Die Philister im Licht des Neuen Testamentes
Halte fest Jahrgang 1978 - Seite: 253 - Verfasser: M. G.
An vielen Stellen des Alten Testamentes begegnet uns das Volk der Philister. Schon im ersten Buch Mose ist von ihnen die Rede, dann besonders im Buch der Richter, in 1. und 2.Samuel und in verschiedenen Propheten. Wir haben daher sicher Grund, uns zu fragen, von was die Philister im Licht des Neuen Testamentes ein Bild sind und was wir daraus lernen können.
1. Herkunft und Bedeutung
Die erste Erwähnung finden wir in 1.Mose 10. Aus den Versen 6 (siehe Fussnote), 13 und 14 erkennen wir klar ihre Abstammung: Es waren Hamiten, die aus Ägypten kamen. Sie siedelten sich innerhalb der Grenzen des Landes Kanaan an und zwar auf dem Küstenstreifen längs des Mittelmeeres. Sie lebten schon da zur Zeit der Erzväter Abraham und Isaak und wurden auch bei der Einnahme des Landes durch das Volk nicht vertrieben (1.Mose 21,32.34; 26,1ff.; Josua 13,2.3).
Der Name Philister bedeutet: «Wanderer'. Sie waren aus Ägypten ausgewandert und nach Kanaan gelangt, ähnlich wie später das Volk Israel. Aber ihr Weg halle weder mit der Errettung vor dem Todesengel durch das Blut des Passahlammes begonnen, noch hatte er durch das Rote Meer, die Wüste und den Jordan geführt. Sie sind ein Bild der Menschen von heutzutage, die das christliche Bekenntnis angenommen haben, sich zur Christenheit zählen, aber kein wahres göttliches Leben, keinen echten Glauben besitzen. Oh, wie viele solcher «Philister» gibt es heute!
Zwischen den Philistern von damals und denen, die Gott anhingen (die Patriarchen, das Volk Israel), herrschte ständige Feindschaft. Es konnte und kann nicht anders sein, weil «die Gesinnung des Fleisches Feindschaft ist gegen Gott» (Römer 8,7).
2. Die Philister zur Zeit Abrahams und Isaaks
(1.Mose 21,22-34; 26,1-33)
Zur Zeit der Patriarchen standen die Feindseligkeiten in Verbindung mit den Brunnen. Die Knechte Abimelechs, des Königs der Philister, hatten Abraham mit Gewalt einen Brunnen weggenommen (21,25).
Dieser Brunnen redet vom Heiligen Geist (Joh. 7,38.39) und seiner heutigen Tätigkeit in den einzelnen Gläubigen und in der Versammlung. Solange das christliche Zeugnis in der Welt besteht, wird es immer solche geben, die unter einem religiösen Deckmantel die ungehinderte Wirkung des Heiligen Geistes stören und unterbinden. Am Anfang waren es die judaisierenden Lehrer (z.B. Gal. 1,7; 2,4), die das normale geistliche Leben hemmten. Später war es die sogenannte «alleinseligmachende Kirche», die die «Ketzer» grausam verfolgte und die Lehre der Apostel verdunkelte, so dass während des dunklen Mittelalters ein öffentliches Zeugnis der Versammlung nach den Gedanken des Wortes Gottes praktisch aufgehört halle zu bestehen.
Bei Isaak lag die Sache etwas anders. Auch da ging es um Brunnen. Aber ihm fehlte es an klarer, entschiedener Absonderung von den Philistern oder - in der Sprache des Neuen Testamentes - von solchen, «die eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen» (2.Tim. 3,5). Die Gefahr, die ihm drohte, war nicht Ägypten, sondern das Zusammenleben mit den Philistern, in deren Nähe er sich aufhielt. Er ist zu vergleichen mit einem wahren Christen, der unter dem Einfluss solcher leidet, die eine christliche Stellung einnehmen, aber ohne persönlichen Glauben, ohne Lebensverbindung mit Gott sind. Trotz der ermunternden Zusage Gottes, mit ihm zu sein, fürchtete er sich vor den Philistern und verleugnete seine Beziehung zu Rebekka.
Wenn wir um uns selbst Angst haben, um unsern Ruf, unser Ansehen, unsere Stellung, und uns deshalb der Zugehörigkeit zum örtlichen Zeugnis der Versammlung schämen, sind wir die grossen Verlierer. Einerseits geht das Zeugnis für unsern Herrn verloren (im Fall Isaaks: 1.Mose 26,9), und anderseits verlieren wir die Brunnen; die Quellen geistlicher Erfrischung werden verstopft.
Von der Versammlung in Sardes, die prophetisch ein Bild des Protestantismus zeigt, heisst es, «du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot». Es ist das Resultat verstopfter Brunnen. Der Formalismus hat das Wirken des Geistes ganz unterdrückt.
Was Isaak mangelte, um die richtige Stellung einzunehmen, das fehlt auch uns nur zu oft: geistliche Energie und Entschiedenheit (2.Petrus 1,5, «in eurem Glauben die Tugend, oder die geistliche Energie»). Möge uns der Herr den Mut eines Onesiphorus schenken, der sich der Kellen des Apostels Paulus nicht geschämt hat (2.Tim. 1,16), damit wir uns des Zeugnisses seiner Versammlung in dieser Welt, und sei es noch so schwach, nicht schämen.
Und wenn wir bekennen müssen, dass wir schon oft wie Isaak gehandelt haben, dann lasst uns das Ende dieses 26. Kapitels betrachten. Seine traurigen Erfahrungen führten ihn zu einer entschiedenen Trennung von den Philistern. Und was war die Folge? Nun hatte er wieder einen Altar, ein Zelt und einen Brunnen. Seine Gegner anerkannten jetzt seine Stellung: «Du bist nun einmal ein Gesegneter Jehovas» (siehe auch 1.Mose 23,4.6). Auch uns steht dieser Weg der Wiederherstellung offen, wenn wir nur bereit sind, Busse zu tun über das Vergangene und gewillt sind, mit Entschiedenheit den schmalen Weg der Absonderung zu gehen.
3. Die Philister zur Zeit der Richter und der Könige Saul und David
Die Bücher Richter, 1. und 2.Samuel berichten uns sehr viel von Auseinandersetzungen mit den Philistern. Obwohl damals im Volk noch kein völliger Abfall von Gott vorhanden war, wie später unter den götzendienerischen Königen von Israel und Juda, gab es doch manche Niederlage im Kampf gegen diese hochmütigen (Sach. 9,6) Feinde.
Simson, das Bild eines fleischlichen Christen, trug wohl manchen Sieg über die Philister davon, musste sich aber von ihnen aufs tiefste demütigen lassen (Verlust der Kraft und des Augenlichts).
Weil Gott das Priestertum der Familie Elis verworfen hatte, konnte auch die Bundeslade im Heerlager nicht mehr zum Sieg verhelfen (1.Sam. 4). Wenn es im Herzen nicht mehr stimmt, ist auch die äussere Form wertlos.
Saul, das Bild eines natürlichen Menschen, war gegen Goliath völlig machtlos. Am Ende verlor er sogar sein Leben im Kampf mit den Philistern. Gegen die Philister gab es nur ein Mittel: Echter, unerschütterlicher Glaube und ganze Entschiedenheit für den Herrn (siehe 1.Sam. 14,1-15; 17,31-54).
Ist es heute anders? Nein, keineswegs! Nur mit ganzem Herzensentschluss, mit geistlicher Entschiedenheit ist es heute möglich, angesichts der christlichen Bekenner die Wahrheit festzuhalten und ungetrübt und unvermischt auch praktisch auszuleben. Die Angriffe von seiten der heutigen «Philister» sind vielfältig. Seien wir auf der Hut! Die damaligen Philister wurden nie ausgerottet oder vertrieben. Wir finden sie in der späteren Geschichte Israels immer wieder (2.Chr. 17,11; 21,16; 26,6.7; 28,18; 2.Kön. 18,8). Im Gleichnis vom Unkraut im Acker sagt der Herr Jesus Ähnliches über die blossen Bekenner (Matth. 13,26-30). Schon zur Zeit der Apostel gab es solche, die nur ein Bekenntnis, aber kein göttliches Leben hallen (1.Joh. 2,19; Judas 4; Apg. 20,30). Durch die Anerkennung des Christentums als Staatsreligion im Jahre 313 wurde den blossen Bekennern Tür und Tor geöffnet, um sich mit den wahren Gläubigen zu vermischen. Der Abfall nahm dann so rasch zu, dass der Herr dieses «Christentum» als Ganzes nicht mehr als seine Versammlung anerkennen konnte. (Siehe die Sendschreiben an Pergamus, Offb. 2,13, und an Thyatira, Offb. 2,18-29: In Pergamus wurde der Grundsatz von Matthäus 18,20 noch festgehalten, in Thyatira wurde der Herr Jesus von seinem Platz verdrängt, die Kirche begann zu lehren, das Böse wurde geduldet.)
Zur Zeit des Hohenpriesters Eli (1.Sam. 2-4) herrschten ähnliche Zustände wie in Thyatira. Und wie damals die Bundeslade, das Zeugnis Gottes, in die Hände der Philister fiel, so ging mit dem Niedergang der Kirche in den ersten Jahrhunderten auch das Zeugnis Gottes durch die Versammlung als der Gesamtheit aller Kinder Gottes verloren. Die «Philister» bekamen die Oberhand.
4. Das Gericht Gottes über die Philister
(Jer. 47; Hes. 25,15-17; Amos 1,6-8; Zeph. 2,4-7)
Das Volk Israel hatte viele Feinde. Alle werden deswegen das göttliche Gericht zu spüren bekommen. Und doch gibt es einen gewaltigen Unterschied im Lager der Feinde Israels. Für die einen gibt es noch Hoffnung; die göttliche Zusage verheisst ihnen einen Platz im Tausendjährigen Reich (Moab, Jer. 48,47; Ammon, der. 49,6; Ägypten, Assyrien, Jes. 19,23-25). Für die andern aber ist die Lage hoffnungslos (Edom, Jer. 49,13; Obadja 18). Das gilt auch für die Philister (z.B. Amos 1,8). Nach den Belehrungen des Neuen Testamentes werden vor der Aufrichtung des Tausendjährigen Reiches alle Nationen vor dem Herrn Jesus als dem Richter erscheinen müssen (Matth. 25,31-46). Ihre Zukunft richtet sich nach dem, wie sie die jüdischen Verkündiger des Evangeliums des Reiches behandelt haben. Zu den einen wird gesagt: «Kommet her, Gesegnete meines Vaters, ererbet das Reich ...» (Matth. 25,34).
Für die Namenchristenheit aber, für die grosse Masse der christlichen Bekenner, die nicht wiedergeboren sind, gibt es dann keine Hoffnung mehr (Offb. 3,16; 18,1-24; 2.Thess. 2,10-12). Wie ernst für jeden, der nichts als nur ein Bekenntnis hat!
Mögen uns die Philister des Alten Testamentes in jeder Hinsicht eine ernste Warnung sein, sei es in Bezug auf unser Verhalten gegenüber Einzelnen, die vorgeben Christen zu sein, aber nicht wahrhaft dem Herrn Jesus angehören, oder gegenüber Körperschaften, die eine Vermischung von Gläubigen mit blossen Bekennern dulden. Eine Verbindung mit ihnen wird nur zu unserem Schaden sein, eine klar bezogene Stellung jedoch, in praktischer Absonderung von ihnen und allem Bösen, nur zum Gewinn.