Der Sperling
Halte fest Jahrgang 1982 - Seite: 106 - Verfasser: J. v. d. B.
Kann man in diesem Heft über einen so gewöhnlichen Vogel schreiben, wie den Sperling? Ja warum nicht? Gott tut es in seinem Buch ja auch!
Wenn wir täglich Sperlinge damit beschäftigt sehen, alles Mögliche aufzupicken, lasst uns dann daran denken, was uns Gott durch diese Tierchen lehren will.
«Selbst der Sperling hat ein Haus gefunden» (Ps. 84,3)
Die Söhne Korahs wollten zum Ausdruck bringen, dass der Sperling und die Schwalbe ein Haus haben, einen Unterschlupf, einen Platz, wo sie ruhen können. Der Sperling ist ein umherschweifender Vogel, der sich überall hinsetzt. Die Schwalbe dagegen ist ein Zugvogel, der den Winter im warmen Süden zubringt. Aber beide haben ein Nest, einen Ort der Ruhe. Er befand sich nicht beim Brandopferaltar, wo nichts anderes war, als Blut und Feuer und Rauch - bestimmt kein günstiger Platz, um ein Nest zu bauen. Zum goldenen Räucheraltar im Heiligen war der Zugang mit einem Vorhang abgeschlossen. Zudem hätte es kein Priester geduldet, dass Vogelnester bei den heiligen Altären Gottes gebaut worden wären.
Dieser Psalm will uns lehren: So wie es für die hin und her ziehenden und umherschweifenden Vögel einen Ort gibt, wo sie in einem Nest Ruhe finden, so gibt es einen Ort, wo der Mensch für seine Seele Ruhe finden kann. Das ist bei «deinen Altären, Jehova der Heerscharen».
Nicht umsonst stehen sie hier in der Mehrzahl: Altäre. Beim ehernen Brandopferaltar sehen wir, wie das Opfertier geschlachtet und geopfert wurde. Dieses spricht vom Erlösungswerk, das der Herr Jesus am Kreuz vollbracht hat. Auf dem goldenen Räucheraltar im Heiligen wurde Weihrauch verbrannt, zum lieblichen Wohlgeruch vor Gott. Er spricht von der Herrlichkeit Christi, der nun im Heiligtum droben unsere Anbetung und Gebete vor Gott angenehm macht. Unsere Seele findet bei Ihm vollkommene Ruhe, Ruhe für das Gewissen durch gläubige Annahme dessen, was Er für uns getan hat, und Ruhe für das Herz, durch die Erkenntnis dessen, was Er für uns ist.
Wenn wir nun die kleinen Vögel umherfliegen sehen, werden wir daran erinnert, dass Gott sie ein Haus finden lässt. «Selbst der Sperling hat ein Haus gefunden…»
Und wir, unruhige Umherirrende, die wir sind, hat Er Ruhe finden lassen bei unserem Altar: bei Christus. Augustinus hat gesagt: Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir. In der Person und im Werk Christi findet die Seele die wahre Ruhe.
Selger Ruhort! - Süsser Friede
füllet meine Seele jetzt.
Da, wo Gott mit Wonne ruhet,
bin auch ich in Ruh gesetzt.
«Ich … bin wie ein einsamer Vogel auf dem Dache» (Psalm 102,7)
In andern Übersetzungen ist dieses Wort «Vogel» mit «Sperling» übersetzt. Sperlinge sind Vögel, die man selten allein sieht. Sie schweifen in Gruppen herum; sie lieben Gesellschaft. Oft wird einer weggejagt, von der übrigen Schar ausgestossen. Ein trauriger Anblick, einen solchen Vogel einsam auf dem Dach sitzen zu sehen, ausgeschlossen aus dem geselligen Kreis der zwitschernden Artgenossen.
Wer vergleicht sich mit einem einsamen Vogel auf dem Dache? Psalm 102 ist das Gebet eines Elenden, oder besser des Elenden (Unterdrückten). Elend und unterdrückt sind heute gar viele. Aber nur einer kann der Elende genannt werden. Der Psalmist, der seine Klage vor Jehova ausschüttet, gibt den schmerzlichen Gefühlen des Elends und der Einsamkeit Ausdruck, unter denen Christus gelitten hat. Unser anbetungswürdiger Herr war dieser Elende und glich dem einsamen Vogel auf dem Dache. Er hat schwerste Leiden erduldet, und Er war allein. Seine Freunde hatten Ihn verlassen, und Gott hat Ihn verlassen müssen ... Wie ein einsamer Vogel «Entfremdet bin ich meinen Brüdern, und ein Fremdling geworden den Söhnen meiner Mutter ... Ich habe auf Mitleiden gewartet, und da war keines, und auf Tröster, und ich habe keine gefunden» (Psalm 69,8 und 20).
«Du sahst umher nach Mitleid und nach Liebe.
Ob wohl ein Mensch dein tiefes Weh empfand
und bis zum Tode tröstend bei Dir bliebe?
Ach, dass dein Herz nicht solchen Tröster fand!»
Einsam und allein hing unser Heiland am Kreuz. Der einsame Vogel, der Verstossene, ist ein Bild aus der Natur. Es lässt uns die Gefühle, die der grosse Einsame um unsertwillen empfinden musste, ein wenig mitempfinden.
Vielleicht kommst du dir manchmal auch als ein einsamer Vogel vor. Schaue dann zum Herrn Jesus empor. Er hat diese Prüfung durchgemacht, sie war für Ihn unendlich schwerer, als du sie je erleben wirst. Er versteht dein Herzeleid. Und Er lässt dich nie im Stich. Als unser barmherziger Hoherpriester trägt Er uns auf seinen Schultern, auf seiner Brust. Wir können einsam sein unter den Menschen, und sind doch nicht allein.
«Wie der Sperling hin und her flattert - so ist ein unverdienter Fluch: er trifft nicht ein» (Spr. 26,2)
Ein Sperling kann sich am Futter gütlich tun, das du hinstreust, aber er bleibt nicht, er flattert wieder weg. Plötzlich sieht man ihn nicht mehr. Dieses Wegflattern eines Sperlings wird als Bild für einen unverdienten Fluch gebraucht: er erreicht das Ziel nicht; er verschwindet und ist weg. Ein unverdienter Fluch ist eine Verfluchung, die jemand ohne gültigen Grund gegen uns ausspricht. Wir mögen befürchten, dass ein solcher Fluch Unheil über uns bringe. Aber Gottes Wort lehrt uns hier, dass er nicht eintrifft. Er verschwindet und ist weg, wie ein Sperling. Ein unbegründeter Fluch kann uns nicht schaden.
Vor Jahren sprach ich mit einem jungen Mann, der den Herrn Jesus als seinen Heiland angenommen und der Religion seiner Väter den Rücken zugekehrt hatte. Sein fanatischer Vater wurde hierüber so böse, dass er ihm die Tür wies und ihn verfluchte. Der junge Gläubige wurde durch diesen Bibelvers ermuntert. Der Fluch wird ihm nicht schaden, weil er völlig unbegründet ist. Wenn jemand Frieden mit Gott hat, durch den Glauben an den Herrn Jesus, ist das alles andere als ein Grund, um ihn zu verfluchen. Das ist im Gegenteil der grösste Segen, den ein Mensch bekommen kann. Wir sind gesegnet mit allen geistlichen Segnungen in den himmlischen Örtern in Christo. Nun kann uns kein Fluch mehr treffen. Gott kann diesen sogar in einen Segen verwandeln (vergl. 5.Mose 23,5).
Als Gott im 16. Jahrhundert Martin Luther und andere gebrauchte, um die Wahrheit von der Rechtfertigung aus Glauben wieder bekannt zu machen, organisierte die Römisch-katholische Kirche die Gegen-Reformation. Auf dem damals gehaltenen Konzil von Trient hat man wiederholt den Fluch ausgesprochen über alle, die glauben und lehren, dass man durch Glauben allein errettet werde, ohne Werke. Noch immer handhabt diese Kirche jene Beschlüsse, diese Verfluchung. Alle evangelischen Christen fallen also unter diesen Fluch. Aber er berührt uns absolut nicht! Denn der Fluch ist durchaus unverdient.
Wenn wir einen Sperling wegflattern sehen, dürfen wir daran denken, dass wir, statt verflucht, gesegnet sind.
Wer kann mir rauben
das selige Los,
das mich dort oben
erwartet bei Gott?
«Ihr seid vorzüglicher als viele Sperlinge» (Matth. 10,29-31; Luk. 12,6.7)
Der Herr Jesus hat bei Anlass der Aussendung von zwölf Jüngern über Sperlinge gesprochen. Sie würden manches zu leiden haben im Dienste ihres Meisters, aber sie brauchten sich nicht zu fürchten. Um dieses «fürchtet euch nicht» zu unterstreichen und zu illustrieren, wies der Herr sie auf die liebevolle Fürsorge Gottes, des Vaters, für jeden kleinen, beinahe wertlosen Sperling hin. Für einen Pfennig, eine Münze von ganz geringem Wert, konnte man zwei Sperlinge kaufen. Ein solcher Spatz ist also so gut wie nichts wert. Das wird noch deutlicher beim Vergleich von Matthäus 10,29 mit Lukas 12,6. Bekommt man für einen Pfennig zwei Sperlinge, dann kann man für zwei Pfennige vier Sperlinge kaufen. Das lernten wir schon in der ersten Klasse. Aber der Herr sagt: «Werden nicht fünf Sperlinge um zwei Pfennige verkauft?» Scheinbar gab der Händler noch einen Sperling gratis dazu. So wenig wert hat ein solches Vögelchen - für den Menschen. Aber der allmächtige Gott kümmert sich um das eine, unbedeutende, unnütze Vögelchen! «Nicht einer von ihnen ist vor Gott vergessen.»
Wenn du einmal meinst, Gott habe dich vergessen, betrachte dann den unbesorgten Sperling. Solange Er diesen unterhält, trägt Er sicher auch Fürsorge für dich. Denn du bist vorzüglicher als viele Sperlinge. Was Gott für Tiere nicht tat, hat Er für uns getan. Nicht für Sperlinge, sondern für Menschen gab Er seinen eingeborenen Sohn dahin. So lieb hat Er uns!
Jeder geringe, umherfliegende Sperling ist für uns ein Zeichen, dass unser Vater über uns wacht, mit der teil nehmenden Fürsorge seines liebevollen Vaterherzens.