Halte Fest
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Von der Liebe der Epheser

Halte fest Jahrgang 1978 - Seite: 197 - Verfasser: F. S.

Was wissen wir von der «ersten Liebe» dieser Gläubigen?

Welches war die Atmosphäre in der örtlichen Versammlung zu Ephesus zur Zeit ihrer Entstehung?

Paulus unterredete sich während dreier Monate freimütig mit den Leuten in der Synagoge und überzeugte sie von den Dingen des Reiches Gottes (vgl. Apg. 19,8 - 20). «Freimütig», ohne falsche Scheu, aus übervollem Herzen, ohne Zurückhaltung, mit Überzeugungskraft sprach er von der überschwänglichen Herrlichkeit göttlicher Offenbarungen, welche ihm zuteil worden waren.

Aber nicht alle Zuhörer wollten glauben. Es gab verhärtete Herzen darunter, welche sogar das christliche Bekenntnis verleumdeten. Deshalb wurde eine Entscheidung unumgänglich. Paulus zog sich aus der Synagoge zurück und sammelte in der Schule des Tyrannus aufrichtig suchende Seelen. Wer sich weiterhin dort einfand, war durch eine Herzensübung gegangen und hatte eine Glaubensprobe bestanden.

Zwei Jahre lang unterredete sich der Apostel alsdann täglich mit diesen Wissbegierigen, so dass alle, die in Kleinasien wohnten, das Wort des Herrn hörten. Gott bediente sich eines Mannes, der bis in den dritten Himmel entrückt worden war und unaussprechliche Worte gehört hatte, welche zu sagen einem Menschen nicht zusteht (2.Kor. 12,1 - 7). Wir lesen überdies, dass Gott in jener Zeit zu Ephesus durch die Hände des Paulus erstaunliche Wunderwerke tat. Krankheiten wichen und böse Geister fuhren aus. «Das Wort des Herrn wuchs mit Macht».

In Apostelgeschichte 20 erinnert Paulus die Ältesten der Versammlung zu Ephesus daran, wie er jahrelang einen jeden von ihnen Tag und Nacht mit Tränen ermahnt hatte. Diese erste Zeit ihres Glaubenslebens hatte die Christen der Stadt geprägt. Wir dürfen annehmen, dass sie eine schöne Stufe geistlichen Verständnisses erworben hatten. Denn wenige Jahre später freut sich der Apostel in seinem Brief an diese Brüder und Schwestern im Herrn mit Lobpreis über «jede geistliche Segnung in den himmlischen Örtern», die sie besassen, und erwähnt den unausforschlichen Reichtum des Christus.

In diesem Zeitpunkt spricht Paulus auch von der Liebe der Epheser (Eph. 1,15) als einem besonderen Gegenstand seiner Danksagung. Diese Liebe galt allen Heiligen, gleichwie Gott uns geliebt und seinen Sohn gegeben hat, auf dass ein jeder; der an ihn glaubt, ewiges Leben habe. Ohne Unterschied, ohne Ansehen der Person, ohne menschliche Vorliebe. Diese Liebe war ein offensichtliches Zeugnis von dem brennenden Herzen dieser Gläubigen für ihren Heiland und für alle Kinder Gottes.

Einen zweiten Brief an die Versammlung zu Ephesus schrieb der Herr durch Johannes auf Patmos, dreissig Jahre später. Eine Generation war dahingegangen. Aber die neue Generation fuhr getreulich fort, für den Herrn Jesus zu arbeiten und bewies Ausharren in mancherlei Übungen. Wie kostbar muss das für den Herrn Jesus gewesen sein, der alle Dinge wahrnimmt und zu schätzen weiss! «Du hast Ausharren und hast getragen um meines Namens willen und bist nicht müde geworden»! (Offb. 2,3) Tragen und nicht müde werden, Woche um Woche, jahrelang - welch ein Zeugnis von Seiten des ewigen Gottes, der nicht lügen kann!

Wenden sich da unsere Gedanken nicht unwillkürlich dem örtlichen Zeugnis zu, welchem wir angehören, und fragen wir uns nicht mit einiger Beklemmung, ob unser Heiland auch also zu uns sprechen könnte? Erfahrene Brüder gehen heim. Bewährte Schwestern, treue Beterinnen ruft Gott in die himmlische Heimat ab. Jüngere Seelen werden sich ihrer Verantwortlichkeit bewusst und treten in die Fussstapfen unserer Väter und Mütter. Wir versuchen, ihren Glauben nachzuahmen (Hebr. 13,7), wie uns die Heilige Schrift dazu ermahnt (Phil. 3,17 oder 1.Kor. 11,1). Tatsächlich findet, was immer wir in Abhängigkeit und Gemeinschaft mit unserem Herrn Jesus tun, seine volle Anerkennung. Er kann und will unwandelbar treu segnen. Mögen die Zeiten auch schwieriger werden, unsere Berufung «würdig zu wandeln», bleibt für jede neue Generation dieselbe. Das schönste Erlebnis bei unserem Bemühen, solch hehre Ziele zu verwirklichen, ist immer wieder, wie Er uns zur Seite steht und hilft!

Doch besteht für jede neue Generation eine besondere Gefahr. Wir können uns viel Mühe geben, dasselbe zu tun wie unsere Väter und Mütter, ohne jedoch von Herzen durch echte Liebe zum Herrn Jesus motiviert zu sein. Das ist der Vorwurf, den die Versammlung zu Ephesus gegen Ende des ersten Jahrhunderts vom Herrn hörte: Du hast deine erste Liebe verlassen!

Paulus schon schrieb von seinem innigen Wunsch, die Epheser möchten in Liebe gewurzelt und gegründet sein (Eph. 3,17). Wurzeln erinnern an Nahrungsaufnahme. Nähren wir uns von der Liebe Christi? Wurzeln erinnern an festen Stand in Sturm und Unwetter. «Meine geliebten Brüder, seid fest, unbeweglich» (1.Kor. 15,58). Kennen wir das, inmitten der verschiedenerlei «Winde der Lehre» (Eph. 4,14), welche auch heute wehen?

Wie in einer Vorahnung dessen, was an seine geliebten Epheser als besondere Versuchung herantreten würde, erwähnt Paulus unter der Leitung des Heiligen Geistes an mehreren Stellen seines Briefes die Bedeutung der Liebe im Christenleben.

Einander ertragen in Liebe (Eph. 4,2)

Es ist dem natürlichen Menschen zuwider, mit Demut und Sanftmut die Einheit des Geistes in Frieden zu bewahren, wie es uns diese Stelle ans Herz legt. Charakter und Temperament sind verschieden. Wenn sich Kinder Gottes nur davon beherrschen lassen, haben sie Mühe, einander zu ertragen. Jeder hat Dinge, die ihm besonders lieb sind und auch solche, die er nicht gut verträgt. Was dem einen besonders erbaulich vorkommt, kann seinem Nachbarn zuwider sein. Nicht nur in Wort und Tat, schon in äusserer Haltung. Aber weil wir belehrt sind, dass wir von unserer Verbundenheit in Christo, wie auch von unserer himmlischen Berufung zeugen sollten, strengen wir uns an, einander zu erdulden. Aber das genügt nicht. Nur die Liebe Gottes, die in unsere Herzen ausgegossen ist, kann das ändern. Einzig von der Liebe beseelt, welche wir an der Person unseres Herrn Jesus wahrnehmen, können wir einander wirklich gottgemäss «ertragen». Wann hast du das letzte Mal wissentlich daran gedacht, wie Er dich ertragen muss und tatsächlich auch erträgt, so wie du bist? Rückt dieses Bewusstsein nicht manche Dinge in ein anderes Licht? Wollen wir es nicht ab heute von dieser Seite her neu versuchen und auf seine Hilfe zählen?

Die Wahrheit festhalten in Liebe (Eph. 4,15)

Wenn wir uns bemühen, die Wahrheit festzuhalten, gleiten wir leicht in eine Gesetzlichkeit hinein, welche dem Herrn Jesus an den Pharisäern so sehr missfallen hat. Denn alles fromme Bemühen, es gottgemäss richtig zu machen, bleibt wertlos ohne die Triebfeder der Liebe. Paulus sagt das in schärfster Formulierung in 1.Korinther 13, Verse 2 und 3: «Wenn ich ... aber nicht Liebe habe, so bin ich nichts». Unser Herr Jesus hat allezeit die Wahrheit festgehalten und vertreten, ohne jedoch auch nur ein einziges Mal der Liebe zu vergessen. Welche Empfindungen regen sich in unseren Herzen, wenn wir überzeugt sind, dass unsere Geschwister die eine oder andere Wahrheit vernachlässigen oder sogar missachten? Mit was für Gedanken und Gefühlen machen wir uns vielleicht auf, um eine Lanze für Dinge zu brechen, welche wir glauben alleine richtig verstanden zu haben? Wie steht es in solchen Situationen in Wirklichkeit um unsere Liebe zum Herrn Jesus, zu seiner Versammlung, zu den Gliedern seines Leibes? Nehmen unsere Brüder und Schwestern wahr, dass nur Liebe der Beweggrund unserer Bemühungen ist?

Das Wachstum des Leibes … zu seiner Selbstauferbauung in Liebe (Eph. 4,16)

Die Versammlung Gottes wird hier als Leib gesehen, in dem jedes Gelenk eine bestimmte Funktion hat und jeder einzelne Teil nach seinem Masse wirkt, damit Wachstum sichtbar wird. Der Ausdruck «Selbstauferbauung» überträgt eine Verantwortlichkeit auf jedes Glied des Leibes. Gewiss, Gott baut ein geistliches Haus aus lebendigen Steinen (1.Petrus 2,4 und 5). «Gottes Bau seid ihr». Wie käme sonst überhaupt irgendetwas zustande? Aber gleichzeitig lässt sich unser wunderbarer Gott und Vater dazu herab, uns zu seinen Mitarbeitern zu machen und einem jeden eine konstruktive Aufgabe anzuvertrauen (1.Kor. 3,9 und 10). Schon unter Menschenkindern ist es unmöglich, einen Bau zu erstellen, ohne dass jeder Mitarbeiter den Willen des Baumeisters achtet und vom Wunsch beseelt ist, nach bestem Wissen zum Gelingen des Werkes beizutragen. Von neuem geboren und Gottes Natur teilhaftig, können Gotteskinder weit über menschliches Verstehen hinaus «aufbauen», weil sie echter Liebe fähig sind. Liebe sucht nicht das Ihrige - sondern das der anderen und das Gemeinsame. Liebe neidet nicht - sondern freut sich über jeden Fortschritt beim Nächsten. Liebe tut nicht gross - sondern sucht das Gedeihen der anderen. Lasst uns 1.Korinther 13 im Zusammenhang mit Epheser 4 lesen und im stillen Kämmerlein darüber nachdenken, in welchem Mass wir tatsächlich unser Teil zum Wachstum des Leibes wirken - aus Liebe.

Wandelt in Liebe (Eph. 5,2)

Aus dieser Stelle scheint für unseren Zusammenhang nur wichtig welchen Massstab und welches Vorbild die Bibel nennt: Gleichwie auch der Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat! Was ist Liebe überhaupt? Sich selbst hingeben für einen anderen. Man spricht schon im Alltag von Personen, die sich aufopfern: Der Mann für seine Familie, die Mutter für ihre Kinder, usw. Wer durch Glauben im Herrn Jesus neues Leben besitzt, ist wahrer, selbstloser Hingabe fähig, wenn er im Geiste wandelt; und wir lieben Ihn in dem Masse, wie wir uns Ihm hingeben. Auch wir können darin durch seine Gnade zu dem Punkt kommen, dass wir mit Paulus sagen können: «Das Leben ist für mich Christus». Und wenn wir die Selbstverleugnung beim Herrn Jesus betrachten, können wir auch verstehen, wie wir gleich Ihm zum Wohle unserer Mitmenschen leben sollten - und in wie viel höherem Ausmass erst für unsere Geschwister im Herrn! Ein Wandel in Liebe ahmt das Vorbild des Eingeborenen vom Vater nach, welcher dessen ganze Wonne ist. Welch eine Freude für das Herz des Vaters, wenn Er seine Kinder inmitten dieser traurigen Welt voller Selbstsucht also leben sieht!

Paulus stellte diese Bilder vor die Seelen der Epheser und begleitete seine Wünsche mit Gebeten, wie wir eines im 3. Kapitel, von Vers 14 an, überliefert finden. Die Bibel schweigt über die dreissig Jahre des Versammlungslebens in Ephesus, die nach dem Brief des Paulus an sie folgten. Jedoch legt der Herr Jesus Wert darauf, uns anhand dieser einst blühenden Versammlung zu zeigen, dass wir immer Gefahr laufen, es an der Liebe zu Ihm und den Seinen fehlen zu lassen.

«Gedenke nun … tue Busse…» (Offb. 2,5)! Hören wir seine Stimme? Sagen wir: Ja, Herr Jesus? Wollen wir von Herzen zu den Überwindern gehören, die durch eine Rückkehr zu brennender Liebe unseren Heiland erfreuen?

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Letzte Änderung am 27.03.2010.