Halte Fest
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Die Väterliche Zucht

Halte fest Jahrgang 1981 - Seite: 244 - Verfasser: Georges André

Dieser Artikel ist unter dem Titel «Wie erzieht uns der Vater?» als Taschenbuch im Beröa-Verlag Zürich erschienen.

Übersicht

Einleitung
Was heisst Züchtigung?
1) Auferziehen, erziehen, unterweisen
2) Zurechtbringen
3) Züchtigen
Um dir am Ende wohlzutun
Hiob - Züchtigung, um das eigene Herz kennenzulernen
1) Der gesegnete Hiob
2) Der geprüfte Hiob (Kapitel 1,13-2)
3) Die drei Freunde
4) Elihu
5) Die Gegenwart Gottes
6) Bekenntnis und Wiederherstellung (Kap. 42)
Züchtigung und Wiederherstellung im Dienst
1) Elia
    a) Der Ginsterstrauch (1.Könige 19,1-9
    b) Horeb (1.Könige 19,9-18)
    c) Wiederherstellung
2) Jona
3) Johannes-Markus
Die Züchtigung in der Familie
1) Eli
2) Elimelech und Noomi (Ruth 1)
3) Abraham
     a) Der Vater
     b) Lot
     c) Hagar
     d) «Meine Schwester»
     e) Isaak
Die persönliche Züchtigung
1) Die freiwillige vorbeugende Zucht (1.Korinther 9,24-27; 1.Thessalonicher 5,6-8)
2) Die Rekabiter (Jeremia 35,1-11.18.19)
3) Die persönliche Züchtigung, wenn man gefehlt hat
Paulus - Die vorbeugende Zucht im Zusammenhang mit dem Dienst
1) Der Dorn
2) Die Verfolgungen (Widerstand von aussen)
3) Die Übungen und Enttäuschungen in den Versammlungen (Widerstand von innen)
4) Verlassenheit und Einsamkeit am Ende seines Lebens
Die Frucht der Züchtigung
Schlussfolgerung

 

«Jede Rebe, die Frucht bringt, die reinigt er, auf dass sie mehr Frucht bringe» (Joh. 15,2).

Einleitung

Dieser Gegenstand scheint auf den ersten Blick eine harte Massnahme zu sein, und doch, wie zeitgemäss ist er. Sehr oft fragen sich Jüngere und Ältere: Warum lässt Gott ein solches Ereignis in meinem Leben zu? Warum bin ich in meinen Examen durchgefallen? Warum ist meine Mutter krank? Warum dieses tiefe Leid?

Auf diese Fragen werden zwei grosse Gruppen von Antworten gegeben: Jene des Schicksalsglaubens, wie wir ihn beim Islam finden. Man behauptet: Es war so bestimmt, es gibt nichts anderes, als es anzunehmen, als sich zu unterziehen; es ist unvermeidlich. Ganz anders lautet die christliche Antwort: «Was willst Du mich lehren, Herr?» Das ist keine passive Resignation, sondern eine bewusste Annahme dessen, was Gott im Leben der Seinen zulässt, damit daraus Frucht zu seiner Ehre hervorkomme. Die Zucht ist ein Element des Werkes Gottes, das Er gegenüber jedem seiner Kinder ausübt, mit einem Endzweck der Gnade, der zu seiner Verherrlichung sein soll: «Jehova wird's für mich vollenden» (Psalm 138,8). «Denn er wird vollenden, was über mich bestimmt ist» (Hiob 23,14). So sagt auch der Apostel: «Der, welcher ein gutes Werk in euch angefangen hat, wird es vollführen bis auf den Tag Jesu Christi» (Phil. 1,6) Und Hebräer 13,21 bestätigt: «In euch schaffend was vor ihm wohlgefällig ist, durch Jesus Christus.»

Römer 8,2.Sagt uns, dass «alle Dinge», nicht nur die angenehmen und leichten, «denen, die Gott lieben, zum Guten mitwirken».

Johannes 15,1.2 spricht vom Vater als vom Weingärtner, der die fruchtbringende Rebe «reinigt, auf dass sie mehr Frucht bringe». Das ist die Frucht, wovon wir in Philipper 1,11 lesen: «Erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus ist, zur Herrlichkeit und zum Preise Gottes.»

Es handelt sich hier nicht um Dienst, um die Ergebnisse einer Tätigkeit für den Herrn, sondern um eine sittliche Frucht, die das göttliche Leben in uns durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes hervorbringt.

Das Thema, das uns beschäftigt, wird uns vor allem in Hebräer 12,5-11 vorgestellt. Es ist wichtig, diesen Abschnitt ganz zu lesen:

«Ihr habt der Ermahnung vergessen, die zu euch als zu Söhnen spricht: ,Mein Sohn! achte nicht gering des Herrn Züchtigung, noch ermatte, wenn du von ihm gestraft wirst; denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er geisselt aber jeden Sohn, den er aufnimmt.' Was ihr erduldet, ist zur Züchtigung: Gott handelt mit euch als mit Söhnen; denn wer ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, welcher alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr denn Bastarde und nicht Söhne. Zudem hatten wir auch unsere Väter nach dem Fleische zu Züchtigem und scheuten sie; sollen wir nicht viel mehr dem Vater der Geister unterwürfig sein und leben? Denn jene freilich züchtigten uns für wenige Tage nach ihrem Gutdünken, er aber zum Nutzen, damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden. Alle Züchtigung aber scheint für die Gegenwart nicht ein Gegenstand der Freude, sondern der Traurigkeit zu sein; hernach aber gibt sie die friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die durch sie geübt sind.»

Was heisst Züchtigung?

Das Wort Züchtigung kommt vom griechischen paideia, das von pais (Kind) abgeleitet ist. Der gleiche Stamm findet sich heute noch in Ausdrücken wie Pädagoge (Erzieher) oder Pädiatrie (Kinderheilkunde).

In der Schrift kann man drei Bedeutungen dieses Wortes unterscheiden:

1) Auferziehen, erziehen, unterweisen

Auf diese Weise erinnert der Apostel Paulus in Apostelgeschichte 22,3, dass er zu den Füssen Gamaliels «auferzogen» worden sei.

In Titus 2,12 finden wir die Gnade, die uns «unterweist». Ihre Wirkung ist nicht eine verstandesmässige Belehrung, sondern eine ganz praktische Bildung in unserem Leben: um die Gottlosigkeit und die weltlichen Lüste zu verleugnen, besonnen und gerecht und gottselig zu leben in dem jetzigen Zeitlauf. Welch eine Erziehung!

Nach 2.Timotheus 2,25 ist es wichtig, die Widersacher in Sanftmut «zurechtzuweisen». Das ist nicht nur eine lehrmässige Unterweisung, sondern umfasst alles, was zu einer Erziehung und Zurechtweisung nötig ist, damit jener, der im Widerspruch zu den Gedanken Gottes ist, dahin zurückgeführt werde, «Seinen Willen zu tun»

Und in 2.Timotheus 3,16 finden wir, dass die Schrift unter anderem nütze ist zur «Unterweisung» in der Gerechtigkeit. Auch dies bezieht sich ganz auf die Praxis.

In Epheser 6,4 begegnen wir dem gleichen Wort. Da werden die Väter ermahnt, die Kinder «aufzuziehen» (nicht einfach aufwachsen zu lassen!) in der «Zucht» und Ermahnung des Herrn. Das ist gewöhnlich die Bedeutung des Wortes Zucht, die nicht nur Erziehung, sondern auch Korrektur miteinschliesst.

2) Zurechtbringen

Diesen Sinn der Zucht stellt uns das Buch der Sprüche an vielen Stellen vor (3,11.12; 29,15; 20,30 usw.): nicht nur Belehrung und Tadel, sondern auch Strafe, die «Rute». Eine solche Züchtigung verursacht Schmerz, Leiden, «Traurigkeit» (Hebr. 12,11). Der Vater muss die Rebe «reinigen», denn es gibt da Dinge, die Er wegnehmen muss. Die Liebe des Vaters, und nicht sein Zorn (Fussnote Hebr. 12,7), ist der Ursprung einer solchen Züchtigung. Hebräer 12 unterstreicht das: «Wen der Herr liebt, den züchtigt er.» Der Vater handelt so mit uns, weil wir seine Söhne sind, nicht damit wir es werden. Und vergessen wir nicht, dass diese väterliche Zucht jeden trifft: «welcher alle teilhaftig geworden sind» (V. 8).

Was ist das Ziel davon? Vers 1.Sagt es uns: «zum Nutzen», und «damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden». Das ist nicht eine Heiligkeit, zu der wir gelangen müssen, sondern jene, zu deren Teilhabern Er uns gemacht hat und die Er uns in unserem Leben hervorzubringen heisst.

Die Väter, die ihre Kinder züchtigen, werden von ihnen gescheut. Wenn wir die kleinen Kinder alles machen lassen, wird sie das bestimmt nicht zu einer Geisteshaltung führen, die sich ihren Eltern gegenüber geziemt. Die Züchtigung des «Vaters der Geister» bewirkt «Unterwürfigkeit» (V. 9). Sie führt uns dazu, wie der Herr Jesus, in Matthäus 11,26, zu sagen: «Ja, Vater ...» Oder wie Er selbst in der dunkelsten und schmerzlichsten Stunde seines Lebens sagte: «Dein Wille geschehe.» Das ist die Belehrung von Römer 12,2: «... dass ihr prüfen möget, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.»

Wenn das Kind Gottes unter der Zucht des Vaters steht, tauchen zwei Gefahren auf: «Achte nicht gering des Herrn Züchtigung!» (V. 5) Die Züchtigung gering achten, heisst, sie nicht beachten, meinen, das sei ja bald vorüber. Es bedeutet auch, sich ihr gegenüber verhärten: Stoizismus, oder sie mit passiver Ergebung annehmen: Fatalismus.

Die andere Gefahr ist, zu «ermatten» (V. 5). Sprüche 24,10 erinnert daran: «Zeigst du dich schlaff am Tage der Drangsal, so ist deine Kraft gering.» Man kann sich, wie ein Prediger sagte, im Wald der «Warum?» verlieren. Man kann auch, wie in Jesaja 40,27, glauben: «Mein Recht entgeht meinem Gott», und meinen, der Herr habe uns vergessen.

Was ist da zu tun? Zuerst den Herrn bitten, dass Er uns von entmutigenden Gedanken befreie. Dann in seinem Wort die Verheissungen suchen, die Er uns im Blick auf schwierige Zeiten gegeben hat. Lasst uns schliesslich die zahlreichen Ermahnungen in der Schrift in Verbindung mit der Prüfung erwägen. Zum Beispiel Daniel 10,19: «Fürchte dich nicht, du vielgeliebter Mann! Friede dir! sei stark, ja, sei stark! Und als er mit mir redete, fühlte ich mich gestärkt.» Oder auch in Jesaja 7,4: «Hüte dich und halte dich ruhig; fürchte dich nicht, und dein Herz verzage nicht.» Erinnern wir uns an die Stimme des Herrn Jesus zu jenen, die im Sturm beim Rudern Not litten: «Seid gutes Mutes, ich bin's; fürchtet euch nicht.» Hebräer 13,5.6 lügt hinzu: «Er hat gesagt: Ich will dich nicht versäumen, noch dich verlassen; so dass wir kühn sagen mögen: Der Herr ist mein Helfer, und ich will mich nicht fürchten; was wird mir ein Mensch tun?» Lesen wir noch Psalm 94,19: «Bei der Menge meiner Gedanken in meinem Innern erfüllten deine Tröstungen meine Seele mit Wonne.» Wenn wir aber die Prüfung nicht aus der Hand unseres Vaters annehmen, wird die Folge Verbitterung sein.

Wie dem auch sei, die Schrift anerkennt, dass die Züchtigung für die Gegenwart ein Gegenstand der Traurigkeit ist, oder wenigstens zu sein scheint. Später gibt sie denen, die durch sie geübt sind, die friedsame Frucht der Gerechtigkeit (Hebr. 12,11). Aber es ist wichtig, «geübt» zu sein, zu forschen, was der Herr uns durch diese Prüfung sagen will, was es in uns gibt, das weggetan, aufgegeben oder gerichtet werden muss. Er wird mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen; denn Er ist treu (1.Kor. 10,13). Aber Er will, dass wir die Dinge ernst nehmen, sie in seiner Gegenwart und in seinem Licht erwägen.

Wie reagieren unsere Herzen auf das Herz des Vaters, der heimsucht, mit dem Wunsch, uns Frucht bringen zu sehen? Können wir Ihm unsere Dankbarkeit für das Ziel, das Er verfolgt, ausdrücken? Wenn aber das Geheimnis der Prüfung bestehen bleibt, dürfen wir uns auf seine Gnade verlassen: «Unter dir sind ewige Arme» (5.Mose 33,27).

Die friedsame Frucht, die aus der Zucht hervorkommt, befähigt uns, andern zu helfen, die ihrerseits erprobt werden: «Darum richtet auf die erschlafften Hände und die gelähmten Knie» (Hebr. 12,12). Nachdem wir die Erfahrung der Treue und Liebe des Vaters gemacht haben, dürfen wir denen zu Hilfe kommen, die den Mut verlieren könnten, während sie an der Reihe sind, durch Leiden zu gehen: «Tröstet die Kleinmütigen» (1.Thess. 5,14; 2.Kor. 1,4).

3) Züchtigen

In gewissen Stellen geht das griechische Wort paideuo wirklich so weit. Zum Beispiel in 1.Korinther 11,32: «Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt, auf dass wir nicht mit der Welt verurteilt werden.» In einem solchen Fall trägt die Zucht den Charakter der Bestrafung, weil etwas Böses vorhanden ist - es mag mehr oder weniger schlimm sein - das man nicht gerichtet hat, sondern im Leben bestehen liess. Diese Züchtigung bliebe uns erspart, wenn wir unsern Fehltritt anerkennten und die Ursachen, die dazu geführt haben, im Selbstgericht verurteilten. Es ist immer noch die Liebe des Herrn, die so züchtigt, damit wir nicht «verurteilt» werden.

Der Gedanke des Selbstgerichts führt David am Ende von Psalm 139 zum Ausruf: «Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz ... und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist!» Am Anfang hiess es: «Du kennst...» (V. 2,3); am Schluss: «erforsche mich»: da begleitet man den göttlichen Blick bis in die Tiefen unseres Herzens. Diese Erfahrung ist manchmal sehr unerquicklich, ja, peinlich. Wir verstehen Hiob, der fragte: «Ist es gut für euch, dass er euch erforsche?» (13,9). Aber bringen uns solche Erfahrungen nicht dahin, «auf ewigem Weg» geleitet zu werden?

In Offenbarung 3,19 lesen wir als letzte Ermahnung des Herrn an Laodicäa, das sich so weit von Ihm entfernt hat: «Ich überführe und züchtige, so viele ich liebe. Sei nun eifrig und tue Busse!»

Nicht jede Prüfung ist eine Züchtigung. Gott geht seine erzieherischen Wege, um zu bilden und zurechtzuweisen, aber immer mit der Absicht, das Gute hervorzubringen und das geistliche Leben bei seinen Kindern zu vertiefen. Andere Prüfungen sind besonders «zur Verherrlichung Gottes». Das war der Fall bei dem Blindgeborenen in Johannes 9,3 und bei Lazarus in Johannes 11,4. In andern Fällen darf gerade durch jene, die durch grosse Leiden zu gehen haben, ein Zeugnis zur Ehre des Herrn abgelegt werden.

Um dir am Ende wohlzutun

Das 8. Kapitel des 5. Buches Mose, insbesondere die Verse 2-6 und 14-17, illustrieren anhand der Geschichte Israels den ganzen Begriff der Züchtigung. Diese Dinge sind zu unserer Ermahnung geschrieben, sagt 1.Korinther 10,11. Es ist also wichtig, sie zu bedenken. Jehova sagte zu seinem Volk: «Du sollst gedenken des ganzen Weges, den Jehova, dein Gott, dich hat wandern lassen ... in der Wüste.» Es gibt besondere Tage im Leben, ein Jahrestag (Hochzeits- oder Geburtstag), das Ende eines Jahres, ein Tag des Alleinseins, an denen wir aufgefordert werden, den Weg, den wir geführt worden sind, zu überdenken. Zwei Arten von Erfahrungen können die zurückgelegte Strecke kennzeichnen:

Einerseits die Prüfungen «um dich zu demütigen, um dich zu versuchen, um zu erkennen, was in deinem Herzen ist»

Anderseits alle Fürsorge der göttlichen Vorsehung: «Er speiste dich mit dem Man... Dein Kleid ist nicht an dir zerfallen, und dein Fuss ist nicht geschwollen... Er brachte dir Wasser aus dem Kieselfelsen hervor.»

Diese väterliche Zucht, wie auch die Wohltaten seiner Vorsehung, haben ein klares Ziel:

  • dass dein Herz sich nicht erhebe (V. 14)
  • dass du Jehovas, deines Gottes, nicht vergessest (V. 11)
  • dass du nicht in deinem Herzen sprechest: Meine Kraft und die Stärke meiner Hand hat mir dieses Vermögen geschafft! (V. 17)

Ein anderes Ziel der Prüfung wird in Vers 3 unterstrichen: «Er liess dich hungern ... um dir kundzutun dass der Mensch von allem lebt, was aus dem Munde Jehovas hervorgeht.» Hunger zu haben schliesst eine Unzufriedenheit, ein Missbehagen, ein Bedürfnis mit ein, das Gott zulässt, um uns spüren zu lassen, dass allein die geistlichen Dinge diesen «Hunger» stillen können. Das ist die Erfahrung von 2.Korinther 4,16-18: «Deshalb ermatten wir nicht ... indem wir nicht das anschauen, was man sieht, sondern das, was man nicht sieht; denn das ... was man sieht, ist ewig.»

Die Schlussfolgerung des ganzen Kapitels ist in unserem Untertitel enthalten: «Damit er dir wohltue an deinem Ende» (V. 16). Die Demütigung, die Erprobung, der Hunger hatten nichts anderes zum Ziel, als das Werk, das Gott in den Herzen begonnen hatte, zur Vollendung zu führen. Der Psalmist konnte es bezeugen: «Es ist gut für mich, dass ich gedemütigt ward» (Ps. 119,71). «Gott, der es für mich vollendet» (Ps. 57,2). Der Stab des Hirten (um das Schaf, das abirrt, zurückzuführen), ist er in seiner Hand nicht ein Gerät des Trostes?

Wir werden nun versuchen, diese Züchtigung anhand verschiedener biblischer Beispiele zu illustrieren. Wir werden im besonderen folgende Seiten betrachten:

  • Hiob: Die Züchtigung um sein eigenes Herz zu erkennen
  • Elia - Jona - Johannes Markus: Die Züchtigung und die Wiederherstellung zum Dienst
  • Eli - Elimelech und Noomi - Abraham: Die Züchtigung in der Familie
  • Die Rekabiter (Jer. 35): Die persönliche Züchtigung, unterstrichen durch 1.Korinther 9,24-27 und 1.Korinther 11,31.32
  • Paulus: Die vorbeugende Züchtigung, in Verbindung mit dem Dienst

Hiob - Züchtigung, um das eigene Herz kennenzulernen

Eines der Ziele des Weges durch die Wüste war, dass das Volk lerne, «zu erkennen, was in seinem Herzen ist» (5.Mose 8,2). Gott allein ergründet dieses Herz wirklich: «Arglistig ist das Herz, mehr als alles, und verderbt ist es; wer mag es kennen? Ich, Jehova, erforsche das Herz und prüfe die Nieren, und zwar um einem jeden zu geben nach seinen Wegen» (Jer. 17,9.10). Deshalb bittet der Psalmist Gott, sein Herz zu erforschen und seine Gedanken zu erkennen, damit der Weg der Mühsal, der sich bei ihm finden könnte, dem ewigen Weg Platz mache.

Das war die Erfahrung Hiskias, als Gott ihn auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn verliess, «um ihn zu versuchen, damit er alles erkännte, was in seinem Herzen war» (2.Chr. 32,31). Vor allem aber war dies die Erfahrung Hiobs. Das Wort Gottes verwendet ein ganzes Buch, um uns zu belehren, dass die Selbstzufriedenheit (Hiob 33,9) einerseits dem Selbstgericht und andererseits dem Vertrauen auf die Gnade Platz machen muss (42,6).

Halten wir von Anfang an fest: Die Züchtigung, welcher Hiob unterworfen wurde, war keine Strafe, wie seine Freunde fälschlicherweise geglaubt haben. Gott hat sie benützt, um die Selbstgerechtigkeit, die sich in seinem Herzen verbarg, blosszustellen. Das war das einzige Mittel, um ihn zu wahrem Segen zu führen. Wenn Jakobus von Hiob spricht, sagt er: «Das Ende des Herrn habt ihr gesehen, dass der Herr voll innigen Mitgefühls und barmherzig ist.»

1) Der gesegnete Hiob

Die Schrift sagt wiederholt, dass Hiob ein vollkommener, rechtschaffener und gottesfürchtiger Mann war, der das Böse mied. Jehova selbst nennt ihn «mein Knecht». Er war in seiner Familie gesegnet: Seine sieben Söhne und seine drei Töchter scheinen untereinander ein gutes Einvernehmen gehabt zu haben. Er hatte Erfolg in seinen Unternehmungen: Sein Vieh vermehrte sich und sein Ackerbau war ertragreich. Sein moralisches Leben war vorbildlich: Er war treu; er nahm sich der Waise und der Witwe an; er war gastfrei. Er war zudem ein geachteter Mann (29,7ff).

Was fehlte also diesem Patriarchen noch? Sogar in der Prüfung schrieb er Gott nichts Ungereimtes zu, er sündigte nicht mit seinen Lippen. Er bewahrte seine «Vollkommenheit», aber er war sich ihrer zu sehr bewusst: «An meiner Gerechtigkeit halte ich fest und werde sie nicht fahren lassen: mein Herz schmäht nicht einen von meinen Tagen» (27,6)! Und weiter: «Ich bin rein, ohne Übertretung; ich bin makellos, und keine Ungerechtigkeit ist an mir» (33,9).

Von seinen Kindern sagte Hiob: «Vielleicht haben sie gesündigt und sich in ihrem Herzen von Gott losgesagt» (1,5). Das brachte ihn aber nicht auf den Gedanken, dass er selbst gegen Gott reden könnte.

Wie wird Jehova sich nun der Sache annehmen, um Hiob dahin zu führen, den Grund seines Herzens kennenzulernen? Das ist das Thema des ganzen Buches. 39 Kapitel sind viel mehr, als was es brauchte, um uns das Leben Abrahams oder Josephs vorzustellen!

2) Der geprüfte Hiob (Kapitel 1,13-2)

Die Prüfungen brechen über Hiob herein. Er wird aller seiner Güter beraubt. Er wird durch den Tod seiner zehn Kinder in seinen väterlichen Gefühlen aufs tiefste getroffen. Aber seine Haltung bleibt bemerkenswert: «Jehova hat gegeben, und Jehova hat genommen, der Name Jehovas sei gepriesen!»

Dann wird drin seinem Körper getroffen, Krankheit befällt ihn, «böse Geschwüre, von seiner Fusssohle bis zu seinem Scheitel». Der Feind bedient sich seiner Frau, um ihn zu veranlassen, sich von Gott loszusagen. Aber Hiob bleibt standhaft und sündigt nicht mit seinen Lippen.

Es handelt sich nicht um eine Folge tragischer Unglücke, um eine Anhäufung von Missgeschicken. Nein, das Wort zeigt uns, dass Gott alles lenkte. Nachdem das Jenseits unsern Augen ein wenig enthüllt ist, sehen wir, dass Er es ist, der die Aufmerksamkeit Satans auf Hiob lenkt, aber gleichzeitig der Macht des Feindes Grenzen setzt (1.Kor. 10,13). Wird Hiob trotz allem, was an seinem innern Wesen zutage kommt, Gott verherrlichen gegenüber Satan? In 1.Korinther 4,9 sind die Apostel selbst den Engeln ein Schauspiel geworden, ein Zeugnis ihres Glaubens zur Verherrlichung Gottes, wie es auch die drei jungen Hebräer in dem Feuerofen waren.

Satan ist «der Verkläger der Brüder» (Offb. 12,10). Frist unser «Widersacher» (1.Petr. 5,8). Er fordert Gott gegen Hiob heraus (1,9-11; 2,4.5). Er «reizte» David an, das Volk zu zählen (1.Chr. 21,1). Er «widersteht» dem Hohenpriester Josua (Sach. 3,1); er «begehrt» Simon Petrus «zu sichten» (Luk. 22,31). Und dennoch ist er nur ein Mittel in der Hand des Herrn; er verschwindet am Ende der Prüfung und lässt den Gläubigen vor Gott: Hiob in Kapitel 42, David auf der Tenne Ornans, Josua bekleidet mit Feierkleidern, Petrus vollkommen wiederhergestellt.

Aber wenn der Widersacher in dem Herzen Raum gewonnen hat, lässt er seine Beute nicht mehr los. So war es bei Judas (Joh. 13,27) oder bei Ananias (Apg. 5,3).

Gott hatte Paulus «einen Engel Satans gegeben, auf dass er ihn mit Fäusten schlage»; und trotzdem wurde durch die Wirksamkeit der göttlichen Gnade seine Gemeinschaft mit Gott während seines ganzen Lebens aufrechterhalten (2.Kor. 12,7).

Die Reaktion Hiobs auf die Prüfung ist bemerkenswert; aber seine Geschichte konnte nicht hier beendet werden. Gott wollte ihn doppelt segnen, sich ihm offenbaren, seine Gnade bekunden und dieser unruhigen Seele wahre Ruhe geben (3,25.26). Hiob war ein auserlesener Mann, eine einsame Seele, mit der sich Gott in Gnade beschäftigte, ausserhalb des auserwählten Volkes, um ihn zu bilden und näher zu sich zu ziehen.

3) Die drei Freunde

Die Frau Hiobs trieb ihn an, sich von Gott loszusagen. Seine Freunde trafen sich, um «ihm ihr Beileid zu bezeugen und ihn zu trösten». Trotz all ihrer guten Absichten, trieben sie ihn bis zum Äussersten. Sie gingen überhaupt nicht auf den Plan Gottes ein, und indem sie sich auf ihren Standpunkt versteiften, verfingen sie sich immer mehr in ihre irrigen Behauptungen.

Welch ein Beispiel, geeignet, um uns vorsichtig zu machen, wenn wir Freunde, die in einer Prüfung sind, besuchen! Man ist leicht geneigt zu richten, anstatt zurückhaltend zu sein in der Beurteilung der Beweggründe für die Züchtigung, die Gott bei unserem Bruder zulässt. Wie nötig ist es, sich Schritt für Schritt und Wort für Wort durch den Geist Gottes leiten zu lassen! Zuerst lange zuhören, und dann, im Aufblick zum Herrn, die Schrift öffnen.

Die Freunde kamen, um Hiob ihr Beileid zu bezeugen, ihn zu veranlassen, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Das ist eine Schlinge. Wenn jemand in einer Prüfung ist, geht es nicht darum, ihn zu bemitleiden und vielleicht in seine «Warum» miteinzustimmen, sondern vielmehr, wie es in der Folge die Brüder und Schwestern Hiobs getan haben, mitzufühlen und vor allem seine Gedanken und sein Herz auf Gott hinzulenken, nach der Art von Elihu.

Nachdem die Freunde laut geweint, ihre Gewänder zerrissen und Staub auf ihre Häupter gestreut hatten, blieben sie während sieben Tagen und sieben Nächten stumm im Anblick dieses erniedrigenden Elends. «Sie sahen, dass der Schmerz sehr gross war.»

In Gegenwart des mit Vorwürfen beladenen Schweigens kann sich Hiob nicht mehr zurückhalten (Kap. 3 und ff.). Warum? warum? warum? Er sträubt sich nicht gegen die Umstände; er nimmt sie aus der Hand Gottes an. Aber er wehrt sich gegen die Beweggründe dieser Prüfung, die er nicht ergründen kann und ungerecht findet. Das ist der Grund seiner Qual und seiner «Warum».

29 Kapitel stellen uns Hiob und seine Freunde vor, wie sie sich aussprechen, diskutieren, mit Worten streiten. Die drei sagen und wiederholen es: Gott straft dich, weil du gesündigt hast. Hiob entgegnet: Ich bin rein, ich habe keine Ungerechtigkeit verübt. Zum Äussersten getrieben, klagt er Gott an: Er ist ungerecht, er fügt zu meiner Missetat hinzu (14,17).

Der Ton des Wortstreites steigert und verschlimmert sich, indem er diese Selbstgerechtigkeit, diese Selbstzufriedenheit, diesen geistlichen Hochmut, die in der Tiefe des Herzens Hiobs waren, ans Licht bringt. Er erinnert an alle seine guten Taten und an all das Böse, das er zu meiden wusste. Er meint, Gott strafe ihn zu Unrecht und verlangt, mit Ihm sprechen zu können: «Ich würde ihm kundtun die Zahl meiner Schritte, würde ihm nahen wie ein Fürst.» (31,37).

Nach diesem langen, scheinbar nutzlosen Wortgefecht drängt sich eine einzige Schlussfolgerung auf: «Die Worte Hiobs sind zu Ende» (31,40). Das ist der erste Schritt zur Wiederherstellung: stille werden.

4) Elihu

Während den langen Unterredungen Hiobs mit seinen Freunden hörte der viel jüngere Elihu zu (32,11.12). Seine Charakterzüge sind Geduld, Bescheidenheit, Demut; er streitet nicht; er schmeichelt nicht; er ist nicht voreingenommen, aber von einem Geist der Aufrichtigkeit beseelt. Er zeigt keine Selbstgefälligkeit, sondern weis sich auf das Niveau des Armen, der leidet, zu stellen (33,6.7). Welch ein schönes Bild unseres Heilandes, der als Mensch unter die Menschen gekommen ist, indem Er sich erniedrigte, um in unserer Mitte wie der Dienende zu sein (Luk. 22,27)

Elihu stellt die Gnade vor, aber auch die Wahrheit. Er sagt Hiob ohne Umschweife, was seine Fehler sind: sich für gerecht halten (33,9) und Gott anklagen (33,10.11; 34,5). Aber er konzentriert die Gedanken des Patriarchen nicht auf ihn selbst; er stellt ihn vor den Herrn.

Der junge Mann unterstreicht die Grösse Gottes (33,12), der für sein Tun keine Rechenschaft abzulegen hat (V. 13), der nicht ungerecht ist, sondern das wirklich Gute der Seinen will (V. 14-30.).

So muss Hiob stillschweigen, nachdenken, aufhören zu streiten und anzufechten. Elihu warnt ihn, dass er vom rechten Weg abgekommen sei. Der Herr lässt die Züchtigung zu, um den Menschen zu seiner Geradheit, d.h. zur Erkenntnis und zum Selbstgericht zu führen, was der einzige Weg des Segens und der Erkenntnis der Gnade ist. Aber er ist sich bewusst, dass Gott allein «ihn aus dem Felde schlagen wird, nicht ein Mensch» (32,13).

Elihu unterstreicht von neuem das Ziel dieser Züchtigung: den Gläubigen dahin zu führen, seine Übertretungen, die gross geworden sind, anzuerkennen und von der Ungerechtigkeit umzukehren (36,8 ff). Zwei Ergebnisse können hervorgebracht werden: Hören, sich unterwerfen (V. 11) und den Segen finden; oder nicht hören und ins Unglück rennen (V. 12).

Am Schluss seiner Reden vergleicht Elihu diese Züchtigung mit den Wolken und dem Gewitter, die Gott im Leben der Seinen zulässt: «Er beladet mit Wasserfülle das Gewölk... seine Blitzwolken. Und unter seiner Leitung wenden sie sich ringsumher zu ihrem Werke... sei es dass er sie zur Geissel, oder für seine Erde, oder zur Erweisung seiner Gnade sich entladen lässt» (37,11-13). Unter der Wirkung des Unwetters, der Züchtigung, «erzittert das Herz und bebt auf von seiner Stelle». «Jetzt sieht man das Licht nicht, welches leuchtet am Himmelsgewölbe.» Aber das Ziel der Züchtigung ist Segen: «ein Wind fährt daher und reinigt dasselbe» (37,1.21).

5) Die Gegenwart Gottes

Während 29 Kapiteln haben Hiob und seine Freunde diskutiert und gestritten. In sechs Kapiteln hat Elihu von der Seite Gottes her gesprochen. Jehova genügen vier Kapitel, um das Werk, das Er in diesem Herzen verfolgt, zu vollenden: «Wer ist ein Lehrer wie er?» (36,22).

Hiob hatte gesagt: «Der Allmächtige antworte mir!» Gott lässt sich dazu herab. Er überhäuft seinen Knecht nicht mit schweren, aber gerechtfertigten Vorwürfen. Er nimmt den Platz eines Schülers ein: «Ich will dich fragen, und du belehre mich!» (38,3; 40,2). Er stellt Hiob zahlreiche Fragen. Keine einzige kann er beantworten.

«Wo warst du, als ich die Erde gründete?» (38,4). Von der ersten Frage an gerät Hiob in Verlegenheit. Als Jehova doch darauf beharrt: «Der da Gott zurechtweist, antworte darauf 1» (39,32), kann Hiob nur sagen: «Siehe, zu gering bin ich, was soll ich dir erwidern? Ich lege meine Hand auf meinen Mund. Einmal habe ich geredet, und ich will nicht mehr antworten, und zweimal, und ich will es nicht mehr tun.» Es war gut, dass er schwieg, aber Jehova wollte seinen Knecht weiterführen, bis zu einem vollständigen Eingeständnis und zum Selbstgericht. Deshalb muss Er wiederholen: «Ich will dich fragen, und du belehre mich! Willst du .... mich verdammen, damit du gerecht seiest?»

Er lässt verschiedene seiner Geschöpfe an ihm vorüberziehen und schliesst mit dem Leviathan, dem Krokodil, hinter dessen poetischer Beschreibung man die Macht Satans erkennen kann, dieses Feindes, den der Mensch nicht besiegen kann. «Gedenke des Kampfes, tue es nicht wieder!» (40,27).

Tatsächlich wollte der Herr den Hiob nicht nur lehren zu schweigen, sondern ihn in Verbindung und in Gemeinschaft mit Ihm bringen. Vor der Grösse des Allmächtigen fühlte er sein Nichts und den Abgrund, wohin ihn sein Eigensinn geführt hatte. Wie steht es damit bei uns, die nicht nur die Offenbarung des Schöpfers, sondern auch die «des eingeborenen Sohnes, der in des Vaters Schoss ist und ihn kundgemacht hat», besitzen? Je besser wir uns kennenlernen und uns von uns selbst wegwenden, um so mehr werden wir Ihn und sein Herz erkennen (Phil. 3,7-10).

6) Bekenntnis und Wiederherstellung (Kap. 42)

Hunderte von Versen berichten uns, wie Hiob sich gewehrt, Gott angeklagt und sich gerechtfertigt hatte. Fünf Verse genügen, um das Bekenntnis mitzuteilen, das ihm den Weg zum Segen öffnete.

«Ich weis, dass du alles vermagst, und kein Vorhaben dir verwehrt werden kann» (V. 2). Vor die Macht des Feindes gestellt, muss Hiob anerkennen, dass die Macht Gottes die einzige ist, bei der er Zuflucht nehmen kann.

Aber er muss Ihm auch seine Unwissenheit eingestehen: «So habe ich denn beurteilt was ich nicht verstand, Dinge, zu wunderbar für mich, die ich nicht kannte.» Er hatte sich eingebildet, alles zu unterscheiden, alles zu kennen; in der Gegenwart Gottes musste er feststellen, dass er nichts wusste. Wie leicht geschieht es, dass wir uns über Dinge auslassen, die zu wunderbar für uns sind, wo uns doch ein wenig mehr Demut geziemte!

Welches ist die Schlussfolgerung Hiobs? «Höre doch, und ich will reden; ich will dich fragen, und du belehre mich!» In der Stille und in der Gegenwart Gottes zuzuhören und zu lernen; sich zurechtweisen, belehren und formen zu lassen, ist dies nicht das Teil, das uns nottut, das wir in der Abgeschiedenheit, allein mit Ihm, oft aufsuchen sollten?

Aber es handelt sich nicht nur darum, zu hören: «Mit dem Gehör des Ohres hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen.» Das redet von einer persönlichen und tiefen Erfahrung der Seele, im Verborgenen mit ihrem Herrn. Denken wir nur an das Gesicht des jungen Jesaja, das sein ganzes Leben bestimmte (Jesaja 6); oder an die Vision, die Paulus an gleicher Stelle (im wiederaufgebauten Tempel) hatte, als er die Stimme hörte, die zu ihm sagte: «Gehe hin, denn ich werde dich weit weg zu den Nationen senden» (Apg. 22,17-21).

Hiob, der gewagt hatte zu sagen: «Mein Herz schmäht nicht einen von meinen Tagen», erklärt: «Darum verabscheue ich mich und bereue in Staub und Asche.» Er kennt jetzt sein eigenes Herz, aber vor allem Gott und seine Gnade, «das Ende des Herrn... voll innigen Mitgefühls und barmherzig» (Jak. 5,11).

Der Segen beginnt sich über den Patriarchen auszugiessen, der endlich an dem Punkt angelangt ist, wo Gott ihn haben wollte: Er anerkennt seine Grösse und Liebe, ist sich seines eigenen Elends bewusst und vertraut sich der Gnade an. Eine Sache muss noch stattfinden: seinen Freunden vergeben. Hiob betet für sie. «Und Jehova wendete die Gefangenschaft Hiobs, als er für seine Freunde betete.» Sie hatten ihn bis zum Äussersten getrieben und in einer nicht geziemenden Weise gesprochen. Sie hatten Jehova unterstellt, eine Strafe über ihren Gefährten gebracht zu haben. Welch eine Aufforderung zur Vorsicht in unseren Urteilen! Lukas 6,36.37 erinnert uns daran: «Seid nun barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist ... verurteilt nicht, und ihr werdet nicht verurteilt werden.» Die drei Männer müssen auch die gleiche Lektion lernen, wie ihr Freund, und darauf eingehen, ein Brandopfer zu opfern, um in den Genuss der gleichen Sühnung zu kommen (33,24), die Hiob in den Augen Gottes «annehmbar» gemacht hat (42,8).

Jehova gibt Hiob das Doppelte von allem, was er gehabt hatte ... ausser den Kindern. In der Tat, alles Vieh ging damals verloren, nicht aber die Kinder. Sie sind zu Gott aufgenommen worden, sie, für die ihr Vater das Opfer dargebracht hatte. Sie erwarten den Tag der Auferstehung, wovon der Patriarch sagen konnte: «Und ist nach meiner Haut dieses da zerstört, so werde ich aus meinem Fleische Gott anschauen, welchen ich selbst mir anschauen, und den meine Augen sehen werden, und kein anderer» (19,26.27).

Züchtigung und Wiederherstellung im Dienst

Der Dienst des Herrn setzt uns manchen Schlingen und Gefahren aus. Das Leben der drei obengenannten Männer ist ein Beispiel dafür. Der Dienst des Elia wurde durch geistlichen Hochmut unterbrochen: «Ich allein bin übriggeblieben.» Derjenige des Jona wurde durch die Sorge um sein persönliches Ansehen gehemmt. Johannes-Markus hat das Werk aus Furcht vor Hindernissen und Leiden im Stich gelassen.

Aber die Treue des Vaters will seine Diener durch Züchtigung von der Schlinge befreien, in die sie gefallen sind, und sie wiederherstellen.

Ist es nicht unsere Aufgabe, für die Diener des Herrn zu beten, in besonderer Weise, wenn sie den Anstrengungen Satans ausgesetzt sind, um sie in ihrem Lauf aufzuhalten? («der Fallstrick des Teufels» 1.Tim. 3,7).

1) Elia

Der ganze Dienst des Propheten ist durch die Worte gekennzeichnet: «Jehova, vor dessen Angesicht ich stehe», die im ersten Teil seiner Laufbahn mehrfach wiederholt werden. Diese Gemeinschaft mit Gott ist eines der Geheimnisse seines Lebens. - Das zweite ist, dass er ein Mann des Gebets war. Jakobus 5,1.Sagt uns, dass «er ernstlich betete, dass es nicht regnen möge». War dies nicht seine wesentliche Beschäftigung am Bach Krith? Um den Sohn der Witwe von Sarepta aufzuerwecken, betete er (1.Könige 17,20.21). Beim Altar auf dem Karmel flehte er öffentlich zu Jehova: «Antworte mir, Jehova, antworte mir, damit dieses Volk wisse, dass du, Jehova, Gott bist.» Als das Volk sich gedemütigt hatte und es darum ging, von neuem regnen zu lassen, «stieg Elia auf den Gipfel des Karmel; und er beugte sich zur Erde und tat sein Angesicht zwischen seine Knie», siebenmal. - Das dritte Geheimnis eines gesegneten Dienstes: Abhängigkeit, Unterwürfigkeit kennzeichneten sein Leben, jedesmal wenn Gott zu ihm sagte: «Gehe!» (1.Kön. 17,3.9; 18,1; 19,15).

Elia ist ein Werkzeug der Züchtigung Gottes über sein Volk, um es zu Ihm zurückzuführen. Diese Zucht wirkt sich zuerst während der Jahre der Dürre aus und triumphiert dann auf dem Berg Karmel, in der Auseinandersetzung zwischen dem Propheten Jehovas und den Propheten des Baal.

Elia leidet mit dem Volk Gottes. Sein Glaube wird zuerst in der Einsamkeit am Bach Krith geübt, und dann in der Einfachheit zu Sarepta. Zur Zeit des Sieges auf dem Karmel muss er ganz allein den 450 Propheten des Baal, den 400 Propheten der Aschera, dem König selbst und all seiner Macht gegenüberstehen. Er erklärt dem Volk: «Ich allein bin übriggeblieben, ein Prophet Jehovas, und der Propheten des Baal sind 450 Mann» (1.Kön. 18,22). Es war so, wie es einst bei Josua und Kaleb gewesen war, welche allein den zehn Kundschaftern gegenüberstanden, die das Land in Verruf brachten, und allein ganz Israel gegenüber, das wehklagte. Aber welch ein Unterschied! Jene zwei haben mit dem Volk gelitten, als sie es auf der ganzen Wüstenreise begleiteten. Das war für sie eine Schule, eine Ausbildung, eine Vorbereitung für die Aufgabe, zu der Gott sie rief. Eine ganz andere Züchtigung erwartete Elia.

Im Herzen des Propheten hatte eine Wurzel der Bitterkeit gekeimt: «Ich allein». Das drückte Selbstgefälligkeit, Enttäuschung über einen scheinbar fruchtlosen Dienst und schliesslich Hochmut aus. Welch ein Gegensatz zu Dem, der sagen konnte: «Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.» Daher war die Züchtigung Gottes nötig, um das Herz seines Dieners blosszulegen und ihn wiederherzustellen.

a) Der Ginsterstrauch (1.Könige 19,1-9)

Nach der Spannung auf dem Karmel hätte Elia sich beeilen sollen, die Stille aufzusuchen. Die körperliche und geistige Ermüdung verlangte diese Ruhe. Es ist für einen Diener des Herrn gefährlich, einen grossen Triumph errungen zu haben, ein schönes Ergebnis in einer Reihe von Zusammenkünften, den Beifall der Massen! ... Er muss sich wieder, abseits in der Stille, allein bei Gott einfinden, damit der innere Mensch wirklich erneuert werde.

Elia zog sich nicht freiwillig zurück, er wurde durch die Drohungen Isebels dazu gezwungen. Eine lange Reise von etwa 180 km, ein Unternehmen ohne Gebet, führte ihn in den Süden des Landes, unerreichbar für die Königin. Aber er flüchtet noch weiter, eine Tagereise weit in die Wüste. Zuletzt setzt er sich unter einen Ginsterstrauch und bittet um seinen Tod: «Es ist genug; nimm nun, Jehova, meine Seele, denn ich bin nicht besser als meine Väter.» Hatte er gemeint, es zu sein? Das war der Fallstrick, über den auch Petrus strauchelte: «Wenn sich auch alle ärgern werden, ich aber nicht» (Mark. 14,29).

Die Laufbahn des Propheten scheint beendet zu sein. Er ist der Entmutigung unterlegen, er denkt an nichts anderes als an den Tod. Er legt sich nieder und schläft ein. Aber die Gnade Gottes, die väterliche Zucht, greift ein. Am Bach Krith brachten die Raben Brot und Fleisch; in der Wüste musste ein Engel ihm Nahrung bringen und vor allem ihn leiten.

Zu zwei wiederholten Malen berührte ihn der himmlische Bote und sprach zu ihm: «Stehe auf, iss!» Elia blickte hin, und siehe, da lag zu seinen Häupten ein Kuchen, auf heissen Steinen gebacken, und ein Krug Wasser. Einst wurde ein solcher Kuchen im Heiligtum dargebracht, ein Bild der Leiden des Christus; jetzt in der Wüste, fern vom Tempel, fern vom Opferaltar, war er da, um die Seele des Propheten zu stärken und ihm Kraft zu geben, einen Weg zu durchlaufen, «der zu weit für ihn war». Nach vierzig Tagen und vierzig Nächten erreichte Elia in der Kraft dieser Speise den Berg Gottes, die Gegenwart Jehovas. Der Herr wollte ihn zuerst an seinem inneren Menschen stärken, vor diesem denkwürdigen Zusammentreffen, wo er Ihm von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen würde.

Für Hiob waren Monate des Elends nötig, um sein Herz blosszulegen und ihn in die Gegenwart Gottes zu führen. Für Elia waren anderthalb Monate nötig. Für Jona drei Tage und drei Nächte in der Tiefe des Meeres. Wie lang die Zeit auch sei, sie scheint lang, wenn die Seele nicht die Gemeinschaft ihres Herrn geniesst.

b) Horeb (1.Könige 19,9-18)

In der Einsamkeit des Berges Gottes, vielleicht in der Höhle, in der Mose verborgen wurde, als Jehova an ihm vorüberging (2.Mose 33,22), richtet sich das göttliche Wort an den entmutigten Diener: «Was tust du hier, Elia?»

Darauf enthüllt der Prophet die Bitterkeit seines Herzens. Er klagt das Volk an: «Die Kinder Israel haben deinen Bund verlassen, deine Altäre niedergerissen und deine Propheten mit dem Schwerte getötet ... und sie trachten danach, mir das Leben zu nehmen.» Römer 11,2-4 erinnert an diese Begebenheit - einer der wenigen Fehler von Männern Gottes des Alten Testamentes, von denen im Neuen berichtet wird: Er trat vor Gott wider Israel auf! Welch ein Gegensatz zu Mose, der auf dem gleichen Berg, in viel ernsteren Umständen, für das schuldige Volk eintrat, und sogar wünschte, sich als Lösegeld für die Schuldigen dahinzugeben [Siehe «Mose, der Mann Gottes» Broschüre von G. André oder «Halte fest» 1964]

Elia begnügte sich nicht damit, die andern anzuklagen, er rechtfertigte auch sich selbst. Der ganze geistliche Hochmut seines Herzens offenbart sich in den Worten: «Ich habe sehr geeifert für Jehova, den Gott der Heerscharen ... ich allein bin übriggeblieben.»

Jehova lässt seine ganze Macht im Gericht an ihm vorübergehen: der grosse und starke Wind, das Erdbeben, das Feuer - aber Jehova ist nicht in diesen Dingen. Nun kommt der Ton eines leisen Säuselns, den Mose am gleichen Ort gehört hatte; es ist die Stimme der Gnade, die dem Propheten unbekannt ist. Die Frage wird wiederholt: «Was tust du hier?» Elia wiederholt seine Anklagen und seine Lobrede noch einmal. Er hat noch nicht verstanden, was Gott ihm sagen will. Die Züchtigung hat ihre Frucht nicht gebracht. Die Stimme Jehovas muss ihm daher wie einst zu Hagar sagen (1.Mose 16,9): «Gehe, kehre zurück» (V. 20).

Kehre auf dem Weg zurück, auf dem du gekommen bist. Du hast geglaubt, der einzige Prophet zu sein! Ich habe einen andern Propheten zur Verfügung, ich habe dich nicht mehr nötig. Du sollst Elisa, den Sohn Saphats, «zum Propheten salben an deiner Statt». - Du hast geglaubt, der einzige Treue zu sein. Nun, ich habe «siebentausend in Israel übriggelassen, alle die Knie, die sich nicht vor dem Baal gebeugt haben».

Was wird die Reaktion Elias sein? Wird er sich ganz als auf die Seite gestellt betrachten und, entmutigt, seine Tage in Eintönigkeit verbringen, bis das Grab sich für ihn öffnet? Nein, die Zucht wird ihre Früchte tragen.

c) Wiederherstellung

Ohne zu zögern, geht Elia zurück und findet Elisa. Er kommt zu ihm «und wirft seinen Mantel auf ihn». Ohne irgendwelche Eifersucht legt er in gewissem Sinn seine Funktion als Prophet nieder und überträgt sie auf Elisa. Der junge Mann will ihm nachfolgen, aber Elia antwortet darauf: «Gehe, kehre zurück!», d. h. ich habe dich nicht gebeten, mir zu folgen. Aber Elisa macht sich auf, folgt seinem Meister nach und dient ihm in Demut, indem er Wasser auf seine Hände giesst (2.Kön. 3,11). Er wird durch den grossen Propheten Israels ausgebildet. Zum Zeitpunkt Gottes hebt er den Mantel wieder auf, der in seiner Jugendzeit auf seine Schultern gelegt worden war (2.Kön. 2,13).

Elia kann aber noch das Werkzeug Gottes sein, ein Werkzeug voll geistlicher Energie, um Ahab das Gericht anzukündigen, das ihn wegen seines Verhaltens gegenüber Naboth erreichen wird. Das Wort Jehovas wird so kraftvoll vorgestellt, dass Ahab sich demütigt und selbst die Erfahrung der Gnade macht (1.Kön. 21,27-29). Diese geistliche Energie zeigt sich auch gegenüber Ahasja, dem Sohn Ahabs, dem der Prophet furchtlos seine Gottlosigkeit vorstellt, die ihn dazu geführt hat, Baal-Sebub zu befragen, wie wenn es in Israel keinen Gott gäbe, dessen Wort man befragen könnte (2.Kön. 1,16).

Schliesslich kommt der Triumph des Dieners. Nachdem er die ganze Geschichte Israels zurückverfolgt hat, von Gilgal nach Bethel, von Bethel nach Jericho, dann über den Jordan, geht er nicht durch den Tod, sondern wird in einem Wagen von Feuer zum Himmel gefahren. Das war die göttliche Anerkennung des Dienstes, des langen Dienstes seines Propheten.

2) Jona

In ihm sehen wir die eigenartige Persönlichkeit eines Mannes, dem sein eigener Ruf als Prophet (2.Kön. 14,25) wichtiger war als der Gehorsam gegenüber dem Gebot Gottes. Er entzog sich dem göttlichen Auftrag, weil er befürchtete, dass er zur Busse führen könnte, wodurch seine Prophezeiung des Gerichts für falsch erklärt würde. In der Tat, wenn Gott den Niniviten Gnade erwiese, obwohl Jona den Untergang der Stadt angekündigt hatte, würde jeder sagen, dass seine Voraussage falsch war.

Anstatt dem Ruf zu folgen, flieht er vor Jehova. Er geht nach Japho hinab, begibt sich in ein Schiff und steigt dann in den unteren Schiffsraum hinab, wo er sich hinlegt und in «einen tiefen Schlaf sinkt». Welch ein Ort für einen Propheten Jehovas! In der Folge muss sich die Züchtigung daher an ihm auswirken. Er wird zu einem Unglücksbringer für seine Mitreisenden, im Gegensatz zum Apostel Paulus in Apostelgeschichte 27.

Diese Züchtigung wickelt sich in mehreren Phasen ab.

Zuallererst der Sturm, Er bleibt ohne Wirkung: Jona schläft in der nun beginnenden Not.

Dann kommen die Fragen der Seeleute: «Was hast du da getan?» Er hatte ihnen gesagt, dass er vor Jehova fliehe, aber machte sich kaum Gedanken darüber, während jene voll Furcht waren. Der Prophet muss dahin geführt werden, zu bekennen, was er gemacht hat: «Ich weis, dass dieser grosse Sturm um meinetwillen über euch gekommen ist.» Oft ist es schwer zu bekennen, aber wir sollten nicht zögern, es zu tun, auch vor den Brüdern, falls es nötig ist.

Jetzt ist Jona in den Fluten. Die Gnade Gottes trägt dort Sorge für ihn, indem Er einen grossen Fisch bereitstellt, um ihn zu bewahren. Drei Tage und drei Nächte befindet er sich in der Tiefe des Meeres. Aus seiner Bedrängnis ruft er nun zu Jehova.

Die Züchtigung hat ihn in die Gegenwart Gottes geführt. Allein, in einer Lage, die er «den Schoss des Scheols» nennt, schreit er. Er ruft aus der Tiefe seiner Bedrängnis, aus dem Abgrund, aus dem Herzen der Meere. In seiner Angst, als seine Seele in ihm verschmachtet, erinnert er sich Jehovas. Sein Gebet erreicht Ihn in seinem heiligen Tempel. Trotz allem verliert der Prophet sein Vertrauen in seinen Gott nicht und schliesst sein Flehen mit den bemerkenswerten Worten: «Bei Jehova ist die Rettung».

Wird die Züchtigung ihre Frucht tragen? Ach, Jona geht wohl nach Ninive. Seine Weissagung trifft das Gewissen des Königs und des Volkes, so dass sie Busse tun. Das Gericht wird zurückgehalten, Gott lässt es nicht zu Lebzeiten Jonas kommen. Aber der Prophet findet das sehr schlimm und ist deshalb verärgert. Er hat überhaupt kein Verständnis für die Gnade und wirft Gott vor, barmherzig und langsam zum Zorn zu sein.

Nun kommt die vierte Phase der Zucht. Es ist beinahe eine Lektion aus der Kinderschule. Jehova bestellt einen Wunderbaum, wahrscheinlich eine Ricinusstaude, die dem Haupt unseres Predigers Schatten spenden soll, um ihn von seinem Missmut zu befreien. Jona wundert sich mit einer einfältigen Freude über diesen Schutz. Am folgenden Tag verdorrt das Bäumchen. Der arme Prophet ist über das Unglück des Baumes ganz erzürnt. Jehova muss zu ihm sagen: Du erbarmst dich des Wunderbaumes, und ich sollte mich der 120000 Kinder in Ninive nicht erbarmen?

Jona ist voller Fürsorge für das, was ihn persönlich betrifft, aber das Geschick der Seelen, die verlorengehen, lässt ihn kalt. Gegenüber dem göttlichen Tadel schweigt er. Und Gott hatte doch in seiner Treue für seinen Diener nach und nach dies alles «bestellt»: den Wind, den Fisch, den Wunderbaum, den Wurm, den Ostwind. Alles dieses hatte sich nicht zufällig ereignet, sondern es waren in der Hand Gottes Mittel seiner Züchtigung, die zu verstehen und anzunehmen der Prophet soviel Mühe hatte.

Die Seeleute setzten ihre Reise auf beruhigter See fort; die Niniviten wurden von dem Gericht errettet; aber Jona ist gereizt und erwartet den Tod. Dennoch muss zum Schluss ein Werk in seiner Seele stattgefunden haben, weil er, unter der Leitung des Geistes Gottes, sich nicht scheut, seine Geschichte aufzuschreiben und so seine Fehler anzuerkennen.

3) Johannes-Markus

Der junge Mann, der zu früh in den Dienst gegangen ist, wird durch Furcht vor Hindernissen und Verfolgung aufgehalten. Welch ein Gegensatz zu Dem, der sein Angesicht hart machte, wie einen Kieselstein, um nach Jerusalem hinaufzugehen, und nicht zurückwich vor den Leiden, von denen Er wusste, dass sie Ihm begegnen würden.

Der Apostel hatte Timotheus gesagt: «Nimm teil an den Trübsalen» (2.Tim. 2,3); «leide Trübsal» (4,5). Es gab Verheissungen für die, die auf den Herrn vertrauen: Psalm 5,1.Sagt uns: «So werden sich freuen alle, die auf dich trauen ... und du wirst sie beschirmen». Ein guter, jugendlicher Wille genügt nicht, um mit Ausdauer in den Dienst des Herrn zu treten. Nur die Liebe zu Ihm kann dessen Quelle sein. Weder der Einfluss wohlgesinnter Personen, noch die Nachahmung anderer Diener, noch die Begeisterung eines Tages genügen, um in dieser Arbeit durchzuhalten. Man muss sich zuerst niedersetzen und die Kosten berechnen, bevor man einen Turm baut.

Es ist indessen gut, auf die Ermunterungen zu achten, die der Herr geben mag, sei es direkt oder durch andere Brüder. Hebräer 10,24 ermahnt uns, einander zur Liebe und zu guten Werken anzureizen. In Kolosser 4,17 erinnert der Apostel den Archippus, auf den Dienst zu achten, den er im Herrn empfangen hat, dass er ihn erfülle. Im Matthäus 21,2.Sagt ein Vater zu seinem Sohn: «Kind, geh heute hin, arbeite in meinem Weinberge». In Matthäus 20,6 rügt der Meister jene, die den ganzen Tag müssig auf dem Marktplatz herumstehen.

Der junge Johannes, mit dem Beinamen Markus, hatte zwar gut angefangen. Im Hause seiner Mutter (Apg. 12,12) hatte er unter einem glücklichen Einfluss eine beschützte Jugendzeit verbracht. In dieser gottesfürchtigen Atmosphäre, in der das Gebet ausgeübt wurde, wuchs er unter guten Voraussetzungen auf. So konnten Barnabas und Saulus ihn mitnehmen, als sie ihren Dienst in Jerusalem erfüllt hatten (Apg. 12,25). Später folgte er ihnen als Diener (13,5). Er, der gewohnt war, bedient zu werden (12,13), lernte zu dienen.

Warum hörte er nach einiger Zeit damit auf, «sonderte er sich von ihnen ab und kehrte nach Jerusalem zurück»? (Apg. 13,13). War es die Sehnsucht nach dem mütterlichen Zuhause, oder die Furcht vor Verfolgung, vor der Länge der Reise, den Beschwerlichkeiten, den Hindernissen? Es wird uns nicht ausdrücklich gesagt, aber der Herr hatte die Seinen gewarnt: «Niemand, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist geschickt zum Reiche Gottes» (Luk. 9,62).

Daher muss sich die väterliche Zucht auch gegenüber Johannes-Markus betätigen. Der Herr will, dass er für eine gewisse Zeit beiseitegesetzt werde. Als Barnabas ihn in Apostelgeschichte 15,37 wieder auf eine Reise mitzunehmen wünscht, um mit Paulus die Versammlungen zu besuchen, lehnt es dieser ab. Er sieht, dass die Zucht ihre Frucht noch nicht gebracht hat. Barnabas, der Onkel des Johannes, besteht darauf und reist mit dem jungen Mann ab. Es entstand daraus eine Verbitterung zwischen beiden Dienern. Welche Folgen einer verfrühten Ausreise! Johannes-Markus hatte unüberlegt einer vorübergehenden Begeisterung nachgegeben. Die beiden Apostel hatten den jungen Mann vielleicht zu rasch als Diener mitgenommen; die Folgen zeigten sich.

Viel später hatte der gefangene Apostel den gleichen Johannes-Markus zur Seite. Er gab den Versammlungen Anordnungen, ihn zu empfangen, wenn er zu ihnen käme (Kol. 4,10). In Philemon 24 zählt er Markus zu seinen Mitarbeitern. In 2.Timotheus 4,11 erklärt er schliesslich, dass er ihm nützlich zum Dienst sei.

Welch schöne Wiederherstellung eines Mannes, der, unterwiesen und geformt durch die Zucht, nachher, soweit wir es wissen, durch den Heiligen Geist Gottes gebraucht wurde, um das Evangelium des vollkommenen Dieners zu schreiben.

Die Züchtigung in der Familie

Hier stehen drei Personen von früher vor uns; jede mit ihrem Charakter, ihrer Familie und der Züchtigung, durch die Gott sie in seiner Gnade hindurchgehen liess. Obwohl diese Umstände weit zurückliegen, lassen sie sich leicht auf unser heutiges Leben übertragen; sie sind ganz und gar aktuell. Ohne grosse Anstrengung kann man manche Belehrungen, die Gott uns durch sie geben will, daraus ziehen.

Beachten wir zuallererst, was uns das Wort Gottes über das Haus des Dieners Gottes sagt. Die Bibel redet einerseits vom Haus Gottes, und andererseits von dem seines Dieners.

In Bezug auf Sein Haus (1.Tim. 3,15) sind die Anweisungen Gottes klar. Es soll durch Heiligkeit, geistliche Gesinnung und tägliche Gottseligkeit gekennzeichnet sein. Gott hat ihm seine Stellung in Christus gegeben; sein praktischer Zustand hängt vom Wandel derer ab, die es bilden. Die Verantwortlichkeit soll dabei den Vorrechten entsprechen, und zwar in der Freude eines Zusammenkommens, dessen Mittelpunkt der Herr Jesus ist.

Die Vorrechte und die Verantwortung, die mit dem Haus des Dieners zusammenhängen, sind in der Schrift ebenso klar vorgestellt. Im Lukas-Evangelium unterstreichen dies drei Stellen: Martha «nahm Jesus in ihr Haus auf» (10,38); zu Zachäus, der ganz jung im Glauben war, sagte der Herr: «Heute muss ich in deinem Hause bleiben» (19,5). Als Er mit den Emmaus-Jüngern zusammen war, liess Er sich von ihnen bitten, bei ihnen zu bleiben; «sie nötigten ihn» (24,29). Dem Hause des Kindes Gottes geziemt Heiligkeit, wenn es begreift, dass der Herr zugegen ist. Jakob gibt uns ein Beispiel dafür (1.Mose 35,2.3). Als Gott ihn aufforderte, nach Bethel hinaufzuziehen, tauchte die Frage auf: Ist mein Haus rein, um zum Haus Gottes zu kommen? Er sagte zu den Seinen: «Tut die fremden Götter hinweg, die in eurer Mitte sind -.. und wechselt eure Kleider.» Nicht nur Jakob, sondern seine Familie sollte bereit sein, der Aufforderung Gottes, vor Ihn zu kommen, zu entsprechen.

Am Ende seiner Laufbahn konnte Josua sagen: «Ich aber und mein Haus, wir wollen Jehova dienen?» Es genügt nicht, dass der Vater treu ist; er ist gerufen, seine Kinder mitzuziehen und sie mit sich in den Bereich des Hauses Gottes zu nehmen. - Welch ein Segen kann aus der Treue eines Mannes folgen, der dem Herrn anhängt: «Der Herr gebe dem Hause des Onesiphorus Barmherzigkeit, denn er hat mich oft erquickt» (2.Tim. 1,16).

In 1.Timotheus 3,4 wird vom Aufseher verlangt, dass er «dem eigenen Hause wohl vorsteht». Da gibt es keinen Platz für weltliche Nichtigkeiten, gemischte Beweggründe, für Ansprüche und Hochmut. Um dies zu verwirklichen, benötigt man die ganze Gnade Gottes. Wenn wir die Ermahnung von Offenbarung 3,20 auf das Haus des Dieners anwenden, werden wir ermuntert, die Tür zu öffnen und den Herrn eintreten zu lassen, um in der Vertrautheit unseres Heims seine kostbare Gemeinschaft zu geniessen.

1) Eli

Das ist keine einladende Erzählung und dennoch so notwendig in einer Zeit, da die Eltern nicht mehr wagen, ihre Kinder zu tadeln oder zu strafen.

Es scheint, dass Eli viel älter war als seine Söhne. Dieser «Abstand» (der psychologisch sein kann, unabhängig von der Anzahl Jahre) hilft uns, gewisse Probleme in seiner Familie zu verstehen. Ausserdem fehlte dem Priester manchmal das geistliche Urteilsvermögen. Er warf Hanna vor, betrunken zu sein, als sie in ihrer Betrübnis im Gebet des Glaubens Erleichterung suchte (1.Sam. 1,13).

Dennoch war sein Herz mit dem Haus Jehovas sehr verbunden. Welch einen Trost fand er in dem jungen Samuel, wie ein Grossvater bei seinem gottesfürchtigen Enkel. Solche Fälle können auftreten: das ganze Interesse, die ganze Freude konzentrieren sich auf das Haus Gottes, und das führt dahin, dass man die Familie zu oft beiseite lässt. Man verliert den Kontakt zu den Kindern, zu ihren Interessen, ihren Freuden, ihren Problemen, anstatt sie zusammen zu erleben. Es ist nicht leicht, sich genügend mit seiner Familie zu beschäftigen und die ganze Zeit, die man wollte, den Dingen Gottes zu widmen. Nur der Herr ist dem gewachsen und kann den Seinen das nötige Gleichgewicht geben.

Hophni und Pinehas, die «Jehova nicht kannten», hatten gleichwohl das Priesteramt bekommen und dienten im Haus Gottes. Mit welchem Ziel? Hauptsächlich, um daraus einen Vorteil zu ziehen, wie es uns 1.Samuel 2,12-17 zeigt. Die Sünde der jungen Männer war «sehr gross» vor Jehova, denn die Leute verachteten seine Opfergabe.

Ihr schlechtes Benehmen (V. 22) wirbelte viel Staub auf unter dem Volke (V. 23). Mit den Jahren häuften sich ihre Fehltritte. Aber ihr Vater schien es nicht zu wissen.

Als er davon hörte (V. 22), redete er sanft mit ihnen: «Warum tut ihr dergleichen Dinge? ... Nicht so, meine Söhne! denn nicht gut ist das Gerücht, das ich höre.» Der Vater sagt: «Es ist nicht gut.» Aber Jehova betrachtete ihre Sünde als «sehr gross».

Der nachsichtige Eli versuchte mit einigen Worten einzugreifen, aber er traf keine einzige Massnahme, so wenig wie früher, als er es wohl unterlassen hatte, seine Söhne zu strafen. Sein Vorbild war indessen gut. Er war ein frommer Mann, dem es aber an Festigkeit fehlte. Jehova tadelte ihn durch die Stimme Samuels, dass er seinen Söhnen, die Ihn verachteten, nicht «gewehrt» habe. Zweifellos hatten die jungen Männer, nachdem sie gross geworden waren, geheiratet (4,19). Nun betrachtete der Vater es nicht mehr als seine Verantwortung, ihnen ihre Taten zu verbieten, geschweige denn, ihnen konsequent zu wehren. Salomo dagegen hat in seinen Schriften viel ermahnt und getadelt. Dennoch ist sein Sohn Rehabeam nicht zur Ehre Gottes gewandelt: Beim König fehlte es am Beispiel.

Wir haben wirklich die Gnade Gottes nötig, damit wir unsere Kinder «in der Zucht und Ermahnung des Herrn auferziehen» können (Eph. 6,4). Das umfasst ein ganzes Programm. Kinder erziehen heisst nicht einfach, sie aufwachsen lassen. Es bedeutet, mit ihnen gemeinsam das Wort Gottes zu lesen, mit Erläuterungen, die ihrem Verständnis angepasst sind; sie zu den Zusammenkünften mitzunehmen, wenn wir uns um den Herrn Jesus versammeln, zunächst in den Gottesdienst, wenn sie grösser werden auch in die Erbauungs- und Gebetsstunden. Es bedeutet auch, Anteil nehmen an ihren verschiedenen Freizeitbeschäftigungen, an allen diesen schönen Erfahrungen, die man gemeinsam als Familie machen kann, und die Eltern und Kinder miteinander verbinden. Da macht sich das Beispiel der Eltern bemerkbar. Nicht dass man übertriebene Strenge anwenden soll: «Ihr Väter, reizet eure Kinder nicht», oder: «Ärgert eure Kinder nicht, auf dass sie nicht mutlos werden» (Eph. 6,4; Kol. 3,21). Wenn man zu hart ist, könnte man, obwohl vielleicht nur für eine Zeit, doch nachteilige Reaktionen hervorrufen und dem Kind dabei die Möglichkeit nehmen, sich zu entfalten. Aber das schliesst weder ein Gehenlassen noch eine falsche Nachsicht, die nicht zu «wehren» weis, mit ein.

Der Wandel Elis und seiner Söhne führte göttliche Zucht herbei. Zuerst warnte Gott. «Ein Mann Gottes kam zu Eli» (1.Sam. 2,27) und redete von Seiten Jehovas zu ihm, indem er unter anderem unterstrich: «Du ehrest deine Söhne mehr als mich» (V. 29). Er legte den Finger auf den grundsätzlich wunden Punkt. Der Herr hatte nicht den ersten Platz in dieser Familie. Er wurde nicht in gebührender Weise geehrt und gefürchtet; die Befriedigung der Kinder, ihr Vergnügen kam vor der Verehrung Gottes. Ihr schlechtes Betragen wurde nicht bestraft. Es ist leicht, das Wort Gottes in der Familie zu vernachlässigen, oder aus irgendeinem Vorwand die Kinder nicht mit sich in den Gottesdienst zu nehmen, oder sogar selber zeitweise überhaupt nicht dahin zu gehen. Muss man sich nachher über die Folgen wundern?

Auf die Ermahnung des Mannes Gottes sagt Eli nichts. Kein Bereuen, keine Demütigung. Die Zeit vergeht ... Jehova redet noch einmal, durch den Knaben Samuel, der im Haus Gottes erzogen wurde, den Eli liebte und schätzte. Der Knabe fürchtet sich sehr, dem alten Priester die Botschaft Jehovas mitzuteilen. Aber auf dessen Drängen, erzählt er ihm die Sache: «Ich will sein Haus richten ewiglich, um der Ungerechtigkeit willen, die er gewusst hat, dass seine Söhne sich den Fluch zuzogen, und er ihnen nicht gewehrt hat.» Eli hört zu und fügt sich: «Er ist Jehova; er tue was gut ist in seinen Augen.» Da sieht man keine wirklich tiefe Demütigung, keine Umkehr.

So muss sich die Strafe, diese tragische Begebenheit, unerbittlich erfüllen. Die zwei Söhne Elis werden im Kampf getötet. Als der Priester hört, dass die Lade Gottes genommen worden ist - und nicht nur, dass seine beiden Söhne tot sind - fällt er rücklings von seinem Stuhl und bricht sich das Genick. Seine Schwiegertochter, die Frau des Pinehas gebiert unter Schmerzen und stirbt mit den Worten: «Die Herrlichkeit ist von Israel gewichen, denn die Lade Gottes ist genommen!» (4,22).

Der alte Vater und die Schwiegertochter zeigen ihr Anhangen an Jehova, indem ihnen der Verlust der Lade mehr zu Herzen geht als der Tod ihres Sohnes oder Ehemannes. Dennoch endet die Tragödie in Tod, Trauer und Unehre.

2) Elimelech und Noomi (Ruth 1)

Unvermutet tritt im Land Kanaan eine Hungersnot auf; eine Prüfung, die Jehova zulässt und deren Zweck Er kennt. Der Glaube würde nach dem Grund dieser Züchtigung suchen, sich beugen und sich unterwerfen (1.Kön. 8,35!). Aber Elimelech und die Seinen verstehen es nicht so. Sie wollen sich der göttlichen Zucht entziehen und gehen weg in die Gefilde Moabs, ausserhalb der von Gott festgesetzten Grenzen. Zuerst geschah es nur, um sich dort «aufzuhalten» ... aber schnell «blieben» sie daselbst. Das materielle Leben der Familie ist gesichert, aber alles übrige geht verloren. Man hält sich in der Welt nicht nur auf, um eine notwendige Arbeit zu tun, sondern beginnt, Gefallen an ihr zu finden, man liebt sie und lässt sich darin nieder.

Diese Entwicklung ist sehr aktuell. In vielen Familien ändert man die Umgebung, ohne direkt den Wohnort zu wechseln. Nach und nach passt man sich «der Welt und was in ihr ist» an; man findet sein Vergnügen daran ... und liebt diese Dinge (1.Joh. 2,15).

Die Zucht Gottes erstreckt sich zunächst auf Elimelech, welcher stirbt. Die Witwe bleibt mit ihren beiden Söhnen zurück. Die jungen Männer nehmen sich moabitische Frauen, die Jehova nicht kennen. Während zehn Jahren wohnen sie dort; sie hätten Zeit gehabt nach Bethlehem zurückzukehren. Auch Machlon und Kiljon sterben nun; «und das Weib blieb allein übrig von ihren beiden Söhnen und von ihrem Manne». Offensichtlich war sie seinerzeit einverstanden gewesen, das Land zu verlassen und sich in Moab aufzuhalten. Dann hatte sie zweifellos auch gegen die Heirat ihrer Söhne nichts einzuwenden. Muss man sich da wundern, dass sie zum Schluss kommt: «Der Allmächtige hat es mir sehr bitter gemacht ... da Jehova gegen mich gezeugt, und der Allmächtige mir Übles getan hat»?

Diese schmerzhafte Züchtigung trägt ihre Früchte. Als sie vernimmt, dass Jehova sein Volk heimgesucht habe, um ihnen Brot zu geben, zieht sie aus von dem Ort, wo sie gewesen ist, um in das Land Juda zurückzukehren. Sie anerkennt, «voll» gegangen zu sein; jetzt lässt Jehova sie «leer» zurückkommen, aber Er bringt sie doch zurück. Das gebrochene und gedemütigte Herz, das die Gerechtigkeit der Wege Gottes anerkennt, ohne sich zu entschuldigen, wird für Ruth, ihre verwitwete Schwiegertochter, zum Segen und führt sie dahin, unter den Flügeln des Gottes Israels Zuflucht zu suchen.

Welch gute Beziehungen zwischen der Schwiegermutter und ihrer Schwiegertochter! Noomi kann sagen: «Sollte ich dir nicht Ruhe suchen, dass es dir wohl gehe?» Ruth wird schliesslich genannt: «die Schwiegertochter, die dich liebt» (4,15). Noomi bekommt sogar wieder einen «Sohn»; die Freude erfüllt von neuem ihr Herz (4,16).

Wie machen wir unsere Kinder glücklich? Nicht indem wir sie «in das Land Moab» führen, sondern indem wir sie mit einer Person bekanntmachen, in der Stärke ist: mit dem wahren Boas.

3) Abraham

Wir wollen nicht die ganze Geschichte des Patriarchen betrachten, nur die Frucht, die durch die Zucht Gottes in seiner Familie hervorgerufen wurde.

Der Ruf an Abraham war klar: «Gehe aus ... deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause, in das Land, das ich dir zeigen werde» (1.Mose 12,1). Aber Abraham wich von der göttlichen Anweisung ab:

  • er nahm seinen Vater und seinen Neffen mit sich (11,31.32)
  • er zog nach Ägypten hinab (12,10)
  • er vereinbarte mit seiner Frau, sich «seine Schwester» zu nennen.

Die betrüblichen Folgen solcher Abweichungen führten die göttliche Zucht über ihn herbei, aber auch die kostbare Frucht, die sie hervorbringt.

a) Der Vater

Der Ruf Gottes richtete sich nicht an Tarah. Es war zweifellos hart, den alten Vater allein in Ur zurückzulassen. Aber hätte der Glaube nicht mit Gott rechnen können, dass Er für ihn sorgen würde, vielleicht durch Nahor, seinen zweiten Sohn, wie so viele andere es seither machen mussten, die Gott in seinen Dienst gerufen hat? Indessen schliesst sich Tarah Abraham und den Seinen für die Reise nach Kanaan an. Er scheint sogar die Initiative zu ergreifen. Doch aus einem Grund, der uns nicht angegeben wird, hält sich die Schar in Haran auf, wo Tarah stirbt. Erst nach dem Tod seines Vaters «übersiedelte ihn Gott in das Land» (Apg. 7,3.4)

Die Verwandtschaft kann so ein Hindernis auf dem Weg des Glaubens sein. Ein junges Paar, das einen Hausstand gegründet hat, muss bei aller Achtung, Wertschätzung und Zuneigung, die es den Eltern gegenüber bewahrt, vor allem wenn diese gläubig sind, seine eigenen Verantwortungen übernehmen. Es muss in der Nachfolge des Herrn auf einem Weg, wo der Glaube es führt, vorangehen.

b) Lot

Es war ohne Zweifel ganz natürlich für Abraham, seinen Neffen Lot, den Sohn seines verstorbenen Bruders, mit sich zu nehmen. Aber der Ruf Gottes war nicht direkt an Lot gerichtet. Jener folgt durch einen angelernten Glauben, unter dem Einfluss des Älteren.

Indem der Onkel nach Ägypten hinabzog, gab er ihm kein heilsames Beispiel. In der Tat, nach dem Streit der Hirten, im Augenblick als Abraham, der ältere, den Jüngeren wählen liess, hob Lot seine Augen auf und sah die ganze Ebene des Jordan, «wie das Land Ägypten, bis nach Zoar hin». Die Erinnerung an das Land am Nil bestimmte seine Wahl. Er zog weg zu dem, was man «die leuchtende Schlammgrube, in der er versank», genannt hat. Ein ernstes Beispiel für die Eltern, die versucht sind, ihren Kindern «den Geschmack an Ägypten» zu geben. Sie werden bald nicht mehr wissen, wo die göttlichen «Grenzen» sind. Welch eine Züchtigung erfolgte daraus für Abraham! Die Traurigkeit der Trennung, nachher die Bemühungen, um dem gefangenen Neffen zu Hilfe zu kommen, Kosten und Gefahren, die daraus hervorgingen; die Angst des Patriarchen, der für Lot eintrat, als Jehova beschlossen hatte, Sodom zu vernichten. Nachdem Lot alles verloren hatte, Habe, Zuhause, Gattin, verheiratete Kinder, betrogen ihn seine Töchter, um den späteren Feinden der Nachkommen Abrahams das Leben zu schenken (1.Mose 19,37.38).

Beachten wir, welche Frucht die Zucht bei dem Patriarchen brachte und welchen Halt der Herr ihm gibt. Nach der Trennung von Lot, erlebt er eine kostbare Gemeinschaft mit Gott (13,14); die Verheissungen werden erneuert; in Mamre wird Jehova ein dritter Altar gebaut.

Nachdem Abraham den Lot aus der Macht der Könige befreit hat, erfährt er das Vorrecht des Dazwischentretens von Melchisedek. Dieser König der Gerechtigkeit und des Friedens bringt Brot und Wein heraus und segnet ihn «von Gott, dem Höchsten». So gestärkt, kann der Patriarch das verfängliche Angebot des Königs von Sodom: «Gib mir die Seelen, und die Habe nimm für dich» (14,21), ablehnen. Dieser Schlinge sind viele Gläubige auf dem Weg begegnet: Einen Weg einschlagen, eine Sache unternehmen, bei der die Seelen der Kinder der Gefahr ausgesetzt werden, auch wenn man die materielle Seite sichert.

Schliesslich, als Jehova im Begriff steht, Sodom zu zerstören, erscheint Er selbst dem Abraham, unter den Terebinthen Mamres, lässt ihn seine Gemeinschaft geniessen, sagt ihm, was Er machen will, hört auf seine Fürbitte und entsendet Lot als Folge davon mitten aus der Umkehrung (19,29).

c) Hagar

Abraham hatte aus Ägypten nicht nur Erinnerungen mitgebracht, sondern auch «eine ägyptische Magd» (16,1), die er in den engsten Familienkreis einführte. Da liegt die Gefahr. Wenn es in einem Haushalt ungläubige Mädchen als Hausangestellte geben mag, so ist das vielleicht nicht ideal, aber keineswegs die gleiche Sache. Dagegen bildet die Aufnahme von Personen oder Elementen der Welt in den vertrauten Kreis eine ständige Gefahr.

Die Anwesenheit der Hagar wurde ein Anlass zu Spannungen zwischen der Herrin und der Magd, dann auch zwischen den Ehegatten, ohne von der Schlinge zu reden, die der Rat Saras für ihren Mann bedeutet hat (16,3-6). Später, als Hagar Ismael geboren hatte, verspottete dieser den Isaak (21,9), was zu einer neuen Spannung zwischen den Eltern führte.

Schliesslich trägt die Züchtigung ihre Frucht. Nach mehr als zwanzig Jahren gemeinsamen Lebens, ist Abraham gezwungen, mit Betrübnis und Takt die Magd wegzuschicken, sie hinauszustossen, wie Galater 4,30 es sagt, damit Isaak in einem friedlichen Familienkreis aufwachsen könne, wo der Glaube vorherrscht.

Sogar die Welt bemerkt die Frucht dieser Züchtigung. Abimelech und Pikol, sein Heeroberster, können zu Abraham sagen: «Gott ist mit dir in allem, was du tust» (21,22).

d) «Meine Schwester»

Als Gott den Abraham aus seines Vaters Haus wandern liess, traf er mit seiner Frau eine zum Teil unwahre Abmachung: «An jedem Orte, wohin wir kommen werden, sage von mir: Er ist mein Bruder.»

Diese Ausflucht hatte während des Aufenthaltes in Ägypten zu vielen Schwierigkeiten geführt (12,14-20). Der Patriarch hatte, nachdem er nach Kanaan zurückgekehrt war, die Gemeinschaft mit Jehova wiedergefunden (13,3.4). Aber die «Wurzel» war nicht gerichtet worden; ein neues Abweichen sollte folgen.

In Kapitel 20 fällt Abraham in den gleichen Fehler. Dieses Mal bekennt er schliesslich die lügenhafte Abmachung, die er mit Sara getroffen hatte (20,12.13). Er konnte dann für Abimelech beten (V. 17) und durfte eine vollständige Wiederherstellung erleben. Nach so vielen Jahren des Wartens konnte ihm Jehova den Isaak schenken.

e) Isaak

Die Zucht hat im Leben des Patriarchen Früchte getragen. Dennoch hat er eine höchste Erfahrung nötig, wovon die Schrift uns sagt: «Nach diesen Dingen versuchte Gott den Abraham» (22,1). Das war keine Züchtigung mehr, um irgendeinen Fehler klarzustellen und ihn zu richten, sondern eine Prüfung, die geeignet war, den Glauben des Mannes Gottes hervorstrahlen zu lassen (Jak. 2,21). In der Spannung dieser Tage lernte Abraham, alles von Gott zu empfangen, sogar Isaak, als auferweckt aus den Toten (Hebr. 11,19). Er offenbarte die Ruhe und Würde des Glaubens: «Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer.» Das ist Jehova-jireh (V. 14). Das ist die friedsame Frucht, welche die Prüfung hervorbringt, die Erneuerung der Verheissungen, nicht nur dem Abraham, sondern «deinem Samen» (welcher Christus ist; Gal. 3,16), in welchem alle Nationen der Erde gesegnet werden, «darum dass du meiner Stimme gehorcht hast».

Die persönliche Züchtigung

Es stellt sich eine Frage: Muss man die Züchtigung Gottes, sei es, um einem Fall vorzubeugen, sei es, wenn man gefehlt hat, untätig abwarten?

Das Wort zeigt uns an verschiedenen Stellen, wie notwendig es ist, in der Abhängigkeit vom Geiste Gottes wachsam und nüchtern zu sein, um vor einem Fall bewahrt zu bleiben. Anderseits werden wir aufgerufen, uns selbst zu richten, unsere Fehler zu erkennen und zu bekennen, um vom Herrn nicht weiter gezüchtigt, sondern im Gegenteil zur Freude der Vergebung geführt zu werden (Ps. 32).

1) Die freiwillige vorbeugende Zucht (1.Korinther 9,24-27; 1.Thessalonicher 5,6-8)

Der Apostel erklärt vielleicht zum zehnten Mal in seinem Brief: «Wisset ihr nicht?» Er steht dieses Mal nicht im Begriff, eine Lehre vorzustellen, sondern eine ganz praktische Frage: diese vorbeugende Zucht, die im christlichen Wettlauf und Wettkampf nötig ist. Das ist kein gesetzlicher Gehorsam, sondern eine Herzenshaltung (Dan. 1,8), das Resultat eines Werkes der Gnade in uns, die uns jedoch nicht dahin führt, zu meinen, wir seien besser als andere. Das Geheimnis ist, sich der Gnade anzuvertrauen, damit sie uns durch die Tätigkeit des Geistes Gottes gestalte, «um die Handlungen des Leibes zu töten» (Röm. 8,13). Es gilt aber doch, eine persönliche Standhaftigkeit zu entfalten: «Lasst uns uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes» (2.Kor. 7,1) - eine gewisse moralische Umhüllung, eine wirksame Bewahrung.

Laufen und kämpfen schliesst eine ausdauernde geistliche Energie ein. In Offenbarung 2 und 3 wiederholt der Apostel in jedem Sendschreiben: «Dem, der überwindet...». Das ist eine persönliche Ermahnung, an den einzelnen gerichtet, wobei nicht gewartet werden soll, bis andere sich verpflichten, den gleichen Weg zu gehen.

Der Sieg im Wettlauf oder Wettkampf gelingt nicht ohne Enthaltsamkeit; sie ist nötig, um eine Krone zu erlangen (1.Kor. 9,25), oder um einem Fall vorzubeugen (V. 27).

Worin besteht diese Enthaltsamkeit? Der Apostel hatte darin seine eigene Erfahrung gemacht. «Ich laufe daher ...», sagt er. Er redet davon, seinen Leib zu zerschlagen, d.h. ihn zu unterwerfen, und ihn in Knechtschaft zu führen aus Furcht, selbst verwerflich zu werden, nachdem er andern gepredigt habe. Dieses Wort verwerflich [Griechisch: dokimos (= bewährt, z.B. 2.Tim. 2,15) mit der Vorsilbe a: adokimos = unbewährt, verworfen.] könnte in diesem Abschnitt, da es sich um einen sportlichen Wettkampf handelt, mit «disqualifiziert» übersetzt werden. Wie könnte ein öffentlicher Dienst für den Herrn sich fruchtbringend für Ihn fortsetzen, wenn man in dem, was man andern verkündigt, schwerwiegend fehlt?

Enthaltsamkeit oder Zurückhaltung schliesst Nüchternheit, d.h. Selbstkontrolle mit ein. Wir sehen dies in 1.Thessalonicher 5, wo «die von dem Tage» denen, «die von der Nacht» sind, gegenübergestellt werden. Nach 2.Timotheus 4,5 ist Nüchternheit für den Evangelisten nötig. 1.Petrus 2,11 ermahnt uns, «uns zu enthalten von den fleischlichen Lüsten, die wider die Seele streiten». Liegen nicht sehr oft fleischliche Lüste zugrunde, wenn ein Jugendlicher mit Wissen und Wollen vom Weg des Herrn abweicht und zur Entschuldigung intellektuelle Zweifel vorschiebt, um damit sein schlechtes Betragen zu verschleiern?

Die Selbstprüfung verpflichtet den Christen, sich nicht allem, was ihn umgibt, um ihn wirbt oder ihn interessiert, hinzugeben. Er wird ermahnt, seine «Lenden umgürtet» zu haben (1.Petr. 1,13). Eine geistliche Praxis in der Enthaltsamkeit ist angebracht, besonders in einer Zeit, da so viele Dinge sich der Aufmerksamkeit aufzwingen wollen. Man kann nicht zur gleichen Zeit die Vergänglichkeiten der Welt und die Hand des Herrn festhalten.

Aus Liebe zu Ihm sein Joch tragen (Matth. 11,29). Der Prophet betonte schon: «Es ist dem Manne gut, dass er das Joch in seiner Jugend trage» (Klagel. 3,27). Dieses Joch der Liebe besteht in einem Wandel auf dem gleichen Weg, den Er geht, im gleichen Schritt mit Ihm. Beim Aufstehen zehn Minuten für ein entsprechendes Frühturnen, das den Körper stärkt, zu reservieren, erfordert eine dauernde Anstrengung. Sollten wir nicht jeden Morgen die gleiche persönliche Selbstzucht ausüben, um dem Hören auf Gottes Wort und dem Gebet genügend Zeit zu widmen? Eine alte Schrift hatte zum Titel: «Eine von 96 Viertelstunden», eine Viertelstunde am Anfang des Tages, um mit dem Herrn zu sein. Werden wir Ihm nur einen Prozent unserer Zeit geben? Warum nicht zwei Prozente? Verwenden wir am Ende mehr Zeit, um das Radio als sein Wort zu hören? Solche Erwägungen werden uns vielleicht dazu führen, auf die zu langen Abende zu verzichten!

«Indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen», sagt der Apostel (Hebr. 10,25). Auch in diesem Bereich ist Energie nötig, und ein sich Einschränken, um sich diese Zeit freizuhalten.

Das Gleichnis spricht von «Dornen» (Mark. 4,18.19): die Sorgen, der Reichtum, die Begierden, die «hineinkommen» und das Wort ersticken. - Es ist unmöglich, keine Besorgnisse zu haben. Aber man muss lernen, sie dem Herrn zu übergeben: «Indem ihr alle eure Sorge auf ihn werfet; denn er ist besorgt für euch» (1.Petr. 5,7). - In einer «Wohlstandsgesellschaft», wie die unsere, nehmen die materiellen Möglichkeiten zu. Da tut Nüchternheit not, um sie in gottgemässer Weise auszunützen. Er gibt uns alle Dinge reichlich zum Genuss, aber um sie mit dem Herrn Jesus zu geniessen. - Im Blick auf die Begierden müssen wir auf der Hut sein, dass sie nicht in die Seele eindringen und wider sie streiten. Durch alles, was wir lesen, hören und sehen, werden sie auf viele Weise angelockt und angefacht. Wir können nicht verhindern, dass wir viele Dinge sehen, aber wir werden wachsam sein aus Furcht, sie könnten unser Inneres erfüllen.

In Sprüche 24,33.34 wird uns gesagt: «Ein wenig Schlaf, ein wenig Schlummer, ein wenig Händefalten, um auszuruhen - und deine Armut kommt herangeschritten, und deine Not wie ein gewappneter Mann.» Welch eine Schlinge liegt in diesem «ein wenig»! Wir haben Nüchternheit und Enthaltsamkeit zu praktizieren. Aber der Apostel Petrus ermahnt uns, das Ausharren noch anzufügen (2.Petr. 1,6), d.h. mit Ausdauer enthaltsam zu sein. Sich auch nicht «einmal» gegenüber der dargebotenen Versuchung gehenzulassen; sich nicht «ein wenig» dem geistlichen Schlaf, der uns auflauert, hinzugeben. Der Feind wüsste nur zu gut, davon zu profitieren, um in unser Leben einzudringen und es arm zu machen.

Welch ein Trost liegt in der Zusicherung des Apostels, wenn er vom Hausknecht des Meisters spricht: «Er wird aber aufrecht gehalten werde, denn der Herr vermag ihn aufrecht zu halten» (Röm. 14,4).

2) Die Rekabiter (Jeremia 35,1-11.18.19)

Die Nachkommen Jonadabs, des Sohnes Rekabs, hatten von ihrem Vater das Gebot bekommen, keinen Wein zu trinken, keine Häuser zu bauen, keine Felder zu besäen und keine Weinberge zu pflanzen. Sie waren so als Pilger und Fremdlinge auf der Erde gekennzeichnet. Erinnern wir uns an das Wort des Dieners, der sagen konnte: «Es ist der Schatz, den ich in seiner Liebe fand, der aus mir einen Fremdling in dieser Welt gemacht hat.»

Die Umstände waren schwieriger geworden. Der Krieg hatte den kleinen Stamm in die Stadt Jerusalem getrieben. Jeremia empfängt von Jehova die Aufforderung, diese Männer in den Tempel kommen zu lassen und sie zu veranlassen, Wein zu trinken. Das war eine Erprobung. Aber die Rekabiter hielten stand. Es war an sich nichts Schlechtes, Wein zu trinken, aber sie wollten ihrem Vater gehorsam sein und enthielten sich freiwillig, wie ihr Vater es ihnen geboten hatte. Es wird mehrmals wiederholt, dass sie auf seine Stimme «hörten», während das Volk ihrem Beispiel keineswegs folgte und nicht achtgab auf das Wort Jehovas und so die Strenge seiner Züchtigung über sich brachte (V. 17)

Es ist leicht, die Belehrung Jonadabs, des Sohnes Rekabs, geistlich anzuwenden. Der Wein nimmt das Unterscheidungsvermögen weg: wie viele Dinge sind geeignet, dieses geistliche Unterscheidungsvermögen von unseren Seelen wegzunehmen, wenn wir uns gehen lassen. Die Zelte, im Gegensatz zu den Häusern, zeigen, dass man sich nicht in der Welt niedergelassen hat, dass man hier weder sein Vaterland noch seine Befriedigung gefunden hat. Kein Feld zu besäen und keinen Weinberg zu pflanzen, heisst, keine geistliche Ernte von der Welt zu erwarten, sondern seine Freude in den unsichtbaren Dingen, die bleiben, zu finden.

Auch der Nasir, nachdem er sich für Gott abgesondert hatte, um nur für Ihn da zu sein (4.Mose 6), enthielt sich, entweder für eine begrenzte Zeit (Apg. 18,18), oder für das ganze Leben (Richter 13,5) des Weines, d.h. der irdischen Freuden, - liess seine Haare wachsen, indem er so auf seine persönliche Würde und sein Ansehen verzichtete, - und trennte sich von jeder gestorbenen Person, enthielt sich von jeder Verderbnis. Dieses Verhalten wurde nicht von jedermann verlangt, aber einer, der sich aus Liebe zu seinem Gott von dem Bösen fernhalten wollte, beachtete diese Dinge.

3) Die persönliche Züchtigung, wenn man gefehlt hat

1.Korinther 11,31.32 stellt einen Grundsatz von grösster Wichtigkeit vor uns.

In Verbindung mit dem Abendmahl des Herrn wird uns gesagt; «Ein jeder aber prüfe sich selbst, und also esse er» (V. 28). Was heisst denn nun, sich selbst prüfen? nur seine Fehler verurteilen? Der Apostel erklärt es ein wenig weiter unten, indem er uns drängt, uns selbst zu beurteilen, damit wir nicht gerichtet werden. Das Selbstgericht schliesst die Übereinstimmung mit Gott gegen uns selbst in sich, die Erkenntnis der verborgenen Gründe unserer Verfehlungen in seinem Licht. Zuallererst heisst es, sie nach 1.Johannes 1,9 zu bekennen, Gott klar das Böse zu nennen, das wir getan haben, wie auch gegenüber denen, die wir beleidigt haben. Dann gilt es, in seiner Gegenwart nach den Beweggründen oder verborgenen Anlässen für unsern Fehltritt zu forschen. Wir werden so die Züchtigung des Herrn vermeiden, die andernfalls nötig würde: «Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt, auf dass wir nicht mit der Welt verurteilt werden.» Viel besser ist, wenn wir nach einem Selbstgericht mit David sagen können: «Glückselig der, dessen Übertretung vergeben, dessen Sünde zugedeckt ist!» (Ps. 32,1).

Eine solche Übung führt uns nicht zu einem düsteren Ermessen der Dinge. Im Gegenteil, sie verstärkt in uns das Bewusstsein der Gnade, die uns trotz allem erlaubt, am Abendmahl des Herrn teilzunehmen, seinen Tod zu verkündigen, durch den unsere Sünden ausgetilgt worden sind. Sagen wir nicht zu uns selbst: Diese Woche ist es ziemlich gut gegangen, ich kann schon zu dem heiligen Mahl kommen. Im Gegenteil: Prüfen wir uns selbst, beurteilen und richten wir uns und erfassen wir durch den Glauben wieder von neuem, dass diese Sünden, die sich allzu leicht auf unsern Wegen finden, durch den Herrn Jesus am Kreuz gesühnt worden sind. Er hat uns in seinem kostbaren Blut gewaschen; Er ist die Sühnung für unsere Sünden. Der Vergebung gewiss und im Bewusstsein des Preises, den Er bezahlt hat, um unsere Sünden zu sühnen, kommen wir dann zum Gedächtnismahl, in dem tiefen Bewusstsein der unendlichen Gnade, die uns zuteil geworden ist.

O Herr Jesu, reich an Gnaden,
Du hast Dich mit dem beladen,
was mich hat von Gott getrennt.
Meine ganze Schuld zu zahlen,
littest Du die grössten Qualen,
welche keine Sprache nennt.

Psalm 130,4 sagt uns: «Doch bei dir ist Vergebung, damit du gefürchtet werdest.» Das Bewusstsein der Gnade führt uns nicht dahin, unsere Fehltritte leichtsinnig zu wiederholen, sondern vielmehr dazu, uns zu fürchten, dem Herrn zu missfallen, indem wir von neuem fehlen. Sprüche 28,1.Sagt klar: «Wer seine Übertretungen ... bekennt und lässt, wird Barmherzigkeit erlangen.» Verlangt dies nicht eine ernste, persönliche Zucht, in dem heiligen Wunsch, durch die Kraft, die Gott darreicht, nicht mehr zurückzufallen?

Paulus - Die vorbeugende Zucht im Zusammenhang mit dem Dienst

Ist eine solche Züchtigung wirklich angebracht? Die zahlreichen Gefahren, denen ein Diener des Herrn begegnet, lassen uns begreifen, warum das Wort die Notwendigkeit dafür zeigt.

Von diesen Gefahren heben wir jene aus Römer 12,3 hervor: «Höher von sich zu denken, als zu denken sich gebührt.» Jeder öffentliche Dienst ist von der Gefahr des Hochmuts und der Selbstzufriedenheit bedroht, aber auch jeder Diener selbst, was immer seine Gnadengabe oder das «Mass» sein mag, das Gott ihm anvertraut hat (2.Kor. 10,13).

In 1.Petrus 5,3 werden die Ältesten ermahnt, nicht solche zu sein, «die da herrschen über ihre Besitztümer». Dieser Geist des Dominierens könnte die Seelen belasten und andere Diener bedrücken (Matth. 24,49).

Schliesslich ist jeder Arbeiter des Herrn imstande, von Ermüdung übermannt zu werden (2.Kor. 4). Die mögliche Einförmigkeit des Dienstes, vor allem ein Nachlassen in der Gemeinschaft mit Gott, körperliche und Psychische Erschöpfung, die Überbeanspruchung der Kräfte, die einem gegeben worden sind - das alles kann einen früher treuen Mann dazu führen, zu ermatten. Erinnern wir uns daran, dass wir Diener und keine Zwangsarbeiter sind! In Apostelgeschichte 20,13 wünscht Paulus, allein zu Fuss von Troas nach Assos zu gehen und lässt seine Begleiter einen Umweg mit dem Schiff zurücklegen. Wollte er, so allein auf dem Pfad, Zeit zum Nachdenken haben, in kostbarer Gemeinschaft mit seinem Herrn?

Im Zusammenhang mit diesen verschiedenen und anderen Fallstricken, übt der Herr eine vorbeugende Zucht gegen die Seinen aus. Sie entspringt nicht der Verantwortlichkeit des Dieners, sondern der Fürsorge des Meisters gegenüber jenen, die Er in seiner Ernte oder in seinem Haus gebraucht.

Warum einen Diener wie Paulus wählen, um die Belehrung des Wortes im Blick auf die göttliche Züchtigung während seines Dienstes zu veranschaulichen? Weil selbst der grösste der Apostel sie nötig hatte. Lesen wir sorgfältig 2.Korinther 12,5-10, wo er dies zum Ausdruck bringt.

Das wichtige Ziel dieser Züchtigung war, «auf dass ich mich nicht durch die Überschwänglichkeit der Offenbarungen überhebe». Während seiner ganzen Laufbahn war Paulus der stetige und fortdauernde Gegenstand dieser Erziehung von Seiten des Herrn, um sein Ich in Schach zu halten. Die Gefahr war nicht, im dritten Himmel gewesen zu sein, sondern sich nachher der empfangenen Offenbarungen wegen zu überheben. Laufen wir in unserem kleinen Mass nicht ein ähnliches Risiko in bezug auf die Wahrheiten, die durch einen Dienst, den wir schätzen, wieder ans Licht gebracht wurden? Wir stehen in Gefahr, uns darauf etwas einzubilden. «Was aber hast du, das du nicht empfangen hast?» (1.Kor. 4,7).

Dreimal fleht der Apostel zum Herrn, ihm den Dorn, der ihn behindert, wegzunehmen. Aber in der Prüfung empfängt er die wunderbare Antwort: «Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht.» Demütig kann er nachher sagen: «Ich habe Wohlgefallen an Schwachheiten denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.»

Die Züchtigung nahm zwei Formen an: «Ein Engel Satans, auf dass er ihn mit Fäusten schlage» (2.Kor. 12,7) und das, was er «das Urteil des Todes» nennt (2.Kor. 1,9; vgl. 4,11): Widerstand (Verfolgung) von aussen und innerer Widerstand in gewissen Versammlungen.

1) Der Dorn

Gott wollte seinem Diener einen Dorn für das Fleisch geben, und liess ihn trotz des Flehens des Apostels bestehen. Gott hat es nicht für gut befunden, uns in dem Wort genau wissen zu lassen, worin dieser bestand. Verschiedene Stellen erwähnen ein Gebrechen, das seinen Dienst hinderte und seine Widersacher verleitete, diesen zu verachten. In 2.Korinther 10,10 heisst es z.B.: «Die Gegenwart des Leibes ist schwach und die Rede verächtlich.» In Galater 4,13.14 schreibt er: «Ihr habt meine Versuchung, die in meinem Fleische war, nicht verachtet, noch verabscheut.»

Das brachte dem Apostel beständiges Leiden. Er war sich bewusst, dass der Herr die Züchtigung gesandt hatte und bestehen liess. Aber er hatte gelernt, sie aus seiner Hand anzunehmen. Der Dorn erinnerte ihn, dass er nur ein «irdenes Gefäss» war. Wenn das Gefäss eine Rolle hätte spielen wollen, hätte dieser Dorn sehr schnell einen Stempel der Demütigung auf seinen Dienst gedrückt.

Hüten wir uns davor, Brüder zu verachten, die Mühe haben, sich auszudrücken, gerade wenn sie wirklich eine wesentliche Botschaft von Seiten des Herrn zu bringen haben. In Apostelgeschichte 4,13 waren die Apostel ungebildete Leute und ihr galiläischer Dialekt war keine Empfehlung für sie in Jerusalem; aber sie wurden erkannt, «dass sie mit Jesu gewesen waren «. Lassen wir uns anderseits weder durch natürliche Schwierigkeiten in der Redegewandtheit noch durch Schüchternheit zurückhalten. Lasst uns demütig das bringen, was der Herr uns für andere gegeben hat.

2) Die Verfolgungen (Widerstand von aussen)

Im zweiten Brief an die Korinther bekennt der Apostel, dass er «das Urteil des Todes» in sich selbst habe, damit er nicht auf sich selbst vertraute, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt und fähig war, ihn zu erretten. Er war sich bewusst, in seinem Fleisch zu ergänzen, «was noch rückständig war von den Drangsalen des Christus für seinen Leib, das ist die Versammlung» (Kol. 1,24).

In 2.Korinther 11,23-27 gibt er uns eine Zusammenfassung dieser Verfolgungen, die er bei so vielen verschiedenen Gelegenheiten erduldete, viel zahlreicher als wie sie in der Apostelgeschichte berichtet werden. Dem Tod ausgeliefert, um Jesu willen, konnte er sagen: «Deshalb habe ich Wohlgefallen ... an Verfolgungen ... für Christus.» Er spürte sie dennoch sehr intensiv. Davon zeugen seine Worte an sein Kind Timotheus am Ende seines Lebens: «Du aber hast genau erkannt ... meine Verfolgungen, meine Leiden: welcherlei Leiden mir widerfahren sind ... welcherlei Verfolgungen ich ertrug» (2.Tim. 3,10.11).

Es waren besonders die gegen den Apostel aufgebrachten Juden, die sich der Verfolgung bedienten, um das Werk des Herrn zu hindern. Sie hatten ihn mit seinen Begleitern dadurch weggetrieben, indem sie ihnen wehrten, «zu den Nationen zu reden, auf dass sie errettet werden» (1.Thess. 2,15.16). Paulus nahm das Leiden, das aus einer solchen Züchtigung hervorging, aus der Hand Gottes an, und war gewiss, dass der Herr sich dessen zum Guten bediente: «Meine Umstände sind mehr zur Förderung des Evangeliums geraten» (Phil. 1,12). Indem er durch alle diese Verfolgungen, durch alle diese Todesgefahren hindurchging, wurde das Leben Jesu offenbar; es wurde ein Zeugnis für die Stärke und die Macht des Herrn abgelegt. So erfüllte sich die Weissagung des verherrlichten Nazaräers an den, der die Versammlungen so sehr verfolgt hatte: «Ich werde ihm zeigen, wie vieles er für meinen Namen leiden muss» (Apg. 9,16). Das «irdene Gefäss» wurde zerbrochen, damit das innere Licht hervorstrahlte.

3) Die Übungen und Enttäuschungen in den Versammlungen (Widerstand von innen)

Dieser innere Widerstand war für den Apostel noch viel schmerzlicher als alle Verfolgungen. Warum musste er, «der berufene Apostel Jesu Christi ...», «bestellt als Herold und Apostel ..., ein Lehrer der Nationen in Glauben und Wahrheit» (1.Kor. 1,1; 1.Tim. 2,7) das erdulden? Und dies nicht nur von Seiten der judaisierenden Lehrer oder der Feinde der Wahrheit, sondern von einigen Versammlungen, und von gewissen Brüdern, selbst Kindern Gottes, die den gleichen Glauben an unseren Herrn Jesus Christus hatten!

Aber was wäre geschehen, wenn Paulus überall gleich gut aufgenommen worden wäre? In welche geistliche Gefahren wäre er gekommen? Der Herr wollte das verhindern. Um seinen Diener demütig zu halten, damit man von ihm nicht über das hinaus denke, als was man an ihm sah oder von ihm sagen hören konnte, liess Er ihn durch diese schmerzhafte Züchtigung gehen.

Sein ganzes Herz war von den verschiedenen örtlichen Zeugnissen in Anspruch genommen: «Das was täglich auf mich andringt: Die Sorge um alle Versammlungen» (2.Kor. 11,28). Diese Sorge erstreckte sich auch auf jene Versammlungen, die er nicht besucht hatte, wie Kolossä und Laodicäa. Welch eine tiefe Betrübnis empfand er, als die Galater durch falsche Lehrer verwirrt wurden, die etwas als Evangelium verkündigten, «ausser dem, was wir euch als Evangelium verkündigt haben» (Gal. 1,8). Es schien ihm, als hätte er «abermals Geburtswehen» um sie, «bis Christus in euch gestaltet worden ist» (4,19). Mit welchem Bedauern schrieb er ihnen: «Ihr liefet gut; wer hat euch aufgehalten?» (5,7).

Unter den Korinthern wollten einige «eine Gelegenheit» gegen den Apostel (2.Kor. 11,12). Gewisse fanden «seine Rede verächtlich» (10,10); andere hatten zu übler Nachrede gegriffen. Mit Wehmut musste Paulus ihnen sagen: «Ich hätte von euch empfohlen werden sollen» (12,11); aber seine Zuneigung war so, dass er anfügte: «Ich will aber sehr gern alles verwenden und völlig verwendet werden für eure Seelen, wenn ich auch, je überschwänglicher ich euch liebe, um so weniger geliebt werde» (12,15).

Zu den Philippern redete er von solchen, die seinen Banden Trübsal zu erwecken gedachten (1,17). Aber er wusste auch die Ermunterungen zu schätzen, die er durch die Philipper empfing (1,5.8; 4,1.15-19).

Wenn wir in unserem ganz kleinen Mass einem ähnlichen Widerstand zu begegnen haben, sollten wir dann die Übung nicht annehmen und uns ernsthaft fragen, ob wir wirklich auf dem Weg Gottes sind? Wenn der Herr uns darüber erneut Gewissheit gibt, lasst uns, als irdene Gefässe, demütig darin verharren.

Dieser Widerstand und diese Missachtung denen Paulus an verschiedenen Orten begegnete, sollten bis ans Ende seiner Laufbahn immer deutlicher hervortreten.

4) Verlassenheit und Einsamkeit am Ende seines Lebens

Schon in Kolosser 4 spürte der Apostel dieses Alleinsein kommen. Er spricht von einigen Mitarbeitern aus der Beschneidung, die allein ihm ein Trost gewesen waren. Diese Verlassenheit wurde am Ende seines Lebens besonders schlimm, wie wir das aus dem 2.Timotheus-Brief erfahren.

«Alle, die in Asien sind, haben sich von mir abgewandt» (1,15). Unter ihnen befanden sich die Epheser, bekannt für das höchste geistliche Niveau, wie es der Brief an sie zeigt.

Als Onesiphorus nach Rom kam, schien in der Versammlung niemand zu wissen, wo sich der Apostel befand. Man konnte dem Freund, der ihn suchte, keinen Hinweis geben, oder man wagte es nicht. Der Epheser hatte manchen Schritt zu unternehmen, musste ihn «fleissig» suchen, um ihn endlich zu finden und ihn von Seiten des Herrn zu erquicken.

Für das Wohl des Werkes hatte Paulus Tychikus nach Ephesus gesandt. Andere waren weggegangen, Krescenz nach Galatien, Titus nach Dalmatien. Demas hatte ihn verlassen, da er den gegenwärtigen Zeitlauf liebgewonnen hatte. «Befleissige dich, vor dem Winter zu kommen», schrieb er an seinen geliebten Timotheus. Tatsächlich war es für den alten Apostel «Winter» geworden, als alle ihn im Stich liessen.

«Bei meiner ersten Verantwortung», sagt er, «stand mir niemand bei, sondern alle verliessen mich» (4,16). Aber er machte eine wunderbare Erfahrung, zum siebtenmal in seinem Leben, auf eine ganz besondere Weise: «Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich ... Der Herr wird mich retten und bewahren für sein himmlisches Reich.»

Die Frucht der Züchtigung

Wir wollen aus vielen andern sechs Punkte hervorheben:

  • «Deshalb ermatten wir nicht» (2.Kor. 4,16). Geformt in der Schule Gottes und Tag für Tag am inneren Menschen erneuert, harrte der Apostel aus. Er blieb seinem Meister und den Versammlungen zur Verfügung (Phil. 1,23-25), «ermattet und nachjagend» (Richt. 8,4).
  • Das tiefe Empfinden, seinen Dienst empfangen zu haben (2.Kor. 4,1) und darin begnadigt worden zu sein, hielt ihn durch alle Hindernisse hindurch aufrecht. Jeder Dienst ist eine Gnade und keine mühselige Aufgabe. Die Züchtigung, durch die der Apostel zu gehen hatte, vertiefte immer mehr diese Gewissheit in seinem Herzen.
  • Man denkt manchmal nach diesem oder jenem Dienst: Ich habe die Sache nicht so schlecht gemacht. Oder man redet in einer gewissen Selbstgefälligkeit darüber: Der Herr hat uns sehr gesegnet!
    Der Apostel aber hatte zu lernen, dass er nur ein wertloses Gefäss war: «Wir haben diesen Schatz in irdenen Gefässen, auf dass die Überschwänglichkeit der Kraft sei Gottes und nicht aus uns» (V. 7). Elia meinte, besser zu sein als seine Väter, aber Paulus hatte gewusst, dass er nicht mehr wert war als ein Tongefäss, das bestimmt war, zerbrochen zu werden.
  • In der Prüfung, in den Verfolgungen, in dem Widerspruch hatte er die Erfahrung der Treue Gottes und seiner Hilfsquellen gemacht: «Allenthalben bedrängt, aber nicht eingeengt; keinen Ausweg sehend, aber nicht ohne Ausweg; verfolgt, aber nicht verlassen; niedergeworfen, aber nicht umkommend» (V. 8,9). Daher konnte er sagen: «Ich bin mit Trost erfüllt, ich bin ganz überströmend in der Freude bei all unserer Drangsal» (7,4).
  • Die ganze durchgemachte Züchtigung hatte beim Diener das hervorgerufen, was für ihn die höchste Empfehlung war: «Viel Ausharren» (6,4). Früher war er ein glühender Eiferer gewesen, voll Energie, um die Sache Gottes zu verteidigen, wie er es sich vorstellte. Aber jetzt erwies sich seine Haltung, die ihn als Diener Gottes empfahl, jederzeit in «vielem Ausharren ... durch böses Gerücht und gutes Gerücht ... als Unbekannte und Wohlbekannte ... als nichts habend und alles besitzend» (6,4-10). Er konnte den Philippern schreiben: «Ich habe gelernt, worin ich bin, mich zu begnügen. Ich weis sowohl erniedrigt zu sein, als ich weis Überfluss zu haben; in jedem und in allem bin ich unterwiesen» (4,11.12).
  • Schliesslich die höchste Frucht: der Apostel sagt am Schluss seines Briefes: «Ich bin nichts» (2.Kor. 12,11).

«Ich bin mit Christo gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir» (Gal. 2,20).

«Das Leben ist für mich Christus» (Phil. 1,21).

«Die Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüsst habe» (3,8).

Wäre alle diese Frucht hervorgekommen, wenn Paulus diese harte Züchtigung nicht durchgemacht hätte, die sein Herz bluten liess, die ihn aber auf das Herz Gottes geworfen hatte?

Schlussfolgerung

Könnten wir aus diesen Seiten einen besseren Schluss ziehen, als den, den das Wort uns selbst gibt? «Alle Züchtigung aber scheint für die Gegenwart nicht ein Gegenstand der Freude, sondern der Traurigkeit zu sein; hernach aber gibt sie die friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die durch sie geübt sind.»

Hiob ist lange geübt gewesen, aber wie wunderbar ist seine Schlussfolgerung: «Mit dem Gehör des Ohres hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen.»

Der geistliche Hochmut des Elia, worüber er sich keine Rechenschaft gab, machte unter der Züchtigung der Demut Platz, in der er den Mantel auf den jungen Mann warf, der an seiner Stelle Prophet sein sollte. Er tat es, obwohl dies von den drei Aufträgen, mit denen Gott ihn am Horeb betraute, der letzte war, der erfüllt werden sollte.

Johannes-Markus, durch die Furcht vor Schwierigkeiten in dem Werk aufgehalten, wurde nach einer langen Züchtigung «nützlich zum Dienst».

Die Tragödie in der Familie Noomis führte dazu, dass sie mit Ruth in das Land des Gottes Israels zurückkehrte und Freude und Trost fand.

Abraham, der in seiner Familie geübt war, indem er die Schwierigkeiten, die sich aus seinen Abwegen ergaben, lange zu ertragen hatte, sah seinen Glauben triumphieren und dessen wunderbares Zeugnis zur Verherrlichung Gottes ausschlagen.

Die Rekabiter hörten auf ihren Vater. Sie haben während der langen persönlichen Züchtigung, in die er sie dadurch gebracht hatte, standgehalten. Gott kann sie für ihre Treue loben.

Paulus, der grosse Apostel, der durch den Dorn im Fleisch, die Verfolgungen und den inneren Widerstand, geprüft wurde, offenbarte stets eine grosse Geduld und hat in einer inniger werdenden Gemeinschaft mit seinem Herrn bis zum Ende ausgeharrt, ohne zu ermatten.

Mose hatte am Ende der Wüstenwanderung zum Volk gesagt: Er demütigte dich, er versuchte dich, er liess dich seine Fürsorge kennenlernen ... alles das, «damit er dir wohltue an deinem Ende» (5.Mose 8,16).

Ist es nicht wahr, dass «denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken»?

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Letzte Änderung am 07.04.2010.