Ermunterungen für die Zeit der Abwesenheit unseres Herrn
Halte fest Jahrgang 1982 - Seite: 312 - Verfasser: M. G.
Vor seinem Hingehen zum Vater hat unser Herr Jesus versprochen, wiederzukommen und uns für immer zu sich zu nehmen, «auf dass, wo ich bin, auch ihr seid». Obwohl Er am Ende seines Wortes mehrmals wiederholt: «Ich komme bald», hat Er diese Verheissung bis jetzt noch nicht eingelöst. Noch immer warten wir auf diesen glückseligen Augenblick. Damit aber in dieser Zeit unser Herz durch lang hingezogenes Harren nicht krank werde (Spr. 13,12), hat Er uns in seinem Wort viele Ermunterungen für die Zeit seiner Abwesenheit hinterlassen. Dazu gehören auch die letzten Verse der vier Evangelien, dieser wunderbaren Beschreibungen der Person unseres Herrn.
Matthäus 28,18-20
«Jesus trat herzu und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Gehet nun hin und machet alle Nationen zu Jüngern, und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.»
Das Matthäus-Evangelium stellt uns den Herrn Jesus als König vor. Als solcher hat Er Autorität. Er kann sagen: «Gehet nun hin ...» Jeder Untertan seines Reiches ist gehalten, dies zu befolgen. Wir, die Gläubigen der Gnadenzeit, gehören auch zum Reich der Himmel und deshalb gilt diese Aufforderung auch uns. Haben wir sie gehört? Haben wir sie auch befolgt und entsprechend gehandelt?
Glücklicherweise befiehlt der Herr nicht nur. Bevor Er den Auftrag gab, sagte Er: «Mir ist alle Gewalt gegeben.» Wenn wir uns also im Dienst des Herrn auf dieser Erde irgendwie gebrauchen lassen, z.B. um Traktate zu verteilen, dann lasst uns bedenken: Der Allmächtige, Der, dem alle Gewalt gegeben ist, steht hinter uns. Wie hilft uns doch dieser Gedanke, die Menschenfurcht zu überwinden!
Am Ende des Auftrages fügt der Herr die tröstlichen Worte an: «Siehe, ich bin bei euch.» Wir sind nie allein, wenn wir «hingehen», um Ihm zu dienen und seiner Aufforderung Folge zu leisten. Er ist immer bei uns. Das Bewusstsein seiner Nähe ist ein wunderbares Heilmittel gegen Verzagtheit in seiner Nachfolge und im Dienst für Ihn.
Markus 16,19.20
«Der Herr nun wurde, nachdem er mit ihnen geredet hatte, in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Jene aber gingen aus und predigten allenthalben, indem der Herr mitwirkte und das Wort bestätigte durch die darauf folgenden Zeichen.»
Der Herr Jesus hat seinen Dienst als Knecht und Prophet auf dieser Erde abgeschlossen. Er ist in den Himmel aufgenommen worden und hat sich zur Rechten Gottes gesetzt. Weil Er alles zur vollkommenen Befriedigung Gottes vollbracht hat, gehört Ihm der Platz der Ehre (Hebr. 1,3; 8,1; 10,12; 12,2).
Seither sind die, die Ihm nachfolgen, in seinen Dienst getreten (vgl. V. 20 mit Kap. 1,14.15). Aber wie können schwache Gefässe, wie es die Jünger waren und wie wir es sind, diese Aufgabe zur Ehre Gottes erfüllen? «Der Herr wirkte mit.» Am Anfang, als das geschriebene Wort noch nicht vollständig war, bestätigte Er das Wort seiner Diener durch Wunder und Zeichen (Hebr. 2,3.4). Diese Anfangsperiode ist längst vorüber, aber der Herr wirkt durch seinen Heiligen Geist immer noch an den Herzen ungläubiger Menschen. Gäbe es wohl eine einzige Bekehrung ohne sein Wirken? Und Er wirkt in den Seinen (Phil. 2,13; Kol. 1,28.29), gibt Kraft und Mut zum Dienst. Ermuntert uns das nicht, unsere Aufgabe für den Herrn, mit dem Blick auf Ihn und seine Hilfe, in Treue zu tun, bis Er kommt?
Lukas 24,50-53
«Er führte sie aber hinaus bis nach Bethanien und hob seine Hände auf und segnete sie. Und es geschah, indem er sie segnete, schied er von ihnen und wurde hinaufgetragen in den Himmel. Und sie warfen sich vor ihm nieder und kehrten nach Jerusalem zurück mit grosser Freude; und sie waren allezeit im Tempel, Gott lobend und preisend.»
Die letzten Verse des Lukas-Evangeliums beschreiben die Begleitumstände der Himmelfahrt des Herrn. Wie verliess der Sohn des Menschen diese Erde? Indem Er die Seinen, die Er zurückliess, segnete. Was waren das für Hände, die Er segnend über seine Jünger hielt? Es waren seine durchgrabenen Hände, die Hände, in deren Handflächen wir eingezeichnet sind (Jes. 49,16). Für uns, für dich und für mich, ging Er ans Kreuz. Das haben wir Ihn gekostet! Welch ein Preis! Nur die Liebe konnte ihn bezahlen (Gal. 2,20b).
Diese durchgrabenen Segenshände hält Er noch heute ausgestreckt. Der Sohn des Menschen ist in den Himmel eingegangen, wo Er jetzt unser Hoherpriester ist, der stets in Liebe und Gnade an uns denkt. Er hat Mitleid mit unseren Schwachheiten und vertritt uns vor Gott. Als verherrlichter Mensch im Himmel versteht Er uns in jeder Lage, weil Er alles selbst erlebt hat, ausgenommen die Sünde. Er kennt unsere Schwachheiten nicht nur vom Hörensagen, sondern aus eigener Erfahrung (Hebr. 4,15). Und weil Er nicht nur wahrer Mensch, sondern auch wahrer Gott ist, will Er nicht nur segnen, sondern vermag Er es auch zu tun. Ist das nicht eine herrliche Zuversicht und ein starker Trost?
Möchte der Gedanke an seine segnenden Hände doch auch in unseren Herzen Freude, Lob und Preis auslösen, wie damals bei den Jüngern! Haben wir nicht Grund, freudig unseres Weges zu ziehen bis zu seinem baldigen Wiederkommen?
Johannes 21,24.25
«Dieser ist der Jünger, der von diesen Dingen zeugt und der dieses geschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist Es sind aber auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat, und wenn diese alle einzeln niedergeschrieben würden, so würde, dünkt mich, selbst die Welt die geschriebenen Bücher nicht fassen.»
Das Johannes-Evangelium war zu einem ganz besonderen Zweck geschrieben worden. Schon im ersten Jahrhundert gab es Strömungen, die die Person des Herrn Jesus, des Mensch gewordenen Sohnes Gottes angriffen. Dagegen nimmt dieses Evangelium klar Stellung. So lesen wir in Kapitel 20,31, dass von den Zeichen, die der Herr Jesus getan hat, einige in diesem Buch aufgeschrieben wurden, «auf dass ihr glaubet, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und auf dass ihr glaubend Leben habet in seinem Namen».
Der zweitletzte Vers des Evangeliums bezeugt noch einmal die Wahrheit der aufgeschriebenen Dinge. Er ist sozusagen die beglaubigte Unterschrift unter dieses wichtige Dokument über die Person des Herrn Jesus. Aber der Apostel möchte nicht, dass der Leser bei ihm, dem Schreiber des Evangeliums, stehen bleibe, sondern bei der wunderbaren, unergründlichen Person des Sohnes Gottes. Von Ihm redet der Schlussvers noch einmal. Der Herr Jesus ist so herrlich, dass man nie zu Ende kommt mit der Beschreibung seiner Person. Aber das ist auch nicht nötig; «denn», hat ein Schriftausleger gesagt, «wir werden ewig in der Sphäre sein dürfen, wo wir das, was wir nicht beschreiben und ergründen können, anschauen, bewundern und anbeten werden».
Möchte diese herrliche Person heute schon, da unser Verständnis noch mangelhaft und unser Auffassungsvermögen beschränkt ist, unser Blickfeld ganz ausfüllen, dass nur Er, «Jesus allein», es ist, von dem unser Blick gefesselt wird und an dem unser Auge hängen bleibt.