Halte Fest
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Das Gebet in der Apostelgeschichte

Halte fest Jahrgang 1981 - Seite: 129 - Verfasser: F. G.

Der Herr Jesus ist das vollkommene Vorbild für die Ausübung des Gebets. Im Lukas-Evangelium sehen wir Ihn als abhängigen Menschen besonders oft im Gebet. Verwundert es uns, wenn jene, die Ihn begleitet haben und Ihm nachgefolgt sind, auch Männer des Gebets wurden? Durch ihren Dienst und ihr Beispiel ermuntern sie uns, und wie oft drängt uns der Heilige Geist in ihren Schriften, im Gebet zu verharren. Es sollte das Atmen unserer Seele sein.

Neben dem vollkommenen Vorbild enthält das Wort Gottes manche eindrückliche Beispiele, die uns die Tätigkeit des neuen Lebens im Gläubigen zeigen. Sie führt diese dazu, die innige Vertrautheit mit ihrem Gott häufig zu pflegen. Schon das Alte Testament erwähnt zahlreiche Zeugen, die ihre Abhängigkeit gefühlt haben und in inniger Verbindung mit Jehova standen. Abraham, Moses, Samuel und David zeigen uns, wie eine solche Gemeinschaft verwirklicht werden kann, obwohl die Stellung, in der sich diese Männer Gottes befanden, keineswegs der unseren entsprach.

Im Folgenden werden wir in den Blättern der Apostelgeschichte den ersten Christen nachgehen, um zu sehen, wie sie das Gebet praktizierten.

Das persönliche Gebet

Für die erweckte Seele besteht keine Notwendigkeit zu warten, bis sie ihre ersten Worte an Gott richten kann. Sobald sie von der Kraft des Heiligen Geistes berührt wird, wendet sie sich in ihrer Angst, während sie noch ganz verwirrt ist, in vielleicht unhörbaren Ausdrücken an Gott. Von Saulus in Damaskus sagt der Herr zu Ananas: «Siehe, er betet» (9,11). Der Mensch, der im Gewissen ergriffen ist, sucht eine Zuflucht und wendet sich an Den, von dem er sich abgewandt hat. «Hörer des Gebets! zu dir wird kommen alles Fleisch» (Ps. 65,2).

Kornelius gibt uns ein weiteres Beispiel des persönlichen Gebets, das vor der Errettung der Seele geäussert wurde (10,4). Es ist der Ausdruck eines Menschen, der wohl Gott fürchtet, aber das Heil im Herrn Jesus nicht kennt. Wenn die Gottesfurcht mit einem ehrlichen Empfinden für die Gebote Gottes verbunden ist, führt sie den Menschen zu einer offensichtlichen moralischen Rechtschaffenheit, aber nicht zum Frieden des Herzens. Diese Zeit des Kämpfens und Mühens kann sehr lange dauern. Aber wenn sie durch eine wirkliche Übung des Herzens und Gewissens gekennzeichnet und von aufrichtigem Gebet begleitet ist, wird sie unweigerlich zur gläubigen Annahme des grossen Heils führen, das Gott uns im Herrn Jesus anbietet.

Ein Beispiel des persönlichen Gebets im vertrauten Umgang mit Gott finden wir in Kapitel 10,9: Petrus unterhält sich auf dem Dach des Hauses mit seinem Gott. Dieses Verhalten ist für Gott der geeignete Augenblick, um seinem Jünger etwas Besonderes zu offenbaren. Es geht um einen grundlegenden Auftrag zugunsten der Gläubigen aus den Nationen. Wenn wir solche Augenblicke mehr gewohnt wären, würden wir eher in der Lage sein, nützlich im Dienst zu werden! Möge der Herr uns diese Gnade schenken!

Wir begegnen im Wort dem persönlichen Gebet sehr oft dann, wenn ein spezielles Bedürfnis vorliegt. Besteht eine Gefahr, irgendeine Bedrohung? Erfordern die Umstände ein besonderes Eingreifen der Macht Gottes? Der Diener weiss, wohin er sich wenden muss und sein Herz erhebt sich zu Gott in inständigem Gebet, das den göttlichen Arm bewegt. Wenn es um die Auferweckung einer Schwester geht, die in der Versammlung so nötig ist, dann betet Petrus, und die Macht Gottes wird tätig (9,40). Der Vater eines heidnischen Häuptlings ist krank, während der Apostel Paulus in der Gegend weilt. Auch da betet der Diener des Herrn, legt dem Kranken die Hände auf und heilt ihn (28,8). Möchten auch wir in allen Umständen uns an unsern Gott wenden und nicht warten, bis wir am Ende unserer eigenen Hilfsmittel sind, bevor wir um Gottes Beistand und Hilfe bitten. «Die Gerechten schreien, und Jehova hört, und aus allen ihren Bedrängnissen errettet er sie» (Ps. 34,17).

Stephanus ist ein bemerkenswertes Beispiel persönlichen Glaubens. Allein stand er seinen erbitterten Feinden gegenüber und widerstrahlte die Herrlichkeit seines Meisters. Und wie Er, bat er den Herrn in der Stunde seines Todes für seine Henker und übergab seinen Geist in Frieden in die Hände seines Heilandes (7,59.60). Das ist das Gebet bis zum Ende, selbst wenn es in der schwersten Stunde nur noch ein Seufzen ist. Möge der Herr uns ermutigen und uns diese Ausdauer schenken! Die Verfolgungen, die zahlreiche Gläubige erleiden, machen aus ihnen heute noch solche wie Stephanus, die ihren Meister ehren, indem sie treu bleiben bis in den Tod. Das Gebet ist ihre Hilfsquelle.

Das Gebet einiger Gläubigen

Wären es auch nur ihrer zwei, so gilt ihnen doch die Verheissung des Herrn: «Wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen werden über irgendeine Sache, um welche sie auch bitten mögen, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist» (Matth. 18,19). Als Petrus und Johannes zusammen in den Tempel hinaufgingen, war es um die Stunde des Gebets (3,1). Als sie nach Samaria zogen, um mit den Neubekehrten Fühlung zu nehmen, beteten die beiden für diese (8,15). Als Paulus und Barnabas die Städte durchzogen, wo sie vor kurzem das Evangelium verkündigt hatten, beteten sie mit Fasten und befahlen jene Gläubigen der Gnade des Herrn an (14,23). Sogar als Paulus und Silas mit blutendem Rücken im Gefängnis sassen, beteten und lobsangen sie (16,25).

Als die Versammlung noch nicht gebildet war, verharrten die Apostel und die mit ihnen Versammelten in dem Obersaal einmütig im Gebet (1,14). Die Apostel und die mit ihnen versammelte Menge von etwa 120 Jüngern beteten, im Bewusstsein der Notwendigkeit der göttlichen Führung, als sie einen Nachfolger für Judas wählten (1,24). Die Apostel beteten auch bei der Einsetzung der Diakone (6,6). Die jüdische Gemeinde in der Stadt Philipp hatte vermutlich keine Synagoge und versammelte sich deshalb am Ufer eines Flusses zum Gebet. Und der Herr sandte ihr seine Boten, die ihr das Heil durch den Glauben an den Herrn Jesus Christus verkündigten (16,13.16).

Jede Gelegenheit wird ergriffen, um gemeinsam die Knie vor Gott zu beugen: Beachte die ergreifenden Abschiede vom Apostel am Strand (20,36; 21,5) und die Begegnung des Apostels mit den Brüdern von Rom (28,15). Sind das nicht Beispiele für unsere brüderlichen Zusammentreffen? Sei es im familiären Kreis, sei es, wenn einige Freunde zusammenkommen, immer ist es ein kostbares Vorrecht, sich gemeinsam an unsern Gott zu wenden, wenn wir zusammen sind. Und wenn der Herr uns verschiedene Gelegenheiten schenkt, uns zusammen zu freuen, dann lasst uns nie vergessen, Dem zu danken, der uns solche Freuden austeilt. Indem wir Ihm den Dank unserer Herzen bringen, werden wir auch genügend Gebetsgegenstände finden und Fürbitte tun für unsere Brüder, die durch Leiden gehen.

Es kann auch vorkommen, dass die Herzen einiger Brüder geübt sind über Umstände und Zustände, wovon die Versammlung noch keine Kenntnis hat. Bevor sie es die Versammlung wissen lassen, sagen sie es dem Herrn; denn das Gebet der zwei oder drei wird wirksamer sein, als alles, was in der Versammlung gesagt werden könnte, solange die Tatsachen nicht klar festgestellt sind. Der Hirtendienst, der sich aus einer solchen Gebetsübung ergeben wird, wird nützlicher sein. Vielleicht können so viele Dinge vermieden werden, die für die Versammlung sehr schmerzlich wären.

Das Gebet der Versammlung

Besonders kostbar sind die Momente, die dem Gebet der Versammlung gewidmet sind. Die Gläubigen hatten dies schon verstanden, als diese erst im Entstehen war; denn in Kapitel 2,42 wird gesagt: «Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten.» Was immer der entsprechende Wert der verschiedenen Zusammenkommen sein mag, hüten wir uns davor, die Gebetsversammlung zu unterschätzen. Die Vernachlässigung einer solchen Zusammenkunft wird bald zu einer geistlichen Verarmung führen, noch eher als das Vernachlässigen der Erbauungsstunde. Der regelmässige Besuch der Gebetsstunden wird im Gegenteil die geistliche Entwicklung dessen, der dies aus Liebe zum Herrn und nicht um eines Verdienstes willen am Herzen hat, günstig beeinflussen. Es wird zum beharrlichen, regelmässigen Besuch der verschiedenen Zusammenkünfte führen, wo die Gläubigen sich um Christus versammeln, sei es um anzubeten und Brot zu brechen, sei es zur Wortverkündigung oder zum Gebet.

Neben den regelmässigen Gebetsstunden hat die Versammlung das Vorrecht, sich zum gleichen Zweck zusammenzufinden, wenn besondere Umstände sie dazu führen. Das war der Fall bei der Gefangennahme des Apostels Petrus: «Aber von der Versammlung geschah ein anhaltendes Gebet für ihn zu Gott» (12,5). Zweifellos versammelten sie sich schon nicht mehr alle an einem Ort, vielleicht stiegen die Gebete nicht alle im gleichen Augenblick zu Gott empor; und doch bleibt es wahr, dass die ganze Versammlung wegen dieser Sache im Gebet war. Einige befanden sich zu später Nachtstunde in einem besonderen Haus. Das, was sie beisammenhielt, war der Gedanke an den gefangenen Petrus, den der Heilige Geist in den Herzen aller bewegte, sogar als sich der Zweifel ein wenig einschlich (V. 12-15). Gott sei Dank, dass Er nicht entsprechend dem Mass unseres Glaubens antwortet, sondern vielmehr gemäss seiner Gnade, und das trotz unserer Zweifel.

Fürchten wir uns nicht, uns mit zu grosser Kühnheit an Gott zu wenden, wenn ein dringendes Bedürfnis auftritt Sagt uns das Wort nicht: «Ihr, die ihr Jehova erinnert, gönnet euch keine Ruhe und lasst ihm keine Ruhe, bis er...!» (Jes. 62,6.7). Das Gleichnis vom ungerechten Richter gibt uns die gleiche Belehrung für die Ermunterung derer, die Tag und Nacht zu Gott rufen, ohne immer die Erhörung ihres Flehens zu sehen (Luk. 18,1-8).

Auch in Kapitel 13,2.3 der Apostelgeschichte haben wir das Beispiel einer Gebetsversammlung in Verbindung mit einer besonderen Übung. Die Versammlung in Antiochien, die durch den Heiligen Geist geleitet wird, in Gebet und Fasten vor dem Herrn zu sein, kann so ihre Gemeinschaft mit Barnabas und Saulus ausdrücken, die vom Heiligen Geist zu einem besonderen Dienst berufen sind. Wir sehen auch das Resultat. Ein solcher geistlicher Zustand in einer Versammlung ist der geeignete Boden für das Gedeihen eines Dienstes, der zum Segen der ganzen Versammlung ist. Möchten auch wir inmitten der verschiedenen örtlichen Versammlungen, trotz der Zeiten der Schwachheit, in denen wir leben, mehr die Abhängigkeit und Gemeinschaft des Heiligen Geistes verwirklichen!

Die Regelmässigkeit der Gebetsversammlungen ist oft ein Anzeiger für den geistlichen Zustand einer Versammlung; denn da zeigt sich bei denen, die teilnehmen, am besten, ob eine wirkliche Gemeinschaft mit dem Herrn vorhanden ist. Suchen wir vor Ihm nach den Gründen für die oft fehlende Freimütigkeit, die zu bedauern ist. Hüten wir uns, einfach die Abwesenden oder die schweigsamen Brüder dafür verantwortlich zu machen. Eine ernsthafte Prüfung unseres Gewissens wird uns dazu führen, das zu erkennen, was in unseren eigenen Herzen gerichtet werden sollte. Dann wird der Herr unseren oft so lauen Gebetsversammlungen mehr Leben geben können.

Antworten auf Gebete

Die Apostelgeschichte berichtet uns auch einige Male, wie Gott die Gebete seiner Kinder erhört hat. Als der Herr Jesus noch bei seinen Jüngern war, hatte Er ihnen schon gesagt: «Bittet, und es wird euch gegeben werden ... denn jeder Bittende empfängt ... Der Vater, der vom Himmel ist, wird den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten!» (Luk. 11,9.10.13). Zu diesem Zweck befand sich die Schar der Apostel mit andern in dem Obersaal. Von ihnen heisst es: «Diese alle verharrten einmütig im Gebet» (Apg. 1,14). Die Verheissung des Herrn erfüllte sich bald darauf, als «sie alle an einem Orte beisammen waren» (2,1). Kurze Zeit später erheben die Apostel wieder ihre Stimme zu Gott, dem Allmächtigen, und bitten Ihn, dass Er ihnen gebe, sein Wort mit aller Freimütigkeit zu reden, und dass Er seine Hand ausstrecke zur Erweisung der Macht des Namens Jesu. Die göttliche Antwort lässt nicht auf sich warten, und sie alle werden mit Heiligem Geist erfüllt. Wenn wir uns mehr in dieser Haltung des Gebets befänden, würden auch wir, ohne etwas Aufsehenerregendes zu suchen, mehr von der Kraft des Geistes verwirklichen, zu einem fruchtbaren Zeugnis zur Verherrlichung des Herrn Jesus.

Sei es für eine zeitliche Befreiung, sei es für das Heil der Seelen, die Diener des Herrn sind auf ihren Knien vor Gott, und Er wird ihnen antworten. So offenbarte Gott seine Zustimmung im Blick auf seine Zeugen in den gesegneten Tagen der ersten Frische des Anfangs. Die Verheissungen Gottes sind aber nicht auf diese erste Zeit begrenzt. Ein klares Unterscheiden des göttlichen Willens wird uns verstehen lassen, welches die Bedürfnisse des Zeugnisses in den Tagen sind, in denen wir leben. Und wir werden unter der Leitung des Geistes dazu geführt, mit Verständnis zu beten. Ob es persönliche oder gemeinsame Gebete, Fürbitten oder Bitten für unsere eigenen Nöte sind, alle diese Übungen bringen die Seele in eine innige Nähe von Gott. Wir werden dabei die Fülle unserer Bedürfnisse zu spüren bekommen, aber auch die Grösse der Hilfsquellen der Gnade. Diese göttliche Gnade wird uns genügen, selbst wenn wir eine negative Antwort auf unsere Bitten erhalten sollten. In der vollen Gewissheit der unendlichen Weisheit unseres Gottes dürfen wir unser Bitten und Flehen immer mit Danksagung verbinden, und gleichzeitig werden wir den Frieden Gottes geniessen, der unsere Herzen beständig bewahren wird (Phil. 4,6.7).

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Letzte Änderung am 27.03.2010.