Halte Fest
Geben Sie ein Stichwort ein:
erweiterte Suche

Erneuerungen

Halte fest Jahrgang 1967 - Seite: 294 - Verfasser: A. G.

«Wenn jemand in Christo ist, da ist eine neue Schöpfung» (2.Kor. 5,17).

1. Endgültige Erneuerung

1. Der Christ ist durch die Gnade von neuem geboren, aus dem Geiste geboren (Joh. 3,3.6.8), aus Gott geboren (1.Joh. 5,1), um Teilhaber der göttlichen Natur zu werden (2.Petr. 1,4). So war es und so wird es mit den Gläubigen aller Zeiten sein; die Heiligen des Alten Testamentes hatten dieses Leben wie wir. Aber im Unterschied zu diesen ist der Christ dazu noch «in Christo». Christus ist gekommen, hat die Erlösung vollbracht, und Sein Leben wird das Leben des Gläubigen. Gott «hat uns mit dem Christus lebendig gemacht» und «mitauferweckt». Jesus, Der gekommen ist, um das ewige Leben zu offenbaren, Der Gott verherrlicht hat auf der Erde, Der gestorben und auferweckt worden ist, ist vom Vater verherrlicht worden, um dieses Leben den Seinen zu geben: «Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen» (Joh. 17,2.3).

Fortan besteht ein neuer Mensch, den jeder Gläubige «angezogen hat». Dieser ist völlig neu (Eph. 4,24) und hat mit dem «alten Menschen», der dem Leben Gottes entfremdet ist, nichts gemein; er hat in keiner Weise teil an seiner Verunreinigung. Auch ist er eine unverderbliche Neuschöpfung und von einer ewigen Jugend (Kol. 3,10), im Vergleich zum alten Menschen, der seit dem Sündenfall besteht und, seit vielen Jahrhunderten erprobt, nicht aufgehört hat, sich herabzuwürdigen und sich zu verderben, bis ihn Gott schliesslich am Kreuze gerichtet hat. Der neue Mensch begann auf Grund des Werkes am Kreuze, dessen volle Wirksamkeit durch die Auferstehung Christi bewiesen ist, so dass den Gläubigen die neue Natur mitgeteilt werden kann. Für jeden von diesen beginnt das neue Leben, wenn er an den Herrn Jesus glaubt, auch wenn er sich erst später dessen bewusst wird. Der neue Mensch in ihm ist geschaffen, und zwar «nach Gott», und der Gläubige kann als Träger dieser neuen Schöpfung durch den Heiligen Geist Gottes versiegelt werden auf den Tag der Erlösung (Eph. 4,30).

2. Dieser neue Mensch «wird erneuert zur Erkenntnis nach dem Bilde dessen, der ihn erschaffen hat» (Kol. 3,10). Das Leben des neuen Menschen ist Christus, und Christus ist das Bild Gottes (Kol. 1,15; 2.Kor. 4,4). Der neue Mensch ist so wenig nach dem Bilde des ersten Adam, als Christus es gewesen ist; er ist nach dem letzten Adam, gemäss jener vollkommenen Menschheit, die Jesus hienieden angenommen hat, und die Er auch als der Auferstandene und Verherrlichte beibehält Der neue Mensch besitzt in Christo, der sein Leben ist, die göttlichen Wesenszüge, die bei Ihm, als dem Menschen, gesehen wurden, wie zum Beispiel: Heiligkeit, Gerechtigkeit, Wahrheit (Eph. 4,24). Diese Erneuerung ist also in der Tat etwas ganz Neues, denn der erste Mensch besass gar nichts von diesem allem, und selbst die Gläubigen des Alten Testamentes, obwohl sie aus Gott geboren waren, konnten nur zum voraus auf Christum hoffen. Die Erneuerung ist ebenso wirklich, ebenso endgültig wie die Existenz des neuen Menschen, und sie bleibt («wird erneuert», das Zeitwort ist in der Gegenwartsform). Sie verschafft dem neuen Menschen unter anderem den Zugang zu einer wahren Erkenntnis. «Der neue Mensch ist neu gemacht zur Erkenntnis, um zu erkennen. Damit ist der Christ gemeint, gesehen in seiner erneuerten Person, durch die Gegenwart des neuen Lebens» (J. N. D.). Diese Erkenntnis ist ganz verschieden von dem, was die Menschen lehren und behaupten mögen. Es handelt sich grundlegend um die Erkenntnis Gottes, um die göttlichen Dinge, um die himmlischen Segnungen und die himmlische Hoffnung, um alles das, was wir in Christo besitzen, um «alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis», die im Geheimnis Gottes verborgen sind (Kol. 2,3).

3. Aber dadurch ist der Gläubige in der Lage, alle Dinge und alle Umstände von einem neuen Gesichtspunkte aus zu betrachten, welcher derjenige Gottes selbst ist; er vermag sie entsprechend dem göttlichen Urteil zu beurteilen. Er hat die Fähigkeit, den Willen Gottes zu erkennen, sein Sinn stimmt mit dem Sinne Gottes überein: Es ist ein «erneuerter Sinn» (Röm. 12,2) im Blick auf eine solche Erkenntnis, und zwar in absoluter Weise. Dies ist ein wesentliches Element des neuen Menschen, so sehr, dass der Gläubige - selbst wenn er noch nicht befreit ist und sich noch im Kampfe mit dem Fleische befindet, das er in sich entdeckt - deutlich empfindet, ob sein Sinn, der des neuen inneren Menschen, mit dem Gesetz Gottes in Übereinstimmung ist und sich daher im Widerstreit mit dem Fleische befindet (Röm. 7,23.25). Diese «Erneuerung des Sinnes» bildet die Grundlage der Erneuerung «des Geistes eurer Gesinnung» (Eph. 4,23): Der Sinn ist in seiner Tätigkeit erleuchtet und neu orientiert.

4. Der Empfang des göttlichen Lebens und die Erneuerung, die dies nach sich zieht, werden in Titus 3,5 dem Heiligen Geiste zugeschrieben. Es ist die «Erneuerung des Heiligen Geistes». Darunter ist also die durch den Heiligen Geist bewirkte Erneuerung zu verstehen. Er ist es, der dem neuen, sittlichen Wesen des Gläubigen die Kraft des neuen Lebens mitteilt, mit Beweggründen, Wünschen und völlig neuen Gedanken, die denen des alten Menschen gegenüberstehen.

Alle diese Stellen reden also von einem vollbrachten Werke, von einer vollständigen und endgültigen Schöpfung, und legen eine unveränderliche Grundlage. Das Wort stellt den Christen an diesen Ausgangspunkt: «Das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden. Alles aber von dem Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesum Christum.» Es ist nötig, dass der Gläubige darüber ganz im klaren ist; wir zeigen uns im Erfassen der uns gegebenen Gewissheiten so zögernd, selbst dann noch, wenn wir meinen, sie ergriffen zu haben; und wie viele Seelen, die doch gerettet sind, haben von diesen Hauptpunkten nur undeutliche Vorstellungen! Wenn sich das Wort an Christen richtet, fordert es sie nirgendwo dazu auf, den alten Menschen abzulegen und den neuen anzuziehen, oder den alten Menschen zu töten und den neuen lebendig zu machen; denn das ist schon erfüllt, sonst wären wir ja nicht von neuem geboren. In Kolosser 3,9.10, wie auch in Epheser 4,22.23 ist das Zeitwort in der Vergangenheit «abgelegt habt», «angezogen habt». Die Handlung ist geschehen, man braucht nicht mehr darauf zurückzukommen. Die Existenz des neuen Menschen, mit der Erneuerung seines Sinnes durch den Heiligen Geist, wird nicht in Frage gestellt und wird es auch nie werden. Das hiesse, die neue Schöpfung bezweifeln, die Schöpfung Gottes, wovon Christus der Anfang ist. Aber gerade an diesem Punkt erwarten uns die Ermahnungen. Wir sind durch die Gnade in neue Beziehungen gebracht, die wunderbar sind, und von diesem Augenblick an haben wir eine Verantwortlichkeit in Verbindung mit diesen Beziehungen, Aufgaben, die wir als Kinder Adams nicht hatten. Es handelt sich darum, in dieser Welt das göttliche Leben, das wir empfangen haben, sichtbar zu machen.

2. Fortschreitende Erneuerung

Die neue Natur ist in einem Leibe eingeschlossen, der noch zur alten Schöpfung gehört. Dieser Leib, mit den damit verbundenen Fähigkeiten, stand im Dienste der Sünde; jetzt hat der Gläubige, aus dieser Knechtschaft befreit, das Vorrecht, ihn im Dienste Gottes zu gebrauchen; aber die alte Natur, obwohl in sittlicher Hinsicht gerichtet, existiert noch darin, bis die Erlösung, «die Erlösung unseres Leibes», ganz erfüllt ist.

Das christliche Leben ist nichts anderes als ein Sichtbar-werden-Lassen des wandelnden und wachsenden neuen Menschen, der in diesem Wandel, in diesem Wachstum, wie in einem Kleide vor aller Augen das Bild Dessen trägt, in Dessen Bild er geschaffen wurde. «Ihr habt Christum angezogen» (Gal. 3,27), oder: «Ziehet den Herrn Jesus Christus an» (Röm. 13,14) - zeigt dies in praktischer Weise - «und treibt nicht Vorsorge für das Fleisch zur Erfüllung seiner Lüste». «Ihr seid gestorben», so «tötet denn - nicht den alten Menschen, er ist ja schon tot, haltet ihn für tot - sondern seine sittlichen Glieder, «eure Glieder, die auf der Erde sind» (Kol. 3,3.5). Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, «so suchet, was droben ist» (Kap. 3,1). Weil ihr «den neuen Menschen angezogen habt», wird euch gesagt: «Ziehet nun an» alles das, was Seinem Wesen entspricht (Kap. 3,12-17).

Ein solches Leben steht in fortwährender und fortschreitender Erneuerung, gerade deshalb, weil es besteht und es sich in normaler Weise entfalten soll. Hinsichtlich des natürlichen Lebens ist es klar, dass jeder Mensch es bei der Geburt ein für allemal empfangen hat und dass sich dieses auf der ganzen Länge seiner irdischen Existenz fortsetzt und entfaltet. So ist es auch beim neuen Menschen; er hat bei der Wiedergeburt ein für allemal das neue Leben empfangen, und es erneuert sich immer wieder in seiner Kundgebung. Die Gnade unterweist uns, warnt uns, regt uns an, züchtigt uns, damit dies so sein kann.

«Werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes», wird uns in Römer 12,2 gesagt. Nachdem der Sinn neu gemacht worden ist, um den guten, wohlgefälligen und vollkommenen Willen Gottes zu erkennen, ist der Gläubige berufen, in Gehorsam gegenüber diesem Willen, sein Verhalten mit dem göttlichen Muster in Übereinstimmung zu bringen, was sein «vernünftiger Dienst» ist. Er wird nicht mehr «gleichförmig sein diesem Zeitlauf», der das Leben Gottes nicht kennt.

Die «Erneuerung des Heiligen Geistes», die den Empfang des Lebens begleitet, bringt hierauf in der Praxis seine Wirkungen hervor, wie das Wasser in dem Masse aus der Quelle strömt, wie es ungehindert fliessen kann. Der Heilige Geist ist da, um uns mit Christo zu beschäftigen. Er wohnt im Gläubigen und nimmt von dem, was Christi ist, um es ihm mitzuteilen. Er beleuchtet für ihn die Schönheiten dieser Person und bewirkt in ihm den Wunsch, Ihm gleich zu sein, wenn der Glaube ins Schauen verwandelt wird. Der Heilige Geist wirkt durch allerlei Mittel, durch die Gnadengaben, das Wort, das Gebet, das Zusammenkommen der Heiligen, um die Seele von Christo zu nähren, um den inneren Menschen mit Kraft zu stärken, und führt ihn in derselben Kraft dazu, die Herrlichkeit des Herrn mit aufgedecktem Angesicht zu betrachten, um den Gläubigen dadurch von Herrlichkeit zu Herrlichkeit zu verwandeln.

Die Stelle in Epheser 4,24 zeigt, dass die vollendete Tatsache: «den alten Menschen abgelegt habt», die praktische Folge nach sich zieht, dass wir erneuert werden in dem Geiste unserer Gesinnung, eine Sache, die sich durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes fortsetzt. Nachdem die Neuschaffung stattgefunden hat, gibt es eine fortwährende Erneuerung. Der Wandel muss es zeigen, indem er unter demselben Antrieb steht und sich in derselben Richtung fortsetzt, mit einem Verständnis, das ununterbrochen wach ist, um den verschiedenartigsten Umständen zu begegnen, Die Epistel an die Epheser bringt diesen Wandel ganz besonders in Beziehung zu der gesicherten Stellung des Gläubigen, die der Heilige Geist mit dem verherrlichten Haupte des Leibes verbindet. Die Erneuerung des Sinnes und das Ablegen des alten Menschen zusammen haben ihre praktische Auswirkung, wenn der alte Mensch für das gehalten wird, was Gott mit ihm getan hat, indem Er ihn am Kreuze richtete. Auf diese Weise wird der innere, erneuerte Mensch nach aussen hin sichtbar, in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Wie steht es mit uns? Sieht man Christum in unserem täglichen Leben? Wenn wir Ihn mit aufgedecktem Angesicht betrachten, wie wir dazu befähigt sind, so fände die Verwandlung von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist, von selbst statt. Von Seiner Seite her gibt es keinen Schleier. Was ist es also, das uns von einer solchen Betrachtung abhält? Jeder von uns hat darauf zu antworten; jeder für sich hat es mit Dem zu tun, vor Dessen Augen alles bloss und aufgedeckt ist.

Ein so treuer Knecht Gottes, wie der Apostel Paulus es war, offenbarte Christum in seinem Leben, weil bei ihm nichts den Anblick der Herrlichkeit Christi verhüllte. Das Leben Jesu wirkte durch Paulus auch Leben für andere, während er selbst «allezeit das Sterben Jesu am Leibe umher trug» und «allezeit dem Tode überliefert wurde um Jesu willen» (2.Kor. 4,10-12). Er «starb täglich» (1.Kor. 15,31), aber in dem Masse, wie der Tod auf den verfallenden äusseren Menschen seinen Stempel druckte, wurde der innere Mensch, der ja schon seit der Wiedergeburt neu war, «von Tag zu Tag erneuert» (2.Kor. 4,16). Jeden Tag wurde er «neu» gemacht. Das war nicht ein armseliges Wiederherstellen oder Flicken von dem, was alt werden will, wie man zum Beispiel ein verfallenes Gebäude notdürftig ausbessert und verputzt oder wie man einen verbrauchten Leib durch Stärkungsmittel am Leben zu erhalten sucht, sondern ein ständiges «Neuwerden». Die sieghafte Kraft der Auferstehung erwies sich an ihm, als der Tod in ihm wirkte; und an jedem Morgen war er lebendiger, näher bei Christo, als am Vorabend. «Als Sterbende und siehe, wir leben» (2.Kor. 6,9).

Wünschen wir nicht auch eine solche Verjüngung? Bei uns wird der innere Mensch, im Gegensatz zu Paulus, nur zu oft so schwach, dass wir - ach! - den Geschmack an den himmlischen Dingen verlieren und uns nur mit dem beschäftigen, was sich auf den äusseren Menschen bezieht, auf seine Gesundheit und sein Wohlergehen. Und doch ist dieser äussere Mensch ja dazu bestimmt, abzunehmen und zu verschwinden. Das irdische Zelt soll zerstört werden - sonst hätten wir ja kein ewiges Haus in den Himmeln - während der innere Mensch berufen ist, zu wachsen «bis zu ihm hin».

So ist also «der Mensch in Christo» die Grundlage unseres Wandels, aber das allein gibt uns noch keine Kraft, Diese wird nur dadurch erlangt, dass man in einer beständigen Abhängigkeit wandelt, gedemütigt in sich selbst, damit Christus verherrlicht und das Fleisch praktisch unwirksam wird.

Sich Christ nennen bedeutet, zu bejahen, dass man den alten Menschen ausgezogen und den neuen angezogen hat, dass Christus unser Leben ist. Aber dies zu sagen, ist eine Sache, so zu leben, eine andere. Als Christ zu leben bedeutet, Christum darzustellen, zu beweisen, dass dieser neue Mensch lebendig und wirksam ist, in einer glücklichen Erneuerung zum Bilde Dessen begriffen, auf Den die Blicke des Treuen gerichtet sind.

Der Glaube hat nichts anderes zu tun, als die gesegnete Stellung anzunehmen, in die uns Gott in Christo erhoben hat, mit allem, was diese Stellung umfasst: Die höchsten Vorrechte gehören dazu. Aber diese Stellung einzunehmen, zieht hienieden in der Selbstentäusserung Kämpfe und Leiden nach sich. In der Tat, weder das Fleisch noch die Welt können ertragen, dass der Gläubige sie offenbart, denn sie kreuzigt die, welche Christum gekreuzigt haben.

«Wenn jemand in Christo ist, da ist eine neue Schöpfung, das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden...»

  2.00 (1 Stimme(n))
  

Buchtipp

halte fest CD

 

 

Alle 45 Jahrgänge von 1958-2002 auf einer CD mit Suchprogramm für die komfortable Volltextsuche auf dem Computer

 

halte fest Abo

 

Abonnieren Sie «halte fest». So erhalten Sie alle zwei Monate das aktuelle Heft per Post zugestellt.

 


Letzte Änderung am 28.03.2010.