Halte Fest
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Was haben wir unter «Kirche» oder «Versammlung» zu verstehen?

Halte fest Jahrgang 1978 - Seite: 231 - Verfasser: A. L.

Das Neue Testament berichtet uns die Geschichte Dessen, der vom Himmel auf die Erde herabkam und hienieden zuerst ein kleines Kind war, in Schwachheit und Armut. Es schildert Ihn als einen Mann voll Gnade und Güte, der allen Gutes tat, aber verkannt, verachtet und verworfen war und schliesslich an ein Kreuz genagelt wurde, wo Er starb. Es war Jesus, Gottes vielgeliebter Sohn, gekommen, um uns Menschen durch seine Leiden und seinen Tod zu erretten. Gott hat Ihn auferweckt, und Er ist dann in den Himmel aufgefahren.

Dieser Jesus, der unser Herr geworden ist, wird wiederkommen. Er wird zuerst seine Erlösten zu sich nehmen und dann sein Reich auf der Erde aufrichten. Seine wunderbare Geschichte setzt sich bis zu dem Augenblick fort, an welchem Er das Reich seinem Vater übergibt, nachdem die Toten vor dem grossen weissen Thron gerichtet worden sind. Dann gibt es einen neuen Himmel und eine neue Erde, wo Gott inmitten der Glückseligen wohnt, und zwar in Ewigkeit.

Noch von einer anderen Geschichte möchte ich jetzt reden, von der Geschichte eines Gegenstandes, der dem Herrn Jesus auf immerdar sehr kostbar ist.

Was mag das sein, fragst du. Unsere Seele vielleicht? O gewiss! selbst die Seele des kleinsten Kindes ist Ihm wertvoll. Hinblickend auf diese Kleinen sagte Er, dass Er gekommen sei, um sie zu erretten. Von den Menschen im Allgemeinen sagte Er hingegen, dass Er gekommen sei, um sie zu suchen und zu erretten (Matth. 18,11.14; Luk. 19,10).

Aber von etwas anderem, das dem Erretter überaus kostbar ist, will ich hier berichten. Es ist die «Versammlung» (im Urtext «Ekklesia», in andern Bibeln mit «Kirche» oder «Gemeinde» übersetzt), von welcher der Apostel Paulus sagt: «Christus hat die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben ... Er nährt und pflegt sie» (Eph. 5,25.29).

Diese Worte zeigen deutlich, welchen Wert die Versammlung für das Herz Christi hat. Er selbst vergleicht sie mit einer sehr kostbaren Perle und sagt uns, dass Er alles, was Er hatte, verkauft habe, um sie zu erwerben. Er hat alles dafür hingegeben, sogar sein eigenes Leben (Matth. 13,45f)

Was haben wir denn unter dieser «Kirche» oder «Versammlung» zu verstehen? Mit «Kirchen» pflegt man in der Christenheit gewisse Gebäude zu bezeichnen, in denen man sich zu einem religiösen Kult oder zu einer Predigt versammelt. Aber im Wort Gottes finden wir diesen Begriff nicht auf Häuser angewandt. - auch Vereinigungen von Personen, welche die gleichen Formen des Gottesdienstes haben und sich zu diesem Zweck der gleichen Ordnung unterziehen, nennt man Kirchen, wie z.B. Methodistische Kirche, Baptisten-Gemeinde, usw. Aber die Schrift meint mit dem Ausdruck «Ekklesia» nicht solche Gruppen. Wie ich schon weiter oben sagte, bedeutet dieses Wort «Versammlung», und im Munde des Herrn, wie auch in den Schriften der Apostel bezeichnet dieser Begriff

  • die Gesamtheit aller wahren Gläubigen an allen Orten auf der Erde zu einem gegebenen Zeitpunkt; oder
  • die Gesamtheit aller Erlösten seit Pfingsten bis zur Wiederkunft Christi, die dann auferweckt oder verwandelt und verherrlicht werden; die Versammlung ist dann vollständig; oder
  • die Gesamtheit der Gläubigen, die sich in einer Ortschaft versammelten.

Wenn der Apostel Paulus z.B. an «die Versammlung Gottes, die in Korinth ist», schrieb, richtete er sich an alle Christen von Korinth. Wenn er Grüsse an die Versammlung, die bei Nymphas oder Philemon zusammenkam, sandte, redete er von Christen, die sich bei dem einen oder dem andern dieser Brüder zum Gottesdienst versammelten. Aber wenn er sagte: «Christus hat die Versammlung geliebt», so ging es um die vollständige Versammlung. Auch wenn er die Ältesten ermahnte, «die Versammlung Gottes zu hüten, welche er sich erworben hat durch das Blut seines Eigenen», so meinte er alle wahren Gläubigen, die in dem kostbaren Blute Christi gewaschen, aber noch auf der Erde sind (Lies die Stellen: 1.Kor.1,2; Apg.20,28; Kol.4,15; Philem.2; Eph.1,22; 5,27; in den letzten beiden Stellen geht es um die vollständige Versammlung im Himmel.).

Du denkst vielleicht, dass Abel, Noah, Abraham, Mose, David, die Propheten, alle diese heiligen Männer, auch zur Kirche gehörten. Nein, sie bestand damals noch nicht. Diese alle waren Gerechte, die an Gott glaubten, im Vertrauen auf Ihn und seine Verheissungen auf der Erde wandelten; aber sie gehörten nicht zur Versammlung. Gott hatte auf der Erde ein Volk, das Er sich aus der Mitte der andern Nationen auserwählte, das Er immer noch liebt und später in dem Lande der Verheissung wiederherstellen wird. Aber dieses Volk Israel ist nicht die Versammlung.

Als der Herr zu Petrus sagte: «Ich werde meine Versammlung bauen» (Matth. 16,18), wurde sie zum ersten Mal erwähnt. Sie gehört Ihm, halle aber noch nicht begonnen. Erst nach seinem Tode auf dem Kreuz und seinem Eingang in die Herrlichkeit fand ihre Geburt statt, als am Tage der Pfingsten, gemäss der Verheissung des Herrn Jesus, der Heilige Geist auf die Jünger herabkam. Der Apostel Paulus war es, dem Gott die Offenbarung aller Vorrechte der Versammlung gab. Bis dahin war sie ein Geheimnis, das von den Zeitaltern her verborgen war in Gott (Eph. 3,9; Kol. 1,26). Die Heiligen und die Propheten des Alten Testamentes kannten es nicht.

Die Versammlung, die Gott für seinen geliebten Sohn haben wollte, hat himmlischen Charakter. Sie wird die Versammlung Gottes genannt, die Er durch das Blut seines eigenen Sohnes erkauft hat. Sie setzt sich aus denen zusammen, die an den gestorbenen, auferstandenen und verherrlichten Herrn Jesus glauben und durch sein Blut gewaschen sind. Sie alle sind aus Gott geboren; Er hat ihnen den Heiligen Geist gegeben, dadurch sind sie miteinander und mit Christus im Himmel vereinigt, haben alle dasselbe Leben, wie ihr verherrlichter Herr.

Darum wird die Versammlung der Leib Christi genannt, wovon Er selbst das Haupt ist (Eph.1,22.23; 4,4.15.16; 1.Kor. 1,2.13: Kol. 1,18). Jeder Gläubige ist ein Glied seines Leibes, auch du, mein Leser, wenn du errettet bist; du bist ebenso innig mit Christus verbunden, wie z.B. deine Hand mit deinem Körper verbunden ist. Beglückt es dich nicht, zu wissen, dass du so mit dem Heiland vereinigt bist? Dieses Band kann nicht abgebrochen werden, denn es ist das eines himmlischen und unverderblichen Lebens, des Lebens des Christus selbst. Das Wort Gottes sagt uns, dass der Leib des Christus, gebildet durch den Heiligen Geist eins ist. Da ist nur ein Leib, wie es auch nur einen Geist gibt, der den Leib bildet und ihn belebt. Und da ist auch nur eine Hoffnung für alle Glaubenden: bei dem Herrn im Himmel zu sein. Dann wird der Leib des Christus die Vollendung erreicht haben.

Die Versammlung wird auch Haus Gottes genannt. Sie ist die Behausung Gottes im Geiste, der darin wohnt und seine Gegenwart in ihr offenbart. Sie ist somit ein heiliger Tempel im Herrn, der hier aufgebaut und in der Herrlichkeit vollendet sein wird (1.Tim 3,15; Eph. 2,20-22; 1.Kor. 3,16.17). Gott anerkennt jetzt kein anderes Haus, keinen anderen Tempel auf der Erde. Nur der Leib jedes Gläubigen wird ebenfalls Tempel genannt, weil der Heilige Geist darin wohnt (1.Kor. 6,19.20).

Wir sahen, dass der Herr Jesus es ist, der dieses Haus Gottes, die Versammlung baut. Aber jedes Haus ist auf eine Grundlage gestellt. Auf welcher ruht die Versammlung? Auf einem unerschütterlichen Felsen: auf Jesus Christus selbst. Er ist die einzige Grundlage, die gelegt werden kann (Matth.16,16-18; 1.Kor.3,11). Als Simon Petrus, vom Vater belehrt, das schöne Bekenntnis von Jesus Christus abgelegt hatte: «Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes», da sagte ihm der Herr, dass Er auf diesen Felsen, auf diese Wahrheit, die Gott dem Petrus offenbart halle, seine Versammlung bauen würde. Und was wollten die Worte des Petrus sagen? Dass in Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes, die Macht des Lebens, des Lebens Gottes sei, gegen das der Tod und Satan, der die Macht des Todes hat (Hebr.2,14), absolut nichts vermögen. So erklärt der Herr, dass des Hades Pforten die Versammlung, die auf diesen Felsen gebaut ist, nicht überwältigen können. Sie ist lebendig und unzerstörbar wie Der, auf den sie gegründet ist. Welche Sicherheit für die, welche dazu gehören!

Der Apostel Petrus, an den der Herr die Worte in Matthäus 16 bezüglich seiner Versammlung gerichtet halle, und der sich in Liebe alles dessen erinnerte, was aus dem Munde seines geliebten Herrn hervorgegangen war, vergleicht die, welche an Christus glauben und Ihm vertrauen, mit lebendigen Steinen. Sie sind durch Ihn, den lebendigen Eckstein eingesetzt, der in Gottes Augen auserwählt und kostbar ist (1.Petr.2,4-6). Sie sind mit Ihm vereinigt, durch das unzerstörbare Band des Lebens Gottes. Auf diese Weise geschieht der Bau des Hauses Gottes.

Das Wort Gottes stellt die Versammlung auch als die Braut, das Weib des Christus dar (Eph. 5,24-27). Gott halle Adam, dem ersten Menschen, Eva als Gattin gegeben. Und so gibt Er dem zweiten Menschen, dem Christus, die Versammlung. Wir lesen in 1.Mose 24 die schöne Geschichte vom Knecht Abrahams, der in die Ferne ging, um für Isaak eine Gattin zu suchen. In der gleichen Weise sucht der Heilige Geist jetzt auf der Erde eine Braut für Christus, und das ist die Versammlung. Er bildet sie aus allen denen, die im Glauben an den Herrn Jesus die Welt verlassen, wie einst Rebekka ihre Heimat, um einzig Christus anzuhangen. Die Versammlung wird als seine Braut, als das Weib des Lammes dargestellt, um uns zu zeigen, wie eng sie mit dem Herrn verbunden und Ihm kostbar ist.

Er bereitet sie jetzt für sich zu, wird uns gesagt: Er heiligt und reinigt sie, um sie sich eines Tages verherrlicht, ohne Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen, heilig und tadellos darzustellen. Wo und wann wird das sein? Im Himmel, wenn die Hochzeit des Lammes mit einem Ausbruch von unvergleichlicher Freude und unbeschreiblichem Jubel gefeiert wird (Offb.19,7-9). Welches Entzücken! Glückselig die, welche daran teilhaben! Im Blick auf diese Glückseligkeit sagen der Geist und die Braut zum Herrn Jesus: «Komm!» Und Er, der seine Versammlung liebt, antwortet mit zärtlicher Liebe: «Ich komme bald!» (Offb. 22,17.20)

Schliesslich wird die Versammlung auch als eine himmlische und herrliche Stadt dargestellt (Offb. 21). Das wird sie aber erst in der Zukunft sein, wenn Christus sein Reich aufgerichtet haben wird. Jetzt ist für die Versammlung noch die Zeit der Erniedrigung und des Leidens mit Christus und für Christus. Dann aber wird die Herrlichkeit Gottes sie erleuchten und ihre Schönheit erstrahlen lassen. Der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein. Sie wird der Sitz der Autorität Dessen sein, der einst mit Dornen gekrönt und gekreuzigt war, dann aber über das Universum herrschen wird. Ist es nicht der Mühe wert, für Christus zu leiden, in der Hoffnung, bald mit Ihm zu herrschen?

So also stellt uns das Wort Gottes die Versammlung vor. Es sagt uns auch, dass sie ewig bestehen wird. Wenn die neuen Himmel und die neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt, aufgerichtet sind, wird die Versammlung auf dieser neuen Erde die Hülle Gottes inmitten der erlösten Menschen sein (Offb. 21,1-4). Welch herrlicher Ausblick für die Gläubigen, in jener glückseligen Ewigkeit zu wohnen!

Aber diese von Christus geliebte und für die himmlische Herrlichkeit bestimmte Versammlung ist noch auf der Erde. Sie soll hier eine Zeugin für Christus sein, während Er droben ist, indem sie hier das himmlische Licht der Gnade und der Wahrheit leuchten lässt, und so wandelt, wie ihr Herr hier gewandelt hat. Möchte doch jeder von uns, der zu ihr gehört, diesem Zustand entsprechen, so wie Er es von uns erwartet!

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Letzte Änderung am 27.03.2010.