Halte Fest
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Ausschluss und Wiederherstellung

Halte fest Jahrgang 1978 - Seite: 38 - Verfasser: S.P.

(Es scheint uns nützlich, hier folgende Gedanken aus einem alten Brief zu diesem ernsten Gegenstand vor die Leser zu bringen.)

Die Frage, die Sie mir in Ihrem Brief stellen, hat die Brüder schon öfters beschäftigt, die Frage nämlich: Muss ein Bruder, der in eine Sünde gefallen ist, die seitens der Versammlung einen Ausschluss nötig macht, dieser Massnahme unterstellt werden, auch wenn er sich darüber tief demütigt?

Auch in diesem Punkt ist es wichtig, das Wort Gottes zu befragen, um zu erkennen, was es dazu sagt.

Wir lesen in 1.Korinther 5,7: «Feget den alten Sauerteig aus, auf dass ihr eine neue Masse sein möget, gleichwie ihr ungesäuert seid.» Das «ungesäuerte Brot» kennzeichnet die Versammlung, als Frucht des Werkes Christi am Kreuze, betrachtet in der vollkommenen Stellung, die dieses Werk ihr erworben hat. Der Wandel und der praktische Zustand der Versammlung unterstehen keinem geringeren Massstab als diesem. Unser Passah, Christus, ist geschlachtet: alle unsere Sünden sind hinweggetan. Wir können folglich das Fest der ungesäuerten Brote feiern, das im Vorbild beim Passah begann und ihm während sieben Tagen unmittelbar folgte. Sieben eine vollkommene Zahl - stellt die ganze Zeit dar, in der Gott die Gläubigen von ihrer Bekehrung an in der Welt lässt. Das ganze Leben der Erlösten entspricht also diesem «Fest» der ungesäuerten Brote. Sie sollen es feiern, indem sie sich alles dessen enthalten, was die Nahrung des alten Menschen war; dieser suchte seine Befriedigung nur in einer verunreinigten Speise.

In 1.Korinther 5,9-13 belehrt uns der Apostel, wie das Böse aus der Mitte der Christen entfernt werden soll, wenn einer, der Bruder genannt wird, bestimmte Sünden, die der Apostel aufzählt, begangen hat. Er kann nicht in Gemeinschaft mit der Versammlung bleiben, denn die Sünde gleicht dem Sauerteig, der die ganze Masse durchsäuert, und der Kontakt mit ihr bewirkt Verunreinigung. «Tut den Bösen von euch selbst hinaus», sagt er. Bevor sie wussten, dass der Böse hinausgetan werden musste, hätten sich die Korinther demütigen und Leid tragen sollen, damit der, welcher diese Tat beging, zur Einsicht gekommen wäre. Sie hätten verstehen sollen, dass eine solche Verunreinigung unvereinbar ist mit der Heiligkeit, die die Versammlung Gottes kennzeichnet.

Sobald sie die Unterweisungen des Apostels befolgt hatten, konnte er ihnen in seinem 2. Brief, Kapitel 7,1.Sagen: «Ihr habt euch in allem erwiesen, dass ihr an der Sache rein seid.» Es handelt sich hier also um die Reinigung der Versammlung, die sich nur durch den Ausschluss des Bösen vollziehen kann. Der Böse (1.Kor. 5,13) ist der, der seinen eigenen Willen tut, im Widerspruch zu den Gedanken Gottes, die im Lichte erkannt werden und im Worte völlig offenbart sind. Oft setzt ein solcher seinen bösen Weg fort, ohne die Mahnungen zu beachten, die an ihn gerichtet worden sind. Die Versammlung soll sich der Heiligkeit bewusst sein, womit sie bekleidet ist, um Zucht auszuüben.

Handelt es sich also um eine der Sünden, die in 1.Korinther 5,11 aufgezählt sind, oder um irgend eine andere Sünde, die den Ausschluss des Schuldigen nötig macht, ist die Versammlung verunreinigt worden. Sie ist mit dem Bösen in ihrer Mitte identifiziert und muss diese Verunreinigung als die ihrige betrachten. Das war schon in Israel der Fall, als der Herr zu Josua sagte: «Israel hat gesündigt.... Sie haben von dem Verbannten genommen» (Josua 7,11). Die Versammlung muss ihre Sünde bekennen und sich in Betrübnis darüber beugen. Nur so ist die Sünde auf den Schuldigen gebunden, der ausgeschlossen wird, damit die Versammlung gereinigt sei.

Bis dahin ist also nur von der Versammlung die Rede, von ihrer Solidarität mit dem Bösen. Dann erst, nach ihrem Bekenntnis und ihrer Demütigung, nach ihrer Reinigung durch den Ausschluss des Bösen, ist sie in der Praxis, was sie in den Augen Gottes ist: «eine ungesäuerte Masse» und hat so ihren Charakter als «Versammlung Gottes» bewahrt, als heilig, wie Er selbst.

Bis zu diesem Augenblick ist der Zustand der Seele des Schuldigen noch nicht in Betracht gezogen worden. Er wird ein Böser genannt und muss aus der Mitte der Gläubigen hinausgetan werden. Er mag sich zu rechtfertigen suchen, mag behaupten, zu Unrecht ausgeschlossen zu werden, oder mag über seinen Fall tief gedemütigt sein. Das alles bezieht sich auf seinen persönlichen Zustand und hat nichts mit der Handlung der Versammlung zu tun, wenn es ein Fall ist, wo das Wort den Schuldigen als «böse» bezeichnet.

Ich will keineswegs sagen, dass es gleichgültig sei, ob der Schuldige sich demütige oder nicht - weit entfernt davon! Ist ihm die Schwere seines Vergehens und die Verunehrung des Namens des Herrn wirklich bewusst, wird er viel schneller wiederhergestellt werden, und die Versammlung wird die Freude haben, ihn früher wieder aufzunehmen, als einen andern, in welchem das Werk der Wiederherstellung durch Mangel an Busse hinausgezögert wird. Es ist also ganz zum Nutzen des Gefallenen, dass er sich raschestens richtet und demütigt. Aber seine Demütigung kann die Handlung der Versammlung nicht ersetzen, denn diese kann nur gereinigt werden, wenn sie dem Worte gehorcht hat (1.Kor. 5,9-11).

Ich bin für mein Teil immer geneigt, an die Aufrichtigkeit der Demütigung eines gefallenen Gläubigen zu glauben. Doch wissen wir, dass die Verurteilung seiner bösen Handlung, die er begangen hat, zu seiner völligen Wiederherstellung nicht genügt. Da ist auch die Verurteilung der Ursachen nötig, die zu dieser Übertretung geführt haben, und diese wird nicht innert einem Tag geboren; die Weise, in der Petrus wiederhergestellt wurde, ist ein Beweis dafür. Der Herr wird dieses Werk bei einem Gläubigen, der unter seinem Ausschluss durch die Versammlung, den fühlbaren Folgen seines Falles, leidet, leichter vollenden, als wenn seine vorherige Demütigung das Werk der Zucht und Wiederherstellung als unnötig erscheinen liess. Und denken wir daran, in diesem Fall hätte der Nicht-Ausschluss des Schuldigen die Verunreinigung der Versammlung nicht beseitigt und hätte übrigens die öffentliche Wiederherstellung des gefallenen Bruders verhindert.

In der Tat, wenn auch der Ausschluss als erstes die Reinigung der Versammlung zum Ziel hat, so ist er auch das Mittel zur völligen Wiederherstellung dessen, der gefallen ist, und, wie wir schon gesagt haben, braucht ein derartiges Werk immer eine gewisse Zeit. Wenn die Wiederherstellung eines solchen Bruders so weit erfolgt ist, dass die Versammlung ihn von neuem zum Tisch des Herrn zulässt, so bedeutet dies nicht, dass das ganze Werk Gottes zu seiner völligen Wiederherstellung geschehen sei. Dieses Werk wird sich noch fortsetzen, wenn er sich wieder in der Versammlung eingefunden hat und von neuem das Vorrecht geniesst, das jedem Gläubigen zusteht. Nichts, es ist wahr, bringt ein so gründliches Selbstgericht hervor, wie der volle Genuss der Gnade. Aber für eine Seele, die wenig geübt ist im Blick auf die Heiligkeit der Versammlung und auf die Unehre, die durch die Sünde auf den Namen des Herrn gefallen ist, könnte eine zu leichte Wiedereinführung - oder was noch schlimmer ist - der Nicht-Ausschluss nur seine fleischliche Gesinnung befriedigen oder eine gesunde Übung seines Gewissens verhindern. Daraus ergäbe sich Gleichgültigkeit gegenüber dem Bösen und würde den Schuldigen einem neuen Fall aussetzen.

Seien wir uns doch stets bewusst, was die Versammlung Gottes ist, die wir darstellen dürfen, da wo zwei oder drei zum Namen des Herrn versammelt sind, damit sie in einem praktischen Zustand der Heiligkeit erhalten bleibe, die mit ihrer Stellung in Christo übereinstimmt. Es braucht viel Liebe zum Herrn, zu seiner Versammlung und zu allen Heiligen, um die Zucht entsprechend den Unterweisungen des Wortes durchzuführen. Aber es ist auch nötig, zwischen wahrer Liebe und natürlichen Gefühlen zu unterscheiden, die aus familiären oder freundschaftlichen Beziehungen hervorkommen, um die Gedanken Gottes in ihrer Reinheit zu haben und entsprechend zu handeln.

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Letzte Änderung am 27.03.2010.