessung, Anhänglichkeit» (siehe 1.Mose 29,34).

Heute sind gemäss 1.Petrus 2 alle Gläubigen Priester; sie bringen Gott geistliche Schlachtopfer dar, die Frucht der Lippen, die Seinen Namen bekennen; die Anbeter treten im Glauben in das Heiligtum, um dem Vater die Anbetung darzubringen, die Er sucht (Joh. 4,23).

Von einem anderen Gesichtswinkel aus gesehen, sind alle Erlösten des Herrn auch berufen, Leviten zu sein. Er wird einige dazu führen, ihre ganze Zeit und ihre ganze Kraft Seinem Werk zu widmen, im Dienst für die Versammlung oder für das Evangelium. Die meisten der anderen werden ihre tägliche Arbeit fortsetzen, und es wird ihr Wunsch sein, ihre Freizeit und ihre Kraft dem Dienst des Herrn zu weihen, zum Wohl der Seinen und zum Dienst an denen, die noch verloren sind. «Jedem einzelnen aber von uns ist die Gnade gegeben worden nach dem Masse der Gabe des Christus» (Eph. 4,7). Merken wir uns: Es ist jedem einzelnen Gnade gegeben worden; aber es gibt darin ein «Mass». Es handelt sich darum, zu erkennen, was der Herr uns anvertraut hat und in welchem Wirkungskreis wir tätig sein sollen (2.Kor. 10,13-16). Andere nachzuahmen oder in den Wirkungskreis eines anderen zu treten, in den der Herr diesen anderen gestellt hat, oder noch schlimmer, ihn in einem Geiste des Wetteiferns oder der Eifersucht in seinem Dienst zu stören, führt unter dem Volke Gottes zu traurigen Übelständen.

Die Leviten waren dem Aaron völlig zu eigen gegeben und widmeten ihre ganze Zeit der Stiftshütte. Bei der Teilung des Landes sollten sie kein Erbteil empfangen, denn Jehova selbst war ihr Teil und ihr Erbe inmitten der Kinder Israels. Damit für ihre materiellen Bedürfnisse gesorgt war, mussten die Israeliten ihnen den Zehnten von ihren Ernten geben (4.Mose 18,20-24).

Der Herr allein kann einzelne der Seinen berufen, sich völlig Seinem Werke zu widmen; aber die Verantwortung, für die Bedürfnisse dieser Diener zu sorgen, obliegt den Brüdern in der Abhängigkeit vom Herrn. Hat in diesem Punkt jeder von uns den Gedanken Gottes entsprochen? Oder sind einige indirekt ein Hindernis für das Werk gewesen, weil sie versäumt haben, «den Zehnten» zu geben, den der Herr für Seine Diener verlangt? Wohlverstanden, der göttliche Grundsatz besteht heute nicht darin, einen Zehntel seines Einkommens zu geben, vielmehr ist uns alles, was wir besitzen, vom Herrn nur zur Verwaltung anvertraut, wobei es wichtig ist, vor Ihm zu erkennen, welchen Teil davon wir für uns selbst behalten sollen! Für uns, die wir unter der Gnade stehen, gelten die Richtlinien, die in 2.Korinther 9 gegeben sind.

Der hauptsächliche Dienst der Leviten in der Wüste bestand im Tragen der Stiftshütte. Nach der allgemeinen Dienstordnung hatten die Kehathiter die Gegenstände des Heiligtums, den Scheide-Vorhang und den ehernen Altar zu tragen; die Gersoniter die Teppiche, Vorhänge, Umhänge, Seile und Geräte; die Merariter die gesamten festen Bauteile.

Die Stiftshütte redet einerseits von der Offenbarung Gottes in Christo, anderseits vom Hause Gottes, das heute aus allen Gläubigen besteht und in welchem Gott auf der Erde wohnen will. Die Gegenstände des Heiligtums: die Lade, der Schaubrottisch, der Leuchter, der goldene Altar, wie auch der eherne Altar stellen Christum dar. Die Teppiche und Decken sind mehr ein Vorbild vom Hause Gottes und den Wesenszügen, womit die Erlösten bekleidet sein sollten, in Widerspiegelung der Wesenszüge des Herrn selbst. Der feste Teil der Stiftshütte: die Füsse, die Bretter, die Säulen, sprechen von der Beschaffenheit der Grundlage dieses auf die Erlösung gegründeten Hauses.

Stellt das «Tragen» der Stiftshütte durch die Wüste nicht das dar, was heute durch den mündlichen oder schriftlichen Dienst des Wortes und durch das Zeugnis des praktischen Lebens für das Volk Gottes unversehrt und lebendig aufrecht gehalten werden soll: die Lehre in Bezug auf die Person und das Werk Christi und die Versammlung?

Das Volk konnte seinen Weg nur fortsetzen, wenn die Leviten die Stiftshütte trugen. Die drei Familien mussten zusammenarbeiten, damit die Hütte immer vollständig war. Nichts durfte vergessen werden oder beschädigt sein.

Es waren nicht die Fürsten der Leviten, die deren Tätigkeit leiteten; der «Fürst der Fürsten», Eleasar, der Sohn Aarons, des Priesters (3,32), war über die Kehathiter gesetzt, die der Hut des Heiligtums warteten; Ithamar leitete den Dienst der Gersoniter und der Merariter (4,28. 33). Mit andern Worten: die Leviten standen unter der Abhängigkeit der Priester. «Ein Dienst, der dieser Bezeichnung würdig sein soll, muss für den Herrn getan werden. Er soll gegenüber der priesterlichen Familie, die heute alle Gläubigen umfasst) eine demütige, niedrige und unterwürfige Stellung einnehmen. Der Dienst darf nicht durch Menschen ausgeübt werden, die über ihr Gebiet herrschen und es als ihr Besitztum betrachten» (1.Petrus 5,3. H. R.).

In der Stiftshütte übten die Priester den Gottesdienst vor Gott aus. Sie selbst mussten die Gegenstände des Heiligtums und den ehernen Altar in verschiedene Decken einhüllen, damit diese dann von den Leviten getragen werden konnten. Zwischen zwei Lagerplätzen oblag den Leviten die Verantwortung, die Stiftshütte für den nächsten Aufenthalt unversehrt bereitzuhalten. Sie wurde dann aufgestellt, und der Gottesdienst konnte Ihm von neuem dargebracht werden. Heute übt die ganze Versammlung den Gottesdienst vor dem Herrn aus. Genau genommen hat da die Ausübung der Gaben im Dienst des Wortes (wir sprechen nicht vom Lesen passender Bibelstellen im Laufe des Gottesdienstes) keinen Platz, (wenn auch am Ende der Stunde einige Worte in Abhängigkeit vom Geiste in Bezug auf die Anbetung, die Person und das Werk Christi oft durchaus angebracht sein mögen). Aber von einem Gottesdienst zum andern ist es nötig, dass die Heiligen durch den Dienst des Wortes auferbaut werden, den Herrn besser kennen lernen und Ihn so in ihrem Wandel und Zeugnis darzustellen vermögen. Dadurch werden die Herzen für den nächsten Gottesdienst zubereitet. Wird nur der Dienst des Wortes, ohne Gottesdienst, aufrechtgehalten, so gibt man Gott, dem Vater, nicht das, was Er sucht. Wird aber der Gottesdienst ohne einen dazwischenliegenden Dienst des Wortes ausgeübt (unter den drei Gesichtspunkten, die wir anhand der Weisungen an die Kehathiter, Gersoniter und Merariter im einzelnen noch betrachten werden), so wird das Niveau des Gottesdienstes gewiss sinken, und dem geistlichen Verständnis derer, die ihn ausüben, wird man es anmerken.

Aaron und seine Söhne stellten die Leviten, jeden einzelnen von ihnen, an seinen Dienst und an seine Traglast (4,19.49). Der Wirkungskreis und das Gewicht der Verantwortung sind eng miteinander verbunden. Niemand wird die Interessen des Herrn in Seinem Werke am Herzen haben, ohne auch die «Traglast» zu spüren, die damit verbunden ist. Aber keiner sollte die ganze Last auf sich allein nehmen! Jeder hatte sowohl seinen Dienst als auch seine Traglast. Es handelt sich nicht darum, für sich selbst die Tätigkeit auszuwählen, die man für den Herrn ausüben will; aber es ist wichtig zu erkennen, zu unterscheiden, zu welcher «Familie» der Leviten wir gehören, welchen Wirkungskreis der Herr uns zugeteilt hat (er kann während der Wüstenreise wechseln), welchen Dienst und welche Traglast Er uns anvertrauen will.

Die Leviten waren im Vergleich zum Umfang und zum Gewicht der Traglast sehr zahlreich. 8580Männer im Alter zwischen dreissig und fünfzig Jahren standen zur Verfügung (Vers 48); keiner war überlastet; jeder erfüllte seine Aufgabe, und zweifellos konnten sie sich häufig im Tragen ablösen. Warum sind die Diener des Herrn heute allgemein so überlastet? Ist es deshalb, weil die Zahl der «Leviten» - wie wir es in den Zeiten Esras und Nehemias sehen werden - so beträchtlich abgenommen hat? Manch ein Erlöster des Herrn erkennt den Dienst und die Traglast nicht, die sein Herr ihm zugeteilt hat, oder lehnt sie sogar ab. Sie unterlassen es, Seelen zu suchen und sie zu nähren. Wenn es auf sie ankäme, wurden die Heiligen weder belehrt, noch ermahnt und getröstet; das praktische Zeugnis der Absonderung und der Hingebung müsste darunter leiden; das Leben Christi könnte in den Seinen nicht gelebt werden. «Das Leben ist kaum lebenswert, wenn es nicht dazu da ist, dem Herrn zu dienen», schrieb ein junger Gläubiger, den der Herr ein wenig später zu sich nehmen sollte. Aus den wenigen Jahren, in denen er Ihm dienen konnte, kam sicherlich Frucht hervor zu Seiner Verherrlichung.

Die Kehathiter warteten der Hut des Heiligtums; ihr Dienst war «das Hochheilige» (4,4).

Die Gegenstände des Heiligtums reden von der Offenbarung Gottes in Christo. Die Decken, womit sie auf der Reise bedeckt waren, weisen auf den praktischen Zustand hin, der dem getragenen Gegenstand im Wandel entsprechen muss. Für die Bundeslade bildete die Decke von blauem Purpur - der himmlische Charakter - das Äussere; ein Bild vom Wandel Christi selbst. Bei den anderen Gegenständen war die Decke von blauem Purpur, sofern sie eine solche hatten, die innere Hülle; das Dachsfell lag darüber, «jene praktische und wachsame Heiligkeit auf dem Wege hienieden, die sich vor dem Bösen hütet, das uns beim Durchqueren der Wüste anhaften will» (J. N. D.). Derart soll der Wandel der Christen sein.

Die Kehathiter trugen die Gegenstände auf der Schulter (7,9). Dies beanspruchte die ganze Kraft, die ganze Energie des Dieners; sie trugen nicht mit dem «kleinen Finger»! Mit dem Dienst bezüglich der Person und des Werkes Christi betraut zu sein, ist eine Sache von höchster Wichtigkeit, die unser ganzes Herz, unsere ganze Aufmerksamkeit und unser ganzes geistliches Verständnis erfordert.

Weder die Bundeslade noch die anderen Gegenstände konnten von einem einzelnen Manne getragen werden. Mehrere Leviten mussten zusammengehen, im selben Schritt, auf demselben Weg durch die Wüste; sie trugen mit Sorgfalt und Ausdauer die kostbare und heilige Last, die ihnen anvertraut worden war.

J. N. D. schrieb an einen entmutigten Bruder einer örtlichen Versammlung und ermutigte ihn, in seinem Dienste auszuharren, «ministering patiently Christ», was frei übersetzt sagen will: «fahre geduldig fort, Christum zu verkündigen». Gibt es einen wirksameren Dienst als den, mit Geduld, mit Ehrfurcht und Liebe die Person des Herrn vorzustellen? Nicht alle Leviten waren Kehathiter. Der Herr hat diesen Dienst des Christus gewissen Dienern anvertraut. Mehrere von uns werden die Schrift von J. G. B.: «Die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus in Seiner Menschheit» oder auch «Der Sohn Gottes» desselben Schreibers gelesen haben. Viele Gläubige sind schon durch diesen schriftlichen Dienst in den Prüfungen aufrecht gehalten worden; ihre Seelen wurden ermuntert und für den Weg gestärkt, indem sie dadurch angeleitet worden sind, die «Herrlichkeit des Sohnes als eines Eingeborenen vom Vater» zu betrachten. Kürzlich hat jemand vom Dienst eines Bruders gesagt: «Er hat uns vom Herrn erzählt und unsere Herzen erwärmt.» Die Bundeslade, der Thron Gottes inmitten Seines Volkes, Sinnbild Seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit, Seiner Gegenwart in Christo, war mit dem Vorhang bedeckt, der das Heilige vom Allerheiligsten trennte. [Wir haben im ersten Teil dieser Schrift die Bedeutung der verschiedenen Gegenstände der Stiftshütte betrachtet und wollen hier nicht im einzelnen darauf zurückkommen.] «Der Vorhang, das ist sein Fleisch» (Hebr. 10,20), redet von der vollkommenen Menschheit des Herrn Jesus. Wenn das Lager aufbrach, nahmen die Priester den Vorhang ab und bedeckten damit die Bundeslade (4.Mose 4,5). Weder sie, noch vor allem die Leviten durften die Lade sehen (Vers 20). Die Menschen, die sie später berühren oder betrachten wollten, mussten sterben. Mit welcher Ehrfurcht sollten wir in das eintreten, was die Person des Herrn selbst betrifft, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist! «Denn es war das Wohlgefallen der ganzen Fülle, in ihm zu wohnen» (Kol. 1,19). In wem zu wohnen? In einem Menschen, der vom Tagewerk ermüdet, während des Sturmes im Heck eines Schiffes schlief, sich aber bald darauf als Gott erhob und Wind und Wellen beruhigte; in einem Menschen, der am Grabe des Lazarus mit den Weinenden weinte, aber im nächsten Augenblick als Sohn Gottes Seine ganze Macht in der Auferweckung dessen entfaltete, der schon vier Tage im Grabe lag. Der Vorhang über der Lade wurde mit Dachsfellen überdeckt. Das spricht von der Wachsamkeit und inneren Absonderung Christi auf Seinem Wege durch eine befleckte Welt, deren Fürst «nichts in ihm hatte» (Joh. 14,30). Die äusserste Decke von blauem Purpur spricht von der Wesensart Dessen, der vom Himmel herabgestiegen ist und diese Welt als der himmlische Fremdling durchschritt.

Der Schaubrottisch, auf dem das beständige Brot lag, redet von Christo, der Sein Volk im Heiligtum vor Gott vertritt. Dieser Tisch wurde mit einer Decke von blauem Purpur zugedeckt: Der himmlische Charakter der Heiligen in Christo, den sie innerlich immer bewahren, aber nie damit prahlen sollen! Dann kamen die Gebrauchsgegenstände an die Reihe - vielleicht Bilder der Gläubigen als Werkzeuge für Gott. Die Karmesindecke, die sie überdeckte, mag davon reden, dass ihr Dienst voller Würde und Herrlichkeit ist und, obwohl er auf der Erde ausgeübt wird, von Gott kommt und wieder zu Ihm emporsteigt. Aber als äussere Decke kamen die Dachsfelle, die Wachsamkeit und praktische Heiligkeit zum Ausdruck bringen, welche auf dem Wege unentbehrlich sind, damit der Dienst, der die Erlösten «in Christo», «begnadigt in dem Geliebten» (Ephes. 1,6) darstellt, in einer Gott gemässen Weise ausgeführt werden kann.

Der Leuchter, der goldene Altar und die anderen Gegenstände des Dienstes wurden, jeder für sich, in eine Decke von blauem Purpur gehüllt und mit Dachsfellen überdeckt. Christus, das Licht; der Heilige Geist in Ihm und in den Gläubigen; Christus, der Hohepriester, der unsere heiligen Opfergaben Gott darbringt; wir selber als Anbeter, die den Wohlgeruch der Vollkommenheit Christi zu Gott aufsteigen lassen; der Dienst des Heiligtums in seinen verschiedenen Seiten - alles das darf durch die heutigen «Kehathiter», die der Herr dazu ausgerüstet hat, in dieser Welt dargestellt und gelebt werden, durch die Lehre und durch einen entsprechenden Wandel.

Schliesslich musste der eherne Altar, nachdem die Asche daraus entfernt worden war, mit einer Decke von rotem Purpur überdeckt werden. Die Asche spricht von einem verzehrten Opfer, einem vollbrachten Werk, einem Opferlamm, das gelitten hat. Christus musste durch solche Leiden gehen; aber es sind Herrlichkeiten darauf gefolgt: Auf den Altar wurde die Decke von rotem Purpur gelegt, ein Sinnbild der universellen Herrlichkeit, die nun das Teil Dessen ist, der sich einst bis in den Tod erniedrigt hat. - Dann wurden alle seine Geräte darauf gelegt, und über das Ganze musste eine Decke von Dachsfellen ausgebreitet werden. - Wie wichtig ist dieser Dienst, der das vollkommene Werk Christi am Kreuze, Seine Leiden, Sein Verlassensein, Seinen Tod, aber auch Seine Herrlichkeit zum Gegenstand hat! «Nachdem er durch sich selbst die Reinigung der Sünden bewirkt, sich gesetzt hat zur Rechten der Majestät in der Höhe» (Hebr. 1,3). «Gott, der ihn aus den Toten auferweckt und ihm Herrlichkeit gegeben hat» (1.Petr. 1,21). «Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm einen Namen gegeben, der über jeden Namen ist, auf dass in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge» (Phil. 2,9-10).

Das eherne Becken wird hier nicht erwähnt. «Das Becken stellt keine Offenbarung Gottes dar, deren Auswirkung sich im christlichen Leben oder in der Verherrlichung Christi zeigt; sondern ist ein Mittel zur Reinigung des Menschen» (J. N. D.). In der Tat, in der Beschreibung der Stiftshütte wird vom Becken nicht besonders gesprochen. Gott offenbart Sich zuerst in Christo; dann erst folgt die Frage des Zutrittes des Menschen zum Heiligtum: Damit der Priester in das Heiligtum eintreten konnte, musste er Hände und Füsse waschen. Alles, was die Kehathiter trugen, spricht von der Offenbarung Gottes in Christo und nicht vom Weg des Menschen zu Ihm. Einmal mehr sehen wir, wie der Heilige Geist über die tiefen Gedanken des Wortes gewacht und wie wunderbar Er die Einzelheiten dabei geordnet hat.

In der darauf folgenden Geschichte der Wüstenwanderung, des Durchzugs durch den Jordan, der Einnahme Kanaans, ist unter den von den Kehathitern zu tragenden Gegenständen nur noch von der Bundeslade die Rede. Am Jordan und bei Jericho wurden sie sogar von den Priestern getragen. Es scheint, dass der Geist, der unsere Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Offenbarungen Gottes in Christo gelenkt hat, unsere Blicke schliesslich auf Seine Person selbst konzentrieren will, der durch jene mit blauem Purpur bedeckte Bundeslade dargestellt wird, die in der Wüste in der Mitte des Volkes getragen wurde und am Jordan an dessen Spitze, um ihm den Weg durch die Fluten des Todes zu öffnen und ihm den Sieg zu geben.

Die Gersoniter hatten den «gewebten» Teil der Stiftshütte (mit Ausnahme des Vorhangs des Allerheiligsten) zu tragen: die Teppiche, das Zelt, die Decken und den Vorhang am Eingang zum Heiligtum, sowie auch die Umhänge des Vorhofs und den Vorhang vom Eingang des Tores des Vorhofs.

Der Vorhang zum Eingang ins Heiligtum spricht von Christo in Seiner Menschheit. Er war aus blauem und rotem Purpur, Karmesin und gezwirntem Byssus in Buntwirkerarbeit angefertigt, aber ohne Cherubim. Die zehn Teppiche, die die eigentliche Stiftshütte bildeten und die Bretter bedeckten, waren aus den gleichen Materialien hergestellt, unter denen der Byssus den ersten Platz einnimmt. Sie sind unter anderem ein Bild der Gläubigen, die durch den Heiligen Geist miteinander verbunden sind und das Haus Gottes bilden. [Siehe die bezüglichen Bemerkungen über die Stiftshütte («Halte fest» 1960).]

Über diesen zehn Teppichen lagen elf Teppiche von Ziegenhaar, die etwas länger als die ersten, das Ganze bedeckten: ein Bild von der Absonderung von jedem Einfluss und jeder Verunreinigung von aussen her, vor denen sich alle bewahren sollen, die das Haus Gottes bilden.

Aber Absonderung allein genügt nicht; sie würde so zu Gesetzlichkeit führen. Über dem Zelt von Ziegenhaar lag die Decke von rot gefärbten Widderfellen. Der Widder war die Opfergabe der Einweihung; das Rot redet vom Blut: Diese Decke ist also ein Sinnbild von der Hingabe Christi bis in den Tod, eine Hingabe, welche die Erlösten in ihrem Masse nachzuahmen haben.

Dann kam die äusserste Decke von Dachsfellen, die erdfarben und unauffällig war: So unscheinbar sollen die Christen sein; so war ihr Meister.

Die Gersoniter trugen diese vier Decken durch die Wüste: Ein Bild des Dienstes und der persönlichen Übungen, durch welche die Gläubigen herangebildet werden sollen, um ein Widerstrahl der Wesenszüge Christi zu sein. In erster Linie ist es die Betrachtung Seiner Person, welche bewirkt, dass wir Ihn darstellen; aber auch durch Ermahnung, Zurechtweisung und Anspornung zur Wachsamkeit werden die Heiligen dazu geführt, die sittlichen Wesenszüge zu tragen, die dem Hause Gottes geziemen.

Die schönen Teppiche waren nur im Heiligtum sichtbar. Nur dort, in der Gegenwart Gottes, werden die Gläubigen in Christo gesehen, als mit Seinen Verdiensten bekleidet und an Seiner Herrlichkeit teilhabend. Von aussen sah man nur die Dachsfelle. Die beiden andern Decken von Ziegenhaar und Widderfellen befanden sich zwischen drin. Die Absonderung soll in der Tat im Innern, im Herzen vor sich gehen (Daniel nahm sich in seinem Herzen vor, sich nicht zu verunreinigen). Auch die Hingebung soll nicht ausgerufen werden; sie wird vielmehr der verborgenen Gemeinschaft einer Seele entspringen, die ihren Heiland liebt.

Diese vier Dinge sind miteinander verbunden: Absonderung vom Bösen ohne Herzenshingebung führt zu Gesetzlichkeit, zu Heuchelei und zum Pharisäertum. Aus Hingebung ohne Absonderung und Demut wird Philanthropie, «um von den Menschen gesehen zu werden». Und wenn man nur an die äusserste Decke denkt und an den Dienst, der mithelfen soll, bei den Gläubigen die Wesenszüge Christi hervorzubringen, die von aussen her gesehen werden können, so wird man entmutigt. Man soll auch die inneren Teppiche nicht vergessen und die Heiligen so betrachten, wie sie im Heiligtum gesehen werden. Sich aber nur daran genügen lassen, auszurufen, was wir in Christo sind, ohne in Absonderung und in Demut zu wandeln, führt zum Verfall.

Verständige Frauen, die ihr Herz trieb, hatten in ihren Zelten gesponnen, die einen blauen und roten Purpur, Karmesin und Byssus, die andern Ziegenhaar. Hier, im Familienkreis, werden die Herzen gebildet, die einen Teil des Hauses Gottes ausmachen werden. Wird die Absonderung vom Bösen nicht in der Familie verwirklicht, fehlt sie auch in der Versammlung. Nach beendeter Arbeit trugen die Frauen die gesponnenen Fäden zu Mose. Diese wurden dann gewebt, und es entstanden daraus die Teppiche und das Zelt. Fortan sahen sie ihr Gespinst nicht mehr; aber sie waren in ihren Herzen überzeugt, dass das, was sie mit so viel Sorgfalt gesponnen hatten, zum Bau des Hauses Gottes beitragen würde. Ist das nicht eine Ermunterung für gläubige Mütter und alle, die sich mit Kindern oder mit der Jugend beschäftigen?

Die Gersoniter trugen auch die Umhänge des Vorhofs, der rings um die Wohnung war. Die Länge dieser fünf Ellen hohen Umhänge (280 Ellen ohne das Tor) war die gleiche wie die, welche man beim Aneinanderreihen der zehn Teppichteile (zu 28 Ellen) erhalten hätte: Das äussere Zeugnis muss dem inneren Leben entsprechen! Diese Umhänge waren weiss; kein Schmutz durfte in die Umzäunung dringen. So muss auch das äussere Zeugnis des Gläubigen durch praktische Gerechtigkeit gekennzeichnet sein.

Wie wichtig ist der Dienst, durch welchen sich bei den Kindern Gottes diese verschiedenen sittlichen Wesenszüge entfalten, sei es im Blick auf das Heiligtum oder auf das Leben und das Zeugnis nach aussen. Wir finden ihn in mehreren Briefen, wie zum Beispiel im Epheserbrief, im zweiten Teil des Kolosserbriefes, in den Thessalonicherbriefen, im Philipperbrief und in anderen. «Werdet vollkommen», rief der Apostel den Korinthern zu; das Leben Christi werde in euch immer besser gestaltet. Die Familien der Gersoniter waren zum Dienst «im Dienen und im Tragen» gemustert worden (Vers 24). Diesen Dienst in Treue auszuführen und in diesen Übungen zu leben, ist eine mühevolle Arbeit, eine Last. Aber er trägt dazu bei, dass die Wesenszüge Christi in den Heiligen Gestalt gewinnen. Es ist eine Aufgabe für die Mütter in den Familien, für die Väter, ein Dienst für die Hirten der Herde.

Die Merariter hatten das eigentliche Gerüst der Stiftshütte durch die Wüste zu tragen: die Bretter und ihre Riegel, die Säulen, die Füsse vom Heiligtum; die Säulen des Vorhofs, ihre Füsse, ihre Pflöcke und ihre Seile.

Ohne die Füsse hätten sich die Bretter nicht aufrecht halten können. Ohne die fest miteinander verbundenen Bretter hätte es keine Stützen für die Teppiche, das Zelt und die Decken gegeben. Ohne die Säulen des Vorhofes hätten die weissen Umhänge auf dem Boden gelegen. Und ohne die Füsse von Erz unter den Säulen wäre alles eingestürzt.

Es gibt in Bezug auf das christliche Leben und das Haus Gottes auf der Erde eine grundsätzliche und grundlegende Belehrung, die bei den Gläubigen eine feste Auferbauung hervorbringt. Zweifellos muss man den Kindlein in Christo Milch zu trinken geben; dann aber gilt es auch zu wachsen und fähig zu werden, feste Speise aufzunehmen.

Die heranwachsenden Kinder stellen ihren Eltern Fragen: «Was bedeuten euch diese Steine?» (Josua 4,6). Und im Blick auf das Passah: «Was soll euch dieser Dienst?» (2.Mose 12,26). Es ist das Vorrecht der Eltern, deutlich und verständlich zu antworten, so dass es die Jungen zu fassen vermögen und sich bei ihnen nach und nach für das Gebäude ihres Glaubens eine feste Untermauerung bildet. Wenn die einzelnen Gläubigen oder die örtlichen Versammlungen nicht in der Wahrheit gegründet und auferbaut sind, bleiben sie «Unmündige, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Winde der Lehre» (Ephes. 4,14).

Keiner der zahlreichen, von den Meraritern getragenen Gegenstände durfte vergessen werden: «Und mit Namen sollt ihr ihnen die Geräte zuzählen, die ihnen zu tragen obliegen.» Ithamar, der Sohn Aarons, des Priesters, hatte diese hohe Aufgabe und mit ihm vielleicht auch die Leviten, die das Alter von fünfzig Jahren schon überschritten hatten und nicht mehr mittrugen. Sie beschäftigten sich damit, auch in diesem Fall, das zu bewahren, was bewahrt werden musste. Dieses Bild mag man auf solche anwenden, die vielleicht durch das Alter oder andere Schwachheiten verhindert sind, am tätigen Dienst teilzunehmen, aber darauf bedacht sind, dass keine der kostbaren und grundlegenden, durch das Wort empfangenen Wahrheiten verloren gehen, damit sie auch im Dienste derer, die ihnen folgen, in ihrem vollen Wert an ihren richtigen Platz gestellt werden. Den Kehathitern wurde keine solche Anweisung gegeben; es bestand keine Gefahr, dass sie den Leuchter oder den Tisch vergassen. Aber ein Merariter hätte leicht eine der vielen Säulen oder Seile liegen lassen oder unterwegs verlieren können! Jeder Gegenstand, jede grundlegende Wahrheit bildet ein Teil des Ganzen und ist zu dessen Vervollständigung unentbehrlich.

Um den Transport der ihnen anvertrauten Teile der Stiftshütte zu erleichtern, hatten die Fürsten der zwölf Stämme den Gersonitern und den Meraritern Wagen gegeben (4.Mose 7,3-9). Wir können daraus ersehen, dass die Nutzniesser des Dienstes denen, die ihn ausüben, materielle Hilfe leisten sollen: «Wer in dem Worte unterwiesen wird, teile aber von allerlei Gutem dem mit, der ihn unterweist» (Gal. 6,6). Es handelt sich dabei nicht nur um den damaligen «Zehnten», sondern um Gastfreundschaft, um Unterstützung für Unterhalt und Reisen, um verschiedene Erleichterungen, wozu jeder von uns den Dienern des Herrn verhelfen kann, sei es während ihres tätigen Dienstes oder auch dann, wenn das Alter ihre Schritte verlangsamt hat!

Ohne den Dienst der Merariter - keine aufgerichtete Stiftshütte, keine Grundlagen, keinen Aufbau! Ohne den Dienst der Gersoniter - keine Decken, keine Umhänge, ein unvollständiges, nacktes und blosses Gebäude! Ohne den Dienst der Kehathiter - keinen Gottesdienst, keine göttliche Gegenwart! Die Verrichtungen einer jeden der drei Familien waren ebenso unerlässlich wie die der andern. Das ist es, was der Schluss unseres Kapitels andeutet: «Nach dem Befehl Jehovas musterte man sie..., jeden einzelnen zu seinem Dienst und zu seiner Traglast» (Vers 49). Da gab es keinen Wettstreit, keinen Übergriff des einen in den Dienst des andern, keine sich gegenseitig verdächtigende Eifersucht. Jeder stand an seinem Platz, arbeitete mit dem andern zusammen oder löste ihn auf den weiten Strecken ab. Jeder stand dauernd unter der Leitung der Priester und dem obersten Befehl Aarons.

Wenn das Lager aufbrechen sollte (4.Mose 10,12-21), gab die Wolke das Zeichen zum Abmarsch, die Trompeten ertönten und drei der Stämme setzten sich in Bewegung. Die Stiftshütte wurde in ihre Teile zerlegt und von den Söhnen Gersons und den Söhnen Meraris getragen. Dann folgten drei andere Stämme und die Kehathiter brachen auf, um das Heiligtum zu tragen. Am neuen Lagerplatz angekommen, richteten die Merariter und Gersoniter die Stiftshütte wieder auf, bis die Kehathiter kamen. Damit der Gottesdienst geschehen kann, muss das Haus Gottes auf Seinen Grundlagen aufgerichtet sein. Hierzu gehören die Absonderung von der Welt und das praktische Zeugnis. Nun wurden die Gegenstände des Heiligtums herbeigebracht. Nachdem die Leviten ihre Arbeit vollendet hatten, konnten die Priester von neuem ihres Amtes walten und vor Gott den Rauch des beständigen Brandopfers und den heiligen Weihrauch des goldenen Altars aufsteigen lassen.

Im Gegensatz zu der Reihenfolge, die uns vielleicht chronologisch richtig schiene, kommt im Worte Gottes die Reinigung und Weihe der Leviten erst nach der Beschreibung ihres Dienstes. Das zeigt uns, dass der Dienst dem Herrn gehört; Er beruft dazu, wen Er will. Paulus sagt: «Auf dass ich meinen Lauf vollende und den Dienst, den ich von dem Herrn Jesus empfangen habe» (Apg. 20,24)

Am Anfang unseres Kapitels wird erwähnt, dass die Lampen des Leuchters angezündet wurden. Das weist darauf hin, dass bei der Reinigung der Leviten die inneren Beweggründe ihrer Herzen, wie auch ihre Handlungen. ins göttliche Licht gestellt werden mussten.

Hier geht es nicht um Bekehrung, sondern um die für den Dienst unerlässliche sittliche Vorbereitung. In der Lebensbeschreibung von mehr als einem Diener Gottes spricht das Wort von innerer Vorbereitung und Zubereitung. - Schon am Tage seiner Bekehrung war Paulus dazu ausersehen, den Namen des Herrn vor die Nationen zu tragen; aber verschiedene Jahre gingen noch dahin, bis ihn Barnabas in Tarsus aufsuchte, um ihn nach Antiochien zu bringen, damit er ihm in der dortigen Versammlung helfe. (Paulus war damals einem Leviten «von fünfundzwanzig Jahren» vergleichbar.) Nachdem er sich eine gewisse Zeit in Antiochien aufgehalten hatte, sonderte der Heilige Geist Barnabas und Saulus zu dem Werke aus, zu welchem Er sie berufen hatte (Apg. 13,2). Paulus trat jetzt in den vollen Dienst ein und entsprach nun dem Bilde eines «Leviten von dreissig Jahren». - Bevor Mose den Dienst ausübte, zu dem Gott ihn berufen hatte, wurde er lange Zeit dafür zubereitet, so lange sogar, bis die Zeitspanne menschlicher Kraft, die nach den Worten des 90. Psalrnes mit achtzig Jahren abschliesst, überschritten war. Für alles war nun Kraft aus der Höhe erforderlich, damit er seine Aufgabe erfüllen konnte. - Die Zubereitung Josuas, des Dieners Mose, dauerte bis zu dem Augenblick, da er die Führung des Volkes übernahm. - Mit Geduld und Nachsicht erzog Jehova auch den Gideon, bis zu dem Tage des Sieges über die Midianiter.

Diese Zubereitung zum Dienst hat verschiedene Seiten; als erstes die Reinigung: die Besprengung mit Wasser, das Scheren, das Waschen der Kleider.

Das Entsündigungswasser erinnert an die rote Kuh (4.Mose 19), deren Asche, mit Wasser gemischt, auf den Unreinen gesprengt wurde, zu dessen Wiederherstellung. Die Erinnerung an den Tod Christi, der für uns zur Sünde gemacht und vom Feuer des Gerichtes völlig verzehrt wurde, stellt, auf das Gewissen angewandt, nach einem aufrichtigen Bekenntnis der Sünde, die Gemeinschaft wieder her. [Siehe Artikel «Die rote junge Kuh»] Moses musste die Leviten mit dem Wasser der Reinigung besprengen; sie taten es nicht selber. Wir können unsere Natur nicht selber abtöten, dürfen aber unseren Tod mit Christo als eine vollendete Tatsache im Glauben annehmen.

Dagegen mussten die Leviten selbst das Schermesser über ihr ganzes Fleisch gehen lassen. Das entspricht dem «Töten» und «Ablegen» in Kolosser 3. Das Selbstgericht muss immer wieder erneuert und das, was der Apostel im 2.Korintherbrief 4,10 ausspricht, verwirklicht werden: «Allezeit das Sterben Jesu am Leibe umhertragend, auf dass auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde.» Manche Dinge in unseren Gedanken und unserem Verhalten müssen geprüft und korrigiert werden, wenn wir dem Herrn wirklich zu dienen wünschen.

Schliesslich mussten die Leviten ihre Kleider waschen. Das Zeugnis nach aussen hin, die Lebensweise, wo und mit wem wir Umgang pflegen - das alles muss der Wirkung des Wortes unterworfen werden, um wegzutun, was es nicht gutheisst. Beachten wir, dass diese Richtigstellung des äusseren Zeugnisses an letzter Stelle kommt, also nach der inneren Anwendung des Reinigungswassers und dem Scheren. 

  • des Passahlammes, das zur Erlösung der Erstgeborenen - deren Platz sie jetzt einnahmen - geschlachtet worden war (Verse 16-17);
  • der roten jungen Kuh, wovon das Wasser der Reinigung auf sie gesprengt worden war;
  • des Sündopfers, dargestellt im Farren, auf dessen Kopf sie ihre Hände legten;
  • des Brandopfers, für das ebenfalls ein Farre dargebracht wurde: durch den Glauben eine volle Wertschätzung des Todes Christi, der sich zur Verherrlichung Gottes Ihm geopfert hat, (auch da legten die Leviten ihre Hand auf das Opfertier);
  • des mit dem Brandopfer verbundenen Speisopfers, welches an das vollkommene Leben Christi erinnert, der Gott bis ans Ende verherrlicht hat.

Die Kinder Israel legten ihre Hände auf die Leviten und machten sich so mit ihnen eins. Wie ist diese Hand der Gemeinschaft von Seiten der Versammlung für die Diener des Herrn so gesegnet! Sie können nun in ihrem Dienst in der Gemeinschaft mit den Geschwistern voran gehen, unter Vermeidung jeder Unabhängigkeit. Die Versammlung selbst wird im Fasten und im Gebet geübt bis zu dem Augenblick, da sie den Gedanken des Herrn erkennt und die Brüder, die Er durch Seinen Geist berufen hat, «absondert», wie dies in Antiochien der Fall war (Apg. 13,1-3). Sie hört in der Folge nicht auf, sie der Gnade des Herrn anzubefehlen (Apg. 15,40). Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass, besonders in der Zeit der Gnade und des Heiligen Geistes, der Herr selbst es ist, der Seine Diener beruft, zubereitet und aussendet. Bei dem Arbeiter wird der Wunsch nach Gemeinschaft mit seinen Brüdern vorhanden sein; und die Versammlung anderseits bedarf des Unterscheidungsvermögens um zu wissen, wie sie ihn innerlich und geistlich unterstützen soll. In Demut und Abhängigkeit vom Herrn wird sich schrittweise ein Vertrauensverhältnis entwickeln, oft jedoch - wenn der Herr es will - nicht ohne tiefe und heilsame Übungen.

Hierauf wurden die Leviten dem Jehova als Webopfer «gewebt». Das Webopfer wurde Gott von allen Seiten, nach allen Gesichtspunkten, dargestellt; es wurde Gott gegeben und gehörte ohne Vorbehalt Ihm selbst, kein Teil blieb Seinem Lichte vorenthalten; alles war Ihm geweiht und dem Herrn «zu eigen gegeben» (Vers 16). Es handelt sich im Blick auf uns tatsächlich nicht um eine Gabe, um ein Opfer, das wir Gott darbringen; wir lassen den Herrn vielmehr von dem Besitz ergreifen, was Ihm von Rechtes wegen gehört: unsere Herzen, unser Leben und unsere Glieder (Röm. 6,13.19; 12,1).

«Und danach», so lesen wir im 22. Vers, kamen die Leviten, um ihren Dienst zu verrichten. Sie waren abgesondert und gereinigt worden; die Opfer, auf die sie ihre Hände gelegt hatten, waren Gott dargebracht worden; nun erst konnten sie dienen. Sich im Werke des Herrn zu betätigen, so unscheinbar der Dienst auch sei, ist eine ernste Sache. Die Beschäftigung mit einer Gruppe von Kindern in der Sonntagsschule oder das Aussprechen eines Gebetes in der Versammlung erfordert ebensoviel persönliche Verbindung mit dem Herrn, wie Seinem Ruf zu folgen in der Verkündigung Seines Wortes in den Zusammenkünften, in der Verbreitung des Evangeliums oder im Hinausgehen in die Ferne, an den Ort, wo der Herr Seine Knechte hinsendet. Jesaja sagt vom vollkommenen Diener: «Er wird nicht ermatten noch niedersinken» (Jes. 42,4). Wer es eilig hat, einen Dienst zu übernehmen, wird bald ermatten, denn es wird nicht an Ursachen zu Entmutigung und Tränen fehlen. Der junge Gläubige aber, der sich vom Herrn zubereiten, reinigen und berufen liess, der geübt ist, in Demut und Abhängigkeit das auszuführen, was vor ihn hingelegt wird, indem er dabei immer wieder die Gemeinschaft mit seinen Brüdern sucht, wird durch die Gnade Gottes und die Kraft aus der Höhe in der ihm anvertrauten Tätigkeit ausharren können. Niemals aber, so hervorragend der Diener auch sei, wird er aus sich selbst zu irgendeinem Dienst fähig sein: «Nicht dass wir von uns selbst aus tüchtig sind, ... sondern unsere Tüchtigkeit ist von Gott», sagt der Apostel Paulus (2.Kor. 3,5). «Wenn jemand dient, so sei es als aus der Kraft, die Gott darreicht», fügt Petrus hinzu (1.Petr. 4,11).

(1.Chr. 23,3-6; 24-32)

Wir finden hier die Leviten in einem neuen Zeitabschnitt ihrer Geschichte wieder, mit einem Dienst betraut, der sich von dem der Wüste unterscheidet. Sie hauen nicht mehr die Stiftshütte zu tragen, denn Jehova hatte Seinem Volke Ruhe geschafft und die Bundeslade war endlich nach Jerusalem gekommen (V. 25-26). David war das Werkzeug, durch das die Voraussetzungen erfüllt wurden, damit das Volk nun Ruhe geniessen konnte. Ihm oblag es, Anweisungen für den Tag, an dem Salomo den Tempel bauen wurde, zu geben. In dem Zeitpunkt, auf den sich unser Kapitel bezieht, war der Tempel noch nicht gebaut; Salomo war wohl zum König ernannt (V. 1), aber er regierte noch nicht allein. - Besteht darin nicht eine gewisse Übereinstimmung mit der jetzigen Zeit? Beim Betrachten des Dienstes der Leviten im Tempel werden wir in mehr als einer Hinsicht Ähnlichkeit mit dem Dienst der Gläubigen in der Versammlung Gottes feststellen.

Es war die Zeit der Ruhe. In der Wüste kam der Dienst dem Volke Gottes auf dem Weg zum Ziel zu Hilfe. Nun aber war Israel in Frieden um einen Mittelpunkt vereint; die Leviten hatten jetzt in Übereinstimmung mit dieser Tatsache ihre Aufgabe zu erfüllen.

Die Zeit der Ruhe sollte durch Wachsamkeit gekennzeichnet sein! (V. 28). Es galt zu wachen über den Dienst des Hauses Gottes, zu wachen an den Toren, zu wachen über die Schätze. 38000 Leviten teilten sich in diese Aufgabe; in der Wüste waren es nur 8580 Männer. Gemäss der Anordnung Davids begann ihre Tätigkeit schon im Alter von 20 Jahren (V. 27), aber wie in der Wüste traten sie erst mit 30 Jahren in den vollen Dienst (V. 3). Doch wird er hier nicht mit dem 50. Altersjahr begrenzt, zweifellos im Hinblick auf die Art der Aufgabe. Alles war sorgfältig geregelt, jeder wusste, welchen Platz er einnehmen musste. 24 000 leiteten das Werk des Hauses Jehovas, 6 000 waren Vorsteher und Richter, 4000 Torhüter und 4000 lobten Jehova mit den Instrumenten.

Die grösste Zahl der Leviten war mit dem Werk des Hauses Gottes beschäftigt. Wenn man vom Dienst spricht, denkt man oft ganz selbstverständlich an eine Aufgabe «nach aussen hin», an Evangelisation, an die Arbeit unter Kindern, an Krankenbesuche usw.; aber vergessen wir nicht, dass nach Gottes Gedanken der Dienst in der Versammlung einer der wichtigsten ist. Ein Hineinwachsen in diesen Dienst in der Abhängigkeit vom Herrn und in Demut wird zum Wohl der Brüder und zur Verherrlichung des Herrn sein.

Die Verse 28-32 beschreiben die Tätigkeit der Leviten im Hause Jehovas. Sie mussten vor allem über den Vorhof und die Zellen wachen. Der Vorhof trennt das Heiligtum vom Lärm des täglichen Lebens; wachen wir darüber, dass die alltäglichen Beschäftigungen nicht das Herz ausfüllen, das Gott geweiht bleiben soll. Die Zellen mussten mit dem gefüllt werden, was von Christo sprach. Aber in Nehemia 13 sehen wir den Priester Eljaschib, der über die Zellen gesetzt war, eine grosse Zelle für einen Feind Jehovas herrichten. Vordem war sie dazu bestimmt gewesen, die Speisopfer und den Weihrauch aufzunehmen... Die Leviten hatten nicht gewacht!

Das Böse abseits halten, damit nichts «die heiligen Dinge» beflecken kann, ist ein unerlässlicher, aber in einer Hinsicht negativer Dienst; es gibt jedoch auch eine positive Aufgabe: Es gilt, Christum darzustellen, und daran erinnern die Schaubrote, das Feinmehl, die ungesäuerten Fladen, was in der Pfanne gekocht und mit Öl vermengt wurde (V. 29; siehe auch 3.Mose 2). - Einer der Prophetensöhne hatte den Topf mit wilden Koloquinten gefüllt, die man nicht essen konnte. Aber was tat der Mann Gottes? Er nahm Mehl - Christus in Seiner vollkommenen Menschheit - und warf es in den Kochtopf. Da war nichts Böses mehr darin! (2.Könige 4.38-41). Verbieten, Verneinen und Tadeln allein wird weder die Jungen bewahren noch der Versammlung Gottes nützlich sein. Jedes Ding an seinem Platz, aber vor allen Dingen sollen wir «den treuen und klugen Knecht» nachahmen, «den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, um ihnen die Speise zu geben zur rechten Zeit» (Matth. 24,45).

Die Leviten wachten auch über die Hohl- und Längenmasse (V. 29): kein Unrecht durfte begangen, keine Gunst dem einen auf Kosten des andern gewährt werden; das Gleichgewicht musste erhalten bleiben (5.Mose 25,13-15).

Sie mussten schliesslich zum Dienst bereit sein, «um alle Brandopfer dem Jehova zu opfern». Der Priester war es, der das Brandopfer opferte, aber die Leviten halfen ihm dabei. Auf uns angewandt, die wir durch Jesum Christum zu Priestern gemacht sind, könnten wir hierin die Anbetung sehen, die, ganz besonders im Gottesdienst, an Gott gerichtet wird. - Ein junger Bruder, der die Gewohnheit hat, allein zu beten, wird gut tun, auch Gelegenheiten zu suchen, um es mit zwei oder drei Freunden zu tun. Auf diese Weise wird er lernen, sich vor anderen auszudrücken; vom Herrn geleitet wird er dann auch wünschen, sich in den Gebetsversammlungen zu beteiligen und wird in Abhängigkeit vom Herrn dazu geführt werden, auch im Gottesdienst seine Stimme zur Anbetung zu erheben. Wer aber mit «20 Jahren» noch nicht angefangen hat, die vom Herrn vor ihn gestellten Gelegenheiten zu ergreifen, wird niemals in die «30 Jahre» eines vollen Dienstes eintreten. Was der Herr von ihm erwartete, wird nicht in Erfüllung gehen und die Versammlung wird dadurch Verlust erleiden.

In ihrem ganzen Dienst mussten die Leviten sich dessen bewusst sein, vor und für Jehova zu handeln, in Unterwürfigkeit den Priestern gegenüber. Ganz besonders im Dienst in der Versammlung ist Demut nötig, jeder Geist der Herrschsucht und jeder Geltungstrieb soll ausgeschlossen sein.

Morgen für Morgen und ebenso am Abend mussten sich die Leviten einfinden, um Jehova zu preisen und zu loben (V. 30). Als die Bundeslade durch die Wüste zog, sangen die Leviten nicht; als aber «die Lade einen Ruheplatz hatte» (1.Chr. 6,31), bestellte David Sänger und trug «zum ersten Male» Asaph und seinen Brüdern auf, Jehova zu preisen (1.Chr. 16,7). Singen ist das Vorrecht und die Freude der Erlösten; wir sollen oft singen und unaufhörlich loben (Psalm 84,4); singen in der Versammlung, aber auch singen in der Familie; singen, wenn wir gutes Mutes sind, aber auch singen, wenn die Last schwer erscheint und Krankheit uns davon abhalten will; singen um Kranke zu ermuntern; singen als Zeugnis, wenn das Evangelium verkündigt wird. Und vor allem sollen wir dem Herrn singen in unserem Herzen (Eph. 5,19), und uns gegenseitig lehren und ermahnen mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern (Kol. 3,16).

Beim Gesang sind die Worte an die Musik gebunden. In Offenbarung 5 sprechen die Engel, singen aber nicht; die Erlösten allein kennen diese Freude; die Musik ist für sie ein bedeutsames und wunderbares Ausdrucksmittel. Lasst uns aber vor allem in unserem Herzen über die gesungenen Worte nachdenken! Welche geistliche Bildung vermitteln uns die Loblieder! Wie häufig ist uns beim Nachsinnen über diese oder jene Strophe ein Strahl der Herrlichkeit des Herrn Jesus aufgegangen, ein schlecht verstandener Gedanke wurde uns klar und unser Glaube wurde gestärkt!

Die ganze Tätigkeit der Sänger (Kapitel 25) stand «unter der Leitung Asaphs» und geschah «nach der Anweisung des Königs» (Verse 2 und 6). Um in der Versammlung und im Gottesdienst ein Lied vorzuschlagen, bedarf es grosser Abhängigkeit; das Lied, das uns ins Herz gegeben ist, muss zu dem Gedankenlauf des Augenblicks passen; und wer in der Abhängigkeit steht, wird auch kein Lied vorschlagen, wenn der Geist ihn nicht wirklich dazu führt! Man soll lobsingen mit dem Geiste, aber auch mit dem Verstande (1.Kor. 14,15).

Die Sänger waren in 24 Klassen eingeteilt (25,9-31), entsprechend denen der Priester (Kap. 24): der Lobgesang ist mit dem Opfer verbunden! In den Tagen Hiskias, wie wir sehen werden, «zur Zeit, als das Brandopfer anfing, begann der Gesang Jehovas... und der Gesang erscholl... bis zur Vollendung des Brandopfers» (2.Chr. 29,27-28).

Die Torhüter waren starke und tapfere Männer, so wird uns an mehreren Stellen gesagt. Nur 4000 von insgesamt 38 000 Leviten führten diese Aufgabe aus; aber sie ist nichtsdestoweniger eine der wichtigsten: Am Eingang der Tore des Hauses Gottes zu wachen erfordert ein Unterscheidungsvermögen, das nicht allen gegeben ist (siehe 1.Kor. 12,8-10). Es ist vonnöten, wenn Personen zum Tische des Herrn zugelassen zu werden wünschen; Unterscheidung und Wachsamkeit sind aber auch erforderlich im Blick auf die Wortverkündigung, auf die Lehren, die verbreitet werden, auf Gewohnheiten, die sich einschleichen können. Die Türen müssen für alle offen sein, die der Herr eintreten lassen will, aber verschlossen bleiben für alle Unreinheit.

Unter den Torhütern nahm die Familie Obed-Edoms (vermutlich aus Gath-Rimmon, einer Levitenstadt im Stamme Dan - Jos. 19,45; 21,24) eine besondere Stellung ein. In ihrem Hause war die Bundeslade mehrere Monate aufgestellt, und ein grosser Segen ging daraus hervor. Diese Familie hatte dem Herrn den ersten Platz gegeben.

Wenn der Herr dieses Unterscheidungsvermögen und diese Torhüter-Aufgabe gewissen Brüdern anvertraut, sie dazu befähigt und sein Siegel auf ihren Dienst drückt, so sollen wir dies anerkennen.

Gewisse Leviten waren dazu bestimmt, über die Schätze des Hauses Gottes und über die Schätze der geheiligten Dinge zu wachen. Haben auch wir solche Schätze? Wir können dabei an zweierlei Arten von Werten denken.

Sind, von einem geistlichen Gesichtspunkt aus gesehen, nicht die Schätze darunter zu verstehen, die unsere Vorfahren angehäuft haben, der ganze, schriftlich niedergelegte Dienst, der heute zu unserer Verfügung steht, und der den Jungen unter uns, wie auch uns allen wichtig sein soll, um Nutzen daraus zu ziehen? Die einen wurden befähigt, diese Schätze zu sammeln; andere wachen darüber; und der Herr vermag noch hinzuzufügen. Aber wir alle dürfen ausgiebigen Gebrauch davon machen, um in der Wahrheit befestigt und «Merariter» zu werden, die fähig sind, sich mit dem Bau der Stiftshütte zu befassen, oder um «Gersoniter» oder sogar «Kehathiter» zu werden, die die Person und das Werk Christi verkünden.

In einem materiellen Sinn lassen diese Schätze an die Verwaltung der Gelder der Versammlung denken, die aus den Kollekten herrühren. Es ist wichtig, sie mit Weisheit zu verteilen, sei es an Arbeiter des Herrn oder an solche, die Mangel haben. (Siehe besonders 2.Chr. 31,4-19 und Hebr. 13,16).

Gewisse Männer, besonders Hebroniter, die David am Anfang seiner Herrschaft umgeben hatten, waren zur Verwaltung Israels und zu Richtern ausersehen. Das ist eine sehr notwendige Aufgabe in der Versammlung Gottes, damit sich jede Angelegenheit in der vom Herrn gewünschten Ordnung abwickelt und Differenzen unter den Brüdern ausgeglichen oder geregelt werden können (1.Kor. 6,1-7). Auch da war die Zahl der ausgewählten Männer geringer als für andere Aufgaben: 1 700 Männer waren auf der einen Seite, 2 700 auf der anderen Seite des Jordans.

Die Dienste im Hause Gottes sind sehr verschieden. Derselbe Herr und derselbe Geist teilt sie aus und befähigt dazu. Möge ein jeder erkennen, wozu er berufen ist, um die anvertraute Aufgabe zu erfüllen - sie ist nicht zu jeder Zeit und in jedem Lebensabschnitt dieselbe - und jeder sollte von «20 Jahren an» die Ermahnung des Apostels verwirklichen: «Je nachdem ein jeder eine Gnadengabe empfangen hat, dienet einander damit als gute Verwalter der mancherlei Gnade Gottes» (1.Petr. 4,10). «Da ihr um geistliche Gaben eifert... seid zur Erbauung der Versammlung» (1.Kor. 14,12).

Die schöne Segenszeit Salomos war von kurzer Dauer. Schon zu seinen Lebzeiten hatte der Verfall begonnen. Unter seinem Sohne Rehabeam kam die Teilung des Königreiches zustande, und dadurch wurden die im Gebiet der zehn Stämme zerstreuten Leviten vor ein ernstes Problem gestellt. Jerobeam führte den Götzendienst ein und bestellte Priester zu den Höhen und zu den Böcken und zu den Kälbern, die er gemacht hatte (2.Chr. 11,15). Er verstiess die Leviten aus dem Priesterdienst Jehovas. Was war nun zu tun? Sich unterwerfen? Von Zeit zu Zeit nach Jerusalem hinaufgehen? - «Die Leviten verliessen ihre Bezirke und ihr Besitztum und zogen nach Juda und nach Jerusalem.» Sie zogen es vor, ihren Besitz und die ihnen lieb gewordenen Orte zu verlassen und dorthin zu gehen, wo der Name Jehovas anerkannt und in Freiheit angebetet wurde. Sie liessen sich durch die Bedenken, dass sie dort keinen Besitz und keinen Bezirk wiederfinden würden, nicht zurückhalten, auch nicht durch den Umstand, dass der aus zwei anstatt aus zehn Stämmen zusammengetragene Zehnte notgedrungen sehr beschränkt sein würde und für die gleich grosse Anzahl Leviten wie vordem ausreichen musste.

Das sind ernste Probleme, denen viele Diener des Herrn im Lauf der Zeiten begegnen mussten. Vielleicht treten sie eines Tages auch an uns heran! - In einem ähnlichen Zusammenhang kann auch ein einfacher Wechsel des Wohnortes zu einem Problem werden, sei es für Schüler oder Lehrlinge, sei es für Ältere, die aus beruflichen Gründen für ihre Familie einen Wohnsitz suchen.

Wie wichtig ist es da, richtig zu wählen! ... Oder besser gesagt - uns vom Herrn den Ort Seiner Wahl zeigen zu lassen! Um diese Frage zu entscheiden ist es überaus wichtig, sich dabei auch zu fragen, ob sich dort eine Versammlung in der Nähe findet oder nicht. Vielleicht ist es nur ein kleines Zeugnis, und wir werden dort vielleicht umsomehr persönlich geübt werden, uns in irgendeinem Dienst gebrauchen zu lassen. Es wäre möglich, dass der Herr uns in einem viel selteneren Fall leiten würde, an einem Ort zu leben, wo keine Versammlung besteht. Wenn es in der Umgebung solche gibt, so wird man vor allem dort die Gemeinschaft suchen. Dann wird sich die Aufgabe stellen, an dem Ort, wo wir zu leben berufen sind, Seelen zu suchen, die sich für die Dinge Gottes interessieren, ihnen zu dienen und sie vielleicht in die eigene Stube einzuladen, um miteinander das Wort Gottes zu lesen; dann wird der Herr auch zu weiteren Schritten führen können. Das scheint uns vielleicht auf den ersten Blick sehr aussergewöhnlich; und doch ist dies die gesegnete Erfahrung, die verschiedene Brüder in den vergangenen Jahrzehnten in gewissen Ländern gemacht haben, wohin sie durch ihre Firma oder durch die Regierung ihres Landes versetzt worden sind. Sie suchten mit Seelen Fühlung zu nehmen, die den Herrn lieben, und waren dadurch oft das Mittel zur Bildung neuer Zeugnisse. Ohne Zweifel ist grosse Abhängigkeit, Demut, Glaubensenergie und Ausharren dazu nötig, denn der Feind lässt es an keiner Anstrengung fehlen, um das Werk Gottes zu verderben und zu hindern.

Wie dem auch sei, und zu welchen Versammlungen der Herr uns auch führen wird, lasst uns dort eine wahre Hilfe und nicht ein Hindernis sein! Wenn dann ein junger Freund den Ort wieder verlassen muss, ist man froh, die Geschwister sagen zu hören: «Dieser junge Mann hinterlässt eine gute Erinnerung; er hat uns wirklich geholfen.» Umgekehrt tut es not, dass wir an dem Ort wo wir uns befinden, die jungen Leute, die für eine Zeitlang oder für immer sich bei uns niederlassen, zu umgeben wissen; mögen sie bei uns eine gute Aufnahme und Ermunterung finden; lasst uns Ihnen nachgehen und ihnen in ihren Problemen oder in ihrer Einsamkeit helfen! In einer grossen Versammlung wird es für junge Leute, die sich vorübergehend dort aufhalten, wichtig sein, sich am Schluss der Zusammenkünfte nicht stille davonzumachen, sondern es sich angelegen sein zu lassen, mit den Geschwistern des Ortes Gemeinschaft zu pflegen und mit Freunden, die seine Familie vielleicht kennt. Wie leicht wäre es sonst möglich, dass sie in der Menge unerkannt verschwinden! Aber wenn die Fühlungnahme hergestellt ist, und dieser Freund später fortgeht wird er sagen können: «Wie viel Gutes habe ich in dieser Versammlung erfahren, in welcher der Herr mich durch verschiedene Freunde so oft in einer entscheidenden Weise angesprochen hat!»

Unter Josaphat sehen wir die Leviten einen neuen Dienst ausüben, Nach 2.Chr. 17,7-9 machten sie sich mit anderen auf, «und sie lehrten in Juda, indem sie das Buch des Gesetzes Jehovas bei sich hatten.» - «Sie zogen umher durch alle Städte Judas und lehrten unter dem Volke.» Das geschah in einer Zeit in der schon der Verfall begonnen hatte; hätte es da ein besseres Mittel geben können, um die Herzen zum Herrn zurückzuführen, als ihnen Sein Wort vorzustellen, es ihnen zu erklären und verständlich zu machen? Derselbe Segen wiederholte sich unter Josia, als das Buch des Gesetzes wieder gefunden worden war (2.Chr. 34,30 und 35,3) und die Leviten «ganz Israel unterwiesen». Und welch ein gesegneter Dienst war es, den in der Zeit Nehemias die wenigen Leviten, die aus der Gefangenschaft zurückgekehrt waren, ausübten, als sie «das Volk über das Gesetz» belehrten! «Sie lasen in dem Buche, in dem Gesetz Gottes, deutlich und gaben den Sinn an, so dass man das Gelesene verstand» (Neh. 8,7-8).  [Auch setzte Josaphat in allen Städten Judas und in Jerusalem wiederum Leviten als Richter ein (2.Chr. 19,4-11).]

In den Zeiten der Könige gab es für die Sänger unter den Leviten eine wunderbare Gelegenheit, auch ihre Stimme hören zu lassen. In 2.Chronika 20 wird uns berichtet, wie Josaphat von einer grossen Menge angegriffen wurde; sein Königreich war in Gefahr. Er suchte Jehova, rief das Volk zusammen, um mit ihm zu beten und sprach die denkwürdigen Worte aus: «Unser Gott, ... in uns ist keine Kraft vor dieser grossen Menge, die wider uns kommt; und wir wissen nicht, was wir tun sollen, sondern auf dich sind unsere Augen gerichtet» (Vers 12). Daraufhin wurde es einem Sänger, einem Sohn Asaphs geschenkt, dem Volke die Verheissung des Sieges zu geben. Er sagte u.a.: «Ihr werdet hierbei nicht zu streiten haben; tretet hin, stehet und sehet die Rettung Jehovas an euch.» Als Josaphat am andern Morgen mit seinem Heere auszog, «beriet er sich mit dem Volke und bestellte» ... wen? Oberste, um die Truppen zu führen? - Nein: «Sänger für Jehova, welche lobsangen in heiligem Schmuck». Angesichts eines mächtigen Feindes und einer so grossen, drohenden Gefahr sangen diese Männer! «Und zur Zeit, als sie begannen mit Jubel und Lobgesang», stellte Jehova einen Hinterhalt wider die Feinde; sie wurden geschlagen und töteten einander. Josaphat und sein Volk brauchten nur noch die Beute zu plündern. Wahrlich, sie hatten Ursache, sich am vierten Tage zu versammeln, um Jehova zu preisen und zu loben! Als sie nach Jerusalem kamen, gingen sie zum Hause Jehovas, mit Harfen und mit Lauten und mit Trompeten, um Ihm zu danken.

In der Regierungszeit Jehiskias findet sich der Lobgesang wieder, aber dieses Mal mit dem Opfer verbunden. Nach der Wiederherstellung des Tempels und seiner Reinigung rief Jehiskia das Volk zusammen, um von neuem die Opfer darzubringen. Er stellte die Leviten mit den Instrumenten Davids in das Haus Jehovas und befahl, das Brandopfer auf dem Altar zu opfern. «Und zur Zeit als das Brandopfer anfing, begann der Gesang Jehovas... und der Gesang erscholl, und die Trompeten schmetterten; alles das währte bis zur Vollendung des Brandopfers» (2.Chr. 29,28). Diese bemerkenswerte Stelle zeigt uns, dass es ohne Brandopfer keinen Gesang gäbe! Ohne den Tod Christi am Kreuze, wo Er Gott vollkommen verherrlicht hat, wäre das Lob Seiner Erlösten niemals ins Heiligtum aufgestiegen.

Unter Nehemia liessen die Leviten bei der Einweihung der Mauer Jerusalems ihre Stimme erschallen, «um die Einweihung zu feiern mit Freuden, und mit Lobliedern und mit Gesang» (Neh. 12,27).

Zu diesem Zwecke «Versammelten sich die Söhne der Sänger». Dabei erinnerte man sich an die Tage vor alters: «In den Tagen Davids und Asaphs gab es Häupter der Sänger, und Preis und Lobgesänge für Gott» (Neh. 12,46). Diese vergangenen Zeiten können wieder aufleben: «Und ganz Israel gab in den Tagen Serubbabels und in den Tagen Nehemias die Teile der Sänger... den täglichen Bedarf» (Vers 47). Sie nahmen ihren Anbetungs- und Dankesdienst wieder auf, trotz der Zeit des Verfalls, in der sie lebten.

Wir finden in der Geschichte der Könige Judas mehrere aufeinander folgende Erweckungen, in der das Volk sowohl zum Worte Gottes, als auch zu Seinem Hause, zurückkehrte. Dabei spielten auch die Torhüter eine wichtige Rolle, worauf wir aber nicht eingehen können. Wir erwähnen nur ihren wichtigen Platz bei der Krönung Joas (2.Chr. 23,4,7.8). Unter Joas (2.Chr. 24) und Josia (2.Chr. 34) sammelten die Leviten das Geld, das zur Ausbesserung des Tempels nötig war. Unter Jehiskia beschäftigten sie sich mit der Heiligung des Hauses Jehovas (2.Chr. 29) und waren selbst den Priestern behilflich, die in so geringer Zahl anwesend waren (Vers 34).

Sie nahmen tätigen Anteil am Passah, das unter diesem König gefeiert wurde (2.Chr. 30,15.21.22) und beteten mit den Priestern um Segen für das Volk (Vers 27). Auch beim Passah, das Josia feierte (2.Chr. 35,3-6.15), nahmen sie alle ihren Platz ein. Unter Jehiskia schliesslich sehen wir sie ihr Amt als Vorsteher in der Verwaltung des Zehnten wieder aufnehmen (2.Chr. 31,12-14), in welcher Eigenschaft sie die ordnungsgemässe Verteilung des Hebopfers an alle Empfänger und «allen ihren Kindlein, ihren Frauen und ihren Söhnen und ihren Töchtern» zu überwachen und vorzunehmen hatten (Vers 14 und folgende).

Die Leviten, die unter den letzten Königen von Juda noch zahlreich waren, ja sogar zahlreicher als die Priester, fanden sich bei den unter Serubbabel und unter Esra aus der Gefangenschaft zurückgekehrten Juden nur in geringer Anzahl vor. In Esra 2,40 werden nur 74 Leviten erwähnt, gegenüber mehreren tausend Priestern (Verse 36-39), und nur 128 Sänger und 139 Torhüter. Bei der zweiten Rückkehr sammelte Esra das Volk «an den Fluss, der nach Ahawa fliesst» (Esra 8,15), aber er fand unter ihnen «keinen von den Söhnen Levis». Er musste umhersenden und konnte bei aller Überredung schliesslich kaum 40 Männer sammeln (Verse 18-19). Unter ihnen aber fand sich ein «einsichtsvoller Mann», dessen Name nicht einmal genannt ist. (War es aus Demut?) «Weil die gute Hand unseres Gottes über uns wahr», war er ihnen zugeführt worden, und er war seinen Brüdern zweifellos sehr nützlich. Wie vermag in einer Zeit des Verfalls der Dienst eines einzelnen Mannes, der Einsicht hat in die Dinge Gottes und unter Seinen Augen und in Seiner Furcht handelt, für so viele zum Segen sein!

Beim Wiederaufbau der Mauer unter Nehemia werden die Leviten kaum noch erwähnt (Neh. 3,17), während sich andere bei dieser grundlegenden Arbeit viel eifriger zeigten.

Trotz ihrer geringen Zahl konnten diese treuen, aus der Gefangenschaft zurückgekehrten Leviten ihre Aufgaben wieder aufnehmen. Sie führten Aufsicht über das Werk des Hauses Jehovas (Esra 3,8-9) und wurden zum Dienste Gottes in Jerusalem eingesetzt (6,18). «Sie waren alle rein», um das Passah zu feiern (Vers 20). Eine gewisse Anzahl Leviten, die mit Namen aufgeführt sind, hatten den Wunsch, in Jerusalem zu wohnen, in der Weise, wie sich früher ihre Väter um die Stiftshütte lagerten (Neh. 11,15-19). Wie wir es schon gesehen haben, durften sie von neuem das Gesetz auslegen, und die Sänger liessen ihre Stimme erschallen.

Den Torhütern wurde eine besondere Aufgabe übertragen. Sie mussten die Tore bewachen, um die Kaufleute daran zu hindern, am Tage des Sabbats in die Stadt hereinzukommen (Neh. 13,22). - Liegt darin nicht auch eine ganz praktische Lehre für uns? Mehrere sind beim Gottesdienst, oder in einer anderen Sonntagsversammlung offensichtlich zerstreut. Man denkt an seine Arbeit, an seine Aufgaben in der Woche, worüber man sich vielleicht mit einem Arbeitskollegen einige Augenblicke vorher unterhalten hat. Wenn wir mit des Herrn Hilfe den festen Entschluss fassen, vom Samstagabend bis zum Montagmorgen mit niemandem über irgendeines unserer Geschäfte oder über unsere Arbeiten zu sprechen und auch selbst nicht darüber nachzudenken, so würde uns dies in grossem Masse helfen, in den Versammlungen weniger zerstreut zu sein. Lasst uns vor allem an die Person denken, die in unserer Mitte weht und an die wir unsere Gebete und unsere Lieder richten!

Bei den Leviten, die aus der Gefangenschaft zurückgekehrt waren, konnte man aber nicht nur Erfreuliches wahrnehmen. Mehrere verfehlten sich hinsichtlich der Absonderung vom Bösen; in Esra 9,1 werden mit denen, die sich von den Völkern des Landes nicht abgesondert und fremde Frauen geheiratet hatten, auch die Leviten genannt. Als Esra nach vielen Herzensübungen das Volk dazu gebracht hatte, diese Heidinnen wieder zu entlassen, fand sich sogar ein Levit unter denen, die sich diesem Beschluss widersetzten! (Esra 10,15). Die Namen der in dieser Weise belasteten Leviten sind uns aufbewahrt (Verse 23-24). In den Büchern Esra und Nehemia finden sich mehrere Namenlisten: eine Liste von Juden, die es am Herzen hatten, in das Land ihrer Väter zurückzukehren; eine Liste von Männern, die in Jerusalem wohnen wollten, trotz der Entsagung, die sie dabei auf sich nehmen mussten; aber auch eine Liste derer, die ihren Herrn durch götzendienerische Verbindungen verunehrten.

In Nehemia 13,10-13 wird berichtet, dass Leviten, welche das Werk taten, «entflohen waren, ein jeder auf sein Feld». Die Verantwortung dafür lag nicht nur auf den Leviten selbst, sondern vor allem auf der Versammlung Israels und auf ihren Obersten, die nicht darüber gewacht hatten, dass der Zehnte regelmässig gegeben worden war, um den Bedürfnissen der Diener Gottes zu entsprechen. Wir wundern uns manchmal darüber, dass es heutzutage so wenig «Leviten» gibt. Zweifellos fehlt es oft an der Hingabe an den Herrn und an Seine Interessen. Liegt da nicht auch eine ernste Verantwortung auf den Kindern Gottes, die es versäumen, den Dienern des Herrn das durch Ihn selbst zu ihrem Unterhalt Verordnete zu geben? Der Herr hat selbst gesagt: «Der Arbeiter ist seines Lohnes wert.» Der Apostel schreibt den Galatern: «Wer in dem Worte unterwiesen wird, teile aber von allerlei Gutem dem mit, der ihn unterweist.» Als Jehova den Juden einmal vorwarf, Ihn «beraubt» zu haben, antworteten sie frech: «Worin haben wir dich beraubt?» (Mal. 3,8). Und die Antwort Gottes lautete: «In dem Zehnten und in dem Hebopfer. Mit dem Fluche seid ihr verflucht.» Aber es gab einen gesegneten Weg: «Bringet den ganzen Zehnten in das Vorratshaus, auf dass Speise in meinem Hause sei, ... spricht Jehova» (Vers 10).

In Maleachi werden die Leviten nur noch spärlich erwähnt. Der Prophet erinnert an ihren früheren Zustand (2,4-8) und stellt fest, dass die Leviten vom Wege abgeirrt sind und in Bezug auf das Gesetz viele Leute zum Straucheln gebracht haben. Dennoch will sich der Herr, wie zu allen Zeiten, einen Überrest aufbewahren: «Und er wird sitzen und das Silber schmelzen und reinigen; und er wird die Kinder Levi reinigen und sie läutern wie das Gold und wie das Silber, so dass sie Opfergaben dem Jehova darbringen werden in Gerechtigkeit» (3,3

Im Neuen Testament, als der Herr auf der Erde war, werden die Leviten kaum noch erwähnt. Einer von ihnen ging von Jerusalem nach Jericho hinab und lief an dem vorüber, der in seinem Blute lag, ohne sich um ihn zu kümmern. Leviten kamen auch zu Johannes dem Täufer, um ihn zu fragen, ob er der Christus sei (Joh. 1,19). Schliesslich wird noch Barnabas erwähnt, ein Levit, der sich zum Herrn wandte und für viele ein Segen wurde (Apg. 4,36.37).

Die Bundeslade und die Stiftshütte sind verschwunden. Der Tempel Salomos und der Tempel Serubbabels wurden zerstört. Der Dienst der Leviten ist erloschen. (Er findet sich erst wieder, wenn die Beziehungen Gottes zum Volke Israel wieder hergestellt sind. - Jeremia 33,17-26; Hesekiel 45,5 usw.) Mies das war nur «der Schatten der zukünftigen Güter, nicht der Dinge Ebenbild selbst.» Wir haben jetzt die Wirklichkeit, eine geistliche Wirklichkeit. Christus, Gott offenbart im Fleisch, ist auf die Erde gekommen. Er ist auferweckt und in die Herrlichkeit erhoben worden und hat den Heiligen Geist herniedergesandt, der alle Gläubigen zu einem Leibe getauft hat; Er hat die Versammlung aufgebaut und trotz der Anstrengungen des Feindes werden des Hades Pforten sie nicht zu überwältigen vermögen. Von der Herrlichkeit her hat Er den Seinen Gaben anvertraut, damit in der Mitte Seines Volkes hienieden der Dienst ausgeübt werden kann, wovon der Dienst der Leviten nur ein Vorbild war. Wir sagen es noch einmal: «Jedem einzelnen aber von uns ist die Gnade gegeben worden nach dem Masse der Gabe des Christus». Es muss für jeden eine Übung bleiben, darüber klar zu werden, ob er dieser Tatsache entspricht und ob er, auf einer höheren Ebene als einst die Leviten, das Herz seines Herrn erfreut, und ob er für Seine Geliebten auf der Erde ein Segen oder ein Hindernis ist.

Der Herr, der sich selbst für uns zum Opfer hingegeben hat, möge uns mit Eifer erfüllen, um unsere Tage, unsere Güter, unsern Leib und unser Herz Ihm und Seinem Dienste zur Verfügung zu stellen, damit Er an einem kommenden Tage zu uns sagen kann:

«Wohl, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu ... gehe ein in die Freude deines Herrn.»

Dieser Artikel wurde bisher noch nicht bewertet.
  

Buchtipp

halte fest CD

 

 

Alle 45 Jahrgänge von 1958-2002 auf einer CD mit Suchprogramm für die komfortable Volltextsuche auf dem Computer

 

halte fest Abo

 

Abonnieren Sie «halte fest». So erhalten Sie alle zwei Monate das aktuelle Heft per Post zugestellt.

 


Letzte Änderung am 26.09.2010.