Der gottgemässe Weg in die Ehe
Halte fest Jahrgang 1992 - Seite: 7 - Verfasser: M. Graf
Einleitung
Die Ehe ist eine Einrichtung von Gott, unserem Schöpfer. Er sagte im Blick auf den ersten Menschen, den Er erschaffen, dann in eine herrliche Umgebung gestellt und mit einer Aufgabe betraut hatte: «Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, seinesgleichen» (1.Mose 2,18). So bildete Gott Eva und gab sie Adam als seine Frau. Beachten wir: Die Ehe ist eine göttliche Einrichtung aus der Zeit vor dem Sündenfall.
Der Wunsch zu heiraten, ist also völlig normal und in Ordnung. «Wer heiratet, tut wohl» (1.Kor. 7,38).
Als der Herr Jesus auf dieser Erde lebte und sich aufgrund einer Frage der Pharisäer über Ehescheidung klar zur Ehe äusserte, sagten seine Jünger zu Ihm: «Wenn die Sache des Mannes mit der Frau also steht, so ist es nicht ratsam zu heiraten.» Nun zeigte Er ihnen, dass es im Blick auf das Heiraten tatsächlich Einschränkungen gibt. «Es gibt Verschnittene, die von Mutterleibe also geboren sind; und es gibt Verschnittene, die von den Menschen verschnitten worden sind; und es gibt Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben um des Reiches der Himmel willen» (Matth. 19,12).
Es gibt also Menschen, die aufgrund der allgemeinen Folgen der Sünde so geboren werden, dass sie heiratsunfähig sind. Eine zweite Kategorie ist durch das Verhalten anderer Menschen in diesen Zustand gekommen. Beispiele: durch das Zölibat (1.Tim. 4,3); durch äussere Einflüsse, die beim Betreffenden zu einem Geschlechtsempfinden geführt haben, das ganz auf das eigene Geschlecht gerichtet ist (Homosexualität, Röm. 1 ,24.26-28). Die dritte Gruppe, von welcher der Herr sprach, sind völlig gesunde und normale Menschen, die freiwillig ledig bleiben, um dem Herrn besser dienen zu können. Beispiel: der Apostel Paulus (1.Kor.7,8.32.37).
Welche grundsätzlichen Schritte sind nun auf dem gottgemässen Weg in die Ehe zu beachten?
Aufkommende Gefühle und Regungen
Am Anfang dieses Weges liegt wohl die Feststellung, dass es zweierlei Menschen gibt. Gott schuf die Menschen als Mann und Frau, stattete sie mit Geschlechtsorganen aus und bewirkt in den Heranwachsenden, wenn sie aus dem Kindesalter in die Pubertät kommen, das Verlangen nach dem anderen Geschlecht (siehe 1.Mose 1,27.28; 2,24; Hohel. 7,10).
Was soll der junge Mensch mit diesen Gefühlen und Regungen machen, wenn sie in ihm aufsteigen?
Antwort: Lerne, damit umzugehen und sie richtig einzustufen!
Als erstes gilt: Der Geschlechtstrieb ist nichts Sündhaftes. Zu einer Sünde kommt es erst, wenn er missbräuchlich befriedigt wird (1.Thess. 4,4.7). Wir sündigen erst, wenn wir der Lust in uns in irgendeiner Weise nachgeben (Jak. 1,14.15).
Deshalb ist es nötig, sich in der Selbstbeherrschung zu üben und nicht jedem aufkommenden Trieb nachzugeben. Selbstbeherrschung ist ein Teil der Frucht des Geistes, wie sie uns in Galater 5,22 gezeigt wird. Selbstbeherrschung gehört also zu den Kennzeichen eines Gläubigen. Er besitzt den Heiligen Geist und damit die Kraft zu einem solchen Leben. Wer als lediger Mensch nie gelernt hat, sich selbst zu beherrschen, wird sich auch in der Ehe als rücksichtsloser Egoist erweisen.
Weiter ist es wichtig, diesen aufkommenden Gefühlen keinen Vorschub zu leisten. Die Ehe ist allein der Bereich, wo sich diese Gefühle voll entfalten dürfen und auch entfalten sollen. Also:
Meide gefährliche Orte (1.Petr. 2,11)! Entziehe dich der Versuchung, wenn nötig durch Flucht (1.Kor. 6,18; 1.Mose 39,7-12)! Verurteile die Auswüchse der Lust, die von innen kommen, entschieden! Haue diese «Schösslinge» ab (Kol. 3,5)!
Zum richtigen Umgang mit den aufkommenden Gefühlen gehört auch der praktische Wandel in Neuheit des Lebens (Röm. 6,4.11). Dieser beinhaltet eine positive Einstellung zum Leben, das uns der Herr auf dieser Erde geschenkt hat. Zeig einen vollen Einsatz bei deiner Berufsausbildung! Sei keiner, der nur mit dem Minimum zufrieden ist, der viel freie Zeit hat, die dann oft zu einer Gefahr wird! Setze dich auch bei der Arbeit voll ein! Versäume wenn möglich keine Zusammenkunft der Versammlung und frage dich: Welchen konkreten Dienst hat der Herr für mich? Beschäftige dich viel mit dem Herrn und studiere sein Wort! Untätigkeit kann sehr gefährlich werden. Denken wir nur an David: 2.Samuel 11,1-5! Freundschaften unter Jugendlichen gleichen Geschlechts kann sich im Blick auf das praktische Leben sehr positiv auswirken, indem man vieles gemeinsam unternimmt. Aber Achtung, dass sich dabei das gemeinsame Gespräch nicht vorwiegend um das «andere Geschlecht» dreht!
Noch ein Wort zur Selbstbefriedigung. Auch manche junge Gläubige beiderlei Geschlechts, die dem Herrn wirklich in Treue nachzufolgen wünschen, haben grosse Not damit. Was sollen sie da tun? Zunächst wollen wir festhalten, dass Selbstbefriedigung nicht dasselbe ist wie die Sünde der Hurerei. Dann möchten wir alle, die Mühe mit diesem Problem haben, auffordern: Sag Gott, deinem Vater, deine Not! Bekenne Ihm das, was geschehen ist, jedes Mal aufrichtig! Dann wird Er dir als seinem Kind vergeben (1.Joh. 1,9). Im weiteren ist es gut, wenn wir nicht nur bekennen, sondern auch nach den Ursachen, den Wurzeln fragen, die dazu geführt haben, und sie vor dem Herrn richten.
Voraussetzungen für eine Ehe
Gottes Wort zeigt uns verschiedene Voraussetzungen - sie beziehen sich vor allem auf den jungen Mann -, die erfüllt sein sollten, bevor man sich ernsthaft mit dem Gedanken der Ehe beschäftigt.
- Selbständigkeit im Leben (1.Mose 2,24). Solange man die volle Verantwortung für sein eigenes Leben noch nicht übernommen hat, wie könnte man sie für Frau und Familie übernehmen?
- Der Mann muss in der Lage sein, seine Frau materiell zu erhalten. Also muss er zuerst eine Basis schaffen, auf der er eine Familie aufbauen und erhalten kann (Spr. 24,27).
- Von den nötigen geistlichen Voraussetzungen lesen wir in Epheser 5,29 und 1.Korinther 14,35. Die Zeit vor der Ehe ist die beste Zeit, um die Gedanken Gottes kennen zu lernen. Dann ist man später in der Lage, die Fragen seiner Frau zu beantworten und seine Gattin auch geistlicherweise zu nähren und zu pflegen. Wenn man erst in der Ehe anfängt, sich mit geistlichen Dingen zu beschäftigen, ist es eigentlich zu spät.
- Bewährung. In 1.Mose 24 sehen wir, wie ein Knecht (der treu in seiner Aufgabe steht) um eine Braut wirbt. Bewährung in den Belangen des Herrn (z.B. regelmässiger Besuch aller Zusammenkünfte des örtlichen Zeugnisses) und im Beruf sind wichtige Voraussetzungen, damit ein Mädchen und seine Eltern erkennen können, dass die Anfrage eines jungen Mannes vom Herrn gewirkt ist.
Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind
Wenn der junge Mensch vor Gott zur Überzeugung kommt, er sei für eine Ehe bereit, welches sind dann die weiteren Schritte auf dem gottgemässen Weg in die Ehe?
Das Gebet um eine Lebensgefährtin. Es ist gut, wenn man erst dann ernsthaft dafür zu beten anfängt, wenn die Voraussetzungen für eine Ehe gegeben sind. Vorher ist es wichtig, den Herrn zu bitten, Er möge einem helfen, die aufkommenden diesbezüglichen Gedanken auf die Seite zu legen, bis z.B. die Ausbildung abgeschlossen ist.
Beim Gebet um einen Lebenspartner wollen wir daran denken, dass es in Gottes Plan mit unserem Leben nur eine einzige Person gibt, die Er für uns vorgesehen hat und die aus seiner Sicht fürs ganze gemeinsame Leben zu uns passt. Daraus folgt, dass es also darum geht, in dieser Angelegenheit den Willen Gottes zu erkennen. Das ist nun gar nicht so einfach. Deshalb sollte jeder Gläubige sich darin üben, bei jeder noch so kleinen Entscheidung in seinem Leben nach dem Willen Gottes zu fragen. Dann wird Er ihm auch bei dieser grossen und wichtigen Frage zu Hilfe kommen. (Praktische Hinweise zum Erkennen des Willens Gottes finden sich in «Halte fest» 1982, Seiten 194-196.)
Wenn es darum geht, wie Gott zwei Menschen, die Er füreinander bestimmt hat, zusammenführt, dann wird Er es bei jedem Paar anders machen; aber immer wird es wunderbar und unerklärbar sein:
«Drei sind es, die zu wunderbar für mich sind, und vier, die ich nicht erkenne: der Weg des Adlers am Himmel, der Weg einer Schlange auf dem Felsen, der Weg eines Schiffes im Herzen des Meeres, und der Weg eines Mannes mit einer Jungfrau» (Spr. 30,18.19). - «Wer auf ihn vertraut, wird nicht ängstlich eilen» (Jes. 28,16).
Hier noch einige Testpunkte aus Gottes Wort, an denen wir eine geplante Verbindung prüfen können:
- kein ungleiches Joch. Gottes Wort warnt eindringlich vor einer ehelichen Verbindung zwischen einem gläubigen und einem ungläubigen Menschen (2.Kor. 6,14; 1.Mose 24,3; Jos. 23,12.13). Die Bibel hat keinerlei Verheissungen für ein ungleiches Joch. Spekulationen auf eine nachträgliche Bekehrung des ungläubigen Partners finden keine Unterstützung in der Bibel.
- nur im Herrn (1.Kor. 7,39). Das bedeutet mehr, als dass die beiden gläubig sein sollen. Dieser Ausdruck umfasst auch einen gemeinsamen Weg des Glaubens. Das ist angesichts der vielen Spaltungen in der Christenheit in Kirchen, Gemeinschaften und Gruppen besonders wichtig. In der Ehe sollte man in allem, auch in geistlichen Belangen, eins sein.
- seinesgleichen (1.Mose 2,18). Grosse Unterschiede im sozialen Stand und in der Bildung, sowie Rassenunterschiede können - müssen aber nicht unbedingt - zu Problemen in der Ehe führen.
Verlobung
Wenn man vor dem Herrn zur Überzeugung über den zukünftigen Lebenspartner gekommen ist, sagt Gottes Wort dann etwas über das weitere Vorgehen? Nein, nichts fest Bestimmtes.
Aus der Anweisung von Epheser 6,2: «Ehre deinen Vater und deine Mutter», kann man wohl ableiten, dass das Vorhaben wenn irgend möglich mit den Eltern besprochen werden sollte. Sie haben mehr Lebenserfahrung und, wenn sie gläubig sind, auch geistliche Einsicht. Vielleicht haben sie auch schon lange in Fürbitte hinter ihren Kindern gestanden und freuen sich jetzt mit ihnen.
Mit der Zustimmung der eigenen Eltern wird der Mann jetzt die Frau fragen, die ihm der Herr klargemacht hat. Vielleicht benutzt er auch den Weg über ihre Eltern. Dieses Vorgehen wird sicher viel zu einem guten Verhältnis zu den Schwiegereltern beitragen. Jedenfalls sollte man keine Verbindung gegen den Willen der Eltern eingehen, oder ohne ihren Segen heiraten (1.Mose 27,46; 28,3.6-9).
Wenn die Frau ihr Ja-Wort gegeben hat, soll die Verlobung erfolgen, damit die Sache öffentlich wird. Damit gehen aber die beiden auch gegenseitige Verpflichtungen ein (5.Mose 20,7; Matth. 1,18.20). Gott selbst gebraucht das Bild der Verlobung als eines Herzensbundes, der der Ehe vorausgeht (2.Kor. 11,2; Hos. 2,19.20).
Die Verlobung ist keine Probeehe, sie ist ein Brautstand, eine Übergangszeit, während der die gegenseitigen Zuneigungen und das Verlangen, ganz zusammenzusein, wachsen. Sie ist ein schönes Abbild vom Verhältnis, das heute zwischen Christus und seiner Versammlung besteht. So lesen wir am Schluss der Bibel: «Der Geist und die Braut sagen: Komm! - Amen; komm, Herr Jesus!» Wie bringen diese Worte doch das Verlangen der Versammlung (der verlobten Braut), für immer bei ihrem Bräutigam und mit Ihm vereint zu sein, zum Ausdruck!
Die Verlobung ist also ein Übergangszustand. Man verlobt sich, um zu heiraten. Die Heirat ist dann die öffentlich-rechtliche Verbindung von Mann und Frau. In unsern Ländern erfolgt diese durch die standesamtliche Trauung.
In der Welt, und leider auch in der Christenheit, richtet man sich kaum mehr nach diesen Anweisungen des Wortes Gottes. Aber möchte sich doch jeder gläubige junge Mann und jede gläubige junge Frau in dieser so wichtigen Frage auch heute ganz an Gottes Wort halten. Es wird ihnen zum reichen Segen und grossen irdischen Glück sein.