Von Gott berufen
Halte fest Jahrgang 1997 - Seite: 206 - Verfasser: H. Smith
Anhand des Lebens Abrahams illustriert uns Gott, was es bedeutet, von Ihm berufen zu werden. Um seine Geschichte zu verstehen und einen Nutzen davon zu haben, ist es nötig, den Charakter der Welt, in der er lebte und aus der er herausgerufen wurde, zu erkennen.
Der Hintergrund des Lebens Abrahams
Der Apostel Petrus bezeichnet die Situation und das Leben vor der Sintflut als die «damalige Welt». Der Apostel Paulus spricht von der «gegenwärtigen bösen Welt»; und schliesslich nennt der Schreiber des Hebräerbriefes die Zeit des Tausendjährigen Reiches «den zukünftigen Erdkreis» (2.Petr. 3,6; Gal. 1,4; Hebr. 2,5). Es gibt also eine frühere, eine gegenwärtige und eine zukünftige Welt.
Die Welt vor der Flut wurde durch den Sündenfall ruiniert und wurde mit der Zeit ganz gottlos. Während etwa 1650 Jahren ertrug Gott die zunehmende Bosheit der Menschen, bis die ganze Welt sich vor Gott völlig verdorben hatte und die Erde voll Gewalttat geworden war. Dann fiel sein Gericht auf die Menschen und auf die Erde, so dass «die damalige Welt, von Wasser überschwemmt, unterging».
Nach der Flut begann die Welt, in der wir heute noch leben. Sie war durch ganz neue Elemente gekennzeichnet. Gott führte in seiner Weisheit, aber auch in seiner Barmherzigkeit die Regierung ein, denn das Böse sollte nicht mehr ungestraft bleiben. Der Mensch wurde verantwortlich gemacht, durch die Bestrafung der Bösen das Böse im Zaum zu halten. Zu Noah sagte Gott: «Wer Menschenblut vergiesst, durch den Menschen soll sein Blut vergossen werden.» Aber so wie der Mensch im Zustand der Unschuld versagte und die Welt vor der Flut verdarb, so versagte er auch, als ihm die Regierung anvertraut wurde, und ruinierte die gegenwärtige Welt.
Immer, wenn der Mensch unter Verantwortung gestellt wird, versagt er, und das von allem Anfang an. Noah, dem die Herrschaft über die Erde übertragen worden war, versagte, indem er nicht einmal sich selbst beherrschen konnte. Er betrank sich und wurde von seinem Sohn verspottet. Gerade diese Dinge sind es, die leider zur Hauptsache die Herrschaft in der Welt charakterisiert haben. Jene, die die Regierungsgewalt in den Händen haben, versagen in ihren Verwaltungs- und Regierungsaufgaben. Und die Untergebenen oder jene, die zur Opposition gehören, machen sich über die Fehler der Regierung lustig.
Im weiteren sehen wir, dass die Menschen mit der Zeit die Regierungsgewalt missbraucht haben, um sich selbst zu erhöhen und in Unabhängigkeit von Gott zu handeln. Sie sagten: «Wohlan, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm ... und machen wir uns einen Namen!» (1.Mose 11,4). Schliesslich wurde die Welt von Gott abtrünnig und fiel in Götzendienst, denn wir lesen in Josua 24,2: «So spricht der Herr, der Gott Israels: Eure Väter wohnten vor alters jenseits des Stromes, Tarah, der Vater Abrahams und der Vater Nahors, und sie dienten anderen Göttern.»
Zur Einschränkung des durch die Menschen verübten Bösen sandte Gott die Sprachenverwirrung. Dadurch wurde die Welt in verschiedene Geschlechter aufgeteilt, aus denen selbständige Nationalitäten mit unterschiedlichen Sprachen entstanden.
So sieht der Anfang und der Charakter der gegenwärtigen bösen Welt aus, die nun sehr schnell reif für das Gericht wird. Es ist eine Welt, in der obrigkeitliche Gewalten von Gott eingesetzt sind, die aber in den Händen der Menschen missbraucht werden, da sie unabhängig von Gott handeln, sich selbst erhöhen und schliesslich Gott den Rücken kehren und dem Götzendienst verfallen.
Der Wendepunkt in Abrahams Leben
Während über 400 Jahren ertrug Gott diese Welt. Dann erschien der Gott der Herrlichkeit einem Mann auf der Erde und begann mit ihm nach ganz neuen Grundsätzen zu handeln - aufgrund der unumschränkten Berufung Gottes. Das setzt die Regierung der Welt nicht beiseite. Wir sehen darin auch keine Anzeichen zur Verbesserung oder Reformierung der Welt oder der Zurechtweisung des Bösen in ihr. Die Welt wird genauso gelassen, wie sie ist. Hingegen werden die höchsten Ansprüche Gottes, die Er an einen einzelnen Menschen hat, dadurch geltend gemacht, dass Er ihn in unumschränkter Gnade auserwählt und aus der Welt herausruft.
Wie wichtig diese grosse Wahrheit ist, erkennen wir aus dem Neuen Testament. Dort sehen wir, dass Gott heute noch nach diesem Grundsatz handelt. Die Versammlung besteht ausschliesslich aus einzelnen, die aus Gnaden berufen und herausgerufen sind. Der Apostel Paulus sagt klar, dass Gott uns nicht nur errettet, sondern auch berufen hat. Es ist «ein heiliger Ruf... nach seinem eigenen Vorsatz» (2.Tim. 1,9). Weiter werden wir in seinem Brief an die Römer daran erinnert, dass die Gläubigen «nach Vorsatz berufen sind» (Röm. 8,28). In seiner Botschaft an die gläubigen Hebräer redet der Schreiber sie mit «Genossen der himmlischen Berufung» an (Hebr. 3,1). Der Apostel Petrus sagt uns, dass Gott uns «berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht», und fügt hinzu: «Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus ...» (1.Petr. 2,9; 5,10).
Es ist also klar, dass Gläubige nicht nur errettet, sondern auch berufen sind. Natürlich ist die erste Sorge einer beunruhigten Seele die des Kerkermeisters von Philippi, der einst fragte: «Was muss ich tun, um errettet zu werden?» Nachdem wir durch den Glauben an den Herrn Jesus Christus und sein vollbrachtes Werk Errettung gefunden haben, sind wir leider oft damit zufrieden, in der Gewissheit zu ruhen, dass unsere Sünden vergeben, dass wir vor dem Gericht in Sicherheit und vor der Hölle gerettet sind.
Wie viel braucht es manchmal, bis wir sehen, dass das gleiche Evangelium, das uns die frohe Nachricht von der Errettung vor dem Gericht bringt, auch die Berufung Gottes zur Herrlichkeit Christi verkündigt. Der Apostel kann zu den gläubigen Thessalonichern nicht nur sagen, «dass Gott euch von Anfang erwählt hat zur Errettung», er muss sofort hinzufügen, dass «er euch berufen hat durch unser Evangelium, zur Erlangung der Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus» (2.Thess. 2,13.14).
Diese verschiedenen Stellen zeigen klar, dass Gott uns beruft, weil Er einen Vorsatz in seinem Herzen hat, den Er auszuführen wünscht. Darüber hinaus lernen wir, dass die Berufung mit einschliesst, dass wir aus einer Welt, die in Finsternis und Unwissenheit über Gott liegt, herausgerufen werden, um in das wunderbare Licht alles dessen zu kommen, was Gott sich für Christus in einer anderen Welt vorgesetzt hat. Und wenn wir für den Himmel berufen sind, dann deshalb, damit wir die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus erlangen. Der Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben ist, bei Christus und Ihm gleich zu sein.
Unser Interesse an Abrahams Leben
Das sind einige der gesegneten Wahrheiten, die mit der Berufung Gottes verbunden und im Leben Abrahams illustriert sind. Die praktische Wichtigkeit der Geschichte des Lebens Abrahams liegt darin, dass diese grosse Wahrheit der Berufung Gottes vor uns gestellt wird, und zwar nicht in einer lehrmässigen Erklärung, sondern entfaltet im Leben eines Mannes von gleichen Empfindungen wie wir. Auf diese Weise kann der einfachste Gläubige es verstehen.