Halte Fest
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Ein Leib

Halte fest Jahrgang 1962 - Seite: 225 - Verfasser: W. K.

(Eph. 4,4; 5,30 u. 31; 1.Kor. 10,17; 12,12.13 u. 27).

Der «Leib» als Ratschluss Gottes zur Verherrlichung des Sohnes

Wollen wir die Ratschlüsse Gottes und seine Wege mit den Menschen verstehen und dabei vollen Segen empfangen, so müssen wir diese grosse Wahrheit erkennen, dass Gott von jeher in erster Linie seinen geliebten Sohn und dessen Verherrlichung im Herzen und vor Augen hatte. Er wirkte durch ihn und für ihn, aus der Fülle seines eigenen Herzens heraus (Eph. 1). Dass nun als Ergebnis dieses Wirkens Gottes die Versammlung das vornehmste Instrument zur ewigen Verherrlichung seines Sohnes ist, dürfen wir voller Bewunderung feststellen.

Doch wollen wir zuerst mit Gottes Hilfe die Unterschiede zwischen dem Tun Gottes in früheren Zeitaltern und dem, was er in der gegenwärtigen Haushaltung der Gnade zur Ehre und zum Ruhme seines geliebten Sohnes bereitet, zu betrachten suchen.

Auf die Sünde des ersten Menschen folgte nicht nur das Gericht, sondern sofort auch die Gnade Gottes in ganz bestimmten Verheissungen, die alle ihren Mittelpunkt und ihre volle Erfüllung in der Person des einen finden sollten. Zu gegebener Zeit erwählte er sich in Abraham eine Nation und sonderte sie von allen übrigen Nationen ab, indem er ihnen besondere Verordnungen des Gottesdienstes und - als Antwort auf ihr Selbstvertrauen - sein heiliges Gesetz gab. Doch an demselben Berg, wo Gott sprach, zu der Stunde, da das Gesetz gegeben wurde, wurde es schon gebrochen und die Autorität und Herrlichkeit Gottes beiseite gesetzt. Gott wartete - wartete lange und in Geduld auf die Zurechtbringung seines Volkes. Er versuchte alles. Gleichsam als die Krone aller seiner Bemühungen sandte er seinen eigenen Sohn (Matth. 21,37). Aber durch die Gegenwart Christi trat die furchtbare Wahrheit zutage, dass der Mensch nicht nur verdorben und eigenwillig ist, sondern auch Gottes Güte hasst und sich als Feind Gottes zeigt, wenn er sich ihm in seinem eigenen Sohne in vollkommener Weise offenbart. Die Geschichte Israels beweist, dass ein Volk, mag es noch so begnadigt sein und noch so viele Vorrechte besitzen, alle Erweisungen der Gnade Gottes nur mit heftigster Feindschaft gegen ihn beantwortet.

Der Tod und die Auferstehung des Herrn führten dann etwas ganz Neues ein. Das Kreuz Christi ist von alles überragender, mannigfaltiger Bedeutung.

Die Seite der persönlichen Errettung und Erlösung aus dem hoffnungslosen Zustand des Menschen, wie wir sie in Epheser 2,1-10 finden, wird wohl von allen wahren Erlösten mehr oder weniger verstanden und hoch eingeschätzt. Doch zeigt uns der Heilige Geist in Epheser 2,13-16, dass das Kreuz Christi nicht nur das Fundament zum Frieden der einzelnen Seele, sondern auch die Grundlage ist, auf der ein ganz neues Werk Gottes - der «eine Leib» - ruht. Das Kreuz leitete Wege Gottes ein, die im Gegensatz zu seinen früheren Wegen mit den Menschen stehen. Noch zu Lebzeiten des Herrn gebot er seinen Jüngern, nicht auf einen Weg der Nationen und nicht in eine Stadt der Samariter zu gehen (Matth. 10,5 und 6). Wie er selbst, waren auch sie nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt (Matth. 15,24). Selbst da war noch ein scharfer Trennungsstrich zwischen Juden und Heiden. Durch das Kreuz Christi aber ist eine grundlegende Änderung eingetreten, die uns zur Anbetung treibt. Durch sein Kreuz hat der Herr der Feindschaft zwischen Israel und den Nationen ein Ende gemacht. Er hat die Zwischenwand der Umzäunung abgebrochen, das Gesetz hinweggetan. Gott in seiner souveränen Gnade erhob die Nationen nun nicht nur zu dem Stand der Vorrechte Israels, sondern nahm sowohl aus den Nationen wie auch aus den Juden einzelne Menschen aus ihrer bisherigen Stellung völlig heraus und wirkte zur Verherrlichung seines geliebten Sohnes etwas ganz Neues - etwas, was bisher noch nicht existierte: Er brachte die an den Namen seines Sohnes Glaubenden in eine innige und unzerstörbare Gemeinschaft mit Christo, dem Gegenstand seiner Ratschlüsse. Juden und Heiden sind einsgemacht in Ihm. Christus und die Versammlung bilden «einen neuen Menschen»!

Das ist es, was Gott für ihn wirkte. Er rettet nicht nur Seelen, er sammelt sie auch; und er versammelt sie nicht nur in eins, sondern verbindet den gläubigen Juden und Heiden, während sie auf der Erde sind, zu einem neuen Menschen in Christo. Anbetungswürdiger Ratschluss Gottes! «Und die zwei werden ein Fleisch sein» (Eph. 5,31.32). - Wie gross ist dieses durch den Heiligen Geist auf Christus und die Versammlung bezogene Geheimnis!

Und noch eines wollen wir kurz betrachten. Es war nicht die Sünde, die Gedanken der Gnade im Herzen Gottes erweckte. Nicht der Sündenfall war der ursprüngliche Anlass zum gnädigen Handeln Gottes mit dem Menschen. Vordem schon bestand der Ratschluss Gottes; aus seinem eigenen Herzen, aus dem, was er war und ist, kam er hervor. Ohne Frage gab gerade der Eintritt der Sünde Gott Gelegenheit, seine alles überströmende Gnade in wunderbarer Weise zu erzeigen. Doch dürfen wir nicht vergessen, dass die Gedanken und Ratschlüsse in Gott selbst waren. Diese Ratschlüsse hatten von jeher die ewige Verherrlichung seines eingeborenen Sohnes in denen zum Gegenstand, die an seinen Namen glauben. Er überschüttet sie daher mit den herrlichsten Segnungen um seines Sohnes willen und bringt sie in die innigste Gemeinschaft mit Ihm, in dem «neuen Menschen», dem «einen Leibe». So wurde uns das Vorbild von dem einen «neuen Menschen» (Eph. 5,31) schon gegeben, bevor die Sünde in Erscheinung trat (vergl. 1.Mose 2,24). Auch werden uns die vor Grundlegung der Welt in Gott selbst gefassten Ratschlüsse in Epheser 1 vorgestellt, bevor wir in Epheser 2 auf unseren eigenen, hoffnungslosen Zustand hingewiesen werden. Gott wirkt nach dem Wohlgefallen und dem Geheimnis seines Willens (vergl. Eph. 1,5 und 9). Der Inhalt dieses Geheimnisses ist der: Alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus. «Er hat alles seinen Füssen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Versammlung gegeben, welche sein Leib ist» (Eph. 1,22 und 23). Er, das Haupt über alles, ist auch das verherrlichte und gekrönte Haupt der Versammlung (Kol. 1,18). Gepriesen sei sein Name!

Ist es nun denkbar, dass diese grosse Wahrheit von dem Leib Christi keine praktischen Auswirkungen auf unser Verhalten, auf unsere Gesinnung haben sollte?

Lasst uns stets bedenken, dass wir nicht als Einzelwesen unseren Weg durch diese Welt zu gehen haben und nicht nur Kinder Gottes inmitten anderer Kinder Gottes sind. «Wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleische und von seinen Gebeinen» (Eph. 5,30). Gott bildet diesen einen Leib zur Verherrlichung Christi nach seinem Willen und seinem Wohlgefallen (vergl. Eph. 1,9). Es ist nicht unsere Sache, uns Brüder und Schwestern auszuwählen. Selbst in den natürlichen Beziehungen unter Menschen ist es Gott, der jedem Menschen seinen Platz gibt. Er stellt den einen hoch, den anderen niedrig, nach seiner eigenen Weisheit. Rechtdenkende Menschen stellen den Willen und die Weisheit Gottes selbst in den natürlichen, menschlichen Beziehungen nicht in Frage. Sollte nun dem, was Gott für seinen geliebten Sohn wirkt, der Wille Gottes von geringerer Bedeutung sein, als in der rein äusseren Welt? Sollte es nicht das Herz eines jeden Christen beschämen, dass der Wille Gottes - was Ihm wohlgefällt und was er angeordnet hat - in der Versammlung so wenig beachtet wird, und dies angesichts der Tatsache, dass sie seinem Herzen so nahe steht, als der Frucht seiner eigenen, vollkommenen Liebe, geschaffen zur ewigen Verherrlichung seines geliebten Sohnes?

Weshalb diese Wahrheit verdunkelt worden ist

Wie kommt es, dass der ganze Gegenstand von dem «einen Leibe» verdunkelt worden und diese Wahrheit unter den Kindern Gottes dermassen in Vergessenheit geraten ist? Etwa, weil Gottes Wort nicht klar genug darüber redet? Nun, was könnte klarer sein, als dass Gott ein neues Verhältnis, gegründet auf das Kreuz Christi, geschaffen und eingeführt hat? - Dass er nun aus Juden und Heiden die herausruft, die da glauben und sie zu «einem Leibe» zusammenfügt? - Dass er keine andere Körperschaft anerkennt als nur den Leib des Christus? Wie kommt es denn, dass solch eine Wahrheit den Gedanken des Menschen entschwand?

Es ist Satan, der dem Wirken Gottes seine ganze Macht entgegensetzt. Es ist Satan, der gerade diejenigen Wahrheiten zu verdunkeln und zu verwirren sucht, die in besonderer Weise die Verherrlichung Christi zum Gegenstand haben. Worin diese Verherrlichung zu irgendeiner Zeit auch immer bestehen mag, dort ist der Kampfplatz, dort ist das Schlachtfeld, auf dem Satan alle Waffen benützt, um die Kinder Gottes blind zu machen und sie zu hindern, den Willen ihres Gottes und Vaters zu verstehen und zu tun.

Doch wie kommt es, dass dies Satan so leicht gelingt, angesichts der klaren Zeugnisse des Neuen Testaments?

Ach, der Grund ist klar erkennbar! Die Kinder Gottes stehen allezeit in Gefahr, in ihren Herzen einer irdischen Gesinnung Raum zu geben. Sind sie davon erfüllt, so kann ihnen die Lehre von der Versammlung, vom Leibe Christi, leicht genommen werden, weil sie ihnen Gott allzu nahe bringt, seine Gnade allzu reich vor ihre Seelen stellt, und sie, wenn sie in Gottes Gedanken eingehen und sich darunter beugen, die ganze Wertlosigkeit aller Dinge hienieden fühlen lässt. Der Mensch liebt eine «gute» Stellung in dieser Welt, liebt Anerkennung. Er liebt, auch in der sogenannten «Kirche», etwas fürs eigene Ich, etwas, das ausserhalb des Teiles Christi und des Kreuzes steht. Doch der «Leib» ist nur für das «Haupt», zur Ehre Gottes, auf dass der Sohn Gottes durch ihn verherrlicht werde. In Ihm verschwindet der natürliche Mensch und dessen eigene Ehre, dessen eigener Wille wird da als Sünde erkannt und gerichtet. Eine solche Lehre, so ganz und gar himmlisch, liebt man nicht. Der Mensch will von Bedeutung sein in dieser Welt. In dem Masse, wie er dieser natürlichen Neigung nachgibt, fällt der Gläubige der Wirksamkeit und Bosheit, dem Betrug Satans, anheim.

Daher also kam es, dass die grosse, herrliche Wahrheit vom «Leib Christi» schon zu entschwinden begann, als sie eben erst offenbart war. Nimm doch irgendwelche Schriften älteren oder neueren Datums, von Katholiken oder Protestanten, von Lutheranern oder Kalvinisten - vergeblich wirst du darin nach dieser Wahrheit suchen. Du magst bei ihnen genügend Wahrheit finden bezüglich der Errettung der Seele. Aber die blosse Errettung der Seele ist nicht die ganze Wahrheit, worin doch auch die Versammlung Gottes offenbart wird. Wurden nicht auch vor Christo schon Seelen durch den Glauben an die Aussprüche Gottes errettet? Gab es nicht vorher schon ein Heil der Juden? - (allerdings unter der Nachsicht Gottes, im Blick auf das damals noch zukünftige Werk Christi, vergl. Römer 3,25). Gab es nicht treue Seelen, bevor Gott ein Volk auf Erden hatte? War es nicht so von Anfang an, vor und nach der Flut? Ganz gewiss! Aber Gott hat etwas Neues eingeführt, etwas, was er bis zur Verwerfung des Messias nicht offenbart und wofür er sich die Sendung des Heiligen Geistes vorbehalten hatte. In dem Kreuze Christi nun hat Gott den Grund für dieses Neue gelegt und er sammelt jetzt aus den Juden und den Nationen seine Versammlung, die in Christo zu einem neuen Menschen geschaffen ist.

Soll nun ein Herz wachsen in der Offenbarung, die Gott in Christo von sich selbst gegeben hat, gemäss seiner Gnade gegen die Versammlung, den Leib Christi, so muss das Gericht über die Natur, in ihrer Wurzel und in ihren Zweigen, wie auch das Gericht über die Welt, in welcher der Mensch einen Platz für sich beansprucht, anerkannt werden. Die Versammlung Gottes beruht unter anderem auf der völlig erwiesenen Tatsache der Verderbtheit des Menschen von Natur und sie ist bestimmt zur Herrlichkeit Gottes in seinem Sohne (Eph. 2,1-3; 1,12. 14). Dies zeigt den ausserordentlich wichtigen Platz, den die Wahrheit von dem «einen Leibe» in Bezug auf die Gemeinschaft und das Verhalten der Seele im Leben des Gläubigen einnehmen soll. Weg mit allem, was in Wort und Wandel nicht in Übereinstimmung ist mit Christo und der Versammlung!

Lasst uns noch etwas beachten: In Epheser 1,20-23 zeigt uns der Heilige Geist, dass Gott nun seinen Sohn als auferweckten Menschen in seine Gegenwart versetzt hat. Es konnte keinen Leib Christi geben, bevor Christus dort war, nicht nur als Sohn, sondern auch als Mensch, als das Haupt des Leibes. Und Christus konnte als Mensch nicht dort sein, bevor das Werk der Erlösung vollbracht war. Und das Werk der Erlösung konnte er nicht vollbringen, bevor er als Mensch geboren, gestorben und auferweckt worden war. «Die Versammlung, welche sein Leib ist», ruht auf der Grundlage, dass Christus Mensch wurde und als der auferweckte und auferstandene Mensch ihr Haupt ist. Erst nachdem er gestorben war, konnte er Frucht hervorbringen, wie der Herr es im Gleichnis vom Weizenkorn zum Ausdruck bringt (Joh. 12). «Gott hat ihn als Haupt über alles der Versammlung gegeben», aber erst, nachdem er aus den Toten auferweckt war und sich zur Rechten Gottes gesetzt hatte. Christus, der erhobene und verherrlichte Mensch, ist das Haupt des Leibes!

Welche Folgen ergeben sich daraus für uns, Geliebte? Vor allem: Obwohl der Leib des Christus auf der Erde ist, so trägt er doch einen himmlischen Charakter, wie das Haupt selbst. - Dem Menschen gefällt dies nicht; manch ein Christ findet es zu hoch, zu hart. Wenn er ein himmlischer Mensch ist, wo findet sich dann bei ihm noch Platz für die Bestrebungen, Pläne und Projekte dieser Welt, für all das, was den Geist des Menschen beschäftigt und dessen Wünsche und Gelüste ausmacht? Wo findest du all diese Dinge im Himmel?

So lasst uns denn verwirklichen, dass jeder Gläubige als ein Glied des Leibes Christi hier auf der Erde durch den Heiligen Geist mit Ihm, dem gesegneten und verherrlichten Haupte zur Rechten Gottes droben verbunden ist, und dass es hienieden nicht einfach nur einzelne, voneinander unabhängige Erlöste oder Heilige gibt! Lasst uns Gott fragen, was sich uns als Glieder des Leibes Christi geziemt, wie wir wandeln und anbeten, wie wir gegenüber den andern Gliedern Christi handeln und fühlen und wie wir uns «im Hause Gottes» verhalten sollen!

Die Einheit des Geistes bewahren in dem Bande des Friedens

Lasst mich, bevor ich schliesse, kurz die praktischen Folgen der Ermahnung: «Euch befleissigend, die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Bande des Friedens», feststellen. Welche Bedeutung hat dieser Zuruf für uns, angesichts der vielen Spaltungen! Er zeigt einen klaren, einfachen und demütigen Pfad. Ich habe nichts damit zu tun, die Einheit zu machen; ich habe nicht irgendetwas aufzurichten oder mich dem anzuschliessen, was andere Menschen machen. Aber was denn? Ich soll mich befleissigen, die Einheit des Geistes zu bewahren. Mit anderen Worten: Ich soll die Einheit, die der Heilige Geist schon gemacht hat, d.h. die Versammlung Gottes, den Leib Christi, anerkennen und verwirklichen. Ich muss an Hand des Wortes lediglich beurteilen, wo die Einheit des Geistes ist!

Doch wie kann dies geschehen? - Ich komme an einen Ort und bin in Verlegenheit, wo ich mich hinwenden soll. Wo werde ich die Einheit des Geistes finden? Wie kann ich dies wissen? - Nun, Gott hat Marksteine gesetzt; er hat in seinem Worte klares und deutliches Licht gegeben. So forsche ich denn nach und finde, dass er die Kinder Gottes in eins versammelt; er versammelt sie zu dem Namen Jesu Christi hin, indem er ihnen zugleich versichert, dass der Herr dort in ihrer Mitte ist.

Ohne Christus finde ich nie den Schlüssel zur Lösung einer geistlichen Schwierigkeit. Halte ich nur Ausschau nach einer Einheit von Christen? Eine Einheit, in der Christus den Ihm gebührenden Platz nicht einnehmen kann, ist eine Täuschung und Gefahr. Christen finde ich überall; selbst in so mancher Grube des Irrtums lassen sich strauchelnde Kinder Gottes entdecken. Wenn ich nur auf der Suche nach Kindern Gottes bin, mag ich sie leicht in dieser oder jener Form der religiösen Weltlichkeit finden; ich mag sie hier als ungebunden und herrenlos, dort als eng und blind kennen lernen; ich mag finden, dass sie sich auf Grund menschlicher Regeln versammeln, dass Namen von Menschen oder gewissen Lehren und bevorzugte Anschauungen den Mittelpunkt ihrer Vereinigung bilden. Ist dies die Einheit des Geistes? Natürlich sind es Christen, aus denen sich diese Einheit zusammensetzt; die Einheit des Geistes zu bewahren besteht jedoch nicht nur in der blossen Anerkennung der Tatsache, dass sie Christen sind, sondern darin, dass ich mit ihnen verwirkliche, zu Christo hin versammelt zu sein. Ohne Zweifel halten sich jetzt viele Glieder Christi, die auch jenen Platz des versammelt Seins zu seinem Namen hin einnehmen sollten, irgendwo anders auf. Aber soll ich, der ich den Willen meines Herrn kenne, mich von jenem Platz fernhalten, nur weil andere ihn nicht kennen oder sehen wollen? Oder will ich behaupten, sein Wille könne nicht mehr getan werden?

Seid versichert, Brüder, dass wir in der gleichen Gefahr sind, in der die Christen schon immer standen, in der Gefahr, das aufzugeben, was uns Gott anvertraut hat. Satan will uns mit aller Kraft fortziehen, indem er aus unserer Sorglosigkeit, unseren Schwierigkeiten und Übungen Nutzen zieht; denn er hasst nicht nur uns, sondern auch Christus und seine Wahrheit.

So bitte ich euch, besonders die Jüngeren unter meinen Brüdern und Schwestern, die ihr vielleicht die Macht und Kostbarkeit dieser Wahrheiten noch nicht so sehr empfunden habt, die ihr vielleicht von Jugend auf darin aufgewachsen und unterwiesen, keinen Preis dafür bezahlt habt - ich rufe euch allen zu: Seid auf der Hut, dass euch nicht Satan auf irgendeinem Wege von dem einzig festen, göttlichen Felsen inmitten der sich auftürmenden Wogen der Abtrünnigkeit fortziehe. Alle, die an diesen herrlichen Platz, zum Leibe Christi, gebracht sind, sollten auch dieser Stellung entsprechend handeln und wandeln, sonst verdunkeln wir das Licht der Wahrheit und der Gnade. Sollten wir der Zustände in der Christenheit wegen das klare Wort Gottes beiseitesetzen? Sollten wir etwas anderes als Christus allein als Mittelpunkt anerkennen, einen anderen Dienst als nur den des Heiligen Geistes? Sollten wir den einzigen Platz, den das Neue Testament für die Glieder des Leibes Christi kennt, verlassen?

Lasst uns bedenken, dass auf diesem Wege ständige Selbstverleugnung nötig ist, und lasst uns nicht davor zurückschrecken, in dieser Welt alles für die Ehre Gottes aufzugeben! Es mögen nur zwei oder drei sein; aber wenn sie sich befleissigen «die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Bande des Friedens», wenn sie sich auf dem Boden des Leibes Christi versammeln, auf dem keines seiner Glieder ausgeschlossen ist, so ist mein Platz als Christ bei ihnen! Unsere Aufgabe ist nicht die, für die Gegenwart oder für die Zukunft eine Kirche zu organisieren, sondern die Kirche festzuhalten, die Gott gemacht hat. Mögen wir uns von jeder menschlichen Rivalität und Erfindung in den Dingen Gottes absondern und fernhalten! Wenn es irgendeinen Platz gibt, in welchem sich die Sünde des menschlichen Eigenwillens deutlicher offenbart als irgendwo sonst, dann ist es der Platz, wo Gott den Herrn Jesus Christus verherrlicht.

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Letzte Änderung am 26.09.2010.