Winke und Anregungen zum Bibelstudium
Halte fest Jahrgang 1978 - Seite: 44 - Verfasser: R. K. C.
Übersicht
1. Das tägliche Bibellesen
2. Einprägen und auswendig lernen
3. Überblicke und Umrisse
4. Themastudien
5. Detailstudien (Analytische Studien)
6. Studium besonderer Gegenstände
7. Biographische Studien
8. Das Studium der Vorbilder
9. Studien über die verschiedenen Haushaltungen (Verwaltungen)
Studium ist nötig
Wenn wir die Bibel verstehen und ihren Inhalt aufnehmen wollen, müssen wir sie sorgfältig und systematisch erforschen. Ein nur gelegentliches, zielloses Lesen der Schrift bringt dem Leser keinen grossen Nutzen. Nur lesen und nicht darüber nachdenken kann schlecht als Studium bezeichnet werden und bringt einen auch nicht weiter.
Studium heisst, unsere Gedanken auf einen Gegenstand richten, und uns mit Eifer dieser Sache widmen. Zum Studium gehört auch gründliches Nachdenken. Das gilt für jedes Fachgebiet. Wir Christen sollten niemals vergessen, dass die Bibel in ähnlicher Weise studiert werden muss, wenn wir ihre Lehren und Unterweisungen erfassen und verstehen wollen. Dennoch ist mehr als verstandesmässiges Studium nötig, um den Sinn und die Bedeutung der Heiligen Schriften zu verstehen.
In 2.Timotheus 2,15 ermahnt Paulus sein Kind im Glauben: «Befleissige dich, dich selbst Gott bewährt darzustellen als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht teilt.» Der Ausdruck «das Wort der Wahrheit recht teilen» schliesst die Notwendigkeit eines sorgfältigen Untersuchens des Wortes Gottes mit ein. Man muss mit der Bibel vertraut sein und ihren ganzen Anwendungsbereich verstehen, um dann ihre Wahrheiten in Bezug auf die Juden, die Nationen und die Versammlung Gottes recht zu teilen oder auseinander zu halten (1.Kor. 10,32). Man kann kein bewährter Arbeiter sein, wenn man die Gedanken Gottes, wie sie in seinem Wort offenbart sind, nicht kennt. Diese Erkenntnis erlangt man durch fleissiges Erforschen des Wortes unter Gebet und durch eifriges Praktizieren im persönlichen Leben.
Studium bedeutet, über eine Sache nachsinnen. Wir haben eine Anzahl Stellen in der Bibel, wo von nachsinnen über Gottes Wort und bedenken, was Er gesagt hat, die Rede ist. Paulus schrieb an Timotheus: «Bedenke dieses sorgfältig; lebe darin, auf dass deine Fortschritte alten offenbar seien.» (1.Tim. 4,15). Zudem wünschte er: «Halte an mit dem Vorlesen, mit dem Ermahnen, mit dem Lehren» (Vers 13). Und in seiner letzten Botschaft an sein geliebtes Kind im Glauben schrieb er, nachdem er ihm wichtige Wahrheiten und Anweisungen mitgeteilt hatte: «Bedenke was ich sage; denn der Herr wird dir Verständnis geben in allen Dingen» (2.Tim. 2,7). Diese Verse fordern uns auf, über Gottes Wort nachzusinnen, uns ihm zu widmen (siehe Fussnote 1.Tim. 4,13) und es zu bedenken. Nichts anderes als ein solches Studium wird echtes geistliches Wachstum und Verständnis im Worte Gottes hervorbringen.
In dem wunderbaren 119. Psalm spricht der Schreiber mehrere Male vom Sinnen über Gottes Vorschriften und Satzungen. «Über deine Vorschriften will ich sinnen und Acht haben auf deine Pfade» (V. 15). «Verständiger bin ich als alle meine Lehrer, denn deine Zeugnisse sind mein Sinnen» (V. 99). Die Folge ist Verständnis und geistliches Erfassungsvermögen.
Doch wir dürfen beim Studium von Gottes Offenbarung der Wahrheit nicht bei den Übungen des Verstandes und des Herzens stehen bleiben. Der Psalmist fährt fort und sagt: «Mehr Einsicht habe ich als die Alten, denn deine Vorschriften habe ich bewahrt» (V. 100). Wenn wir nach den Satzungen Gottes handeln und das, was wir durch das Studium seiner Gedanken und seines Willens gelernt haben, praktisch au sieben, werden wir wachsen in der Erkenntnis. Wir besitzen dann nicht nur theoretisches Kopfwissen, sondern Erkenntnis, die sich auf praktische Erfahrung gründet.
Absolut notwendige Voraussetzungen
Bevor wir dazu übergehen, Anregungen zur Art und Weise des Bibelstudiums zu geben, müssen wir ein paar Bemerkungen über das machen, was wahrem Bibelstudium durchaus vorausgehen muss.
1. Busse und Wiedergeburt sind unbedingt notwendig, wenn wir Gottes Gedanken, wie sie uns in seinem Wort offenbart sind, erfassen wollen, denn «die Gesinnung des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie vermag es auch nicht» (Röm. 8,7). Ein unbekehrter Mensch ist «verfinstert am Verstande, entfremdet dem Leben Gottes» (Eph. 4,18). Satan hat sein Herz verblendet. «Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird» (1.Kor. 2,14). Der scharfsinnigste und intelligenteste Mensch ist, solange er nicht wiedergeboren ist, vollkommen blind in Bezug auf die Bedeutung der Schriften.
Kein Grad von Bildung kann dem, der «in Feindschaft wider Gott» lebt, Verständnis über die Bibel geben. Zuerst muss «die Busse zu Gott und der Glaube an unseren Herrn Jesus Christus» (Apg. 20,21) vorhanden sein und ein erneuerndes Werk des Heiligen Geistes in der Seele geschehen, bevor die Dinge Gottes aufgenommen werden können. Das heisst nun nicht, dass man die Ungläubigen nicht dazu anregen sollte, das Wort zu lesen oder zu hören. «Die Eröffnung deines Wortes erleuchtet», und die Wiedergeburt erfolgt durch das Wort und den Heiligen Geist (Ps. 11 9,130; 1.Petr. 1,23). Nichtsdestoweniger kann nur der Wiedergeborene die Bibel verstehen, d.h. das was über die Anfangswahrheiten des Evangeliums hinausgeht.
2. Wir müssen uns daran erinnern, dass der Heilige Geist der Verfasser der Schriften ist. Nur Er kann der Seele deren Bedeutung übermitteln. Diese göttliche Person wohnt in jedem Gläubigen, um ihn in die ganze Wahrheit zu leiten (Joh. 14,17; 16,13-15). Er erleuchtet den Verstand und das Herz der Kinder Gottes und führt uns ein in die Dinge Christi und in die Schönheiten und Vollkommenheiten des unbegrenzten Wortes Gottes.
Keine Methode des Bibelstudiums kann die Leitung des Heiligen Geistes bei der Untersuchung der Schriften ersetzen. Jede noch so vollkommene Hilfe für das Bibelstudium ist wertlos, wenn sie unabhängig vom Heiligen Geist angewandt wird. Er allein kann uns den Schlüssel zur Einteilung der Bibel schenken und uns Schritt für Schritt in die Erkenntnis ihres grossen Planes leiten. Aber der Geist benützt menschliche Werkzeuge, um seine Weisheit mitzuteilen und den Kindern Gottes im Verstehen des Wortes zu helfen. Doch wollen wir die herrliche Tatsache der Innewohnung des Heiligen Geistes in jedem Gläubigen nie aus den Augen verlieren. Er allein ist zuständig, uns in das Wort zu führen. Er hat es inspiriert; Er ist auch der grosse Lehrer, der es erklärt.
3. Möchten wir auch nicht vergessen, dass unser Studium in einem Geist der Ehrfurcht, des Gebetes und der Abhängigkeit von Gott erfolgen sollte. Jede Unabhängigkeit und jedes Vertrauen auf menschliche Weisheit muss weggetan werden. Unsere eigene Unwissenheit über Gottes Wort sollte uns ins Gebet vor Den treiben, der gesagt hat: «Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er von Gott, der allen willig gibt und nichts vorwirft, und sie wird ihm gegeben werden» (Jak. 1,5).
Gebet und das Wort Gottes sind in der Schrift miteinander verbunden und wir dürfen sie nicht trennen. Die Zwölfe sagten: «Wir aber werden im Gebet und im Dienst des Wortes verharren» (Apg. 6,4). Nach der Erwähnung des sechsten Stückes der Waffenrüstung des Christen - «das Schwert des Geistes, welches Gottes Wort ist» - ermahnt Paulus: «zu aller Zeit betend mit allem Gebet» (Eph. 6,17.18). Dem Timotheus schreibt der gleiche Apostel: «Jedes Geschöpf Gottes ist gut ... wenn es mit Danksagung genommen wird; denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und Gebet.»
Lasst uns also unser Studium in Verbindung mit Gebet betreiben. Wir meinen dabei nicht, dass man jedes Mal zuerst beten und dann über das Wort nachdenken soll und umgekehrt, obwohl auch das gut ist. Wir denken mehr an die Notwendigkeit, unser Studium in einem Geist des Gebets, im Bewusstsein unserer eigenen Unfähigkeit und ohne Selbstvertrauen, aber in Abhängigkeit von Gott, auszuüben. Unsere Haltung sollte mit der des Psalmisten übereinstimmen: «Öffne meine Augen, damit ich Wunder schaue in deinem Gesetz!» (Ps. 119.18). Das bewahrt uns vor nur verstandesmässigem Wissen und Formalismus und erhält die Seele frisch und in Gemeinschaft mit Gott. Es besteht immer die Gefahr, dass wir Wahrheiten festhalten ohne in Gemeinschaft mit Gott zu leben oder Wahrheiten weitergeben, die wir selbst nicht erfahren haben. Nur ein Studium in Gemeinschaft mit Gott ist wirklich von Nutzen.
Wenn wir das Wort aufschlagen, finden wir es oft mühsam, unsere Gedanken zu sammeln und sie auf den vor uns liegenden Abschnitt oder Gegenstand zu richten. Wäre es nicht gut, den Herrn zu bitten, dass Er uns hilft, unsere Aufmerksamkeit auf unser Studium zu richten? Vielleicht begegnen uns gerade am Anfang einige schwierige Punkte. Wir wollen Ihn bitten, sie uns zu erklären. Wenn wir so durch unser Studium gehen, wird die Verbindung zwischen Nachdenken und Gebet gesegnete Folgen haben.
1. Das tägliche Bibellesen
Von all den verschiedenen Möglichkeiten, die Bibel zu studieren, steht das regelmässige, tägliche Lesen der Bibel an erster Stelle. Während unseres ganzen Lebens sollten wir immer wieder die ganze Schrift von 1.Mose bis Offenbarung durchlesen. Die absolute Notwendigkeit, unser Herz und Sinn vom Wortlaut der Bibel gründlich durchdringen zu lassen, kann nicht genug betont werden. Es kann durch nichts ersetzt werden. Auf dieser Grundlage muss jedes folgende Detailstudium ruhen. Wenn dieses Fundament zuwenig breit und tief ist, wird das darauf Aufgebaute, mag es noch so gross und wunderbar aussehen, keine genügende Standfestigkeit aufweisen.
Es ist nötig, dass wir die ganze Bibel immer wieder durchlesen. Das gibt uns eine vollkommene und ausgewogene Kenntnis der Gedanken Gottes, wie sie in seinem Wort offenbart sind. Es bewahrt uns vor einseitigen, extremen Ansichten. Nur einige bevorzugte Teile des Wortes immer wieder zu lesen und andere überhaupt nicht, ist keine gute Gewohnheit. «Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre» (2.Tim. 3,16) und darum sollten wir die ganze Bibel durchlesen.
In jeder christlichen Familie sollte mindestens einmal am Tag das Wort gemeinsam gelesen und zusammen gebetet werden. Daneben ist es empfehlenswert, dass jeder persönlich für sich mindestens ein Kapitel pro Tag liest. Das persönliche Lesen und Studieren des Wortes ist ausserordentlich wichtig. Es geht nichts über das persönliche Erforschen der Schrift, um mit eigenen Augen zu sehen, was Gott gesagt hat.
Am besten beginnt man beim Lesen mit den Evangelien und fährt fort mit dem Neuen Testament, um anschliessend auch das Alte Testament zu lesen. Das Alte Testament ist im Neuen offenbart und das Neue liegt im Alten verborgen. Liest man täglich ein Kapitel, benötigt man ungefähr drei Jahre, um die ganze Bibel durchzulesen. Kann man drei Kapitel pro Tag lesen, kommt man in einem Jahr durch die ganze Bibel.
Um ein gewöhnliches Kapitel aufmerksam zu lesen, benötigt man nicht mehr als zehn Minuten. Auch wenn unser Leben noch so ausgefüllt ist, soviel Zeit finden wir sicher für diese nötige geistliche Übung. Wer mehr freie Zeit hat und eine halbe Stunde pro Tag dem Lesen der Bibel widmen kann, wird nach einem Jahr durch die ganze Bibel gekommen sein. Wie wichtig ist es, dass wir den Herrn ehren, indem wir täglich einen Teil unserer Zeit Ihm reservieren. Wie viel Zeit der 24 Stunden unseres Tages können wir Ihm geben, um auf seine Stimme in seinem Wort zu hören? Wie schade, wenn es nicht einmal zehn Minuten sind!
Regelmässigkeit und eine feste Ordnung sind beim täglichen Bibellesen erforderlich. Wir sind Gewohnheitsmenschen. Haben wir im Herzen den festen Vorsatz gefasst, täglich ein Kapitel zu lesen, wird es nicht mehr schwierig sein, diesen Plan auszuführen. Das Lesen des Wortes wird zu einer täglichen, gewohnheitsmässigen geistlichen Übung und wird zu einem festen Bestandteil unseres täglichen Lebens. Es sollte zu einer so regelmässigen und festen Sache werden, wie unsere Mahlzeiten.
Es ist von Vorteil, wenn wir am Morgen, solange unser Geist noch frisch und aufnahmefähig ist, einige Minuten dem Lesen der Schrift widmen. Das gibt unserem Geist einen guten Start in den neuen Tag und stärkt den neuen Menschen in uns für all die Belastungen und Spannungen unseres Lebens in einer gottfeindlichen Welt. Wie der Israelit das Manna jeden Morgen (ausgenommen am Sabbat), bevor die Sonne heiss wurde, einsammeln musste (2.Mose 16,21), so sollten auch wir unser tägliches Teil aus dem Worte Gottes schöpfen, bevor die Hitze unseres Tagewerkes über uns kommt.
Es ist bestimmt auch eine gute Übung, wenn man täglich im Neuen und Alten Testament liest, z.B. am Morgen im Neuen und abends im Alten.
Den Überblick gewinnen
Wenn es die Zeit erlaubt, ist es gut, ein ganzes Buch der Bibel auf einmal durchzulesen. Dadurch bekommt man einen guten allgemeinen Eindruck über dessen Inhalt. Man könnte dies mit einer schnellen Reise durch einen Landesteil vergleichen, auf der wir eine ziemlich gute Vorstellung der allgemeinen Merkmale dieser Gegend bekommen. Ein solch «quantitatives Lesen» hat den Zweck, uns einzuführen und uns den Hauptgedanken zu zeigen, den der Heilige Geist in diesem bestimmten Buch verfolgt. Das ist eine Vorbereitung für ein späteres Detailstudium.
Das Markus-Evangelium z.B. lässt sich gut in einem einzigen Zug durchlesen und dabei werden die Kennzeichen dieses Evangeliums wahrgenommen. In der gleichen Art und Weise können wir auch durch die Briefe und einzelne der Propheten gehen.
Die Sicht durch das Fernrohr und das Mikroskop
In der Natur gibt es zwei Möglichkeiten, die Dinge zu betrachten. Mit einem Teleskop können wir in die Ferne blicken, die Sterne des Himmels betrachten, oder die Berge, Täler und Ortschaften. Dabei bekommen wir eine sehr weite Sicht über die Schöpfung. Wir können aber auch durch ein Mikroskop sehen und die Schönheiten und Vollkommenheiten der winzigen Lebewesen aus unserer Umwelt bewundern, die dem blossen Auge unsichtbar sind. Genauso können wir auch die Bibel untersuchen. Das quantitative Lesen, das wir soeben erwähnten, gleicht einer Betrachtung durch das Fernrohr, wobei der Leser einen allgemeinen Überblick über die einzelnen Teile erlangt. Es ist ausserordentlich wichtig, dass der gläubige Bibelleser in seinem Geist eine gute Übersicht über das Panorama der biblischen Wahrheiten besitzt. Denn diese Erkenntnis hilft ihm, stets eine klare Sicht zu bewahren.
Bei der mikroskopischen Betrachtung wird jeder Teil eines Schriftabschnittes sorgfältig untersucht. Auf diese Weise entdecken wir Schönheiten und Vollkommenheiten in den kleinsten Einzelheiten. Diese Art von Studium ist ebenso nötig und nützlich. Wir werden später noch darauf zurückkommen.
Die erwähnten zwei Wege, um die Bibel zu studieren, können noch durch ein weiteres Beispiel erläutert werden. Um die Lage und die Besonderheiten einer Stadt kennenzulernen, wird man zuerst einen Hügel in deren Nähe besteigen und die Stadt als Ganzes von oben betrachten. Nachdem man die allgemeinen Merkmale festgestellt hat, wird man durch die Strassen der einzelnen Stadtteile gehen und im Einzelnen die verschiedenartigen und besonderen Kennzeichen besichtigen.
Notizen und Anmerkungen
Zu unserem Gegenstand, dem täglichen Bibellesen, noch einige Gedanken über Notizen und Anmerkungen in unserer Bibel oder in einem Notizbuch von dem, was uns beim Lesen beeindruckt hat. Z.B. können uns besonders schöne oder passende Sätze auffallen. Durch einen Strich an der Seite oder durch Unterstreichen kennzeichnen wir sie. Besonders wichtige oder sich wiederholende Ausdrücke heben wir durch Unterstreichen hervor. Beim Lesen kommen uns vielleicht Stellen in den Sinn, die mit dem vor uns liegenden Gegenstand in Verbindung stehen. Solche können wir uns am Seitenrand notieren. Es ist gut, wenn jeder lernt, Parallelstellen anzugeben, die den gelesenen Text erläutern. Oft kommen einem beim Lesen spezielle Gedanken, der Heilige Geist weckt gewisse Eindrücke. Diese können entweder am Seitenrand der Bibel oder in ein Notizbuch eingetragen werden. Viele wertvolle Dinge würden unserem Gedächtnis entschwinden, wenn wir sie nicht niederschrieben.
Anmerkungen und Stellenangaben sollten mit feiner Feder oder feiner Kugelschreiberspitze gemacht werden, damit sie auch nach Jahren noch lesbar sind. Bleistiftnotizen verblassen mit der Zeit. Es besteht auch die Möglichkeit der Verwendung verschiedener Farben beim Unterstreichen, z.B. rot für Erlösung, blau für himmlische Wahrheiten, schwarz für Sünde, usw.
2. Einprägen und auswendig lernen
In Verbindung mit dem täglichen Bibellesen ist es sehr wichtig, dass man sich gewisse Verse einprägt und auswendig lernt. Manche denken vielleicht, das sei etwas für Sonntagsschüler. Wir wünschten, dass Jugendliche und Erwachsene geradeso wie Kinder das Vorrecht dieser wertvollen Übung für sich in Anspruch nähmen. Ja, wir möchten die Notwendigkeit für alle betonen, die wachsen wollen in der Erkenntnis des Wortes Gottes und des Herrn Jesus und nützlich sein möchten in seinem Dienst.
Eine Schatzkammer der Wahrheit
Einer, der sich Bibelverse ins Gedächtnis eingeprägt hat, besitzt ein Lager guter Waffen gleich zur Hand, um dem Feind zu begegnen, eine Notration geistlicher Nahrung zu gegebener Zeit, Erfrischung für den müden Gläubigen oder den bedürftigen Sünder. Wenn jemand einen reichlichen Vorrat verschiedener Teile aus Gottes Wort in sein Gedächtnis eingeprägt hat und in Gemeinschaft mit dem Herrn bleibt, wird er um ein Wort der Warnung gegenüber einem leichtsinnigen Spötter nicht verlegen sein. Er wird auch ohne Schwierigkeiten einen Bibelvers zur Hand haben, der einer ängstlichen Seele Sicherheit gibt.
Der Geist Gottes wird uns den einen oder andern Vers, den wir uns gemerkt haben, wieder in Erinnerung rufen, so dass wir ihn richtig zitieren können. Aber Er kann uns nicht an das erinnern, was uns nicht geläufig ist. Je vertrauter wir mit Abschnitten der Schrift sind, um so mehr sind wir in der Lage, andere darauf aufmerksam zu machen. Hier kommt der grosse Vorteil der auswendig gelernten Bibelstellen zum Zug. Alles, was in Bezug auf das Wort Gottes in unseren Gedanken und im Gedächtnis vorhanden ist, schafft dem Heiligen Geist Möglichkeiten uns und andere zu segnen.
Unser Herr verwahrte das Wort Gottes in seinem Herzen. Als Er von Satan in der Wüste versucht wurde, konnte Er Stellen aus dem 5. Buch Mose zitieren, - Er hat sie bestimmt nicht abgelesen - und ihn damit besiegen. Er antwortete auch den Einwänden der Pharisäer und Schriftgelehrten mit dem Wort Gottes aus seinem Herzen. «In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, auf dass ich nicht wider dich sündige» (Psalm 119,11). Es ist gut, das Wort Gottes in unseren Händen zu halten, aber noch besser, es auch im Sinn und im Herzen zu haben.
Es wurde schon gesagt, dass wenn wir jeden Tag einen Vers auswendig lernten, wir uns die ganze Bibel im Lauf von 25 Jahren einprägen würden. Was für einen reichen Vorrat hätten wir im Alter von 35 Jahren in unserem Gedächtnis und in unserem Herzen angelegt, wenn wir im Alter von 10 damit begännen!
Wir möchten darum besonders die jungen Gläubigen ermuntern, die Heilige Schrift systematisch auswendig zu lernen. Tut es jetzt, solange euer Herz noch jung, euer Gedächtnis noch aufnahmefähig ist, das Lernen noch leicht geht und die Wirkung dauerhafter ist.
Das Gedächtnis üben
Einige mögen sagen, sie seien eben vergesslich und könnten sich die Dinge schlecht merken. Ja, es gibt solche, die mit einem besseren Gedächtnis begabt sind, als andere. Aber es ist ebenso wahr, dass nichts eine Kraft so sehr schwächt, als wenn man sie vernachlässigt. Wenn gewissen Gliedern unseres Körpers die Bewegung fehlt, bilden sie sich zurück und werden schwach. Genauso verhält es sich mit der Merkfähigkeit und dem Erinnerungsvermögen unseres Gedächtnisses. Je mehr sie geübt werden, um so stärker werden sie, und je mehr wir sie vernachlässigen, desto schwächer werden sie.
Wenn wir unser Gedächtnis und unser Herz mit kurzen Texten der Schrift üben, ist dies eine gute geistliche Tätigkeit, die das Wachstum auf geistlichem und physischem Gebiet fördert. Vielleicht ist unser Gedächtnis schwach geworden, weil wir es lange Zeit nicht gebraucht haben. Das Gedächtnis möchte, dass wir uns darauf verlassen. Wenn wir ihm unser Vertrauen dadurch beweisen, dass wir es auf die Probe stellen, werden wir entdecken, dass es erstaunliche Fortschritte macht. Nimm einen Vers, präge ihn während des Tages immer wieder ein und sieh, ob du am nächsten Tag den grössten Teil davon noch weisst.
Das mehrmalige Wiederholen oder Abschreiben eines Verses hilft, ihn sich einzuprägen. Der Psalmist deutet noch eine andere Hilfe an, um sich das Wort Gottes zu merken: «An deinen Satzungen habe ich meine Wonne; deines Wortes werde ich nicht vergessen'(Psalm 119,16). Dinge, die uns Freude machen und die uns interessieren, werden wir leichter behalten, aber solche, die uns weniger ansprechen eher vergessen.
Wir möchten auch die ermuntern, die schon vorgerückt sind im Alter und die Übung des Auswendiglernens schwierig finden. Vielleicht ist der Anfang' etwas schwerer, aber Übung wird auch euer Gedächtnis noch erweitern, vor allem, wenn es durch Nichtgebrauch schwach geworden ist. Alter schwächt das Gedächtnis nicht so stark, dass wir ihm keine Bibelverse mehr anvertrauen könnten.
Anfang und Fortsetzung
Das Wichtige ist, den Anfang zu machen. Lerne einen Vers und fahre auf diesem Weg mit dem nächsten fort. Nehmen wir an, du beginnst mit dem wunderbaren ersten Kapitel des Johannes-Evangeliums und lernst einen oder zwei Verse pro Tag. Jeden Morgen wiederholst du den des Vortages und lernst einen weiteren dazu. Bald wirst du das ganze Kapitel in dein Gedächtnis übertragen haben. Wenn du das gemeistert hast, prüfe es laut nach in einer stillen Stunde, z.B. am Sonntag oder auf einem Spaziergang. So werden die Worte noch fester in unseren Sinn eingebettet.
Wie wunderbar ist es, Gottes Wort so in unseren Herzen bewahren zu können und es vor uns zu haben, wenn wir nachts wach liegen. Auf diese Weise wird uns sein Wort kostbarer. Versuche es doch einmal!
Man könnte dann in dieser Weise fortfahren und weitere Kapitel in Angriff nehmen. In einem Jahr und sechs Monaten hätten wir uns so das ganze Johannes-Evangelium eingeprägt. Wie gut wäre es, auch die Briefe des Apostels Paulus und andere auf diese Art in unser Gedächtnis zu übertragen. Was für reiche Schätze sammelten wir so in unser Herz und Sinn! Der eine denkt vielleicht, das sei eine zu umfangreiche Aufgabe, aber kleine Dinge regelmässig getan, bringen Grosses zustande.
Nimm dir nicht zu viel vor aufs Mal. Aber das, was du tust, führe sorgfältig und mit grösstmöglicher Regelmässigkeit durch. Fahre fort und du wirst staunen mit welcher Leichtigkeit du auf einmal auswendig lernst. Prüf das Gelernte nach, damit es frisch bleibt. So hast du dir eine Gewohnheit angeeignet, die für dein ganzes Leben von Nutzen sein kann.
Das Reisen, die Fahrt zum Arbeitsort und zurück, sind Gelegenheiten, um das Wort Gottes auswendig zu lernen. Das ist eine glückliche und nützliche Beschäftigung und bewahrt unseren Sinn vor dem Bösen und den Versuchungen um uns her.
Lasst uns beginnen, wenn wir es nicht schon getan haben, Bibelverse auswendig zu lernen und mit Gottes Gnade fortfahren zu seiner Ehre und zum Segen unserer Seelen und der Seelen anderer. Willst du nicht heute damit beginnen?
3. Überblicke und Umrisse
Nachdem wir uns fest vorgenommen haben, soweit es uns möglich ist, die Bibel von ganzem Herzen und unter Gebet zu studieren, sie nun regelmässig und systematisch lesen und uns täglich ein oder zwei Verse einprägen, sind wir auf dem Weg, den grossen, breiten Strom der göttlichen Wahrheit zu erforschen. Die verschiedenen Teile der Bibel werden uns nun geläufiger. Eine Fülle von Material liegt bereit, damit wir beginnen können, die Übersicht über einzelne Kapitel und Bücher der Schrift zu gewinnen.
Früher erwähnten wir zwei Betrachtungsweisen beim Bibelstudium, die teleskopische und die mikroskopische - der allgemeine Überblick und die Detailuntersuchung. Wir glauben, dass es gut ist, das Wort zuerst allgemein zu studieren und dabei Abrisse von Kapiteln und Büchern zu machen. Diese sollten sich gut in unser Verständnis einprägen. Auch bei dieser Arbeit sind Schreibzeug und Notizbuch von grossem Nutzen: Das Gefundene bleibt uns erhalten.
Kurze Inhaltsangabe des Römerbriefes
Wir wollen als Beispiel für diese Art des Betrachtens versuchen, einen kurzen Überblick über den Brief an die Römer zu geben. Zuerst werden wir einige Kapitel durchgehen und die darin enthaltenen Hauptgedanken festhalten.
Kapitel 1
Beim Lesen dieses Abschnittes stellen wir fest, dass die ersten 17 Verse die Anrede und eine Einleitung enthalten. Die Verse 16 und 17 scheinen sehr wichtig zu sein. Wenn wir den ganzen Brief mehr als einmal durchgelesen haben und er uns vertraut geworden ist, werden wir feststellen, dass die genannten beiden Verse eigentlich das Thema des ganzen Buches beinhalten: Das Evangelium Gottes und seine Gerechtigkeit, wie sie dem Glauben offenbart ist. Im 18. Vers beginnt der Kern des Briefes. Da lesen wir vom Zorn Gottes gegen alle Gottlosigkeit. Der Rest des Kapitels handelt von den Sünden der sogenannten Heiden und von ihrem Abfall von der einstigen Erkenntnis Gottes bis zu den niedrigsten Auswüchsen der Sünde. Vers 18 ist also die Überschrift dieses ersten Teiles, der, wie wir noch sehen werden, in den Kapiteln 2 und 3 fortgesetzt wird.
Zusammenfassend können wir zu Kapitel 1 folgende Stichworte notieren: Verse 1-17, Anrede und Einleitung; Verse 16,17, Gegenstand des Briefes, Evangelium von Christus und Gerechtigkeit Gottes dem Glauben offenbart; Verse 18-32, erster Hauptteil des Briefes - der Zorn Gottes gegen die Gottlosigkeit und Sünden der abgefallenen und entarteten Heiden; Vers 18, Überschrift dieses Teiles.
Kapitel 2
Hier können wir notieren: Fortsetzung des Themas «Sünden»; Verse 1-16, die Sünden der zivilisierten Nationen, der Moralisten; Verse 17-29, die Sünden der religiösen Juden.
Kapitel 3
Verse 1-9, Fortsetzung der Behandlung der Sünden der Juden. Schlussfolgerung: Juden und Nationen unter der Sünde; Verse 10-18,14 Anklagen gegen das ganze Menschengeschlecht; Vers 19, Urteil: Das Gesetz stopft jeden Mund, die ganze Welt ist dem Gericht Gottes verfallen; Vers 20, Folgerung: durch Gesetzeswerke wird vor Gott niemand gerechtfertigt; Verse 21-31, Gottes Gerechtigkeit erlangt durch Glauben an Jesus Christus; Sühnung für die Sünden aller, die Glauben haben an sein Blut gerechtfertigt aus Glauben.
Kapitel 4
Gerechtigkeit aus Glauben erlangt, nicht aus Werken (Abraham und David als Beispiele). Gerechtigkeit achtmal erwähnt. Christus starb unserer Übertretungen wegen und wurde auferweckt zu unserer Rechtfertigung.
Kapitel 5
Verse 1-11, herrliches Ergebnis der Rechtfertigung aus Glauben: Friede mit Gott, Zugang zur Gnade, in der wir stehen, Hoffnung der Herrlichkeit Gottes, sich der Trübsal rühmen, die Liebe Gottes ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist, gerechtfertigt durch sein Blut, gerettet vom Zorn, mit Gott versöhnt, gerettet durch sein Leben droben, sich rühmen in Gott selbst.
Verse 12-21, neuer Teil - Gegenstand Sünde, nicht Sünden wie bisher. Zwei Geschlechter, zwei Häupter - Adam und Christus. Durch Adams Sünde kommt Tod und Gericht auf alle Menschen; durch den Gehorsam und die Gerechtigkeit Christi ist die Gabe der Gnade und Gerechtigkeit überströmend geworden gegen die Vielen und viele sind in die Stellung von Gerechten gesetzt. Gnade ist gegenüber der Sünde noch überschwänglicher geworden. «Gabe» fünfmal erwähnt.
Das ist ein Beispiel wie man die einzelnen Kapitel gewinnbringend durcharbeiten, zergliedern und das Entdeckte kurz zusammenfassen kann. Wir empfehlen unseren Lesern, alle Kapitel des Römerbriefes in dieser Weise zu durchforschen. Es wird eine gute geistliche Übung sein.
Übersicht über den Römerbrief
Nachdem wir durch den ganzen Brief gekommen sind und uns von jedem Kapitel eine Zusammenfassung gemacht haben, haben wir ein gutes Bild des Buches erhalten. Sein Inhalt ist uns jetzt viel vertrauter geworden. Wir sind nun in der Lage, das vorhandene Material zu ordnen und eine Übersicht zusammenzustellen.
Wenn wir die Zusammenfassungen der Kapitel betrachten und sie miteinander vergleichen, entdecken wir leicht, dass der Brief in drei Hauptteile zerfällt und zwar wie folgt:
- Kapitel 1-8 - Lehrmässiger Teil. Das Heil Gottes offenbart in Christus
- Kapitel 9-11 - Gottes Regierungswege. Erfüllung der Verheissungen Gottes an Israel. Sein Handeln mit Israel und den Nationen in Gnade
- Kapitel 12-16 - Praktische Ermahnungen
Nehmen wir nun den ersten Teil des Briefes, den lehrmässigen, der vielleicht der wichtigste ist. Wir erkennen darin eine natürliche Unterteilung.
- Kapitel 1,1-5,11: Das Evangelium in Beziehung zu unseren Sünden, oder zu dem, was ich getan habe
- Kapitel 5,12-8,39: Das Evangelium in Beziehung zur innewohnenden Sünde, oder zu dem, was ich bin
In der Folge wollen wir nun versuchen, aus dem Bisherigen einen Überblick über den ganzen Brief zusammenzustellen.
(Wir hoffen, dass unsere Leser diesen Überblick nicht einfach durchlesen, sondern selbst versuchen, aus den eigenen Kapitel-Zusammenfassungen eine Übersicht zusammenzutragen. Es wird dem Leser von grösserem Nutzen sein, als nur zu lesen, was ein anderer gesammelt hat.)
Ausführlicher Überblick:
I. | Kapitel 1-8 - Lehrmässiger Teil | |||
| A. | Kap. 1,1-5,11 - Das Evangelium in Beziehung zu unseren Sünden - was ich getan habe | ||
|
| 1. | Kap. 1,1-17 - Einleitung | |
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| a) | 1-15 - Einleitung |
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| b) | 16-17 - Gegenstand des Briefes: Gerechtigkeit Gottes dem Glauben offenbart |
|
| 2. | Kap. 1,18-3,20 - Die Notwendigkeit des Evangeliums | |
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|
| a) | 1,18-32 - Der Zorn Gottes gegen die Gottlosigkeit. Sünden der abgefallenen, primitiven Heiden |
|
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| b) | 2,1-16 - Sünden der zivilisierten Nationen |
|
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| c) | 2,17-3,9 - Sünden der religiösen Juden |
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| d) | 3,10-18 - 14 Anklagen gegen das ganze Menschengeschlecht |
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| e) | 3,19-20 - Das Urteil des Gesetzes: die ganze Welt ist dem Gericht Gottes verfallen |
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| 3. | Kap. 3,21-5,11 - Die Botschaft von Christus begegnet dem Bedürfnis des Menschen | |
|
|
| a) | 3,21-31 - Gottes Gerechtigkeit, ohne Gesetz offenbart in der Rechtfertigung des Sünders, der an den Herrn Jesus glaubt, den Gott als Sühnungsmittel gegeben hat. Gerechtfertigt aus Gnaden - Gottes Seite. Gerechtfertigt aus Glauben - Seite des Menschen |
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|
| b) | Zwei Naturen - das «Ich», das das Gute wünscht und das «Ich», das Böses tut - die Sünde in mir |
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| c) | Zwei Gesetze - das Gesetz des erneuerten Geistes, das sich am Gesetz Gottes erfreut und das Gesetz der Sünde |
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| d) | Die Befreiung vom Gesetz, von der alten Natur und dem Gesetz der Sünde findet sich in Christus |
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| 4. | Kap. 8 - Völlige Befreiung und vollständiger Sieg in Christus | |
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| a) | 1-4 - Keine Verdammnis in Christo Jesu |
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| b) | 5-27 - Der Geist Christi im Gläubigen als die befreiende Kraft |
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| c) | 28-34 - Gott für uns in jeder Hinsicht |
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| d) | 35-39 - Keine Trennung von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist |
II. | Kapitel 9-11 - Belehrungen über die Regierungswege Gottes. Erfüllung der Verheissungen Gottes an Israel. Sein Handeln mit Israel und den Nationen in Gnade | |||
| A. | Kap. 9 - Gottes Handeln mit Israel in der Vergangenheit, in auserwählender Gnade. Prophezeiungen hinsichtlich Berufung der Nationen | ||
| B. | Kap. 10 - Israel jetzt unwissend über die Gerechtigkeit aus Glauben und zur Eifersucht gereizt durch die glaubenden Nationen | ||
| C. | Kap. 11 - Gottes gegenwärtiges und zukünftiges Handeln mit Israel und den Nationen gemäss der Prophetie | ||
III. | Kapitel 12-16 - Ermahnungen zur praktischen Gerechtigkeit | |||
| A. | Kap. 12,1-15,7 - Der offenbarte Wille Gottes für den Wandel des Gläubigen | ||
|
| 1. | Kap. 12 - Ein Wandel in Hingabe und Absonderung, die Betätigung der Liebe im Dienst für einander | |
|
| 2. | Kap. 13 - Die Beziehung des Christen zu den irdischen Regierungsgewalten | |
|
| 3. | Kap. 14 - Grundsätze unseres Handelns untereinander - Christliche Freiheit, persönliches Gewissen und persönlicher Glaube | |
|
| 4. | Kap. 15,1-7 - Christus unser Vorbild. Schluss der Belehrungen des Briefes | |
| B. | Kap. 15,8-16,24 - Persönliche Umstände, Pläne und Grüsse des Apostels und derer bei ihm | ||
| C. | Kap. 16,25-27 - Lobpreis | ||
So sieht eine Übersicht über den herrlichen Brief an die Römer aus. Diese Aufstellung will an einem Beispiel zeigen, wie von jedem Buch der Bibel eine Übersicht erstellt werden kann. Zweifellos hat jeder Leser, der dieser Übung sorgfältig gefolgt ist, ein besseres Verständnis der Besonderheiten und Belehrungen dieses Briefes erlangt. Wenn wir uns die Hauptgedanken einer solchen Zusammenstellung einprägen, werden wir ein lebendiges Bild dieses Buches im Gedächtnis bewahren.
4. Themastudien
Ein interessantes und lohnendes Bibelstudium, ähnlich dem der Überblicke und Umrisse, mit dem wir uns im vorhergehenden Kapitel beschäftigt haben, ist folgendes: Ein Buch der Bibel durchgehen und den Hauptgedanken oder das hervorstechende Ereignis jedes Kapitels heraussuchen und sich dazu eine Überschrift zusammen mit ein oder zwei Kernversen notieren. Als Beispiel wollen wir im Johannes-Evangelium jedem Kapitel eine Überschrift geben und einen Schlüsselvers darin finden. Das Resultat eines solchen Vorgehens sähe etwa wie folgt aus:
Das Evangelium nach Johannes
Kapitel | Inhalt | Schlüsselvers |
1 | Das Anfangskapitel | 1 |
Diese Aufstellung ermöglicht es, auf einen Blick eine Skizze des Inhalts dieses wunderbaren Evangeliums vor Augen zu haben. Wir erhalten ein gutes Bild, das uns die wichtigen Punkte besser in unser Gedächtnis einprägt.
Eine gute Übung ist, gelegentlich in Gedanken durch das Evangelium zu gehen und zu versuchen, sich an die Hauptthemen der einzelnen Kapitel, entsprechend der Aufstellung, zu erinnern. Solche Studien und Übungen machen uns besser vertraut mit einem Buch der Bibel und befähigen uns, sogleich zu wissen, wo wir eine gewünschte Wahrheit suchen müssen. Wir können es mit der Notiznahme von Orientierungspunkten und allgemeinen Besonderheiten eines Landesteiles vergleichen. Dadurch kommen wir in die Lage, unsern Weg durch jeden Teil dieser Gegend leicht zu finden.
Auf die gleiche Art und Weise kann man durch andere Bücher der Bibel gehen und ähnliche Aufstellungen aufschreiben. Versuch es für dich selbst! Du wirst sehen, wie lohnend es ist.
Nachdem man ein Buch in der besprochenen Art kapitelweise durchgenommen hat, ist es von Vorteil, den markanten Gedanken, der sich durchs ganze Buch zieht oder das Thema des Buches, wie es in den einzelnen Teilen veranschaulicht ist, zu suchen. Im Johannes-Evangelium z.B. finden wir als Leitgedanke die Gottheit des Herrn Jesus Christus. Der Schlüsselvers des ganzen Buches, der uns zu diesem Gedanken führt, findet sich in Kapitel 20,31: «Diese aber sind geschrieben, auf dass ihr glaubet, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und auf dass ihr glaubend Leben habet in seinem Namen.»
Oft entdecken wir Worte oder Wendungen, die sich in einem Buch oft wiederholen. Das hilft uns, das Thema zu erkennen. Erlösung ist vorherrschend in 2.Mose, Opfer und Priester in 3.Mose, «mein Vater» im Evangelium nach Johannes, und «wir wissen» in seinem ersten Brief. «Freude» kommt öfters vor im Philipperbrief. Der Ausdruck «der Sohn des Menschen» findet sich hauptsächlich im Propheten Hesekiel und im Lukas-Evangelium. Schreibe dir die charakteristischen Worte und Ausdrücke beim Durchlesen eines Buches der Bibel auf.
5. Detailstudien (Analytische Studien)
In den Übersichtsstudien haben wir die Bibel durch das Fernrohr betrachtet. Wir wenden uns jetzt dem Studium der Einzelheiten, der mikroskopischen Betrachtung der Schrift zu. Analysieren bedeutet: genau untersuchen, ein Ganzes in seine verschiedenen Teile aufgliedern. Wir betrachten die Einzelheiten eines Abschnittes, indem wir jetzt jeden Ausdruck und jedes Wort für sich nehmen und versuchen, seinen Platz und seine Wichtigkeit innerhalb des Gegenstandes zu erkennen. Es mag nützlich sein, dies mit dem Auswendiglernen zu verbinden, indem wir über jedes Wort nachdenken, während wir uns den Vers einprägen.
Kolosser 1,1.2 Lasst uns als Beispiel einige Verse aus Kolosser 1 erwägen und versuchen, sie aufzugliedern.
Vers 1: «Paulus, Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen, und Timotheus, der Bruder». Wenn wir das erste Wort «Paulus» nehmen, denken wir an einen, der früher Saulus hiess, ein Hebräer, der Pharisäer war und einst ein bitterer Feind und Verfolger der Christen. Aber er wurde bekehrt und erhielt den Namen Paulus, was «der Kleine, der Geringe» bedeutet. Er ist jetzt ein «Apostel Christi Jesu». Wir mögen fragen: Was ist ein Apostel? Damit ist ein Gesandter mit einer besonderen Botschaft gemeint. Paulus wurde ausgesandt als ein spezieller Bote Jesu Christi, den er einst verfolgt hatte. Man kann auch die zwölf Apostel aus den Evangelien mit Paulus, dem besonderen Apostel der Versammlung vergleichen. Weiter bemerken wir, dass sein Apostelamt «durch Gottes Willen» ist. Das zeigt uns, wie der Dienst des Paulus einer göttlichen Quelle entsprang. Er empfing sein Apostelamt «nicht von Menschen, noch durch einen Menschen» (Gal. 1,1).
«Und Timotheus, der Bruder». Timotheus hatte sich mit Paulus im Schreiben dieses Briefes an die Kolosser verbunden. Wir mögen an seine Eltern und an seine Berufung in den Dienst mit dem Apostel (Apg. 16) denken, und ebenso an seine treue Mitarbeit mit Paulus, die an verschiedenen Stellen erwähnt wird. «Der Bruder» weist hin auf das wunderbare Verhältnis, das zwischen den Gläubigen besteht.
Vers 2 - «Den heiligen und treuen Brüdern in Christo, die in Kolossä sind: Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!» Hier hören wir, an wen dieser Brief gerichtet ist. «Die heiligen und treuen Brüder in Christo, die in Kolossä sind», umfasste alle dort lebenden Christen. Sie werden «heilig» genannt, was gleichbedeutend ist mit «Geheiligte». Die Gläubigen sind «Geheiligte in Christo Jesu, berufene Heilige» (1.Kor. 1,2). Das ist unsere Stellung vor Gott in Christo.
Dann folgt «treue Brüder in Christo». Zuerst sind wir Heilige, dann auch und deswegen treue Brüder. Es ist in Christo; dass wir treue Brüder sind. Wir sind mit Ihm nicht nur in der Gnade, die uns errettet hat, verbunden, sondern in dem, was in unserem Leben die Früchte des göttlichen Lebens hervorbringt. Gottes Wort setzt hier voraus, dass wir unserer Stellung entsprechen und dass wir wahrhaft treue Brüder sind. Das redet auch zu unserem Gewissen, damit wir uns der Notwendigkeit bewusst werden, mit dem Herrn voranzugehen und Ihm treu zu bleiben.
Wir sind «Brüder in Christo», eine grosse Familie in Ihm, Brüder und Schwestern im Herrn, und Gott ist unser Vater. Von Ihm und dem Herrn Jesus Christus empfangen wir Gnade und Friede. Was ist «Gnade»' und was ist «Friede»? In Verbindung mit diesen Worten werden viele Gedanken in uns aufsteigen. Und wenn wir an die Worte «dem Herrn Jesus Christus» denken, bemerken wir, dass dies sein voller Titel ist, den die Apostel Ihm in ihren Briefen immer geben. Das deutet an, dass auch wir es tun sollten. Dieser volle Titel sagt uns, dass der Mensch Jesus zum Herrn über alle und alles erhoben ist, und dass Er der Christus, der verheissene Messias des Alten Testamentes, der Gesalbte ist.
Wir haben nun diese zwei Verse sozusagen zerlegt und gefunden, dass sie folgende Gegenstände enthalten:
Absender | Empfänger |
Paulus | heilige und treue Brüder in Christo |
Diese Gegenstände können in zwei Gruppen aufgeteilt werden. Erstens solche, die mit den Absendern des Briefes verbunden sind und zweitens solche, die mit seinen Empfängern verknüpft sind.
Das gibt ein Bild von dem, was wir unter Detailstudien verstehen. Nachdem wir jeden Vers so aufgegliedert haben, können wir versuchen, ihn ungefähr in der oben vorgeschlagenen Art zusammenzustellen. Wenn wir so fortfahren, werden wir feststellen, dass nicht nur jeder Vers untersucht werden kann, sondern dass jeder ein Teil eines Abschnitts ist. So wird man wahrnehmen, dass die ersten zwei Verse des Kolosserbriefes als Gruss zusammengehören. In ähnlicher Weise bilden die Verse 3-8 eine Einleitung und die Verse 9-14 eine Gruppe, die das Gebet des Apostels für die Heiligen in Kolossä darstellt. Auf diese Weise kann das ganze Kapitel und der ganze Brief analysiert und in Abschnitte und Unterabschnitte geordnet werden. Am besten schreibt man das Ergebnis auf, damit es nicht verloren geht.
Detailstudien sind in jeder Hinsicht hilfreich. Sie ermöglichen es, über jedes Teil einzeln nachzusinnen und die verschiedenen Gedanken, die uns vorgestellt werden, zu erfassen. Sie werden auch die Verbindung zwischen den einzelnen Teilen oder Versen eines Kapitels und des Briefes als Ganzes aufzeigen. Wir werden Licht bekommen über das Vorgehen, das der Heilige Geist benützte, um den Apostel zu inspirieren, während er schrieb. Die Entwicklung der Lehre, die der Heilige Geist übermitteln wollte, wird durch ein solches Studium klarer erkannt. Möchten so alle Leser ermutigt werden, sich mit dem Studium der Einzelheiten des Wortes Gottes zu beschäftigen.
6. Studium besonderer Gegenstände
Nachdem wir die wichtigsten Punkte des Bibelstudiums verfolgt haben: Tägliches Bibellesen, einprägen und auswendig lernen, Überblicke und Umrisse sowie Detailstudien, können wir uns mit dem Studium besonderer Gegenstände der Heiligen Schrift beschäftigen. Dabei wird man einen Begriff wie z.B. «Sünde» oder «Versöhnung» wählen und durch die ganze Bibel gehen, indem man alles sammelt und ordnet, was man in der Schrift über diesen speziellen Gegenstand findet.
Man könnte solche Studien damit beginnen, dass man zuerst eine möglichst vollständige Liste der Lehren zusammenstellt, die wir durch die ganze Bibel hindurch finden. Einige dieser Gegenstände sind in der folgenden Liste zusammengetragen:
Schöpfung, Engel, Mensch, Sünde, Satan, Errettung, die Person Christi, das Werk Christi, der Heilige Geist, die neue Geburt, ewiges Leben, ewige Sicherheit, Inspiration der Schriften, Heiligung, der Vater, Auserwählung, Vergebung, Rechtfertigung, Annahme als Söhne (Adoption), das Gesetz, das zweite Kommen Christi, Auferstehung, das Gericht, die ewige Strafe.
Jedes dieser Themen liefert ein lohnendes Betätigungsfeld und bringt dem viel Segen, der die Schriften untersuchen und herausfinden will, was das Wort darüber lehrt.
Bei der Betrachtung eines Gegenstandes mögen sich leicht Unterteilungen aufdrängen, unter denen das Thema überlegt werden kann. So könnte das Thema «die Person des Herrn Jesus» aufgeteilt werden in:
- Seine Gottheit
- Seine Menschheit
- Die Vereinigung von Gottheit und Menschheit in einer Person
- Sein Leben auf dieser Erde
- Sein gegenwärtiges Leben
Sünde
Wir wollen unser Notizbuch zur Hand nehmen und als Beispiel für das Studium eines besonderen Gegenstandes den ernsten Begriff „Sünde“ kurz aufgreifen. Als erstes wollen wir nicht einen systematischen Abriss anstreben, sondern die Punkte so notieren, wie sie uns ins Gedächtnis kommen. Natürlich wird man zuerst an den Sündenfall des Menschen im Garten Eden denken. Man wird erkennen, dass es Satan war, der den Menschen zur Sünde verleitete, und dass der äussere Ausdruck davon Ungehorsam gegen Gottes Gebot war. Die Wirkung der Sünde zeigte sich im Gefühl von Scham und Schuld, in ihrem Verstecken vor Gott und der Vertreibung aus Eden.
Man könnte fortfahren und die Sünde geschichtlich in der Familie Kains verfolgen und dann in Noahs Tagen, wo das Gericht durch die Flut folgte. Dann könnten wir ihr in der Geschichte Israels nachgehen und die Züchtigungen Gottes über das Volk feststellen. Wenn wir zu den Psalmen, Sprüchen und Propheten kommen, wird der weiterfliessende Strom von Ungerechtigkeit immer breiter. Im Neuen Testament werden die Wirksamkeit und der bittere Hass der Sünde gegen Gott während der Gegenwart unseres Herrn auf Erden sichtbar. Sie findet den Höhepunkt in der furchtbarsten Tat der Verwerfung und Kreuzigung des Sohnes Gottes.
Indem wir das Thema weiter verfolgen, kommen wir zu den verschiedenen Briefen und entnehmen ihnen die darin enthaltenen Grundsätze. In Römer 1-3 begegnen wir einer Liste verschiedenartiger Sünden und Verdorbenheiten, die unter den Heiden, den zivilisierten Nationen und den Juden gefunden werden. Das Urteil lautet: «Alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes.» Aus Römer 7 und 8 lernen wir, dass die Sünde im Menschen wohnt und dass sie Feindschaft wider Gott ist. In Epheser 2 sehen wir, dass Sünde den moralischen Tod bedeutet: Der Mensch ist tot in Sünden und Vergehungen. Der erste Johannesbrief zeigt, dass Sünde die Gesetzlosigkeit ist. Und in der Offenbarung finden wir, wie sie sich erhebt zur vollen Höhe der Empörung gegen das Lamm Gottes, aber nur, um ihr ewiges Schicksal im Feuersee zu finden.
Nachdem wir uns die vorhergehenden Gedanken über dieses Thema notiert haben, können wir damit beginnen, unsere Feststellungen einzuteilen und eine etwas geordnete Aufstellung machen, z.B. unter folgenden Rubriken:
- Das Wesen der Sünde
- Ihre Wirkungen in Bezug auf Gott
- Ihre Wirkungen in Bezug auf den Menschen
- Ihre Früchte
- Ihr Gericht und ihre Bestrafung
- Das Heilmittel
Dieser letzte Punkt führt uns selbstverständlich zu anderen, gesegneteren Gegenständen wie die Sühnung und das Werk Christi.
Das ist eine kleine Illustration wie man einem besonderen Gegenstand durch die ganze Bibel hindurch nachfolgen kann; sein Keim in den früheren Büchern und seine Entwicklung in den späteren, die Lehre darüber wie sie in den Briefen gefunden wird und endlich dessen Höhepunkt und Ende in der Offenbarung. Für diejenigen, die in der Schrift nicht so bewandert sind, wird eine Konkordanz eine hilfreiche Unterstützung sein bei der Verfolgung eines Gegenstandes durch die Bibel hindurch. Wir hoffen, dass der Leser hiermit sieht, was für ein endloses Betätigungsfeld fruchtbaren Studiums sich durch solche Untersuchungen besonderer Gegenstände eröffnet, und dass es ihm ein Herzensbedürfnis wird, sich in solche Untersuchungen des Wortes Gottes zu vertiefen.
Notizbücher
An dieser Stelle mag es gut sein, einige Bemerkungen über Notizbücher in Verbindung mit unseren verschiedenen Studienarten der Heiligen Schrift zu machen. Im englischen Sprachgebrauch kennt man den Ausdruck: «Reading makes full man; writing an exact man», was soviel heisst wie «das Lesen füllt, das Schreiben macht genau und sorgfältig». Die Gewohnheit des Niederschreibens der Ergebnisse unserer Studien und Betrachtungen ist überaus wichtig.
Es gibt nur wenige, die die Frucht ihrer Studien und Untersuchungen bleibend und genau in ihrem Gedächtnis behalten können. Wir stellen fest, dass Hunderte von Dingen unserem Gedächtnis entfliehen und verloren gehen. Und vieles behielten wir nur schwach und ungenau in Erinnerung, wenn wir es nicht schriftlich festnagelten. Durch das Aufschreiben unserer Studien werden wir sie besser in Erinnerung behalten, denn geistige Übung in Verbindung mit schreiben hilft mit zu dauerhafterem Einprägen ins Gedächtnis. Zudem können wir unser Gedächtnis jederzeit auffrischen durch das Nachlesen von dem, was wir während des Studiums notiert haben.
Was uns in den vorausgegangenen Kapiteln beschäftigt hat, wird uns schon die Notwendigkeit von Notizbüchern der einen oder andern Art gezeigt haben. Unsere Übersichtsstudie des Römerbriefes z.B. wird ein spezielles Notizbuch verlangen, in das wir die Zusammenfassungen der einzelnen Kapitel und die Schlussübersicht des Buches eintragen können. Wir würden aber ein anderes für unsere Detailstudien des Kolosserbriefes und ein weiteres für die Untersuchung besonderer Gegenstände benötigen.
Es mag gut sein, zwei Garnituren von Notizbüchern zu haben. Ein handliches, das man jederzeit zur Stelle hat, um alles zu notieren wie es uns einfällt, und ein dauerhafteres, als Teil einer Reihe solcher Notizbücher, in das wir die Ergebnisse unseres Studierens geordneter und sorgfältiger aufschreiben können.
Das handliche Notizbuch trägt man in der Tasche, um bei jeder Gelegenheit Gesammeltes der göttlichen Wahrheit schnell niederzuschreiben. Wenn wir unser tägliches Kapitel lesen, kann etwas, das uns darin beeindruckt hat, sofort festgehalten werden. Übersichten von Kapiteln oder Versen, Fragen, die auftauchen; Gedanken, die unserem Herzen kostbar sind; alles kann darin notiert werden und später geordnet und bleibend in ein anderes Heft übertragen werden. Ein solches Notizbuch wird zu einem Tagebuch in göttlichen Dingen. Man erzählt, dass der eifrige Bibelkenner J.N. Darby die Gewohnheit hatte, solche Notizbücher zu füllen. Nach seinem Tode stellte man aus diesen vier Bände «Notes and Comments on Scripture» zusammen.
Eine gute Gewohnheit ist auch das Notieren von besonderen Gedanken, die man in der Wortverkündigung und in der Wortbetrachtung hört, oder in einer Betrachtung über Gottes Wort liest. Auch ein Notizbuch, in das man Illustrationen und Episoden aufschreibt, die sich auf das Evangelium oder auf Wahrheiten für den Christen beziehen, ist nützlich.
7. Biographische Studien
Manche Wahrheiten und viele geistliche Lektionen sind uns in der Schrift in Verbindung mit der Geschichte von Personen vorgestellt, mit ihren Übungen und Prüfungen, ihren Schwierigkeiten, Fragen, Zweifeln und Befürchtungen. Wenn die Wahrheit durch Szenen aus dem praktischen Leben vorgestellt wird, wirkt sie besonders anziehend. Die Bibel ist kein schwerfälliges Lexikon von religiösen Tatsachen und Wahrheiten. Sie ist eine herrliche Entfaltung des Lebens Gottes im Leben von Menschen. Die Wahrheit ist in den Büchern Moses oder in den Briefen nicht nur prosaisch erklärt, sondern es werden uns durch die Bibel hindurch wirklichkeitsnahe Illustrationen dieser Wahrheiten gezeigt im Leben von Männern und Frauen von gleichen Gemütsbewegungen wie wir. Das verleiht der Heiligen Schrift eine besondere Schönheit.
Biographische Studien von Persönlichkeiten aus der Bibel sollten daher von besonderem Interesse und von grossem geistlichem Nutzen für uns sein. Es ist oft ermutigend und tröstend, Männer und Frauen des Glaubens zu biblischen Zeiten zu finden, die die gleichen Zweifel, Schwierigkeiten und Konflikte hatten, die auch uns begegnen. Und wenn wir sehen, wie diese Zweifel beseitigt, die Schwierigkeiten gelöst, die Konflikte beigelegt wurden, wie Gott in wunderbarer Gnade in alle ihre Umstände eintrat, auf ihre Gedanken und Gefühle einging, werden wir gestärkt, und es wird uns in unseren eigenen Kämpfen geholfen. Daher sollte uns das Studium solcher Personen aus der Bibel besonders anziehen und unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen.
Die beste Art und Weise ein solches Studium zu verfolgen, ist vielleicht, mit Adam zu beginnen und all das zu lernen, was uns die ganze Bibel über ihn lehrt. Das kann durch die Bibel hindurch weiterverfolgt werden mit jedem andern Mann oder jeder andern Frau von Bedeutung. Das 1. Buch Mose enthält sieben Hauptbiographien. In den Evangelien haben wir eine vierfältige Biographie des einzigen vollkommenen Menschen, Jesus Christus, in seinem vierfachen Charakter als König, als Knecht und Prophet, als Sohn des Menschen und als menschgewordenem Sohn Gottes. Sein Leben war die lebendige Darstellung der ganzen Wahrheit Gottes und alles dessen, was Gott ist.
In unseren Studien sollten wir uns bemühen, eine möglichst klare Vorstellung von jeder historischen Gestalt zu bekommen, von ihrer persönlichen Beziehung zu Gott, zu den Zeiten in denen sie lebte und zu ihren Mitmenschen. Nachdem wir einen ziemlich vollständigen und fehlerfreien Umriss des Lebens dieser Person gewonnen haben, können wir beginnen, Illustrationen von biblischen Wahrheiten in ihrem Leben zu suchen. Zum Beispiel enthält das Leben Jakobs offensichtliche Beispiele von Galater 6,7: «Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! denn was irgendein Mensch sät, das wird er auch ernten.» Er hinterging seinen Vater Isaak mit einem Ziegenböcklein, später wurde er von seinen Söhnen durch das Blut eines Ziegenbockes hintergangen. Er betrog Esau um den Segen des Erstgeburtsrechts, später wurde er bezüglich seines Lohnes von Laban betrogen, usw.
Dann können wir auch die vorbildliche Bedeutung der Lebensbeschreibung festhalten, wie sie uns im Wort gegeben ist. Abraham z.B. ist in 1.Mose 22 und 24 ein Vorbild von Gott, dem Vater, der seinen Sohn als Opfer für uns gab und den Heiligen Geist sandte, um seinem Sohn eine Braut zu holen. Isaak ist ein Bild des Sohnes, der nach dem Willen des Vaters im Gehorsam sein Leben für uns niederlegte. Auch Joseph ist in vieler Hinsicht ein Vorbild auf Christus, besonders in seiner Verwerfung durch seine Brüder, in seiner Erniedrigung und zuletzt in seiner Erhöhung auf den Thron in Ägypten. Christus ist das Thema aller Schriften (Luk.24,27). Es ist eine gesegnete Beschäftigung, im Alten Testament Vorbilder und Abbilder von Ihm zu finden.
In Verbindung mit jeder Persönlichkeit tut man gut, die Merkmale, denen wir nachstreben sollten, von denen, die wir meiden sollten, auseinanderzuhalten. So ermahnte und warnte Nehemia das Volk in seinen Tagen, indem er sie auf Salomo aufmerksam machte, der dadurch in Sünde fiel, dass er fremde Frauen aus Völkern heiratete, die Gott nicht kannten (Neh.13,26). In 1.Korinther 10,1-14 warnt der Apostel die Korinther, indem er verschiedene Begebenheiten aus der Geschichte Israels anführt und sagt: «Diese Dinge aber sind als Vorbilder für uns geschehen, dass wir nicht nach bösen Dingen gelüsten, gleichwie auch jene gelüsteten» (V. 6).
Es ist auch gut, die Bedeutung der Namen dieser Personen zu finden und sie in Verbindung mit ihrem Leben zu beachten. Von einigen Namen wird die Bedeutung direkt im Wort selbst angegeben (siehe z.B. 1 Mose 27,36; 29,32; 30,24; Hebr.7,2). Die Bedeutung anderer Namen kann einer Konkordanz oder einem Bibellexikon entnommen werden.
8. Das Studium der Vorbilder
Wir haben soeben darauf aufmerksam gemacht, wie manche Persönlichkeiten in der Schrift eine vorbildliche Bedeutung haben und auf verschiedene Weise auf Gott und Christus hindeuten. Aber vorbildliche Belehrungen finden sich nicht nur in Personen, sondern auch in Orten und Gegenständen. Das Alte Testament gleicht einem grossen Bilderbuch von Vorbildern und Schatten zukünftiger Güter. So ist das Studium der Vorbilder in der Bibel ein Studium für sich selbst, sehr interessant und nützlich.
Das Neue Testament redet zu uns von vielen dieser Vorbilder und deren Bedeutung. Der Herr sprach in Johannes 6 über das Manna in der Wüste und sagte, dass Er das lebendige Brot sei, das aus dem Himmel herniederkam (V. 31-51). Also war das Manna aus 2.Mose 16 ein Vorbild von Christus, dem lebendigen Brot, das die wahre Nahrung für die Seele ist. In 1 Korinther 10,4 spricht der Apostel von Israel, das aus einem «geistlichen Felsen trank, der sie begleitete. Der Fels aber war der Christus». Daher war der Fels, der Wasser hervorbrachte, als er in 2.Mose 17 für das Volk geschlagen wurde, ein Vorbild von Christus, der für uns ans Kreuz geschlagen wurde, damit wir das Wasser des Lebens zu trinken hätten. In 1 Korinther 5,7.8 ist die Rede vom Passahfest aus 2.Mose 12, wobei Christus unser Passahlamm ist und die ungesäuerten Brote für uns Lauterkeit und Wahrheit bedeuten.
In Galater 4,22-31 haben wir eine weitere Ausführung von Vorbildern. Dort erklärt uns der Apostel, wie von Sara und Hagar und ihren Söhnen Isaak und Ismael in «einem bildlichen Sinn» gesprochen wird. Es sind Vorbilder zweier Bündnisse, das des Gesetzes vom Sinai und des neuen der Gnade, und deren Kindern. Ismael war der Sohn der Sklavin Hagar. Zusammen sind sie ein Vorbild des irdischen Jerusalem und ihrer Kinder unter der Knechtschaft des Gesetzes des Judentums. Isaak war der Sohn der Freien, Sara - ein Bild des Jerusalem droben, der Mutter von uns allen und ein Vorbild derer, die unter der Gnade stehen und daher frei und Kinder der Verheissung sind, wie es Isaak war.
Der Hebräer-Brief beschäftigt sich zum grossen Teil mit den Vorbildern der Stiftshütte, die «ein Schatten der himmlischen Dinge» und «Abbilder der Dinge in den Himmeln» sind (8,5; 9,23). Der Brief ist sehr reich an Ausführungen über Vorbilder. Er zeigt, wie Christus, unser grosser Hoherpriester, durch sein Opfer und seinen Eintritt in den Himmel, das wahre Heiligtum, die Erfüllung aller alttestamentlichen Vorbilder ist. Das Gesetz (das ganze jüdische System) war nur ein «Schatten der zukünftigen Güter, nicht der Dinge Ebenbild selbst» (10,1). Die Wirklichkeit ist der. viel höher als das Vorbild mit seinen menschlichen Begrenzungen.
Das sind einige wenige Beispiele aus den Blättern des Neuen Testamentes über Vorbilder und ihre Belehrung. Die Wahrheiten, die sie enthüllen, ermutigen uns, noch viele weitere dieser kostbaren Vorbilder zu suchen.
Dennoch möchten wir ein warnendes Wort zum Studium der Vorbilder anfügen, damit niemand in den Fehler verfalle, eine Lehre des Neuen Testamentes durch ein alttestamentliches Vorbild auszulegen, oder Christus und seinem Werk die Begrenztheiten der Vorbilder zuzuschreiben, besonders in Bezug auf Einzelheiten von Zeit, Ort und der Art und Weise. Vielmehr sollen wir die Vorbilder des Alten Testamentes durch die Belehrungen des Neuen auslegen. Dabei werden wir finden, dass die Sinnbilder gegenüber dem, was sie von Christus wirklich darstellen, immer zurückbleiben. Es sind nur Schatten und nicht der zukünftigen Dinge Ebenbild selbst.
Das richtige Verständnis der Vorbilder verlangt eine weite und tiefe Erkenntnis der grossen Fundamental-Wahrheiten und des eigentlichen Wortlauts der Heiligen Schrift. Junge Christen sollten sich nicht mit dem Studium der Vorbilder beschäftigen, ohne vorgängig besonders das Neue Testament und seine Lehren in den Briefen studiert zu haben. Wer zuerst die verschiedenen Anregungen zum Studium verfolgt, die wir bis jetzt skizziert haben, wird besser vorbereitet sein für ein richtiges Studium der Vorbilder.
9. Studien über die verschiedenen Haushaltungen (Verwaltungen)
Wenn der Leser sich die Mühe genommen hat, die verschiedenen Methoden des Bibelstudiums, die wir empfohlen haben, auch auszuführen, wird er mit seiner Bibel ganz vertraut worden sein. Er hat bestimmt auch eine gute Kenntnis des Wortlauts des Alten und des Neuen Testaments erhalten. Nachdem ihm der Inhalt jedes Buches der Heiligen Schrift geläufig geworden ist, wird der aufmerksame Leser zweifellos den grossen Unterschied in den verschiedenen Büchern und in den Zeitabschnitten, die sie umfassen, festgestellt haben.
Gewiss, man wird sich bald des grossen Unterschiedes zwischen dem Alten und Neuen Testament bewusst. Bei genauerer Betrachtung entdeckt man, dass es auch in den Zeitperioden des Alten Testamentes Unterschiede gibt. Desgleichen findet man im Neuen Testament einen Unterschied zwischen der Zeitperiode, die die Evangelien umfasst und derjenigen, die die Apostelgeschichte und die Briefe einschliesst. Und die Offenbarung enthält noch eine weitere, andere Ordnung der Dinge.
So wird man sich der Tatsache bewusst, dass es in der Zeitspanne, die die Bibel von der Erschaffung der Welt bis zur Erscheinung des neuen Himmels und der neuen Erde, oder der kommenden Ewigkeit umfasst, verschiedene Perioden, Zeitalter, Haushaltungen oder Verwaltungen gibt. Durch sorgfältiges Studium der Schriften erkennt man, dass Gott während diesen vergangenen Zeitabschnitten mit der Menschheit nicht immer gleich gehandelt hat. Er wird auch in den kommenden Perioden anders mit den Menschen handeln, als Er es in der gegenwärtigen Zeit tut.
Dadurch wird einem die Notwendigkeit bewusst, die Schriften auch hinsichtlich der Verwaltungsperioden zu studieren. Damit meinen wir das Studium der verschiedenen Zeitalter, Epochen oder Haushaltungen, in die das Handeln Gottes mit den Menschen vom Anfang bis zum Ende eingeteilt ist. Das Wort «Verwaltung» oder «Haushaltung» findet sich in verschiedenen Stellen des Neuen Testamentes (1.Kor. 9,17; Eph. 1,10 siehe Fussnote; 3,2.Kol. 1,25). Im Urtext dieser Verse bedeutet es: die Ordnung, Leitung, oder Verwaltung eines Haushaltes oder einer Familie. Es hat auch den Sinn von Hausverwaltung (Luk. 16,2). Mit dem Ausdruck «Haushaltung» meinen wir also gewisse Anordnungen oder die Art und Weise durch die Gott während einer bestimmten Zeitepoche mit der Menschheit handelte, im Unterschied zu anderen Zeitepochen.
In Epheser 3,2 spricht Paulus von «der Verwaltung der Gnade Gottes, die mir in Bezug auf euch gegeben ist». Hier weist er auf die göttliche Einrichtung oder Anordnung der Gnade hin, die ihm anvertraut war, auf das Geheimnis, das er unter den Nationen verkündigen sollte, als die charakteristische Wahrheit dieser gegenwärtigen Zeitperiode. Deshalb ist der gegenwärtige Zeitabschnitt, vom Tag der Pfingsten bis zum Kommen des Herrn für seine Braut, die Versammlung, bekannt als die Haushaltung der Gnade. Aus der Apostelgeschichte und den Briefen, besonders den paulinischen, lernen wir die Merkmale des Handelns Gottes mit den Menschen während dieser Zeit kennen. Wir ersehen daraus, dass Er jetzt mit der ganzen Welt, mit Juden und Nationen, in unumschränkter Gnade handelt, nicht herrschend, wie unter dem Gesetz im Alten Testament, oder richtend, wie Er es in der Zukunft tun wird. Diese Zeitperiode der Gnade ist die wunderbarste aller Haushaltungen. Gottes Absicht während des Zeitalters der Gnade ist, «die Nationen heimzusuchen, um aus ihnen ein Volk zu nehmen für seinen Namen» (Apg. 15,14), als eine himmlische Braut für seinen Sohn.
Wir hoffen, dass diese allgemeinen Bemerkungen einen kleinen Begriff von dem geben, was mit dem Studium der Zeitperioden in der Bibel gemeint ist und uns seine Wichtigkeit vorstellen. Wer die verschiedenen Verwaltungsperioden nicht unterscheidet und kein klares Verständnis über Gottes Absichten und Handeln mit der Menschheit während jeder Periode hat, kann die Schriften unmöglich richtig verstehen und anwenden. Er wird Gesetz und Gnade vermischen, Israel und die Versammlung, das Kommen des Herrn für die Versammlung und sein Kommen, um die Nationen zu richten, usw. Grösste Verwirrung wird das Resultat sein. Augustinus, einer der frühen Kirchenväter, sagte: «Unterscheide die Zeitalter, und de Schriften sind einfach.»
In 2.Timotheus 2,15 werden wir ermahnt uns zu befleissigen, uns selbst als bewährte Arbeiter darzustellen, «die das Wort der Wahrheit recht teilen». 1.Korinther 10,32 spricht von drei Klassen, denen wir ohne Anstoss sein sollen: den Juden, den Griechen oder Nationen und der Versammlung Gottes. Dieser Vers zeigt uns die drei verschiedenen Gruppen, die wir in der Schrift finden. Daher müssen wir das Wort untersuchen und herausfinden, was die Nationen betrifft und was die Versammlung angeht.
Auf diesen Seiten können wir nur kurz die verschiedenen Verwaltungsperioden, die in der Bibel gefunden werden, erwähnen. Wir überlassen es dem Leser, sich mit jeder einzelnen näher zu befassen. Zur weiteren Hilfe, die Haushaltungen zu unterscheiden, werden wir zuerst folgende Definition einer Haushaltung oder Verwaltungsperiode anführen: «Eine Haushaltung ist eine längere oder kürzere Zeitperiode, während der Gott anders mit den Menschen handelt als Er es bis dahin getan hat.»
Sieben Hauptzeitalter
Am Anfang der Menschheitsgeschichte finden wir Adam und Eva in Unschuld im Garten Eden. Sie hatten Gewalt über die ganze Schöpfung, aber standen selbst unter einem Gebot - nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen. Das war die Zeitperiode der Unschuld. Bald übertraten sie das Gebot und wurden aus dem Garten vertrieben. Sie waren nicht länger unschuldig, sondern Sünder. So endete die erste Haushaltung und Gott begann auf andere Weise mit der gefallenen Menschheit zu handeln.
Als Adam und Eva sündigten, erlangten sie ein Gewissen über Gut und Böse. Untersuchen wir die Periode vom Sündenfall Adams bis zur Flut, so stellen wir fest, dass Gott den Menschen seinem Gewissen überlassen hat, damit es sich erweise, ob er das Gute wählen und das Böse ablehnen würde. Das war die Haushaltung des Gewissens, die so schrecklich böse und verdorben endete, dass Gott die Menschen durch die Flut richten musste.
Mit Noah und seiner Familie nach der Flut haben wir den Anfang einer andern Haushaltung: die Herrschaft des Menschen. So weit uns berichtet ist, setzte Gott mit Noah den ersten obrigkeitlichen Beamten ein, den die Welt je hatte. Er gab ihm das Schwert der Regierung. Das dauerte fort bis zur Zeit Abrahams, wo wir das ganze Menschengeschlecht dem Götzendienst verfallen finden. In Verbindung mit dem Turmbau zu Babel sandte Gott in dieser Zeit das Gericht der Sprachenverwirrung.
In 1.Mose 12 ruft Gott den Abraham und damit beginnt ein neues Zeitalter. Wir können es die Haushaltung der Verheissung nennen. Gott rief aus der Masse der götzendienerischen Menschen einen Mann heraus und verhiess ihm, ihn zu einer grossen Nation zu machen. Er gab ihm auch die Verheissung des kommenden Erlösers. Nun sehen wir, wie Gott mit einer Nation handelt, mit seinem auserwählten Volk Israel, das Er aus der Sklaverei Ägyptens befreite und in das Land Kanaan führte.
Aber als sie in der Wüste zum Berg Sinai kamen, stellten sie sich selbst auf den Boden des Gesetzes. Eine neue Verwaltung wurde ihnen gegeben: die Haushaltung des Gesetzes. Diese dauerte bis zum Kommen Christi im Neuen Testament. Während dieser Periode handelte Gott nur mit Israel und den Juden. Da Gottes Handeln mit Israel als Volk bei Abraham begann, werden das Zeitalter der Verheissung und das des Gesetzes manchmal zusammen als eine Epoche betrachtet.
Mit der Geburt von Jesus Christus zeigt sich das Handeln Gottes mit den Menschen in einer ganz neuen Weise. Sein Dienst der Gnade führte die Haushaltung der Gnade ein, die sich nach seinem Tode und der Herniederkunft des Heiligen Geistes in ihrer Fülle entfaltete. Diese Zeitperiode dauert fort durch die Gegenwart, bis die Versammlung vollzählig ist und der Herr sie bei seinem Kommen zu sich in die Herrlichkeit nimmt. Dieses Ereignis wird als Entrückung bezeichnet. Dann wird das Zeitalter reiner Gnade vorüber sein.
Aus vielen Stellen des Alten und Neuen Testamentes lernen wir, dass nach Abschluss der Gnadenzeit eine kurze Periode beispielloser Gerichte und Drangsale über die Welt kommen wird. Gott wird mit der Christenheit im Gericht handeln und aus seinem Volk Israel einen Überrest erwecken. Das Kommen des Herrn Jesus mit Gericht über die Nationen und als König Israels wird diese Zeit beenden und die herrliche tausendjährige Regierung der Gerechtigkeit einleiten. Im neuen Himmel und auf der neuen Erde, die darauf folgen, wird es keine Zeit mehr geben.
Das ist ein kleiner Abriss über die aufeinanderfolgenden Zeitperioden. Der Leser wird gut tun, dieses wichtige Thema ausführlicher zu studieren.