Sohnschaft
Halte fest Jahrgang 1990 - Seite: 77 - Verfasser: R. L.
Der Ausdruck «Sohnschaft» findet sich fünfmal in Gottes Wort. Es handelt sich dabei um folgende Stellen:
- Römer 8,15
- Römer 8,23
- Römer 9,4
- Galater 4,5
- Epheser 1,5
Im griechischen Grundtext steht da jeweils das Wort «hyiothesia». Dieses Wort ist aus den Wörtern «hyios» (Sohn) und «thesis» (das Aufstellen, das Setzen) gebildet. Daraus geht hervor, dass dieser Ausdruck von dem Versetzen einer Person in die Stellung eines Sohnes spricht. In englischen und französischen Bibelausgaben wird «hyiothesia» mit dem Begriff «Adoption» übersetzt. Doch bleibt dabei die Betonung der Sohnesstellung weg, was an unserer deutschen Wiedergabe mit «Sohnschaft» so besonders wertvoll ist. Andererseits käme kein deutschsprachiger Leser auf die Idee, dass «Sohnschaft» etwas mit Adoption zu tun hat. Die genauste, jedoch eher umständliche Übersetzung von «hyiothesia» wäre somit «Sohnschaft durch Adoption».
Ist es nicht etwas Gewaltiges und Grossartiges, dass Gott, der Vater, uns Erlöste aus der Gnadenzeit so nah zu sich ziehen und uns als seine Söhne vor sich stellen wollte? Gemäss Epheser 1,4.5 hat Er uns bereits vor Grundlegung der Welt für eine solche Stellung zuvorbestimmt! Gott wusste im Voraus, in welchen Sündentiefen wir uns einst befinden würden, und trotzdem wollte Er uns in die höchste Stellung, die Geschöpfe überhaupt einnehmen können, versetzen. Als «Wurm» und als «Made» bezeichnete einst Hiob den gefallenen Menschen (Hiob 25,4-6). Nicht gerade schmeichelhafte Ausdrücke! Solche Menschen waren wir alle, aber jetzt dürfen wir, aufgrund des vollbrachten Werkes des Herrn Jesus, Gott durch den Geist der Sohnschaft ohne Furcht im Herzen «Abba, Vater» nennen (Röm. 8,15). Wenn wir uns mit dem Vorrecht der Sohnschaft beschäftigen, werden wir von der Liebe und dem Erbarmen Gottes überwältigt und können in das Lob des Apostels Paulus einstimmen: «Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christo, ... und uns zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst» (Eph. 1,3.5).
Wie grossartig auch unsere Stellung als Söhne Gottes ist - wir dürfen dabei niemals den grossen Unterschied zur Sohnesstellung des Herrn Jesus ausser acht lassen. Während wir Söhne durch Adoption sind, ist der Herr Jesus von Ewigkeit her Sohn Gottes. Aus Hebräer 7,3 geht hervor, dass der Herr Jesus als Sohn Gottes keinen Anfang hat! Daher ist es nicht erstaunlich, dass der Ausdruck «hyiothesia» im Neuen Testament nie auf den Herrn Jesus bezogen wird.